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Dr. Hope: Prof. Dr. Marita Krauss erhebt Plagiatsvorwürfe gegen ZDF und Autoren

19. Februar 2010 | Von | Kategorie: Buchskandale, Lesekreis

Wem gehört die mediale Wahrheit über die erste Münchner Ärztin Dr. Hope Bridges Adams Lehman?

Im Abstand von zwei Tagen sind die Bücher:

“Dr.Hope – Eine Frau gibt nicht auf: Deutschlands erste Ärztin” von Torsten Dewi (Autor) und Katrin Tempel (Autorin) und

“Hope: Dr. Hope Bridges Adams Lehmann – Ärztin und Visionärin. Die Biografie” von Marita Krauss (Autor) erschienen.

Der Piper Verlag hat am 26.09.2009 den Roman von Torsten Dewi und Katrin Tempel veröffentlicht, die Biografie von Marita Krauss erschien am 28.09.2009 im Münchner Volk Verlag.

Schon am 18.09.2009 berichtete die Süddeutsche Zeitung ausführlich über einen Plagiatsvorwurf von Marita Krauss gegen die Autoren Dewi und Tempel.

Prof. Dr. Marita Krauss, die Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg lehrt und durch viele Publikationen, Ausstellungen und Rundfunksendungen als hervorragende Kennerin der Münchner und bayerischen Geschichte bekannt ist, hat in 15-jähriger kriminalistischer Kleinarbeit die Puzzleteile um die längst vergessene erste Münchner Ärztin Dr. Hope Bridges Adams Lehmann zusammengefügt.

Der Nachlass von Dr. Hope war im Krieg verloren gegangen und so führten die Recherchen Frau Krauss nach Hamburg, Dresden, Leipzig, Karlsruhe, Bonn, Offenburg, Frankfurt, Berlin, Amsterdam, London, Dublin, Montevideo und Australien. Ihre Ergebnisse veröffentlichte sie 2002 in dem Buch “Die Frau der Zukunft – Dr. Hope Bridges Adams Lehman 1855 – 1915. Ärztin und Reformerin”, in Rundfunk-Features und in einer Ausstellung im Münchner Gasteig.

Nach Angaben der SZ wurde Katrin Tempel (damals Katrin Kaiser) in der Ausstellung über Dr. Hope im Gasteig auf die ungewöhnlich moderne Frau aus dem 19. Jahrhundert aufmerksam.

“Meine Ko-Autorin Katrin hat mich vor über drei Jahren auf diesen Stoff hingewiesen, und ich war sofort Feuer und Flamme, über so ein begeisternswertes Leben zu schreiben”, schreibt Torsten Dewi am 13. Juni 2007 auf seinem Blog Wortvogel. Am 24. September 2008 geht Torsten Dewi genauer auf die Entstehungsgeschichte zu seinem Roman und dem Drehbuch über “Hope” zu dem ZDF-Zweiteiler, der in der Zwischenzeit nach seiner Vorlage entstanden war, ein.

“Gerade wenn man Stoffe und Biographien behandeln will, an denen noch Rechte hängen, kommt man schnell in Teufels Küche. Passiert mir durchschnittlich zweimal pro Jahr…”, schreibt Dewi in einem Kommentar zu seinem Artikel am 24.09.08.

Der historische Zweiteiler “Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf” wird zunächst am 19. März auf Arte ausgestrahlt. Das ZDF zeigt die je 90-minütigen Folgen am 22. und 24. März. Darin spielt Heike Makatsch die Rolle der Hope Bridges Adams, eine Pionierin der Frauenbewegung und erste Frau, die in Deutschland ein medizinisches Staatsexamen ablegt.

Marita Krauss wirft Torsten Dewi und seiner Co-Autorin Katrin Tempel vor, sich ordentlich an ihrer Biografie über Hope Bridges Adams Lehmann bedient zu haben, wie sie dem “Münchner Merkur” (Ausgabe vom 18.02.2010) sagte.

Ihre grundlegende Forschungsarbeit über die erste Ärztin in Deutschland und Vorreiterin der Frauenemanzipation habe sie auf Basis einer schwierigen Quellenlage geschrieben. Vor allem ihre Schlussfolgerungen seien kopiert worden. 

“Die beiden Autoren haben sogar meine Tippfehler abgeschrieben”, sagte sie der Zeitung. “Es wurde alles ungeprüft übernommen.” Vieles im Film sei zudem “extrem verfälschend” dargestellt, so Krauss über die fünf Millionen Euro teure, gebührenfinanzierte Produktion.

In dem im September 2009 in der Süddeutschen Zeitung erschienen Artikel wurde berichtet, dass die Produktionsfirma Hofmann und Voges, die den Zweiteiler im ZDF-Auftrag vorbereitete, zunächst mit Frau Krauss über die Nutzung der Forschungsergebnisse und Printrechte verhandelt hatte. Die Verhandlungen wurden aber Anfang 2009 eingestellt, weil man sich nicht einigen konnte. Es entstünden keine Rechte, weil die Autoren Dewi und Tempel alles selbst erfunden und nachrecherchiert hätten, teilte man ihr mit.

Dies sieht Frau Krauss anders, sie will auf die Nennung: “Nach einer Vorlage von Marita Krauss” und Entschädigung klagen.

Dewi reagierte gereizt auf das Thema und wollte sich nicht weiter dazu äußern, schreibt der Münchner Merkur. In einem Kommentar äußerte sich der Autor zu dem Plagaiatsvorwurf von Frau Krauss auf dem Blog Tiniaden folgendermaßen:

Torsten Dewi – 14. Februar 2010
Der Autor spricht:
Von einem neuen Remix-Fall kann bei “Dr. Hope” nicht die Rede sein – vergleichbar ist die Situation (wenn überhaupt) mit dem Streit um “Tannöd”. Romane und Sachbücher sind (auch rechtlich) zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Historische Fakten, Personen und Ereignisse sind nicht geschützt – ein Historiker kann tatsächliche Geschehnisse nicht als sein Eigentum betrachten, das es zu lizensieren gilt. Das gilt besonders dann, wenn die Quelle an keiner Stelle verheimlicht wurde. Die histoische Figur Dr. Hope Lehmann gehört niemandem – nicht den Erben, nicht dem Museum, nicht einem Historiker. Im Fall von KREATIVER Eigenleistung bin ich ein Gegner der These, dass alles erlaubt ist – abschreiben ist tabu.

Torsten Dewi – 14. Februar 2010
Nochmal der Autor
Der Tannöd-Fall ist in der Tat ein Präzedenzfall, weil er lediglich die gültige Rechtsprechung bestätigt. Und der SZ-Artikel zitiert ausschließlich die Historikerin selbst, ohne Sender, Produktionsfirma, oder Autoren zu Wort kommen zu lassen. Man beachte auch, dass zwar der Eindruck erweckt werden soll, es läge ein justiziabler Fall vor, der Autor des Artikels aber selbst im vorletzten Absatz zugeben muss, dass dem wohl nicht so ist (“Grundsätzlich ist wohl wenig dagegen zu mache…”). Und ich wiederhole mich gerne: Historische Fakten sind nicht Eigentum von Historikern. Man sollte da nicht Äpfel (“Axolotl”) mit Birnen (“Dr. Hope”) vergleichen.

Vielleicht kann Frau Krauss Trost in Theodor Fontanes im Moment wieder sehr aktuellen Ausspruch finden: “Über Plagiate sollte man sich nicht ärgern. Sie sind wahrscheinlich die aufrichtigsten aller Komplimente.”

8 Kommentare
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  1. Neuer Artikel: Dr. Hope: Prof. Dr. Marita Krauss erhebt Plagiatsvorwürfe gegen ZDF und Autoren http://bit.ly/dCymrJ

  2. Wenn ich mir die Fotos ansehe, dann ist Frau Makatsch da absolut fehlbesetzt, die sieht ja nicht mal annähernd wie eine gestandene Frau aus, der man nichts geschenkt hat und die immer hart arbeiten und kämpfen musste.
    Zwar ist es richtig, dass auf historische Fakten kein Monopol erhoben werden kann, wenn aber Frau Dr. Krauss fünfzehn Jahre lang (!) diese Fakten zusammenträgt und dann nicht mal erwähnt wird, finde ich das absolut ungerecht und falsch. Den Film wollte ich eigentlich ansehen, aber wenn da ohnehin vieles falsch dargestellt wird, dann lasse ich es lieber.

  3. Willkommen Soleil und vielen Dank für deinen Kommentar.
    Ja, in der SZ stand im September 2009:
    [...]Der normale Zuschauer konstatiert, dass der Film tatsächlich und ohne Not aus dem spannenden historischen Stoff eine Liebesschmonzette rund um Hope und ihre zwei Männer macht. Der historische Hintergrund wird weitgehend kursorisch und vor Fehlern strotzend abgehandelt: Hier muss auch die Sozialistin Clara Zetkin Medizin studieren, Hopes Bekanntschaft mit Lenin wird ebenso unterschlagen wie ihr zweites Kind, kaum eine Jahreszahl stimmt und es reicht auch nicht für Details wie den damals in München noch üblichen Linksverkehr. Im stilistisch auf Groschenroman-Niveau stehenden Roman ist die Schludrigkeit noch auffälliger; mehrmals verlässt Otto (Hopes erster Mann) das Zimmer, das er als Carl (Hopes zweiter Mann) betreten hat. Das damals deutsche Straßburg wird in Frankreich vermutet, selbst Namen, die in Krauss` Buch versehentlich falsch geschrieben wurden, werden unverändert übernommen. Entscheidene Quellen wie drei Fotoalben wurden nachweislich nicht gesichtet.[...]
    Vielleicht trägt Heike Makatsch in dem Film ja diese Rüschenkleidchen und Corsagen, weil die wirlich nicht wussten wie Hope tatsächlich ausgesehen hat.
    LG und schönen Tag ;-)

  4. Achherje! Das klingt nach Verriss – und das offenbar zu Recht. Nein, so einen Film muss ich nicht sehen. Aber wenn so viel falsch ist (das Beispiel mit den Männernnamen entsetzt mich!), frage ich mich, wofür da mehrere Millionen ausgegeben worden sind.

  5. [...] & Voges gestern vor dem Landgericht München einen widerruflichen Vergleich. Im Streit um Plagiatsvorwürfe gegen den ZDF-Film Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht ist also eine Einigung in [...]

  6. Der Streit zwischen der Historikerin und den Autoren des TV-Film-Drehbuchs ist mit einem Vergleich beendet worden. Die Historikerin bekam für das Auffinden des Themas (wohl aber nicht für ihre jahrelangen Recherchen) € 15.000,–.
    Ich habe gerade den Film in ARTE gesehen: Ein TOLLES Thema wurde filmisch völlig verhunzt. Die Regie ist unangenehm süßlich, eine ungute Filmmusik verdudelt alles. Die Figuren sind sehr eindimensional angelegt, das kann dem enorm erfolgreichen Kampf dieser Frau nicht gerecht werden. Die Schauspielerei ist unter aller Kritik. Die Mimik der Schauspieler ist stets starr, es gibt nur einen einzigen Gesichtsausdruck. Heike Makatsch wurde wahrscheinlich gewählt, weil sie schon Käthe Kruse gespielt hat. Sie kann aber nicht schauspielern. Makatsch ist ja schon äußerlich der Inbegriff des Püppchens und ausgerechnet so jemand soll eine “gestandene” Frau spielen, gestanden und widerstanden in jedem Sinn des Wortes? Makatsch ist eine krasse Fehlbesetzung. Wenn sie eine Kokotte darstellt, würde sie wahrscheinlich glaubhaft wirken, aber eine Ärztin, die gegen das bayrische katholische Establishment Abtreibungen durchgeführt hat? Dafür ist sie die eklatant Falsche.
    Noch was zum Drehbuch: Im Film wird so getan, als ob Dr. Hope am Ende resigniert gewesen wäre. Das KANN nicht der Fall gewesen sein. Ein Mensch mit solchen analytischen Fähigkeiten in Wissenschaft und Politik weiß um das Hin und Her in der Geschichte, er/sie weiß auch um die großen Möglichkeiten einer/s Einzelnen und ihrer Beschränkungen. So jemand weiß auch um die eigenen Leistungen, auch in Momenten, wo alle Anderen das (noch) nicht sehen können.
    Der Film hat einen einzigen Wert: Er hat uns auf diese Pionierin hingewiesen, das Thema und das Leben dieser Frau geben Hoffnung.

  7. Ich konnte den inneren Schweinehund nicht besiegen und habe den Film angesehen. Zwar habe ich, da ich frisch von der Buchmesse herein war, die ersten zehn Minuten verpasst, aber da wird nichts so weltbewegendes geschehen sein.
    Wie erwartet ging es nur um die Männerbeziehung(en). Die soziale Komponente (auch beim Ehemann!) wurde irgendwie völlig unter den Teppich gekehrt. Zwar saß mal eine gebeutelte Frau (sie war eine) mit acht Kindern und Tuberkulose, aber Schwamm drüber.
    Heike Makatsch ist nun mal eine schöne Frau, die kann man nicht so leicht auf “unansehnlich” trimmen. Auch wenn die Haare gefärbt (nur weiß, nicht schwarz) werden, die trotzdem die ganze Zeit über die gleiche Frisur zeigen. Auch wenn einige Falten und unreine Haut geschminkt werden. Und sie bleibt auch schlank, wenn man versucht, den Rock höher zu ziehen.
    Das Ende war demütigend. Alles verloren, aber da kommt eine Frau, der sie einst das Leben gerettet hat, als Trostpflaster.
    *seufz* Ich glaube, der Film gefällt bestimmt einigen, aber mir nicht. Ich sehe auch die 5 Millionen nicht, außer villeicht in den historischen Autos. Aber eines hat der Film erreicht: Ich bin neugierig geworden auf diese Frau und möchte mehr erfahren. Darum lese ich nun Frau Dr. Krauss’ Buch. Hoffen wir, dass andere ähnlich denken.

  8. Da bin ich der gleichen Meinung wie Soleil, durch den Film bin ich sehr neugierig geworden.Nun will ich mehr über Dr. Hope wissen.. D.h. so schlecht kann der Beitrag von Heike Makatsch also auch nicht gewesen sein…lach Übrigens fand ich das Gesicht von Heike Makatsch sehr ausdrucksvoll, sie ist schön..
    und…. immerhin hat sie uns doch auf Dr. Hope ( egal wie ) neugierig gemacht, das ist doch eine gute Leistung, oder ? .Das Buch von Marita Krauss werde ich sofort kaufen. Meinen tiefen Dank an Marita Krauss und ihre phantastische Arbeit. Wie konnte man eine Frau wie Hope Bridges, Adams Lehmann übersehen? Sie war ihrer Zeit weit voraus, ich möchte nicht wissen, wieviele Männer ( zu-und nach ihrer Zeit) von Dr. Hopes Visionen und Erfahrungen profitiert haben? Und ehrlich….wir Frauen sehen zwar viel mehr Land als damals…aber das Ufer haben wir immer noch nicht erreicht !! Und…von der Hoffnung allein läßt sich nicht leben, es fehlt eben, auch Heute noch, an mehr Frauen wie Dr. Hope Bridges Adams Lehmann.!!

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