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Der schönste erste Satz von Mallanaga Vatsyayana aus dem Kamasutra

17. August 2007 | Von | Kategorie: Bücher, Der schönste erste Satz

Als der Herr alles Seienden die Geschöpfe, Männer wie Frauen, aus seiner Hand in die Welt entlassen hatte, da erteilte er ihnen seine Gesetze, nach denen sie ihr Leben führen sollten.

Kamasutra von Mallanaga aus der Sippe der Vatsyayana

KamasutraDas Kamasutra (Sanskrit: „Verse des Verlangens“), geschrieben vermutlich zwischen 200 und 300 n. Chr. von Mallanaga Vatsyayana, gilt als einer der einflussreichsten Texte der Weltkulturgeschichte zum Thema der erotischen Liebe, ist aber weit mehr als ein simples Erotiklehrbuch, auf das es reduziert wird. Der volle Titel des in Sanskrit verfassten Buches lautet Vatsyayana Kamasutra.

Das Kamasutra wurde erstmals 1884 von Richard Francis Burton aus dem Sanskrit ins Englische übersetzt und in der westlichen Welt überwiegend als schlüpfriges Handbuch für Sexualpraktiken missverstanden. Der indische Kulturraum ist von starken sozialen Zuordnungen geprägt. Soziales Verhalten misst sich sehr stark daran, was man in der eigenen Kaste tun darf und tun muss. Abweichungen vom Normverhalten werden stark sanktioniert. In allen Schichten und Kasten herrscht eine patriarchale und heterosexistische Ordnung, die allerdings in urbanen Zentren, in denen das Kamasutra entstand, ins Wanken geriet. Das Werk verstand sich als Anleitung für die erotisch-sexuelle und zugleich die ethische Lebenskunst und bietet sehr detaillierte und pragmatische Anleitungen und Stellungen beim Geschlechtsverkehr, wobei die darin beschriebenen homosexuellen Sexpraktiken sich den heterosexuellen klar unterordnen. Die Beschreibungen homosexueller Praktiken sind aber bei der Übersetzung ins Englische schlicht weggelassen worden. Weiterhin beschrieben und reglementiert sind Partnerwahl, Machterhalt innerhalb der Ehe, der Ehebruch, die Prostitution und der Gebrauch von Drogen. Aufgrund der Beschreibung von vier Schlagarten beim Liebesspiel, sowie der zulässigen Körperregionen für Schläge gilt das Kamasutra als einer der ersten historischen Anleitungstexte mit BDSM-Bezug. Unter anderem werden Arten der wolllüstigen Schmerzenslaute des Bottoms vorgestellt oder die Perforation der Glans mit einem Apadravya zur Luststeigerung der Frau empfohlen. Im Text wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auf Schlägen basierende Spiele ebenso wie das Beißen und Kneifen beim Geschlechtsverkehr nur erfolgen darf, wenn diesbezüglich Einvernehmlichkeit zwischen den Partnern besteht. Als Grund hierfür führt der Text an, dass nicht alle Frauen derartige Praktiken als lustvoll empfinden. Aus dieser Sicht dürfte das Kamasutra den ersten schriftlich überlieferten Text über SM-Praktiken und -Sicherheitsregeln darstellen.

Erwerb der drei Güter

Im altindischen Glauben, dem das Kamasutra zugrunde liegt, gilt es, im Leben drei „Güter“ zu erwerben: Dharma, das spirituelle Wohl durch Befolgung religiöser Richtlinien, Artha, materielle Güter und Reichtum und Kama, den sinnlichen Genuss. Höchste Priorität hat dabei Dharma, danach folgt Artha und schließlich Kama; ein Gut mit niedrigerer Priorität darf nach dem Kamasutra den Erwerb eines höherwertigen Gutes nicht stören.

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6 Kommentare
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  1. ein Tipp vorab: also, es ist mindestens so bekannt wie der Knigge, hat eine ähnliche Funktion nur auf einem gänzlich anderem Sektor und es ist wesentlich älter als der Knigge :-)

  2. Mir fällt auf Anhieb nur die Bibel ein (AT), würde in die Genesis reinpassen. Aber erster Satz? *grübel*
    (aber nicht allzu lange, ich zieh jetzt noch was um die Häuser!)
    Lg

  3. gar nicht übel – aber es geht im Prinzip um drei Güter, die es im Leben zu erwerben gilt – nämlich 1. Dharma, das spirituelle Wohl durch Befolgung religiöser Richtlinien, 2. Artha, materielle Güter und Reichtum und 3. verrate ich nicht, sonst weißt du es gleich :-)
    P.S.: das wusste ich übrigens nicht, habe nachgeschaut, ich habe hier nur eine Ausgabe von 1967 von einem Flohmarkt und fand den ersten Satz na sagen wir mal “ungewöhnlich”…
    (hoffentlich war es nett bei deinem Zug um die Häuser *g)

  4. Meinst du das jetzt in Richtung Ayurveda oder eher in diese hier? Bei Buddha war ich schon, schöpfermäßig. Naja, Tolkien war auch in meiner engeren Auswahl… Und mein Zug durch die “Gemeinde” geht noch ein bisschen weiter!
    Lg

  5. sorry, dass es so lange gedauert hat mit der Antwort, du kannst dir einen neuen Keks abholen (welche magst du denn am liebsten?)
    Das Kamasutra ist wahrscheinlich um 250 n Chr. verfaßt worden. Der Autor war ein gewisser Mallanaga aus der Sippe der Vatsyayama. Meistens wird er nur Vatsyayana genannt. Aber das steht ja alles in deinem wunderbar ausführlichen Link da oben.
    Im Buch geht es folgendermaßen weiter:
    In hunderttausend Kapiteln legte er die für sie bestimmten drei Lebensziele dar:
    Dharma – die Frömmigkeit
    Artha – das Erwerbsstreben
    Kama – die Lust
    Freue mich auf einen neuen Vorschlag von dir – hoffe, du hast deinen Zug inzwischen gut überstanden :-) Lg

  6. Nun gut, ma chère, hier ist mein neuer Erster Satz:
    Alle Menschen, von welchem Stande sie auch seien, die etwas Tugendsames oder Tugendähnliches vollbracht haben, sollten, wenn sie sich wahrhaft guter Absichten bewußt sind, eigenhändig ihr Leben aufsetzen, jedoch nicht eher zu einer so schönen Unternehmung schreiten, als bis sie das Alter von vierzig Jahren erreicht haben.
    Diese schöne Einsicht stammt aus der Autobiografie eines Mannes, der übrigens weniger durch seine literarischen Ergüsse Weltruhm erlangte.
    Hier noch zwei Tipps: Er war kein Deutscher. Und das Werk wurde von Goethe übersetzt.

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