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Schloss aus Glas von Jeannette Walls

17. August 2007 | Von | Kategorie: Bücher, Lesekreis, Rezensionen

Schloss aus GlasKurzbeschreibung
Jeannette Walls ist ein glückliches Kind: Ihr Vater geht mit ihr auf Dämonenjagd, holt ihr die Sterne vom Himmel und verspricht ihr ein Schloss aus Glas. Was macht es da schon, mit leerem Bauch ins Bett zu gehen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Wohnort zu wechseln. Doch irgendwann ist das Bett ein Pappkarton auf der Straße, und eine Adresse gibt es schon lange nicht mehr.

Jeannette Walls schildert autobiographisch ihre Kindheit.

„Ich nestelte an meiner Perlenkette und fragte mich, ob ich nicht doch zu elegant für die Party angezogen war, als ich aus dem Taxifenster schaute und Mom sah, die gerade einen Mülleimer durchwühlte”.

So beginnt das Buch von Jeannette Walls, die heute als Kolumnistin in New York lebt und arbeitet. Diese im Bürgertum lebende junge Frau sieht auf dem Weg zu einer Party ihre Mutter, die in einer am Straßenrand abgestellten Mülltonne nach Essensresten sucht. Sie wendet sich ab, da sie sich ihrer schämt. Dies reflektierend fängt sie an ihre Geschichte zu erzählen.

Die Mutter, eine egomanische Pseudo-Künstlerin, mit einem College-Abschluss als Lehrerin, arbeitet nur, wenn es gar nicht mehr anders geht. Sie predigt ihren Kindern stets Unangepasstheit.
Der Vater, ein Mensch mit überspannten Ideen, ein Träumer mit genialen Ideen, die er nie realisiert. Zudem ein Säufer, der in betrunkenem Zustand seine Frau schlägt, die Kinder beklaut und ständig auf der Flucht vor Gläubigern ist.
Intensiv vermitteln die Eltern ihren vier Kindern intellektuelle Werte, lehren sie, die Schönheiten der Natur wahrzunehmen. Jeannette, die Zweitgeborene ist die Lieblingstochter des Vaters. Die Faszination der Eltern in den guten Tagen wird deutlich, aber auch deren stetiger Absturz. Um die jüngste Tochter kümmert sich niemand, sie wird praktisch in der Nachbarschaft groß. Sie haben nie richtig zu essen, das Haus ist baufällig und undicht, Kleidung wird geklaut oder stammt aus dem Second Hand Laden, es gibt keine sanitären Anlagen, im Winter ist nichts da um zu heizen. Gespannt ist man als Leser, wann die Kinder anfangen zu rebellieren und die Zustände in Frage zu stellen. Eins nach dem anderen verlässt schließlich das Elternhaus um in New York Fuß zu fassen.

Jeannette Walls schildert in einem rasanten nie anklagenden, boshaften oder hasserfüllten Ton ergreifend offen und ehrlich ihre Kindheit in Amerika vor fast 40 Jahren. Das Buch ist spannend, irritierend und unbedingt zu empfehlen.

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Ein Kommentar
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  1. Gabi schrieb in http://www.lesenblog:

    Jeannette hat einen Vater, der mit ihr auf Dämonenjagd geht, ihr die Physik erklärt und zum Geburtstag einen Stern schenkt. Sie vergöttert ihren Vater, einen Träumer, einen Säufer, und nimmt in Kauf, immer wieder mal mit knurrendem Magen abends ins Bett gehen zu müssen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen wieder mal den Wohnort wechseln zu müssen. Auch die Mutter ist ihr keine Hilfe, kümmert sie sich doch mehr um ihr Künstlerdasein als um die Kinder.

    Mit den Jahren werden die sozialen Umstände schlimmer, die Lügen der Eltern so zerbrechlich wie das “Schloss aus Glas”, das der Vater der kleinen Jeannette jahrelang versprochen hat.

    Ein sehr nachdenklich stimmendes Buch, unsentimental, locker und auch munter erzählt.

    Bewertung: ***

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