Kauf dir mal ein Bier, Alter

Jeroen BrouwersJeroen Brouwers lehnt den mit 16.000 Euro dotierten niederländischen Literaturpreis ab, er will keine Almosen. „Ich schreibe nicht aus Geldgier, sondern aus Armut.“ Im vergangenen Jahr, so Brouwers, habe er mit seinen Werken gerade mal 6000 Euro eingenommen. „Es ist, als ob ich nun zu hören bekomme: Hier, kauf dir mal ein Bier, Alter.“

Damit hat der 67-jährige Schriftsteller, der für sein Gesamtwerk ausgezeichnet wurde, eine heftige Debatte über das Ansehen von nationalen Literaturpreisen ausgelöst.

Brouwers sollte, den seit 1956 alle drei Jahre verliehenen Literaturpreis der „Nederlandse Taalunie„, des flämisch-niederländischen Verbundes zur Pflege der gemeinsamen Sprache, am 20. November in Brüssel aus den Händen von König Albert empfangen. Es ist das erste Mal, dass diese höchste Auszeichnung beider Länder abgelehnt wird.

Die flämische Autorenvereinigung teilt Brouwers Auffassung, dass der Staatspreis im Gegensatz zu anderen literarischen Auszeichnungen zu gering dotiert und das Preisgeld seinem Prestige unwürdig ist. Um einen Eklat zu verhindern, hatte Flanderns Kultusminister Bert Anclaux bei seinem holländischen Kollegen Ronald Plasterk vergeblich darauf gedrungen, das Preisgeld zu erhöhen.

Bisherige Preisträger sind unter anderem Harry Mulisch, Hella S. Haasse und Willem Frederik Hermans

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Milan Kundera erhält Staatspreis für Literatur 2007

Milan Kundera erhält den mit 300.000 tschechischen Kronen (etwas 10.900 Euro) dotierten wichtigsten Literaturpreis seines Heimatlandes Tschechien. Ob er ihn annimmt und zur Preisverleihung zum Nationalfeiertag am 28. Oktober persönlich erscheint, ist allerdings fraglich.

Die unerträgliche Leichigkeit des SeinsDer heute 78-jährige Kundera lebt seit 1975 in Paris, seit 1981 ist er französischer Staatsbürger – die tschechoslowakische Staatzugehörigkeit war ihm in den 70er Jahren aberkannt worden – und seit 1985 gibt Milan Kundera keine Interviews mehr. Und wenn dann nur noch schriftlich. Zu oft fühlte er sich missverstanden. Das Verhältnis zu seinem Heimatland Tschechien ist nicht von Leichtigkeit geprägt, jahrzehntelang war es eher unerträglich. Ein Essay-Duell mit Vaclav Havel über die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und die Sicht auf die eigene Nation Ende der 60er Jahre hatte sein übriges getan, um das Verhältnis zu seinem Heimatland zu zerrütten. Einige seiner Bücher sind bis heute nicht in seiner Muttersprache erschienen, von Exilauflagen einmal abgesehen. Der Autor hatte immer wieder sein Veto eingelegt. Erst 2006 konnten seine tschechischen Landsleute wieder „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ auf Tschechisch kaufen und bescherten dem Buch einen riesigen Erfolg. Kundera schreibt seit Jahrzehnten auf Französisch.

Mit dem Staatspreis ist wohl die Hoffnung verbunden, dass Kundera die Übersetzung und Herausgabe seiner Romane in Tschechien beschleunigt.

Thomas von Steinaecker erhält aspekte-Literaturpreis 2007 für „Wallner beginnt zu fliegen“

Der aspekte-Literaturpreis wird in diesem Jahr zum 29. Mal vergeben. Er ist mit 7500 Euro dotiert und die bedeutendste Auszeichnung für deutschsprachige Erstlingswerke. Der Jury gehören prominente Literaturkritiker aus Österreich, der Schweiz und Deutschland an: Pia Reinacher, freie Kritikerin aus der Schweiz, Anton Thuswaldner von den Salzburger Nachrichten, Hubert Spiegel von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Hajo Steinert vom Deutschlandfunk Köln und Wolfgang Herles, Leiter der ZDF-Redaktion aspekte.

Gestern Abend stellte Wolfgang Herles Thomas von Steinaecker und sein preisgekröntes Buch „Wallner beginnt zu fliegen“ von der Frankfurter Verlagsanstalt in der „aspekte-extra“-Sendung von der Frankfurter Buchmesse vor und überreichte ihm die Urkunde.
Thomas Steinaecker Von Steinaecker ist ein Shootingstar des Literaturbetriebs. „Wallner beginnt zu fliegen“ war auch auf der Short List des Deutschen Buchpreises zu finden. Das komplexe Werk ist eine Art Familienroman, angereichert mit Science-Fiction-artigen und ironischen Zügen. Die Geschichte beginnt heute und reicht bis ins Jahr 2070. Die Vertreter der verschiedenen Generationen haben sich kaum mehr was zu sagen, das Buch umkreist ein Vakuum des Unausgesprochenen. Texte ohne Punkt und Komma, ohne Sinn und Verstand verbreiten in diesem Buch die Medien, für die der Autor reichlich Spott und Hohn übrig hat.

Thomas von Steinaecker wurde 1977 geboren und lebt in München. Er promovierte mit der Arbeit „Foto-Texte. Zur Funktion der Fotografien in den Texten Rolf Dieter Brinkmanns, Alexander Kluges und W.G. Sebalds“.1996 erhielt er den Hattinger Förderpreis, 2003/04 das Autorenwerkstatt-Stipendium des Literarischen Colloquium Berlin. Er nahm am 11. „Open Mike“ in Berlin und am „textwerk“-Seminar des Literaturhauses München teil. 2006 wurde er zum 10. Klagenfurter Literaturkurs eingeladen.

Literaturnobelpreis geht an Doris Lessing

Doris LessingHerzlichen Glückwunsch, Doris Lessing!

Doris Lessing, geboren am 22. Oktober 1919 in Kermanschah, Persien, wurde bekannt durch „Das goldene Notizbuch“ aus dem Jahr 1961. Es gilt als ihr Hauptwerk. Zwei politisch engagierte, intellektuelle und emanzipierte „ungebundene Frauen†œ stehen im Mittelpunkt dieses Buches. Form und Inhalt des Romans können auch heute noch überzeugen, das Werk wurde häufig als Klassiker des Feminismus bezeichnet.
1982 distanzierte sich Doris Lessing von dieser Sichtweise in einem Interview mit der New-York-Times: „Die Feministinnen verlangen von mir einen religiösenn Akt, den sie nicht genauer untersucht haben. Sie wollen, dass ich Zeugnis ablege. Am liebsten möchten sie, dass ich sage: „Ich stehe auf eurer Seite, Schwestern, in eurem Kampf für den goldenen Tag, an dem all die brutalen Männer verschwunden sind. Wollen sie wirklich, dass man allzu vereinfachende Aussagen über das Verhältnis zwischen Männern und Frauen macht? Genau das wollen sie. Mit großem Bedauern bin ich zu diesem Schluss gelangt.†œ
Erst kürzlich ist ihr neues Buch „Die Kluft“ erschienen. Doris Lessing kehrt in diesem Roman zu den Ursprüngen der Menschheit zurück und beschreibt eine mythische Gesellschaft, die tatsächlich frei von all diesen Dingen ist: eine Gesellschaft ohne Männer.
Die heute 87-jährige Schriftstellerin lebt in England und arbeitet bereits wieder an einem neuen Roman, wie sie kürzlich in einem ihrer seltenen Interviews berichtete.

Julia Franck erhält Deutschen Buchpreis 2007

Herzlichen Glückwunsch, Julia Franck!

Zum dritten Mal hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Deutschen Buchpreis vergeben. Siegerin ist in diesem Jahr Julia Franck, deren Roman „Die Mittagsfrau“ (mehr Infos zu dem Buch und zur Autorin hier) zum besten deutschsprachigen Roman 2007 gekürt worden ist.
Julia Franck hat sich durchgesetzt gegen Thomas Glavinic (Das bin doch ich, Hanser), Michael Köhlmeier (Abendland, Hanser), Katja Lange-Müller (Böse Schafe, Kiepenheuer & Witsch), Martin Mosebach (Der Mond und das Mädchen, Hanser) und Thomas von Steinaecker (Wallner beginnt zu fliegen, FVA). Sie erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.

„Das Buch überzeugt durch sprachliche Eindringlichkeit, erzählerische Kraft und psychologische Intensität. Ein Roman für lange Gespräche†œ, lautete die Begründung der siebenköpfigen Jury. Das Gremium, dem Literaturkritiker angehören, habe sich mit großer Mehrheit für Francks Roman entschieden.
Mit der Auszeichnung, die sich am britischen Booker Prize orientiert, will die Buchbranche der modernen deutschsprachigen Literatur auch im Ausland mehr Aufmerksamkeit verschaffen.

Wer Julia Franck als neu gekürte „Buchpreisträgerin“ in München in einer Lesung erleben möchte, sollte sich beeilen und Karten reservieren. Mehr Informationen über die Lesung am 16.10. im Literaturhaus gibt es hier.

Foto: Lesekreis