Seitensprung der Sisterhood

Kapitel 1
Buenos Dias Argentina

Lilli schlug verschlafen die Augen auf. Sie starrte auf ein Flugzeugfenster, an dem die Blende herunter gezogen war, und sie war kurz orientierungslos.
„Ach ja, ich bin im Flugzeug unterwegs nach Argentinien“, dachte sie und lächelte. Sie räkelte sich auf ihrem Liegesitz und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Dann drehte sie sich nach links und schaute in die wunderschönen, braunen Augen von Fernando.
„Hallo, meine Schöne. Hast du gut geschlafen?“, fragte er mit einem Grinsen im Gesicht und Lilli konnte deutlich seine Belustigung hören.
„Hallo“, seufzte sie, „na los, sag es mir schon. Habe ich im Schlaf geredet, oder habe ich wieder blöde Grimassen gemacht?“
Fernando legte seine Hand sanft auf ihre Wange und streichelte sie, während sein Grinsen noch breiter wurde.
„Also geredet hast du nicht viel. Du hast nur „Nando, ich liebe Dich“ gesagt, und dann hat es sich so angehört, als hätten wir sehr viel Spaß miteinander. Blöde Grimassen hast du auch keine gemacht, ganz im Gegenteil. Was ich in deinem Gesicht gesehen habe, war so wunderschön, dass ich darauf brenne, dir diesen Traum zu erfüllen.“
Fernando beugte sich zu Lilli und küsste sie so zärtlich, verheißungsvoll und intensiv, dass sich ein ganzes Heer von Schmetterlingen in ihrem Bauch erhob und ihr Körper überall kribbelte. Er wanderte mit seiner Hand über ihren Rücken, zog sie näher zu sich heran und küsste sie noch intensiver. Er ließ all seine Gefühle, die er für sie empfand, in diesen Kuss und diese Umarmung hineinfließen. Als Lilli all diese Gefühle spürte, war sie so überwältigt, dass ihr die Sinne schwanden und sie den Atem anhielt. Sie gab sich ganz ihren Empfindungen hin, doch Fernando beendete abrupt den Kuss. Lilli schlug verwirrt die Augen auf.
„Atmen“, sagte er lächelnd zu ihr.
„Oh, ja“, keuchte Lilli, „das hatte ich total vergessen.“ Sie schaute Fernando mit großen Augen fragend an. Dieser Gesichtsausdruck war einfach zu köstlich und er musste laut lachen.
„Seit wann hältst du denn die Luft an, wenn ich dich küsse?“
„Na, seit du mich so küsst.“
„Da werde ich in Zukunft wohl etwas vorsichtiger sein müssen“, sagte er lächelnd und küsste ihre Nasenspitze.
„Untersteh dich! Ich werde mich schon daran gewöhnen und wenn nicht, kannst du mich ja erinnern weiter zu atmen.“
Lilli löste sich von Fernando und reckte und streckte sich noch einmal.
„Wo sind wir eigentlich?“, fragte sie ihn.
„Wir sind ungefähr in einer Stunde da“, antwortete Fernando.
„Was? Und das sagst du mir erst jetzt! Oh Gott, ich muss mich noch frisch machen, umziehen, die Haare machen, und überhaupt… ich sehe bestimmt aus wie ein alter Besen“, rief Lilli und wollte aufspringen, aber Fernando zog sie wieder zu sich zurück und schaute sie mit seinem typischen, belustigten Grinsen an.
„Also, ich würde ja sagen, du siehst aus wie ein flotter Feger, aber ich bin ja auch befangen. Lilli, meine Familie weiß, dass wir schon seit Stunden mit dem Flugzeug unterwegs sind. Die erwarten ganz bestimmt nicht, dass wir wie frisch aus einem Modemagazin entsprungen aussehen. Kann es sein, dass du etwas nervös bist?“
Lilli setzte sich auf, verdrehte die Augen und raufte sich die Strubbelhaare.
„Nervös ist gar kein Ausdruck. Mir ist schlecht vor Aufregung. Wir treffen gleich deine Familie. Was ist, wenn ich ihnen nicht gefalle, wenn sie mich nicht mögen…, und dann bin ich auch noch eine Elfe und kein Vampir. Die können mich bestimmt nicht leiden.“
Fernando zog sie wieder an sich und nahm sie liebevoll in seine Arme.

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„Lilli, du musst dir keine Sorgen machen. Sie lieben dich jetzt schon. Du bist meine Gefährtin. Ich habe schon ewig auf dich gewartet und nach dir gesucht. Meine Familie weiß, wie sehr ich mir gewünscht habe, dich endlich zu finden. Und jetzt bist du bei mir und machst mich unendlich glücklich. Schon alleine dafür lieben sie dich. Und wenn sie dich jetzt erst einmal gesehen und kennengelernt haben, wirst du ihr Herz vollends erobern. Obwohl…, dass du eine Elfe bist, das könnte schon ein Problem mit meiner Grandma geben.“
Lilli schaute Fernando entsetzt an und fing an nervös an seinen Hemdknöpfen zu spielen.
„Ich habe es doch gewußt. Sie hätte lieber, wenn ich auch ein Vampir wäre. Sie kann Elfen nicht leiden. Habe ich Recht?“ Fernando lachte, nahm Lillis Finger von seinen Knöpfen und küsste sie.
„Nein, ganz im Gegenteil. Meine Grandma ist total vernarrt in Elfen, und wenn ich nicht aufpasse, nimmt sie dich so unter Beschlag, dass ich dich gar nicht mehr zu Gesicht bekomme. Seit sie weiß, dass du eine Elfe bist, ist sie total aus dem Häuschen. Sie kann es gar nicht erwarten, dass wir endlich ankommen.“
„Wie, deine Großmutter ist verrückt nach Elfen? Das musst du mir aber mal genau erklären.“
„Da müsste ich aber ein bisschen weiter ausholen“, sagte Fernando und lächelte Lilli verschmitzt an. Erwartungsvoll sah sie ihn an und kuschelte sich in seine Arme.
„Los, erzähl. Wir haben ja noch eine Stunde bis wir landen.“
„Ach, auf einmal haben wir Zeit. Na gut, dann erzähle ich dir mal ein bisschen was von meiner Großmutter Claire und den Elfen“, sagte Fernando und schmunzelte.
„Deine Großmutter heißt also Claire. Das ist ein sehr schöner Name und klingt französisch.“
„Ja, genau. Meine Großmutter stammt aus Frankreich. Und jetzt bitte keine Unterbrechungen mehr, du weißt, wir haben nur noch eine knappe Stunde Zeit und du willst doch noch zur Kosmetik und zur Modeberatung.“
Lilli schnaubte empört und fuhr herum. Doch bevor sie etwas sagen oder machen konnte, hatte Fernando schon mit der einen Hand ihre Handgelenke gefangen, mit der anderen hielt er ihr den Mund zu. Er lachte über das ganze Gesicht, nahm seine Hand von ihrem Mund und drückte ihr schnell einen Kuss auf die Lippen.
„Ja, ich weiß, ich bin ein ganz frecher, unmöglicher Vampir. So, und jetzt sind wir ganz lieb und kuscheln uns wieder in Nandos Arme, damit der endlich die Geschichte erzählen kann.“
Von seinem Charme geschlagen, musste auch Lilli lachen und legte sich wieder friedlich in die Arme von Fernando.
„Also,… es war einmal.“ Lilli zuckte schon wieder.
„Ja, ja schon gut, ich bin jetzt ganz ernst und konzentriert“, prustete Fernando raus, während er Lilli in seinen Armen festhielt.
„Meine Großmutter wurde Ende des 13. Jahrhunderts in Frankreich geboren. Meine Urgroßeltern lebten mit ihr in einem Dorf vor den Toren von Bordeaux.

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Urgroßvater Patrick war Steinmetz und kam aus England. Auf der Suche nach Arbeit hatte es ihn nach Bordeaux verschlagen, dass damals noch unter der Herrschaft der englischen Könige stand. Dort lernte er dann meine Urgroßmutter Marie kennen und lieben. Während Patrick am Bau der Kathedrale Saint-André beschäftigt war, arbeitete Marie in den Weinbergen der Umgebung. Sie hatten ein gutes Einkommen, ein kleines gemütliches Häuschen und sehr nette Nachbarn. Als dann noch Claire auf die Welt kam, war ihr kleines Glück perfekt – bis Claire sehr krank wurde. Sie hatte keinerlei körperliche oder seelische Symptome für eine Krankheit, aber sie wurde immer schmaler und blasser. Es war, als würde sie ohne ersichtlichen Grund dahin schwinden. Grandma hat mir erzählt, dass es sich anfühlte wie ein kleiner schwarzer Punkt, der sich immer mehr ausbreitete. Zum Ende hin war ein riesiges schwarzes Loch in ihrem Inneren, das sie fast verschlang. Patrick und Marie machten sich furchtbare Sorgen um ihr kleines Mädchen und gingen mit ihr zu unzähligen Badern und Heilern, aber keiner konnte ihnen helfen. Eines Nachts, auf dem Rückweg von einem dieser Quacksalber, trafen sie auf drei berittene Männer. Zuerst dachten sie, dass sie Räubern zum Opfer fallen würden, aber es stellte sich heraus, dass diese drei Männer zu einer großen Familie gehörten, die nach einer neuen Heimat suchten. Die Männer bemerkten sofort die bleiche, kraftlose Claire in den Armen meines Urgroßvaters und betrachteten sie mit sehr sorgenvollem Blick. Sie fragten, woran das arme Kind leide. Patrick erzählte ihnen, dass sie nicht wussten, welche Krankheit Claire befallen hatte, und dass ihnen niemand helfen konnte. Die drei Männer unterhielten sich kurz flüsternd miteinander und fragten dann, ob sie mit ihnen in ihr Lager kommen wollten, und ob sie versuchen durften Claire zu helfen. Sie hätten eine Ahnung, was mit ihr nicht stimmen könnte. Patrick und Marie hatten zwar Bedenken den Fremden zu folgen, aber sie wollten unbedingt, dass ihr Kind wieder gesund wurde. Also schlossen sie sich ihnen an. Im Lager angekommen, wurden sie von drei Frauen und vier Kindern sehr herzlich willkommen geheißen und zum ersten Mal fiel ihnen auf, dass alle Mitglieder dieser Familie sehr spitze Ohren hatten und ein seltsames Leuchten von ihren ausging. Patrick wich mit der kleinen Claire auf dem Arm zurück und fragte sich, wo sie da wohl hingeraten waren. Marie war schon immer etwas aufgeschlossener und neugieriger als Patrick und so war ihr auch gleich klar, dass sie es hier nur mit Elfen zu tun haben konnten. Sie kannte die alten Sagen über dieses Volk der Anderswelt und deshalb fragte sie dann auch frei heraus, ob sie Elfen wären. Die Elfen hatten sich im Halbkreis um die drei aufgestellt und bejahten mit einem Lächeln Maries Frage. Meine Urgroßmutter nahm Claire aus den Armen von Patrick und legte sie der ältesten Elfe in die Arme und sagte ihr, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun sollte um die kleine Claire zu retten. Die Elfe lächelte meine Urgroßmutter an, nickte mit dem Kopf und ging mit dem sterbenden Kind in eines der Zelte. Die anderen Elfen nahmen Patrick und Marie bei den Händen und setzten sich mit ihnen ans warme Feuer. Einer der Elfen erklärte ihnen dann, dass Claire mit schwarzer Magie in Berührung gekommen sein musste und sie dadurch vergiftet wurde. Sie versicherten ihnen aber, dass die Elfe Aramena mit ihrem großen alten Wissen über die Magie Claire heilen könnte. Es dauerte drei Tage bis Grandma von der schwarzen Magie befreit war. Aus Dankbarkeit nahmen meine Urgroßeltern die Elfen dann mit in ihr Dorf und waren ihnen dabei behilflich eine neue Heimstatt zu finden. Ganz in der Nähe des Dorfes konnten sie einen verfallenen Bauernhof mit einem riesigen angrenzenden Waldstück übernehmen. In dem Waldstück fanden die Elfen dann auch eine sehr tiefe, unheimliche Höhle in der noch jede Menge schwarze Magie vorhanden war. Aramena verbrachte Wochen damit diese gefährliche Magie zu beseitigen und niemand wusste, woher die Magie stammen konnte. Meine Urgroßeltern erzählten jedem im Dorf, wen sie da mitgebracht hatten und welche Heilkräfte die Elfen besaßen. Alle Dorfbewohner freuten sich über diese neuen, hilfsbereiten und freundlichen Nachbarn. Es entstand eine tiefe Freundschaft zwischen den Menschen und den Elfen und jeder im Dorf wahrte treu ihr Geheimnis. Aber meine Großmutter war die treueste Freundin der Elfen.

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Wenn sie nicht zu Hause war, war sie bei den Elfen. Diese liebten sie und nahmen sie auf wie eine von ihnen. Meine Urgroßeltern teilten gerne aus tiefster Dankbarkeit Claires Liebe mit den Elfen … So, das war die Geschichte von Claire und den Elfen. Jetzt weißt du, warum meine Grandma so verrückt nach Elfen ist.“
Lilli schreckte geradezu hoch, sie war ganz vertieft in Fernandos Erzählung.
„Das ist eine wunderschöne Geschichte. Und wie ging es dann weiter? Was wurde aus den Elfen, wie lernte Claire deinen Großvater kennen und überhaupt wie kam sie nach Argentinien?“
Fernando musste über so viel Wissensdurst lachen. Er richtete sich auf und küsste Lilli.
„Das erzähle ich dir ein anders Mal oder besser noch, das kann dir Grandma selbst erzählen. Wir haben jetzt nämlich keine Zeit mehr, wir sind im Landeanflug.“ Lilli sprang mit entsetztem Gesicht hektisch auf und tippelte aufgeregt vor ihrem Sitz herum.
„Wie …, wo …, was schon?! Aber wir können noch nicht landen, ich bin doch noch gar nicht fertig. Nein, das geht nicht, so steige ich nicht aus dem Flugzeug. Unter gar keinen Umständen.“ Fernando stellte sich vor sie und musterte sie von Kopf bis Fuß. Er nahm sie in seine Arme und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren.
„Du bist wunderschön und siehst einfach umwerfend aus. Nur das grüne Leuchten könntest du vielleicht ein bisschen runter drehen, das sieht ein etwas grell aus.“
Lilli drückte ihn von sich weg, machte ein furchtbar empörtes Gesicht und holte tief Luft.
„Ich …,“ weiter kam sie nicht mehr, denn ihr Protest wurde mit sehr heißen und fordernden Lippen unterbrochen. Fernando liebkoste sie mit seinen Lippen und seiner Zunge, bis ihr wieder der Atem stockte und ihre Beine nachgaben. Sanft ließ er sie auf ihren Sitz sinken und bevor Lilli noch mitbekam, was er da machte, hatte er sie auch schon angeschnallt. Als sie wieder zu Atem gekommen war und die Augen öffnete, saß er neben ihr und hatte sein unverschämt sexy aussehendes Lausbubengrinsen auf dem Gesicht.
„Ich ergebe mich. Du hast gewonnen. Deine Argumente waren absolut überzeugend“, seufzte Lilli. In diesem Moment setzte die Maschine auf der Sandpiste auf und rollte langsam aus.
Fernando nahm Lillis Hand drückte sie und lächelte ihr aufmunternd zu.
„Na, meine Schöne? Bist du bereit oder sollen wir lieber noch ein paar Stunden hier drin bleiben?“ Lilli führte seine Hand an ihren Mund und küsste zärtlich seinen Handrücken.
„Nein, natürlich nicht. Wir können doch deine Familie nicht so lange warten lassen. Ich bin zwar tierisch aufgeregt und nervös, aber ich bin auch unheimlich neugierig auf deine Eltern, deine Großmutter und auf dein Zuhause.“ Lilli hatte noch nicht ganz ausgeredet, da hatte Fernando auch schon die Tür geöffnet und die Treppe herunter gelassen. Lilli blieb noch kurz, etwas unschlüssig an ihrem Sitz stehen.
„Mensch, wie blöd bin ich denn eigentlich? Ich habe mich mit den schlimmsten Monstern und Verbrechern herumgeschlagen und vor Fernandos Familie mache ich mir fast in die Hose. Ich bin ja wohl total bescheuert“, dachte sie und schlug sich mit dem Handballen an die Stirn.

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Fernando, der ihr seine Hand entgegen streckte, schaute sie verblüfft und fragend an. Lilli straffte ihre Schulter, lächelte und ergriff seine Hand.
„Alles klar. Ich habe mir nur ein bisschen Mut zugesprochen.“
Nachdem sie mit Fernando den Jet verlassen hatte, musste Lilli ein paar Mal blinzeln, bis sich ihre Augen an das helle Sonnenlicht gewöhnt hatten. Fernando stellte sich vor sie und küsste lächelnd ihre Hand.
„Herzlich willkommen auf der Zoom-Ranch, meinem Zuhause.“
Er trat hinter sie, schlang seine Arme um ihre Hüften und legte sein Kinn leicht auf ihren Kopf. Nun hatte Lilli freie Sicht auf ihre Umgebung, und ihr stockte ein wenig der Atem. Vor ihr breitete sich eine unendlich erscheinende Ebene aus. In der Sonne leuchtete die Erde in einem tiefen, warmen Rotbraun und die unzähligen Grasbüschel, mit denen die Erde übersät war, leuchteten in einem satten Grün. Jetzt wusste sie, warum Fernando es so liebte, wenn sie anfing zu leuchten. Das Gras und ihr Leuchten hatten dasselbe Grün, sie erinnerte ihn an seine Heimat.
Einige Meter von ihnen entfernt schlängelte sich ein Bach durch die Ebene. Lilli verfolgte seinen Verlauf bis an den Horizont, wo sie sanft geschwungene Hügel und dahinter Berge erkennen konnte. Auf der anderen Seite des Bachs graste friedlich eine riesige Rinderherde. Zwei Gauchos saßen lässig und locker auf ihren Pferden und umkreisten langsam die Herde. Sie hielten an, nahmen ihre Hüte vom Kopf und schwenkten sie zur Begrüßung. Fernando und Lilli winkten zurück.
„Das sind unsere Vorarbeiter, Sancho und Pancho“, erklärte Fernando. Lilli drehte sich abrupt herum und prustete los.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“ Fernando grinste über das ganze Gesicht.
„Doch, das ist mein voller Ernst. Und ja, ich weiß, dass du ein absoluter Froschfan bist. Und nein, sie sind nicht grün. Sie sind Zwillinge. Als die beiden auf die Welt kamen, gab es die beiden Comic-Frösche noch nicht. Aber man kann es nicht abstreiten, es gibt frappierende Ähnlichkeiten. Das wirst du sicher noch feststellen.“
„Ich kann es kaum abwarten“, sagte Lilli lachend. „Sancho und Pancho. Ich kann es nicht fassen.“ Hinter Fernandos Rücken ließ sich ein ungeduldiges Räuspern vernehmen.
Er nahm Lillis Hände und zwinkerte sie aufmunternd an.
„Und? Bist du bereit für die Familie Zoom?“ Lilli strahlte und nickte nur kurz mit dem Kopf. Vor einem mächtigen Torbogen aus Holz standen fünf Personen, Fernandos Familie. Dem ersten Anschein nach, waren sie genau so aufgeregt wie sie. Fernando drückte aufmunternd ihre Hand und zog sie mit sich.
„Darf ich vorstellen, das ist meine Familie.“ Er wandte sich nach links.
„Das ist meine Mutter Angelina Zoom.“ Eine wunderschöne Frau nickte Lilli lächelnd zu. Sie hatte sehr elegant geschwungene Gesichtszüge, kastanienbraune, glänzende Locken, die ihr bis zur Hüfte reichten und dieselben schönen dunkelbraunen Augen wie Fernando. Lilli dachte sofort an eine Statue der Schönen Helena, die sie einmal gesehen hatte. Nun deutete Fernando auf den Mann an ihrer Seite. Ein echter Richard Gere-Typ mit schwarzen längeren Haaren und silberfarbenen Schläfen stand vor ihr. Das ihr allzu bekannte Lausbubengrinsen umspielte seine vollen Lippen, und seine Augen strahlten eine unheimliche Wärme und Güte aus.
„Das ist mein Vater Frederico Zoom.“ Auch er nickte Lilli lächelnd zu. Neben Frederico standen zwei Teenager. Sie hatten dieselbe kurze Strubbelfrisur wie Lilli, allerdings waren ihre Haare pechschwarz. Ihre Gesichtszüge ähnelten sehr denen von Fernandos Vater.
„Das sind meine Cousine Annabella und mein Cousin Jaime. Sie leben bei uns seit ihre Eltern bei einem tragischen Unglück ums Leben gekommen sind.“ Annabella hob etwas schüchtern die Hand und Jaime zwinkerte keck. Nun waren sie bei der letzten Person angekommen und Lilli war sichtlich überrascht. Dass Fernando ihr Grandma Marie vorstellte, nahm sie gar nicht richtig wahr, zu sehr war sie von ihrem äußeren Erscheinungsbild abgelenkt. Da stand doch tatsächlich eine richtige Großmutter mit silbergrauen Haaren, rosafarbenen Wangen und gütigen Augen. Um ihren Mund und ihre Augen versammelten sich sanfte Falten, die von einem langen, erfüllten Leben erzählten.

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Aber wie war das möglich? Vampire und ihre Gefährtinnen alterten doch nicht. Fernando hatte natürlich mit Lillis Reaktion gerechnet, er beugte sich vor und flüsterte ihr ins Ohr.
„Das erkläre ich dir später noch genau.“ Lilli fasste sich wieder etwas.
„Darauf kannst du Gift nehmen“, flüsterte sie etwas bissig zurück. Es ärgerte sie, dass er sie nicht darauf vorbereitet hatte. Nun legte Fernando seinen Arm um Lilli und sah sie voller Stolz und Liebe an.
„Und das hier, liebe Familie, ist sie – meine Lilli. Die Waldelfe Lilliana Ithilia, Hüterin und Königin des Waldes und der Erde.“ Lilli lief knallrot an, es war ihr furchtbar peinlich, dass Fernando so mit ihr angab. Sie wollte ihm gerade den Ellenbogen in die Seite stoßen, doch dazu kam sie nicht mehr. Sie war von Menschen umringt, die sie in ihre Arme nahmen und rund um sie herum herrschte ein Stimmengewirr, von dem sie nur Bruchstücke wie „froh dich kennenzulernen“ oder „endlich seid ihr da“ verstehen konnte. Plötzlich wurden sie von einem lauten Pfiff, der einem Pferdekutscher alle Ehre gemacht hätte, unterbrochen und alle verstummten und traten einen Schritt zurück. Marie trat milde lächelnd zu Lilli und strich ihr fürsorglich über den Arm.
„Lasst sie doch mal Luft holen und ein bisschen zur Ruhe kommen. Sie bekommt ja noch Angst vor euch. Lilli, nimm uns unseren Übermut nicht übel, aber wir sind so überglücklich, dass Nando endlich seine Gefährtin gefunden hat und wir dich kennenlernen dürfen.“
Lilli schaute in die Runde und sah nur glückliche Gesichter, die ihr freundlich und liebevoll entgegen lächelten.
„Nein, macht euch keine Sorgen. Ich bin ja so froh, dass ihr mich so überschwenglich begrüßt. Fragt nur mal Nando, ich habe mir vor Angst, dass ihr mich nicht mögen könntet, fast in die Hose gemacht.“ Fernando fing an schallend zu lachen.
„Ja, das kann ich nur bestätigen. Lilli hatte mehr Angst vor euch als vor den Red Dragons.“
Jetzt lachte die ganze Gesellschaft, und Lilli fühlte sich unheimlich wohl und glücklich. Das war eine Familie, zu der sie sehr gerne gehören wollte. Angelina trat zwischen Fernando und Lilli, hakte sich bei ihnen unter und zog sie mit in Richtung Haus.
„Dann lasst uns doch mal reingehen. Ihr wollt euch sicher noch etwas frisch machen und ein wenig ausruhen. Es war ja doch ein langer Flug. Später gibt es dann Abendessen, und anschließend können wir uns noch lange genug unterhalten.“ Sie drehte sich noch einmal um.
„Frederico, Jaime, kümmert ihr euch bitte um das Gepäck während ich den beiden ihr Zimmer zeige.“ Fernando schaute seine Mutter etwas verständnislos an.
„Also so lange war ich jetzt auch wieder nicht weg. Ich finde mein Zimmer schon noch alleine.“
Angelina lächelte ihren Sohn verschmitzt an.
„Ja, mein Schatz, das weiß ich ja, aber dein Zimmer ist leider nicht fertig geworden. Da wir ja jetzt Familienzuwachs bekommen, dachten wir, dass dein Zimmer wohl ein bisschen zu klein wäre und haben angefangen es umzubauen und zu vergrößern. Es dauert aber noch ein paar Tage, also habe ich die Gästesuite für euch vorbereitet.“
„Oh, Mum, ihr seid einfach unmöglich! Aber danke, da bin ich mal gespannt.“ Lachend liefen sie weiter zum Haus. Lilli ließ sich von den beiden mitziehen und hing ihren Gedanken nach. Sie war unheimlich froh, dass Fernandos Familie sie so herzlich begrüßt hatte, und auch die Ranch gefiel ihr unheimlich gut. Jetzt war sie auf das Haupthaus gespannt, das noch hinter hohen Bäumen und Büschen etwas versteckt lag. Plötzlich lief ihr ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter und sie fühlte sich schlagartig sehr unwohl. Dieses Gefühl traf sie so hart und unvorbereitet, dass sie kurzzeitig den Atem anhielt. Fernando und seine Mutter bemerkten davon nichts, sie waren in ihr Gespräch vertieft. Lilli befreite sich sanft von Angelinas Arm, blieb stehen und blickte sich um. Einige Meter oberhalb der grasenden Rinderherde befand sich eine kleine Anhöhe. Von dort spürte Lilli die Quelle ihres Unbehagens, sie spürte abgrundtiefen Hass.

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Sie sah ein sehr edles, wunderschönes schwarzes Pferd, das eine Reiterin trug, die auch ganz in Schwarz gekleidet war. Ihr langes blondes Haar wehte im Wind, und Lilli spürte wie der Blick der Frau sie durchbohrte. Inzwischen waren Angelina und Fernando zu ihr zurückgekehrt.
„Was ist denn, Lilli?“, fragte Fernando besorgt und folgte ihrem Blick. Lilli konnte sich von dem Anblick der Frau nicht losreißen.
„Wer ist das?“
„Ach, das ist Joana, die Tochter unserer Nachbarn“, antwortete Angelina vergnügt, „die wirst du morgen kennen lernen. Wir haben für morgen unsere Nachbarn und Freunde zu einem Barbecue eingeladen. Alle freuen sich schon darauf. Kommt weiter.“
Fernando und Lilli drehten sich um und folgten Angelina. Fernando schaute Lilli fragend an.
„Später“, flüsterte Lilli ihm zu.
„Na, das kann ja heiter werden“, dachte sie und hatte immer noch am ganzen Körper eine Gänsehaut. So einem starken Hass war sie noch nicht oft begegnet. Lilli trottete hinter Angelina und Fernando her und betrachtete beim Laufen ihre Schuhspitzen. Sie war so in ihre Gedanken versunken, dass sie die Umgebung völlig außer Acht ließ. Was hatte das nur zu bedeuten? Warum hasste diese Joana sie so? Vielleicht, weil sie eine Elfe war, oder hatte es etwas mit Fernando zu tun? Wie sollte sie sich bei ihrer nächsten Begegnung verhalten? Da wollte sie sich ein paar Tage ausruhen und den Mann, den sie liebte und seine Familie besser kennen lernen, und dann kam traf sie auf so viel Ablehnung. Was hatte diese Frau nur gegen sie, und war sie gefährlich oder nicht?
Lilli war so vertieft, dass sie gar nicht bemerkte, wie Angelina und Fernando stehen blieben. Sie lief direkt in die beiden hinein und wurde aus ihren Überlegungen gerissen.
„Ups, Entschuldigung! Warum bleibt ihr eigentlich… Oh, wow, das ist ja wunderschön!“
Sie standen vor dem Haus der Familie Zoom, einer prächtigen zweistöckigen Villa im spanischen Stil. Das Sonnenlicht ließ die weißen Wände erstrahlen und die Dachziegel leuchteten in dem gleichen warmen Rotbraun, wie die Erde auf der sie standen. Eine breite Treppe führte auf eine Veranda. Gemütliche Clubsessel und Sofas luden dazu ein, es sich auf der Veranda bequem zu machen. Auf der Balustrade, die die Veranda begrenzte, thronten mächtige Säulen, auf denen das Dach ruhte. Wilder Wein und Efeu rankten an den Säulen empor und verliehen dem ganzen Ambiente einen urwüchsigen Touch. Am Ende der Treppe standen eine Frau und ein Mann, die freundlich und erwartungsvoll zu ihnen herunter blickten. Die Frau hielt ein Tablett in der Hand, auf dem mehrere Gläser Eistee standen.

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Fernando legte Lilli den Arm um die Hüfte und flüsterte ihr zu:
„Das sind Conchita und Paco, unsere guten Hausgeister und die Eltern von Sancho und Pancho. Komm, lass sie uns begrüßen, sonst platzen sie noch vor Neugierde.“ Während Lilli und Fernando sich auf die Treppe zu bewegten, stellte Conchita schnell ihr Tablett auf einem der Tische ab. Kaum standen sie auf der Veranda, da hing die kleine Conchita schon an der Brust von Fernando und umarmte ihn innig.
„Ich bin ja so froh und glücklich, dass du endlich wieder da bist. Und endlich bringst du auch deine Gefährtin mit. Du böser Junge! Solange darfst du nicht mehr wegbleiben.“
Fernando lachte und Lillis Gesicht überzog sich mit einer leichten Röte.
„Versprochen, Conchita. Ich lasse mich in Zukunft wieder mehr zu Hause blicken. Aber jetzt möchte ich dir meine Lilli vorstellen.“
Conchita löste sich von Fernando und riss sofort die verdutzt Lilli in ihre Arme.
„Ach, lass doch diese Förmlichkeiten. Herzlich willkommen, Lilli. Endlich hat er dich gefunden. Ich bin so glücklich darüber.“ Conchita lächelte Lilli an und legte ihr zärtlich die Hand auf die Wange.
„Du musst wissen, ich habe das dritte Gesicht. Ich habe von dir geträumt und ich wusste, dass du für Fernando bestimmt bist.“ Ihr Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig. Plötzlich sah sie besorgt aus.
„Aber du bist in Gefahr und ich weiß noch nicht warum.“
Lilli wurde blass und schaute Conchita entgeistert an. Aber Conchita hatte schon wieder ihr liebevolles, offenes Lächeln auf dem Gesicht und plapperte munter weiter.
„Mach dir keine Sorgen, mein Engel. Wir passen schon auf dich auf.“
Sie wirbelte herum und zog ihren Mann an ihre Seite.
„So, und das mein Schatz, ist Paco, mein Mann. Wenn du irgendetwas brauchst, wende dich an uns. Wir sind immer für dich da. So, und jetzt setzt euch hin und trinkt gemütlich einen erfrischenden Eistee. Ihr müsst ja furchtbar durstig sein“
Noch bevor Lilli wusste wie ihr geschah, saßen sie und Fernando in einem der Sessel und beide hatten ein Glas Eistee in der Hand. Conchita war mit Paco verschwunden. Angelina lehnte grinsend an einer Säule und schaute Lilli schaute an.
„Ja, Lilli, ein Tornado ist nichts gegen diese Frau. Aber du wirst dich schnell an sie gewöhnen. Sie ist ein absoluter Schatz und unsere Familie geht ihr über alles.“
Angelina stieß sich von der Säule ab und gab Lilli und Fernando einen Kuss auf die Stirn.
„Ich muss mich jetzt wieder um meine Arbeit kümmern. Fernando, ich habe die hintere Gästesuite für euch herrichten lassen. Ihr wollt euch sicher etwas ausruhen. Essen gibt es um acht Uhr. Bis später.“
Angelina eilte davon. Fernando drehte sich zu Lilli und musste laut lachen.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich dich einmal so sprachlos erlebe. Na, es war wohl doch ein bisschen viel jetzt.“
Lilli entspannte sich langsam und genoss die friedliche Stimmung auf der Veranda.
„Deine Mutter hat recht, Conchita ist eher wie ein Hurrikan.“
Sie ließ sich zurück in den Sessel sinken und nahm einen großen, erfrischenden Schluck Eistee.
„Sag mal, Conchita und Paco sind doch Menschen. Wissen sie, dass ihr Vampire seid?“
„Ja, natürlich wissen sie es. Conchitas Familie ist uns schon seit Generationen treu ergeben. Schon ihre Mutter und Großmutter waren bei meiner Familie angestellt. Nein, das trifft es nicht. Sie sind nicht angestellt, sondern wurden eher adoptiert. Sie gehören einfach zu unserer Familie als wären sie mit uns blutsverwandt. Sie haben und hatten alle das dritte Gesicht. Diese Gabe wird anscheinend immer auf die Mädchen vererbt. Auch Conchitas Tochter Rosalia hat die Gabe geerbt. Leider ist sie im Moment nicht da. Sie studiert in Yale und kommt so wie ich nur selten nach Hause. Anfangs war es eine Zufallsbekanntschaft und eher eine Zweckgemeinschaft. Menschen mit besonderen Gaben haben es nicht gerade leicht und lebten früher ja auch sehr gefährlich. Conchitas Großmutter schloss sich aus purem Selbsterhaltungstrieb meiner Familie an und konnte so beschützt leben.

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Aus dieser Zweckgemeinschaft erwuchs dann aber eine tiefe Freundschaft und Liebe zwischen unseren Familien und sie verschmolzen einfach miteinander.“
Lilli schaute Fernando jetzt sehr nachdenklich an. Er bemerkte sofort, dass sie etwas sehr beschäftigte. Er legte seine Hand auf ihre und merkte, dass Lilli zitterte.
„Was ist los? Spuck es aus. Es hat was mit Conchitas Bemerkung zu tun, dass du in Gefahr bist, oder?“
„Ja, genau und ich glaube, ich weiß auch woher mir Gefahr droht.“
Fernando schnellte nach vorne, nahm Lillis Hand fest in seine und schaute sie sehr ernst an.
„Woher?“
„Ich glaube von Joana. Vorhin, als wir sie gesehen haben, wurde ich nur auf sie aufmerksam, weil mir ein unheimlich intensives, beängstigendes Gefühl entgegenschlug.“ Lilli musste schlucken.
„Sie hasst mich. Abgrundtief. So einen starken Hass habe ich bisher selten gespürt, und ich verstehe es nicht. Warum hasst sie mich so und zu was ist sie fähig? Ist es vielleicht, weil ich eine Elfe bin oder hat es mir dir zu tun? Warst du vielleicht mal mit ihr zusammen und sie verkraftet es nicht, dich jetzt mit einer anderen Frau zu sehen? Ich bin absolut ratlos.“
Fernando hatte jetzt einen etwas beunruhigten und nachdenklichen Gesichtsausdruck.
„Ich kann mir das auch nicht erklären. Joana ist die Tochter von unseren Nachbarn. Wir sind zusammen aufgewachsen, aber wir hatten nie etwas miteinander. Sie ist für mich wie eine Schwester. Ich weiß aber nicht, ob sie vielleicht Gefühle für mich entwickelt hat. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sie etwas gegen Elfen hat oder sie sogar hasst. Aber sie ist sicher zu Einigem fähig. Unsere Nachbarn sind auch Vampire. Wenn Conchita Gefahr spürt, müssen wir auf der Hut sein und der Sache auf den Grund gehen. Ich denke, morgen beim Barbecue werden wir wohl Gelegenheit dazu haben.“
Lilli seufzte.
„Ja, laß uns morgen der Sache auf den Grund gehen. Ich bin total erledigt und sehne mich jetzt nach einer schönen heißen Dusche und nach ein bisschen Schlaf.“
Fernando stand auf und zog Lilli aus ihrem Sessel in seine Arme.
„Ja, wir gehen jetzt in unser Zimmer und lassen das alles ein bisschen sacken.“
Er führte sie durch die Tür ins Haus und wußte genau, dass die nächste Überraschung auf Lilli wartete und sie wahrscheinlich ganz umhauen würde. Und er behielt recht.
Sie schritten durch eine sehr großzügige Diele und standen dann in einem riesigen Innenhof, der Lilli den Atem stocken ließ. Rings um den Innenhof führte ein Säulengang, von dem aus die Zimmertüren abgingen. In dem Hof selbst stand eine riesige uralte Eiche, deren Baumkrone den ganzen Hof überdachte. An ihrer Wurzel sprudelte fröhlich eine kleine Quelle. Ein kleiner Bachlauf schlängelte sich über den Boden und verschwand an einer Ecke des Hofes im Erdboden. Vogelgezwitscher erfüllte die Luft und mehrere gemütliche Liegen luden zum Ausruhen und Entspannen ein. Lilli machte sich von Fernando los und ging quer durch den Hof auf die wundervolle Eiche zu. Sie breitete ihre Arme aus und schmiegte sich an den Stamm. Sie schloss die Augen, ihre Finger streichelten zärtlich über die Rinde und sie atmete tief den Duft des Baumes ein. Ein Gefühl des vollkommenen Glücks durchströmte sie und ihr Gesicht bekam einen vollkommen verklärten Ausdruck. Sie war für kurze Zeit nicht mehr auf dieser Welt.
„Ich gehe hier nicht mehr weg. Das ist dir ja wohl klar“, sagte sie glücklich lächelnd zu Fernando und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Eiche.

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„Ich dachte, du sehnst dich nach einer heißen Dusche und ein wenig Schlaf“, sagte Fernando lachend und ging auf sie zu.
„Ich wusste, dass dir unser Prachtstück gefallen würde. Ich konnte es gar nicht erwarten, ihn dir zu zeigen. Aber das Warten hat sich gelohnt. Du warst noch nie schöner wie gerade jetzt in diesem einen Moment.“
Fernando sah Lilli fast ehrfürchtig an und küsste sie dann zärtlich.
„Ich liebe dich“, flüsterte Lilli und schlang ihre Arme um seinen Hals.
„Das kannst du mir ja gleich beweisen“, flüsterte Fernando, nahm sie auf die Arme und trug sie zu ihrem Zimmer. Lilli zuckte zusammen und ihre Glücksgefühle von eben waren wie weggefegt.
„Entschuldige. Habe ich dir wehgetan?“, fragte Fernando.
Lilli sah ihn an.
„Nein. Wieso?“
„Du bist doch gerade etwas zusammengezuckt“, antwortete er mit einem misstrauischen Gesicht.
„Hab ich dir wehgetan oder hat dich irgendwas erschreckt?“
„Nein, es ist alles in Ordnung. Ich weiß nicht, warum ich gezuckt habe. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich so kaputt bin. Aber wenn ich jetzt erst einmal geduscht habe und in frischen Klamotten stecke, geht es mir bestimmt wieder besser.“
Lilli sah an Fernandos Gesicht, dass er ihr das nicht abnahm, und schon stand sie vor dem nächsten Problem. Sie hatte es die ganze Zeit erfolgreich verdrängt, aber jetzt türmte es sich wieder mächtig vor ihr auf. Sie wusste genau, dass sie es jetzt anpacken musste.

Fortsetzung folgt…

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31 Gedanken zu „Seitensprung der Sisterhood – Buenos Dias Argentina

  1. Yeah und weiter gehts. Ich freu mich. Klasse Lilli und flotter Feger… hach der Nando ey superklassetoll… jetzt bin ich aber auch sehr gespannt auf die familie und was ihr da so treibt. Ich finde das warten hat sich doch gelohnt… und wenn du jetzt einen Anfang hast hoffe ich das die Muse die regelmässig aufsucht.

  2. Danke Doc! Schön dass es dir gefällt. Anscheinend bleibe ich meiner Romantischen Ader treu. Die Muse hat mich schon ein bisschen länger geküsst. Die Geschichte der Grandma habe ich schon im Kopf. Also geht es bald weiter.

  3. Oh Lilli, toller Anfang.
    Auf diese Familie bin ich aber gespannt.
    Und hey…wer dich nicht mag ist selber Schuld….ppffff.
    Wir sind die VASH-Ladies, und muß man mögen…hihihihii…
    Wirklich klasse..

  4. Klasse Lilli!!!! Endlich geht es weiter!!! Hach der Nando… und jetzt bin ich aber auf Omi gespannt!!!! 😀
    Echt Klasse geworden!

  5. Danke Mädels! Schön dass es Euch gefällt. Wenn es glatt läuft, komme ich am Wochenende ans Schreiben, dann könnt ihr was von der Grandma erfahren.

  6. Ich hoffe, dass es euch gefällt. Ich bin nicht ganz so zufrieden damit, aber was mich genau stört kann ich auch nicht sagen. Wollte euch auch nicht so lange auf die Fortsetzung warten lassen. Na, vielleicht trifft es ja euren Geschmack und ich habe ein Brett vorm Kopf. Viel Spaß damit.

  7. Liebe Lilli ich würde ja sagen du hast definitiv kein Brett vorm Kopf… eher ein riesenhaftes Scheunentor…
    Ich finde das ist doch superschön geworden. Total interessant und der Nando wieder einmal hehe… bin mal gespannt wie die alles aussehen.. und obs noch ein paar familiengeheimnisse gibt und ja… 😀

  8. @Dolce
    Habe mich noch gar nicht für das tolle Elfen-Bild oben bedankt. Wieder einmal super ausgesucht, sieht wirklich Klasse aus!

  9. huhu Lilli, ja, das Bild habe ich zum Glück bei Wikipedia gefunden. Flickr hat neue Nutzungskriterien eingeführt, da wird es für uns in Zukunft leider ziemlich eng.
    Zu deinem Roman: ich finde den Teil „fast“ ein bisschen zu lang, ich meine nicht grundsätzlich die Seiten, sondern die ausführliche Schilderung des „Grandma-Parts“ aber das ist natürlich Ansichtssache – geschrieben hast du das sehr schön! 😉
    LG

  10. Hallöle Dolce,
    wenn nicht basteln wir dann halt Manga-Bildchen dazu, wenn alle Stricke reißen.
    Ja du hast recht, ich glaube das ist es auch was mich stört, ich bin da ein bisschen zu lange geworden. Da hat der Erklärbär mal wieder zugeschlagen. Aber es ist, glaub ich, noch erträglich. Aber da werde ich in Zukunft ein bisschen besser aufpassen müssen, dass ich nicht zu ausschweifend werde.
    Danke für deine treffende Analyse.

  11. Sooo, ich wollte ja noch gestern Abend lesen, aber irgendwas stimmte nicht mit meinen Augen. Kann es sein, dass das riesige Scheunentor von Lilli mir die Sicht vernebelt hat? Oder war es doch was Anderes? 😀
    Jedenfalls finde ich die Geschichte sehr schön!!! Und ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung!!!

  12. Buenos Dias Ladies! Lilli ist online – wünsche allerseits viel Vergnügen mit der gelungenen Fortsetzung… 😉
    Schönen Tag und liebe Grüße

  13. Na endlich geht`s weiter!!!!! Hahahahahh, Sancho und Pancho… hach, die beiden Frösche… Super Fortsetzung!!! Scheint ja eine nette Familie zu sein. Bis auf diese doofe Zippe Joana, bin ja mal gespannt, was die noch so anstellt. Das Warten hat sich auch gelohnt. 😉

  14. Danke!
    Schön, dass ihr so geduldig gewartet habt. Habe schon wieder ein bisschen was im Kopf für die Fortsetzung. Aber Angie, soll ich dir mal was sagen, ich bin auch ganz schön gespannt, was die Joana noch so alles anstellt. Liegt noch etwas im geistigen Nebel, aber ich denke die Muse kommt und richtet es.

  15. Aaaaaaaaaaah endlich.
    Superschön geworden Lilli
    … Sancho und Pancho ey haha da musste ich erstmal grübeln ;). Soso Joana Sandkastenfreundin die denkt die hätte Ansprüche oder was? Pft… Lilli mach se platt ne 😉 ansonsten rufste deine Sixpack-Schwestern an, wir vermöbeln die dann.
    Mensch… da bin ich ja jetzt neugierig ist die auch ne Vampirin? Oder Mensch? *kopfkratz*
    Auf jedenfall merkt man auch das die Muse dich geknutscht hat, da kommt noch n dicker Fisch ich kann ich schon sehen ;).

  16. Suuuper Lilli,
    einfach super. Total spannend.
    Auf sowas hab ich mich gefreut,nach dem ganzem Stress.
    Aber da kommt man schon ins Grübeln…
    Was hat Joana? Man konnte diesen Hass ja förmlich spüren…..tztztz
    Da besteht aber großer Handlungsbedarf.
    Und so wie Doc sagte, nervt sie dich zu doll…..ruf an.. 😀

  17. Ja, wenn die rumzickt ruf uns, dann gehen wir fix auf Vermöbeltour. Mist, ich kann ja gar nicht mit möbeln, ich muss mich doch mit dem Leif fetzen… 🙁

  18. Schön, daß es euch gefällt und daß ihr mich so tatkräftig unterstützen wollt. Na warten wir mal ab, was die doofe Kuh will. Und versprochen, wenn ich die nicht alleine packe, melde ich mich.

  19. oha, Geheimnisse über Geheimnisse und Lilli lässt immer noch nicht die Katze aus dem Sack 😉 Viel Vergnügen mit der Fortsetzung, meine lieben Ladies! 😉

  20. Wooow, sehr schön Lilli!!!!!!! Tolle Villa, toller Innenhof!!!!! Ui und die Conchita, fast wie die Mary… 😉
    Wirklich toll geworden!!!! 😀

  21. Wooooooooooooow ich möchte auch zum Barbecue kommen und mir den Innnehof anschauen. Und wow ey mit der Joana und warum zuckt Lilli? Ich bin jetzt sehr neugierig noch mehr als vorher… wann gehts weiter?

    Lilli absolute Klasse. Sehr cool geworden.

  22. Das sie WAS anpacken muß?
    Boah Lilli,mach es doch nicht so spannend.
    Ist das toll geworden,einfach genial.
    Und das mit der Eiche…..ich hab dich da stehn sehn….schööön.
    So, jetzt haben wir einen EF-EF, einen Leif, eine Conchita und einen Gunther.
    Mich würde ja mal interessieren wen die 4 aufeinander treffen…hahahahaha.
    So Lilli,nu mach hinne und dann schick die Muse bitte mal bei mir vorbei.
    Oder las wenigstens von ihr was für mich über… 😀

  23. * Mich würde ja mal interessieren was passiert wen die 4 aufeinander treffen*
    Sooo sollte es heissen…..tztztz

  24. Hallöle,
    Danke Mädels, schön, dass es euch gefällt. Die Fortsetzung ist in Arbeit. Im Kopf ist sie schon ziemlich fertig. Muss nur noch die Zeit zum niederschreiben finden.
    @Kerstin
    Das können wir ja mal arrangieren, später. Das wäre doch was für eine bombastische Abschlußparty. Nach bestandenen Abenteurern treffen sich alle auf dem Anwesen.

  25. Hallo leute ich finde euch alle toll, aber ich wollte fragen wann es hier weiter geht
    Liebe Grüße 🙂

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