Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 26/2012

Platz 1 : Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson

Platz 2 : Bretonische Verhältnisse von Jean-Luc Bannalec

Platz 3 : Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry von Rachel Joyce

Platz 4 : Reiches Erbe: Commissario Brunettis zwanzigster Fall von Donna Leon

Platz 5 : Die Tribute von Panem 02. Gefährliche Liebe von Suzanne Collins

Platz 6 : Die Tribute von Panem 03. Flammender Zorn von Suzanne Collins

Platz 7 : Die Tribute von Panem 01. Tödliche Spiele von Suzanne Collins

Platz 8 : Das Alphabethaus von Jussi Adler-Olsen

Platz 9 : Bestimmt – House of Night 9 von Kristin Cast, P. C. Cast

Platz 10 : Todesherz von Karen Rose

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 26/2012

Platz 1 : Das Mädchen auf den Klippen: Roman von Lucinda Riley

Platz 2 : Das Lächeln der Frauen: Roman von Nicolas Barreau

Platz 3 : Tschick von Wolfgang Herrndorf

Platz 4 : Sieben Tage ohne von Monika Peetz

Platz 5 : Unter Haien von Nele Neuhaus

Platz 6 : Der Sommer ohne Männer von Siri Hustvedt

Platz 7 : Sterbenskalt von Tanja French

Platz 8 : Die fernen Stunden von Kate Morton

Platz 9 : Todesmelodie von Andreas Franz

Platz 10 : Die Perspektive des Gärtners von Håkan Nesser

Quelle: Spiegel Online Kultur

Schattendämonen 03 – Nybbas Blut von Jennifer Benkau

Sie haben alles für den Fall der Fälle bis ins kleinste Detail geplant. Sollte Nicholas (Nybbas) dem Luzifer in die Hände fallen, genügt nur ein einziges Codewort und Joana ist gewarnt. Als plötzlich „CUT“ auf dem Display ihres Handys erscheint, bedeutet das sofortige Flucht für sie. CUT bedeutet aber auch den sofortigen, unwiderruflichen Abbruch ihrer Beziehung. Doch Joana hält sich nicht an die Regeln, die sie beide festgelegt haben, denn ein einschneidendes Ereignis lässt sie nach ihrem geliebten Nicholas suchen.

Dreck!„… wie Nicholas sagt, als er in Luzifers Fänge gerät und der, oder vielmehr sie, denn Luzifer steckt in dem Körper einer wunderschönen Frau, ihn zu unterwerfen versucht. „Ich gehöre niemandem. Ich bin der Gaukler. Nie dient er höheren Zwecken oder dem Richtigen oder dem Falschen. Nur der Unterhaltung. Dem, der zahlt. Und das nur sich selbst zuliebe„, versucht Nicholas mit allen Mitteln seine Lebensphilosophie zu verteidigen. An Körper und Geist unter der Folter fast zerbrochen, bleibt ihm jedoch nicht mehr viel Zeit, sich seinem Peiniger zu widersetzten. Ein verwegener Plan reift in ihm, um dem Vertrag mit Luzifer zu entkommen. Er pokert um einen Ausweg und der Einsatz ist erschreckend hoch. Als Joana sich gegen seine ausdrückliche Anweisung widersetzt und ihn aus den Fängen des Luzifers befreit, ist der Preis, den er dafür zahlen muss, beachtlich und belastet bedauerlicherweise ihre Beziehung.

Mary, Joanas Mutter, die erst in diesem Band einen wichtigen Auftritt hat, erzählt ihr einige unliebsame Wahrheiten über sich, die Ehe mit ihrem Vater und über Joana, die so manches in ein anderes Licht rücken lässt. Sie wird zu einer bedeutenden Mitstreiterin an ihrer Seite, genau wie Tomte, der Fuchs, mit seinen liebenswürdigen Schwächen. Er ist ein Freund, auf den sich Joana in den schwierigen Zeiten verlassen kann. Denn es droht ein Krieg unter den Fürsten der Finsternis, deren Ausmaße alles bisher Dagewesene weit zu übertreffen vermag. Und es gibt nur eine Lösung, die ist allerdings wahnsinnig gefährlich und hat geringe Aussicht auf Erfolg.  Doch gemeinsam sind sie bereit, das Risiko zu tragen, auch wenn es heißt, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.

Joana wächst über sich hinaus, sucht nach ihrem Nicholas und begibt sich dabei tapfer in die Höhle des Löwen, Verzeihung, in die Villa des Dämons. Noch nie habe ich sie so mutig und entschlossen erlebt, wie in diesem Band. Sie kämpft wie eine Löwin für ihren Nybbas, für ihre Liebe, und lässt sich nicht einmal von Erdbeben und Flutwellen aufhalten.

Ohne Umschweife, direkt wieder mitten ins Geschehen, zieht uns der Roman um Dämonen, Liebe, Vertrauen und Hoffnung in seinen Bann. In diesem alles entscheidenden dritten Band lässt Jennifer Benkau dem Leser einfach keine Chance, sich dem zu entziehen. Fesselnd und unbarmherzig treibt sie ihre Protagonisten Seite um Seite zu einem Finale, das dramatischer und zugleich feinfühliger nicht sein kann.
Die Autorin versteht es wunderbar, uns mit Nicholas, der so vieles auf sich nimmt und fast daran zerbricht, um seine Joana zu schützen, leiden zu lassen. Es tut richtig weh ihn so an der Schwelle des Todes, seinen Leidensweg unter der Folter des Luzifers und ihn fast darunter zerbrechen zu sehen. Die außergewöhnliche Liebe zwischen Joana und Nicholas ist so traumhaft schön beschrieben, dass jeder Angriff auf sie mich selbst getroffen hat.

Die Trilogie der Schattendämonen hat in meinen Augen einen sehr würdigen Abschluss gefunden, auch wenn ich zutiefst bedauere, dass sie schon zu Ende ist. Die vorherigen zwei Bände sollte man aber unbedingt gelesen haben. Wer möchte, kann eine Rezensionen zum zweiten Teil, der im Juni 2011 unter dem Titel „Nybbas Nächte“ erschienen ist, hier nachlesen.

Der Lesekreis bedankt sich ganz herzlich bei Angie für diese schöne, begeisterte Rezension und beim Sieben Verlag für die freundliche Überlassung eines Rezensionsexemplares.

Die Taschenbuchausgabe von Schattendämonen 03 – Nybbas Blut von Jennifer Benkau umfasst 384 Seiten und ist für 14,90 Euro im Sieben Verlag erschienen.

Kurzbeschreibung
Lieben werde ich dich immer. Aber kann ich dir das Leben lassen? Dass der rachsüchtige Luzifer ihre Spur aufnehmen und sie finden würde, hatten Joana und Nicholas nie bezweifelt. Als es soweit ist, tritt Nicholas minutiös durchdachter Plan in Kraft. Ein Plan, der Joanas Leben retten soll und den Nybbas auf direktem Weg in die dunkelste Hölle führt. Der Luzifer ist gerissen und dem Nybbas droht, sich in dessen Fängen zu verlieren. Joana ist nicht bereit, Nicholas aufzugeben. Doch Hilfe zu holen, würde bedeuten, einen Krieg zwischen den Dämonenfürsten heraufzubeschwören, die ihre Kämpfe mit Waffen wie Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen austragen. 2012 muss sich Joana entscheiden, ob die Rettung eines Dämons das mögliche Ende der Welt wert ist. Ohne zu wissen, ob ihr Dämon überhaupt noch gerettet werden will.

Informationen über die 33-jährige Autorin Jennifer Benkau finden sich hier auf ihrer Homepage.

Liao Yiwu erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012

Liao-Yiwu © Elke-Wetzig

Der 53-jährige Schriftsteller chinesische Schriftsteller, Dichter und Musiker Liao Yiwu erhält den mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, teilte der Stiftungsrat des Börsenvereins am 21. Juni 2012 mit.

Liao Yiwu, der international durch sein Buch Fräulein Hallo und der Bauernkaiser: Chinas Gesellschaft von unten bekannt wurde und dessen Werke aufgrund seiner kritischen Haltung zur chinesischen Regierung in der Volksrepublik China verboten sind, wird die Auszeichnung während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 14. Oktober 2012, in der Paulskirche verliehen.

Liao Yiwu habe sprachmächtig und unerschrocken gegen die politische Unterdrückung aufbegehrt und den Entrechteten seines Landes eine weithin hörbare Stimme verliehen, lautet die Jurybegründung. Er setze in seinen Büchern und Gedichten den Menschen am Rand der chinesischen Gesellschaft ein aufrüttelndes literarisches Denkmal. Der Autor, der am eigenen Leib erfahren habe, was Gefängnis, Folter und Repression bedeuten, lege als unbeirrbarer Chronist und Beobachter Zeugnis ab für die Verstoßenen des modernen China.

Das Manuskript seines Werks „Für ein Lied und hundert Lieder“, in dem er von der Entmenschlichung durch rohe Gewalt in chinesischen Gefängnissen erzählt, wurde mehrfach von den Behörden beschlagnahmt; er habe es immer wieder neu geschrieben und konnte es schließlich im Exil veröffentlichen. Als Volksschriftsteller im umfassenden Sinn stehe er ein für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie.

Über den Autor
Liao Yiwu, geboren am 04. August 1958 in der Provinz Sichuan, wuchs als Kind von Eltern ohne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in der großen Hungersnot der 60er Jahre auf und schlug sich jahrelang mit verschiedensten Tagelöhner-Jobs durch. 1989 publizierte er das epische Gedicht Massaker, in dem er das Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens anprangerte. Hierfür wurde er vier Jahre inhaftiert und zum Teil schwer misshandelt. Die chinesische Ausgabe von Fräulein Hallo und der Bauernkaiser wurde sofort nach Erscheinen verboten. 2007 wurde Liao Yiwu vom Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrum mit dem Preis Freiheit zum Schreiben ausgezeichnet, dessen Verleihung in letzter Minute verhindert wurde.

Im Oktober 2012 erscheint im Fischer Verlag ein neues Buch von Liao Yiwu unter dem Titel Die Kugel und das Opium: Leben und Tod am Platz des Himmlischen Friedens.

Kurzbeschreibung
„Die ruhelosen Seelen von 1989, die Opfer von 1989, meine Brüder, die Väter und Mütter von 1989, im Himmel, unter der Erde, im Regen und vom Wind davongeweht, wie sie waren, ich verneige mich vor euch.« Liao Yiwu Am frühen Morgen des 4. Juni 1989 mobilisierte die chinesische Regierung die Volksbefreiungsarmee, um die friedlichen Demonstrationen Zehntausender Studenten niederzuschlagen, die mehr Freiheit und Demokratie forderten. Am Platz des Himmlischen Friedens richteten sie ein Massaker an, das die Welt schockierte. Wie viele Menschen die Panzer niederrollten, wie viele Studenten von Soldaten erschossen oder zu Tode geprügelt wurden, gab die chinesische Regierung nie bekannt. Liao Yiwu, der über das Massaker ein Gedicht verfasste und dafür vier Jahre inhaftiert wurde, führte über Jahre hinweg heimlich Interviews mit Augenzeugen und Angehörigen der Opfer. Entstanden ist ein ebenso schockierendes wie bewegendes Zeugnis der unfassbaren Ereignisse vom 4. Juni und eine Verneigung vor den mutigen Menschen, die für ihre Überzeugungen mit ihrem Leben einstanden.

Quelle Foto: Liao Yiwu © Elke Wetzig/CC-BY-SA (Wikipedia)

Was ich dir schon immer sagen wollte: Dreizehn Erzählungen von Alice Munro

Alle kennen den Katalog der falschen Vorstellungen, denen wir in den fünfziger Jahren anhingen; es ist zu leicht, sich darüber lustig zu machen, zu verkünden, Reife wurde angezeigt durch den Besitz einer Waschmaschine und die Unterdrückung politischer Unzufriedenheit, durch die Leidenschaft fürs Kinderkriegen und für Kombiwagen. Zu leicht und nicht ganz die Wahrheit, denn es lässt etwas aus, was, denke ich, rührend war an unserer Tapsigkeit und Bravheit, unserer Liebe zu Grenzen„, resümiert die Ich-Erzählerin in „Sag mir, JA oder NEIN„, eine der dreizehn Erzählungen der kanadischen Schriftstellerinnen Alice Munro aus dem Jahr 1974.

In dem Erzählungsband „Something I†™ve Been Meaning to Tell You„, der erstmals im März 2012 in einer deutschsprachigen Übersetzung von Heidi Zerning unter dem Titel „Was ich dir schon immer sagen wollte: Dreizehn Erzählungen“ im Dörlemann Verlag erschienen ist, geht es immer darum, dass selten die „ganze Wahrheit“ gesagt wird und es oftmals gerade die unausgesprochenen Worte und vergehende Momente der Klarstellung sind, die kein Zurück mehr zulassen.

Die einzelnen Erzählungen der damals 43-jährigen kanadischen Schriftstellerin geben detaillierte Einblicke in Lebensabschnitte von Menschen, zumeist Frauen, von Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre. Sie werfen kritische Blicke auf ihre Jugend, Eltern, Geschwister oder Ehemänner unter dem Einfluss kultureller Veränderungen und eigener Reife.

In „Sag mir, JA oder NEIN“ verpasst die Ich-Erzählerin die Gelegenheit ihren Geliebten darüber aufzuklären, was die Beziehung ihr bedeutet hat. Plötzlich meldet er sich nicht mehr. Die Suche nach ihm führt sie zu seiner Ehefrau. Er ist tot, erfährt sie und erhält einen Stapel Briefe, die letztendlich aber von einer anderen Geliebten geschrieben wurden. „Sei´s drum. Ich habe dich erfunden, soweit es meine Zwecke anbelangt. Ich habe erfunden, dich zu lieben, und ich habe deinen Tod erfunden. Ich habe auch meine Tricks und Falltüren. Ich verstehe zwar zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, was sie bewirken, aber ich muss vorsichtig sein, ich werde nichts gegen sie sagen„, versucht sich die Erzählerin zu trösten.

Eileens Mutter hatte Plätzchen gebacken, Tee gekocht und sie nachts geweckt, um mit ihr zu teilen. Sie gönnten sich Marmelade. Eileen war gierig und ängstlich zugleich. Dass in der Nacht das Telefon geklingelt und man ihrer Mutter mitgeteilt hatte, dass der Vater im Krieg gefallen war, verschwieg sie ihrer Tochter. Eileen kann das nächtliche Plätzchenfest in „Gedenken“ nicht vergessen und vor allem nicht mit ihrer jüngeren Schwester June, die zu klein war, um aufzustehen, darüber sprechen.

Ich werde dir einen Brief schreiben und dir sagen, wo ich bin. Vielleicht kannst du mich besuchen?„, sagt er ihr in „Wie ich meinem Mann kennenlernte“ zum Abschied und verschwindet für immer aus ihrem Leben. Sie wartet zwei Jahre vergeblich auf die versprochene Nachricht und heiratet den Postboten. Er erzählt den Kindern immer die Geschichte, wie sie sich an ihn heranmachte, indem sie jeden Tag neben dem Briefkasten saß… und natürlich lässt sie ihn, schließlich ist es ihr lieber, wenn andere denken, was ihnen gefällt und was sie glücklich macht.

Alice Munro ist eine aufmerksame Erzählerin. Behutsam nähert sie sich ihren lebensnahen Figuren und findet Erklärungen dafür, was sie schon immer sagen wollten, aber nicht konnten. Wie durch ein Mikroskop betrachtet sie Verhaltensmuster, die das Leben bestimmen und nicht durchbrochen werden können. Die dreizehn Erzählungen sind von einer Intensität, die für lange Zeit nachdenklich stimmt, außerordentlich und faszinierend geschrieben.

Gebundene Ausgabe: 377 Seiten, erschienen am 15. März 2012.

Der Lesekreis bedankt sich ganz herzlich beim Dörlemann Verlag für die freundliche Überlassung eines Rezensionsexemplares.

Kurzbeschreibung
Flirrend zwischen Zorn und Versöhnung
In den dreizehn Erzählungen ihres zweiten Erzählbandes Was ich dir schon immer sagen wollte von 1974, der jetzt erstmals auf Deutsch erscheint, stellt Alice Munro ihre präzise Beobachtungsgabe und den ihr eigenen unprätenziösen Erzählstil, für die sie in unseren Tagen so berühmt ist, unter Beweis. Diese Meisterschaft ließ keinen geringeren als John Updike sie mit Tschechow vergleichen, und Jonathan Franzen greift den Vergleich immer gerne wieder auf, wenn er von Alice Munro schwärmt und sie in seinen Interviews unermüdlich als mögliche nordamerikanische Literaturnobelpreisträgerin ins Spiel bringt. Flirrend zwischen Hoffnung und Liebe, Zorn und Versöhnung suchen die Schwestern, Mütter, Töchter, Tanten, Großmütter und Freundinnen in diesen Geschichten immer neue Wege, ihre Vergangenheit und ihre Gegenwart und das, was sie von der Zukunft zu wissen glauben auszusöhnen.

Über die Autorin
Alice Munro, geb. 1931 in Ontario, gehört zu den bedeutendsten Autorinnen der Gegenwart und gilt seit Jahren als Kandidatin für den Literaturnobelpreis. Mit ihrem umfangreichen erzählerischen Werk sie hat elf Erzählungsbände und einen Roman veröffentlicht ist sie Bestsellerautorin in ihrem Heimatland Kanada und der gesamten angelsächsischen Welt.Heidi Zerning übersetzt seit vielen Jahren englische und amerikanische Literatur, unter anderem Truman Capote, Steve Tesich, Virginia Woolf und eben Alice Munro, als deren „deutsche Stimme“ sie gilt.