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J. K. Rowling erhält Ehrendoktorwürde der Universität Harvard

8. Juni 2008 | Von | Kategorie: Dies und Das, Lesekreis, Literaturpreise u. Auszeichnungen

J. K. RowlingBegeistert nahmen die Studenten der Universität Harvard die Information auf, dass J. K. Rowling nicht nur die Ehrendoktorwürde erhält, sondern auch die bedeutende “Commencement Address” (Rede an Universitätsabsolventen) halten würde. Bill Gates, Alan Greenspan, Benazir Bhutto, Richard von Weizsäcker, Alexander Solschenizyn und John F. Kennedy gehören zu denen, die zuvor dieses Amt ausüben durften.

Wie traditionell üblich hielt Rowlings die Rede erst am Nachmittag im Rahmen der Alumni-Versammlung. Die sonst eher spärlich besuchte Versammlung war bis auf den letzten Platz besetzt. Bescheiden, fast peinlich berührt nahm sie die standing ovations entgegen. Dann beschrieb sie den Horror, den sie empfand, als sie über ihre Harvard-Rede nachdachte, und die Erleichterung, als ihr aufging, dass sie sich an die Worte der Rednerin bei ihrem eigenen “Commencement” überhaupt nicht mehr erinnert.

Sie beschrieb ihren seit frühester Kindheit gehegten Wunsch, Romane zu schreiben und das Drängen ihrer Eltern, dieser Geistesverwirrung, die nur in die Armut führen könne, nicht nachzugeben. So studierte sie moderne Sprachen, floh aber schon bald vor dem Deutschen in die klassische Abteilung. “Die Eltern dafür zu tadeln, dass sie einen in die falsche Richtung gedrängt haben, trägt ein Verfallsdatum.”

Mit 28 Jahren, nach einer gescheiterten Ehe, sah sie auch ihr Leben als gescheitert an. Sie war allein mit Kind und “so arm, wie man in England überhaupt sein kann, ohne obdachlos zu sein. Nur ein Narr romantisiert die Armut. Die Armut ängstigt, erniedrigt, entwürdigt, deprimiert”. Sie reduziere den Menschen aufs Essentielle. “Ich war am Leben, hatte meine Tochter und eine alte Schreibmaschine. Ich entdeckte, dass ich einen starken Willen hatte und enorme Selbstdisziplin. Auf dieser Basis baute ich mein Leben wieder auf”.

Nun würde man sicher erwarten, dass sie beschreibe, wie die Phantasie ihr geholfen hat. Aber unter “imagination” verstehe sie das Vermögen, sich in Menschen hineinzuversetzen, deren Erfahrungen man nicht teile. Um ihre Miete bezahlen zu können, habe sie bei Amnesty International in der Afrika-Abteilung gearbeitet. Von dieser Erfahrung sei sehr viel in ihr Schreiben eingeflossen. Es sei ihre Aufgabe gewesen, die handgeschriebenen Briefe zu lesen, die täglich eintrafen, mit Mitteilungen von Verschleppungen, Vergewaltigungen, und Exekutionen. Eines Tages habe sie auf dem Korridor einen entsetzlichen Schrei gehört, den Schrei des Grauens eines Afrikaners, der gerade erfahren hatte, dass seine Mutter hingerichtet worden ist.

Jeden Tag, sagte Rowling, sei sie dankbar, in einem demokratischen Land zu leben. Sie warnte die Harvard-Studenten vor der Apathie der Privilegierten und zitierte Plutarchs Einsicht, dass, was wir innerlich erreichen, die äußere Welt verändert.

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Quelle Foto: Flickr

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