Marguerite war ziemlich groß und dabei überschlank gewesen. Aber sie hatte im höchsten Grade die Kunst beherrscht, ihre Kleidung bei aller Einfachheit so zu arrangieren, dass die leise Unvollkommenheit, die sich die Natur hier geleistet hatte, gar nicht in Erscheinung trat. Unter ihrem dreieckigen Kaschmirschal, dessen äußerste Spitze bis zu ihrem Fersen hinabreichte, quollen stets zu beiden Seiten die reichen Volants eines seidenen Kleides hervor, und rings um den großen Muff, den sie, ihre beiden Hände darin bergend, fest an die Brust zu drücken pflegte, bauschte sich so geschickt angeordnetes Gefältel, dass auch das anspruchsvollste Auge an den Umrissen dieser Gestalt nichts vermisste.

Ein wahres Wunder von Zierlichkeit war der kleine Kopf mit dem unsagbar lieblichen Oval des Gesichts. Über den großen, schwarzen Augen wölbten sich die Brauen in klassisch reinem Bogen, wie von Künstlerhand gepinselt. Die Wimpern waren so lang und dicht, dass sie die blassrosigen Wangen mit leisem Schatten überhauchten, wenn sie sich senkten. Das feine, gerade, geistreiche Näschen schien mit den etwas gespannten Nüstern allen Genüssen des Lebens entgegenzuwittern; der regelmäßig geformte Mund ließ beim Sprechen in anmutiger Weise die mattweißen Zähne sehen, und der weiche Schmelz der Haut erinnerte an frischgreifte Pfirsiche, die noch keine Menschenhand berührt hat.

Maguerites tiefschwarzes, durch Natur oder Kunst gewelltes Haar legte sich, über der Stirn gescheitelt, zu beiden Seiten des Gesichts als breiter, weicher Rahmen um die Wangen – gerade so weit, dass die zum Nachken verlaufende Frisur noch die Ohrläppchen sehen ließ, an denen zwei Diamanten im Wert von je vier- bis fünftausend Franc funkelten.

Wie kam es nur, dass das Gesicht dieser Frau trotz ihres von Leidenschaften erfüllten Lebens einen so jungfräulichen, fast kindlichen Ausdruck trug? Ich finde keine Erklärung dafür, ich kann nur feststellen, dass dieser Ausdruck tatsächlich charakteristisch für sie war. -…..

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