Die Vorleser gehen – Denis Scheck bleibt uns erhalten…

… zumindest so lange, bis er reich ist und es weiterhin schafft, die Erwartungen seiner Mutter von Sendung zu Sendung zu übertreffen, sagte Denis Scheck in einem Interview, das das Börsenblatt am 03.01.2011 veröffentlichte.

Die Frage lautete: „Wie lange machen Sie das noch, Herr Scheck„? Gemeint ist die Literatursendung „Druckfrisch – Neue Bücher mit Denis Scheck„, die seit dem 09.02.2003 ohne Unterbrechung in der ARD läuft. Viele andere Literatursendungen wurden inzwischen eingestellt.

Elke Heidenreichs „Lesen! im ZDF“ endete am 23.10.2008 nach ihrer Kritik zur Fernsehpreis-Verleihung an Marcel Reich-Ranicki abrupt.

Götz Alsmann und Roger Willemsen waren als mögliche Nachfolger für die Moderation einer Literatursendung  im ZDF im Gespräch. Im Juli 2009 kamen dann aber „Die Vorleser“ Amelie Fried und Ijoma Mangold als Moderatoren-Duo.

Zwei sympathische Figuren, die laut Spiegel Online „unter dem Gähn-Titel „Die Vorleser“ antraten, aber eben auch die letzten, die man irgendwie schrill finden könnte. Müde streuselten sie ihre Feuilleton-Floskeln wie Zucker über die Neuerscheinungen des Jahres. Mit dem Spielzeug Fernsehen wussten beide im Grunde nichts anzufangen. Sie lächelten viel. Aber das reichte nicht.“

Am 03.12.2010 wurde die letzte Sendung „Der Vorleser“ ausgestrahlt. „Die Sendung vom 3. Dezember war die letzte„, bestätigt Programmdirektor Thomas Bellut dem „Spiegel“. Ein neues Literaturformat mit dann neuen Moderatoren werde nicht vor dem Sommer starten. Bellut räumt ein: „Es war sicher auch unser Fehler, dass wir auf eine Doppelmoderation gesetzt hatten.“

Eine weitere Doppelmoderation scheiterte im WDR mit Christine Westermann und Werner Köhler schon Ende 2009. Unter dem Titel „west.art“ liefen lediglich drei Sendungen (Oktober bis Dezember 2009), bevor auch dieses Format eingestellt wurde.

Mir wäre es sehr recht, wenn das ZDF und Elke Heidenreich eine Friedenspfeife rauchen und einen Neuanfang wagen würden. Bis dahin bleibt uns, vorausgesetzt die ARD zahlt weiterhin Honorare die nicht reich machen, wenigstens Denis Scheck und „Druckfrisch“ erhalten.

Eindrucksvolle Shortlist zum Deutschen Hörbuchpreis 2011

Am 03.01.2011 wurden die Nominierungen zum Deutschen Hörbuchpreis 2011 bekanntgegeben. 60 Verlage reichten im letzten Jahr 2009 Hörbücher ein; in den Kategorien „Bestes Kinderhörbuch„, Beste Information„, „Beste Fiktion„, „Das besondere Hörbuch„, „Beste Interpretin„, „Bester Interpret“ und „Beste verlegerische Leistung“ nominierte die Jury jeweils drei Hörbücher für die Shortlist.

Die ersten Sieger-Titel werden am 9. Februar, die restlichen am 14. Februar bekanntgegeben. Alle Gewinner werden am 16. März 2011 während der Gala zum Deutschen Hörbuchpreis, die gleichzeitig die Auftaktveranstaltung der lit.COLOGNE ist, gekürt.

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Bestes Kinderhörbuch

„Kuckuck, Krake, Kakerlake“ – Ungekürzte Lesung von Bibi Dumon Tak, Andreas Manhart, Leslie Malton, und Andreas Fröhlich
Kurzbeschreibung
Die verrückte Welt der Tiere zum Lachen, Lernen, Lustigfinden! Wer kennt den Wasserreservoirfrosch? Das dsungarische Zwerghamstermännchen? Diese Tiere gibt es tatsächlich und sie sind nicht nur selten, sondern haben auch besondere Fähigkeiten: Der Frosch verwandelt sich in trockenen Zeiten in eine Mumie und der Hamster ist ein begabter Geburtshelfer. Und wussten Sie schon, dass es Fische gibt, die hungrigen Delfinen einfach davonfliegen? Mehrfach ausgezeichnete Buchvorlage u.a. nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010. Als Hörbuch umgesetzt mit vielen verschiedenen Sprechern. Für Tierliebhaber und alle, die neugierig sind!

„Polinas Geheimnis“ von Nina Blazon (Autorin) und Katharina Thalbach (Sprecherin)
Kurzbeschreibung
Die Zwillinge Erik und Joanna haben schon jede Menge Kindermädchen in die Flucht geschlagen. Aber die seltsame Neue ist nicht so leicht zu knacken. Und bald wird Erik klar: Diese Polina hat etwas zu verbergen.
Die Geschichte des witzigen Au-Pair-Mädchens Polina werde in der DAV-Eigenproduktion von Katharina Thalbach kongenial gesprochen, schwärmt Geschäftsführer Amadeus Gerlach. „Sie lässt den Charme dieser humorvollen und herrlich skurrilen Kinderfrauenfigur lebendig werden und ist für unser Hörbuch ein wahrer Glücksfall. Kleine Machtkämpfe zwischen Polina und den Zwillingen Joana und Erik bringen viel Farbe in die komischen und zum Schmunzeln einladenden Alltagssituationen.“

„Ruchlose Rivalen: Piratenwort wird nicht gebrochen“ von Leuw von Katzenstein und Jörg Mühle
Kurzbeschreibung
Jack Sparrow kann seinen Hut nehmen, jetzt kommt Käpt’n Buckelbert! Gemeinsam mit seinen wilden Kumpanen sticht der Piratenkapitän in See, um seinen alten Erzfeind Boje Eisenfuß zu finden. Doch es weht ein rauher Wind auf den Sieben Weltmeeren…
Als Pirat a. D. hat man es nicht leicht. Käpt n Buckelbert ist zwar reich und glücklich verheiratet mit Libella von Lissabon, aber das sesshafte Leben tut ihm nicht gut. Er setzt Fett an, Alpträume plagen ihn, seine Tobsuchtsanfälle sind gefürchtet. Da trifft es sich gut, dass ihm ein Arzt aus fernen Landen eine geeignete Medizin empfiehlt. Das Problem: Es gibt davon auf der ganzen Welt nur eine winzige Menge, und die befindet sich ausgerechnet im Besitz von Buckelberts altem Erzfeind, Boje Eisenfuß, der immer noch irgendwo auf den sieben Weltmeeren kreuzt. Also heuert Buckelbert seine alten Kumpane an, geht mit Friedrich dem Ruchlosen, seinem Raben, an Bord und sticht wieder in See …
Mit der Fortsetzung von „Schrecken der Ozeane“ entfacht Leuw von Katzenstein erneut einen Sturmwind von Ideen und wilden Piratenabenteuern, bei denen der Humor garantiert nicht untergeht und die Spannung hohe Wellen schlägt.

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Beste Information

„Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ von Gabriele Tergit, Volker Kühn und Walter Plathe
Kurzbeschreibung
Käsebier ist eine leuchtend traurige Episode im großen Berliner Schicksalskarussell des deutschen Bürgertums in der Stunde seines beginnenden Niedergangs. Er steht stellvertretend für viele – damals, später und heute. Darum ist Gabriele Tergits Großstadtroman aus dem Berliner Presse- und Gesellschaftsmilieu der zwanziger Jahre nicht nur eine nostalgische Erinnerung an eine angeblich goldene Zeit, sondern vielmehr ein Zeitroman von erstaunlicher Aktualität.
„Ein Stoff, den man nicht einfach nur runterlesen lassen kann, sondern in Form eines Hörspiels produzieren muss†œ, sagt Hörbuchproduzent Alfred Wagner von duo-phon.

Worte und Musik: Piano: Steffen Schleiermacher, feat. Filmorchester Babelsberg von Erik Satie, Deutsches Filmorchester Babelsberg, Steffen Schleiermacher, und Dietmar Mues von Hoerbuchedition Words & Music
Kurzbeschreibung
Erik Satie, ein Pionier von beziehungslosen Harmonien surrealistischer Sprach- und Musikexperimente, hinterließ ein erstaunliches Gesamtwerk. Jedoch schuf er vor allem mit seiner Musique Pure einen wichtigen Eckstein innerhalb der musikgeschichtlichen Entwicklung. Durch Einfachheit, seine Abkehr von Dramatik durch das Weglassen des Unwesentlichen und die Aufgabe von Funktionsharmonik, gelang ihm eine reine, unverfälschte Musik. In den Trois Gymnopédies äußert sich diese Rückkehr zum Schlichten in einem antivirtuosen Satz, einem simplen, zwischen zwei Akkorden pendelndem Begleitmodell und modalen Zügen in Melodik und Harmonik. Er verzichtete auf Leittonspannungen und schaffte somit Vorraussetzungen für den reinen Ton – die sich selbst gestellte große Herausforderung seines Lebens.

„Nelly Sachs, Schriftstellerin, Berlin /Stockholm“ von Hans Magnus Enzensberger, Aris Fioretos, und Nelly Sachs
Kurzbeschreibung
Gedichte, Prosatexte und Briefe, Interviewsequenzen und historische O-Töne verbinden sich zu einem akustischen Portrait von Leben und Werk der Schriftstellerin Nelly Sachs. Zu hören sind Originaltöne von Nelly Sachs und Paul Celan, Kommentare von Aris Fioretos und Hans Magnus Enzensberger. Die Schauspielerin Katharina Marie Schubert interpretiert Texte von Nelly Sachs.
„Ein gelungenes Porträt einer zu unrecht in Vergessenheit geratenen Schriftstellerin, das Originaltöne, kluge, kenntnisreiche Kommentare, Erinnerungen an Begegnungen und zahlreiche Zitate in einer Weise mischt, die einen willkommenen Kontrast zur Autorenlesung bieten†œ, begründet die Jury die Nominierung.

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Beste Fiktion

„Das Geisterhaus“ von Isabel Allende
Kurzbeschreibung
Es ist die Geschichte einer Familie sowie die Geschichte eines Landes. Es ist eine Chronik von Gewalt, Ungerechtigkeit und Vergeltung, aber auch von Liebe, Sehnsucht und Magie. Es ist der Weltbestseller von Isabel Allende. Ein großer Roman wird zu einer grandiosen Hörspieladaption zum Hör-Rausch, zum großen Kino für die Ohren. Unter der Regie von Walter Adler und mit brillianten Sprechern gelingt es, die pralle Familiensaga in 560 Minuten effektvollen Hörspielgenuss zu packen.
Der Weltbestseller als aufwendiges Hörspiel mit über 70 Rollen und Sprechern. Vor allem Ulrich Matthes als Erzähler sorge für eine packende Atmosphäre, so die Jury. „Subtile Dialogregie, gelungene Musik, stimmige Geräusche und akustische Differenzierung verdichten sich zu einer mediengerechten Umsetzung des Lesestoffes in eine eigene Form.†œ

„Hinduhans“ von Michael Stauffer, Hans Koch und Ueli Jäggi
Kurzbeschreibung
Lakonische Beobachtungen, nüchterne Erkenntnisse und bittersüsse Heimwehgefühle eines vorübergehend in Indien weilenden Schweizer Musikers namens Hans, der sich langsam in einen Hindu zu verwandeln scheint.
„Mit den vielen O-Tönen aus Indien vermittelt diese wirklich faszinierende Produktion einen unterhaltsamen und intensiven Einblick in eine andere Welt. Nicht zuletzt lebt das Hörspiel vom Sprecher Ueli Jäggi, der ja schon den Deutschen Hörbuchpreis für seine herausragende Leistung erhalten hat†œ, so Oliver Bolanz vom CMV

„Atemschaukel“ von Herta Müller und Ulrich Matthes
Kurzbeschreibung
“Ein atemberaubendes Meisterwerk.“ Michael Naumann, Die Zeit
Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. “Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15ºC.“ So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen.In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff für dieses überwältigende Buch gesammelt, das ein fast unbekanntes Kapitel der europäischen Geschichte in der zutiefst individuellen Geschichte eines jungen Mannes erzählt und in unvergesslichen Bildern sichtbar macht. Die Buchausgabe ist für den Deutschen Buchpreis 2009 nominiert.

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Das besondere Hörbuch mit der Vorgabe „Beste Bearbeitung“

„Öland“ von Johan Theorin, Traugott Buhre, Astrid Meyerfeldt und Udo Schenk
Kurzbeschreibung
Ein dunstig-kühler Spätsommertag. Vorsichtig klettert ein kleiner Junge über die Steinmauer eines einsamen Hauses und blickt auf die grasbewach­se­ne Ebene Ölands. Er tritt in den Nebel hinaus und verschwindet ohne jede Spur. Niemand, nicht die Familie, nicht die Polizei und kein Helfer aus dem Suchtrupp, sieht ihn je wieder. Zwanzig Jahre später erhält Julia, die Mutter des Jungen, einen ungeheuerlichen Anruf von ihrem Vater: Es gibt einen Hinweis, sie soll nach Öland zurückkehren und ihm bei der Suche nach ihrem verschwunde­nen Sohn helfen. Es geht das Gerücht, der unheilbringende Nils Kant sei der Mörder. Aber Nils Kant liegt seit vielen Jahren begraben, er ist gestorben, lange bevor der Junge verschwand. Manch einer dagegen behaup­tet, er wandere noch immer über die weite Kalk­ebene von Öland.
„Eine raffinierte Inszenierung, die auf den Erzähler verzichtet, ganz bei den Figuren bleibt und einen unglaublichen Sog in die Geschichte hinein erzeugt†œ, lobt die Jury. „Diese schlüssige Reduktion funktioniert als eigenständige Umsetzung der Vorlage und ragt weit über die bündig inszenierten 70 Minuten Spielzeit hinaus.†œ

„Das Haus: House of Leaves“ von Mark Z Danielewski (Autor), Claudia J. Leist, Martin Zylka, Jörg Schlüter, Tom Schilling (Sprecher) und Wolfram Koch (Sprecher)
Kurzbeschreibung
Will Navidsons Nerven liegen blank. Sein neu gekauftes Haus hat plötzlich Türen, wo keine sein dürften. Dahinter: der Zugang zu einem Höhlensystem, das sich ständig verändert. Bei dessen Erforschung kommt es zu mysteriösen Zwischenfällen. Wohin verschwinden die Menschen im Labyrinth? Welcher Schrecken wartet in der Dunkelheit? Das Haus gilt als »die literarische Sensation des 21. Jahrhunderts«, seine Umsetzung als Hörspiel schrieb Radiogeschichte: Erstmals wurden drei WDR-Hörspiel-Versionen eines Romans simultan auf drei Wellen gesendet. Jetzt gibt es dieses Ereignis als Hör-DVD †“ für unbegrenztes Horror-Zapping.

„Don Quijote von der Mancha“ von Miguel de Cervantes
Kurzbeschreibung
Jeder kennt Don Quijote, den Ritter, und seinen weltklugen Knappen, Sancho Panza. Wortreich und wunderbar absurd sind die Gespräche, in denen die beiden Helden streiten und philosophieren, während sie sich von ihren Blessuren kurieren. Zweihundert Jahre nach Ludwig Tieck, der den „Don Quijote“ zum entscheidenden Werk der Romantik machte, erhält der Klassiker mit Susanne Langes Neuübersetzung nun auch im Deutschen die sprachliche Dimension, die er im Original besitzt. In einem reichhaltigen Anhang wird das Goldene Zeitalter in Spanien beleuchtet, werden biographische und geschichtliche Hintergründe aufgezeigt sowie die jüngsten Erkenntnisse der Quijote-Forschung mitgeteilt.
„Die Entscheidung, den 600 Seiten umfassenden Roman mit der Vielzahl handelnder Personen auf drei Stimmen zu beschränken und den beiden Protagonisten sowohl die Erzähl- als auch die Dialog Passagen zuzuordnen, verdichtet die Vorlage zu einer suggestiven, eigenständigen Hör Version. Die stimmige Interpretation der Neu-Übersetzung des Klassikers eröffnet so die Möglichkeit, einen vermeintlich bekannten Text neu zu entdecken.†œ

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Beste Interpretin

Laura Maire für das Hörbuch „Nichts †“ Was im Leben wichtig ist“ von Janne Teller
Kurzbeschreibung
„Nichts bedeutet irgendetwas, das weiß ich seit Langem. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.“
Auf das Leben folgt der Tod. Auf die Bedeutung das Vergessen. Auf den Anfang das Ende. Als Pierre Anthon das erkennt, steigt er auf einem Pflaumenbaum und verbringt dort seine Tage. Gerda, Elise, Jan-Johan und all die anderen Kinder in der Stadt finden Pierre Anthon Verhalten nicht nur provozierend, es macht ihnen auch Angst schließlich liegt die Zukunft verheißungsvoll vor ihnen. In einer verlassenen Sägemühle beginnen sie Dinge zusammenzutragen, die ihnen etwas bedeuten. Doch die Aktion, die beweisen soll, dass sich Pierre Anthon irrt, läuft bald aus dem Ruder …
Von der eigentlich 31 Jahre alten Schauspielerin, die hier wie ein Teenager klingt, war die Jury fasziniert: „Laura Maire fühlt sich gekonnt in den Text ein und liest ihn mit einer mädchenhaften Lakonie, die das im Text angelegte Spannungsverhältnis zwischen der Haltung der Erzählerin und den Geschehnissen perfekt transportiert.†œ

Sophie Rois für „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ von Alina Bronsky
Kurzbeschreibung
Jenseits des Urals herrschen klare Verhältnisse: Die Tatarin Rosalinda bestimmt, ihr Gatte Kalganow spurt, und ihre Tochter Sulfia benimmt sich schlecht. Es mangelt an vielem, aber nicht an Ideen, und schon gar nicht an Willenskraft. Es steht also immer etwas Scharfes auf dem Tisch, und alle größeren Malheurs, die Sulfia anrichten könnte, werden verhindert. Nur ihre Schwangerschaft nicht, und auch nicht die Geburt von Aminat, dem genauen Gegenteil ihrer Mutter: schön, schlau, durchsetzungsfähig – ganz die Großmutter eben.
Rosalinda steht zum ersten Mal einem Geschöpf gegenüber, das ihr ebenbürtig ist, und wird die leidenschaftlichste Großmutter aller Zeiten. Im ungleichen Kampf zwischen der glücklosen Sulfia und der rücksichtslosen Rosalinda wird das Mädchen zur Wandertrophäe – und der Hörer zum Zeugen haarsträubendster Ereignisse, komischster Szenen, schlagfertigster Dialoge.
Alina Bronsky gelingt eine Glanzleistung: Sie lässt ihre radikale, selbstverliebte und komische Hauptfigur die Geschichte dreier Frauen erzählen, die unfreiwillig und unzertrennlich miteinander verbunden sind – in einem Ton, der unwiderstehlich ist. Durch drei Jahrzehnte und diverse Schicksalsschläge führt sie die ungleichen Frauen, und der Leser folgt ihr atemlos …
Voller Gefühl, Sinnlichkeit, Drastik und Exotik: ein scharfer Frauenroman!

Barbara Nüsse für „Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörzerin Courage“ von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen
Kurzbeschreibung
Die stärkste Frau der deutschen Literatur – und die echte Mutter Courage. Der große Erfolg seines Abenteuerlichen Simplicissimus Deutsch in den Jahren 1668/69 brachte Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen erst so richtig auf den Geschmack am Ausspinnen seiner Geschichten. Ein Jahr später ließ er dem großen Buch einen kürzeren Roman folgen, dessen Held zwar weiblich, aber beileibe kein Kind von Traurigkeit ist: die Landstreicherin, Marketenderin, Soldatin, Hure und nachmalige Zigeunerkönigin Courage. Mit atemberaubender Wucht erzählt sie von ihrem wüsten Leben und listenreichen Überleben in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges.

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Bester Interpret

Peter Matic für die Gesamtausgabe von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ Marcel Proust
Kurzbeschreibung
Zehn Jahre lang schrieb Marcel Proust an seinem grandiosen und zeitlosen Meisterwerk Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Auf über 4000 Seiten entfaltet er eine ganze Welt im Verstreichen ihrer Zeit: das Drama von Liebe und Eifersucht, die Intrigen der Gesellschaften in den Pariser Salons, Gedanken über Literatur, Musik und Kunst, die Poesie der Landschaft und den Geschmack der Erinnerung. Acht Jahre lang las Peter Matic jeden Winter mehrere Wochen lang im Studio des Rundfunks Berlin-Brandenburg Prousts Roman. Wort für Wort, Zeile für Zeile. Seine kluge, nuancierte Interpretation bringt alle Facetten des vielschichtigen Werks zum Glänzen. Ein Hörbuch, das seinesgleichen sucht.
Fast 10.000 Minuten und †“ ohne Pause gerechnet †“ fast eine ganze Woche (!) trägt Peter Matic auf gleichbleibend hohem Niveau durch das Monumentalwerk.

Burghart Klaußner für das Hörbuch „Schuld“ von Ferdinand von Schirach
Kurzbeschreibung
Der Erzählungsband „Verbrechen“ von Ferdinand von Schirach hat die Leser im deutschsprachigen Raum begeistert und bewegt, wie es Büchern nur ganz selten gelingt. Nun legt der als die literarische Entdeckung des Jahres 2009 gefeierte Autor und Strafverteidiger einen neuen Band Geschichten vor. Ein Mann bekommt zu Weihnachten statt Gefängnis neue Zähne. Ein Junge wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Die neun Biedermänner einer Blaskapelle zerstören das Leben eines Mädchens und keiner von ihnen muss dafür büßen Neue Fälle aus der Praxis des Strafverteidigers von Schirach die der Autor von Schirach in große Literatur verwandelt hat. Mit bohrender Intensität und in seiner unvergleichlichen lyrisch-knappen Sprache stellt er leise, aber bestimmt die Frage nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld und nach der moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns.

Christian Brückner für „Schau heimwärts, Engel“ von Thomas Wolfe
Kurzbeschreibung
Home, sweet home Doch die Verhältnisse, in die Eugene Gant hineingeboren wird, sind alles andere als heimelig. Der Vater, ein jähzorniger Alkoholiker, die Mutter, eine berechnende Krämerseele: Kein Wunder, dass Eugenes Elternhaus zur Keimzelle zwischenmenschlicher Dramen wird. Aber bei aller Erbitterung und Zwietracht der Gants erweist sich ihr Clan auch als Hort unbändigen Lebenswillens.
„Brückner lockt, verblüfft, erstaunt und schaufelt Wissen in unsere Köpfe †“ und macht so den Hörer zum Teilnehmer einer anhaltend spannenden literarischen Entdeckungsreise“, schwärmte die Jury. „Er tastet den Text mit allen Facetten seines Könnens subtil ab und schleicht sich mit einer unglaublich freundlich klingenden Stimme förmlich in das Ohr des Hörers. Dann geht der Text ins Herz und erobert schließlich als dritte Station den Verstand.“

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Beste verlegerische Leistung

Der Schweizer Christoph Merian Verlag für „Blösch“ von Beat Sterchi und Sebastian Mattmüller
Kurzbeschreibung
Beat Sterchi hat mit ‚Blösch‘ einen der wichtigsten Schweizer Romane der Gegenwart geschrieben. Er erzählt vom Leben eines Spaniers, der als Knecht auf einen Schweizer Bauernhof kommt, von seinem friedlichen Leben mit den Kühen und von den nicht so friedlichen Dorfbewohnern. Immer mehr verlagert sich der Schwerpunkt des Romans vom Bauernhof auf den Schlachthof, wo man schließlich dem Spanier wieder begegnet, der inzwischen dort seinen Lebensunterhalt verdient.
„Die Aufnahmen entstanden an den Orten, an denen der Roman spielt: im Kuhstall, auf dem Bauernhof, auf der Weide und im Schlachthof. Die so entstandenen Klangwelten sind Teil der Produktion, sie geben dem Hörbuch einen audiophilen Reiz.“

Der Düsseldorfer Kleinverlag Cybele Records für seine Musik-Hörbuch-Reihe „Edition Künstler im Gespräch“, die die wichtigsten musikalischen Künstler der Moderne porträtiert.
„Wir freuen uns riesig über die erneute Nominierung unserer Edition, ganz besonders über die diesjährige Kategorie ‚Beste verlegerische Leistung‘!†œ, so Mirjam Wiesemann und ihr Ehemann Ingo Schmidt-Lucas, die sich in der verlegerisch-künstlerischen Arbeit innerhalb der Reihe ergänzen. „Mit der Edition möchten wir zeitgenössische Musik in neuem Licht erscheinen lassen, um sie einer breiteren Zielgruppe näher zu bringen und letztendlich mehr Verständnis und Interesse für Kunst und Künstler im Kontext ihrer jeweiligen Zeit, ihres persönlichen Lebens, Arbeitens, Fühlens und Denkens zu erzeugen.†œ

Random House Audio für seine „Marx total“-Box, die einen vermeintlich überholten Stoff facettenreich zu Gehör bringt.
Kurzbeschreibung
Völker leert die Regale!
Der Kapitalismus in der Krise: Nicht nur Linke suchen neue Ansätze zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme. Kein Wunder, dass Karl Marx und seine sozialistischen Ideen Hochkonjunktur haben. Aber wer war der Mann, was hat er gesagt und geschrieben? Auf all diese Fragen gibt „Marx total†œ auf unterhaltsame, kluge und großartig gelesene Art und Weise Antwort.
Marx & Engels Intim: Marx ging ins Exil nach London, wo er bis zum Lebensende 1883 blieb und sein sehr berühmtes Werk „Das Kapital†œ verfasste. Sein Kumpel Engels beteiligte Sich noch an den letzten revolutionären Kämpfen in Baden. Als diese schließlich niedergeschlagen wurden, setzte auch Engels sich ins Exil ab.
Das Manifest der Kommunistischen Partei: Ein Text, der die Welt veränderte Dass ein Aufsatz die geistige und politische Welt grundlegend verändern kann, wird bei keinem Text so augenscheinlich wie bei diesem. Er ist Grundlage und Ausgangspunkt ökonomischer Systeme, politischer Konflikte und nicht zuletzt einer Vielzahl von Missverständnissen, die bis heute das politische Bewusstsein prägen.
Karl Marx: Marx war ein Jude, dessen Familie zum Protestantismus konvertierte. Ein Streiter für die Arbeiterklasse, der wann immer finanziell möglich, einem bourgeoisen Lebensstil frönte und stolz auf seine adelige Ehefrau Jenny von Westphalen war. Ein wütender Agitator und Kritiker, der die meiste Zeit seines Lebens zurückgezogen arbeitete.
„Neben den bedeutenden Inhalten bietet die Marx-Box auch ein wahres Star-Ensemble: Gregor Gysi, Harry Rowohlt, Harald Krassnitzer und Christian Brückner †“ was will man mehr?“

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Der nächste Schritt ist die Kür der Gewinner bis zum 14.02.2011. Die Preisverleihung findet am 16. März in Köln zum Auftakt der lit.COLOGNE statt.

Neu ist, dass die Gala im Radio neben WDR 5 und hr2-Kultur auch über den NDR live übertragen wird, da dieser nun ebenfalls Mitglied im Verein Deutscher Hörbuchpreis ist. Ebenso neu ist die geänderte Moderation: Die Gala 2011 wird von Katty Salié und Dieter Moor präsentiert.

Wer den Abend nicht nur akustisch verfolgen möchte, sollte den Video- oder DVD-Recorder programmieren: Erneut sendet 3sat die Aufzeichnung im TV †“ in der Nacht vom 19. auf den 20. März um 0.30 Uhr.

Quelle: BuchMarkt

2011: Kleist-Jahr mit neuen Büchern, Ausstellungen und Aufführungen

Nahezu mittellos und innerlich „so wund, daß mir, ich möchte fast sagen, wenn ich die Nase aus dem Fenster stecke, das Tageslicht wehe tut, das mir darauf schimmert“ (Brief an Marie von Kleist vom 10. November 1811) nahmen die Gedanken an einen Freitod überhand. Heinrich von Kleist suchte und fand eine Begleiterin für diesen Weg, die an Krebs erkrankte Henriette Vogel. Mit deren Einverständnis erschoss Kleist am 21. November 1811 am Stolper Loch, dem heutigen Kleinen Wannsee, im Südwesten Berlins zuerst seine Begleiterin und dann sich selbst.  Damals galt Heinrich von Kleist als Beispiel für die verheerenden Folgen romantischer Poesie, 100 Jahre später erkor man den Dichter zum modernen Klassiker und nun, 2011, soll ein Kleist-Jahr von überbordener Fülle veranstaltet werden.

Am 04. März 2011 wird das „Kleist-Jahr“ in Frankfurt an der Oder, wo der deutsche Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist  geboren wurde, aufwuchs und in der Familie den einzigen festen Anhaltspunkt hatte, offiziell eröffnet.

U. a. mit der Vernissage „Materialitäten. Kleists Handschriften†œ im Kleist-Museum, erstem Spatenstich für den Museumsneubau und Festakt zur Eröffnung in der Taufkirche Heinrich von Kleists.

In Frankfurt und im Stadtmuseum Berlin wird von Mai an eine große Kleist-Ausstellung unter dem Titel „Krise und Experiment“ zu sehen sein.

In Heidelberg widmet sich ab Juni eine Ausstellung den „Etappen der Werkgeschichte“.

Das Berliner Maxim-Gorki-Theater veranstaltet ein Kleist-Theaterfestival, „Einen Kleist“ heißt das Projekt der Gruppe Rimini-Protokoll.

Einige biographische Miniaturen, Erzählungen, Studien und Biografien über Heinrich von Kleist erscheinen in diesem Jahr neu. Nachfolgend eine Auswahl:

„Kleist: Krise und Experiment„ von dem Germanisten Günter Blamberger erscheint im Mai 2011 im Kerber Verlag.
Kurzbeschreibung
Heinrich von Kleist durchlebte um 1800 die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche in Deutschland und hatte persönlich, obwohl von adeliger Abstammung, zeitlebens instabile Lebensverhältnisse. Aus fortwährenden Krisenerfahrungen heraus entwickelte er Ideen und Lebensentwürfe, in denen gesellschaftliches Reformdenken und literarische Experimente einander durchdrangen. Der vorliegende, reich bebilderte Katalog zum Kleistjahr 2011 beleuchtet im Spiegel von Kleists Werk- und Lebensexperimenten diesen Zusammenhang von Krise, Kritik und Reformideen im Vergleich auch zu der Jahrhundertwende 2000 †“ historisch fundiert und mit Fokus auf die überraschende Modernität Kleists aus heutiger Sicht.

„Küsse, Bisse“ Insel-Almanach auf das Jahr 2011: Heinrich von Kleist von Jens Bisky (Herausgeber)
Kurzbeschreibung
Heinrich von Kleist, der schon früh gelernt hatte, „Bisse†œ auf „Küsse†œ zu reimen, war ein Fachmann für extreme Emotionen. Intensive Empfindungen, das Aufbrausen wie das rasche Verebben, die starke Seelenbewegungen begleiten, kannte er aus eigenem Erleben. Und er hat dieses Auf und Ab, dieses Schwanken von einem Extrem ins andere kaum einem seiner Helden erspart. Indem er den Mittelweg ablehnte, sich selbst und seine Figuren zur Konsequenz zwang, stand er gegen die lebenskluge, aufgeklärte Moral seiner Zeit. Ihr setzte er seine Kunst der Extreme entgegen. Der Almanach zum Kleist-Jahr 2011 lädt ein, den unglücklichen Dichter als Virtuosen der großen Gefühle zu entdecken. Porträtiert werden der Liebhaber Kleist, der Freund, der Propagandist des Hasses und der Ruhmbegierige. In der Inszenierung des Doppelselbstmords am Wannsee kommen sie alle zusammen, vereinen sich Liebe, Vertrauen, Entsetzen und Ehrgeiz. „Der Mensch†œ, heißt es im Käthchen von Heilbronn, „wirft alles, was er sein nennt, in eine Pfütze, aber kein Gefühl.†œ

Heinrich von Kleist – Biografie von Günter Blamberger
Die Biographie zum 200. Todestag Heinrich von Kleists am 21.11.2011 erscheint am 11.02.2011 im Fischer Verlag.
Wie kein anderer deutscher Dichter hat Kleist die Leser fasziniert. Doch was ist sein Geheimnis? Woher kommt die Tragik seines Lebens? Was sagt uns sein Werk heute?
In seiner großen Biographie zeichnet Günter Blamberger einen neuen Kleist: Anders als üblich erzählt er nicht vom Ende her, vom Selbstmord, sondern wählt die offene Perspektive, das Präsens, den Augenblick, wie er von Kleist selbst erlebt worden ist. Damit gelingt es ihm, das Beunruhigende und Staunenswerte offenzulegen, den Zündstoff in Kleists Leben und Werk zu zeigen. Entstanden ist das packende und anschauliche Porträt eines der großen deutschen literarischen Genies †“ die definitive Biographie für unsere Zeit.

Kleist: Eine Biografie von Gerhard Schulz erscheint am 16.02.2011 im C. H. Beck Verlag.
Die große Kleist-Biographie von Gerhard Schulz zeichnet die Lebensgeschichte eines Dichters nach, der es schwer mit vielem, am schwersten aber mit sich selbst hatte. In den politisch bewegten Zeiten der Napoleonischen Kriege suchte er ruhelos nach einer Bestimmung für sein Leben. Aber als er sie in der Literatur gefunden hatte, versagten ihm seine Zeitgenossen die Anerkennung dafür. So endete er sein Leben von eigener Hand.
Kleist, scheu wie er war, neigte dazu, seine Lebensspuren zu verwischen, und da sein Ruhm erst allmählich nach seinem Tode zunahm, haben auch andere sich lange Zeit nicht darum gekümmert. Wo hat er, der nach Liebe suchte, sie tatsächlich gefunden? Was trieb ihn auf immer neue Reisen? Diente er als Agent im Kampf gegen Napoleon? War Goethe für ihn jene übermächtige Gestalt, die er zu übertreffen suchte? Und schließlich: was hat sein Werk, um dessentwillen wir uns für ihn interessieren, mit diesem allen zu tun?
Darauf antwortet dieses Buch, ohne sich den vielen Mutmaßungen und Legenden zu unterwerfen, mit denen Kleists Leben bis heute umstellt ist. Entstanden ist eine lebendige und anschauliche Erzählung eines Lebensbogens, der von der Jugend in Preußen bis zum Ende des „pauvre Henri Kleist†œ in der Nähe von Potsdam reicht. Die Deutschen haben sich Zeit gelassen, Kleists Meisterschaft zu erkennen, aber das Verlangen danach hat dann glücklicherweise an Intensität zugenommen und dauert unvermindert bis auf den heutigen Tag an. Solchem Verlangen entgegenzukommen, dient diese Biographie.
„Heinrich von Kleist galt als ein schwieriger Mensch. Aber was heißt das schon, denn wer schließlich eicht die Maße und Gewichte, mit denen ein Mensch gemessen und gewogen wird!†œ Gerhard Schulz

Gespannt darf man sein, wer in diesem Jahr den Kleist-Preis erhält, und wie der Streit um die Neugestaltung des Grabes am Kleinen Wannsee ausgehen wird.

Ständig aktualisierte Informationen werden auf den Internet-Seiten Kleist-Archiv Semdner und der gemeinsamen Seite der Kleist-Gesellschaft und des Kleist-Museums bekanntgegeben.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Literaturverfilmung: Yorkshire Killer-Trilogie von David Peace im Fernsehen

Mit „1974“, dem Auftakt seiner Yorkshire-Ripper-Saga, legte der 43-jährige britische Autor David Peace einen spektakulären Debütroman vor. Durch das sogenannte „Red Riding Quartet„, bestehend aus den Romanen 1974, 1977, 1980 und 1983, die zwischen 1999 und 2002 im englischsprachigen Raum erschienen sind, wurde er bekannt und mehrfach ausgezeichnet. Die deutschsprachigen Übersetzungen erschienen zwischen 2005 und 2008 im Liebeskind Verlag. Mittlerweile hat der Heyne Verlag die Taschenbuchausgaben auf den Markt gebracht.

Zum Hintergrund haben alle Romane die Morde des sogenannten „Yorkshire Rippers“ Peter William Sutcliffe, die sich in Peaces Heimat West Yorkshire zugetragen hatten und ihn schon als Kind beeindruckten.

Bei den Ermittlungen in einer grausamen Mordserie geht der junge Gerichtsreporter Eddie Dunford elf Tage durch die Hölle. „1974“ ist eine Orgie des Blutes und der Gewalt, gleichwohl ein „gewaltiges Stück Literatur“ (Die Welt), das von der internationalen Presse als Ereignis gefeiert und vielfach preisgekrönt wurde.

„1977“ ist der zweite Teil des „Red-Riding-Quartetts“. Der Yorkshire-Ripper schlägt wieder zu. Polizeisergeant Robert Fraser wird zu einer Sondereinheit abgestellt, die den grausamen Mord an einer Prostituierten aufklären soll. Bald schon werden Parallelen zu anderen Mordfällen aufgedeckt und es wird klar: der „Yorkshire Ripper“ hat wieder zugeschlagen.

Leeds, 1980. Die Frauen trauen sich nachts nicht mehr allein auf die Straße, denn der „Yorkshire Ripper“ geht um. Dreizehn Morde und kein Ende in Sicht. Und niemand will etwas dagegen tun †“ schon gar nicht die Polizei. „1980“ ist der dritte Teil des „Red-Riding-Quartetts“.

Yorkshire, 1983. Ein Schulmädchen wird vermisst. Die Polizei präsentiert schnell einen Hauptverdächtigen. Als dieser angeblich Selbstmord begeht, stellt Rechtsanwalt John Piggott eigene Nachforschungen an und stößt auf grausame Machenschaften und eine Reihe von Kindesentführungen, die nie aufgeklärt wurden. „1983“ ist der vierte und letzte Teil des preisgekrönten Red-Riding-Quartetts.

Mindestens 13 Frauen hat Sutcliffe zwischen 1975 und 1980 umgebracht, etliche mehr angegriffen und zum Teil schwer verletzt. Immer wieder hinterließ er dabei deutliche Spuren, trotzdem zog sich die Suche nach ihm quälend in die Länge. Erst bei einer Routineuntersuchung seines Autos ging er der Polizei ins Netz. Warum diese so überfordert mit den Ermittlungen war, musste schließlich ein Sondermittler klären. Erst 25 Jahre später wurde der Byford-Bericht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – sein fürchterliches Resümee war, dass Sutcliffe sicherlich noch mehr Verbrechen als die, für die er verurteilt wurde, begangen hatte.

In der Fernsehadaption von Peaces „Red Riding Quartett“ hat Drehbuchautor Tony Grisoni („Fear and Loathing in Las Vegas“) die vier Bücher auf drei Filme verdichtet. Gleichzeitig haben die Produzenten einen Weg gefunden, um die Vielschichtigkeit des Stoffes bei allen dramaturgischen Straffungen zu verdeutlichen: Sie haben drei Regisseure jeweils einen Film drehen lassen. Herausgekommen ist eine Trilogie, die mindestens so viel Spannung aus ihren ästhetischen Gegenüberstellungen wie aus ihrem Plot bezieht.

Aufregend unterschiedlich sind die drei Filme geworden. Entsprechend seines ungestümen Protagonisten ist Jarrolds „1974“ der energiegeladenste Teil der Trilogie. Hier schlagen die Flammen hoch und fallen tödliche Schüsse. Der kühle Intellekt von Kommissar Hunter findet sich in den blassen Farben von „1980“ wieder. Immer wieder lässt Marsh den Blick auf ihn durch Fenstergitter und Zäune verstellen. So undurchdringlich ist das Dickicht der Korruption geworden. Tuckers „1983“ schließlich fällt krude wie sein unwahrscheinlicher Held aus: Die losen Enden der Geschichte werden mehr in einem Kraftakt denn in einer eleganten Wendung zusammengeführt.

An Wucht verliert das Finale dadurch aber kaum, denn erst zum Schluss gibt sich die filigrane Konstruktion der Geschichte zu erkennen. Nebenfiguren aus vorherigen Teilen treten plötzlich ins Licht, vermeintliche Hauptfiguren verschwinden im Schatten. Es lohnt sich deshalb, ab der ersten Minute der Trilogie aufzupassen und auch auf die Bewegungen am Rande zu achten.

Jenseits des Stil-Experiments mit den drei Regisseuren ist das größte Wagnis der „Yorkshire Killer“-Trilogie aber, ein mitleidloses Panorama einer Region zu zeigen, in dem für Lokalpatriotismus kein Platz ist. Im Gegenteil: Lokalpatriotismus wird hier als vermeintlich vorzeigbarere Seite von Corps-Geist vorgeführt. Der Schlachtruf „Dies ist der Norden, wo wir tun, was wir wollen“ erklingt in jedem Teil der Trilogie. Er bleibt einem noch lang nach dem Ende der Filme im Ohr. Und lässt einen nachhaltig vor der süßlichen Heimatverbundenheit der deutschen „Tatorte“ zurückschrecken.

Sendetermine:
„Yorkshire Killer 1974“ am 02.01.2011 um 23.30 Uhr
„Yorkshire Killer 1980“ am 09.01.2011 um 23.30 Uhr
„Yorkshire Killer 1983“ am 16.01.2011 um 23.35 Uhr – jeweils Das Erste

Quelle: Krimi-Trilogie „Yorkshire Killer“ vom 02.01.2010 – Spiegel Online Kultur

Neujahr bei Pastors von Ludwig Thoma

Neujahr bei Pastors

Mama schöpft aus dem Punschgefäße,
Der Vater lüftet das Gesäße
Und spricht: „Jetzt sind es vier Minuten
Nur mehr bis zwölfe, meine Guten.

Ich weiß, daß ihr mit mir empfindet,
Wie dieses alte Jahr entschwindet,
Und daß ihr Gott in seinen Werken
†“ Mama, den Punsch noch was verstärken! †“

Und daß ihr Gott von Herzen danket,
Auch in der Liebe nimmer wanket,
Weil alles, was uns widerfahren
†“ Mama, nicht mit dem Arrak sparen! †“

Weil, was geschah, und was geschehen,
Ob wir es freilich nicht verstehen,
Doch weise war, durch seine Gnade
†“ Mama, er schmeckt noch immer fade! †“

In diesem Sinne meine Guten,
Es sind jetzt bloß mehr zwei Minuten,
In diesem gläubig frommen Sinne
†“ Gieß noch mal Rum in die Terrine! †“

Wir bitten Gott, daß er uns helfe
Auch ferner †“ Wie? Es schlägt schon zwölfe?
Dann prosit! Prost an allen Tischen!
†“ Ich will den Punsch mal selber mischen.“

Ludwig Thoma

Quelle: LMU GoethezeitPortal