Rezension von Angie: Blutsvermächtnis von Kathy Felsing

Die junge Nevaeh Morrison begleitet ihren Vater auf eine geheimnisvolle Expedition in die Chilenische Atacamawüste. Dort sieht sie in der Ferne jeden Morgen einen geheimnisvollen Jogger. Doch dann wird das Camp überfallen und es gibt Tote zu beklagen. Ihr Vater Joshua, der, von einem ihm unbekannten Auftraggeber gesponsert, das Gen der Unsterblichkeit suchen soll, ist seitdem spurlos verschwunden. Joshua wird des illegalen Waffenhandels beschuldigt, Nevaeh ohne weitere Erklärungen des Landes verwiesen. Sie hält ihren geliebten Vater für tot, doch der wurde, mit dem Tode ringend, von dem mysteriösen Elias Spops gekidnappt und auf sehr ungewöhnliche Weise geheilt.
Nevaeh besitzt eine besondere Gabe. Sie kann in ihren Träumen die Menschen manipulieren. Sie ist eine Traumgestalterin, Traumprägerin – ein Dream Shaper. Doch sie unterdrückt diese Gabe rigoros und verbietet sich selbst das Träumen, um nicht dem Wahnsinn zu verfallen. Seit ihrer Kindheit quälen sie Schuldgefühle, da sie sich für den Tod ihrer Mutter und eines Spielkameraden verantwortlich fühlt. Nun versucht jemand brutal ihre Gabe zu aktivieren, um sie für sich zu missbrauchen und bedroht somit nicht nur ihr Leben. Das DPA (Department for Paranormal Activities) hat ebenfalls seine Finger in diesem undurchsichtigen Spiel.
Elia Spops, alias Elasippos, ein 12.413 Jahre alter Halbgott aus dem untergegangenen Atlantis, der seit Jahrtausenden die Entwicklung der Menschheit beobachtet, betrachtet seinen Lebensinhalt mittlerweile einzig und alleine darin, die Gebeine seines Sohnes Mestor zu schützen. Als ihm die Teilnehmer der Expedition bei ihren Ausgrabungen zu nahe kommen, greift er ein.
Als Nevaeh zum ersten Mal mit Elia zusammentrifft, erkennt sie in ihm den Jogger in der Wüste wieder und fühlt sich auf geheimnisvolle Weise zu ihm hingezogen, genau wie er zu ihr. Schicksal oder eine Laune der Götter?

Gnadenlos und temporeich treibt die Autorin Kathy Felsing den Leser durch diese spannende, zum Teil sehr drastisch beschriebene Geschichte. Kaum dass sie uns Zeit lässt ein wenig Atem zu schöpfen, lauert schon auf der nächsten Seite eine weitere Überraschung. Mal führt sie uns schweißtreibend durch die gnadenlose Hitze der Chilenischen Wüste oder in das sonnige Kalifornien, der Heimat der Protagonistin, um uns wenig später in Finnland im tiefen Schnee versinken zu lassen. Das Zusammentreffen von Nevaeh und Elia wird so ansprechend beschrieben, dass man sich, dankbar für eine kurze Verschnaufpause, nur zu gerne auf der romantischen und sinnlichen Welle treiben lässt. Doch unbarmherzig wird diese Stimmung durch ein Erdbeben aufgehoben, das alles wieder in Frage stellt und den Leser schonungslos in die nächste verblüffende Situation drängt.
Es geht in diesem Roman nicht nur um Vampire, Unsterbliche, Gottheiten und korrumpierte Militärs oder um die Beziehung zwischen Nevaeh und Elia, sondern auch um die Liebe innerhalb einer Familie. Wie weit würde ein Vater gehen, um das Leben seiner Tochter zu schützen? Wahnsinn und Hoffnung, Schuld, Vergebung und Vertrauen liegen hier sehr dicht beieinander. Packend ist auch die Geschichte des attraktiven Elias. Er, der letzte Überlebende des sagenumwobenen Atlantis, der mit Platon und Sokrates geplaudert hat, ist geradezu besessen von einer Schuld, die ihn dazu veranlasst sich in der Atacamawüste ein atemberaubendes unterirdisches Domizil um die Mumie seines zu früh verstorben Sohnes aufzubauen. Doch letztendlich muss er sich seiner Vergangenheit stellen, um mit Nevaeh eine Zukunft aufbauen zu können. Interessant sind ebenfalls die Nebenfiguren, die die Bezeichnung Nebenfigur eigentlich nicht verdienen, da sie alle zur Spannung auf die eine oder andere Art beitragen. Insbesondere Crichton, der seit Jahrhunderten treu ergebene Butler und Freund Elias. Die losen Fäden, die die Autorin im Laufe der Geschichte scheinbar zu einem schwerlösbaren Knoten zusammenfügt, werden von ihr auf sehr bemerkenswerte Weise nach und nach gelöst und führen dabei so manches Mal zu einem besonderen „Aha-Erlebnis“. Kathy Felsing hat die Vampire nicht neu erfunden, sondern ihnen ihren eigenen, wirklich außergewöhnlichen Stempel aufgedrückt. Selbst für Genrefremde ist dieses Buch durchaus empfehlenswert. Bis zur letzten Seite hat mich dieser Roman so gefesselt, dass ich ihn kaum aus der Hand legen konnte. Ich fühlte mich angesichts der charmant rasanten Erzählweise einfach sehr gut unterhalten und fand mich am Schluss „schachmatt“ auf der Spielwiese der Götter liegend wieder. 😉

Der Lesekreis bedankt sich bei Angie für diese schöne ausführliche Buchbesprechung und beim Sieben Verlag für die freundliche Überlassung eines Rezensionsexemplares.

Blutvermächtnis“ umfasst 336 Seiten und ist im April 2011 im Sieben Verlag erschienen.

Kurzbeschreibung
Man nennt Menschen wie sie Dream Shaper, doch Nevaeh Morrision, eine Paläopathologin aus Los Angeles verdrängt ihre paranormale Gabe. Sie begegnet dem ältesten denkenden Wesen der Welt: Elasippos, eine geheimnisumwobene Persönlichkeit von ganz besonderem Blut. Dem seit Jahrhunderten zurückgezogen lebenden Elia drohen seine unbedacht gelegten Spuren der Vergangenheit zum Verhängnis zu werden. Sie lassen Nevaeh in das Fadenkreuz eines blutrünstigen Vampirs auf der Suche nach dem Blutsvermächtnis rücken. Ein persönlicher Feind hat zudem eine Rechnung mit ihr zu begleichen und zusätzlich steht die erste Begegnung von Nevaeh und Elia unter keinem guten Stern: Sie sieht in ihm den Entführer ihres Vaters.

Über die Autorin
Kathy Felsing wurde 1964 in Nordrhein-Westfalen geboren. Nach der Fachoberschulreife jobbte sie zunächst für zwei Jahre als Redaktionsassistentin bei einer Wochenzeitung. Später absolvierte sie eine Ausbildung als Datenverarbeitungskauffrau und arbeitete viele Jahre als Programmiererin, Werbekauffrau und Web-Designerin. Bevor sie mit dem Schreiben anfing, war sie zuletzt in leitender Stellung als Ausbilderin für Fachinformatiker tätig.

Ende 2006 wanderte sie mit ihrer Familie in die Republik Zypern aus. Sie lebt und arbeitet mit ihrem jüngsten Sohn, ihrem Mann, zwei Katzen und einem Hund in einem 50-Seelendorf.

5 Gedanken zu „Blutsvermächtnis von Kathy Felsing [Rezension]

  1. Wow, Superschöne Rezi. Das klingt nach einem guten etwas komplexeren Buch. Ich sehe schon mein SuB wird niemals nie schrumpfen… naja ist ja eigentlich auch gut so ne 😀

  2. ja, die Rezi ist wirklich gut und macht richtig neugierig auf das Buch. Hast du super geschrieben, Angie! Wünsche euch frohe Ostern, meine Lieben!!

  3. Danke meine Hasen. Ja, das Buch ist wirklich spannend! 😉
    Nur das Cover ist nicht so meins, aber ist ja auch Geschmackssache. Von mir bekommt es fünf Sterne! 😀

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