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Seitensprung der Sisterhood – Geheimnisse

25. November 2010 | Von | Kategorie: Seitensprung der Sisterhood - Angie

Seitensprung der Sisterhood

Kapitel 3
Geheimnisse

„Du liebst ihn sehr, stimmt`s?“Ich sah wieder zu Duncan und dann fest in ihre ausdrucksstarken blauen Augen. Darauf fiel mir nur eine Antwort ein.
„Er ist mein Leben.“
Sie nickte nur und sprach dann leise weiter.
„Ich sehe es in deinen Augen. Doch da sehe ich noch etwas anderes. Du bist nicht nur eine Hexe, du bist auch…“Oh bitte, sie nicht auch noch!
„Ja, ich bin auch zur Hälfte menschlich, und mehr ist da auch nicht“, unterbrach ich sie schnell, damit dieses Thema endlich erledigt war. Sie sah mich immer noch prüfend an, seufzte und stand auf.
„Wie du meinst, schließlich ist es auch egal. Jetzt lass uns einen der letzten freundlichen Herbsttage genießen. Ich muss noch mal eben in die Küche verschwinden und den Kaffee holen, aber bediene dich doch ruhig schon mal, ich bin sofort wieder zurück.“ Sie ging zu den Kindern und Duncan und forderte sie auf, sich die Hände zu waschen. Alle vier nickten gehorsam. Duncan zwinkerte mir zu und verschwand lächelnd mit den Kindern und Polly im Haus. Erst jetzt sah ich, dass der Tisch mit allerlei Köstlichkeiten gedeckt war, und da ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte, fing mein Magen lautstark an zu knurren. Der Kuchen und die vielen Sandwiches sahen aber auch zum Anbeißen aus, und so griff ich einfach zu.
Es wurde ein sehr vergnüglicher Nachmittag. Wir ließen uns das Essen schmecken, erzählten und lachten viel. Nachdem die Kinder ihre anfängliche Scheu mir gegenüber verloren hatten, bombardierten sie mich mit allen möglichen Fragen. Ich erzählte ihnen von meinen Schwestern, von Doc, Lilli, Lucy, Kerstin und Sweetlife und von Ef-Ef, dem Dämon in Hamstergestalt. Als ihre Neugierde gestillt war, beschäftigten sie sich wieder alleine im Garten.
„Ich weiß, dass ihr beiden euch auf der Seraphim kennengelernt habt, aber wann hat es bei euch denn eigentlich so richtig gefunkt?“, wollte Polly wissen und gerade, als ich ihr antworten wollte, schob Duncan mir hinterlistig grinsend ein Stückchen Tomate in den Mund.
„Oh, sie hat mich beschimpft, als arrogantes A…“, antwortete er an meiner Stelle. Empört legte ich ihm gerade noch meine Hand auf den Mund und warf ihm einen warnenden Blick in Richtung der Kinder zu. Doch er küsste nur meine Handfläche.
„Äh, dass erzähle ich dir lieber ein anderes Mal, okay?“, sagte Duncan und zwinkerte Polly zu. Langsam wurde es dunkel und wir zündeten die vielen Windlichter und kleinen Laternen an, die überall in dem Garten und der kleinen Laube verteilt waren. Auch wurde es kühler als die Sonne verschwunden war, und ich war froh, meine Jacke mitgenommen zu haben. Gerade als Caitleen mit dem neuen Buch von Duncan zu uns an den Tisch kam, klingelte mal wieder Duncans Handy. Ich verdrehte schon automatisch die Augen. Er stand sofort auf, wandte sich ab und sprach so leise, dass niemand etwas verstehen konnte. Als er das Gespräch beendet hatte, mied er meinen Blick und strich sich durch die Haare.
„Verdammt, ich muss weg. Mythos will… also ich treffe dich dann zu Hause, mein Herz. Danke, Polly, tschüss meine Süßen, bis bald.“ Er küsste mich flüchtig auf die Stirn und ich konnte fühlen, dass er mit seinen Gedanken ganz woanders war. Fragend sah ich ihm nach, als er durch das Törchen verschwand. Was wollte Mythos denn jetzt noch von ihm? Und warum nahm er mich nicht mit? Doch da stand Caitleen plötzlich vor mir und lächelte mich an.
„Tante Angie, kannst du uns nicht vorlesen? Bitte?“ Dankbar für die Ablenkung nahm ich ihr das Buch, das sie von Duncan geschenkt bekommen hatte, ab und verbot mir jeden weiteren Gedanken an den merkwürdigen Anruf. Der Abend war einfach zu schön, um ihn mit Grübeln zu ruinieren.
Also schlug ich das Buch auf und begann vorzulesen. Die kleine Bonnie kletterte auf meinen Schoß, schmiegte sich an mich und steckte ihren Daumen in den Mund. Auch die anderen beiden hörten gebannt zu.
Auf einmal hatte ich wieder dieses unangenehme Gefühl, aus der Ferne beobachtet zu werden und blickte auf. Vor dem weißen Zaun stand Leif, seine Hände zu Fäusten geballt. Sein eiskalter Blick traf mich mit voller Wucht, sodass ich automatisch eine Gänsehaut bekam. In dem Moment, als ich ihn fragen wollte, was er hier zu suchen hätte, presste er seine Lippen zusammen, warf mir noch einen letzten hasserfüllten Blick zu, drehte sich um und verschwand. Was sollte denn das jetzt wieder?

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Verwundert sah ich ihm nach und nahm mir ernsthaft vor, ihn endlich zur Rede zu stellen. Ich hatte die Nase gestrichen voll von seinen ständigen Anfeindungen. Dann spürte ich, wie Albus an meinem Ärmel zog und auf die kleine Caitleen wies.
„Guck mal, sie ist eingeschlafen, und du hast einfach aufgehört zu lesen als es spannend wurde“, flüsterte er enttäuscht.
„Tut mir leid, Albus. Aber ich muss jetzt gehen. Ich lese die Geschichte ein anderes Mal weiter, okay?“ Gott sei Dank hatten die Kinder diesen furchteinflößenden Leif nicht gesehen. Ich klappte das Buch leise zu und strich ihm schnell über den Kopf. Polly, die auch nichts mitbekommen hatte, kam aus der Küche und nahm mir die tiefschlafende Kleine aus den Armen, um sie ins Bett zu bringen. Meine Hilfe lehnte sie mit dem Hinweis ab, dass es schon ziemlich spät sei, und Duncan bestimmt schon auf mich warten würde. Doch nicht Duncan war der Grund, warum ich so schnell wie möglich nach Hause wollte. Es war dieser Wicki! Also verabschiedete ich mich von allen mit einer Umarmung und versprach, bald wiederzukommen. Dann beeilte ich mich, damit ich Leif noch erwischen konnte. Durch die beleuchteten Straßen und Wege lief ich den Weg zurück zum Anwesen. Unterwegs hielt ich Ausschau nach ihm, doch er war nirgends zu sehen. Außer Atem erreichte ich das Haus und schloss die Eingangstür hinter mir. Suchend sah ich mich in der Eingangshalle um. Na also, da war er ja. Durch die offene Esszimmertür sah ich Wicki mit grimmiger Miene an dem großen Tisch sitzen. In der Hand hielt der Glas Whiskey, dessen Inhalt er gerade mit einem Zug herunterkippte. So mein Freund, jetzt will ich ein paar Antworten von dir und wehe… Energisch schloss ich die Esszimmertür und setzte mich ihm direkt gegenüber. Seine rotgeäderten Augen und sein stierender Blick verrieten, dass er wohl schon einige Gläser Whiskey in kurzer Zeit getrunken hatte. Er schien meine Anwesenheit gar nicht zu bemerken, oder ignorierte mich bewusst, denn er schenkte sich sein Glas in aller Seelenruhe wieder voll, trank diesmal jedoch langsamer. Ich klopfte mit der Faust kräftig auf den Tisch, um endlich seine Aufmerksamkeit zu erregen.
„Hey Wicki! Was ist eigentlich dein Problem? Oder vielmehr, was hast du eigentlich für ein Problem mit mir? Wir kennen uns nicht mal, und wir sind uns auch noch nie begegnet! Und dass ich diesen widerlichen Troll, deinen Söldnerboss, oder was auch immer der war, geköpft habe, kann dir doch nur Recht sein, oder? Und was sollte das eben bei Polly, oder heute Morgen beim Frühstück? Also nochmal: Was. Ist. Dein. Problem?“ Die letzten Worte betonte ich besonders laut und beugte mich zu ihm über den Tisch. Doch er reagierte nicht und nippte weiter an seinem Glas. Wütend schlug ich erneut auf den Tisch.
„Ich will endlich ein paar Antworten!“ Plötzlich sah er auf. Sein eiskalter Blick fixierte mich.
„Du willst Antworten? Die kannst du haben!“ Ohne mich aus den Augen zu lassen, stand er langsam auf und stützte sich leicht schwankend auf den Tisch. Er beugte sich zu mir herunter, bis unsere Gesichter nur noch Zentimeter voneinander entfernt waren. Sein Whiskeyatem streifte mich. Ich zwang mich, nicht zurückzuzucken und wartete angespannt.
„Ich hasse euch Hexenpack! Ich hasse euch abgrundtief! Ihr habt meine ganze Familie ausgelöscht, mein Dorf überfallen und alle abgeschlachtet. Männer, Frauen und Kinder. Ihr habt vor niemandem halt gemacht. Erst habt ihr euch unser Vertrauen erschlichen, um dann eiskalt zuzuschlagen.“ Oh mein Gott, das war ja furchtbar! Automatisch wollte ich tröstend nach seiner Hand greifen, doch in seiner jetzigen Stimmung hätte er mich wahrscheinlich in Stücke gerissen, wenn ich ihn angefasst hätte. Also zog ich sie schnell zurück.
„Wann war das?“, fragte ich ihn so ruhig ich konnte.
„Es war genau heute vor 200 Jahren.“ Also noch vor meiner Zeit. Meine Großmutter Gwen hatte mir zwar von einem bösartigen Hexenzirkel erzählt und Lucys Bruder ja auch, aber dass sie so grausam waren, hatte ich nicht gewusst. Wicki ließ sich zurück auf seinen Sitz fallen und griff wieder nach seinem Glas.
„Ich war damals noch ein Kind und habe als einziger überlebt. Ich konnte mich im letzten Moment verstecken… und ich höre die Schreie immer noch in meinen Alpträumen. Jetzt weißt du, was mein Problem ist, Hexe!“, schleuderte er mir entgegen. Meine Verachtung und meine Wut auf ihn verschwanden in dem Moment, als ich seinen Schmerz und die Trauer in seinen Augen sah. Doch da war noch etwas in seinem Blick, in seiner ganzen Haltung. Schuldgefühle?

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Fühlte er sich schuldig, weil er noch ein Kind war und nicht eingegriffen hatte, nicht eingreifen konnte? Kopfschüttelnd stand ich langsam auf. Was hätte er als Kind bei dem Massaker ausrichten können?
„Glaube es oder nicht, aber es tut mir wirklich leid, was mit dir und deiner Familie passiert ist. Aber du weißt auch, dass in unserer Welt in jeder Spezies, egal ob Hexe, Fee, Elfe, Werwolf oder Vampir, einige bösartige und grausame Kreaturen vorkommen. Das ist bei den Menschen nicht anders. Also hör auf, mich für etwas verantwortlich zu machen, was dir vor vielen Jahren passiert ist, und für das ich nun wirklich nichts kann.“
Ihm jetzt meine Probleme mit seiner Gattung an den Kopf zu werfen, wäre unpassend gewesen. Es war damals nämlich eine Fee gewesen, die mich an Zorro, der bis vor kurzem noch von einem bösartigen Dämon besessen war, verraten und so indirekt den Tod von Lillis Partner verursacht hatte. Er starrte verbissen in sein Glas.
„Morgen bin ich wieder verschwunden, also lass es gut sein“, murmelte er leise vor sich hin.
„Okay, meinetwegen“, antwortete ich in der Hoffnung, dass meine Worte zu ihm durchgedrungen waren und er endlich ein bisschen Frieden fand. Ich stand schon an der Tür und drehte mich noch einmal kurz zu ihm.
„Aber eines möchte ich noch sagen, Leif, höre verdammt nochmal auf, dir die Schuld für etwas zu geben, das du niemals hättest verhindern können!“
Ich schloss die Tür leise hinter mir und lehnte mich einen Augenblick mit geschlossenen Augen dagegen. Dies musste der längste Tag meines Lebens gewesen sein, ich war total erschöpft und todmüde, und ich sehnte mich nach Duncan, einem Wodka und nach meinem Bett. Dabei war mir sogar die Reihenfolge egal.

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Die nächsten Tage gehörten nur Duncan und mir. Er zeigte mir die nähere Umgebung rund um das Anwesen. Mit Baby fuhren wir zum Loch Ness, picknickten dort an seinem Lieblingsplatz und genossen den fantastischen Blick auf die wunderschöne Landschaft. Als das Wetter schlechter wurde, zeigte er mir das Trainingszentrum und die Schwimmhalle von innen. Wir trainierten mit einigen Anwärtern. Ich war ziemlich beeindruckt darüber, wie geschickt sie bereits mit den Waffen umgehen konnten. Mary verwöhnte mich mit meinen Lieblingsspeisen, sodass ich langsam die Notbremse ziehen musste. Duncan schmunzelte nur und fand meine Rundungen wären genau an der richtigen Stelle. Außerdem wollte er nur die Anordnung von Doc Jane befolgen und mich nach Strich und Faden verwöhnen. Von meinen anderen Schwestern hatte ich noch nichts gehört, aber ich war sicher, dass sie sich noch melden würden. Duncan wurde nur noch selten zu einer Besprechung gerufen und Leif war wirklich am nächsten Morgen verschwunden.
Ich hätte also rundum zufrieden und glücklich sein müssen. War ich ja auch… eigentlich. Aber manchmal beschlich mich ein unbehagliches Gefühl, als ob dunkle Wolken aufziehen würden. Wenn Duncan doch wieder mal zu einer Besprechungen gerufen wurde, versicherte er mir zwar immer, dass es nichts Besonderes oder Außergewöhnliches gäbe, langweilige Ordensangelegenheiten halt, aber ich wurde trotzdem dieses merkwürdige Unbehagen nicht richtig los.
An jenem Tag, etwa ein Woche nach unserer Ankunft in Schottland, hatte Mary frei. Duncan und ich saßen zusammen im Apartment und schmiedeten Pläne für weitere Ausflüge. Von Duncan wusste ich, dass in der Nähe des Anwesens eine größere Stadt lag, in der man alle Einkäufe erledigen konnte. Das Anwesen wurde von den dort ansässigen Firmen beliefert und er wollte mit mir eine ausgedehnte Shoppingtour unternehmen, sogar freiwillig!
Doch dann wurde er mal wieder von Mythos ins Verwaltungsgebäude gerufen. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um Polly und die Kinder zu besuchen. Duncan umarmte mich seufzend, wickelte eine Strähne meiner Haare um seinen Finger und sah mich an.
„Und, es macht dir wirklich nichts aus? Ich kann das auch auf später verschieben. Demetri meinte, dass etwas mit den Abrechnungen aus Peru nicht stimmen würde. Also mal wieder langweiliger Verwaltungskram.“ Ich seufzte auch und vertrieb schnell den trüben Gedanken, der mich flüchtig streifte, indem ich meine Nase an seinem Hals rieb und seinen unwiderstehlichen Duft tief inhalierte.
„Nein, geh` ruhig, ich bin dann bei Polly. Ich schulde ihr ja noch eine Story. Vielleicht sehe ich mir danach noch die kleinen Geschäfte etwas genauer an. Ich werde mich schon beschäftigen – also mach dir keine Sorgen, mein Schotte.“ Ich schmiegte mich an ihn und strich ihm über sein Kinn.
„Ach, da fällt mir ein. Wann sehe ich dich eigentlich mal in deinem Kilt?“ Ich strich mit meinen Lippen über seine.
„Habt ihr da wirklich nichts drunter an?“, flüsterte ich ihm fragend ins Ohr. Duncan sah mich mit seinen glühenden Augen an, nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste mich. War das jetzt ein Nein oder ein Ja? Ich nahm mir vor, ihn bei Gelegenheit an die fehlende Antwort zu erinnern. Als Duncan gegangen war, meldete ich mich bei Polly via Handy, doch sie musste leider absagen. Die kleine Bonnie hatte etwas Fieber und forderte ihre ganze Aufmerksamkeit. Nachdem sie mir versichert hatte, dass es nichts Ernstes war, verschoben wir den Besuch, und ich verabschiedete mich. Ich nahm mir ein Buch und suchte mir unten eine gemütliche Ecke zum Lesen. Ich hatte kaum einige Seiten gelesen, als Duncan plötzlich zurückkam.
Er schien es sehr eilig zu haben und bemerkte mich nicht, als er mit langen Schritten direkt auf die kleine Holztür zusteuerte. Oh, die kleine Tür hatte ich ja total vergessen! Ich war total gespannt, was er das machte und wusste nicht genau, warum ich mich nicht bemerkbar machte. Vielleicht hielt mich meine innere Stimme zurück, denn ich wollte endlich erfahren, was es mit dieser Tür auf sich hatte. Also verhielt ich mich mucksmäuschenstill und beobachtete ihn. Er berührte in einer bestimmten Reihenfolge die mystischen Figuren auf der Tür und schon ertönte ein leises Klicken. Die Tür öffnete sich und Duncan verschwand in dem geheimnisvollen Gang. Danach schloss sich die Tür wieder geräuschlos. Aha, durch einen Code ließ sie sich also öffnen. Sobald er wieder auftauchen würde, wollte ich es auch probieren und zwar ohne ihn. Ca. 20 Minuten später erschien Duncan wieder und lief, ohne mich zu bemerken, mit verbissener Miene zur Vordertür raus. Ich wartete noch einige Minuten, dann stand ich auf und lief zu der verschlossenen Tür.

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Ich wollte endlich wissen, wohin der Gang führte und warum Duncan so ein Geheimnis daraus machte. Ich hatte mir die Reihenfolge des Codes genau eingeprägt. Erst einen Fingertipp auf das goldene Ei des Phönixes, dann auf die rechte Hand des Gargoyles und die Schweifspitze des Einhorns. Zum Schluss folgte ein Strich über die Nüstern des Pegasuses. Vor Spannung hielt ich den Atem an. Da! Es machte Klick. Zufrieden grinsend zog ich die Tür auf und wedelte kurz mit der Hand in die dahinterliegende Dunkelheit. Als die Fackeln brannten, schlüpfte ich schnell hinein und zog die Tür wieder zu. So, das erste Geheimnis war gelüftet. Zunächst lauschte ich angestrengt, doch hier war es totenstill. Dann schlich ich mich vorsichtig, jedes Geräusch vermeidend den Gang entlang, immer weiter in die Tiefe. Nach etwa 100 Metern machte der Gang eine leichte Rechtskurve und endete nach weiteren 100 Metern abrupt vor einer Mauer. Hier stand ich nun, und kam nicht weiter. Irgendwo musste aber eine Tür oder ein Durchlass sein! Aufmerksam sah ich mich um, aber es gab tatsächlich nur diese eine Wand, oder eben den Weg zurück. Mit bloßem Auge war nichts zu erkennen. Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich auf jede Unebenheit. Langsam tastete ich mit den Fingerspitzen Zentimeter um Zentimeter über die glatte Wand. Da, ich spürte eine winzige Erhebung etwa in Kniehöhe und daneben gleich noch eine. Aufregung erfasste mich, und ich atmete erst mal tief durch. Sollte ich… oder lieber doch nicht? Wer wusste, was mich dahinter erwartete? Doch meine Neugierde siegte und ich drückte mit zwei Fingern gleichzeitig auf die verborgenen Knöpfe. Ein kaum wahrnehmbares Summen ertönte, so als ob winzige Zahnräder ineinander griffen. Erwartungsvoll trat ich einen Schritt zurück. In der Wand öffnete sich vor meinen Augen langsam eine Tür einen kleinen Spalt weit. Ein angenehm, warmer Luftzug streifte mich, und als ich sie soweit aufzog, dass ich hindurch schlüpfen konnte, gab sie den Blick auf einen großen Saal frei. Vorsichtig, mich nach allen Seiten absichernd, ging ich langsam hinein. Der Saal war nur spärlich beleuchtet, aber was ich erkennen konnte, war einmalig. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Über mir erblickte ich ein gigantisches Gewölbe, das unseren Sternenhimmel zeigte. Jeder einzelne Stern leuchtete. Ich musste mich tief unter der Erde befinden. Es schien niemand hier zu sein, und so ging ich einfach weiter und sah mich um. An den Wänden hingen Waffen aus allen Epochen, von den Steinschleudern bis zum modernsten Wurfmesser. Antike Glasvitrinen mit alten Gewändern, Büchern, Porzellan und Schmuck standen an einer langen Wand in Reihe und Glied. Ich schlenderte zu den Bücherregalen und betrachtete staunend einige wertvolle Erstausgaben. Nach dem ich feststellte, dass einige sogar handsigniert waren, stellte ich sie sofort wieder vorsichtig zurück. Meine Neugierde trieb mich immer tiefer in den Saal, bis ich am Ende einen offenen Kamin sah, in dem ein Feuer brannte. Über ihm hing ein großes Bild. Doch man sah nur den reichverzierten Rahmen, das Bild selbst war von einen Tuch verdeckt. Die moderne Sitzgruppe vor dem Kamin passte irgendwie nicht hierher, nur der Lehnstuhl war wie für dieses… Museum gemacht. Er stand mit dem Rücken zu mir und war schon sehr alt. Hier schien tatsächlich jemand zu wohnen. Ich sah mich weiter um und kehrte zu dem großen, runden Tisch zurück, der so ziemlich in der Mitte des Raumes stand und mir schon bei meinem Eintritt aufgefallen war. Um ihn waren 12 niedrige Stühle mit hohen Lehnen angeordnet. Auf der schwarzen Tischplatte ertastete ich viele tiefe Kerben, als ob Schwerter sie hineingeschlagen hätten. Doch was auf dem Tisch lag, fesselte sofort meine ganze Aufmerksamkeit. Ein Schwert. Und das war nicht nur irgendein Schwert, es war das schönste Schwert, das ich jemals gesehen hatte. Vorsichtig griff ich zu und hob es mit beiden Händen hoch. Es lag überraschend leicht in der Hand und war hervorragend verarbeitet. Als ich es mir genauer ansah, stockte mir jedoch der Atem.
„Kann es denn möglich sein… das ist doch nicht?“, flüsterte ich ungläubig.
„Doch, es ist Excalibur“, ertönte eine kräftige tiefe Stimme aus dem Lehnstuhl neben dem Kamin. Ein mittelgroßer Mann erhob sich und drehte sich zu mir. Vor Schreck schrie ich auf, ließ das Schwert fallen und sprang einen Schritt zurück. Gott sei Dank bremste der Tisch seinen Fall, und ich schob es schnell wieder in die Mitte. Erwischt! Mein Herz schlug mir bis zum Hals, und ich wurde auf der Stelle puterrot.
„Oh oh, tut mir leid, nichts passiert! Es ist noch ganz. Ich …ich wollte hier nicht so eindringen.“ Krampfhaft versuchte ich den Besitzer der Stimme auszumachen, wagte mich aber nicht näher an den Lehnstuhl heran. Ich blieb stocksteif neben dem Tisch stehen und redete einfach weiter.

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„Ich werde auch sofort wieder gehen. Tut mir wirklich leid, aber da war diese Tür, übrigens eine sehr schöne, besonders die Vorderseite, die Rückseite habe ich noch nicht gesehen, und die stand offen, nicht heute, aber als wir angekommen sind, also Duncan und ich, da habe ich…“ Himmel, was redete ich denn da für einen Unsinn?! Der Mann musste mich für eine komplette Idiotin halten!
„Ich verschwinde wohl besser, bevor ich mich noch weiter blamiere“, murmelte ich.
„Tut mir wirklich leid, ich wollte Sie nicht stören, ich bin auch sofort wieder verschwunden“, sagte ich etwas lauter und ging langsam rückwärts in Richtung Geheimtür. Doch sie war schon wieder verschlossen, und ich hatte keine Ahnung, wie ich sie auf dieser Seite öffnen sollte. Der Mann kam langsam auf mich zu, blieb jedoch mit etwas Abstand vor mir stehen und streckte beide Arme aus.
„Nein, bitte bleiben Sie. Ich würde Sie gerne näher kennen lernen.“ Seine Stimme klang eigentlich sehr angenehm. Ich blinzelte ein paarmal, konnte aber sein Gesicht nicht erkennen, es blieb seltsamerweise immer im Schatten. Er trug eine schwarze Lederhose und ein weißes Rüschenhemd, wie die Brüder. Seine weißblonden Haare, die fast silbern aussahen, hatte er zu einem Zopf zusammengebunden. Misstrauisch betrachtete ich ihn eingehend. Irgendwas an ihm kam mir bekannt vor, aber ich kam nicht drauf. Er streckte eine Hand einladend aus und bat mich zu der Sitzgruppe.
„Kommen Sie, trinken Sie einen Tee mit mir. Bitte seien Sie mein Gast.“ Sein Gesicht konnte ich immer noch nicht erkennen. Vielleicht war es ja durch eine Krankheit oder einen Unfall so entstellt, dass er es mit einem Schatten belegt hatte. Höflich wartete er, bis ich mich auf die Kante des Sofas gesetzt hatte, dann erst nahm er mir gegenüber Platz. Er wirkte auf einmal merkwürdig angespannt und schien mich lange zu mustern. Vorsichtig lächelte ich ihn an.
„Danke, Sie sind sehr freundlich, obwohl ich Sie hier so einfach überfallen habe. Äh, mein Name ist übrigens Angie.“ Ich streckte meine Hand aus, doch er wich kaum merklich zurück, als hätte ich ihm eine giftige Schlange angeboten. Oh, er mochte wohl keinen Körperkontakt, auch gut, dann eben nicht. Ich zuckte mit den Achseln und ließ meine Hand wieder sinken. Ich wollte gerne erfahren, wer er überhaupt war und wie sein Name lautete, wagte es aber nicht, ihn direkt zu fragen. Seine Aura zeugte von ungeheurer Macht, Stärke und Autorität und irritierte mich etwas. Er schien meine Unsicherheit zu spüren, denn plötzlich hob sich der Schatten etwas, und ich erkannte einen lächelnden Mund mit schön geschwungenen Lippen. Der Rest blieb hinter dem ungewöhnlichen Schatten verborgen.
„Ich weiß, wer Sie sind und wie Sie heißen. Ich wäre ein schlechter Gastgeber, wenn ich nicht wüsste, wer sich hier auf meinem Anwesen aufhält.“ Sein Anwesen? Bedeutete das etwa… oh mein Gott! Ich riss meine Augen auf und starrte ihn ungläubig an.
Er lächelte noch immer und verbeugte sich formvollendet.
„Mein wirklicher Name ist zu kompliziert, den kann niemand aussprechen.
Man nennt mich auch… den Gründer.“

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Da ich ihn weiterhin nur stumm anstarrte, neigte er seinen Kopf zur Seite.
„Sind Sie jetzt schockiert?“ Ich überlegte kurz. War ich schockiert? Nein, eigentlich nicht, also antwortete ich wahrheitsgemäß.
„Nein, nur überrascht.“ Am meisten über mich selber. Du meine Güte! Erst jetzt fiel mir auf, dass ich eigentlich nie einen Gedanken an ihn verschwendet hatte, seit ich hier auf dem Anwesen war. Das also war der mächtigste Mann in der magischen Welt, der, der alle Fäden in der Hand hielt.
„Warum sind Sie überrascht mich hier zu treffen?“
„Weil ich gehört habe, dass Sie noch nie jemand gesehen hat, oder zumindest nur sehr wenige.“ Drago hatte mir das bei seiner Ankunft auf der Seraphim erzählt und Duncan gehörte wohl auch zu dem erlesenen Kreis, da er hier gewesen war. Seine Lippen kräuselten sich amüsiert, und er legte die Fingerspitzen aneinander.
„Das stimmt… fast. Ich lebe gerne zurückgezogen und verlasse mein Domizil nie. Aber hin und wieder freue ich mich über etwas Gesellschaft.“ Er beugte sich vor und zeigte seine blendendweißen Zähne, während er lächelte.
„Besonders über so eine hübsche Augenweide wie Sie es sind.“
Ich lächelte spontan zurück und fühlte mich fast ein wenig geschmeichelt. Aus seinem Mund klang das nicht wie ein Flirtversuch, sondern einfach nur ehrlich. Sein Schatten vor dem Gesicht hatte sich kein Bisschen bewegt. Eigentlich fand ich es immer unangenehm, wenn ich meinen Gesprächspartnern nicht in die Augen sehen konnte, aber bei ihm störte mich das seltsamerweise nicht so sehr. Ich hätte ihm gerne einige Fragen gestellt und zum Beispiel gerne gewusst, ob er hier alleine lebte, wollte aber nicht zu aufdringlich sein. Auch hatte ich ihn mir eigentlich wesentlich älter vorgestellt, so als alten kauzigen Mann, mit grauen Haaren, obwohl er ja auch nicht alterte wie normal Sterbliche.
„Oh, fragen Sie mich ruhig. Haben Sie keine Angst, ich kann Ihre Gedanken nicht lesen, aber ich sehe es an Ihrem Gesicht, dass Sie darauf brennen, mir Fragen zu stellen. Also nur zu“, forderte er mich freundlich auf und lehnte sich dabei wieder zurück.
„Sie sind also ein Dämon.“ Gut, das war jetzt keine Frage, sondern eher eine Feststellung. Er nickte nur lächelnd. Da entdeckte ich Mythos, der einen kleinen altmodischen Teewagen vor sich herschob. Verblüfft sah ich im entgegen. Wo kam der denn jetzt her? Aus dem Augenwinkel sah ich, wie der Gründer ihm ein verstecktes Zeichen gab. Er fuhr sich wie zufällig mit dem Zeigefinger über seine Lippen. Mythos sah mich kurz verwundert an, lächelte dann aber und schien über meine Anwesenheit nicht weiter überrascht zu sein.
„Oh, hallo Miss Angie, schön Sie zu sehen. Wie möchten Sie ihren Tee?“
„Äh… ein Stückchen Zucker und etwas Sahne bitte.“ Während er den Tee in hauchdünne Tassen einschenkte, sagte er:
„Nicht so bescheiden, Shadow.“ Er tat Zucker und Sahne dazu, reichte mir die Tasse und setzte mit verschwörerischer Stimme hinzu:
„Er ist sogar der König der Dämonen!“ Shadow? Das war sein Name? Aber der ist doch nun wirklich ziemlich einfach auszusprechen. Und er war ein König? Jetzt war ich total verwirrt und nippte erst mal an dem heißen Tee, um meine Gedanken zu ordnen. Oh, der hatte aber ein eigentümliches Aroma, dennoch schmeckte er sehr köstlich. Seine melodische Stimme riss mich aus meinen Gedanken.
„Ich lasse mir den Tee in Indien mischen, das ist eine ganz besondere Sorte. Ja, ich nenne mich Shadow, weil, wie gesagt, mein richtiger Name zu kompliziert ist. Und der Titel König …“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung,
„… ist nicht so wichtig für mich.“ Mythos schnaubte leise, verbiss sich aber jeden weiteren Kommentar. Verblüfft platzte ich raus:
„Hey, Sie können doch meine Gedanken lesen! Genau das wären meine Fragen gewesen, Mr. Gründer… äh, Majestät! “Wie sollte ich ihn denn nun anreden? Er lachte nur laut, als er Mythos seine Tasse mit dem Tee abnahm.
„Nein, Ihre Gedanken kann ich wirklich nicht lesen. Nennen sie es Intuition oder Menschenkenntnis. Ihr Gesicht ist für mich wie ein offenes Buch. Und nennen Sie mich doch bitte Shadow.“ Gespannt beugte er sich wieder vor.

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„Doch nun möchte ich etwas mehr über Sie erfahren. Wie gefällt es Ihnen hier?“ Durch seine geschickten Fragen im Laufe unseres Gespräches, stellte ich verblüfft fest, dass ich viel mehr von mir preisgegeben hatte, als es meine Absicht war. Als ich sah, wie er kurz sein komplettes Gesicht mit dem Schatten überzog, verschluckte ich mich fast an meinem Tee. Plötzlich wusste ich wieder, woher er mir so bekannt vorkam und setzte meine Tasse vorsichtig wieder ab.
„Sie waren das an dem Gedenkstein, stimmt`s? Ich habe Sie da im Schatten gesehen! Aber warum haben Sie sich nicht offen gezeigt?“ Ich erinnerte mich noch sehr gut an das unangenehme Gefühl, beobachtet zu werden und wartete gespannt auf seine Antwort. Er ließ mich wieder seinen Mund sehen.
„Ich habe Probleme mit der Sonne“, gab er ein wenig unwillig zu und trommelte mit seinen Fingern nervös auf der Lehne.
„Allergie?“
„So etwas Ähnliches. Meine Art verträgt direktes Sonnenlicht nicht so gut. Wir gehen zwar nicht sofort in Flammen auf, aber die UV Strahlung kann uns mächtig zusetzten und uns schwächen. Aber genug davon. Erzählen Sie mir von Peru, von dem Einsatz. Duncan hat mir zwar schon Bericht erstattet, aber ich möchte es auch von Ihnen hören. Besonders der Einsatz Ihrer Schwestern interessiert mich. Sweetlife ist manchmal etwas zugeknöpft, was ihre Amazonen betrifft.“ Ich wollte ihm gerade davon erzählen, als ich mit Entsetzten die kleine antike Uhr an der Wand schlagen hörte. Himmel, schon so spät! Hoffentlich hatte Duncan meine Abwesenheit noch nicht bemerkt oder suchte womöglich nach mir. Ich sprang sofort auf.
„Tut mir leid, aber ich muss gehen. Vielen Dank für den Tee.“ Ich wollte ihm schon spontan meine Hand reichen, besann mich aber noch schnell auf seine kleine Marotte und nickte ihm nur mit einem Lächeln zu. Er wirkte überrascht, da ich mich so schnell verabschiedete und schien zu überlegen.
„Moment, warum die plötzliche Eile… ah, ich verstehe, “ sagte er amüsiert und stand auch auf.
„Duncan weiß gar nicht, dass Sie hier sind?“ Verlegen schüttelte ich mit dem Kopf und wurde schon wieder rot. Er wirkte wieder etwas angespannt, und seine Haltung bekam plötzlich etwas Lauerndes.
„Und? Werden Sie im erzählen, wo und mit wem Sie den Nachmittag verbracht haben?“ Mh, diese Frage war nicht so leicht zu beantworten.
„Sollte ich nicht?“
„Oh, das müssen letztendlich Sie entscheiden, aber… ich würde Ihnen raten, unser kleines Geheimnis vorerst zu bewahren.“ Oh man, innerlich musste ich über seine Redensweise lachen, doch ich sagte weiter nichts.
„Kommen Sie, ich werde Ihnen zeigen, wie Sie auf dieser Seite die Tür öffnen können. Es gibt natürlich noch einen regulären Eingang durch das Verwaltungsgebäude.“ Er zeigte auf die ganz normale Tür, durch die Mythos während unseres Gespräches verschwunden war. Aha! Also musste dieser … Saal unter dem Verwaltungsgebäude liegen.
„Und warum kann ich nicht auch durch diese Tür gehen?“ Schmunzelnd beantwortete er meine Frage.
„Diese Tür führt direkt in einen Fahrstuhl, der Sie in das Büro fährt. Was glauben sie, wie merkwürdig es die Leute dort fänden, wenn Sie dort auf einmal auftauchen würden? Zumal niemand außer Mythos weiß, dass Sie hier bei mir sind?“ Da musste ich ihm recht geben.
„Wissen Sie, ich liebe Geheimtüren und Geheimgänge. Der Gang, durch den Sie gekommen sind, diente im Mittelalter als Fluchtweg des Ordens. Da sah es hier auf dem Anwesen noch ganz anders aus.“ Auf dem Weg zur Tür fragte er mich, mit einem sehnlichen Unterton in der Stimme:
„Werden Sie mich wieder besuchen?“ Verblüfft sah ich in seine Richtung, er schien meine Gesellschaft wirklich zu mögen.
„Wenn Sie es möchten, gerne.“
Als wir an dem runden Tisch vorbeikamen, war das Schwert verschwunden. Doch ich beachtete das nicht weiter, da ich nur wieder schnell nach oben wollte. Vor der Wand mit der Geheimtür drückte er einfach auf einen gut sichtbaren Schalter neben dem Rahmen, die Zahnräder summten und die Tür öffnete sich. Ich lachte laut auf. Das war ja einfach! Ich verabschiedete mich von ihm, trat in den Gang und die Tür schloss sich wieder. Die Fackeln brannten und ich ging langsam und nachdenklich dem Ausgang zu. Was für ein merkwürdiger Nachmittag.

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Shadow war wirklich sehr beeindruckend, zwar etwas exzentrisch, aber dabei nicht unsympathisch. Nur als meine Fragen an ihn ein wenig persönlicher wurden, wurde er etwas nervös und antwortete sehr ausweihend. Vielleicht war es einfach so, dass er nicht gerne über sich sprach, und es lag in seiner Natur, aus allem ein Geheimnis zu machen.
Doch ein Problem blieb. Ich blieb stehen. Was sage ich jetzt Duncan? Ich überlegte kurz und schloss dann mit mir einen Handel. Wenn ich vor ihm wieder da sein sollte, würde ich es ihm nicht sagen. Er hatte schließlich auch seine Geheimnisse vor mir! Sollte er jedoch schon auf mich warten und mich fragen, wo ich gewesen war, würde ich es ihm natürlich sagen. Anlügen wollte ich ihn auf keinen Fall! Mit meinem Kompromiss zufrieden, ging ich energisch weiter, bis ich vor der verschlossenen Holztür stand. Mist! Ich hatte ganz vergessen zu fragen, wie die Tür von dieser Seite geöffnet würde. Ich suchte alles ab, aber hier gab es keinen Schalter, nur die mystischen Figuren auf der Tür… hier, auf dieser Seite. Spiegelverkehrt. Aha! Grinsend drückte ich den Code, nur eben andersrum und schon machte es klick. Vorsichtig schob ich meinen Kopf durch den geöffneten Spalt und suchte die Eingangshalle ab. Aber da war niemand. Schnell huschte ich hindurch, schloss leise die Tür und lauschte aufmerksam. Niemand war im Haus. Mit wild klopfendem Herzen ging ich wieder zu meinem Sessel und schlug mein Buch auf. Zwei Minuten später ging die Haustür auf. Puh, das war perfektes Timing! Ich sah neugierig um die Ecke. Es war Duncan, der mich noch nicht gesehen hatte und mit einem breiten Grinsen nach mir rief.
„Angie? Bist du da? Sieh mal, wen ich mitgebracht habe!“ Das gab es doch nicht! Mit einem Schrei sprang ich auf und stürzte mich ihnen entgegen. Da standen Jean und Tiago freudestrahlend neben Duncan. Ich warf mich einfach in Jeans ausgebreitete Arme und küsste ihn auf beide Wangen. Das leise Knurren von Duncan ignorierte ich.
„Hey Kapitän Wölfchen, schön dich zu sehen.“ Er sah so gut aus wie immer, drückte mich so fest und lang, dass es gerade noch so eben schicklich war und gab mich nur wiederstrebend frei, als Tiago sich bemerkbar machte.
„Ey, lass mir auch noch was übrig! Komm her, kleine Hexe.“Der schnappte mich einfach, hob mich hoch und wirbelte mich lachend herum. Oh war es schön, die beiden wiederzusehen! Als Tiago mich wieder auf den Boden stellte, musterte er mich von oben bis unten und sagte schmunzelnd:
„Du siehst sehr hübsch aus, der Urlaub scheint dir gut zu bekommen, meine Süße.“ Duncans Knurren wurde eine Nuance lauter.
„Ja, ja, schon gut, Großer.“ Tiago schob mich grinsend in Duncans Arme. Na warte, mein Lieber, dir werde ich helfen! Ich griff mit beiden Händen in seine Haare und zog energisch seinen Kopf zu mir runter. Dann küsste ich ihn, bis er aufstöhnend seine Arme besitzergreifen um mich schlang und den Kuss leidenschaftlich erwiderte. Tiago hörte ich nur sagen sagte:
„Komm Jean, wir gehen lieber. Gleich geht`s hier nicht mehr jugendfrei zu.“Doch das war nicht der Sinn meiner Kussattacke. Mittendrin löste ich mich von seinen Lippen, drückte seinen Kopf genauso energisch wieder hoch, funkelte ihn vielsagend an und flüsterte:
„Schön brav sein, ja?“Er grummelte zustimmend. Dann raunte er schmunzelnd in mein Ohr.
„Du kleines Biest! Lektion verstanden.“
Ich wand mich wieder zu den beiden Jungs um, hakte sie unter und sagte fröhlich:
„Kommt mit meine Lieben, also das muss unbedingt begossen werden!“ Ich zog sie mit in die „Lasterhöhle“, ließ sie mitten im Raum einfach stehen und ging schnurstracks hinter den Tresen um für jeden von uns einen Drink zu mixen.
„Also, für meinen Schotten einen Whiskey auf Eis…, und wenn ich mich recht erinnere, war das ein eisgekühlter Wodka mit einem Spritzer Limone für dich Tiago, oh und für dich Jean, einen Long Island Icetea… nein, ich werde dir einen NS-Icetea mixen, der schmeckt besser. Ist ein Rezept von Lilli. So, und für mich einen Bacardi-Lemon, mit viel Lemon.“ Lächelnd hantierte ich eifrig mit den Gläsern und Flaschen, suchte die Zutaten zusammen und achtete nicht weiter auf die Männer.
„Wo war nochmal der Limonensaft? Ach ja, im Kühlschrank.“ Ich mixte die Drinks und stellte sie auf die Theke. Nur meiner fehlte noch.
„Erzählt doch mal, was machen denn die anderen so? Geht`s ihnen gut? Sind sie auch hier, oder…“ Ich goss gerade Lemon in mein Glas, als mir die plötzliche Stille auffiel. Irritiert hob ich meinen Kopf und blickte in die entgeisterten Gesichter von Jean und Tiago.

Seite 34

Sie standen immer noch da, wo ich sie losgelassen hatte und starrten mich an, als ob mir plötzlich zwei Köpfe gewachsen waren. Duncan stand mit gespreizten Beinen und verschränkten Armen neben ihnen und grinste breit. Verunsichert sah ich von einem zum andern.
„Was denn?“
Tiago flüsterte entsetzt, ohne mich aus den Augen zu lassen:
„Duncan, was hast du getan?“ Der Angesprochene zuckte nur gleichgültig mit den Schultern.
Erschrocken stellte ich die Flasche ab und sah mich blitzschnell in dem Raum um, in Erwartung hier irgendwo eine Leiche zu finden, als Jean mit todernster Grabesstimme feststellte:
„Du hast eine Frau hier rein gelassen!“
Oh bitte! Ich verdrehte die Augen und erhöhte die Bacardidosis in meinem Glas um einiges mehr.
Tiago und Jean lösten endlich ihren Blick von mir und sahen sich tieftraurig an.
„Mein Bruder… vorbei die Zeit der schmutzigen Witze und den Füßen auf dem Tisch!“ Jean wischte sich eine imaginäre Träne aus dem Gesicht und jammerte herzzerreißend.
„Keine trashigen Horrorfilme mehr… nur noch Happyendschnulzen.“ Tiago nickte nur ergeben, legte seinen Arm mitfühlend um Jean und blickte empört zu Duncan.
„Sag nicht, sie hat auch von den Zigarren…“Ich betrachtete mit finsterer Miene diese bizarre Szene und stemmt meine Fäuste in die Seiten.
„Nun kriegt euch mal wieder ein, ja?“
Doch sie machten mit dem Theater ungeniert weiter, und ignorierten mich einfach. Duncan dagegen schien sich köstlich zu amüsieren und lachte laut auf!
„Oh mein Gott! Kein Poker mehr? Müssen wir jetzt auf Bridge oder Rommee umsteigen?“Jean sah Duncan ernsthaft fragend an.
„Spielen wir jetzt nicht mehr um Geld, sondern nur noch um Gummibärchen?“
So, das reichte! Ich schnappte mir die Drinks und drückte sie Jean und Tiago gegen die Brust.
„Hier, ihr Spinner! Ha ha, sehr witzig! Nun macht euch mal nicht ins Hemd, Jungs! Ich werde schon euren heiligen Tempel nicht entweihen. Ihr könnt auch in Ruhe die netten Bilder hier weiter ansabbern! Ich werde mich hüten und irgendwas verändern oder ungefragt anfassen, ihr… nee, dass sag ich jetzt lieber nicht!“ Angesäuert wie ich war, kippte ich den Whiskey für Duncan ohne zu überlegen in einem Zug runter… was sich auch prompt rächte. Der Whiskey rannte wie flüssiges Feuer durch meinen Hals, der natürlich gleich anfing teuflisch zu brennen und mir Tränen in die Augen trieb. Mir blieb sofort die Luft weg! Oh Himmel, ich mochte doch gar keinen Whiskey! Mühsam blinzelte ich die Tränen zurück, während ich entsetzt in das leere Glas starrte, in dem nur noch die Eiswürfel schwammen. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Zum Glück reagierte Duncan sofort und lenkte die Jungs ab. Er wusste genau, dass ich so scharfe Sachen nicht vertrug, zog mich schnell zum Tresen und schlug mir wie beiläufig leicht auf den Rücken. Er hob mein Glas und sagte:
„Na los, Brüder, probiert mal die Drinks. Cheers! “ Während ich leise keuchend nach Luft rang, sahen sie ihn misstrauisch an, bevor sie endlich an ihren Gläsern nippten. Doch schnell verzogen sie anerkennen ihr Gesicht und nahmen noch einen tiefen Schluck. Ich hatte derweil Zeit, mich zu erholen und nahm Duncan dankbar das Glas mit Orangensaft ab, das er mir in der Zwischenzeit unauffällig eingeschüttet hatte und trank es fast in einem Zug leer. Tiago und Jean grinsten mich augenzwinkernd an und Tiago lachte.
„Ach Angie, war doch nur Spaß! Es war eben noch nie eine Frau hier.“
Als er meinen ungläubigen Blick sah, sprach er weiter.
„Doch, ehrlich, du bist die Erste, die hier einen Fuß über die Schwelle gesetzt hat.“ Duncan und ich machten es uns auf dem abgewetzten Sofa gemütlich, die Beiden lümmelten sich in die Sessel. Duncan hatte seinen Arm besitzergreifend um mich gelegt, und ich lehnte meinen Kopf an seine Schulter.

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Tiago beugte sich plötzlich vor und sah mir fast hypnotisierend in die Augen.
„So, jetzt kommt aber noch die wichtigste Frage überhaupt.“ Na, da war ich aber gespannt und unterdrückte mühsam ein Kichern, da der Whiskey bei mir zu wirken begann.
„Cinderella oder Terminator?“ Spontan antwortete ich gutgelaunt.
„Beides! Je nach Stimmung.“Tiago lehnte sich zufrieden grinsend zurück.
„Gute Antwort! Und nun zu deiner Frage, was die anderen Brüder betrifft. Tim, Eric und Cyrus müssten jetzt im Urlaub sein. Als wir in Miami in unsere Flieger stiegen, trennten sich unsere Wege. Jean und ich müssen hier noch einiges erledigen und sind auch in ein paar Tagen verschwunden.“ Er erzählte uns noch einige Anekdoten, die sich auf der Seraphim ereignet hatten, als wir schon abgereist waren. Ich mochte ihn einfach gerne, er war immer freundlich, hatte ein sonniges Gemüt und konnte so lustig erzählen, sodass wir öfters laut lachen mussten. Jean dagegen wirkte auf mich ein bisschen in sich gekehrt, als ich ihn verstohlen musterte. Er schien meinen Blick zu meiden und starrte in sein mittlerweile leeres Glas und hörte schmunzelnd zu. Innerlich seufzte ich und hoffte, dass er endlich seine kleine Schwärmerei für mich überwinden würde. Ich wünschte ihm eine liebevolle Gefährtin an seine Seite, eine, die nur für ihn bestimmt war. Denn er war immer noch ein besonderer Freund für mich, so wie Norbert es gewesen war. Plötzlich unterbrach Tiago meine Gedankengänge und machte den Vorschlag für uns das Abendessen zu zubereiten. Begeistert stimmten wir zu, besonders ich, da ich mich an seine kulinarischen Leckerbissen auf der Seraphim noch gut erinnern konnte. Und da wir alle ziemlichen hungrig waren, machten wir uns auch sofort auf den Weg in die Küche. Mary hatte ihren freien Tag, und wir somit ihr Reich ganz für uns. Tiago inspizierte den riesigen Kühlschrank und verdonnerte uns gleich zu niederen Arbeiten wie Gemüse putzen und Tisch decken. Sogar Duncan ordnete sich ihm widerspruchslos unter und hatte seinen Spaß. Erstaunt stellte ich fest, dass er sich eigentlich ganz geschickt in der Küche anstellte. Unter Tiagos Anleitung stand in kurzer Zeit ein köstliches Abendessen auf dem Tisch, das wir uns gut gelaunt schmecken ließen. Es wurde ein sehr lustiger und unterhaltsamer Abend.
Jean machte dann noch den Vorschlag morgen Vormittag einen alten Freund der Brüder zu besuchen, der in der Nähe des Anwesens wohnte. Jean lächelte mich an und sagte:
„Mit altem Freund meine ich wirklich alt. Georg ist ein Mensch, so um die 70, ein ziemlicher Eigenbrötler und ewig nörgelnder Junggeselle, aber eine gute Seele, auf die man sich immer verlassen kann. Er ist einer der wenigen Menschen, die magische Energie spüren und über uns Bescheid wissen. Oh, und er hält sich mindestens ein Dutzend Mäuse als Haustiere. Zumindest waren es so viele, als wir ihn das letzte Mal gesehen haben. Komm doch mit! Aber ich muss dich warnen. Er hat für Frauen nicht viel übrig, er ist ein alter Frauenhasser.“
Da brauchte ich nicht lange zu überlegen und kam sofort zu dem Entschluss, dass ich für solche Typen auch nichts übrig hatte! Mäuse als Haustiere… geht`s noch?! Kein Wunder, das Duncan diesen Georg nie erwähnt hatte!
„Oh nein, da bleibe ich lieber hier. Aber zieht ihr ruhig ohne mich los.“ Duncan sah mich zweifelnd an.
„Sicher? Macht es dir wirklich nichts aus?“ Beruhigend lächelte ich ihn an. Ich war eigentlich sogar ganz froh darüber, dass die drei morgen beschäftigt waren. So hatte ich die Gelegenheit heimlich bei Shadow vorbeizuschauen. Ich ließ mir nichts weiter anmerken und sagte:
„Nein, natürlich nicht. Ich muss dringend ein bisschen trainieren, sonst roste ich womöglich noch ein.“ Das war noch nicht mal gelogen. Ich wollte sowieso morgen in das Trainingszentrum, allerdings erst viel später. Als die Angelegenheit geklärt war, verabschiedeten Duncan und ich uns von den beiden und zogen uns zurück.
Am nächsten Morgen versicherte ich Duncan nochmal, dass es mir nichts ausmachte, hier zu bleiben und ich mich auf das Training freute. In Wirklichkeit brannte ich geradezu darauf Shadow wieder zu sehen. Natürlich liebte ich Duncan, er war schließlich mein Gefährte, dass hatte auch nichts damit zu tun, aber irgendetwas an Shadow faszinierte mich dermaßen, dass ich noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen hatte, als ich ungeduldig darauf wartete, bis die Drei sich nach dem Frühstück endlich auf den Weg machten. Duncan küsste mich zum Abschied und sobald sie außer Sicht waren, lief ich sofort nach oben und zog mich um. Ich tauschte schnell meine Trainingsklamotten gegen Jeans und ein schlichtes weißes T-Shirt mit V-Ausschnitt, bürstete mir die Haare und machte mich beschwingt auf den Weg.

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Shadow schien geahnt zu haben, dass ich vorbeikommen würde, denn er begrüßte mich freundlich lächelnd direkt an der Geheimtür. Dann führte er mich gleich zu dem Tisch, der für zwei Personen gedeckt war und der köstlich duftende Tee schon auf mich wartete. Ich freute mich sehr ihn zu sehen, obwohl sein Gesicht wieder zur Hälfte von dem merkwürdigen Schatten verdeckt war. Shadow vermied immer noch jede noch so kleine körperliche Berührung. Dieses Mal war Mythos nicht da, und so goss er den Tee ein. Er schlug seine Beine übereinander, lehnte sich mit seiner Tasse zurück und schien mich aufmerksam zu mustern.
„Sie sind ungewöhnlich… für eine Frau!“ Ich? Was hatte ich denn so Ungewöhnliches an mir? Verdutzt sah ich an mir runter, konnte aber nichts Besonderes entdecken. Schmunzelnd zeigte er auf meine nackten Füße. Oh! Achselzuckend gestand ich ihm lächelnd, dass ich gern barfuß lief und schon mal vergaß Schuhe anzuziehen. Er schüttelte daraufhin nur amüsiert seinen Kopf. Dann beugte er sich plötzlich vor und fragte mich lauernd:
„Und? Haben sie Duncan gestern von unserer Begegnung erzählt?“ Seine Anspannung konnte ich förmlich spüren.
„Nein. Aber wenn er mich fragen sollte, werde ich ihm sofort die Wahrheit sagen! Ich würde ihn niemals anlügen.“ Das hatte ich mir noch immer vorgenommen. Er seufzte tief und murmelte leise:
„Natürlich.“
Dann wechselte er das Thema und es wurde ein sehr interessanter Vormittag. Mit seiner angenehmen Stimme erzählte mir nicht nur von seiner Sammelleidenschaft, sondern zeigte mir auch die Gegenstände, die er im Laufe der Jahrhunderte zusammengetragen hatte. Darunter waren viele Dinge von Frauen, berühmten Frauen der Geschichte, die ihm ihre Besitztümer bereitwillig überlassen hatten. Unter anderem besaß er einen kostbaren goldenen Armreif von Elizabeth I., sogar von Kleopatra lag so eine Art Gürtel in einer der Vitrinen. Aha! Demnach hatte er wohl im Laufe seines langen Lebens zahlreiche Affären gehabt, stellte ich innerlich schmunzelnd fest. Er musste schon ziemlich alt an Jahren sein, was man ihm aber in keinster Weise ansah. Auf meine vielen Fragen antwortete er mir immer ausführlich und geduldig. Allzu vertrauliche und private Fragen vermied ich bewusst, da ich mittlerweile wusste, dass er sie nicht mochte. Er schien mir zu vertrauen und im weiteren Verlauf unseres Gespräches bot er mir das Du an. Nur als ich ihn nach dem verhangenen Bild über dem Kamin fragte, verzog er schmerzlich seinen Mund und presste die Lippen zusammen. Seine ganze Haltung war plötzlich abweisend und unnahbar. Wortlos drehte er sich um. Oh, hatte ich da vielleicht an etwas gerührt, was ihm unangenehm war?
„Tut mir leid, das wollte ich nicht“, murmelte ich und hätte beinahe meine Hand auf seine Schulter gelegt. Doch er entspannte sich schon wieder und ich überbrückte das verlegene Schweigen, indem ich zu dem großen runden Tisch ging auf dem Excalibur wieder lag. Ich fragte ihn, ob er es wirklich von König Arthur hatte. Shadow war mir gefolgt und antwortete, erleichtert über den Themenwechsel, ganz locker.
„Ja, er hat es mir zur Aufbewahrung gegeben. Auch die Tafelrunde, also den Tisch und die 12 Stühle. Die hat er mir überlassen, als sich die Ritter in alle Winde zerstreut hatten und er mit Genevieve aus Camelot in ein kleines, unbekanntes Schloss umgezogen war. Einen Stuhl, den 13., hat er behalten.“
„Momentmal! Gab es nicht, laut Legende, nur 12 Ritter? Und wer war der 13. Ritter? Oh, du Shadow? Ich sah ihn perplex an.
„Ja, ich gehörte auch mit zu der Tafelrunde seinerzeit, allerdings nicht sehr lange… Arthurs Geschichte wurde zur Legende. Dafür haben wir gesorgt, damit er mit seiner Familie in Ruhe und Frieden leben konnte, nachdem die Machtspiele und Kriege unter den Stämmen und Clans fast vorbei waren.“
Ich hätte ihm noch stundenlang zuhören können, doch leider war meine Zeit mit ihm viel zu schnell vorbei. Da ich ja noch immer vor hatte in das Trainingszentrum zu gehen, verabschiedete mich von ihm und versprach ihm, so bald wie möglich wiederzukommen. Er begleitete mich noch bis zur Tür. Plötzlich jedoch tat er etwas völlig unerwartetes. Er streckte eine Hand aus und berührte mit seinem Finger ganz sachte meine Wange. Doch genauso schnell wie der Augenblick kam, war er auch schon vorüber. Offensichtlich überrascht von seiner eigenen Geste, drehte er sich abrupt um und murmelte im Weggehen so etwas wie „bis morgen dann“. Überrascht sah ich ihm nach und fasste an die Stelle, wo sein Finger mich berührt hatte. Auf der Haut spürte ich ein merkwürdiges Prickeln, das nur ganz langsam nachließ.

Fortsetzung folgt…

Kapitel 1: “Seitensprung der Sisterhood – Ankunft in Schottland

Kapitel 2: Seitensprung der Sisterhood – Das Anwesen der Bruderschaft

findet sich hier.

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30 Kommentare
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  1. Neuer Artikel: Seitensprung der Sisterhood – Geheimnisse http://bit.ly/eOqUfl

  2. Boooooooooooooooooah Angie.
    Superschöner Teil. hmm was die Polly wohl meint.
    Und wo der Duncan immer hin muss ey. Armer Leif aber da kann die Angie doch echt nix dafür.
    Wodka Duncan Bett hmmmmm :lol: Angie hat es schon echt schwer.
    Wie wann und wo gehts weiter?

  3. Wow, das ist ja mal wieder absolute Klasse. Angie, du verstehst es, die Spannung zu halten! Die Bemerkung von Polly macht schon ganz schön neugierig, was hat sie da wohl noch gesehen? Und Duncan in geheimer Mission. Bin gespannt wie ein Flitzebogen.

  4. Wow.. Mein Duncan, hahahahah, heimlich beim Frisör gewesen, was? ;)
    Danke meine Lieben… und dir natürlich auch Dolcemaus. Nur, äh.. Angie hat ja dem Duncan den Mund zugehalten, tja, da kann er doch gar nicht antworten. Da war eigentlich die Angie gemeint. Ist aber auch nicht so wichtig.
    Ja, da kommt noch einiges. ;)

  5. Das Bild ist echt klasse… hach, mit Schwert und so…

  6. Das sind ja gleich 3 Dinge auf einmal…..
    Duncan, Wodka, Bett….hhmm? Schwere Endscheidung.
    Angie,wieder mal genial geschrieben.
    Ey,ich kriege langsam Minderwertigkeitskomplexe.
    Ihr schreibt so toll und soviel und ich ?
    Ich freu mich auf die Fortsetzung.

  7. Yeah – Angie hat sich beeilt! Ladies, genießt die spannende Fortsetzung und trefft dabei einen alten Bekannten wieder! Viel Spaß @ all und super @ Angie ;-)
    LG

  8. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangie. Oberhammer… ey ich war so neugierig was hinter der Tür ist und ach wow. Alles wow von A-Z da kann ich einzeln gar nichts hervorheben und mörderspanndend.
    Der Gründer omg Angie hat sich zum Gründer durchspioniert, wow!!!!

    Ich liebe dein Kapitel.

  9. Wow, einfach nur WoW.
    Ey,ich hör auf zu schreiben.
    Gegen deinen Romanteil komme ich nicht an.
    Du bist sowas von Genial.
    Bitte Angie,schreib ein Buch. Ein richtiges Buch
    Mit Psydonüm(?), meinetwegen Uschi aus dem Fichtenwald,egal.
    Aber schreib bitte ein Buch. Dolce würd dich bestimmt unterstützen,
    und wir natürlich auch. Und ich würde sofort eins kaufen.
    Angie..WoW.

  10. Ohh mein Gott, ist das ein Klasse-Oberhammer-Teil! Superspannend Angie! Du bist einfach genial.
    Jetzt bin ich mal gespannt, wer der Gründer wohl ist. Kennen wir ihn? Oh Gott ist das spannend. Supergenial!

  11. Danke meine Hasen, freut mich, dass es euch so gefällt. :-D
    Ich kenne den Gründer ja auch nicht… mal abwarten, was da noch so kommt. ;)
    Uuui, und noch ein schönes Bild von Duncan. Danke Dolce!!!!

  12. Ersteeeeeeeeeeeeeeeeee!!!!

    Angie Hammer Hammer, Teeparty mit dem Gründer King of the Daemons!!!!. Wow!
    Tiago und Jean-boy ;) und Angie der Frauen-Feind-Eindrinling im Männerparadies…. einfach genial … alles ich sehe das Anwesen vor mir also alles ach waaaaaaaaaaaaaaahnsinn. Das warten hat sich wieder mal sehr gelohnt.

    Ich liebe deine Teile.

  13. oops – wie gibt´s denn so was? Ich hab´s doch gerade erst online gestellt, Doc, kannst du Gedanken lesen? Ja, da hat unsere Angie wieder einen schönen Teil geschrieben. Was ist eigentlich mit deiner Kreativität, liebe Doc? Ist es zu kalt für Gedankenspiele in deiner Wohnung? Ach ja, und du musst dir unbedingt einen Topf voll Schnee in die Wohnung stellen, dann hast du wenigstens ein bisschen Schmelzwasser für deinen Kaffee morgen. ;-)
    LG

  14. Ich hab auf der Lauer gelegen…. und jetzt is es schon wieder zu Ende :(

    Dolce, ich schreib bald auch noch was aber muss noch wat drüber nachdenken und momentan alles wat viel, bin da irgendwie ungemust :D , nein nicht ganz aber es will noch nicht so recht raus….
    Tja mit dem Schnee gute Idee, ich könnte auch den vom Balkon nehmen aber hmmm ach nee da schikaniere ich doch lieber die Handwerker das dir mir das kurz wieder anstellen :D

  15. Oooh Doc, die Muse hat mich ja fest in ihren Krallen, aber ich kann sie dir auch gerne schicken. :-D
    Und da ist noch nix zu Ende, da kommt noch jede Menge. ;)
    Danke für die Bilder Dolce, hach… Jean und Tiago.

  16. Naja, den anderen Schwestern hat es wohl nicht so gefallen… :-(
    Aber vielleicht gefällt ihnen ja die Fortsetzung.

  17. ach, das glaube ich nicht, wahrscheinlich haben sie gar nicht gesehen, dass du einen neuen Teil geschrieben hast. Den allerneuesten habe ich bekommen, vielen Dank! Versuche ihn heute Abend noch reinzustellen, hatte bislang leider noch keine Zeit ihn zu lesen, aber ich freue mich schon darauf…. ;-)
    LG

  18. Doch doch Angie,ich hab es gelesen und es wieder mal genossen.
    Freu mich auf deine Fortsetzung.
    Und ich bin total neidisch, mittlerweile.

  19. wow, wow,wow – was geht denn hier ab? Angie, du wirst doch nicht…? Oder ist Shadow am Ende etwa Duncan? Fragen über Fragen – hochspannend! ;-)
    LG

  20. Boah Angie Knaller und haha der Tiago und der Jean… ach schön… uh hättest vllt besser noch einen Whiskey hinterher, der zweite brennt kaum noch… is ja schon betäubt alles. Oha die Tafelrunde. Wie shadow ist duncan? ey…. stimmt der ist immer weg wenn Angie bei shadow ist…. wow dolce, du liest wohl viele Krimis… auf die Kombination bin ich noch gar nicht gekommen, die ist guuuuuuuut! Oder es prickelt weil mhmm brause an den fingern. öhm is der orden dann die tafelrunde reloaded??? Jetzt möchte ich auch bitte noch genauere erklärungen. schreib mal schnell weiter bitte.

    Und ich bin echt begeistert was für ne tolle runde story du da schreibselt…. du bist super Angie!

  21. wieso benötige ich eine freigabe vom Admin ??? :(

  22. Tja…nix genaues weiß man nicht, gell?! :-D
    Manchmal kommt es anders als man denkt… ;)

  23. Doc, da hilft auch kein 2. Whiskey mehr, wenn frau sich das Gebräu nochmal hat durch den Kopf gehen lassen. Das war zu der Whiskey-Cola Zeit. Ganz schlimm ist es, wenn es dabei in der Nase schäumt… bah! :-(
    Da ist frau dann ganz schnell von dem Zeug weg! ;)

  24. Haha ja gut ok. So gehts mir ja mit Apfelkorn und Genever oder Jenever weiss jetzt gar nicht wie man das schreibt, da gabs auf dem Schützenfest immer U-Boot… det rote Schnäppsken mit glas in dat Bierchen rein und tschüss pfuui hahahahaha.

    Also whiskey trinke ich ja gerne mal, am liebsten Shivas Regal… hab mir sogar echt mal Lagavulin geholt aber damit kannste dir am besten alles vorm Zahnarzt mti betäuben :lol: Shivas on the Rocks (auch wenn das für echte Whiskeytrinker eine Sünde ist) geht aber sehr gut find ich.

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