Oktober im Jahr des Herrn 1188
Und plötzlich wurden alle Elemente und Geschöpfe von einem schrecklichen Beben erschüttert.
Feuer, Luft und Wasser brachen hervor und brachten die Erde in Aufruhr.

Die Prophetin und Äbtissin Hildegard von Bingen ist seit 9 Jahren tot. Kaiser Friedrich Barbarossa plant einen Kreuzzug gegen Jerusalem. Die junge, adlige Elysa von Bergheim folgt dem Ruf ihres Bruders und macht sich in Begleitung des Mainzer Kanonikus Clemens von Hagen auf den Weg zu dem Stammsitz der Eltern nach Bergheim, um dort als Statthalterin zu fungieren.

Elysa verbrachte den Großteil ihres Lebens bei den Großeltern in Mainz. Nach dem Tod der Mutter verließ sie im Alter von 8 Jahren ihr Elternhaus. Ihr Onkel Bernhard von Oberstein ermöglichte ihr all jene Bücher zu studieren, die nach allgemeiner Auffassung den Frauen nicht zugänglich sein durften. Das Verhältnis zu Elysas Bruder ist durch ein traumatisches Erlebnis in ihrer Kindheit schwer gestört. Die Aussicht, ihm erneut zu begegnen, ist ihr unbehaglich.

Auch deshalb lässt sie sich von Clemens von Hagen überzeugen, sich im Kloster Eibingen, das auf der Reiseroute nach Bergheim liegt, für vier Tage verkleidet und unter falschem Namen als Novizin und Handwerkstochter aufnehmen zu lassen. Clemens von Hagen sucht einen Vorwand in Eibingen Station zu machen, um unauffällig eine Botschaft vom Mainzer Erzbischof im Kloster abgeben zu können.

Eibingen gehört zum Mutterkloster Rupertsberg. Clemens von Hagens Mission ist die Aufklärung der schrecklichen Vorkommnisse in dem von Hildegard von Bingen gegründeten Filialkloster: Eine Nonne starb unter Krämpfen, eine weitere beinahe bei einem Brand, der das Kloster fast zerstört hätte. Adalbert von Zwiefalten, ein Mönch und Vertrauter von Hildegard von Bingen, kam unter mysteriösen Umständen ums Leben. Der Reliquienschrein der Äbtissin wurde geplündert und zerstört. Das Ansehen und die Heiligsprechung der Prophetin ist in Gefahr und letztendlich das gesamte Christentum, denn der Teufel persönlich treibt in Eibingen sein Unwesen.

Elysa ist intelligent genug, um zu wissen, dass der Teufel niemals in Menschengestalt auftreten kann. Neugierig und beherzt will sie den Ursachen auf den Grund gehen. Sie ahnt nicht, dass weitere Morde geschehen und sich der machthungrige Exorzist Radulf von Braunshorn bereits auf den Weg nach Eibingen gemacht hat. Auch Clemens von Hagen ahnt nichts von den großen Gefahren, die in Eibingen lauern. Ebenso wenig ahnt er, als er Eibingen verlässt, um die Delegation, die den Leichnam von Adalbert von Zwiefalten zurückführt, einzuholen, dass er selbst sich in große Gefahren begibt. Er hofft jedoch, mehr über die Todesursache und den Anlass der Reise des Mönches zu erfahren und über die seltsame Sprache, in der der Mönch bei seinem Eintreffen in Eibingen gesprochen hat. Was hat es mit rätselhaften Pergament auf sich, das er bei seinem Tod fest umklammert hielt?

Im Verlauf des Romans begleitet der Leser für vier Tage abwechselnd die beiden Protagonisten Elysa von Bergheim und Clemens von Hagen. Mehr Zeit bleibt nicht, denn nach Ablauf der vier Tage soll Elysa die Jungfrauenweihe erhalten.  Während Elysa an dem Leben im Kloster teilnimmt und es schafft, das Vertrauen einiger Nonnen zu gewinnen, kämpft Clemens von Hagen gegen Wegelagerer, Intrigen und nicht zuletzt gegen die starken Naturgewalten.

Heike Koschyk hat Pergamentum geschrieben, während sie für die Biografie „Hildegard von Bingen – Ein Leben im Licht“ recherchierte und daran arbeitete, heißt es im Anhang. Ein Umstand, der diesem spannenden historischen Roman zugute kommt. Ihre fundierten Kenntnisse über das Leben im 12. Jahrhundert, und über das Wirken von Hildegard von Bingen, zeichnen ihn aus.

Hildegard von Bingen gilt als eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters. Bereits zu Lebzeiten wurde sie wie eine Heilige verehrt. Durch eigene Denkansätze setzte sie neue Impulse, was gerade für Frauen in dem Zeitalter nicht einfach war. Zu Lebzeiten befasste sie sich mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie. Sie ist in dem Roman allgegenwärtig. Einige der weiblichen Figuren spiegeln die wissenschaftlichen Bereiche, mit denen sich die Äbtissin auseinandergesetzt hat, wieder. So steht zum Beispiel die Nonne Ida für ihren außergewöhnlichen starken Charakter und Gottesglauben. Auch sie hat Visionen und Lichterscheinungen, die die Handlung entscheidend prägen. Die Naturwissenschaft kommt in der Medica Jutta zum Ausdruck. Anschaulich und glaubhaft wird beschrieben, wie mit Pflanzen und Edelmetallen gegen Krankheiten vorgegangen wurde.

Die sprachliche Qualität ragt deutlich aus der Masse der historischen Romane heraus. Heike Koschyk vermittelt in Pergamentum einen detaillierten Einblick in das Klosterleben im 12. Jahrhundert und erzählt dazu eine spannende Geschichte wie dieses feste Gefüge durch Machtgier, Politik, Verschwörung, aber auch durch menschliche Schwächen und Visionen, ins Wanken gerät. Ein lesenswerter Roman!

Die gebundene Ausgabe umfasst 426 Seiten und ist am 27.08.2009 im Verlag Rütten & Loening erschienen. Pergamentum ist für 19,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

Kurzbeschreibung
Eine junge Frau kämpft gegen einen teuflischen Feind. Sie muss einen Mörder finden, um das Erbe Hildegards von Bingen zu bewahren – und den Untergang der ganzen Christenheit zu verhindern. An einem Abend im Jahr 1188 klopft ein Mönch, ausgemergelt und mit fratzenhafter Miene, an die Pforte des Klosters Eibingen. Die Nonnen glauben, der Antichrist sei gekommen. Doch es ist Bruder Adalbert, früher ein gern gesehener Gast bei der seligen Hildegard von Bingen. Am nächsten Morgen liegt der Mönch tot im Skriptorium, in der Hand ein rätselhaftes Pergament. Gegen ihren Willen soll die Adelige Elysa als zukünftige Novizin den Mord aufklären. Als sie das Kloster erreicht, brennt die Kirche und eine Nonne wird tot aufgefunden. Der einzige Hinweis ist das Pergament, auf dem Worte in der Geheimsprache Hildegards abgefasst sind. Bald ahnt Elysa, dass es nicht nur um einen Kampf zwischen Gut und Böse, sondern um das Überleben der gesamten christlichen Welt geht.

Über die Autorin
Heike Koschyk wurde 1967 in New York geboren und wuchs in Hamburg und Travemünde auf. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Fünfzehn Jahre arbeitete sie in ihrer eigenen Modeagentur und leitete nach der Ausbildung zur Heilpraktikerin eine Naturheilpraxis mit Schwerpunkt Klassischer Homöopathie.
Bereits als Kind hatte sie den großen Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Doch erst nach der Veröffentlichung eines Praxisbuches für Therapeuten fasste sie den Mut, ihren lang gehegten Traum zu verwirklichen und begann, Kriminalromane zu schreiben. 2008 erhielt sie den Agatha-Christie-Krimipreis.

9 Gedanken zu „Lesenswert! Pergamentum von Heike Koschyk [Rezension]

  1. Das Buch hört sich viel versprechend an.
    Ich habe das Buch „Hildegard von Bingen-Samariterin des Alltags“ gelesen und fand es klasse.
    Es beschreibt in eindrucksvoller Weise das Leben von Frau von Bingen.
    Ein Leben, das in der heutigen Zeit kaum vorstellbar ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.