Im Februar 1989 verhängte der Ajatollah Chomeini in einer Radioansprache ein Todesurteil über den am 19.06.1948 in Bombay geborenen Salman Rushdie. Anlass gab Rushdies 1988 erschienener vierter Roman „Die satanischen Verse“, in dem sich Rushdie erstamls mit dem Islam beschäftigt. Der Prophet Mohamed erhält in dem Roman eine göttliche Eingebung vom Erzengel Gabriel, die eine Rückkehr zum Polytheismus (Vielgötterei) bedeutet. Erst später entpuppt sich der Engel als Satan und so verschwinden die „satanischen Verse“ aus dem Koran. Der Zorn der islamischen Welt richtete sich gegen die respektlose Darstellung Mohammeds.

In Indien starben 12 Menschen bei Unruhen, Rushdies japanischer Übersetzer wurde ermordet, sein norwegischer Übersetzer niedergeschossen, bei einem Hotelbrand starben 37 türkische Intellektuelle während eines Literaturfestivals, weltweit kam es zu Anschlägen auf Buchhandlungen, nachdem Chomeini 1989 die Fatwa, ein islamisches Rechtsgutachten, verkündet hatte.

Obwohl Rushdie sich 1990 entschuldigt und zum moslemischen Glauben bekannt hatte, blieb das Todesurteil bis 1998 bestehen. Als die Fatwa aufgehoben wurde, betonte Rushdie jedoch, er sei nicht religiös.

Viele Briten nahmen dem im Jahr 2000 nach New York übersiedelten Rushdie seine neue Lebensart übel. Er führte das Leben eines Dandies, trat mit Rockstars wie Bono von U2 auf, ließ sich auf Parties herumreichen und heiratete das indische Fotomodell Padma Lakshmi.

Als Autor ist er jedoch eine gewichtige Stimme geblieben, als Essayist setzte er sich für einen palästinensischen Staat, die Reform und die Befreiung des Irak ein.

Ich frage mich allen Ernstes, wie naiv sind die Mitglieder des britischen Komitees, das darüber entscheidet, wer von der Queen geadelt wird, eigentlich? Sie zeichnen einen der meistgehassten Personen der islamischen Welt aus und hoffen auf eine Verbesserung zwischen Europa und Asien?

Der Schriftsteller Kiran Nagarkar, der ebenfalls unter der Hetze religiöser Fanatiker wegen seines Buches „Gottes kleiner Krieger“ zu leiden hatte, sagte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: “ Diese Entscheidung wird in der muslimischen Welt enorme Erschütterungen auslösen, und das wird die Jury gewusst haben. Ich hätte mir gewünscht, dass sie sagen, wir geben ihm diesen Preis, weil er ihn nun mal verdient hat für sein Werk, egal, was dann passiert.“

Der pakistanische Religionsminister Muhammad Ijaz-ul-Haq sagte, die Auszeichnung Rushdies sei eine Rechtfertigung für Selbstmordattentate. Lt. Nagarkar kann man diesen furchtbaren Mann gar nicht ernst genug nehmen.

Vor der britischen Botschaft in Teheran wurde bereits gegen den Ritterschlag demonstriert. Das Gebäude wurde mit Steinen und Eiern beworfen. Ich hoffe inständig, dass es dabei bleibt!

In einem offenen Brief haben sich deutsche Schriftsteller für Rushdie eingesetzt: “ Wenn Rushdie mundtot gemacht werden soll, geht das jeden Schriftsteller an, der die Menschenrechte und die Literatur verteidigt und für den die Freiheit der Kunst ein nicht verhandelbares Gut ist. Wir müssen nicht gut finden, was ein anderer sagt, schreibt, denkt – aber um unserer eigenen Freiheit willen müssen wir es ertragen. Und gerade als Schriftsteller müssen wir denen zur Seite stehen, denen das Wort verboten werden soll, gleich welcher Literatur, welcher Kultur sie angehören. Deshalb verurteilen wir die Drohungen, die anlässlich der Verleihung der britischen Ritterwürde an Rushdie von offiziellen und nichtoffiziellen Stellen in Iran und Pakistan gegen ihn laut geworden sind.“ Die Unterzeichner: Navid Kermani, Michael Kleeberg, Marica Bodrozic, Martin R. Dean, Ulrike Draesner, Gerd Haffmans, Joachim Helfer, Guy Helminger, Bernd Irmgrund, Björn Kuhligk, Moritz Rinke, Ingo Schulze, Ruth Schweikert, Tilman Spengler und Cécile Wajsbrot.

Welch wahren Worte und welch frommer Wunsch! Fraglich ist, ob diese Provokation hätte sein müssen, und ob Rushdie selbst sich das gewünscht hätte.

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