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Stieg Larsson kein Spitzenreporter – Streit um Biographie

20. Januar 2010 | Von | Kategorie: Dies und Das, Lesekreis, Nachrufe

Stieg LarssonWeit mehr als 20 Millionen Mal haben sich Stieg Larssons Thriller Vergebung, Verdammnis und Verblendung weltweit verkauft. Bevor der Autor seinen Ruhm ernten konnte, starb er 2004 an einem Herzinfarkt.

Der Held seiner Thriller-Trilogie, Mikael Blomkvist, ist ein Top-Journalist. Unbestechlich, objektiv und gründlich recherchiert er sich durch seine dicken Romane im Auftrag der Zeitschrift Millenium. Wie sein Protagonist war auch Larsson Journalist, zuletzt schrieb er für das unabhängige schwedische Magazin Expo hauptsächlich über europäischen Rechtsextremismus.

Bislang waren seine Leser davon ausgegangen, dass er sich in Blomkvist selbst porträtiert hat. Kurt Baksi, ein Weggefährte Larssons, hat kürzlich ein Buch unter dem Titel “Mein Freund Stieg Larsson” veröffentlicht. Darin behauptet Baksi, dass Larsson sich mit Objektivität immer schwer getan und bei seinem früheren Arbeitgeber, der schwedischen Nachrichtenagentur TT, sogar manchmal sich selbst für Artikel interviewt und Fakten verdreht habe. “Er benahm sich eher wie ein Politiker und nicht wie ein Journalist”, sagte Baski der Zeitung Svenska Dagbladet.

Eva Gabrielsson, Larssons Lebensgefährtin, nennt dies Rufmord. Gegenüber dem Fernsehsender SVT sagte sie, es sei nicht wahr, dass ihr Mann ein schlechter Journalist gewesen sei. Auch Larssons ehemaliger Chef der Nachrichtenagentur widersprach.

Inzwischen beschwichtigte Baksi, sein Freund sei sicher kein schlechter, aber ein “mediokrer” (zweitklassig, minderwertig, zweiten Ranges) Journalist gewesen – und nicht der Spitzenreporter, als den man ihn nun, nach dem posthumen Erfolg seiner Romane, oft darstelle. Larsson, so Baksi, hätte jedenfalls Freude an der Biographie gehabt.

Quelle: Süddeutsche Zeitung Quelle Foto: Flickr.com – bocángel

4 Kommentare
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  1. Ist es nicht gruselig, wenn Medien einen Menschen so charakterisieren? Viele würden jede Behauptung, selbst wenn sie noch so haarsträubend wäre, glauben. Gut, dass Stig Larsson noch die Zeit hatte, seine Bücher zu schreiben. es wäre schade drum gewesen, wenn er früher gegangen wäre.
    Habe alle drei Bände mittlerweile gelesen, verborge die Bücher fleißig und fand auch den Film zum ersten Teil richtig gut.. Freundliche Grüße sendet Mona.

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