EMMA erreicht Hilferuf aus dem Iran: Bitte lasst uns nicht allein!

Bitte lasst uns nicht allein!

Iranische Studentinnen haben ein E-Mail mit einem eindringlichen Hilferuf an die EMMA geschickt. Sie konnten die Internet-Sperren umgehen und berichten von ihrer Angst, von den Massendemonstrationen im Iran und dem gewaltsamen Vorgehen der iranischen Behörden mit Pistolen, Maschinengewehren, Schlagstöcken, Äxten, Dolchen gegen die DemonstrantInnen.

Scheinbar breiten sich die Unruhen aus, und es gab schwere Demonstrationen mit Toten und Verletzten in Tabriz, Esfahan und Shiraz. In Tabriz soll das Gebäude des Fernsehen angegriffen und Teile davon in Brand gesetzt worden sein. Auch die Universitäten in Teheran und anderen großen Städten sollen angegriffen worden sein. Es herrsche Chaos auf dem Campus der Teheraner Universität. Die wahre Zahl der Toten und Verletzten werde von den Behörden geheimgehalten. Auch Khomeinis Enkelin, Zahra Eshraqi, soll verhaftet worden sein!

„Wir haben mit eigenen Augen furchtbare Dinge gesehen, die nur schwer in Worte zu fassen sind: blutende Menschen, die mit Gewalt zu Patrouillenfahrzeugen geschleift wurden; junge Studentinnen, denen ihr Kopftuch abgerissen wurde, wurden an den Haaren zu Patrouillenautos geschleift. Am Schlimmsten jedoch: Wir sahen Studenten, die aus den Fenstern der Studentenwohnheime geworfen wurden! Wir wissen nicht, was mit ihnen passiert ist und wir fürchten um ihr Leben“, heißt es weiter in dieser erschütternden Nachricht aus dem Iran.

Unterzeichnet ist der Hilferuf mit den Worten:

Bitte lasst uns nicht allein.

Die vollständige E-Mail hat EMMA sowohl in der englischen Originalfassung als auch in der deutschen Übersetzung online gestellt.

Viele Fotos auf Flickr.com geben genau das wieder, was die Studentinnen aus dem Iran berichten.

Quelle: EMMA.de

Claudio Magris wird der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen

„Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2009 Claudio Magris und ehrt damit den italienischen Literaturwissenschaftler, Essayisten und Romancier, der sich wie kaum ein anderer mit dem Problem des Zusammenlebens und Zusammenwirkens verschiedener Kulturen beschäftigt hat.

In zahlreichen Werken erzählt er von der Vielfalt der Systeme und Sprachen Mitteleuropas, von Eigentümlichkeiten und Gegensätzen. Erzählendes und Reflektierendes, Faktisches und Fiktionales verbindet Claudio Magris in seiner ganz eigenen literarischen Weise und hebt dabei hervor, wie kreativ die Verschiedenheit sein kann, wenn sie denn in ihrer Eigenart geachtet und beachtet wird. Dies führt zu einem Verständnis, das ihn zu einem streitbaren Gegner von Ausgrenzung und kulturellem Dominanzdenken gemacht hat.

Claudio Magris tritt für ein Europa ein, das nicht allein unter ökonomischen Gesichtspunkten sein Selbstverständnis erreicht, sondern seine geschichtliche und kulturelle Tradition und Vielfalt bedenkt und darauf beharrt. Es ist das Verständnis eines Humanismus des Einzelnen, der von der mitteleuropäischen Kulturtradition abgeleitet ist und wird dem gerecht, was Claudio Magris ‚unser ironisches Gefühl für das Vielfältige†™ nennt.“

Claudio Magris, geboren am 10. April 1939 in Triest, ist ein italienischer Schriftsteller, Gelehrter und Übersetzer. Magris studierte in Turin Germanistik. Seit 1978 ist er Professor für Moderne deutschsprachige Literatur an der Universität Triest.
Der Essayist und Kolumnist ist für die italienische Tageszeitung Corriere della Sera und andere europäische Zeitungen tätig. Durch seine unzähligen Studien zur mitteleuropäischen Kultur gilt er als deren größter Förderer in Italien.

donauMagris‘ erstes Buch handelt vom habsburgischen Mythos in der modernen österreichischen Literatur. Er hat Essays über Hoffmann, Roth, Ibsen, Svevo, Musil, Hesse und Borges geschrieben. Der literarische Durchbruch gelang Magris 1986 mit seinem bekanntesten Werk, Danubio (Donau), einer literarischen Reise durch Länder und Zeiten entlang der Donau von der Quelle bis zur Mündung, in deren Vordergrund die multikulturelle Vergangenheit des Donauraumes steht. Auf ungewöhnlichen Wegen durch die Kulturlandschaften, die die Donau durchmisst und verbindet, begegnet man Martin Heidegger, Franz Kafka, Albert Einstein und vielen anderen.

Professor Magris ist Mitglied vieler europäischer Akademien und war von 1994 bis 1996 Senator im italienischen Parlament.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird Claudio Magris während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, den 18. Oktober 2009, in der Paulskirche verliehen. Die Verleihung wird live im Zweiten Deutschen Fernsehen übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Quelle: Börsenblatt

Gymnasialeltern Bayern unterstützen Bildungsstreik: Raus auf die Straße!

gyb

Pressemitteilung: Raus auf die Straße! Bildungsstreik!

Wir Eltern unterstützen die Aktionen der Schüler und Studenten.

Bildung muss kostenfrei sein!

Wir Eltern zahlen Krippengebühren, Kindergartengebühren, Hortgebühren, Studiengebühren, Nachhilfe, Nachhilfe und nochmals Nachhilfe, und am Ende möglichst noch ein Repetitorium.

Wir fordern gleiche Chancen für alle Kinder! An den Bildungs- und Ausbildungskosten hat sich die Gesellschaft solidarisch zu beteiligen, die darauf baut, dass unsere Kinder später ihren solidarischen Beitrag in die Sozialversicherungssysteme leisten, anstatt ausschließlich ihre alten Eltern zu versorgen.

Bildung darf nicht krank machen!

Wir fordern einen Umbau des Bildungssystems, der unseren Kindern ermöglicht, angstfrei zu lernen. Wir fordern, das Sitzenbleiben, den Noten- und Leistungsdruck und die Selektion nach der vierten Klasse abzuschaffen. Wir verlangen, dass unsere Kinder individuell nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten lernen dürfen, ohne Langeweile und ohne Furcht vor Prüfungen, Vergleichstests und ohne Bloßstellung durch mündliche Abfragerei.

Hierfür haben Staat und Kommunen die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, in Form von ausreichendem Personal und ausreichenden kind-, lehrer- und lerngerechten Räumlichkeiten. Dass in München, einer der reichsten Städte der Republik, Schulkinder in heruntergekommenen, verdreckten Schulgebäuden unterrichtet werden, dass Familien mangels Räumlichkeiten kein wohnartnahes Gymnasium finden, ist inaktzeptabel!

Zivilcourage darf nicht bestraft werden!

Die Anweisung des Kultusminsteriums an die Schulen, streikende Schüler auch bei Befreiung durch die Erziehungsberechtigten als unentschuldigt ferngeblieben zu behandeln und zu geeigneten Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen zu greifen, widerspricht gundlegenden, für die Schulen festgelegten Erziehungszielen der bayerischen Verfassung:

„Oberste Bildungsziele sind … Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit.

Die Schüler sind im Geiste der Demokratie … zu erziehen.†œ

Schülerinnen und Schüler streiken zu recht für bessere Arbeitsbedingungen! Sie müssen angehört und nicht mundtot (Bildungsstreik 2009: Bayerisches Staatsministerium warnt vor Streikteilnahme) gemacht werden, indem Schulleitungen angewiesen werden, „die Schülervertreter in geeigneter Weise auf die Rechtslage und die daraus resultierende Problematik hinzuweisen†œ.

Quelle: Gymnasialeltern Bayern

Mehr Informationen zu dem Thema in der Süddeutschen Zeitung:

Bildungsstreik in München: Bildung unter Quarantäne – Kreativer Protest: Mit symbolischen Aktionen wie der Absperrung eines Gymnasiums wollen Schüler und Studenten Politiker wachrütteln.

Bundesweiter Bildungsstreik: Elite und Unterschicht – Schüler und Studenten im bundesweiten Bildungsstreik: Mitorganisator Felix Heinze über soziale Auslese, verängstigte Professoren und die Angst vor Straßenschlachten.

Vom Frust getrieben: Der Bildungsstreik verdient das Prädikat „pädagogisch wertvoll“, denn heute wird jeder Atemzug eines Studenten geprüft und benotet. Statt Substanz zählt Tempo.

Bildungsstreik 2009: Bayerisches Staatsministerium warnt vor Streikteilnahme

bildungsstreik

Schülerstreikaktionen in der Woche vom 15. bis 19.06.2009

In der Woche vom 15. bis 19.06.2009 wird von verschiedenen Organisationen (Schulstreik München, Schülerbündnis München) wie bereits im November 2008 auch in Bayern zu einem bundesweiten „Schulstreik“ aufgerufen. Schwerpunktmäßig werden Veranstaltungen am 17.06.2009 in Nürnberg und München aufgeführt. Da es im vergangenen Jahr zu völlig unakzeptablen Zwischenfällen durch streikende Schülerinnen und Schüler gekommen ist, und da die geplanten „Streiks“ wieder während der vormittäglichen Schulzeit stattfinden sollen, wird auf folgende Punkte hingewiesen:

1. Für Schüler existiert kein Streikrecht. Schülerinnen und Schüler verstoßen im Falle einer Teilnahme während der Unterrichtszeit gegen ihre Verpflichtung zum regelmäßigen Besuch des Unterrichts nach Art 56.

2. Auch eine Befreiung zwecks Teilnahme am „Schülerstreik“ durch die Erziehungsberechtigten oder die Schülerin bzw. den Schüler selbst ist somit nicht zulässig. Ein Fernbleiben würde in jedem Fall unentschuldigt erfolgen. Somit stehen den Schulen die üblichen vom BayEUG und den Schulordnungen vorgesehenen Maßnahmen †“ nämlich Erziehungs- und ggf. Ordnungsmaßnahmen †“ zur Reaktion auf das unentschuldigte Fernbleiben zur Verfügung.

3. Den Schülerinnen und Schülern ist es unbenommen, außerhalb der Unterrichtszeit zu demonstrieren. Darüber hinaus existiert seit dem 01.08.2008 mit der Etablierung des Landesschülerrats ein landesweites, gesetzlich festgeschriebene Schülervertretungsgremium. Damit steht den Schülerinnen und Schülern ein mehrstufiges Instrumentarium zur Meinungsäußerung und Einflussnahme zu Verfügung.

Erfahrungsgemäß sprechen die Organisatoren des „Schulstreiks“ besonders die SMV-Vertreter an. Die Schülervertreter an Schulen sollen auf jeden Fall in geeigneter Weise auf die Rechtslage und die daraus resultierende Problematik hingewiesen werden. Dies gilt natürlich auch für die übrigen Schülerinnen und Schüler, sollten Anzeichen für eine Streikteilnahme bekannt werden.

Walter Kappacher liest am 15.07. im Literaturhaus München aus Der Fliegenpalast

Georg-Büchner-Preis 2009 – Lesung mit Walter Kappacher

Am Mittwoch, den 15.07.2009, stellt Walter Kappacher um 20 Uhr seinen Roman „Der Fliegenpalast“ in der Bibliothek im Literaturhaus München vor.

Moderation: Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung)

Der österreichische Schriftsteller Walter Kappacher erhält den diesjährigen Georg-Büchner-Preis der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung. Die Jury begründete ihre Wahl wie folgt: »Seine leise, musikalische Prosa voll melancholischer Uner bittlichkeit †“ stets traurig, nie trostlos †“ klärt uns über uns selbst auf. Dieser poetische Realist unserer Tage, der bei vollkommener Gegenwärtigkeit an die große Erzähltradition anknüpft, erzeugt einen ‚Sog der Stille†˜.«

Der Preisträger liest an diesem Abend aus seinem im Frühjahr erschienenen Roman „Der Fliegenpalast“ (Residenz Verlag). Kappacher erzählt darin vom 50jährigen Hugo von Hofmannsthal, der in einem alten Hotel im österreichischen Bad Fusch versucht, an einem Drama zu schreiben. „Der Fliegenpalast“ ist kein historisches Buch – es ist eine „typisch österreichische“ Geschichte vom Scheitern.

der-fliegenpalastKurzbeschreibung
August 1924: H. ist auf der Rückreise und macht Halt in Fusch, einem Kurbad in den Salzburger Alpen, wo er mit seinen Eltern vor dem Krieg lange Sommer verbrachte. Inzwischen hat sich viel verändert: Freunde sind ihm abhanden gekommen, sein Ruhm liegt Jahre zurück, sein Schaffen ist bedroht von einer labilen Gesundheit und den leisesten Störungen. Auch im abgelegenen Bad Fusch hat die neue Zeit Einzug gehalten, an der er nur mehr als Beobachter teilnimmt, der sich selbst zunehmend fremd geworden ist. Bei einem Spaziergang wird H. ohnmächtig. Als er wieder zu sich kommt, lernt er den jungen Doktor Krakauer kennen, den Privatarzt einer Baronin. Auch er ist ein Rückkehrer in einer fremden Welt. H. sucht dessen Freundschaft, doch da ist die Baronin und da ist die Einsamkeit, der er nicht mehr entkommt. Walter Kappacher erzählt von einem Leben, das die Zeit überholt hat: mit fesselnder Intensität und luzidem Einfühlungsvermögen, so souverän wie virtuos. Er bestätigt damit seine Ausnahmestellung in der deutschsprachigen Literatur: ein Seltener (Peter Handke).

Veranstalter: Stiftung Literaturhaus
Eintritt: Euro 8.- / 6.-