Nach Überarbeitung und Ergänzung steht die neue Plattform zum Geschwister-Scholl-Preis jetzt wieder online zur Verfügung. Nicht nur alle PreisträgerInnen, die ausgezeichneten Titel und die Begründungen der Jury sind nachzulesen, sondern auch die zahlreichen Reden, die anlässlich der Verleihungen gehalten wurden.

Die Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises 2008 findet am 24. November in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München statt.

Die Preisträgerin bzw. der Preisträger 2008 wird am 2. Oktober bekannt gegeben.

Sinn und Ziel des Geschwister-Scholl-Preises ist es, jährlich ein Buch jüngeren Datums auszuzeichnen, das von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem gegenwärtigen Verantwortungsbewusstsein wichtige Impulse zu geben.

Der Preis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V. gemeinsam mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München seit 1980 vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet wird ein Buch jüngeren Datums (frühestens im 2. Halbjahr vor dem Jahr der Preisverleihung erschienen). Eine Eigenbewerbung ist nicht möglich. Der Kulturausschuss der Stadt und der Vorstand des Verbands entscheiden über die Vergabe des Preises auf Vorschlag einer Fachjury.

Die Geschwister Scholl

Die „Weiße Rose“

Die Münchner Studentengruppe „Weiße Rose“ versuchte in den Jahren 1942 und 1943 mit aufrüttelnden Flugschriften und ungeheurem Mut gegen die nationalsozialistische Diktatur vorzugehen. Die Geschwister Sophie und Hans Scholl gehörten zum inneren Kern dieser Widerstandsgruppe. Sie stehen heute beinahe synonym für die „Weiße Rose“. Insgesamt war deren Kreis wesentlich größer als die Münchner Hauptgruppe und erstreckte sich über mehrere kleinere Gruppen auch in anderen Städten. Der einprägsame Name wurde den ersten vier Flugschriften entnommen, die mit „Flugblätter der Weißen Rose“ betitelt waren. Die „Weiße Rose“ gehört zu den bekanntesten Widerstandsgruppen im Dritten Reich.
Sophie und Hans Scholl stammten aus dem Württembergischen und interessierten sich beide für theologische, philosophische und literarische Fragen. Ihr humanistisches Denken und ihr Freiheitsstreben verband sie ebenso wie ihre kritische Urteilsfähigkeit. Im Umkreis der Münchner Universität entstand um sie herum ein Freundeskreis von Gleichgesinnten, die ausländische Schriften lasen, Kontakt zu verbotenen Autoren suchten und schließlich dazu übergingen, mit dem Mittel der Sprache, aktiv etwas gegen das verbrecherische Hitler-Regime zu unternehmen.

Hans Scholl

Hans Scholl, geboren 1918, stand zunächst nicht in Opposition zum Regime Hitlers. Er übernahm sogar eine leitende Funktion in der Hitlerjugend. Dort kam er aber auch in Kontakt mit ehemaligen Mitgliedern des Bundes Deutsche Jungenschaft. Da Jugendgruppen außerhalb der Hitlerjugend verboten waren, da sie dem Gleichschaltungs- und Zwangprinzip des Nationalsozialismus widersprachen, wurde ein Verfahren gegen Hans Scholl einberufen und er wurde kurzzeitig inhaftiert. Ab 1939 studierte er in München Medizin und schloss dort Freundschaft mit Alexander Schmorell, Christoph Probst und Willi Graf. Diese Freundschaft wurde richtungweisend für seine immer stärkere Ablehnung gegen das nationalsozialistische Regime. Mit Alexander Schmorell verfasste er 1942 die ersten Flugblätter. Freunde und Mitwisser halfen diese zu verbreiten und zu versenden.
Das Bewusstsein zum Handeln verpflichtet zu sein, um nicht selbst schuldig zu werden, war dabei das zentrale Motiv, das sich auch in den Flugblättern immer wieder findet: „Beweist durch die Tat, daß Ihr anders denkt!“. Im Laufe der Jahre 1942 und 1943 entstanden weit greifende Kontakte zu Kritikern des Regimes. Beispielsweise zu dem Münchner Philosophie-Professor Kurt Huber, der später sogar zum aktiven Kern der „Weißen Rose“ gehörte und das sechste Flugblatt verfasste. Die „Weiße Rose“ schrieb Ihre Aufrufe zum Widerstand in dieser Zeit sogar auch an Münchner Häuserwände.

Sophie Scholl

Hans drei Jahre jüngere Schwester Sophie gehörte schon bald nach Beginn ihres Philosophie- und Biologiestudiums 1942 in München auch zur „Weißen Rose“. Sie wusste sicher schon früh von deren Aktionen, ihre aktive Mitarbeit gilt aber erst ab dem fünften Flugblatt als gewiss. Analog zum Werdegang ihres Bruders war auch sie Anfang der 30er Jahre in die Jugendorganisation der Nationalsozialisten eingebunden. Schon ab 1937, dem Jahr der kurzen Inhaftierung ihres Bruders, zeigten sich allerdings Konflikte zwischen ihrem persönlichen Denken und den totalitären Ansprüchen der Jugendorganisation, was zu einer inneren Abkehr von den Nationalsozialisten führte. Sophie Scholl begründete die Ablehnung gegen das Regime in ihrer ersten Vernehmung 1943 damit, dass es die geistige Freiheit des Menschen in einer Weise einschränke, die ihrem inneren Wesen widerspreche. Dieser Eindruck wurde auch vom militärisch organisierten Arbeitsdienst geprägt, dem sie zunächst durch eine Ausbildung zur Kindergärtnerin entgehen wollte.
Der Mut zum Aufbegehren speiste sich bei den Geschwistern Scholl aus ihrem ausgeprägten Werteempfinden, dass sie aus ihrem liberalen Elternhaus mitbekommen hatten. Dazu kam gerade bei Sophie Scholl eine starke Orientierung an christlichen Werten. Ihren Bruder bestärkten die Erlebnisse als Soldat an der Ostfront zusätzlich in seiner Widerstandshaltung.

Als Hans und Sophie Scholl die sechste Flugschrift in der Münchner Universität auslegten und einige der Blätter in den dortigen Lichthof warfen, wurden sie verhaftet und bald darauf durch den Volksgerichtshof verurteilt. Beide wurden zusammen mit Christoph Probst am 22. Februar 1943 in München hingerichtet. Es folgten weitere Prozesse gegen aktive Mitglieder der „Weißen Rose“, sogar gegen passive Unterstützer. Die anderen Hauptakteure der „Weißen Rose“ Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurt Huber wurden schließlich ebenfalls zum Tode verurteilt.

Das Vermächtnis

Das Vermächtnis der Geschwister Scholl und ihrer Freunde sah die Münchner Zeitgenossin Hildegard Hamm-Brücher in einem Interview für die Bundeszentrale für politische Bildung darin, dass es immer Menschen geben müsse, die sich dafür mitverantwortlich fühlten, dass unsere Freiheit nie wieder gefährdet werde. Dafür steht auch der Geschwister-Scholl-Preis, in dessen Statuten verankert ist, dass mit dem Geschwister-Scholl-Preis jährlich ein Buch ausgezeichnet wird, das im weitesten Sinn an das Vermächtnis der Geschwister Scholl erinnert, von geistiger Unabhängigkeit zeugt und geeignet ist, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen Mut zu fördern und dem verantwortlichen Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben.

Quellen: Börsenblatt, Geschwister-Scholl-Preis

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