Programm zum 9. Krimifestival München vom 15.-31.03.2011 online

Das Krimifestival München verwandelt die bayerische Landeshauptstadt vom 15. bis 31. März zum 9. Mal in die Hochburg des literarischen Verbrechens.
Rund 70 Krimi-Autoren aus aller Welt strömen im März zur Spurensuche an die Isar, darunter Simon Beckett aus England, Hakan Nesser und Johan Theorin aus Schweden, Martin Walker aus Schottland, Harlan Coben aus den USA, Michael Robotham aus Australien, Veit Heinichen und Roberto Aljamo aus Italien, Oscar Urra aus Spanien und Colin Cotterill.

Auch die Stars der deutschsprachigen Krimi-Szene geben sich zum Krimifestival München 2011 die Ehre, darunter Friedrich Ani, Oliver Bottini, Oliver Pötzsch, Sebastian Fitzek, Jörg Juretzka, Silvia Roth, Elisabeth Herrmann, Jörg Maurer und Shooting-Star Nele Neuhaus.

Weitere Highlights des Krimifestivals sind die Verleihung des Agatha-Christie-Krimi-Preises, ein Krimi-Frühschoppen im Hofbräuhaus, der Krimi-Dampfer auf dem Starnberger See und eine große Benefiz-Kriminacht mit Jutta Speidel und 13 Krimi-Autorinnen.

Neben Autorenlesungen an außergewöhnlichen Leseorten wie in der Rechtsmedizin, im Polizeipräsidium, in einer Gefängniszelle oder im Schießkeller des Landeskriminalamtes gibt es auch in diesem Jahr wieder neue Tatorte zu entdecken, darunter das Hofbräuhaus München, die BMW Welt und eine geheimnisvolle Villa im Nymphenburger Schlossrondell.

Viel Spaß bei der Spurensuche an der Isar mit folgendem Programm:

15.03. Literaturhaus: Startschuss mit Friedrich Ani und Peter Probst

16.03. Polizeipräsidium: Lesung mit Gisa Klönne Ticket-Alarm!

16.03. Literaturhaus: Michael Jürgs (†œBKA – Die Jäger des Bösen†)

17.03. LKA/Schiesskeller: Mit Ryan David Jahn ausverkauft!

17.03. Instituto Cervantes: Spanische Kriminacht mit Oscar Urra

18.03. Institut für Rechtsmedizin 18 Uhr: ausverkauft!

18.03. Institut für Rechtsmedizin 22 Uhr: Schwedische Kriminacht

19.03. Volkstheater: Buchpremiere mit Jörg Maurer Ticket-Alarm!

19.03. Hugendubel 5Höfe: Thriller-Nacht mit Harlan Coben

20.03. BMW Welt: Simon Beckett live! / 18:00 UHR ausverkauft!

20.03. BMW Welt: Simon Beckett live! / 15:00 UHR

21.03. Polizeipräsidium: Lesung mit Oliver Bottini ausverkauft!

21.03. Hugendubel 5Höfe: Agatha-Christie-Nacht

22.03. Ampere: Schwedische Kriminacht mit Camilla Grebe und Asa Träff

22.03. Substanz: Tabor-Süden-Nacht mit Friedrich Ani & Band

22.03. Uni Lounge/Kellergeister: Kriminacht mit Stefan Brüggenthies

23.03. Klinikum Rechts der Isar: Mit Michael Robotham und Ulrich Noethen

23.03. Krimibuchhandlung glatteis: Kriminacht mit Jörg Juretzka

23.03. Charlotte-Dessecker-Bücherei: Pullacher Kriminacht mit Veit Heinichen

24.03. Volkstheater: †œDas finstere Tal† – Alpenkriminacht mit Thomas Willman

24.03. Buchhandlung Lehmkuhl: Schwedische Kriminacht mit Johan Theorin

24.03. Buch in der Au: Toskanische Kriminacht mit Felicitas Mayall

25.03. Bücher Hacker: †œEin allzu leichter Tod† – Laimer Kriminacht mit Regula Venske

25.03. Schlachthof: †œLachen & Schießen† – Buchpremiere mit Harry Luck

25.03. Gemeidebücherei Vaterstetten: Vaterstettener Kriminacht mit Veronika Rusch

26.03. Stadtbibliothek Fürstenried: Krimi-Frühstück mit Ono Mothwurf

26.03. Krimibuchhandlung glatteis: Silvia Roth (†œBlut von Deinem Blute†)

27.03. Klinikum Rechts der Isar: Best of Sebastian Fitzek

28.03. BücherCafe Lentner: Alpen-Kriminacht mit Stefan König

28.03. Hofbräuhaus München: Wiener Kriminacht mit Thomas Raab ausverkauft!

Mehr Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen finden sich auf der Homepage Krimifestival-Muenchen.de

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Still got the Blues… R.I.P. Gary Moore

Wie der Sender Sky News am 06.02.2011 berichtete, starb der Rock- und Blues-Gitarrist Gary Moore im Alter von 58 Jahren im Zimmer eines Luxushotels in seinem spanischen Urlaubsort an der Costa del Sol. Die Ursache des frühen Todes des Gitarren-Genies ist noch völlig unklar. Gary Moore sei jedoch nicht wie viele seiner Kollege ein Opfer des Rock-’n‘-Roller-Lebens mit viel Alkohol und Drogen geworden, hieß es aus seinem Umfeld.

Nach Angaben der spanischen Behörden waren an der Leiche des 58-Jährigen keine Anzeichen von Fremdeinwirkung feststellbar. Die Kriminalpolizei werde keine Ermittlungen aufnehmen, solange die Autopsie keine verdächtigen Anhaltspunkte ergebe, berichtete die Zeitung La Opinión am Montag unter Berufung auf Polizeikreise in der Provinzhauptstadt Málaga.

Gary Moore galt als einer der besten Gitarristen seiner Zeit. Bekannt wurde er mit der Rockgruppe „Thin Lizzy“. Mit „Still got the Blues“ landete er einen Welthit.

Sein Vorgänger bei Thin Lizzy, Eric Bell, sagte dem britischen Rundfunksender BBC: „Ich kann es immer noch nicht glauben. Moore sei kein „Rock-Opfer“, sondern „robust“ und ein „gesunder Kerl“ gewesen – ein „großartiger Spieler“ und „engagierter Musiker“.

Der im nordirischen Belfast geborene Moore begann bereits mit acht Jahren, Gitarre zu spielen. Neben Thin Lizzy arbeitete Moore, der auch eine erfolgreiche Solo-Karriere hinter sich hatte, mit Ex-Beatle George Harrison und den Beach Boys und Ozzy Osbourne zusammen.

Er war zuletzt als Sänger und Solo-Gitarrist erfolgreich und mehrmals auch auf Deutschland-Tournee. Bekannt wurde er als Mitglied der irischen Rockgruppe Thin Lizzy die er mehrmals verlassen hatte, zu der er aber auch immer wieder zurückkehrte. Gary Moore arbeitete schon 1969, im Alter von erst 16 Jahren, mit Thin-Lizzy-Frontmann Phil Lynott zusammen.

1972 gründete Moore seine eigene Band, die Gary Moore Band, und sang auch. Deren einziges Album Grinding Stone – im Jahr 1973 veröffentlicht – wurde jedoch kein Erfolg und Moore kehrte – zumindest für kurze Zeit – zu Lynott und Thin Lizzy (The Boys are Back in Town, Whiskey in the Jar), zurück. In den Jahren danach arbeitete er viel als Studiomusiker. Während seiner Solokarriere wechselte der frühere Hardrock- und Heavy-Metal-Gitarrist mehrmals die Stilrichtung. Zunächst kehrte er zu seinen Blues-Wurzeln zurück und landete Anfang der neunziger Jahre mit seinem Solo-Stück Still got the Blues einen Welthit – um den es später zu einem Urheberrechtsstreit kommen sollte, der bis heute nicht endgültig entschieden ist.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 06/2011

Platz 1 : Die Tribute von Panem – Flammender Zorn von Suzanne Collins

Kurzbeschreibung
Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss‘ Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.
Der dritte Band 3 der grandiosen, vielfach ausgezeichneten und alle Bestsellerlisten stürmenden „Panem“-Trilogie – steigert die Sapnnung von Band 1 und 2 weiter! „Wird in einem Atemzug genannt werden mit William Goldings „Herr der Fliegen“ oder Stephen Kings „The Stand Das letzte Gefecht“ (School Library Journal) „Verbindet die leidenschaftliche Gesellschaftskritik von „1984“, die Exzesse von „Uhrwerk Orange“, die imaginative Kraft der „Chroniken von Narnia“ und den Einfallsreichtum von „Harry Potter“ (The New York Times)

Platz 2 : Kein Wort zu Papa von Dora Heldt

Kurzbeschreibung
„Das schaffen wir mit links!“ Wie gut, dass Ines nichts schrecken kann. Ohne ihre patente Schwester wäre Christine sonst ziemlich mulmig zumute. Ihre Freundin Marleen hat sie angefleht, für ein paar Tage ihre Pension auf Norderney zu übernehmen †“ ein Job, von dem Christine nicht die leiseste Ahnung hat. Die Schwestern stoßen schnell an ihre Grenzen. Und das nicht nur, weil sie nicht kochen können. Zu allem Überfluss flackert Gisbert von Meyers Verliebtheit in Christine wieder auf, und er schreibt einen geheimnisvollen Artikel, den Papas Freund Kalli sofort nach Sylt faxt. Prompt stehen Papa und Mama auf der Matte, als selbst ernannte Retter. Das Chaos ist perfekt. Zumal Christine und Ines sich immer mehr in Lügen verstricken: Marleen und ihr Freund sitzen wegen einer dubiosen Verdächtigung in Dubai in Untersuchungshaft, was keiner erfahren darf …

Platz 3 : Allmen und die Libellen von Martin Suter

Kurzbeschreibung
Allmen, eleganter Lebemann und Feingeist, ist über die Jahre finanziell in die Bredouille geraten. Fünf zauberhafte Jugendstil-Schalen bringen ihn und sein Faktotum Carlos auf eine Geschäftsidee: eine Firma für die Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Die Geburt eines ungewöhnlichen Ermittlerduos und der Start einer wunderbaren Krimiserie.Allmen, eleganter Gentleman, Lebemann, Kunstsammler und charmanter Hochstapler, hat über die Jahre das Millionenerbe seines Vaters durchgebracht. Das hochherrschaftliche Anwesen musste er verkaufen, er hat sich mit seinem lebenserfahrenen Faktotum Carlos aus Guatemala ins bescheidene Gärtnerhaus zurückgezogen. So schlecht er mit Geld umgehen kann, so virtuos beherrscht er den Umgang mit Schulden und Gläubigern. Insbesondere die diskrete Geschäftsbeziehung zu einem Antiquitätenhändler hilft ihm immer wieder aus der Bredouille. Anfangs war Allmen bei ihm guter Kunde, mittlerweile ist er guter Lieferant, erst mit Stücken aus der eigenen Sammlung, dann mit Objekten, über deren Herkunft ein Gentleman besser schweigt. Bis ihn nach einem alkoholseligen Opernabend Jojo, eine heißhungrige junge Frau, in die See-Villa ihres Vaters abschleppt und er dort eine Sammlung von fünf bezaubernden Jugendstil-Schalen entdeckt, jede ein kleines Vermögen wert. Und jede mit einem Geheimnis behaftet. Eine Herausforderung, an der er wachsen – oder die ihn das Leben kosten kann.

Platz 4 : Schändung von Jussi Adler-Olsen

Kurzbeschreibung
„Der Blutdurst der Jäger. Wie würden sie es machen? Ein einzelner Schuss? Nein. So gnädig waren die nicht, diese Teufel, so waren sie nicht …“
Ein Leichenfund in einem Sommerhaus in Rørvig. Zwei Geschwister sind brutal ermordet worden. Der Verdacht fällt auf eine Gruppe junger Schüler eines exklusiven Privatinternats, die für ihre Gewaltorgien bekannt sind. Einer von ihnen gesteht.
Zwanzig Jahre später. Nachdem Carl Mørck aus dem Urlaub zurückkommt, stößt ihn sein Assistent Assad mit der Nase auf die verstaubte Rørvig-Akte. Doch von oberster Stelle werden ihnen weitere Ermittlungen verboten. Carl und Assad ist klar, dass hier etwas zum Himmel stinkt: Die Spuren führen hinauf bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft, in die Welt der Aktienhändler, Reeder und Schönheitschirurgen †“ und sie führen ganz weit nach unten, in die Abgründe der Gesellschaft, zu einer Obdachlosen: äußerlich hart wie Granit, doch mit einer blutenden Seele …

Platz 5 : Hummeldumm: Das Roman von Tommy Jaud

Kurzbeschreibung
„Sitzreihe 12 war die letzte, die zwischen Tortellini und Hühnchen wählen durfte. Ich saß in Reihe 13. Schon auf dem Hinflug hätte mir klar sein können, dass der Jahresurlaub zum Albtraum wird.“
Wer an allem schuld ist, ist für Matze sowieso klar: seine Freundin Sina. Während er in endlosen Verhandlungen die neue Eigentumswohnung klargemacht hat, sollte sie einfach nur „irgendwas“ buchen. Hat sie auch. Doch musste dieses „irgendwas“ ausgerechnet eine zweiwöchige Gruppenreise durch Namibia sein, ein Land, in dem jede hüftkranke Schildkröte schneller ist als das Internet? Was hat er denn verbrochen, dass man ihn nun täglich in einen Kleinbus voller Bekloppter sperrt, um ihn dann zu österreichischen Schlagern über afrikanische Schotterpisten zu rütteln? Und warum stolpert er bei minus zwei Grad in einem albernen Wanderhut über die Dünen der Kalahari, statt auf Mallorca ein Bierchen zu schlürfen? Als Matze dann noch daran erinnert wird, dass die sicher geglaubte Wohnung an andere Käufer geht, wenn er nicht sofort die fünftausend Euro Reservierungsgebühr überweist, hat er gleich noch drei neue Probleme: Das nächste Internetcafé ist fünfhundert Kilometer entfernt, der Handyakku plattgedaddelt und das einzige Ladegerät fest in österreichischer Hand.
„Ich drücke meine Nase ans Busfenster und blicke hinaus ins weite Land. Die Namibier winken uns und lachen. Klar lachen sie, sie sind ja frei. Wir nicht. Wir sind die in Blech gepackte Rache für die deutsche Kolonialzeit.“

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Platz 6 : Sturz der Titanen: Die Jahrhundert-Saga von Ken Follett

Kurzbeschreibung
Drei Länder. Drei Familien. Ein Jahrhundert.Europa 1914. Eine deutsch-österreichische Aristokratenfamilie, die unter den politischen Spannungen zerrissen wird. Eine Familie aus England zwischen dem Aufstieg der Arbeiter und dem Niedergang des Adels. Und zwei Brüder aus Russland, von denen der eine zum Revolutionär wird, während der andere in der Fremde sein Glück sucht. Ihre Schicksale verflechten sich vor dem Hintergrund eines heraufziehenden Sturmes, der die alten Mächte hinwegfegen und die Welt in ihren Grundfesten erschüttern wird.

Platz 7 : Für Eile fehlt mir die Zeit von Horst Evers

Kurzbeschreibung
Andere nennen es Alltag. Horst Evers nennt es Schikane. „Mir passieren auch schlimme Sachen. Zum Beispiel habe ich eine elektrische Saftpresse zum Geburtstag bekommen. Wenn man erst einmal so weit ist, dass die Menschen es einem nicht mehr zutrauen, das Obst roh, am Stück beißen zu können, sondern einem elektrische Saftpressen schenken, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Mit dem Obst fängt es an, aber bald schon wird dir diese Maschine vermutlich auch das Mittag- und Abendessen pürieren. Das ist der Lauf der Welt. Mit Brei beginnen wir, mit Brei enden wir. Die Klammer des Lebens, letztlich ist sie das Püree. Aber am Ende sind wir natürlich froh, dass wir das Püree haben. Die Welt ist sonst schon hart genug.“
Man amüsiert sich als Komiker ja ungern über das, was Kollegen fabrizieren, aber bei Horst Evers geht es beim besten Willen nicht anders. Fast jede Seite gehört in die Kategorie †¹Wäre ich gern selbst draufgekommen†º!“ Frank Goosen

Platz 8 : Erbarmen von Jussi Adler-Olsen

ErbarmenKurzbeschreibung
Der Albtraum einer Frau.
Ein dämonischer Psychothriller.
Der erste Fall für Carl Mørck vom Sonderdezernat Q in Kopenhagen.
Die verzerrte Stimme kam aus einem Lautsprecher irgendwo im Dunklen: „Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?“
Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton gefangen gehalten.
Wer sind die Täter? Was wollen sie von dieser Frau? Und: Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?
„Ein ungewöhnlich schöner und hochspannender Thriller, der einem bis zur letzten Seite den Atem abschnürt.“ politiken.dk

Platz 9 : Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten von Kerstin Gier

Kurzbeschreibung
Manchmal ist es ein echtes Kreuz, in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat. Der Überzeugung ist zumindest die 16jährige Gwendolyn. Bis sie sich eines Tages aus heiterem Himmel im London um die letzte Jahrhundertwende wiederfindet. Und ihr klar wird, dass ausgerechnet sie das allergrößte Geheimnis ihrer Familie ist. Was ihr dagegen nicht klar ist: Das man sich zwischen den Zeiten möglichst nicht verlieben sollte. Denn das macht die Sache erst recht kompliziert!

Platz 10 : Winterkartoffelknödel von Rita Falk

Kurzbeschreibung
Der erste Fall für Franz Eberhofer ist ein ganz bizarrer. Da ist diese Geschichte mit den Neuhofers. Die sterben ja an den komischsten Dingen. Mutter Neuhofer: erhängt im Wald. Vater Neuhofer (Elektromeister): Stromschlag. Jetzt ist da nur noch der Hans. Und wer weiß, was dem noch bevorsteht … Normalerweise schiebt Dorfpolizist Franz Eberhofer in Niederkaltenkirchen eine ruhige Kugel. Aber jetzt: Vierfachmord! Stress pur! Zum Glück kocht die Oma den hammermäßigsten Schweinebraten, wo gibt. Und das beste Bier gibt†˜s eh beim Wolfi.

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 06/2011

Platz 1 : Das andere Kind von Charlotte Link

Kurzbeschreibung
Eine alte Farm, eine einsame Landschaft, ein düsteres Geheimnis aus vergangener Zeit. Mit tödlichen Folgen für die Gegenwart …
In der nordenglischen Küstenstadt Scarborough wird eine Studentin erschlagen aufgefunden. Monatelang tappen die Ermittler im Dunkeln †“ dann geschieht ein ähnlicher Mord. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Opfern ist nicht erkennbar. Und so klammert sich die ehrgeizige Polizistin Valerie Almond an das allzu Offensichtliche: an ein Zerwürfnis in der Familie des zweiten Opfers. Lange ist ihr der Blick jedoch verstellt für das Gift, das in dieser Familie wirkt, und dessen Ursprung sie bis weit in die Vergangenheit hinein zurückverfolgen müsste. Und fast zu lange dauert es, bis Valerie Almond begreift, dass ein kranker Täter seinen Rachedurst noch nicht gestillt hat …
Charlotte Link ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart.

Platz 2 : Bis(s) zum Ende der Nacht von Stephenie Meyer

Kurzbeschreibung
Wenn die einzige Chance auf eine ewige Liebe darin liegt, sich von seinem Liebsten töten zu lassen – hat man dann eine Wahl? Ein Jahr voller Glück, aber auch voller Schmerz liegt hinter Bella. Ein Jahr, in dem sie fast zerbrochen wäre, weil ihre Leidenschaft für Edward und ihre innige Freundschaft zu Jacob einfach unvereinbar sind. Aber nun ist ihre Entscheidung gefallen. Unwiderruflich. Auch wenn das für alle verheerende Folgen haben könnte. Sie tun†™s! Sie tun†™s wirklich! Bella und Edward, das heißeste Liebespaar der gegenwärtigen Teenie-Literatur, heiraten! Auf diesen Höhepunkt schienen die drei vorangegangenen Bände der hypererfolgreichen Bis(s)-Reihe von Stephenie Meyer zugelaufen zu sein, doch überraschenderweise bildet die Vermählung der gerade volljährig gewordenen Bella mit Edward, dem ewig 17-jährigen Vampir, nicht das große Finale des vierten und letzten Bandes der Twilight-Saga, sondern seinen (fast ein bisschen unspektakulär abgehandelten) Auftakt. Erst danach geht†™s richtig rund.

Platz 3 : Totengleich von Tana French

Kurzbeschreibung
Dem Tod wie aus dem Gesicht geschnitten
Als die junge Polizistin Cassie Maddox in ein verfallenes Cottage außerhalb von Dublin gerufen wird, schaut sie ins Gesicht des Todes wie in einen Spiegel: Die Ermordete gleicht ihr bis aufs Haar. Wer ist diese Frau? Wer hat sie niedergestochen? Und hätte eigentlich Cassie selbst sterben sollen? Keine Spuren und Hinweise sind zu finden, und bald bleibt nur eine Möglichkeit: Cassie Maddox muss in die Haut der Toten schlüpfen, um den Mörder zu finden. Ein ungeheuerliches Spiel beginnt.
Die junge irische Kriminal-Literatin Tana French erzielte mit Totengleich , ihrem zweiten Roman, einen außergewöhnlichen Erfolg bei den Lesern und wurde von der Kritik in eine Reihe mit Crime-Autorinnen wie Minette Walters, Elizabeth George oder Val McDermid gestellt.

Platz 4 : Verblendung von Stieg Larsson

verblendungKurzbeschreibung
Eine Familiengeschichte, die einen nicht mehr loslässt. Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffens spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zutage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, sie hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt. An seinem 82. Geburtstag erhält der einflussreiche Industrielle Henrik Vanger per Post anonym ein Geschenk. Das Paket enthält eine gepresste Blüte hinter Glas, genau wie in den 43 Jahren zuvor. Vangers Lieblingsnichte Harriet hatte ihm 1958 zum ersten Mal dieses Geschenk gemacht, doch dann verschwand sie spurlos. Ihr Leichnam wurde nie gefunden. In einer letzten Anstrengung beschließt Vanger herauszufinden, was dem geliebten Mädchen tatsächlich zustieß. Er engagiert den Journalisten Mikael Blomkvist, der, getarnt als Biograf, bald auf erste Spuren stößt. Unterstützt wird er von der jungen Ermittlerin Lisbeth Salander, einem virtuosen Computergenie mit messerscharfem Verstand. Je tiefer Blomkvist und Salander in der Vangerschen Familiengeschichte graben, desto grauenvoller sind ihre Enthüllungen. Ausgezeichnet mit dem skandinavischen Krimipreis. -> mehr Infos zu der Trilogie und zum Film

Platz 5 : Erbarmen von Jussi Adler-Olsen

Kurzbeschreibung
Der Albtraum einer Frau.
Ein dämonischer Psychothriller.
Die verzerrte Stimme kam aus einem Lautsprecher irgendwo im Dunklen: „Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?“
Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton gefangen gehalten.
Wer sind die Täter?
Was wollen sie von dieser Frau?
Und: Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?
Der erste Fall für Carl Mørck, Spezialermittler des neu eingerichteten Sonderdezernats Q bei der Kopenhagener Polizei, und seinen syrischen Assistenten Hafez el-Assad, der seinen Chef nicht nur durch unkonventionelle Ermittlungsmethoden überrascht …
„Ein ungewöhnlich schöner und hochspannender Thriller, der einem bis zur letzten Seite den Atem abschnürt.“ politiken.dk

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Platz 6 : Der verborgene Garten von Kate Morton

Kurzbeschreibung
Ein verwunschener Garten, eine adlige Familie, ein dunkles Geheimnis
Als die junge Australierin Cassandra von ihrer Großmutter ein kleines Cottage an der Küste Cornwalls erbt, ahnt sie nichts von dem unheilvollen Versprechen, das zwei Freundinnen ein Jahrhundert zuvor an jenem Ort einlösten. Auf den Spuren der Vergangenheit entdeckt Cassandra ein Geheimnis, das seinen Anfang in den Gärten von Blackhurst Manor nahm und seit Generationen das Schicksal ihrer Familie bestimmt.
Blackhurst Manor, Cornwall, Anfang des 20. Jahrhunderts: Nach dem Tod ihrer Eltern wächst Eliza bei ihrem Onkel auf Blackhurst Manor, dem Familienbesitz der Mountrachets, auf. Sie und ihre Cousine Rose werden schnell unzertrennlich. Um der Welt der Erwachsenen zu entfliehen, erkunden sie das geheimnisvolle Anwesen und entdecken einen verborgenen Garten mit einem Cottage †“ ein Ort, an den sich die fantasievolle Eliza immer wieder zurückziehen kann. Doch als die Mädchen erwachsen werden, zerbricht ihre einstige Freundschaft. Rose verliebt sich in Nathaniel, und als die beiden heiraten, zieht sich Eliza in das Cottage zurück, um sich ganz dem Schreiben von Geschichten zu widmen. So ahnt sie nicht, dass Rose zutiefst unglücklich ist, weil ihre Ehe kinderlos bleibt. In ihrer Verzweiflung bittet sie Eliza um Hilfe. Ein unheilvoller Plan wird in die Tat umgesetzt und bestimmt fortan das Schicksal der nachfolgenden Generationen.

Platz 7 : Nein! Ich will keinen Seniorenteller: Das Tagebuch der Marie Sharp von Virginia Ironside

Kurzbeschreibung
Ein bezauberndes, witziges Lesevergnügen für alle, die sich so alt fühlen, wie sie sind
Herbst des Lebens? Generation Silber? Unsinn! Marie Sharp wird demnächst sechzig und damit schlicht alt. Ein Grund zum Feiern, wie sie findet. Schon wegen all der Dinge, die sie jetzt nicht mehr tun muss, wie etwa Volkshochschulkurse besuchen. Nichts hasst Marie so sehr wie umtriebige Senioren, die nur so alt sind, wie sich fühlen †“ sie stürzt sich lieber kopfüber in das Vergnügen, nicht mehr jung sein zu müssen. Dazu gehört ihre neue Rolle als Großmutter und eine alte Liebe. Denn Maries Jugendschwarm ist wieder zu haben. Vom Vergnügen, endlich nicht mehr jung sein zu müssen.

Platz 8 : Das böse Mädchen von Mario Vargas Llosa

Kurzbeschreibung
Wie gelingt es ihr nur immer wieder, ihn um den Finger zu wickeln? Und warum tut sie das, wenn sie seine ehrlichen Gefühle doch zugleich schroff zurückweist? Schon als aufmüpfige Halbwüchsige verdreht sie dem jungen Ricardo im konservativen Lima der 50er Jahre den Kopf. Von da an wird sie regelmäßig seine Wege kreuzen, wird in Paris, London, Madrid oder Tokio mal als Guerrillera, mal als Heiratsschwindlerin mit falschem Paß in sein Leben treten †“ und es immer wieder durcheinanderwirbeln. Auf rätselhafte Weise scheinen beide dennoch füreinander bestimmt; oder ist nur er es, der nicht lassen kann von diesem faszinierend „bösen Mädchen“?

Platz 9 : Schneewittchen muss sterben von Nele Neuhaus

Kurzbeschreibung
Sulzbach im Taunus: An einem regnerischen Novemberabend wird eine Frau von einer Brücke auf die Straße gestoßen. Die Ermittlungen führen Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein in die Vergangenheit: Vor vielen Jahren verschwanden in dem kleinen Taunusort Altenhain zwei Mädchen. Ein Indizienprozess brachte den mutmaßlichen Täter hinter Gitter. Nun ist er in seinen Heimatort zurückgekehrt. Als erneut ein Mädchen vermisst wird, beginnt im Dorf eine Hexenjagd.

Platz 10 : Verdammnis von Stieg Larsson

VerdammnisKurzbeschreibung
Mikael Blomkvist recherchiert in einem besonders brisanten Fall von Mädchenhandel, die Hintermänner bekleiden höchste Regierungsämter. Als sein Informant tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf Blomkvists Partnerin Lisbeth Salander. Eine mörderische Hetzjagd beginnt. Der neue große Roman des preisgekrönten Bestsellerautors Stieg Larsson. Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin „Millennium“ eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt.

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Seitensprung der Sisterhood – Verschwörung

Seitensprung der Sisterhood

Kapitel 4
Verschwörung

Auf dem Weg ins Apartment war das Prickeln komplett verschwunden, und als ich mich umgezogen hatte und mich zum Training aufmachte, hatte ich diese Episode fast schon wieder vergessen.
Um diese Zeit war in dem Trainingszentrum kaum jemand, und so hatte ich den Raum mit den neuesten Fitnessgeräte, die der Markt zu bieten hatte, für mich alleine. Aber schon nach gut einer Stunde hatte ich genug und beschloss in den angrenzenden Trainingsraum mit den Waffen zu wechsel. Doch diesmal reizten mich die schönen Schwerter und Messer nicht, und ich legte sie nach einiger Zeit wieder lustlos an ihren Platz zurück. So alleine wirkte der Raum ein bisschen trostlos auf mich. Ich machte mich wieder auf den Weg zurück zum Haus, um unter die Dusche zu springen. Vielleicht waren die Jungs schon wieder zurück? Ich rannte fast die letzten Meter. Doch im Haus war niemand bis auf Mary, die in der Küche werkelte. Nachdem sie mein freundliches Angebot, ihr bei den Vorbereitungen für das Abendessen zu helfen, rigoros abgelehnt hatte und mich energisch aus der Küche schob, setze ich mich an den großen Tisch und trank den Kaffee, den Mary mir mit einem vielsagendem Blick vor mich hinstellte, bevor sie die Küchentür wieder resolut hinter sich schloss. Nachdenklich rührte ich in meinem Kaffee und beobachtete die Eingangstür. Duncan fehlte mir. Diese Warterei zerrte ganz schön an meinen Nerven. Um sie irgendwie zu überbrücken und mich abzulenken, ging ich endlich nach oben, duschte mich und zog mein neues rotes Strickkleid an. Polly und ich hatten es in einem der kleinen Läden in der Zwergenstadt entdeckt. Nachdem sie mir versichert hatte, dass ich darin zum Anbeißen aussah, hatte ich es gekauft. Ich drehte mich lächelnd vor dem großen Spiegel und konnte ihr nicht wiedersprechen. Duncan kannte es noch nicht. Ich war schon sehr auf seine Reaktion gespannt. Das Kleid lag schön eng an und umspielte meine Knie. Der ausladende Schalkragen zeigte mehr als er verhüllte und zeichnete ein schönes Dekolleté. Doch auch meine kleine Modenschau hielt mich nicht davon ab, immer wieder zum Fenster zu laufen um nach ihm Ausschau zu halten.
„Angie, du bist erbärmlich!†œ, sagte ich laut zu meinem Spiegelbild.
„Duncan ist doch erst ein paar Stunden weg. Lange kann es ja nun nicht mehr dauern, bis er wieder da ist.†œ Seufzend nickte ich mir zu und verschränkte die Arme. Wir waren noch nie so viele Stunden voneinander getrennt, seit wir zusammen waren. Fast einen ganzen Tag ohne ihn war kaum auszuhalten. Es wurde langsam dunkel. Mit einem letzten Blick durch das Schlafzimmerfenster, das direkt über dem Eingang lag, schlenderte ich durch das Wohnzimmer und bemerkte dabei zufällig, dass das kleine Kästchen auf dem Schreibtisch offen stand. Oh! Da lag ein Foto von mir drin. Lächelnd nahm ich es in die Hand, um es mir genauer anzusehen. Das musste bei unserer Ankunft auf der Seraphim aufgenommen worden sein. Auf der Rückseite waren zwei Daten geschrieben. Einmal unser Ankunftsdatum und das zweite nur wenige Tage später. Mh, das war aber merkwürdig. Doch dann hörte ich unten die Eingangstür und legte das Bild schnell wieder an seinen Platz zurück. Endlich, er war wieder da! Mein Herz machte einen Satz. Erleichtert flog ich fast die Treppe herunter, stürzte mich in Duncans ausgebreitete Arme und ließ mich von ihm ausgiebig umarmen und küssen.
„Ihr seid aber lange weg gewesen. Oh Duncan, ich habe dich so vermisst†œ, murmelte ich und schmiegte mich noch dichter an ihn. Meine Lippen liebkosten seinen Hals.
„Aber ich habe dir doch eine SMS geschrieben… und nicht nur eine. Tiago und Jean wollten noch unbedingt in die Stadt†œ, sagte Duncan und strich mir liebevoll meine Haare aus dem Gesicht. Mist! Ich hatte mein Handy ausgeschaltet, als ich zu Shadow ging und vergessen es wieder einzuschalten. Ich suchte gerade nach einer Ausrede, als die Tür aufging und Tiago und Jean schwer beladen mit Tüten und Paketen eintraten. Tiago ließ stöhnend einen Teil seines Balast einfach an Ort und Stelle fallen und fixierte Duncan mit finsterer Miene.
„Danke Tiago, dass du den Wagen zu Henry gebracht hast und meine Einkäufe, die nebenbei bemerkt eine Tonne wiegen, mit hierher geschleppt hast. Ich konnte es ja nicht abwarten zu meiner Angie zu kommen.†œ Empört drehte er sich dann zu mir und beschwerte sich.
„Meine liebe Angie, dein Duncan war die absolute Spaßbremse! Bei George war ja noch alles in Ordnung, aber in der Stadt hat er dann den nach- seiner- Gefährtin-Angie- jammernden Vampir raushängen lassen und uns durch die Läden gescheucht. Der Himmel möge mich in Zukunft vor gebundenen Vampiren bewahren!†œ Duncan sah mich ein bisschen schuldbewusst an und strich sich durch seine Haare.

Seite 38

„Hör nicht auf den Wolf, der übertreibt mal wieder maßlos.†œJean, der Tiago Richtung Treppe schob, zeigte anklagend auf Duncan, zog seine Stirn kraus und sagte im Vorbeigehen:
„Tut er nicht. Wenn es nach dir gegangen wäre, hätten wir unsere Shoppingtour vorzeitig abgebrochen. Und wir beide müssen uns mal dringend über deinen mörderischen Fahrstiel unterhalten, Vampir! Aber erst, wenn meine Nackenhaare wieder unten sind!†œ Ich musste mir auf die Backe beißen, um nicht laut loszulachen. Kopfschüttelnd zogen die Beiden ab nach oben. Duncan schickte ihnen einen letzten grimmigen Blick hinterher, dann bückte er sich und hob grummelnd die Tüten auf. Als er wieder hochkam, musterte er mich langsam von oben bis unten. Sein Mund verzog sich zu einem verruchten Lächeln, seine Augen begannen zu glitzern und mit einem tiefen Knurren ließ er die Tüten wieder fallen, hob mich blitzschnell hoch und trug mich im Laufschritt die Treppe rauf. Breit grinsend drückte ich meinen Kopf an seine Brust und lauschte seinem schnellen Herzschlag.
„Du hast mich auch vermisst!†œ
Den nächsten Tag wollten wir zusammen verbringen, doch nach dem Frühstück erhielt Duncan einen Anruf von Demetri, der ihn bat eine Schulungsstunde abzuhalten. Er hielt den Hörer zu und sah mich entschuldigend an.
„Es tut mir so leid, mein Herz, aber ich kann ihm schlecht absagen.†œ Beruhigend nickte ich ihm zu. Eine Stunde oder zwei war kein Problem, wir hatten ja noch den Rest des Tages für uns. Außerdem wusste ich, wo ich dann sein würde und winkte ab.
„Ist schon okay, es wird ja nicht so lange dauern.†œ Duncan sagte ihm also zu und machte sich auch gleich auf den Weg zum Unterricht. Tiago und Jean waren auf einem Kurztrip nach Glasgow. Ich hatte somit freie Bahn für einen weiteren Besuch bei Shadow. Um mein mittlerweile doch aufkeimendes schlechtes Gewissen zu beruhigen, nahm ich mir vor, Duncan später von meinen Besuchen bei Shadow zu berichten. Ich freute mich auf ihn, sein sympathisches Wesen, seine Geschichten, der Tee, und selbst der Schatten auf seinem Gesicht hatte mittlerweile etwas Vertrautes für mich.
Lächelnd schloss ich die Geheimtür hinter mir und betrat voller Vorfreude den großen Saal. Doch diesmal wartete Shadow nicht an der Tür auf mich. Abrupt blieb ich stehen und sah mich misstrauisch um. Die Atmosphäre hier unten hatte sich kaum merklich verändert. Eine seltsame Spannung lag in der Luft. und ich konnte Shadow auf den ersten Blick nirgends entdecken.
„Shadow?†œ Er antwortete sofort.
„Hier, Angie. Ich bin hier!†œ Er saß in seinem Lehnstuhl und studierte gerade einige Papiere, die er, als ich mich ihm näherte, schnell an Mythos weiter gab. Dieser ließ die Papiere hastig in einer schwarzen Mappe verschwinden und lächelte mir zur Begrüßung flüchtig zu, während er die Mappe auf den Teewagen legte. Das schienen ja mächtig geheime Dokumente zu sein. Ich lächelte vorsichtig und setzte mich auf das Sofa.
„Hallo, ihr Zwei. Wichtige Geschäfte?†œ Shadow zuckte nur mit den Schultern und verzog seine Lippen minimal zu einem leichten Lächeln.
Mythos wich meinem Blick aus. Er goss mit ernster Miene den Tee ein, verteilte die Tassen und stellte sich dann hinter Shadow. Auffordernd drückte er mit einer Hand leicht dessen Schulter und sagte leise:
„Es ist an der Zeit.†œ Shadow legte seine Hand auf die von Mythos und erwiderte seufzend:
„Ich weiß, mein Freund.†œ So langsam wurden mir die beiden unheimlich. Angespannt blickte ich zwischen ihnen hin und her und fragte:
„Ist etwas passiert?†œ Shadows Mundwinkel hoben sich etwas, er antwortete sofort.
„Nein, nein, nichts ist passiert, keine Angst Angie. Aber…†œ Er stockte und atmete dann tief durch.
„Angie, ich möchte dir eine Geschichte erzählen. Doch vorher musst du mich bitte ansehen.†œ Er beugte sich vor.
„Bitte nicht erschrecken….†œ
Was kam denn jetzt? Oh, sein Gesicht! Der Schatten, der es bisher bedeckt hatte, löste sich vor meinen Augen in Nichts auf, und ich sah endlich in sein komplettes Gesicht! Ich hatte ja vermutet, dass es durch Narben verunstaltet oder zerstört war, aber nein, nichts dergleichen… es war makellos! Ich konnte nicht anders, als ihn mit großen Augen gründlich mustern. Keine noch so kleine Narbe verunstaltete sein schönes Gesicht.

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Seine etwas kantigen, ebenmäßigen Züge, die hohen Wangenknochen, die etwas große gerade Nase – alles war perfekt und ganz normal! Erst jetzt bemerkte ich das Grübchen in seinem Kinn, das mir vorher nicht aufgefallen war. Nur seine Augen irritierten mich etwas. Die Farbe war so schwer zu definieren. Es schien, als wollten sich seine Augen nicht festlegen. Der Wechsel zwischen den einzelnen Farben war fließend, von einem klaren Azurblau zu einem wunderschönen Smaragdgrün bis zu einem tiefen, warmen Schokoladenbraun. Im Moment schimmerten sie wie flüssiges Silber und so blieben sie auch, als er mich mit einem erwartungsvollen Gesichtsausdruck ansah, so, als würde er mit einer bestimmte Reaktion von mir rechnen. Doch ich konnte nichts Außergewöhnliches an seinem Gesicht entdecken, außer, dass mir die Gesichtsform vage bekannt vorkam, aber sonst? Bis auf seine eigenartigen Augen… nichts.
„Danke, dass du mir dein Gesicht endlich zeigst, aber warum der Schatten? Oh, ich verstehe… Geheimnisse?†œ Ich zwinkerte ihm belustigt zu und bekam von ihm ein zögerliches Nicken und ein erleichtertes Lachen als Antwort.
„Sozusagen. Aber nun zu meiner Geschichte.†œ Er lehnte sich mit einem Seufzen zurück und lenkte meine Aufmerksamkeit mit einer Handbewegung auf das Bild, was immer noch verhüllt über dem Kamin hing. Auf einmal sah er so traurig und einsam aus, dass ich mich zwingen musste, um nicht aufzuspringen und ihn zu umarmen und zu trösten. Ich nahm stattdessen einen Schluck Tee und wartete geduldig und sehr neugierig ab, was es mit dem Bild auf sich hatte. Shadow fing auch sogleich mit leiser Stimme an zu erzählen.
„Vor vielen Jahren kam ich auf einer meiner seltenen Reisen durch Amerika und begegnete einer jungen hübschen Frau. Sie war ein Mensch. Trotzdem verliebte ich mich sofort in sie und erkannte in ihr meine Gefährtin. Sie war alles für mich, mein Leben, meine Seele… alles. Nach so vielen Jahren hatte ich schon fast die Hoffnung aufgegeben, meine Seelengefährtin zu finden. Dann ist es einfach so passiert und sie liebte mich auch. So nahm ich sie mit hierher.†œ Er biss sich auf die Lippen und sah einen Moment geistesabwesend in die Flammen des Kamins. Ich merkte, wie ihn die Erinnerung bedrückte und flüsterte:
„Shadow, du musst mir die Geschichte nicht erzählen. Ich merke doch, wie sehr dich das belastet.†œ Doch er gab sich einen Ruck, sah mich mit einem wehmütigen Lächeln an und fuhr fort.
„Doch, ich muss. Nein, ich will es sogar. Ich nahm sie also mit auf das Anwesen und war bereit sie endgültig zu meiner Gefährtin zu machen. Ich hätte alles für sie getan, ihr die Welt zu Füßen gelegt, sogar mein Leben für sie gegeben. Ich überhäufte sie mit Geschenken und Schmuck, ich gab ihr alles, was sie verlangte. Doch sie war sehr jung und lebenshungrig. Ich habe mich von ihrer Schönheit und Lebensfreude blenden lassen und erkannte zu spät, wie flatterhaft, oberflächlich und eitel sie doch eigentlich war. Am Vorabend unserer unwiderruflichen Vereinigung verschwand sie. Sie hinterließ mir einen Brief in dem sie mir mitteilte, dass ich nicht der Richtige für sie war.†œ Er lachte bitter auf.
„Sie könnte hier nicht leben, so fernab jeglichen Vergnügens und ohne Sonne. Ich würde schon jemand anderen finden, der dieses hier zu schätzen wüsste. Sie wäre auf keinen Fall bereit, alles für mich aufzugeben, und wäre somit auch nicht die Gefährtin, die ich in ihr sah. Sie hätte genug von mir, und würde nun weiterziehen. Es wäre auch zwecklos, sie zu suchen, es wäre aus und vorbei.†œ
„Mein Gott, wie herzlos und grausam kann man denn sein?†œ, entfuhr mir spontan. Er lächelte kurz, ließ sich aber durch meinen Einwurf nicht weiter unterbrechen.
„Zuerst war ich am Boden zerstört und verzweifelt. Ich suchte die Schuld bei mir und wollte sie suchen, sie auf den Knien anflehen zu mir zurückzukehren. Mythos konnte mich nur mit Mühe davon abhalten.†œ Mythos grinste schief und nickte nur. Shadow Blick wurde ernst, als er weitersprach.
„Ich ging damals durch die Hölle. Dann empfand ich nur noch Hass, der sich im Laufe der Jahre in Gleichgültigkeit umgewandelt hat. Manchmal schmerzen die Erinnerungen noch ein wenig, aber ich bin darüber hinweg.†œ In seiner Stimme schwang neben seiner Traurigkeit ein klein wenig Stolz. Dann beugte er sich lächelnd zu mir.
„Du bist ganz anders. Du bist so warmherzig und mitfühlend, so liebevoll und selbstlos. Ein bisschen chaotisch vielleicht†œ, zwinkerte er mir belustigt zu, „aber du hast ein gutes Herz.†œ Oh, oh, jetzt nahm das Gespräch aber eine Wendung an, die ich so nie gewollt hatte. Ich begann mich etwas unbehaglich zu fühlen und überlegte meine nächsten Worte ganz genau, da ich ihn auf keinen Fall verletzen wollte.

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„Shadow, ich mag dich ja auch, aber…†œ Himmel, hilf mir, ich wusste einfach nicht weiter! Hilflos sah ich ihn an. Rasch hob er beruhigend eine Hand und sah mich fast bestürzt an.
„Oh nein, Angie, so meinte ich das nicht. Ich weiß, dass Duncan dein Gefährte ist und ihr beide euch liebt.†œ Na Gott sei Dank! Mir fiel ein Stein vom Herzen. Warum erzählte er mir das dann alles? Argwöhnisch musterte ich sein Gesicht, das mir immer noch bekannt vorkam, ich aber einfach nicht einordnen konnte. Da war doch noch mehr! Die ganze Sache wurde immer rätselhafter. Auf einmal begann in meinem Hinterkopf eine Alarmglocke leise zu läuten. Fragend sah ich Shadow an. Der schien meine Unsicherheit und Besorgnis zu spüren und gab Mythos schnell ein Zeichen. Dann deutete er auf das Bild.
„Ich möchte sie dir zeigen. Sieh, das ist meine Audrey.†œ Ich stand auf und drehte mich neugierig zu dem Bild. Als Mythos den Vorhang durch irgendeinen versteckten Mechanismus beiseiteschieben ließ, sah ich endlich das Porträt der Frau, die Shadow das Herz gebrochen hat. Sekundenlang starrte ich es entgeistert an, dann drehte ich mich zu ihm um.
„Was… oh mein Gott! Die Frau auf dem Bild ist meine Mutter!†œIch war zwar noch ein Baby, als sie mich zu Gwen gebracht hatte und konnte mich demnach nicht mehr an sie erinnern, aber zu Hause in Salem hing fast das gleiche Bild von ihr.
„Ich wei߆œ, sagte Shadow leise mit einem warmen Lächeln und beobachtete mich genau. Verstört blickte ich in seine silbrigen Augen. Meine Knie zitterten so sehr, dass ich mich auf das Sofa fallen ließ. Alles war so unwirklich, und meine Gedanken überschlugen sich. Er hatte mich noch nie vorher gesehen, er kannte mich doch gar nicht, also woher konnte er das wissen? Die Sache wurde immer mysteriöser. War mir etwas Entscheidendes entgangen?
„Aber… ich verstehe überhaupt nichts mehr… ich meine, du….†œ Mein Gestammele brachte mich auch nicht weiter und meine Verwirrung nahm noch zu, als er behutsam meine Hand nahm, sie fest umschloss und mir tief in die Augen sah.
„Du wirst es gleich verstehen.†œ Als sich unsere Hände berührten, war es wieder da, dieses merkwürdige Prickeln. Es war nicht unangenehm, im Gegenteil, es hatte etwas Vertrautes, Warmes an sich. Und da war noch mehr. Ich konnte ein Band zwischen uns fühlen. Überrascht starrte ich ihn an.
„Was ist das?†œ Fast euphorisch flüsterte er:
„Du kannst es auch fühlen, nicht wahr? Das Blutsband, was uns verbindet?†œ
Fassungslos versuchte ich meine Hand zu befreien, doch Shadow hielt sie eisern fest. Die Erkenntnis traf mich plötzlich wie ein Blitz! Ich wusste, woher ich sein Gesicht kannte! Ich sah es jeden Tag… in meinem Spiegel! Ruckartig entzog ich ihm meine Hand und sprang auf.
„Was soll das alles? Versuchst du mir gerade zu sagen, dass wir verwandt sind? Dass du womöglich mein Vater bist?†œ Er nickte ernst, und Mythos reichte mir stumm eines der vermeintlichen Geschäftspapiere, die er schnell aus der schwarzen Mappe gezogen hatte. Es war ein Laborbericht über eine DNA Analyse, die meinen Namen trug. Meine DNA! Sprachlos las ich den letzten Absatz. Es stimmte, hier stand es schwarz auf weiß! Shadow, der Gründer und Dämonenkönig war mein Vater. Mythos räusperte sich.
„Shadow ist sehr misstrauisch, deshalb wollte er auf Nummer Sicher gehen und hat die DNA, die Sie auf Excalibur hinterlassen haben, sofort überprüfen lassen. Sie erinnern sich? Sie haben es bei ihrer ersten Begegnung angefasst. Er hat es mit eigenen Augen gesehen, er hätte keine andere Probe gelten lassen.†œ Na da war aber einer sehr gründlich und genau, dachte ich bitter. Ich umklammerte immer noch das Papier und setzte mich wieder. Es war einfach unglaublich! Vor mir saß der Mann, den ich mein Leben lang kennenlernen wollte, der mich gleich nach meiner Geburt im Stich gelassen hatte, dem ich alles Mögliche an den Kopf werfen wollte, wenn ich ihn jemals finden würde. Ich hatte mir die Worte in meiner Fantasie schon tausendmal zurecht gelegt, falls ich ihm endlich gegenüber stand. Doch sie waren auf einmal wie weggewischt. Widersprüchliche Gefühle tobten in mir, und ich wusste einfach nicht, was ich zu ihm sagen sollte. Oder doch! Plötzlich kam meine Verbitterung wieder in mir hoch und ich funkelte ihn an.
„Verdammt noch mal, was erwartest du jetzt von mir? Soll ich dir um den Hals fallen und dich Daddy nennen? Solange ich denken kann, habe ich mir einen Vater gewünscht, der mich liebt, zu dem ich aufblicken konnte. Meiner Mutter war ich egal, sie hat mich einfach weggegeben wie ein lästiges Anhängsel.

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Und als ich alt genug war, wollte ich den Mann kennenlernen, dem ich so verdammt gleichgültig war, der sich nicht einen Deut für meine Existenz interessierte. Jahrelang habe ich nach dir gesucht, um dir zu sagen, was ich von dir halte! Aber irgendwann habe ich aufgegeben und mich damit abgefunden, weil es mir so sinnlos erschien…. †œ Shadow unterbrach meinen hitzigen Ausbruch.
„Oh Angie, es tut mir so unendlich leid! Ich konnte doch nicht ahnen, dass es dich gibt. Ich habe es einfach nicht gewusst.†œ Normalerweise hätte mich sein beschwörender Tonfall erschüttert, aber was war hier schon normal? Und was hieß hier ‚nicht gewusst†˜? Eine dämlichere Ausrede war ihm wohl nicht eingefallen! Da schoss mir ein anderer, sehr entscheidender Gedanke durch den Kopf. Warum jetzt? Warum dann ausgerechnet jetzt, nach so vielen Jahren? Wie hat er mich überhaupt gefunden? Das kann doch alles kein Zufall sein! Mythos sah vor sich auf den Boden und murmelte kaum hörbar:
„Duncan hat uns gewarnt! Er wusste, was passieren würde.†œ Was? Aufgebracht fuhr ich ihn an.
„Duncan? Was hat er denn damit zu tun?†œ Als ich in ihre betretenen Gesichter sah, kam mir ein furchtbarer Verdacht.
„Oh nein! Das ist nicht wahr! Duncan kann nichts davon gewusst haben. Das würde er mir nie antun!†œ Ich sprang auf und ballte meine Fäuste. Hatte der ganze Wahnsinn hier noch eine Fortsetzung? Shadow erwiderte meinen zornigen Blick und versuchte mich zu beruhigen, indem er meine Hand nahm.
„Angie, bitte beruhige dich doch. Er hat doch nur in meinem Auftrag gehandelt, er….†œ Shadow stockte, und es fiel ihm sichtlich schwer weiter zu sprechen, doch ich ließ ihm gar keine Chance. Ich schüttelte erbost seine Hand ab.
„Das glaube ich nicht! Von welchem Auftrag redest du? Halt! Sag nichts mehr. Diese Geschichte, oder was es auch immer sein soll, Lüge, Wahrheit, Hirngespinste, das soll er mir selbst sagen. Und wagt es ja nicht, mir zu folgen!†œ Mit einem letzten wütenden Blick auf Mythos, der Shadow am Arm zurückhielt, drehte ich mich um und lief so schnell ich konnte zur Tür. Wütend schlug ich auf den Schalter ein. Ging diese verdammte Tür immer so langsam auf? Ungeduldig zerrte ich sie auf und rannte so schnell ich konnte nach oben, immer wieder vor mich hin betend, dass es bitte nicht wahr war. Oh Gott, bitte lass ihn nichts damit zu tun haben. Bitte! Mittlerweile liefen mir vor Wut und Verzweiflung die Tränen übers Gesicht, und ich hätte fast die falsche Kombination gedrückt. Gereizt wischte ich mir die Tränen ab und konnte sie erst nach dem zweiten Anlauf öffnen. Hoffentlich war er schon wieder oben im Apartment.

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Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, stürmte ich die Treppe hoch und biss mir dabei auf die Unterlippe. Doch das merkte ich erst, als ich den metallic süßen Geschmack von meinem eigenen Blut im Mund wahrnahm. Unbeherrscht riss ich dir Tür auf und schmetterte sie hinter mir zu. Ich bekam kaum noch Luft und blieb schweratmend mit dem Rücken zur Tür stehen. Duncan war schon da. Er kam gerade aus dem Bad und trocknete sich seine Hände ab. Lächelnd kam er auf mich zu, doch als er meinen desolaten Zustand sah, warf er das Handtuch achtlos auf die Erde.
„Angie! Um Gottes Willen, was ist passiert?†œ Besorgt stürmte er auf mich zu, doch ich hob sofort abwehrend beide Hände.
„Stopp! Keinen Schritt weiter!†œUngläubig blieb er stehen und sah mich verwirrt an.
„Was…?†œ
Konfus und aufgewühlt wie ich war, legte ich gleich los.
„Sag, dass es eine Lüge ist! Sag, dass du nicht gewusst hast, dass Shadow mein Vater ist. Dass du keine Ahnung von dem ganzen Wahnsinn hattest, sag, dass du mir so etwas nicht verschwiegen hättest, mir das nie antun würdest, sag es! BITTE!†œ Selbst in meinen Ohren klang meine Stimme schrill, als ich ihm die Worte entgegen schrie. Aber ich konnte mich nicht zurückhalten. Im ersten Moment sah er mich verdattert an, dann schien er zu begreifen, was mit mir los war. Seufzend schüttelte er langsam seinen Kopf, streckte seine Arme hilflos aus und sah mich traurig an.
„Tut mir leid, Angie, aber das kann ich nicht.†œ
Fassungslos starrte ich ihn an. Es stimmte also! Ich hätte ihn in diesem Augenblick erwürgen können. Ich wollte ihm wehtun, etwas zerschlagen oder an die Wand werfen, doch meine Wut brach in sich zusammen und machte Platz für eine tiefe Verzweiflung. Oh nein, wie konnte er nur! Ich brachte nur einen erstickten Laut hervor, der mehr nach einem Schluchzen klang. Vor Entsetzten schlug ich eine Hand vor den Mund. Mir wurde eiskalt und in meinem Kopf herrschte das totale Chaos, vor meinen Augen begann sich alles zu drehen. Der Fußboden bewegte sich in großen Wellen und die Wände kamen schwankend auf mich zu. Das Letzte was ich sah, war Duncan, der mich mit einem lauten Fluch auffing, bevor ich auf dem Boden aufschlagen konnte – dann wurde alles schwarz.
Ich musste nur kurz ohnmächtig gewesen sein, denn als ich wieder zu mir kam und die Augen öffnete, legte Duncan mich gerade vorsichtig auf das Sofa. Er beugte sich besorgt über mich und strich unaufhörlich mit seiner Hand über mein Gesicht und meinen Kopf.
„Bitte, Angie… so sag doch was!†œ Mühsam rappelte ich mich auf, schob seine Hand weg und befreite mich von ihm. Ich konnte seine Berührungen im Moment nicht ertragen, nicht, bis alle Fragen beantwortet waren. Vorsichtig setzte ich mich auf und hoffte dabei, dass die Wände blieben wo sie hingehörten und rutschte in die äußerste Ecke, weit weg von ihm. Er sah immer noch sehr besorgt aus, kniete sich aber mit ein bisschen Abstand zu mir vor das Sofa und streckte seine Hände vorsorglich nach mir aus.
„Langsam. Geht es dir besser?†œ Ich nickte. Doch dann schüttelte ich heftig den Kopf.
„Nein, natürlich geht es mir nicht besser, was glaubst du denn?†œDuncan setzte sich seufzend in den Sessel mir gegenüber und beobachtete mich immer noch besorgt. Ich starrte in den Kamin und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Die ganzen Puzzleteile in meinem Kopf tanzten wie wild durcheinander. Ich wollte endlich Klarheit, auch wenn es noch so weh tun würde.
„Wie lange weißt du, dass Shadow mein Vater ist?†œIch konnte ihn bei der Frage nicht ansehen. Ich konnte es einfach nicht und starrte weiter in den Kamin. Irgendwie hoffte ich immer noch auf einen Irrtum und knetete nervös meine Hände auf meinem Schoß. Seine Antwort ließ nicht lange auf sich warten.
„Bevor ich auf das Schiff kam.†œ
Oh mein Gott. Ich zog meine Beine an und stützte mein Kinn auf die Knie. Es war schlimmer als ich dachte.
„Und was … er hat etwas von einem Auftrag gesagt. Was meinte er damit?†œ, fragte ich ihn ganz leise, drehte mich zu ihm und sah ihn direkt an. Ich bemerkte sein Zögern, und dass er meinem Blick auswich, aber jetzt war endgültig Schluss mit Ausflüchten und Heimlichkeiten.
„Duncan! Verdammt nochmal, ich habe ein Recht auf die Wahrheit!†œ Er nickte endlich und fuhr sich mit einer Hand über sein Gesicht. Sein Blick war todernst, als er mir antwortete.

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„Ich weiß, ich habe viel zu lange damit gewartet.†œ Er presste kurz seine Lippen zusammen, dann rückte er schließlich mit der Wahrheit raus.
„Als ihr damals zu uns an Bord der Seraphim gekommen seid, haben wir euch natürlich überprüft. Mythos fiel sofort die Ähnlichkeit zwischen dir und Shadow auf. Er ging mit deinem Bild direkt zu ihm. Keiner konnte sich das zunächst erklären. Dann begann Mythos auf Shadows Anordnung hin Nachforschungen anzustellen. Natürlich sehr diskret, er hat da so seine Quellen und Verbindungsleute. Jedenfalls stand für Shadow nach kurzer Zeit fest, dass du seine Tochter sein musstest. Um ihm den endgültigen Beweis zu liefern, solltest du hier zu dem Anwesen gebracht werden, damit dir hier eine DNA Probe entnommen werden konnte. Shadow ist so verflucht misstrauisch.†œ Duncan sah mich eindringlich an und seufzte tief.
„So kam ich ins Spiel. Da ich sowieso auf das Schiff sollte, um euch im Kampf gegen die roten Drachen zu unterstützen, gab er mir zusätzlich den Auftrag, dich hierher auf das Anwesen zu bringen.†œ Unfassbar! Das war die verrückteste Geschichte, die ich je gehört hatte! Ich konnte nicht anders, als ihn verächtlich anzustarren.
„Und wie viel hat er dir dafür bezahlt, damit du mich bei ihm ablieferst?†œ Ich kam mir vor wie eine Ware, ein Packet. Er protestierte sofort.
„Natürlich nichts! Angie, bitte, versteh´ mich nicht falsch, aber ich stand in seiner Schuld. Mein Bruder Liam steckte in Schwierigkeiten. Shadow hat ihm da rausgeholfen, vielmehr mir dabei geholfen, ihn aus einer prekären Situation zu befreien. Liam erledigt ab und zu kleinere Aufträge für den Orden. Er ist zwar kein Mitglied, hilft aber schon mal aus, wenn keiner von den Brüdern zur Verfügung steht. Liam ist kein schlechter Kerl, aber manchmal einfach zu leichtsinnig. Shadow würde zwar nie etwas von mir zurückfordern, aber ich fühlte mich ihm gegenüber verpflichtet. Verstehst du?†œ Was war daran schon falsch zu verstehen! Ich lachte bitter auf.
„Ha, dann war ich also nur eine Gefälligkeit? Vielen Dank auch!†œ Er schüttelte vehement seinen Kopf und sah mich intensiv an. Doch ich ignorierte seinen Blick.
„Wer wusste noch davon? Wahrscheinlich alle, nur ich nicht!†œ
„Niemand, nur Mythos, Shadow und ich.†œ
Plötzlich sprang er auf und fing an vor mir herzulaufen und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare.
Fast tat er mir leid, aber eben nur fast.
„Warum hast du mir nichts gesagt. Ich meine, nachdem wir zusammen … du weißt schon.†œ
Er blieb vor mir stehen und hockte sich hin, vermied es aber mich zu berühren. Sein Blick war offen und aufrichtig und immer noch so schrecklich ernst.
„Ich habe ihm mein Wort geben müssen, dir nichts zu sagen. Das war seine Bedingung. Absolutes Stillschweigen dir und den anderen gegenüber.†œ Sein Ton wurde regelrecht beschwörend.
„Angie, ich wollte dir niemals wehtun, bitte glaube mir das. Ich habe es gehasst dir nichts sagen zu können, als wir endlich zusammen waren. Gott weiß wie oft ich kurz davor stand, meinen Schwur zu brechen und dir alles zu erzählen. Besonders nach dem Kampf. Doch nie passte der Zeitpunkt und, irgendwann war es einfach zu spät.†œ Ich nickte langsam und erinnerte mich an so manche Situationen, in der er sich so merkwürdig verhalten hatte. Plötzlich ergab alles einen Sinn.
„Der Brief. Es stand alles in deinem Brief an mich, den ich nach dem Kampf nicht lesen durfte?†œ Er nickte. So langsam fielen die einzelnen Puzzlestücke an ihre Plätze.
„Es gab auch keine Kursänderung in dem Flieger, richtig? Es war von Anfang an geplant, gleich hierher zu kommen.†œ Wieder nickte er und legte vorsichtig eine Hand auf mein Knie.
„Bei unserer Ankunft auf dem Anwesen sollte ich dich sofort zu ihm bringen, aber ich konnte ihn davon überzeugen, dich erst langsam auf eine Begegnung mit ihm vorzubereiten. Ich wollte, dass du dich zuerst hier eingewöhnst und dich hier wohlfühlst. Und… ehrlich gesagt, hatte ich etwas Angst vor deiner Reaktion.†œ Darüber hätte ich fast gelacht. Der große Duncan Thorpe, ein mächtiger Kämpfer und Führer von Kriegern, hatte Angst vor einer kleinen Hexe – vor mir. Plötzlich sah er mich misstrauisch.
„Moment mal, woher weißt du eigentlich von Shadow?†œ Okay, nun musste ich beichten. Aber nachdem, was ich eben alles gehört hatte, existierte mein schlechtes Gewissen nicht mehr. Herausfordernd streckte ich mein Kinn vor.

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„Erinnerst du dich an den Tag, als Jean und Tiago hier ankamen?†œ Als er nickte, erzählte ich ihm wie ich den Geheimgang entdeckt hatte und von meinem ersten Treffen mit Shadow und allen weiteren. Als ich mit meiner Geschichte fertig war, war seine einzige Reaktion ein nachdenkliches Stirnrunzeln.
„Mh, als du mich da gesehen hast, war ich auch das letzte Mal bei ihm. Seine Geduld schien zu Ende zu sein und er wollte nicht mehr warten. Am nächsten Tag sollte ich dich mitbringen. Oh, jetzt verstehe ich auch den eigenartigen Anruf von ihm. Er meinte, alles würde seinen Gang gehen und ich brauchte mir keine Sorgen mehr machen, er … oh, bitte nicht, Angie.†œ Behutsam wischte er mit seinem Daumen eine Träne von meinem Gesicht. Warum tat er mir das an? Konnte er nicht wenigstens ein bisschen grimmig gucken? Wie konnte ich da wütend auf ihn sein, wenn er mich so liebevoll behandelte? Er mich mit der Wärme seines Körpers und seinem unwiderstehlichen Duft einhüllte, mich mit seinen warmen braunen Augen so ansah, dass ich ihm am liebsten um den Hals gefallen wäre? Wie sollte ich da einen klaren Gedanken fassen? So jedenfalls nicht! Ich schniefte kurz, schob seine Hand von meinem Knie, stand auf und ging wortlos an ihm vorbei ins Bad. Mit Nachdruck schloss ich die Tür hinter mir und putzte mir gründlich die Nase. Vorerst vermied ich jeden Blick in den Spiegel und wusch mir mit kaltem Wasser mein Gesicht. Seufzend setzte ich mich auf die unterste Stufe, die zu der wunderschönen Wanne führte. Ich stützte meinen Kopf auf meine Hände und musste erst mal alles sacken lassen. Einerseits verstand ich Duncan, er war nun mal Shadow verpflichtet. Shadow war sein Boss und sein Freund. Er kannte ihn schon viel länger als mich, und er war ihm gegenüber sehr loyal. Andererseits war ich seine Gefährtin. Wie konnte er mir so etwas Bedeutendes, was mein Leben betraf, verschweigen? Hätte er es mir nicht trotzdem sagen müssen? Für ihn muss es eine ganz schöne Zwickmühle gewesen sein. Oh man, es waren noch immer einige Fragen offen. Ein leises Klopfen an der Tür unterbrach meine Gedanken..
„Angie? Bitte… es tut mir so leid, bitte verzeih mir.†œ Duncans Stimme klang gedämpft durch die Tür. Ich sprang auf, warf einen flüchtigen Blick in den Spiegel und kämmte mir die Haare. Mein Vertrauen zu ihm hatte zwar einen leichten Knacks bekommen. Doch ich wusste genau, dass ich ihm verzeihen würde, dafür liebte ich ihn einfach zu sehr. Aber das brauchte ich ihm ja nicht gleich auf die Nase binden. Langsam öffnete ich die Tür. Er stand direkt vor mir und ich wäre fast mit ihm zusammengeprallt. Sein Lächeln geriet etwas schief. Ich konnte seine Anspannung und seine Unsicherheit spüren. Seine Augen sahen mich fragend an. Dachte er vielleicht, ich würde wie eine Furie auf ihn losgehen? Schmunzelnd legte ich eine Hand auf seine Wange und er atmete erleichtert auf. Als er Anstalten machte, mich an sich zu ziehen, wich ich zurück. Nicht so schnell mein Schotte! Er wollte etwas sagen, doch ich legte einen Finger auf seine Lippen.
„Pscht. Duncan, du weißt, dass ich dich liebe, aber im Moment steht mein Vertrauen zu dir auf sehr wackeligen Füßen. Ich brauche jetzt eine Weile für mich, um alles sacken zu lassen. Ein Spaziergang an der frischen Luft wird mir gut tun. Alleine, verstehst du?†œ Er nickte und küsste meine Stirn.
„Nimm dir so viel Zeit wie du brauchst, mein Herz, ich warte hier.†œ
Unten, in der großen Eingangshalle, nahm ich meine Jacke. Ich wollte in den kleinen Park zu der Begräbnisstätte, um in Ruhe nachzudenken. Doch vorher musste ich noch etwas erledigen. Entschlossen ging ich auf die noch immer offen stehende Tür des Geheimgangs zu.

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Shadow war mir auch noch ein paar wichtige Antworten schuldig.
Sogar die Tür am Ende des Ganges zu seinen Räumen stand noch offen, so, als hätten sie auf mich gewartet. Shadow und Mythos saßen noch genauso auf dem Sofa, wie ich sie verlassen hatte. Mythos sah auf, lächelte erleichtert, nahm hastig die Papiere vom Tisch und zog sich sofort diskret zurück. Ich blieb scheinbar ruhig und gelassen vor dem Tisch stehen, obwohl ich innerlich ganz schön aufgewühlt war. Stumm nahm ich Shadow genau unter die Lupe und musterte ihn gründlich. Das also war mein Vater. Der Gründer, ein machtvoller Dämonenkönig, inzwischen eigentlich ein Greis, aber mit dem Aussehen eines 35-40 jährigen Mannes mit merkwürdigen Augen. Hoffentlich konnten die nicht auch noch rot leuchten! Ob er als Dämon auch so kleine Wölbungen unter seinem Haaransatz hatte wie Demetri? Bis jetzt konnte ich noch keine bei ihm entdecken. Ach, im Grunde sah er ja ganz gut aus. Oh, ein bisschen exzentrisch und ein sensationeller Geheimniskrämer war er noch dazu! Aber daran konnte ich mich gewöhnen, das spürte ich auf Anhieb. Wenn man alles so bedachte, konnte ich eigentlich ganz zufrieden sein. Es hätte mich wirklich schlimmer treffen können. Immerhin hätte er auch ein durchgeknallter Serienkiller sein können oder noch schlimmer, eine Fee. Er wirkte zunehmend nervöser auf mich als ich ihn so lange anstarrte. Mit einem unsicheren Lächeln sah er abwartend zu mir auf. Ich räusperte mich und fragte ihn leise:
„Du hast es also wirklich nicht gewusst?†œ Er erkannte gleich, was ich meinte. Sein Blick war aufrichtig als er mir ohne zu überlegen antwortete.
„Oh Angie, glaube mir, wenn ich von dir gewusst hätte, oder nur geahnt hätte, dass es dich gibt, wäre ich für dich da gewesen. Immer und zu jeder Zeit! Ich habe mir in all den Jahren immer ein Kind gewünscht, weißt du.†œ Seine Stimme klang seltsam rau. Ich glaubte ihm, und ein warmes Gefühl breitete sich in mir aus. Endlich hatte ich ihn gefunden, na ja, eigentlich hatte er mich gefunden. Wieder sahen wir uns nur stumm an. Er schien angespannt darauf zu warten, was ich als nächstes tun oder sagen würde.
Okay, bevor das Schweigen zwischen uns zu unangenehm wurde, versuchte ich auf meine Art die Situation etwas aufzulockern. Ich verschränkte meine Arme, legte meinen Kopf etwas schräg, zog meine Brauen hoch und sah ihn ernst an.
„Also… ich werde dich weiter Shadow nennen, und das sage ich dir gleich, für Hausarrest bin ich zu alt… für Sperrstunden oder ähnliches auch! Ich will keine Dämonenprinzessin sein, weil sich das gruselig anhört. Ich mag Eis, Pizza und Gummizeugs in allen Farben. Für einen guten Kaffee könnte ich töten. Ich möchte kein Pony, aber mein Auto ist schon sehr alt.†œ Vielsagend wackelte ich mit den Augenbrauen. Shadow sah mich verdutz an, damit hatte er wohl nicht gerechnet. Ich verkniff mir mühsam ein Grinsen und wedelte mit einer Hand vor seinem Gesicht herum.
„Und ich möchte das mit dem Schatten auch können. Wenn ich mit Excalibur spielen… äh, trainieren dürfte, wäre das cool! Oh, vielleicht kannst du mir ja auch noch ein paar Feenflügel besorgen oder wachsen lassen? Ich weiß ja nicht, ob du sowas kannst, aber die wollte ich schon immer haben… bitte, †œ setzte ich noch sehnsuchtsvoll hinzu. Da warf er seinen Kopf in den Nacken und fing schallend an zu lachen. Plötzlich stand er in der nächsten Sekunde vor mir und strich behutsam über meine Wange. Ziemlich bewegt sagte er:
„Alles was du willst, meine Tochter. Ich werde dir jeden Wunsch erfüllen.†œ Missbilligend schnalzte ich mit der Zunge und hob streng den Zeigefinger.
„Hey, schon falsch! Über deine Erziehungsmethoden werden wir uns noch unterhalten müssen.†œ Er ließ sich nicht beirren und legte behutsam seine Hände auf meine Schultern. In seine Augen trat ein gequälter Ausdruck, als er mich intensiv musterte und seine Stimme geriet zu einem Flüstern.
„Ich habe so viel versäumt. Deine ersten Schritte, deine ersten Worte. Ich hätte dich so gerne aufwachsen sehen. Dich getröstet wenn du… ach verdammt!†œ In seinen Augen standen Tränen als er mich einfach in seine Arme nahm und fest an sich drückte. Das Gefühl von ihm umarmt zu werden war unbeschreiblich. Im Stillen verfluchte ich meine Mutter, die ihm, uns, das angetan hatte. Ich konnte kein Wort sagen, denn auch ich kämpfte mit meinen Tränen und verlor. Nach einer Weile, als unsere Tränen versiegt waren, wurde das Stehen unbehaglich und ich flüsterte an seiner Schulter:
„Wie könnten uns auch setzte, das ist wesentlich bequemer.†œ

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Er küsste mich auf meinen Scheitel und erwiderte ohne mich loszulassen:
„Ja, könnten wir.†œ Ich strich mit einer Hand über seinen Rücken und nuschelte:
„Dazu müssten wir uns aber loslassen.†œ
„Mh-mh†œ, bejahte er, aber keiner von uns rührte sich.
„Okay… dann auf drei.†œ Wir seufzten gleichzeitig und selbst unser darauffolgendes leises Lachen klang so ähnlich, dass es fast unheimlich war.
Als wir endlich einträchtig nebeneinander auf dem Sofa saßen, erzählte ich ihm was eben oben in dem Apartment geschehen war, und dass ich ihm und Duncan eigentlich hätte den Kopf abreißen wollen. Als er mich daraufhin betroffen ansah, beeilte ich mich ihm zu versichern, dass ich ihnen längst verziehen hatte und mich auf eine gemeinsame Zukunft mit ihnen freute – besonders auf meine mit Duncan. Und ich erzählte ihm von meiner Kindheit bei meiner Großmutter Gwen, die mich mit viel Liebe aufgezogen hatte, und die mich alles lehrte, was eine Hexe wissen musste. Auch dass meine Mutter schon lange tot war, verschwieg ich ihm nicht. Gwen hatte es damals durch Dritte zufällig erfahren, als ich ungefähr fünf Jahre alt war. Aber das wusste er dank seiner Nachforschungen über mich ja schon. Er erzählte noch ein bisschen aus seinem wirklich interessanten Leben. Doch bei einem flüchtigen Blick auf die Kaminuhr bemerkte ich mit Schrecken, dass ich ziemlich viel Zeit hier unten verbracht hatte und wurde langsam unruhig. So gern ich ihn auch mochte, so sehr sehnte ich mich doch nach Duncan, der oben sicher schon auf mich wartete.
Er bemerkte meine Unruhe und drückte meine Hand.
„Ich verstehe schon, geh zu ihm, er wird auf dich warten. Wir sehen uns ja jetzt öfter. Also… geh schon.†œ Ich nickte nur, küsste ihn auf beide Wangen und verabschiedete mich von ihm. Wir hatten noch so viel Zeit, um uns besser kennen zu lernen. Auf meinem Weg zu Duncan nahm ich mir vor, mich diesmal nicht mit einem Kuss auf die Stirn zufrieden zu geben. Kopfschüttelt grinste ich vor mich hin. Das war einer der verrücktesten, ereignisreichsten Tage, die ich je erlebt hatte. Und so komisch es klingen mochte, vielleicht sogar einer der glücklichsten. Und er war noch nicht zu Ende!
Oben neben der Eingangstür, auf einem der kleinen gepolsterten Stühle, lag meine Tasche. Darunter hatte Duncan in weiser Voraussicht meine Schuhe gestellt, da wir ja immer noch unseren Ausflug geplant hatten. Wie lieb von ihm, dass er daran gedacht hatte, da ich mal wieder ohne Schuhe unterwegs war. Einen großen Vorteil hatte es, wenn man barfuß lief, man konnte sich so schön lautlos an seinen Liebsten heranschleichen und ihn überraschen, dachte ich schmunzelnd, als ich leise die Treppe hinaufschlich. Die Tür stand offen und Duncan stand mit dem Rücken zu mir vor dem Schreibtisch und telefonierte. Er hatte mich noch nicht bemerkt, und ich wollte ihn nicht stören, bis er sein Gespräch beendet hatte. Gerade überlegte ich, ob ich mich auf Zehenspitzen an ihm vorbei ins Schlafzimmer schleichen sollte oder lieber hier im Flur warten sollte, als mein Name fiel. Oh. Ich blieb unwillkürlich stehen und lauschte.
„Angie? Nein… natürlich weiß sie nichts… das habe ich dir doch versprochen, meine Süße… und glaub mir, es war nicht immer leicht sie davon zu überzeugen mit der Verbindung noch zu warten.†œ Ich stand wie erstarrt und traute meinen Ohren nicht. Seine Stimme klang so zärtlich, dass sich mir fast der Magen umdrehte.
„Ja… ich liebe dich auch… natürlich vermisse ich dich sehr… ja, ich höre dir zu… tue ich doch immer…†œ
Ich hatte genug gehört. Jedes Wort war wie ein Dolchstoß gewesen und in mir zerbrach etwas. Eisige Kälte breitete sich in mir aus. Keine Ahnung wie ich die Treppe runter kam, wahrscheinlich saß der Schock so tief, dass ich wie in Trance handelte. Doch dann gaben meine Knie irgendwann nach, und ich griff haltesuchend nach der nächstbesten Sitzgelegenheit und ließ mich einfach darauf fallen. Es war zufällig der Stuhl neben dem Eingang, auf dem meine Tasche lag. Oh mein Gott, konnte ich mich so in ihm getäuscht haben? Wenn ich es nicht selbst gehört hätte, ich hätte es niemals geglaubt. Vollkommen fassungslos fuhr ich mit zittrigen Händen über meine Stirn. Es stimmte also doch, er hatte mich nur hier abliefern wollen. Er hatte nie vorgehabt sich mit mir zu vereinigen und wäre wahrscheinlich mit einer fadenscheinigen Ausrede in den nächsten Tagen verschwunden. Oder er hätte mir eiskalt ins Gesicht gesagt, dass es ja ganz nett mit mir war, aber dass es da noch jemanden gab, der ihm mehr bedeutete. Ich war nur seine zweite Wahl, vielleicht nicht einmal das. Als ich sein tiefes Lachen von oben hörte, zog sich mein Innerstes zusammen und mein Endschluss stand augenblicklich fest. Ich musste so schnell wie möglich weg von hier. Ich konnte es nicht ertragen, ihm noch einmal gegenüber zu stehen, um die vernichtenden Worte aus seinem Mund zu hören.

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Er brauchte mir nichts mehr erklären, was ich eben gehört hatte, reichte mir vollkommen. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich die ganze Zeit den kleinen Anhänger umklammerte, den ich trug, seitdem Duncan ihn mir um den Hals gelegt hatte. Alles war eine große Lüge, eine Täuschung. Langsam öffnete ich den Verschluss und nahm die Kette ab. Noch einmal betrachtete ich das grüne Herz. Alles kaputt. Ich legte die Kette einfach neben den Stuhl auf den Boden. Alles was danach geschah, schrieb ich später dem schweren Schockzustand zu, in dem ich mich befand. Ohne weiter zu überlegen, zog ich meine Schuhe an, nahm meine Tasche, stand auf und ging zügig aus dem Haus. Einen Moment blieb ich verwundert auf dem Treppenabsatz stehen und blinzelte in die schon tief stehende Sonne. Die Welt war nicht untergegangen. Die Sonne schien immer noch, die Vögel zwitscherten und der leichte Wind trieb einige abgestorbene Blätter vor sich her. Die Welt drehte sich einfach weiter, als ob nichts geschehen wäre. Meine Welt dagegen war eben zusammengebrochen, und ich konnte noch nicht einmal weinen, so tief saß der Schock. Irgendwann würde ich zusammenbrechen, doch erst musste ich meine gesamte Energie darauf verwenden, um das Anwesen unbemerkt zu verlassen. Ich verbot mir jeden anderen Gedanken, denn nur mein Entkommen zählte jetzt. Ich umklammerte meine Tasche wie ein Rettungsanker. Gott sei Dank hatte ich meine Kreditkarten und Papiere dabei. Doch wie kam ich hier weg? Hektisch sah ich mich um, bis mein Blick an einem großen Gebäude hängen blieb. Oh natürlich, der Fuhrpark! Hoffentlich war dort niemand, und ich konnte einen der Wagen nehmen. Ob es Diebstahl war oder nicht, war mir zu dem Zeitpunkt vollkommen egal. Doch meine Hoffnungen waren leider vergebens. Henry stand neben einem Rolls- Royce und polierte fröhlich vor sich hin summend mit einem Tuch die Kühlerhaube. Als er aufblickte und mich sah, kam er sofort freundlich winkend auf mich zu.
„Miss Angie! Schön Sie zu sehen. Kann ich irgendwas für Sie tun? Oh, Sie sind ja weiß wie die Wand! Geht es ihnen nicht gut?†œ Besorgt musterte er mich.
„Nein, nein, alles in Ordnung. Danke Henry, mir geht es gut, †œ log ich. Dann brach ich das ungeschriebene Gesetz hier auf dem Anwesen und benutzte meine Magie. Ich trat dicht an ihn heran, sah im tief in die Augen und murmelte einen bestimmten Zauberspruch um ihn zu bannen. Um ihn zu manipulieren griff ich mit meinen geistigen Fühlern in seinen Geist ein und suggerierte ihm, dass kein Auto fehlen würde, er mich nicht gesehen hatte und er ganz normal seine Arbeit fortsetzen würde. Er konnte sich meinem magischen Angriff nicht widersetzten, seine Augen wurden glasig und er nickte mechanisch. Es tat mir weh, ihm das anzutun, aber ich hatte keine andere Wahl. Der Zauber würde lange genug anhalten, bis ich einige Meilen zwischen mich und das Anwesen gebracht hatte. Er würde sich später an nichts erinnern können. Von ihm konnte ich mich wenigstens verabschieden, von allen anderen nicht. Stumm umarmte ich Henry und küsste ihn auf beide Wangen. Ich bat ihn flüsternd um Verzeihung, als er mir abrupt den Rücken zu wandte und wieder begann den Wagen mit dem Poliertuch zu bearbeiten. Schnell drehte mich um und suchte nach einem unauffälligen Kleinwagen zwischen den vielen Luxuswagen. Ich brauchte ein Auto, das nicht gleich auffiel und eine neutrale Farbe hatte. Da fast alle Wagen dem Orden gehörten und die Schlüssel immer steckten, musste ich nicht erst lange suchen. Ich stieg in einen kleinen, aber wendigen schwarzen Minicooper mit getönten Scheiben ein, der ein bisschen versteckt hinter den ganzen Nobelkarossen stand. Meine Tasche warf ich achtlos auf den Beifahrersitz. Dann machte ich mich kurz mit den etwas ungewohnten Armaturen vertraut und schärfte mir dabei immer wieder ein, ja links zu fahren. Niemand beachtete mich, als ich mit der vorgeschriebenen Schrittgeschwindigkeit auf das großen Tor zufuhr. Da nur die Ankommenden kontrolliert wurden, nicht aber diejenigen, die das Anwesen verließen, konnte ich ungehindert durch das sich vor mir automatisch öffnende Tor fahren. Erst als ich im Rückspiegel beobachtete wie sich das Tor hinter mir schloss und genauso wie das Anwesen selbst aus meinem Blickfeld verschwand, schaltete ich das Licht ein und gab Gas, ohne noch einen einzigen Blick zurückzuwerfen. Das taube Gefühl und die innere Kälte hielten an.

Fortsetzung folgt…

Kapitel 1: „Seitensprung der Sisterhood – Ankunft in Schottland

Kapitel 2: Seitensprung der Sisterhood – Das Anwesen der Bruderschaft

Kapitel 3: Seitensprung der Sisterhood †“ Geheimnisse

findet sich hier.

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