Wir haben uns bemüht, ihn ins Herz zu schließen. Aber es geht nicht.

Unter dem Titel „Meine Jahre mit Helmut Krausser“ hat ZEIT ONLINE am 26.03.2010 eine Rezension zu Helmut Kraussers im Februar erschienenen Roman „Substanz: Das Beste aus den Tagebüchern“ veröffentlicht.

Dass Krausser u.a. im Prinzip alles „scheiße“ findet, schlechtgelaunte Vernichtungsfantasien und große Spießigkeit verbreitet, geht ZEIT-Rezensent Florian Illies auf die Nerven.

[…]„Alle fünf Goethe-Gedichte scheiße“ beziehungsweise „Sachen von Prada sehen so scheiße aus“. Die größten Flüche stößt Krausser allerdings alle paar Seiten auf die Literaturkritik aus – vor allem, weil sie sein Genie nicht erkennt, aber auch grundsätzlich: „Deshalb bin ich ja auch der Künstler und du nur ein popliger Redakteur“, schreibt er allen gewesenen und künftigen Kritikern seiner Werke ins Stammbuch. Helmut Krausser, so spürt man auf jeder zweiten Seite, will also von der Literaturkritik gehasst werden, um sein Selbstbild als verkanntes Genie nicht infrage stellen zu müssen. Wir haben uns deshalb bemüht, ihn ins Herz zu schließen. Sein Tagebuch mögen zu wollen. Damit er endlich mit dieser nervtötenden Noli-me-tangere-sonst-hau-ich-dir-in-die-Fresse-Pose aufhört. Und einfach weiter diese verrätselten, seltsamen, guten, schwierigen, schlechten, in jedem Fall: besonderen Bücher schreibt. – Aber es geht nicht.[…]

Bleibt die Frage, ob man sich ein Buch, das derartig verrissen wird, kaufen sollte.

„Es ist nicht die normale Tagebuchliteratur. Es ist Poesie vom feinsten, gepaart mit glasklarem Blick für die Wirklichkeit und oft auch für Hintergründe. Ein sehr zu empfehlendes Buch. „, heißt es der einzigen Kundenrezension bei Amazon.

Fragt sich nun wiederum, wer die geschrieben hat und wem man glauben kann.

Kurzbeschreibung
Zwölf Monate aus zwölf Jahren, von 1992 bis 2004: Helmut Kraussers Tagebücher sind ein einzigartiges literarisches Dokument. Sie sind viel mehr als das ungewöhnliche Selbstporträt des facettenreichsten Autors seiner Generation. Sie legen Zeugnis ab von Gesellschaft, Politik und Kultur unserer Zeit stets getrieben von rastloser Neugier. Voller Sprachwitz und Poesie bilden sie ein kluges, scharfsinniges, gnadenloses Journal. Die Tagebücher erschienen zwischen 1993 und 2005. Helmut Kraussers brillante Aufzeichnungen sind nun auf ihre Essenz konzentriert zwölf Jahre Gegenwart in einem Band.

Die gebundene Ausgabe umfasst 464 Seiten und ist am 18.02.2010 im DUMONT Literatur und Kunst Verlag erschienen. Substanz: Das beste aus den Tagebüchern ist für 24,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

Quelle: ZEIT ONLINE

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