Der verkaufte GroßvaterFranz Kotteder, SZ-Redakteur und Autor von Die Billig-Lüge, hat offensichtlich einen schrecklichen Abend im Alpenzelt auf dem Münchner Tollwood-Gelände erlebt. Gestern fand die Premiere der mit Spannung erwarteten eigenen Tollwood-Produktion des bayerischen Kultstücks „Der verkauft Großvater“ statt. Unter der Überschrift

„Jämmerlicher Schmarrn“ und „Der verkaufte Großvater“ auf Tollwoood ist missglückt gipfelt die Kritik in der Aussage, die Inszenierung sei im Grunde eine Beleidigung für das Publikum.

Ja do varreck, wos war denn das? Scheinbar beschlich Franz Kotteder schon nach einer Viertelstunde das Gefühl, dass sich da jemand blamiert ohne es zu merken. Gabi Rothmüller und Alexander Liegl, beide mit viel Erfahrung in der Kleinkunstlandschaft, haben sich der musikalisch-kabarettistischen Neufassung des Stücks für das Winter-Tollwood angenommen. Doch scheinen die bemitleidenswerten Schauspieler nicht komisch, sondern laienhaft zu agieren und wie Laientheater-Deppen rüber zu kommen. Die Popsongs seien weitgehend unmotiviert und ohne neue Texte eingebaut, so dass man sich fast nach der Moderation von Dieter Bohlen sehne, der das ganze nach „Superstar“-Manier kommentiere.

Als guten Moment bezeichnet Franz Kotteder, wenn überhaupt, lediglich die Textpassagen von Winfried Hübner in seiner Rolle als Großvater, wenn er den Originaltext sprechen dürfe.

Alles andere aber sei fruchtbar peinliches Herumgehüpfe- und geträllere, irgendwie zusammengestopselt und notdürftig miteinander verbunden.

7 Gedanken zu „Franz Kotteder zerreißt den verkauften Großvater – eine Premierenkritik

  1. Liebe dolcevita, vielen Dank für deine super auf den Punkt gebrachte Zusammenfassung der Kritik von Franz Kotteder in der SZ vom 30.11.2007. So wie es aussieht kann man sich den Besuch dieser Veranstaltung sparen. Schade!

  2. Aber Hallo Herr Kotteder. Offensichtlich sind Sie ein Mensch, der zum Lachen in den Keller geht. Was erwarten Sie sich eigentlich vom Tollwood?. Ein Shakespearsches Drama oder einen bierernsten Großvater in der Originalversion? Den „Schmarrn“ könnte man sich heutzutage wirklich nicht mehr anschauen.

    Die Idee, den Großvater als bayerisches Musical zu bringen, fand ich hervorragend. Die Umsetzung war witzig, spritzig. Die Schauspieler in Bestform. Klar chargieren sie übertrieben. Das ist aber gewollt, um die Heimattheaterspielweise kabarettistisch auf die Schippe zu nehmen. Dass im Wesentlichen Originaltexte verwendet wurden, hatte den Vorteil, dass man auch die Originalstimmen hörte und damit einen echt tollen Sound mit den bekanntesten Rock-Oldies der 80-er.

    Sicher ist dies für einen hochgeistigen Menschen wie Herrn Kotteder, der wahrscheinlich nur modernes oder absurdes Theater liebt, mit dem kein normaler Mensch etwas anfangen kann (siehe Hänsel und Gretel vom vorigen Jahr), ein „Schmarrn“ und eine „Zumutung fürs Publikum“. Diese Aussage finde ich eine Zumutung. Wie kommen Sie Herr Kotteder eigentlich zu der Annahme, dass Ihr Geschmack verbindlich für alle Menschen sein muss?

    Mir als Primitivling hat das Stück außerordentlich gut gefallen. Ich habe mich eineinhalb Stunden köstlich amüsiert. Ich kann das Stück allen junggebliebenen Menschen nur wärmstens ans Herz legen, die Kabarett, Musical, Operette lieben und sich auf hohem Niveau unterhalten lassen wollen.

    Dem Publikum hat die „Zumutung“ außerdem auch gefallen. Keine Massenflucht wie voriges Jahr, sondern begeisterter Applaus nach jeder Scene und fünf Vorhänge am Schluss, lassen das Stück wohl in einem anderen Licht erscheinen.

    Besucht die Veranstaltung und bildet Euch eine eigene Meinung. Es lohnt sich.

  3. Sehr geehrter Dr. Wolfseher,
    vielen, vielen Dank für den Kommentar zur Premierenkritik von Franz Kotteder!
    Ehrlich gesagt, war ich sehr irritiert und ziemlich geschockt wegen der Heftigkeit dieser Kritik. Ein derart vernichtendes Urteil von der Süddeutschen Zeitung hat sicherlich Einfluss auf die Besucherzahlen.
    Nun, ich bin sehr froh, dass wir hier zumindest eine zweite Meinung stehen haben und werde Ihren Rat befolgen und mir ein eigenes Urteil bilden.
    Herzliche Grüße

  4. Hallo,

    die Kritik von Herrn Kotteder ist in der Tat recht heftig, meiner Meinung nach unangebracht heftig.
    Ich habe mir das Stück angesehen und fand es recht witzig umgesetzt. Es gab Zwischenapplaus und am Ende ebenfalls langen Applaus, zwischendurch Gelächter. Die Inszenierung (bayerischer Schwank mit aktueller Pop- und Rockmusik) war sehr skurril.

    Die Stimme der Schauspielerin, die die Haslingerin spielt, ist extra erwähnenswert (gut, das mag daran liegen, dass die Stimmen der übrigen Darsteller nicht so das gelbe vom Ei waren, aber dennoch).

    Wenn Kritik – dann meiner Meinung nach nur für’s Essen!
    Mit „Spitzenköchin Sarah Wiener“ gelockt – und völlig normales Essen bekommen, das man so in jedem Ecklokal erhält. Vielleicht bin ich naiv, aber bei „Spitzenkoch“ erhoffe ich mir irgendwie einen besonderen Genuss. Ebenfalls negativ aufgefallen ist leider der Service, der Kellner zeichnete sich überwiegend durch Abwesenheit aus.

    lg
    Chhaya

  5. Hallo Chhaya,
    vielen herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar!
    Ein Freund von mir hat eine Kritik über die Veranstaltung im Radio verfolgt, in der Sarah Wieners Menü über den „grünen Klee“ gelobt wurde, die Inszenierung aber auch nicht übermäßig positiv wegkam. Dass wirklich alles passt, erlebt man ja in den wenigsten Fällen. Wie heißt es so schön „Der Ton macht die Musik“ und in dem hat sich meiner Meinung nach Franz Kotteder total vergriffen.
    Liebe Grüße

  6. Zur Kritik des Herrn Kotteder kann ich nur sagen daß diese vor allem ihn blosstellt – für mich ist das eine ganz eindeutige Themaverfehlung dieses „selbsternannten“ Kritikers (was für eine Ausbildung braucht man denn da eigentlich??). Er hebt ja hervor daß die einzig positiven Momente die waren als der Großvater den Originaltext gesprochen hat – dann soll er sich das Stück halt am Chiemgauer Bauerntheater ansehen, aber nicht etwas zerreissen was genau im Tollwoodprogramm vorab beschrieben wurde. Wenn er sich die Mühe gemacht hätte sich das vorher durchzulesen, wäre er vielleicht selbstständig auf die Idee gekommen daß dieses Inszenierung nichts für sein „Künstlergemüt“ ist.
    Mir persönlich hat die Vorstellung sehr gut gefallen, er war eine kurzweilige und lustige (natürlich auch überzeichnende, aber so stand es ja auch im Programm) Vorstellung die ich nur jedem „normalhumorigen“ Menschen empfehlen kann.
    Zudem disqualifiziert diese Kritik, die deutlich unter die Gürtellinie ging und fast schon persönlich gegen die Regisseure/Schauspieler ging, in meinen Augen den Herrn Kotteder zutiefst – es ist legitim und selbstredend auch wünschenswert daß ein Kritiker von einem Besuch eines Stückes abrät, aber nicht mit so einen derben Verriss. Interessanterweise haben andere Kollegen (z.B. Münchner Merkur) die gleiche Vorstellung (am gleichen Tag) ganz anders gesehen und bewertet.
    Ich wünsche den weiteren Vorstellungen des Ensembles auf jeden Fall weiterhin gutes Gelingen und hoffe daß diese Kritik wenig Einfluß auf den Besuch hat, denn das Stück ist absolut sehenswert. Dem Herrn Kotteder wünsche ich daß er künftig seine Hausaufgaben macht und sich vorab informiert wie das Stück inszeniert wird – aber ehrlich gesagt möchte ich von dieser Person gar nichts mehr lesen, da wir ohnenhin einen unterschiedlichen Geschmack haben.

  7. Gestern durfte ich in den „Genuß“ des verkauften Großvaters kommen. Leider habe ich mich nicht an die Kritik des Herrn Kotteder gehalten, denn so hätte ich mir 2 x 33.-€ erspart. Der Eindruck von bemitleidenswerten Schauspielern sowie Laientheater-Deppen trifft den Nagel auf den Kopf. Auch fruchtbar peinliches Herumgehüpfe- und geträllere, irgendwie zusammengestopselt und notdürftig miteinander verbunden sind sehr treffende Aussagen. Hinzu kommt eine erbärmliche Akkustik. So sah ich mich gezwungen den Theaterbesuch vorzeitig abzubrechen, immerwieder fragend wie Schauspieler sich auf ein solches Niveau herablassen. Dabei würde ich mich nicht als kritische Theatergängerin bezeichnen. Vielen Dank Herr Kotteder, leider für mich nur zu spät.

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