Auf geht’s, mitten in den Himmel eine … Ludwig Hirsch R.I.P.

Ludwig Hirsch ist tot. Nach einer Lungenkrebsdiagnose hat der 65-jährige österreichische Liedermacher und Schauspieler am 24. November 2011 den Freitod gewählt.

1978 begann Ludwig Hirschs Karriere als Liedermacher mit kritischen, makaber-morbiden Texten. Ö3 verbot sein Lied Großer schwarzer Vogel wegen der morbiden und unheimlichen Atmosphäre nach 22 Uhr zu spielen †“ aus Angst, dass Hörer Selbstmord begehen könnten.

Komm großer schwarzer Vogel

Komm großer schwarzer Vogel, komm jetzt!
Schau, das Fenster ist weit offen,
Schau, ich hab‘ Dir Zucker aufs Fensterbrett g’straht.

Komm großer schwarzer Vogel, komm zu mir!
Spann‘ Deine weiten, sanften Flügel aus
und leg’s auf meine Fieberaugen!
Bitte, hol‘ mich weg von da!

Und dann fliegen wir rauf, mitten in Himmel rein,
in a neue Zeit, in a neue Welt.
Und ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen,
ich werd‘ „das gibt’s net“, schrei’n,
weil ich werd‘ auf einmal kapieren
worum sich alles dreht.

Komm großer schwarzer Vogel, hilf mir doch!
Press‘ Deinen feuchten, kalten Schnabel auf
meine Wunde, auf meine heiße Stirn!

Komm großer schwarzer Vogel,
jetzt wär’s grad günstig!
Die anderen da im Zimmer schlafen fest
und wenn wir ganz leise sind,
hört uns die Schwester nicht?
Bitte, hol mich weg von da!

Und dann fliegen wir rauf, mitten in Himmel rein,
in a neue Zeit, in a neue Welt.
Und ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen,
ich werd‘ „das gibt’s net“, schrei’n,
weil ich werd‘ auf einmal kapieren
worum sich alles dreht.

Ja, großer schwarzer Vogel, endlich!
Ich hab‘ Dich gar nicht reinkommen g’hört,
wie lautlos Du fliegst mein Gott,
wie schön Du bist!

Auf geht’s, großer schwarzer Vogel, auf geht’s!
Baba, ihr meine Lieben daham!
Du, mein Mädel, und du, Mama, baba!
Bitte, vergesst’s mich nicht!

Auf geht’s, mitten in den Himmel eine,
nicht traurig sein, na, na, na ist kein Grund zum Traurigsein!
Ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen, ich werd‘ „das gibt’s net“ schrei’n.
Ich werd‘ endlich kapieren, ich werd‘ glücklich sein!
Ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen, ich werd‘ „des gibt’s net“ schrei’n.
Ich werd‘ endlich kapieren, ich werd‘ glücklich sein!
Ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen, ich werd‘ endlich glücklich sein!

Quelle Foto: Wikipedia Ramessos

Literaturverfilmung: Helene Hegemann dreht Axolotl Roadkill als Blockbuster

Wie heute bekannt wurde, will Helene Hegemann ihren Skandalroman „Axolotl Roadkill“ verfilmen.

Der Film entstehe unter dem Titel „Blockbuster„, teilte die Produktionsfirma Vandertastic mit. Helene Hegemann werde selbst Regie führen. Das Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt das Projekt mit 50.000 Euro.

Im Januar 2010 berichtete der SPIEGEL erstmals über „Axolotl Roadkill“ und die damals 17-jährige Autorin Helene Hegemann als das †œWunderkind der Boheme†, die WELT bezeichnete das Buch verblüffend klug, angenehm grotesk und herrlich sprachgewandt, die ZEIT veröffentlichte einen zweiseitigen Artikel über diesen †œliterarischen Kugelblitz†.

Bevor Helene Hegemanns †œAxolotl Roadkill† am 22. Januar 2010 in den Handel kam, war der Roman berühmt und der Ullstein Verlag musste bereits Anfang Februar die dritte Auflage nachdrucken.

Am 05.02.10 ließ Deef Pirmasens auf seinem Blog Gefühlskonserve mit der Frage „alles nur geklaut?“ die Lobeshymnen abrupt verstummen.

Helene Hegemann zeigt uns in Axolotl Roadkill zwar, dass sie nicht nur für ihr Alter, sondern ganz allgemein eine beachtenswert wortgewaltige und wundervoll böse Schreibe hat. Aber statt sich nur von anderen inspirieren zu lassen und zu zitieren, schreibt sie ab. Das stört den guten Eindruck ganz empfindlich†, schrieb Deef Pirmasens über seine Entdeckung, dass Helene Hegemann viele Textpassagen  von dem Berliner Blogger Airen abgeschrieben hatte.

Und die meisten Medien ruderten zurück.

Heute ist Helene Hegemann 19 und hat in diesem Jahr zusammen mit einem Dutzend anderer Künstler einige Monate in der Villa Aurora, der deutschen Künstlerresidenz in Los Angeles zur Förderung des deutsch-amerikanischen Kulturaustausches, verbracht.  Eine unabhängige Jury genehmigte Helene Hegemann ein Stipendium für den Bereich Film.

Wünschen wir ihr viel Glück und Erfolg für das neue Projekt!

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Quelle: Berliner Morgenpost

Geschenktipp Neuübersetzung: Truman Capote „Frühstück bei Tiffany“

Die Wiederentdeckung eines Genies: Truman Capote

Frühstück bei Tiffany

Die 18-jährige Holly Golightly lässt sich in New York vom Strom des leichten Lebens treiben.

Mit unverschämtem Charme und überraschendem Einfallsreichtum schlägt sie sich durch zwischen Bohemiens, Playboys, Gins und Rosen. Sie weiß, wie sie von einem reichen Verehrer fünfzig Dollar für die Toilette kriegt, ohne sich klein zu machen. Sie weiß, wie man eine gute Party feiert. Und sie weiß, was hilft, sobald sie das „rote Grausen“, diese unbestimmte Furcht vor der Welt, überfällt: ein Abstecher zum Juwelier Tiffany†™s an die Fifth Avenue, wo ihr nichts und niemand mehr etwas anhaben kann.

Denn es ist nicht immer leicht, Holly Golightly zu sein. Wer es in New York schaffen will, der muss leichtfüßig durch Leben tänzeln, darf sein Herz nicht an Dinge und Menschen hängen und muss immer auf alles gefasst sein. Auch darauf, sich ausgerechnet in einen unbekannten Schriftsteller zu verlieben, der ebenso mittellos und abhängig von fremder Gunst ist wie man selber und auch noch ohne festen Platz in dem verrückten Spiel.

Frühstück bei Tiffany erscheint als vierter Band der achtbändigen Werkausgabe in der Übersetzung von Heidi Zerning, herausgegeben von Anuschka Roshani, bei Kein & Aber in Leinen gebunden.

Über den Autor

Truman Capote wurde am 30. September 1924 in New Orleans geboren, wuchs in den Südstaaten auf und arbeitete in den verschiedensten Berufen. Mit neunzehn Jahren erhielt er für seine Kurzgeschichte Miriam den O.-Henry-Preis.

1948 erschien sein Roman Andere Stimmen, andere Räume, der als das sensationelle Debüt eines literarischen Naturtalentes gefeiert wurde. Es folgten 1949 die Kurzgeschichtensammlung Baum der Nacht, 1950 die Reisebeschreibung Lokalkolorit, 1951 der Roman Grasharfe und 1958 Frühstück bei Tiffany.

Truman Capote starb 1984 in Los Angeles.

Quelle: Kein & Aber

7 Fragen an Susanna Alakoski

Susanna Alakoski, geboren 1962 in Vasa, Finnland, wuchs im südschwedischen Ystad auf, dem Schauplatz ihres ersten Romans Bessere Zeiten (orig. Titel: Svinalängorna). Ihr Romandebüt handelt von Kinderarmut in der schwedischen Wohlstandsgesellschaft der 1960er und 1970er Jahre.

„Bessere Zeiten“ wurde als bester schwedischer Roman des Jahres 2006 ausgezeichnet und 2010 von Pernilla August mit Noomi Rapace in der Hauptrolle verfilmt. Heute lebt Susanna Alakoski in Stockholm, schreibt für schwedische Zeitungen und ist frauenpolitisch aktiv.

Im November und Dezember 2011 geht Susanna Alakoski auf Lesereise in Deutschland. Wer die Autorin kennenlernen  und zusätzlich den bereits vielfach ausgezeichneten Film sehen möchte, hat dazu noch am Mittwoch, 23.11.2011, in Stuttgart, am Freitag, 25.11.2011, in Hamburg, am Sonntag, 27.11.2011, in München und am Samstag, 3.12.2011, in Berlin die Gelegenheit. Mehr Infos zur Lesereise und ein Trailer zum Film finden sich hier.

7 Fragen an Susanna Alakoski

1. Mit wem würden Sie gerne für einen Tag den Platz tauschen?
* If you could switch places with someone for a day, who would it be?

Ich wäre gerne ein weiblicher Präsident, vielleicht Ellen Johnson Sirleaf, die Vorsitzende der Unity Party in Liberia.
I would love to be a female president, why not Ellen Johnson Sirleaf, the leader for Unity Party in Liberia.

2. Welche Projekte warten auf ihre Vollendung?
* Which projects are waiting for you to finish them?

Zwei Bücher, eines für Kinder und eines über heutige Armut in einem Land wie Schweden.
Two books, one for children, one about modern poverty in a country as Sweden.

3. Was bringt Sie so richtig auf die Palme?
* What really gets your hackles up?

Wenn Politiker wie Berlusconi den Mund aufmachen.
When politicians like Berlusconi start to talk.

4. Worauf sind Sie besonders stolz?
* What are you most proud of?

Dass ich eine Schriftstellerin geworden bin, die nicht sehr oft darüber nachdenkt, worauf sie stolz ist.
That I became a writer who don´t very often think a lot of what I ´m very proud of.

5. Mit welcher historischen Figur/Person hätten Sie sich gerne zum Essen verabredet?
* Which historical figure would you have liked to meet for dinner?

Ich würde gerne mit Virginia Woolf zu Abend essen.
I would love to eat dinner with Virginia Woolf.

6. Über welche verpasste Gelegenheit ärgern Sie sich noch heute?
* Which missed opportunity do you still regret?

Ich kann mich nicht an eine verpasste Gelegenheit erinnern, denn ich hatte nicht wirklich viele. Ich bin eine Selfmade-Frau, was bedeutet, dass ich die besten Möglichkeiten für mich selbst realisiert habe.
Can not really imagine this opportunity, in fact, I have not had so many. I am kind of selfmade, which means that I created my best opportunities by my self.

7. Womit haben Sie ihr erstes Geld verdient?
* What did you earn your first money with?

Als Unkrautjäterin auf einem Erdbeerfeld ganz im Süden von Schweden.
As a weed picker in a strawberryfield in the very south of Sweden.
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Der Lesekreis bedankt sich ganz herzlich bei Susanna Alakoski für die Teilnahme an unserer kleinen Online-Umfrage. Wir freuen uns auf die Matinee am 27.11. in den City Kinos in München!

Marlene Streeruwitz erhält Bremer Literaturpreis 2012 für „Die Schmerzmacherin“

Die 61-jährige österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz erhält in diesem Jahr den mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreis der Stadt Bremen. Sie wird für ihren im September 2011 erschienen Roman „Die Schmerzmacherin“ geehrt.

Der Thriller nehme den Leser mit in die Bedrohung einer überkontrollierten Welt, hieß es in der Jury-Begründung.

Der Preis wird seit 1954 von der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung vergeben. Die Preisverleihung findet im Januar 2012 im Bremer Rathaus statt.

Die Schmerzmacherin

Kurzbeschreibung
Leute werden verschleppt, verschwinden, werden eingesperrt oder gefoltert. Amy arbeitet für einen privaten Sicherheitsservice, sie kann die Korruption und Gewalt nur ahnen, die sich als Abgrund hinter den geheimen Operationen abzeichnet. Als sie beschließt auszusteigen, gerät sie endgültig in die Fänge einer undurchsichtigen, aber brutalen Organisation.
Amys Verlorenheit korrespondiert mit dem Ringen um die Wahrnehmung der Realität. Was kann sie glauben? Wer ist sie selbst? Und vor allem: Was passierte an dem Tag, an den sie sich nicht erinnern kann?
Marlene Streeruwitz entwirft in ihrem meisterhaften Roman ein unheimliches und unvergessliches Szenario und fragt nach dem Ort des Individuums in einer zunehmend privatisierten Öffentlichkeit.

Über die Autorin

Marlene Streeruwitz, geboren in Baden bei Wien, Studium der Slawistik und Kunstgeschichte in Wien. Autorin und Regisseurin von Theaterstücken und Hörspielen. Für ihre Romane wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Wien und Berlin. 2009 erhielt sie den Peter-Rosegger-Literaturpreis der Steiermark.

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Seit 1977 wird zudem ein mit 6.000 Euro dotierter Förderpreis zum Bremer Literaturpreis vergeben. Dieser geht 2012 an den Schauspieler Joachim Meyerhoff für sein Erstlingswerk †œAlle Toten fliegen hoch. Amerika†.

Alle Toten fliegen hoch. Amerika

Kurzbeschreibung
„Mit achtzehn ging ich für ein Jahr nach Amerika. Noch heute erzähle ich oft, dass es ein Basketballstipendium war, aber das stimmt nicht. Meine Großeltern haben den Austausch bezahlt.“ So beginnt der erste Roman von Joachim Meyerhoff, der seinen Ich-Erzähler aus der norddeutschen Provinz in die Weiten des amerikanischen Westens führt – und in ein Wechselbad der Gefühle. Entscheidend ist der selbstironische, empfindsame, pointiert-witzige Ton: Von der ersten Seite an folgt der Leser dem jugendlichen Helden, der sich aufmacht, einen der begehrten Plätze in einer amerikanischen Gastfamilie zu ergattern. Aber schon beim Auswahlgespräch in Hamburg werden ihm die Unterschiede zu den weltläufigen Großstadt-Jugendlichen schmerzlich bewusst. Konsequent gibt er sich im alles entscheidenden Fragebogen als genügsamer, naturbegeisterter und streng religiöser Kleinstädter aus – und findet sich bald darauf in Laramie, Wyoming wieder, mit Blick auf die Prärie, Pferde und die Rocky Mountains. Der drohende „Kulturschock“ bleibt erst mal aus, der Stundenplan ist abwechslungsreich, die Basketballsaison steht bevor, doch dann reißt ein Anruf aus der Heimat ihn wieder zurück in seine Familie nach Norddeutschland – und in eine Trauer, der er nur mit einem erneuten Aufbruch nach Amerika begegnen kann. Dieser mitreißende Entwicklungsroman erzählt von Liebe, Fremde, Verlust und Selbstbehauptung und begeistert durch Sensibilität, Selbstironie und Witz. Auf der Bühne hat „Alle Toten fliegen hoch“ bereits Furore gemacht. – Eine literarische Entdeckung.

Über den Autor

Joachim Meyerhoff, geboren 1967 in Homburg/Saar, aufgewachsen in Schleswig, hatte nach seinem Schauspielstudium an der Otto-Falckenberg-Schule Engagements in Kassel, Bielefeld, Dortmund und Köln. 2001 wurde er Ensemblemitglied am Maxim Gorki Theater Berlin, wo er auch Regie führte. Er wechselte 2002 ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg und ist seit 2005 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. In seinem sechsteiligen Zyklus „Alle Toten fliegen hoch“ trat er als Erzähler auf die Bühne und wurde zum Theatertreffen 2009 eingeladen. 2007 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt.