Jerome David Salinger wurde 1942 im Alter von 33 Jahren von der US-Armee eingezogen und kam 1943 zum Militärgeheimdienst CIC. Am 06. Juni 1944 landete er mit Invasionsbeginn am Strand der Normandie. Bis Kriegsende nahm Salinger an fünf Feldzügen in Frankreich teil, u. a. erlebte er die deutsche Ardennenoffensive mit. 1945 soll er wegen eines „front shock“ in einem Nürnberger Lazarett behandelt worden sein.

Jetzt wurde eine Heiratsurkunde mit seiner Unterschrift gefunden. Demnach hat Salinger am 18. Oktober 1945 die junge Französin Sylvia Welter in dem fränkischen Städtchen Pappenheim geheiratet. Eine große dünne Frau mit blasser Haut und tiefschwarzem Haar, eine schreckliche dunkle Frau der Leidenschaft, wie er später selbst berichtet.

Sylvia Welter wurde 1919 in Frankfurt am Main geboren. Der Vater war ein deutscher Kaufmann, die Mutter kam aus Frankreich, weswegen sie die französische Staatsbürgerschaft erhielt. Sylvia Welter studierte Medizin und machte ihren Doktor. Ein Bekannter von Salinger aus seiner Militärzeit glaubt sich erinnern zu können, dass die junge Ärztin als Psychologin gearbeitet hat. Fest steht, dass Sylvia Welter im Juli 1945, in der Zeit als Salinger wegen seines Nervenzusammenbruchs behandelt wurde, in Nürnberg gemeldet war.

Mitte 1946 verließen die beiden Deutschland und gingen in Salingers Heimstadt New York. Das war der Anfang vom Ende, die Ehe hielt nur 8 Monate. Margaret Salinger, die Tochter des Autors aus zweiter Ehe, zeichnete in einer im Jahr 2000 erschienenen Biographie das Bild einer dunklen, arroganten Frau mit hartem Aktzent, die sich in New York nie zurechtgefunden hat und mit der Familie nicht auskam. Sylvia Welter kehrte nach Europa zurück. Salinger ließ die Ehe annullieren, zog sich 1953 in ein Waldgrundstück nach Cornish, New Hampshire, zurück und heiratete im Juni 1955 die 19-jährige Claire Douglas.

Mittlerweile gehört der 90-jährige Salinger zu den rätselhaftesten Schriftstellern der Welt. Sein berühmtestes Werk Der Fänger im Roggen (The Catcher in the Rye, 1951) verhalf Salinger mit einer geschätzten Auflage von 25 Millionen Exemplaren zu Weltruhm. 1965 veröffentlichte er seine letzte Kurzgeschichte. 1974 bestätigte er in einem Telefongespräch, dass er nach wie vor schreibe, allerdings nicht für die Öffentlichkeit. Selbst seine Biographen spekulieren darüber, wie viele Buchmanuskripte in Salingers Safe liegen.

Bald wird man mehr wissen. In den USA hat der Literaturwissenschaftler Eberhard Alsen eine neue Salinger-Biographie beendet. Die Angst vor juristischen Schritten halten Verlag und Autor noch davon ab, das Buch zu veröffentlichen. Salinger ist bekannt dafür, jeden zu verklagen, der ihm zu nahe kommt. Die neue Biographie soll erst erscheinen, wenn Salinger gestorben ist.

Sylvia Welter, die bereits tot ist, wird jedenfalls einen nicht unbedeutenden Auftritt haben. „Alsen hat ihre ganze Lebensgeschichte recherchiert“, berichtet ein deutscher Historiker, der mit Alsen zusammengearbeitet hat. Zwar lebten  Welter und Salinger nur 8 Monate zusammen, dennoch wird vermutet, dass die Beziehung großen Einfluss auf Salingers Werke genommen hat.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Wikipedia

Ein Gedanke zu „J. D. Salinger und Sylvia Welter, die schrecklich dunkle Frau der Leidenschaft

  1. Ich habe als junges Mädchen in den 60-er Jahren alle Bücher von Salinger verschlungen, die ich in der Bibliothek des „Amerika-Hauses“ in Nürnberg bekommen konnte und verfolgte alle Berichte über sein Einsiedlerleben. Und dann – vor ein paar Jahren immer wieder Berichte über seine Spuren in meiner Heimat Mittelfranken. Mein Problem – ich muss mindestens 100 Jahre alt werden, bis man hoffentlich – einen hoffentlich auch vorhandenen literarischen Nachlass – herausgebracht hat. Ich bin so neugierig, ob ich dann „fränkische Spuren“ finde. Gruß Ricky Kramer
    1) Im Juli 1945 schreibt Salinger an Hemingway, den er 1944 in Paris kennengelernt hatte, dass er zur Behandlung im Militärhospital in Nürnberg wäre (wahrscheinlich Nervenzusammenbuch). Dort lernt er die Deutsche Sylvia Welter kennen (Augenärztin)
    2) Im Oktober 1945 heiratet er in Pappenheim Sylvia Welter. Im November 1945 lässt sich das Paar in in der fränkischen Kleinstadt Gunzenhausen nieder – in der „Villa Schmidt“ in der damaligen Wiesenstrasse 14 – wo es bis April 1946 bleibt.
    3) Zurück in New York lebte das Paar bei Salingers Eltern (sehr problematisch) und „ die junge Ehefrau sagte, soviel wie in dieser Zeit hätte sie noch nie geweint. Und eines Tages lag ein Flugticket auf dem Frühstückstisch. Sylvia flog in die Schweiz und die Scheidung erfolgte noch im selben Jahr…“

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