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Ngũgĩ wa Thiong’o im Literaturhaus München

15. September 2012 | Von | Kategorie: Lesekreis, Lesungen, Literaturhaus München, München

Aufgrund des großes Interesses begann die Veranstaltung im Literaturhaus München am 14. September 2012 mit ein wenig Verspätung. Während das Literaturhausteam fleißig zusätzliche Stühle im Saal platzierte, standen die Besucher an der Kasse noch in einer Schlange, die bis ins Treppenhaus reichte. Kein Wunder, denn das Münchner Literaturhaus eröffnete das Herbstprogramm mit einem Paukenschlag. Ngũgĩ wa Thiong’o, der 74-jährige kenianische Schriftsteller und Literaturnobelpreisanwärter, war angekündigt.

Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler moderierte die Veranstaltung. Ngũgĩ wa Thiong’o erzählte von seiner Kindheit, den vier Frauen seines Vaters, den 24 Geschwistern und wie er, der bis zu seinem 9. Lebensjahr barfuß gelaufen war, auf Drängen und mit Unterstützung seiner Mutter die Schule als Jahrgangsbester absolviert hatte und somit ein Stipendium der Makerere-Universität in Uganda und der University of Leeds in Großbritannien erlangte. Während seiner Schulzeit lernte er in seinem noch unter britischer Kolonialherrschaft stehenden Landes die Ungerechtigkeit der 2-Klassen-Gesellschaft kennen.

In englischer Sprache veröffentlichte er 1964 seinen ersten Roman Weep Not, Child. Seit 1978 übersetzt und publiziert er seine Werke, die er in seiner Muttersprache Kikuyu (Eigenbezeichnung: Gĩkũyũ) verfasst, ins Englische. Ende der 70er Jahre wurde Thiong’o ohne Prozess unter der Herrschaft der Regierung von Daniel arap Moi inhaftiert.

Sein neuer Roman Herr der Krähen, der im Juni 2011 im A1 Verlag erschienen ist, ist eine lebendige, ausdrucksstarke Satire über den Prototyp des afrikanischen Despoten, die mit tiefgründigem Humor die Lebensbedingungen in einer zunehmend globalisierten Welt thematisiert, heißt es in der Kurzbeschreibung des Verlags. Die Textpassagen, die Knut Cordsen vom Bayerischen Rundfunk vorlas, bestätigten vor allem den tiefgründigen Humor. Der Büchertisch der Münchner Buchhandlung Lentner war nach der Veranstaltung fast komplett leer, vielleicht auch deshalb, weil Sigrid Löffler diesen Roman als das wichtigste afrikanische Buch des 21. Jahrhunderts bezeichnet hatte. Ngũgĩ wa Thiong’o nahm sich im Anschluss viel Zeit und signierte geduldig die vielen, vielen Exemplare, die ihm vorgelegt wurden.

Ngũgĩ wa Thiong’o mit seinen Söhnen Björn u. Thiong´o

Währenddessen nahmen zwei seiner Söhne, die ihn zu der Lesung begleitet hatten, hinter ihm auf der Bühne Platz. Björn, links im Bild, lebt in Schweden und arbeitet als Journalist und auch sein 17-jähriger Sohn Thiong’o, rechts im Bild, will in die Fußstapfen seines Vaters treten. Zwei weitere Kinder, eine Tochter, die in Finnland lebt und ein Sohn, der gerade an der Universität in Kampala einen Abschluss in Deutsch gemacht hat, schreiben ebenfalls.

2 Kommentare
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  1. Auch wenn es jetzt schon ein paar Wochen her ist, ist mir die Lesung noch sehr leibhaftig im Gedächtnis.
    Ngũgĩ wa Thiong’o ist unglaublich charismatisch. Wie er mit einem feinsinnigen Lächeln und niemals mit Groll oder gar Hass von seinem Gefängnisaufenthalt erzählt hat, hat er mich eher an den Dalai Lama erinnert. Als er erzählte, wie er seine Geschichten auf Klopapier geschrieben und rausgeschmuggelt hat, konnte er sich heute noch köstlich amüsieren, wie er das System ausgetrickst hat und die Wächter verrückt gemacht hat, weil die sich nicht vorstellen konnten, was es in seiner Situation zu lachen gäbe. Ein toller Typ. Ich freue mich schon, den 940-seitigen Wälzer zu lesen.

  2. hi Hanne,
    das geht mir genauso und ich freue mich schon auf den “Herrn der Krähen” – habe sogar schon ein paar Seiten gelesen. ;-)
    Ich wünsche ihm übrigens den Literaturnobelpreis von Herzen. ;-)
    LG

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