Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 16/2008

Platz 1 : Feuchtgebiete von Charlotte Roche
Platz 2 : Die Tore der Welt von Ken Follett
Platz 3 : Laienspiel von Volker Klüpfel und Michael Kobr
Platz 4 : Ein liebender Mann von Martin Walser
Platz 5 : Das Schicksal der Zwerge von Markus Heitz
Platz 6 : Bis(s) zum Abendrot von Stephenie Meyer
Platz 7 : Vergebung von Stieg Larsson
Platz 8 : Bis(s) zur Mittagsstunde von Stephenie Meyer
Platz 9 : Das Wochenende von Bernhard Schlink
Platz 10 : Tausend strahlende Sonnen von Khaled Hossein

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 16/2008

Platz 1 : Die letzte Spur von Charlotte Link
Platz 2 : Drachenläufer von Khaled Hosseini
Platz 3 : Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann
Platz 4 : Scheintot von Tess Gerritsen
Platz 5 : Verblendung von Stieg Larsson
Platz 6 : Tender Bar von J. R. Moehringer
Platz 7 : P.S. Ich liebe Dich von Cecelia Ahern
Platz 8 : Der Mann, der niemals lebte von David Ignatius
Platz 9 : Zusammen ist man weniger allein von Anna Gavalda
Platz 10 : Tannöd von Andrea Maria Schenkel

Kenneth Branagh spielt Kurt Wallander von Hennig Mankell

Der britische Schauspieler Kenneth Branagh, 47, ist bekannt für die Kunst, William Shakespeare mit seinen Rollen in Viel Lärm um nichts und Henry V ins Kino zu bringen. Jetzt führt ihn ein neues Engagement vom Mittsommernachtstraum zum Mittsommermord in Skandinavien.

Branagh übernimmt die Rolle des von Hennig Mankell erdachten Kommissars Kurt Wallander in einem Projekt, bei dem die BBC und ARD-Tochter Degeto drei Romane Mankells neu fürs TV aufbereiten. Die Dreharbeiten werden Mitte April in Schweden beginnen, heißt es bei der Degeto. Ebenfalls beteiligt ist die schwedische Firma Yellowbird, die die Rechte an Die falsche Fährte, Mittsommermord und Die Brandmauer hält.

Alle drei Romane waren bereits vom ZDF und dem schwedischen Fernsehen verfilmt worden, damals mit Rolf Lassgard in der Hauptrolle. Für die ARD ermittelte zuletzt der Schwede Krister Hendirksson als Wallander, die Produktion entstand nicht nach Romanen Mankells, sondern basierte auf Drehbüchern, die der Autor extra fertigte. Die Besonderheit: Hier arbeitete Wallander zusammen mit seiner Tochter Linda. Dreizehn Fälle entstanden mit der Hauptdarstellerin Johanna Sällström, nach deren tragischen Tod im Februar 2007 die Fortsetzung des Projekts ungewiss war. Die Schauspielerin wurde am 13. Februar 2007 gegen 23 Uhr tot in ihrer Wohnung im Malmöer Stadtteil Ribersborg aufgefunden. Die Polizei, die keinerlei äußere Gewalteinwirkung feststellen konnte, sah davon ab, eine offizielle Todesursache mitzuteilen. Verwandte und Kollegen der Schauspielerin sowie Mediziner des Universitätsklinikums Malmö, in dem sie zeitweilig untergebracht war, bestätigten jedoch aufkommende Gerüchte und teilten mit, dass Johanna Sällström Selbstmord begangen hatte.

Alle Wallander-Fernsehfilme beruhen auf Romanfiguren, die im südschwedischen Städtchen Ystad zuhause sind. Dort ist durch die TV-Produktionen mittlerweile ein kleine Filmindustrie entstanden.

Für Buchtrinker und Seitenfresser mit dem Faible für Ringelnatz

Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

„Knochiges Sturmhaubengesicht…geiernder Raubritterschädel!“ – Kommentare wie diese muss Joachim Ringelnatz ein Leben lang über sich ergehen lassen. Dass er nicht wirklich das Bild eines Liebhabers abgibt, weiß niemand besser als er selbst: “ Ich bin überzeugt, dass mein Gesicht mein Schicksal bestimmt. Hätte ich ein anderes Gesicht, wäre mein Leben ganz anders, jedenfalls viel ruhiger verlaufen.

Ringelnatz leidet unter seiner Erscheinung, vor allem unter seiner großen Nase, die er schon früh bedichtet:

Hans freite des Nachbars Liesel so gern
Da drüben über der Straße.
Und sagt ihm die Liesel:
Sie mag keinen Mann
mit einer so langen Nase.

Joachim Ringelnatz, eigentlich Hans Bötticher (1883-1934), war Abenteurer, Seemann, Minensuchboot-Kommandant, Artist und Bohemien aus Sachsen (Leipzig). Die Nazis verboten ihm 1933 Kabarett-Auftritte und beschlagnahmten seine Bücher, ein Jahr später starb er völlig mittellos in Berlin. Sein Werk aber bleibt in der deutschen Literatur unsterblich. Seine Zeitgenossen liebten seine skurrilen und trotzig optimistischen Texte.

„Sein eigentliches künstlerisches Element war die Sprachphantastik, das erfinderische Spiel des Wortes, das er mit handwerklichem Sinn für Farbe und Kraft behandelte; das konnte lärmende Kaskaden geben, aber die besten seiner Verse soll man still und schlicht lesen, und dann schenken sie keine gedichtete Journalistik, sondern etwas sehr Altmodisches: Poesie.†œ Theodor Heuss

Tilman Spengler erhält den Literaturpreis der Stadt München

Der Schriftsteller und Publizist Tilman Spengler erhält den mit 10000 Euro dotierten diesjährigen Literaturpreis der Stadt München. Spengler prägte den intellektuellen Diskurs in Deutschland und belebe mit seiner kulturellen Vermittlungsarbeit den Münchner Literaturbetrieb, so die Jury. Die Auszeichnung wird am 16. Juni verliehen.

Der Literaturpreis der Stadt München war 1927 bzw. 1957 als Förderpreis Literatur gegründet worden. 1991 wurde er umgewandelt in die Auszeichnung mit der heutigen Benennung und seither alle zwei Jahre verliehen, dotiert mit 10.000 Euro.

Seit 1999 wird dieser Münchner Literaturpreis, wie er auch genannt wird, alle drei Jahre vergeben, im Wechsel mit dem Publizistikpreis der Stadt München und dem Übersetzerpreis der Stadt München. Dabei wurde die Preissumme auf 10.000 Euro erhöht.

Die Auszeichnung will „ein in Stil und Gehalt herausragendes literarisches Gesamtwerk†œ würdigen. Die Preisträger müssen dabei „aus der Region München stammen oder eine enge Verbindung zu München als Ort ihrer Herkunft oder ihres Schaffens haben†œ.

Tilman Spengler, geboren am 2. März 1947 in Oberhausen, ist ein deutscher Autor und seit 1980 Mitherausgeber der Zeitschrift Kursbuch. Er ist mit der Schauspielerin Daphne Wagner verheiratet und hat eine Tochter.

Spengler studierte in Heidelberg, Taipeh und München Sinologie, Politologie und neuere Geschichte und war mehrere Jahre am Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt (kurzzeitiger Name „Max-Planck-Institut für Sozialwissenschaften†œ) in Starnberg tätig.

Neben seiner akademischen Tätigkeit publiziert er u. a. regelmäßig in der Zeit und in Geo. 1991 veröffentlichte er die Romanbiografie „Lenins Hirn†œ, die in einundzwanzig Sprachen übersetzt wurde. 2003 erschien sein Erzählband „Wenn Männer sich verheben†œ.

Spengler ist Gründungsmitglied der Lübecker „Gruppe 05†œ. Seit Mai 2006 steht Spengler dem Sinologie Heidelberg Alumni Netzwerk (SHAN) e. V. (Sinologisches Seminar der Universität Heidelberg) als Kuratoriumsmitglied zur Seite.

Kurzbeschreibung
Dr. Vogt, Hypnotiseur, Nervenarzt im Hause Krupp, Direktor am Kaiser-Wilhelm-Institut – reale Geschichtsgestalt und Held dieses Romans, – hat eine Mission. Selbst unzweifelhaft ein Genie, möchte er ein für alle Mal den Sitz des Genialen im menschlichen Gehirn dingfest machen. Sein edelstes und politisch heikelstes Untersuchungsprojekt: Lenins Hirn.
Tilman Spengler erzählt virtuos und höchst unterhaltsam das bisher unbekannte Lebensschicksal eines der bedeutendsten Neurologen des 20. Jahrhunderts. In souverän ironischer Verknüpfung realer Ereignisse mit den fiktiven Elementen des großen Gesellschaftsromans führt der Autor die vergeblichen Fortschrittshoffnungen der Medizin vor.