Deutscher Hörbuchpreis 2009: Reise ans Ende der Nacht von Louis-Ferdinand Celine

celine2Das Hörspiel „Reise ans Ende der Nacht“ von Louis-Ferdinand Céline (Hörverlag) hat den Deutschen Hörbuchpreis 2009 in der Kategorie „Das besondere Hörbuch / Klanggestaltung“ gewonnen. Die Produktion besticht durch ihr „beeindruckend konsequentes, dabei vielschichtiges klanggestalterisches Konzept„, heißt es in der Begründung der Jury. Der Deutsche Hörbuchpreis wird von WDR, WDR Mediagroup, Börsenverein, „Focus“ und lit.Cologne vergeben und ist mit insgesamt 23 000 Euro dotiert.

Reise ans Ende der Nacht ist ein Roman von Louis-Ferdinand Céline, 1932 unter dem Titel Voyage au bout de la nuit in Paris erschienen. Der Episodenroman erzählt lückenhaft die Geschichte des Ferdinand Bardamu, der den Wirren des Ersten Weltkrieges entkommt und nach Stationen in Afrika und Amerika nach Paris zurückkehrt, dort Medizin studiert, sich als Armenarzt durchschlägt und schließlich zum kommissarischen Leiter einer psychiatrischen Einrichtung am Stadtrand wird. Immer wieder tritt die tragisch-skrupellose Gestalt des Léon Robinson auf und verleiht der Handlung die entscheidenden Wendungen. Den Stationen sind Bardamus Liebschaften als charakteristische Frauenfiguren zugeordnet.

Seine sprachliche Lebhaftigkeit bezieht der Roman aus dem drastischen Einsatz mündlicher Redewendungen, ohne sich dabei auf die direkte Rede zu beschränken. Eine frühe Übersetzung von Isak Grünberg (1933 für den Piper-Verlag erstellt) ist überarbeitet 1933 im Verlag Julius Kittls Nachfolger erschienen. 2003 hat Hinrich Schmidt-Henkel für Rowohlt den Text vollständig neu übersetzt.

Kurzbeschreibung
Die Nacht kam 1932 in die Welt. Sie ist lang, wahrscheinlich wird sie ewig dauern. Die Reise des Kriegsfreiwilligen, Armenarztes, Weltverächters Ferdinand Bardamu ans Ende der Welt, dorthin, wo es keinen Grund zur Hoffnung mehr gibt, kein menschliches Gefühl, keinen Fortschritt, sondern nur den klaren Blick ins Nichts. Diese Reise hat die Welt erschüttert. Fast 20 Schauspieler setzen unter der Regie von Ulrich Lampen dieses Meisterwerk in Szene. Der Rhythmus der Prosa ist von Céline, akustisch erfahrbar wird das verstörende Kunstwerk erstmals in der Hörspielinszenierung des Bayerischen Rundfunks.

Über den Autor
Louis-Ferdinand Celine, geboren 1894 in Courbevoie, gestorben 1961 in Meudon.
Nach seiner Entlassung aus der Armee war er 1916/1917 als Verwalter auf einer Plantage in Schwarzafrika tätitg. Wieder zurück in Frankreich studierte er Medizin und arbeitete als Arzt für den Völkerbund. 1927 verließ er den Völkerbund und ließ sich als Armenarzt in Clichy bei Paris nieder. 1932 erschien sein berühmter erster Roman „Reise ans Ende der Nacht“. Ab 1937 entzweite sich das intellektuelle Paris mit ihm, weil er neben seinen Romanen antisemitische Pamphlete verfasste.

Erscheinungstermin: 14.03.2008, Der Hörverlag (Hörprobe), 5 CDs / 263 Min., 29,95 Euro.

Der Titel „Beste Interpretin“ ging an die Schauspielerin Irm Hermann für ihren Monolog der Emmy Göring in „Enigma Emmy Göring“ von Werner Fritsch (ebenfalls Hörverlag).

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Hermann zeige, wie „raffiniert die Nazi-Gattin ihre scheinbare Naivität inszenierte“, lobt die Jury.

Louis Pergauds Klassiker „Der Krieg der Knöpfe“ (Headroom) erhält die Auszeichnung als „Bestes Kinderhörbuch“.

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Quelle: Börsenblatt

Preis der Leipziger Buchmesse – Kategorie Belletristik

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Die 16 Buchtitel, die es in die Fianalrunde um den „Preis der Leipziger Buchmesse“ geschafft haben, wurden am Freitag bekannt gegeben. In den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung wurden insgesamt 760 Titel eingereicht, die Jury muss nun entscheiden, wer den mit 15.000 Euro dotierten „Preis der Leipziger Buchmesse“ in der jeweiligen Kategorie erhält. Am 11. März, am Eröffnungstag der Leipziger Buchmesse, werden die Preise vergeben. Die folgenden Titel sind nominiert in der Kategorie:

Belletristik

Wilhelm Genazino: Das Glück in glücksfernen Zeiten

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Der Arbeitsmarkt kennt keine Gnade, erst recht nicht für Philosophen. Daher tritt Dr. phil. Gerhard Warlich eine Stelle als Wäscheausfahrer an und richtet sich ein in dieser nicht allzu aufregenden, aber sicheren Existenz. Doch als seine Freundin Traudel sich ein Kind wünscht, bringt das Warlich, der eigentlich nur „halbtags leben“ möchte, vollkommen aus dem Gleis. Wilhelm Genazino erzählt diese Geschichte eines traurigen Helden und seiner viel weniger traurigen Freundin mit verblüffender Lakonie. Keiner beschreibt die menschliche Verzweiflung an Leben und Liebe so ironisch und brillant wie er.

Reinhard Jirgl: Die Stille

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Einhundert Jahre aus der Geschichte zweier Familien und aus der Geschichte eines Landes: Reinhard Jirgls „Die Stille“ ist das monumentale Epos vom langen 20. Jahrhundert in Deutschland. Am Anfang steht ein Fotoalbum, die ältesten Bilder sind über achtzig Jahre alt: einhundert Fotografien zweier Familien, die eine aus Ostpreußen stammend, die andere aus der Niederlausitz. Zwei Weltkriege, Inflation, Flucht und Vertreibung haben diese beiden Familien über fünf politische Systeme hinweg, von der Kaiserzeit bis heute, überlebt. Den einhundert Fotografien folgend, erzählt Jirgl Geschichten von Verletzungen, Liebe und Verrat. „Die Stille“ bestätigt seinen außergewöhnlichen Rang.

Daniel Kehlmann: Ruhm

ruhmKurzbeschreibung
Ein Mann kauft ein Mobiltelefon und bekommt Anrufe, die einem anderen gelten nach kurzem Zögern beginnt er ein Spiel mit der fremden Identität. Ein Schauspieler wird von einem Tag auf den nächsten nicht mehr angerufen, als hätte jemand sein Leben an sich gerissen. Ein Schriftsteller macht zwei Reisen in Begleitung einer Frau, deren größter Alptraum es ist, in einer seiner Geschichten vorzukommen. Ein verwirrter Internetblogger wiederum wünscht sich nichts sehnlicher, als einmal Romanfigur zu sein. Eine Krimiautorin geht auf einer abenteuerlichen Reise in Zentralasien verloren, eine alte Dame auf dem Weg in den Tod hadert mit dem Schriftsteller, der sie erfunden hat, und ein Abteilungsleiter in einem Mobiltelefonkonzern verliert über seinem Doppelleben zwischen zwei Frauen den Verstand. Neun Episoden, die sich nach und nach zu einem romanhaften Gesamtbild ordnen, ein raffiniertes Spiel mit Realität und Fiktionen: ein Spiegelkabinett. Ein Buch über Ruhm und Verschwinden, Wahrheit und Täuschungen – voll unvorhersehbarer Wendungen, komisch und brillant.

Sibylle Lewitscharow: Apostoloff

apostoloffKurzbeschreibung
Zwei Schwestern. Die eine auf der Rückbank, die andere auf dem Beifahrersitz, die eine scharfzüngig und kampflustig, die andere nachsichtig und höflich: Sie sind unterwegs im heutigen Bulgarien. Auf der ersten Hälfte ihrer Reise waren sie Teil eines prächtigen Limousinenkonvois, der die Leichen von 19 Exilbulgaren – in den Vierzigern von Sofia nach Stuttgart ausgewandert – in ihre alte Heimat überführte. Darunter der frühverstorbene Vater der Schwestern. Jetzt sind sie Touristinnen, chauffiert vom langmütigen Rumen Apostoloff. Er möchte den beiden die Schätze seines Landes zeigen, die Keramik mit Pfauenaugendekor (dessen Kobaltblau giftig ist), die Schwarzmeerküste (komplett versaut), die Architektur (ein Verbrechen des 20. Jahrhunderts). Die Jüngere, die Erzählerin, spuckt Gift und Galle.
Apostoloffs Vermittlungsversuche zwischen Sofia und Stuttgart sind zunächst wenig erfolgreich. Denn das bulgarische Erbe der Schwestern wiegt schwer – wenn der Vater, der erfolgreiche Arzt und schwermütige Einwanderer, in ihren Träumen auftaucht, schlängelt das Ende des Stricks, an dem er sich erhängt hat, noch hinter ihm her. Doch dem »Unglück, das dieses Aas von einem Vater auf Häupter und Herzen seiner Töchter geladen hat« wird nicht auf melancholische Art begegnet.
Sibylle Lewitscharoffs neuer Roman ist eine Suada von der Rückbank, die bissige, rabenschwarze und erzkomische Abrechnung einer Tochter mit dem Vater und seinem Land.

Andreas Maier: Sanssouci

sanssouciKurzbeschreibung
Apostelgeschichte 19,32. An einem heißen Sommertag wird auf dem Frankfurter Hauptfriedhof der tödlich verunglückte Regisseur Max Hornung beerdigt. Nach seinem Umzug aus Frankfurt am Main lebte er in Potsdam. Von dort sind als Trauergäste angereist: Merle Johansson, eine zwielichtige Schönheit, mit ihrem kleinen Sohn Jesus, die eigenwillig verwahrlosten Zwillinge Heike und Arnold und ein paar Fernsehleute. Der Rußlanddeutsche Alexej, Novize eines russisch-orthodoxen Klosters, ist aus München gekommen … Was hatten sie alle mit Hornung zu schaffen?Potsdam verfügt, abgesehen von dem Weltkulturerbe Sanssouci, über viele Plätze und Kneipen und einen doppelten Boden, was im wörtlichen Sinn zu verstehen ist: Unter dem Park von Sanssouci verläuft ein Tunnelsystem mit zahlreichen Räumen. Einige davon wurden offenbar für unchristliche Andachten und SM-Sitzungen verwendet. Jugendliche, die sich dort herumtreiben, tricksen die Erwachsenen aus – mit bedrohlichen Folgen.
Hat Hornung davon gewußt, der Westler, der die Potsdamer in seiner Fernsehserie »Oststadt« so porträtierte, daß ein erbitterter Streit in der Stadt entbrannte, der sich schon bald ins Possenhafte überschlug? Wohl nicht, höchstens durch Vermittlung der Herumlungerer vor den Trinkbuden der Stadt – Champions der Bedürfnislosigkeit, auf die ein Platz im Himmel der Bergpredigt wartet. Was für sie abfällt, schnappen sie auf, um den Kosmos des Geredes zu mästen.
Wie in Wäldchestag seziert Andreas Maier komisch gewagt und ironisch verheerend die deutsche Gegenwartsgesellschaft, diesmal ein Zentrum ostdeutscher Provinz.

Julia Schoch: Mit der Geschwindigkeit des Sommers

mit-der-geschwindigkeit-des-sommersKurzbeschreibung
Vor allem die Frauen waren übermütig, ihre Gesichter leuchteten, und ihr Lachen hörte man die ganze Nacht hindurch. Als hätte ihnen nun der Lauf der Geschichte, die Auflösung unseres Staates, ein Argument für ein eigenes Leben gegeben. Meine Schwester aber, die in der Abgeschiedenheit der Kiefernwälder und des Stettiner Haffs von der Freiheit geträumt hatte, hatte noch nichts, das sich zu verlassen lohnte. Nur die Familie, den Ehemann. Aber sie blieb, traf sich wieder mit ihrem alten Liebhaber und gab sich fast schwärmerisch der verlockenden Vorstellung hin, dass in diesem anderen Staat ein anderer Lebenslauf für sie bereitgestanden hätte. Wäre ich aufmerksamer gewesen, hätte ich ihre verhängnisvolle Entscheidung vielleicht rückgängig machen können.

Quelle: Leipziger Buchmesse

Newbery Medal – Kinderbuchpreis geht an Neil Gaiman für Das Graveyard-Buch

Dem britischen Schriftsteller Neil Gaiman ist der angesehene Kinderbuchpreis, die Newbery Medal zugesprochen worden. Er erhält die Auszeichnung für den Roman „Das Graveyard-Buch„, das kürzlich im Arena Verlag in deutscher Übersetzung erschienen ist.

Die Newbery Medal ist ein seit 1922 von der Association for Library Service to Children, eine Untergruppe der American Library Association, vergebener Literaturpreis. Zusammen mit der Caldecott Medal ist dieser Preis der prestigeträchtigste US-amerikanische Preis für Kinder- und Jugendliteratur. Der Preis ist nach John Newbery, einem Publizisten des 18. Jahrhunderts und Errichter der ersten Büchereien, benannt.

„Das Graveyard-Buch“ steht seit 14 Wochen auf der „New-York-Times-Bestsellerliste“, davon mehrere Wochen auf Platz 1. Die deutsche Übersetzung des Buches ist verpackt in eine geprägte, vierfarbig bedruckte Metallbox in Grabsteinform in den Handel gekommen.

das-graveyard-buchKurzbeschreibung
Nobody Owens ist noch ein Baby, trotzdem entkommt er als einziger aus seiner Familie einem brutalen Mörder. Zuflucht findet er ausgerechnet auf einem Friedhof, die Geister und Untoten nehmen ihn bei sich auf und ziehen ihn groß. Doch der Feind wartet auf den Tag, an dem Nobody zu den Lebenden zurückkehren wird.

„Der erste Absatz ist so, dass man das Buch ganz sicher keinem Jugendlichen in die Hand drücken möchte: Klar und kalt wird dort geschildert, wie ein Einbrecher eine Familie beinahe vollständig absticht und sich nun aufmacht, den letzten Überlebenden, ein anderthalbjähriges Kind, in seinem Bettchen zu ermorden“, heißt es in einer Rezension der FAZ vom 17.01.09 unter der Überschrift: Totentanz – Die erste Ruhestätte: Ein morbides Dschungelbuch

Der Engländer Neil Gaiman, 1960 geboren, arbeitete zunächst in London als Journalist und wurde durch seine Comic-Serie „Der Sandmann“ bekannt. Neben den Romanen „Niemalsland“ und „Der Sternwanderer“ schrieb er zusammen mit Terry Pratchett „Ein gutes Omen“ und verfasste über seinen Kollegen und Freund Douglas Adams die Biographie „Keine Panik!“. Er lebt seit einigen Jahren mit seiner Familie in den USA, in Minneapolis.

In einem MTV-Interview verkündete er, dass „Das Graveyard-Buch“ als Realfilm produziert werde. Alle Angebote von Hollywood-Studios, die Geschichte über einen kleinen Jungen, der in Anspielung auf Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ inmitten von Geistern auf einem Friedhof aufwächst, als Animationsfilm auf die Leinwand zu bringen, schlug der Autor aus.

„Ich will echte Geister sehen, ich möchte den Friedhof berühren können“, begründete Gaiman seine Entscheidung. Den Zuschlag erhielten schließlich die Special-Effects-Experten der englischen Firma Framestone, die auch schon für „James Bond †“ Ein Quantum Trost“ oder „Harry Potter und der Halbblutprinz“ gearbeitet haben. Wie schon bei „Der Sternenwanderer“ wird Neil Gaiman selbst auch diesmal als Produzent auftreten.

Neil Gaimans Roman „Coraline“ kommt bereits am 25. Juni 2009 in die deutschen Kinos. Das Buch ist im Jahr 2003 im Arena Verlag erschienen, eine überarbeitete Neuauflage mit neuem Cover wird zum Filmstart ausgeliefert. Der Animationsfilm von Henry Selick, dem Macher von „Nightmare before Christmas“, wird in den USA (Filmstart 6. Februar) bereits mit Spannung erwartet.

Trailer „Coraline“ – deutsch

Quellen: Süddeutsche Zeitung, FAZ, Wikipedia

Deutscher Krimipreis 2009 – Die Gewinner im Überblick

Am 19. Januar teilte das Bochumer Krimiarchiv, das den Deutschen Krimipreis vergibt, die diesjährigen Gewinner der Auszeichnung mit.
In der Kategorie „National“ erhielt der Schweizer Autor Linus Reichlin für seinen Roman „Die Sehnsucht der Atome“ den ersten Platz. Richard Stark landete mit seinem Krimi „Fragen Sie den Papagei“ in der Kategorie „International“ auf dem ersten Platz. Der Preis wurde dem amerikanischen Autor posthum verliehen. Stark war am 31. Dezember 2008 im Alter von 75 Jahren gestorben.
Der undotierte Deutsche Krimipreis wird seit 1985 vergeben. Geehrt werden Autoren, „die literarisch gekonnt und inhaltlich originell dem Genre neue Impulse“ geben. Die Jury besteht aus Krimikritikern, Literaturwissenschaftlern und Mitarbeitern von Krimibuchhandlungen.

Nachfolgend die Preisträger des Deutschen Krimipreises 2009 im Überblick:

NATIONAL:

1. Platz: Linus Reichlin: Die Sehnsucht der Atome

Kurzbeschreibung
Die mysteriöse Unerklärlichkeit des Seins
Seit seiner Schulzeit steht es Inspektor Hannes Jensen als warnendes Beispiel vor Augen: das Heliumatom! Das Heliumatom, so hatte damals sein Physiklehrer erklärt, ist nicht getrieben von der Sehnsucht, sich zu binden, und geht mit keinem anderen Atom eine Symbiose ein. Es ist in sich vollkommen, aber auch vollkommen alleine!

Nach Jensens Ansicht ist dieser Fall von Bindungsangst seinem eigenen Schicksal nicht ganz unähnlich. Und so müsste er eigentlich erfreut sein, dass eine bizarre Laune des Universums eine ausnehmend schöne Frau an seine Seite beamt. Die allerdings ist blind, ziemlich herrisch und scheint sich auch nicht sehr für ihn zu interessieren †” umso mehr aber für den höchst rätselhaften Fall, der Jensen gerade beschäftigt: Ein amerikanischer Tourist hatte im Kommissariat um Hilfe gebeten, weil er sich bedroht fühlte. Am nächsten Tag fand man ihn tot auf der Straße. Seine Obduktion deutet auf einen Mord, der menschliche Fähigkeiten übersteigt. Was haben seine beiden elfjährigen Söhne damit zu tun, die ihren Vater gehasst haben und spurlos verschwunden sind? Oder deren mysteriöse Kinderfrau, der seherische Kräfte nachgesagt werden? Und nicht zuletzt: Wie soll der Hobby-Quantenphysiker Jensen das in Ruhe herausfinden, wenn ihm die schöne Blinde immer dazwischenfunkt?
Die Spur führt Jensen nicht nur nach Arizona und Mexiko, sondern auch an die Grenzen der erklärbaren Welt.

2. Platz: Bernhard Jaumann: Die Augen der Medusa

Kurzbeschreibung
Frost liegt auf den Feldern von Montesecco. Doch eine Explosion zerstört die friedliche Winterlandschaft: Die Limousine von Staatsanwalt Malavoglia wurde von einer Granate getroffen. Am nächsten Tag kesselt eine Spezialeinheit der italienischen Polizei ganz Montesecco ein und arbeitet sich zum Haus des 17-jährigen Vannoni vor. Binnen kurzem belagern Journalisten das kleine Bergdorf in der Mitte Italiens. Nach Gutdünken drehen sie den Einwohnern das Wort im Mund um. Schnell wird Montesecco zum kriminellsten Ort des Landes, wo aus einem übersensiblen Jungen ein Killer wird. Es dauert lange, bis die Bewohner aus ihrer Agonie erwachen. Denn Montesecco ist in Gefahr. Und es geht um alles.

3. Platz: Heinrich Steinfest: Mariaschwarz

Kurzbeschreibung
Gibt es die perfekte Beziehung? Am ehesten wohl bei jener Symbiose, die ein Wirt und sein Gast eingehen. Wie zwischen Job Grong, dem Wirt, und Vinzent Olander, seinem Gast. Bis zu dem Tag, als Grong ihn vor dem Ertrinken in einem See rettet. Danach ist alles anders. Der See ist ein tiefes Gewässer, das den Namen Mariaschwarz trägt und von dem die Einheimischen meinen, in ihm würde sich nicht nur das Weltall spiegeln, sondern auch ein Ungeheuer beheimatet sein. Als man ein Skelett aus jenem See birgt, ruft das den Wiener Kriminalinspektor Lukastik auf den Plan. Mit famoser Arroganz und gewohnt unkonventionellen Ermittlungsmethoden tritt er in das Leben der Dorfbewohner und stellt Mariaschwarz gewissermaßen auf den Kopf. Doch an manchen Beziehungen gibt es nichts zu rütteln.

INTERNATIONAL:

1. Platz: Richard Stark: Fragen Sie den Papagei (Ask the Parrot)

Kurzbeschreibung
Kennen Sie Parker? Er ist das durch und durch Böse. Parker ist nach einem Banküberfall auf der Flucht, verfolgt von einer Meute Polizisten mit Spürhunden. Reiner Zufall, dass er auf Tom Lindahl stößt, einen Außenseiter mit Papagei, der ihm eine Fluchtmöglichkeit und ein Dach über dem Kopf bietet. In dem tristen kleinen Ort in Massachusetts schmieden die beiden einen nicht ungefährlichen Plan, und jeder, der diesem in die Quere kommt, scheitert an Parkers Skrupellosigkeit. Parker ist „der hartgesottenste unter den Hartgesottenen, ein wahrhaft furchterregender Typ“ (The Guardian). Mit diesem Thriller beginnt Zsolnay die Wiederentdeckung des Autors Richard Stark. Viele Parker-Romane wurden verfilmt, darunter „Point Blank“ mit Lee Marvin in der Hauptrolle.

2. Platz: Jerome Charyn: Citizen Sidel (Citizen Sidel)

Kurzbeschreibung
Isaac Sidel ist Kandidat der Demokraten für die Vizepräsidentschaft. Er hat es mit skrupellosen Republikanern, betrügerischen Polizisten und korrupten FBI-Agenten zu tun. Doch das ist längst nicht alles, womit sich New Yorks Oberbürgermeister herumschlagen muss. Neben der Unterstützung für den kommenden Präsidenten machen ihm auch mörderische Gangster aus der Bronx, Selbstmordattentäter und ein 85-jähriger Rumäne, bekannt als der Metzger von Bukarest, das Leben zur Hölle. Der Krimi wartet mit der vollen, schillernden Bandbreite des Big Apple auf und strotzt nur so von intelligentem Witz.

3. Platz: Deon Meyer: Weißer Schatten (Onsigbaar / Blood Safari)

Kurzbeschreibung
Er nennt sich Lemmer, er ist weiß, und sein Job ist es, unsichtbar zu sein. Er ist der Bodyguard im Schatten. Als Emma le Roux, eine weiße Südafrikanerin, ihn anheuert, hofft Lemmer auf einen schnellen, harmlosen Job. Er soll Emma zum Krüger Nationalpark begleiten. Sie meint, ihren vor zwanzig Jahren verschwundenen Bruder in den Fernsehnachrichten gesehen zu haben. Angeblich hat er skrupellos vier Wilderer ermordet, die ein Reservat überfielen. Kaum sind sie im Krüger-Park angekommen, muss Lemmer eine giftige Schlange töten, die jemand in Emmas Apartment geschmuggelt hat. Er begreift, dass er einer Sache auf der Spur ist, die etliche Nummern zu groß und zu gefährlich für ihn ist. Dann, nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht, wird Emma schwer verletzt. Allein versucht Lemmer, ihren Angreifer zu finden. Der Showdown beginnt.

Eine öffentliche Preis-Verleihung findet in diesem Jahr nicht statt.

Der Vorleser – Kate Winslet erhält Golden Globe für die Rolle der Hanna Schmitz

Gleich zwei Golden Globes gab es für die Britin Kate Winslet (33), die sowohl für ihre Rolle in der Bernhard-Schlink-Bestsellerverfilmung Der Vorleser (The Reader) wie auch in dem Ehedrama Zeiten des Aufruhrs geehrt wurde.

Kate Winslet war von ihrem Doppelsieg zu Tränen gerührt. Sie hatte trotz mehrerer Nominierungen bisher noch nie einen Golden Globe oder einen Oscar erhalten.

In Der Vorleser nach dem gleichnamigen deutschen Erfolgsroman spielt sie die erfahrene Liebhaberin eines viel jüngeren Mannes, die sich später in einem Kriegsverbrecherprozess verantworten muss.

Als der 15-jährige Schüler Michael (David Kross) einen Blackout hat, hilft ihm die wesentlich ältere Schaffnerin Hanna Schmitz (Kate Winslet). Nach seiner Genesung entwickelt David erste erotische Leidenschaft für sie und liest ihr regelmäßig vor. Bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Viele Jahre später trifft David (nun: Ralph Fiennes) sie wieder: Vor Gericht, wo sie sich als KZ-Aufseherin verantworten muss. Seine Zuneigung für die Analphabetin besteht weiter.

Bernhard Schlinks internationaler Erfolgsroman, ein Stück deutscher Vergangenheitsbewältigung, findet zu brillanter Leinwandumsetzung von „The Hours“-Regisseur Stephen Daldry. Mit hochkarätiger britisch-deutscher Starbesetzung leuchtet das Drama Schuld und Vergebung aus.

Kinostart ist am 26.02.2009.

Quelle: ZEIT, Kino.de