UgandaKids – Den Spenden hinterher schauen

Am Donnerstag, den 13. November, berichtet der stellvertretende Vorsitzende für Öffentlichkeitsarbeit, Christian Lojdl, über die Fortschritte bei den UgandaKinds.

UgandaKids e.V. hat das Ziel, Kindern in Adjumani die Basis für den Start in ein Leben mit Perspektiven zu geben. Dort, in Norduganda, ist die Zivilgesellschaft durch 20 Jahre Bürgerkrieg im Inneren wie im Äußeren stark geschädigt, teilweise sogar zerrüttet.

Viele waren interessiert und haben UgandaKids auf unterschiedliche Weise unterstützt! Was Engagement, Aktion und finanzielle Hilfen bewirkt haben, soll in einem spannenden und informativem Videofilm im Hotel Mercure Orbis, Karl-Marx-Ring 87, München,  am 13. 11. um 19 Uhr gezeigt werden.

Langfristige Ziele für die kommenden 5 bis 15 Jahre sind vor allem
– den Bau und Betrieb der Primarschule entsprechend der Schülerzahl zu erweitern und
– die Schüler nach Abschluss der Primarschule weiterhin zu unterstützen. Hier sieht das ugandische Schulsystem verschiedene Wege vor. Überlegungen hierzu werden noch kommen. Insgesamt sollen die jungen Menschen bis zum Abschluss einer Berufsausbildung hin begleitet werden.
– Schließlich soll UgandaKids auch in die Breite wachsen. Schon heute ist der Bedarf größer als unsere Kapazitäten.

Kommen Sie und helfen Sie mit das Projekt weiterzuentwickeln!

Quelle: UgandaKids

Die Süddeutsche Zeitung ist im Wildschweingehege angekommen

Sechsundfünfzig Seiten umfasst die Beilage der Süddeutschen Zeitung von heute.

Abschied und Aufbruch – Der Süddeutsche Verlag zieht um – ist das Thema.

Und so wendet sich Chefredakteur Hans Werner Kilz auf der ersten Seite dieser Beilage an uns Leserinnen und Leser. Er bittet darum auch weiterhin den Einladungen zu Redaktionsbesuchen und Diskussionsforen zu folgen. Folgen, von der Münchner Innenstadt, in der Sendlinger Straße, an die Peripherie der Stadt, nach Steinhausen, in die Hultschiner Straße.

63 Jahre lang prägte die Sandsteinfassade der „Süddeutschen Zeitung“ das Areal zwischen Färbergraben und Hackenstraße mitten in München.

Mittlerweile sind alle 1850 Mitarbeiter aus Redaktion und Verlag ins „Wildschweingehege“ umgezogen. OB Christian Ude hat diesen Vergleich bei einer der vielen Abschiedsfeiern der SZ Anfang November angestellt:

„Eigentlich könnte ich meinen Kommentar zum Umzug ganz kurz fassen: Wer aus der Sendlinger Straße, dieser geschichtsträchtigen 1-a-Lage, nach Steinhausen, also in ein städtebauliches Wildschweingehege umzieht, muss ein ziemlicher Depp sein! Ich frage mich als Münchner Oberbürgermeister, ein wenig gekränkt wie ein zurückgewiesener Liebhaber: Was hat Steinhausen, was München nicht hat?“

Nun, zumindest hatte die Süddeutsche Zeitung keine Wahl.  Beschlossen wurde dieser Standortwechsel noch von den früheren Gesellschaftern , die – mit Ausnahme der Verlegerfamilie Friedmann – den Süddeutschen Verlag Anfang 2008 an die Südwestdeutsche Medien Holding GmbH verkauft haben.

Laut Hans Werner Kilz sind alle fest entschlossen aus dem „Wildschweigehege“ eine lebendige Bühne der Begegnung zu machen.

Links dazu:
Christian Ude über München und die SZ – „Endlich auf Höhe der Zeit!“
Hier spricht der Architekt – Die Ruhe vor dem Turm
Arbeiten im Großraumbüro – Die arme Sau, als Held betrachtet
Süddeutsche Zeitung: Print und Online – Jetzt wächst zusammen…
Kisters SZ-Büros – Alles ist schön. Sehr schön.
Straßenstrich in Steinhausen – Im Schatten des Turms
Umzug der SZ – Über den Geist des Ortes
Arbeiten im Hochhaus – „Tolles Flugwetter heute“
Umzug der SZ – Ein Nachruf auf den Paternoster
Zum Umzug der SZ – Marktplatz ohne Zeitung
Umzug der SZ – Tausche Frauentürme gegen Alpenblick
Umzug Süddeutsche Zeitung – Ende und Anfang
Umzug Süddeutsche Zeitung – Der letzte Redakteur
Interview zum Umzug – Alles folgt der Bibel

Barack Obama – Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie

Barack Hussein Obama, Jr., geboren am 4. August 1961 in Honolulu, Hawaii, ist seit der Präsidentschaftswahl am 4. November 2008 der designierte 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Seine Amtseinführung ist für den 20. Januar 2009 vorgesehen.

1995 veröffentlichte Obama seine Autobiografie Dreams from My Father und legte sie 2004 etwas überarbeitet neu auf. Bis Juni 2005 war die Neuauflage 40 Wochen lang auf der Bestsellerliste für Sachbücher der New York Times. Er berichtet darin unter anderem über Drogenkonsum und schreibt dies einer Identitätskrise zu, die er aufgrund seiner Gemischtrassigkeit durchlebt habe. Das darauf basierende Hörbuch brachte Obama am 8. Februar 2006 einen Grammy für das beste Spoken Word Album.

Nach der Senatswahl unterschrieb er im Dezember 2004 einen mit 1,9 Millionen US-Dollar dotierten Vorvertrag für drei weitere Bücher. Das erste, das seine politischen Überzeugungen behandelt, erschien im Oktober 2006 unter dem Titel The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream. In Deutschland erschien es unter dem Titel Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream. Er wirbt darin für die Überwindung von Grabenkämpfen zwischen den Parteien zugunsten der Rückbesinnung auf die Grundwerte des „Amerikanischen Traumes†œ. Ebenso beschreibt er die Probleme der politischen Einflussnahme durch die Medien und durch Lobbyarbeit und legt seine Wertvorstellungen zu den Themen Familie und Glauben dar. Am 10. Februar 2008 erhielt auch dieses darauf basierende Hörbuch einen Grammy als Best Spoken Word Album.

Kurzbeschreibung
Barack Obama verkörpert die weltweite Sehnsucht nach einer Politik des Friedens und der Menschlichkeit. Aufgewachsen unter ärmlichen Verhältnissen in Kenia und Indonesien, musste Barack nach seiner Rückkehr in die USA erleben, wie er wegen seiner Hautfarbe diskriminiert wurde. Dies weckte seinen Ehrgeiz, der ihm zunächst eine glänzende juristische Laufbahn eröffnete und dann seinen furiosen Aufstieg als Politiker der Demokraten begründete. Seit er für das Amt des US-Präsidenten kandidiert, begeistert Obama die Menschen. Wer nun seine Familiengeschichte liest, spürt, dass in ihm auch ein begnadeter Erzähler steckt – und er hat eine große politische Zukunft, egal, ob er ins Weiße Haus einziehen wird oder nicht.

Leseprobe aus Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie von Barack Obama © Hanser 2008

Einmal hatte ich versucht, meiner Mutter davon zu erzählen, welche Rolle das Glück in der Welt spielt. Da war ich noch auf der High School, in meinem letzten Jahr, meine Mutter war von ihren indonesischen Feldstudien nach Hawaii zurückgekehrt, und eines Tages kam sie in mein Zimmer und wollte wissen, warum Pablo verhaftet worden sei. Ich hatte ihr beruhigend zugelächelt, ihre Hand getätschelt und gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen, ich würde keine Dummheiten machen. Diese Methode funktionierte meistens, das hatte ich gelernt. Die Leute waren zufrieden, solange man höflich war und lächelte und keine abrupten Bewegungen machte. Sie waren mehr als zufrieden, sie waren geradezu erleichtert – wie angenehm, einem wohlerzogenen jungen Schwarzen zu begegnen, der nicht andauernd zornig war.
Meine Mutter war jedoch nicht zufrieden. Sie saß einfach da, sah mich todernst an.
„Findest du nicht, dass du mit deiner Zukunft ein wenig sorglos umgehst?«
»Was meinst du?«
»Du weißt genau, was ich meine. Einer deiner Freunde ist gerade wegen Drogenbesitzes festgenommen worden. Deine Noten
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werden immer schlechter. Du hast noch nicht einmal angefangen, dich um einen Studienplatz zu bewerben. Jedes Mal, wenn ich mit dir darüber reden will, reagierst du genervt.«
Ich musste mir das alles nicht anhören. Nicht, dass ich mich davor drückte. Ich erzählte ihr, dass ich vorhätte, eventuell nicht zu studieren, sondern auf Hawaii zu bleiben, ein paar Kurse zu besuchen und halbtags zu arbeiten. Meine Mutter fiel mir ins Wort, bevor ich geendet hatte. Ich könne überall in Amerika studieren, sagte sie, wenn ich mich nur ein wenig anstrengen würde. »Weißt du noch, wie das geht, sich anzustrengen? Verdammt noch mal, Bar, du kannst nicht einfach faul herumhocken und darauf warten, dass dir das Glück schon weiterhilft.«
Ich schaute sie an, wie sie vor mir saß, so ernst, so überzeugt vom Lebensweg ihres Sohnes. Die Vorstellung, dass mein Lebensweg auch mit Glück zu tun haben könne, war aus ihrer Sicht ketzerisch. Für meine Mutter stand fest, dass jeder verantwortlich für sein Leben ist – sie, die Großeltern, ich. Plötzlich hatte ich Lust, diese Selbstgewissheit anzupieksen, ihr zu erklären, dass ihr Experiment mit mir gescheitert sei. Statt laut zu werden, lachte ich. »Faul herumhocken? Tja, warum eigentlich nicht? Vielleicht ist es das, was ich vom Leben will. Ich meine, sieh dir Gramps an. Er hat doch auch nicht studiert.«
Damit hatte meine Mutter nicht gerechnet. Sie wurde blass, ihre Augen flackerten unruhig. Plötzlich ahnte ich, was ihre größte Sorge war. »Ist das deine Sorge?« fragte ich. »Dass ich wie Gramps ende?«
Rasch schüttelte sie den Kopf. »Schulisch bist schon viel weiter als er«, sagte sie. Aber die Gewissheit war aus ihrer Stimme gewichen. Statt nachzuhaken, stand ich auf und verließ das Zimmer.
Billie hatte aufgehört zu singen. Die Stille war bedrückend, und auf einmal war ich ganz nüchtern. Ich stand auf, drehte die Platte um, trank mein Glas leer und schenkte noch einmal nach. Ich hörte, wie jemand in der Wohnung über mir die Toilettenspülung betätigte und durchs Zimmer ging. Wohl noch jemand, der nicht schlafen kann und zusieht, wie sein Leben verrinnt.
Forsetzung der Leseprobe beim Hanser Verlag

Anne von The Island Weekly hat zu dem Buch ein Videointerview mit der amerikanischen Schriftstellerin Alice Walker empfohlen. Alice Walker sagte, sie möge seine Weltoffenheit (openmindedness), die daher stammt, dass er in so vielen verschiedenen Kulturen aufgewachsen ist. Er sei sehr neugierig und wolle andere Leute verstehen: worüber sie nachdenken, wie sie leben. Er verstehe die Welt durch den sehr unterschiedlichen Hintergrund seiner Eltern als kompliziert, aber machbar (workable).
Zudem sagt sie, es sei gut, dass er gut schreibe, also ein echter Schriftsteller sei, denn im Gegensatz zu Musikern und bildenden Künstlern (die manchmal vor die Hunde gingen) würden Schriftsteller einfach immer besser:

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten, erschienen im Verlag: Hanser Belletristik; Auflage: 1 (4. Februar 2008), 24,90 Euro.

Elke Heidenreich: Lesen! kommt mit mir zurück.

Die österreichische Wochenzeitung Fromat hat am 06. November Elke Heidenreich über ihren Wien-Besuch, das ZDF und ihre Zukunftspläne interviewt.

Auf die Frage, was nun nach ihrem Rauswurf beim ZDF mit ihrer Mission, nämlich nicht Literaturkritik zu machen, sondern Buchempfehlungen zu geben, wird, antwortete Elke Heidenreich folgendes:

„Es ist infam gewesen, so eine Sendung abzusetzen, und steht in keinem Verhältnis zu meiner Kritik. Ich empfinde großen Zorn auf das ZDF, aber keinen persönlichen Kummer, denn ich selber mache auf jeden Fall weiter. Ich konnte mich nach dem Rauswurf vor Angeboten gar nicht retten und habe mir das Beste rausgesucht. Die Sendung „Lesen†œ kommt also, so wie sie ist, mit mir zurück, nur auf einem anderen Platz! Wenn alles läuft, schon ab Dezember. Details dazu wird es am 28. 11. geben.“

„Ich bin dieser Art Fernsehen müde, wo man gegängelt wird und keine anständigen Sendetermine bekommt, außer nach 23 Uhr. Vielleicht reicht ja dieser Krach dazu, dass es endlich eine Qualitätsdebatte gibt: Man kann ja auch Unterhaltungssendungen erst um 22 Uhr ansetzen, wenn der Zuseher schon drei Bier intus hat. Aber ich habe das Gefühl, das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist ein Auslaufmodell. Da sitzen diese verkrusteten Kerle, die ich angegriffen habe, und bewegen ihre Hintern nicht.“

Es bleibt also spannend, in vielerlei Hinsicht! 😉

Quelle: Format

Anna Gavalda – Alles Glück kommt nie – Lesung am 21.11. in der LMU München

Am Freitag, den 21. November 2008, stellt Anna Gavalda um 20 Uhr ihren neuen Roman Alles Glück kommt nie im Audi Max der LMU, Geschwister-Scholl-Platz, München vor. Die Lesung wurde auf Grund der großen Nachfrage vom Literaturhaus in die LMU verlegt. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit.

Moderation: Judith Heitkamp (BR)
Lesung des deutschen Textes: Gabriele Welker
Dolmetscherin: Michaela Gohmert

„Erschütternd, überraschend, erhebend, scharf, großartig! Die Autorin erlaubt sich Freiheiten, sie lädt den Leser in ihre Geschichte ein, sie schlägt Volten, wechselt den Rhythmus, amüsiert mit gekonnten Dialogen und hält einen mehr als 600 Seiten lang in Atem. Und nach der Lektüre fühlt man sich plötzlich ziemlich allein…“, schreibt z.B. die ELLE über Anna Gavaldas neuen Roman.

Kurzbeschreibung
Charles Balanda, 47, ist ein erfolgreicher Architekt und glücklich mit seinem Leben. Bis er einen Brief bekommt, in dem nur drei Worte stehen: „Anouk ist tot.“ Von da an ist nichts mehr, wie es war. Denn Anouk ist nicht nur seine große Liebe gewesen, sie war eine wunderbare Frau, und ihr Sohn, der hochbegabte Alexis, war sein Freund, bis … Was damals geschah, lässt Charles nicht mehr los. Er begibt sich auf Spurensuche und merkt, dass er sich eigentlich nach einem ganz anderen Leben sehnt. Wieder einmal beglückt uns Anna Gavalda mit einer wunderbaren Geschichte von atemberaubendem Realismus – ein Feuerwerk an witzigen Dialogen und unvergesslichen Szenen.

Anna Gavalda über Anna Gavalda
Geboren am 9. Dezember 1970 in Boulogne-Billancourt, im Großraum Paris. Ältestes von vier Kindern. Kindheit auf dem Land, im Departement Eure-et-Loir: radfahren, angeln, Knallfrösche und feuchte Küsse hinter der Kirche. Mutter Künstlerin, Vater wäre gern Künstler gewesen. Zu Hause viele Bücher, viele Comics, viele Schallplatten, viele Filme.

Mit fünfzehn in eine Einrichtung für junge Mädchen in Saint-Cloud geschickt, die von den Dominikanerinnen von Heilig Geist geleitet wurde: Schuluniform, Lateinübersetzungen, Seufzer und Liebeserklärungen hinterm Bushäuschen.
Trübsinniger Vorbereitungskurs auf dem Lycée Molière, dann an die Sorbonne bis zum Magister in Literaturwissenschaften.

Viele Gelegenheitsjobs: Verkäuferin, Serviererin, Platzanweiserin, Kassiererin, Arbeiterin, Empfangsdame, Au-pair-Mädchen in den USA, Telefonistin, Texterin von fiktiven Heiratsanzeigen, Kitschromanen und Artikeln über Obst und Gemüse fürs Wochenblättchen…

Lebt heute im Departement Seine-et-Marne. Vollzeit-Mutter von zwei Kindern. Nachts, wenn alle Katzen grau sind und die Küche gefegt ist, Schriftstellerin …

Leseprobe aus Alles Glück kommt nie © Hanser 2008

Eines Nachts im Januar 1966 (wenn sie ihm diese Geschichte Jahre später erzählt, wird Anouk, die sich nie an etwas erinnert, dies als Anhaltspunkt nehmen: Am Tag zuvor war am Montblanc eine Boeing zerschellt) starb eine ältere Frau in der Kardiologie. Das heißt †“ drei Stockwerke über ihr. Das heißt †“ Lichtjahre von der staatlich geprüften Krankenschwester Le Men entfernt, die damals auf der Schockstation arbeitete. Charles wählte den Begriff absichtlich, weil sie die Abteilung so nannte, gemeint ist aber: in der Notaufnahme. Anouk war, was bestens zu ihr passte, Notfallkrankenschwester. Ja, eine alte Frau war gestorben, und warum sollte sie etwas davon mitkriegen, ist doch nichts so hermetisch abgeriegelt wie ein Krankenhaus. Jeder Abteilung ihre kleinen Feiern, ihre Siege, ihre Problemchen …

Dabei waren die Buschtrommeln nicht berücksichtigt. Die auch ohne Busch auskamen. An eben diesem Tag hatte sich eine ihrer Kolleginnen über einen komischen Kauz beschwert, der ihnen da oben mächtig auf den Geist ging, weil er die Verstorbene weiterhin jeden Tag mit frischen Blumen besuchte und sich wunderte, dass er inzwischen abgewiesen wurde. Sie lachte darüber und fragte in den Raum hinein, ob ihr jemand eine Überweisung in die Psychiatrie ausstellen könne. Im ersten Moment hatte Anouk nicht weiter reagiert. Ihr Herz und ihr Plastikbecher waren gleichermaßen zerknautscht, bevor sie in den Mülleimer flogen. Sie war fertig mit der Welt.

Erst als der Sicherheitsdienst eingeschaltet wurde und ihm der Zutritt zu den Stockwerken verwehrt wurde, trat besagter komischer Kauz in ihr Leben. Wann immer sie tagsüber oder nachts ihren Dienst begann oder beendete, traf sie ihn in der Eingangshalle zwischen den Grünpflanzen und dem Kabuff der Buchhaltung an. Bedrückt, duldsam, dem Luftzug und den Wellenbewegungen der Menge ausgesetzt, die sich in Abhängigkeit der freien Sitze umverteilte, das Gesicht stets auf die Fahrstuhltüren gerichtet.Auch da wandte sie sich noch ab. Ihr Schicksal, ihr Schmerz, ihre eingeklemmten Unfallopfer, ihre verbrühten Säuglinge, ihre kotzenden Trinker, ihre lahmen Feuerwehrleute, ihr Ärger mit dem Babysitter, ihre Geldsorgen, ihre Einsamkeit, ihr … Sie schaute weg.

Und dann eines Abends, warum auch immer, vielleicht weil Sonntag war und der Sonntag der ungerechteste Tag der Welt ist, weil ihre Schicht zu Ende war, weil Alexis bei den freundlichen Nachbarn Zuflucht gefunden hatte, weil sie zu erschöpft war, um ihre Müdigkeit noch zu spüren, weil es kalt war, weil ihr Auto kaputt war und allein schon der Gedanke, bis zur Bushaltestelle gehen zu müssen, ihr die Luft abschnürte und weil er irgendwann krepieren würde, wenn er weiterhin reglos dort sitzen blieb, hatte sie, anstatt durch den Personalausgang zu verschwinden, ihre Lichtreise wieder aufgenommen und sich, anstatt die Augen niederzuschlagen, neben ihn gesetzt….Fortsetzung siehe hier

Gebundene Ausgabe: 604 Seiten, erschienen am 5. November 2008 im Hanser Verlag, 24,90 Euro

Die FAZ hat am 09. November einen sehr ausführlichen Artikel unter dem Titel Alleine ist man nicht zusammen veröffentlicht. In dem Artikel geht es um die aktuelle Lebenssituation der Schriftstellerin Anna Gavalda, um ihren Bestseller „Zusammen ist man weniger allein“ und natürlich um ihr neues Buch „Alles Glück kommt nie“.

Veranstalter: Carl Hanser Verlag, Stiftung Literaturhaus
Eintritt: Euro 10.- / 8.-