Spiegel-Bestenliste Taschenbücher Woche 24/2010

Platz 1 : Das Böse in uns von von Cody Mcfadyen

Kurzbeschreibung
Ein Flug nach Virginia. Alles wie gewohnt. Die Passagiere fühlen sich wohl. Auch Lisa. Bis sich ihr Nachbar zu ihr herüberlehnt und flüstert: „Lisa, ich werde dich jetzt töten.“ Nach der Landung findet die Besatzung Lisas Leiche. Die FBI-Agentin Smoky Barrett hat lediglich einen Hinweis: ein silbernes Kreuz mit der Zahl 143 im Körper der Toten. Zählt der Mörder seine Opfer? Smoky hat es offenbar mit einem Serienkiller zu tun. Denn im Internet tauchen brutale Videos von Hinrichtungen auf. Die Filme verraten, dass jedes Opfer Sünden begangen hatte, die wie ein Schatten auf seiner Seele lasteten: Mord, Kinderschändung, Vergewaltigung. Mit seinen Taten will der Mörder die Schuld seiner Opfer sühnen. Smoky Barrett steht als Nächste auf seiner Liste. Denn auch sie hat ein finsteres Geheimnis.

Platz 2 : Eine ganz andere Geschichte von Håkan Nesser

Kurzbeschreibung
Die Bretagne im Sommer: Ein paar schwedische Touristen verbringen im Finistère ein paar vergnügte Urlaubswochen. Es ist eine zusammengewürfelte Gesellschaft: zwei Paare und zwei Einzelkämpfer, alles in allem sechs Leute, die freizeitbedingt miteinander Freundschaft schließen. Sie baden, sie essen, sie machen Ausflüge und flirten ein wenig über die Ehegrenzen hinweg. Und als die Ferien vorbei sind, trennen sich ihre Wege, wie das ja oft der Fall ist. Übrig bleiben ein paar vereinzelte Fotos, womöglich ein Gruppenbild, das ein oder andere Aquarell †“ und ein anonymes Tagebuch, das ihre Eskapaden schildert, wie sich später herausstellen wird, als die Tragödie bereits ihren Lauf genommen hat. Denn fünf Jahre später beginnt jemand, sie zu töten, einen nach dem anderen, wobei die Morde Gunnar Barbarotti, Inspektor in Kymlinge, jeweils zuvor brieflich angekündigt werden. Der Fall erregt große Aufmerksamkeit in den Medien, die Polizei steht naturgemäß unter Druck. Der Mörder indes spielt Katz und Maus mit den Ermittlern †“ und erscheint unbegreiflicher und unberechenbarer als je zuvor. Was ist damals in der Bretagne wirklich passiert? Und warum bekommt ausgerechnet Inspektor Barbarotti die Briefe? Im zweiten Buch um Gunnar Barbarotti, „Eine ganz andere Geschichte†œ, begegnen wir erneut dem geläuterten Zweifler und Gott herausfordernden Mann, den wir bereits im Kriminalroman „Mensch ohne Hund†œ kennengelernt haben. Seine Berufskarriere erscheint ihm immer dubioser, während sein Privatleben plötzlich völlig neue Perspektiven aufweist.

Platz 3 : Der verborgene Garten von Kate Morton

Kurzbeschreibung
Ein verwunschener Garten, eine adlige Familie, ein dunkles Geheimnis
Als die junge Australierin Cassandra von ihrer Großmutter ein kleines Cottage an der Küste Cornwalls erbt, ahnt sie nichts von dem unheilvollen Versprechen, das zwei Freundinnen ein Jahrhundert zuvor an jenem Ort einlösten. Auf den Spuren der Vergangenheit entdeckt Cassandra ein Geheimnis, das seinen Anfang in den Gärten von Blackhurst Manor nahm und seit Generationen das Schicksal ihrer Familie bestimmt.
Blackhurst Manor, Cornwall, Anfang des 20. Jahrhunderts: Nach dem Tod ihrer Eltern wächst Eliza bei ihrem Onkel auf Blackhurst Manor, dem Familienbesitz der Mountrachets, auf. Sie und ihre Cousine Rose werden schnell unzertrennlich. Um der Welt der Erwachsenen zu entfliehen, erkunden sie das geheimnisvolle Anwesen und entdecken einen verborgenen Garten mit einem Cottage †“ ein Ort, an den sich die fantasievolle Eliza immer wieder zurückziehen kann. Doch als die Mädchen erwachsen werden, zerbricht ihre einstige Freundschaft. Rose verliebt sich in Nathaniel, und als die beiden heiraten, zieht sich Eliza in das Cottage zurück, um sich ganz dem Schreiben von Geschichten zu widmen. So ahnt sie nicht, dass Rose zutiefst unglücklich ist, weil ihre Ehe kinderlos bleibt. In ihrer Verzweiflung bittet sie Eliza um Hilfe. Ein unheilvoller Plan wird in die Tat umgesetzt und bestimmt fortan das Schicksal der nachfolgenden Generationen …

Platz 4 : Verblendung von Stieg Larsson

verblendungKurzbeschreibung
Eine Familiengeschichte, die einen nicht mehr loslässt. Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffens spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zutage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, sie hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt. An seinem 82. Geburtstag erhält der einflussreiche Industrielle Henrik Vanger per Post anonym ein Geschenk. Das Paket enthält eine gepresste Blüte hinter Glas, genau wie in den 43 Jahren zuvor. Vangers Lieblingsnichte Harriet hatte ihm 1958 zum ersten Mal dieses Geschenk gemacht, doch dann verschwand sie spurlos. Ihr Leichnam wurde nie gefunden. In einer letzten Anstrengung beschließt Vanger herauszufinden, was dem geliebten Mädchen tatsächlich zustieß. Er engagiert den Journalisten Mikael Blomkvist, der, getarnt als Biograf, bald auf erste Spuren stößt. Unterstützt wird er von der jungen Ermittlerin Lisbeth Salander, einem virtuosen Computergenie mit messerscharfem Verstand. Je tiefer Blomkvist und Salander in der Vangerschen Familiengeschichte graben, desto grauenvoller sind ihre Enthüllungen. Ausgezeichnet mit dem skandinavischen Krimipreis. -> mehr Infos zu der Trilogie und zum Film

Platz 5 : Vergebung von Stieg Larsson

vergebungKurzbeschreibung
Wer suchet, der tötet
Die Ermittlerin Lisbeth Salander steht unter Mordverdacht. Ihr Partner Mikael Blomkvist schwört, ihre Unschuld zu beweisen. Er weiß, dass es um Salanders Leben geht. Als seine Ermittlungen die schwedische Regierung in ihren Grundfesten zu erschüttern drohen, setzt er alles auf eine Karte.
Klappentext
†œLarssons Gespür für Timing und Spannung ist überragend.† taz
†œSo packend, dass man dafür Urlaub nehmen sollte!† TV Spielfilm
†œStieg Larssons erzählerische Virtuosität (…) lässt seine Trilogie weit über das Genre des Polit-Thrillers hinauswachsen: Sie ist ein großer Gesellschaftsroman.† Der Spiegel

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Platz 6 : Verdammnis von Stieg Larsson

VerdammnisKurzbeschreibung
Mikael Blomkvist recherchiert in einem besonders brisanten Fall von Mädchenhandel, die Hintermänner bekleiden höchste Regierungsämter. Als sein Informant tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf Blomkvists Partnerin Lisbeth Salander. Eine mörderische Hetzjagd beginnt. Der neue große Roman des preisgekrönten Bestsellerautors Stieg Larsson. Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin „Millennium“ eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt.

Platz 7: Das Spiel des Engels von Carlos Ruiz Zafón

Kurzbeschreibung
Wir schreiben das turbulente Jahrzehnt vor dem Spanischen Bürgerkrieg, als alles aus den Fugen gerät. Die Bevölkerung Barcelonas explodiert, die Stadt expandiert, Gaudí erschafft seine Kathedrale, Banden kontrollieren ganze Stadtviertel und die Anarchisten zünden ihre Bomben. Der junge David Martín fristet sein Leben als Autor von mysteriösen Kriminalromanen und Detektivgeschichten. Als ernsthafter Schriftsteller verkannt, von einer tödlichen Krankheit bedroht und um die Liebe seines Lebens betrogen, scheinen seine großen Erwartungen sich in nichts aufzulösen. Doch einer glaubt an sein Talent: Der mysteriöse Verleger Andreas Corelli macht ihm ein Angebot, das Verheißung und Versuchung zugleich ist. David kann nicht widerstehen und ahnt nicht, in wessen Bann er gerät…
Mit unwiderstehlicher erzählerischer Kraft lockt uns Carlos Ruiz Zafón wieder auf den Friedhof der Vergessenen Bücher: mitten hinein in einen Kosmos voller Spannung und Phantastik, Freundschaft und Liebe, Schrecken und Intrige.

Platz 8 : Nein! Ich will keinen Seniorenteller: Das Tagebuch der Marie Sharp von Virginia Ironside

Kurzbeschreibung
Ein bezauberndes, witziges Lesevergnügen für alle, die sich so alt fühlen, wie sie sind
Herbst des Lebens? Generation Silber? Unsinn! Marie Sharp wird demnächst sechzig und damit schlicht alt. Ein Grund zum Feiern, wie sie findet. Schon wegen all der Dinge, die sie jetzt nicht mehr tun muss, wie etwa Volkshochschulkurse besuchen. Nichts hasst Marie so sehr wie umtriebige Senioren, die nur so alt sind, wie sich fühlen †“ sie stürzt sich lieber kopfüber in das Vergnügen, nicht mehr jung sein zu müssen. Dazu gehört ihre neue Rolle als Großmutter und eine alte Liebe. Denn Maries Jugendschwarm ist wieder zu haben …
Vom Vergnügen, endlich nicht mehr jung sein zu müssen.
„Keine leeren Floskeln, keine leeren Entmutigungen. Sondern die Erfahrungen einer liebenswerten Frau, die um keinen Preis jünger sein möchte, als sie ist und gerade dadurch wesentlich jugendlicher erscheint als manche, die dem Jugendkult verfallen sind.“ (NDR 1 )

Platz 9 : Voyeur von Simon Beckett

Kurzbeschreibung
Du gehörst mir.
Für den Londoner Galeristen Donald Ramsey ist Leidenschaft ein Fremdwort. Die Schönheit von Frauen bewundert er nur in Kunstwerken. Sein plötzliches Interesse an Anna, der neuen Assistentin, ist daher ungewohnt für ihn. So ungewohnt, dass Donald jemanden anheuert, um die junge Frau verführen zu lassen: Zeppo ist für diesen Job wie geschaffen attraktiv, charmant und vollkommen skrupellos. Eine perfekte Intrige nimmt ihren Lauf. Doch Menschen sind keine Gemälde. Und ihr Preis hat nichts mit Geld zu tun …
Wenn Besessenheit zum Mord führt: Die Geschichte einer sexuellen Obsession.

Platz 10 : Es ist nie zu spät für alles von Kajsa Ingemarsson

Kurzbeschreibung
Das neue Lieblingsbuch aus Schweden
Eine typische Straße in einer kleinen schwedischen Stadt: Hier leben Nina, Ellinor und Miriam. Alle drei Frauen stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben, doch erst die geheimnisvolle Janina, die in das leerstehende Haus am Ende der Straße einzieht, wird ihnen zeigen, wie sie neue Wege beschreiten können.
Über die Autorin
Kajsa Ingemarsson, geboren 1965, arbeitet als freie Drehbuchautorin, Schauspielerin und Programmleiterin für Radio und Fernsehen. Zu hören ist sie unter anderem in der preisgekrönten Satiresendung ‚Public Service‘. Zuvor war sie sechs Jahre lang bei der schwedischen Sicherheitspolizei mit allen Fragen rund um Russland beschäftigt.

Quelle: Buchreport – Spiegel Online

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2010 geht an David Grossman

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2010 geht an David Grossman

Zum Auftakt der Buchtage Berlin 2010 gab der Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, am 10.06.2010 bekannt, dass der Stiftungsrat den israelischen Schriftsteller David Grossman zum diesjährigen Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels gewählt hat. Der Friedenspreis wird seit 1950 jährlich vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2010 David Grossman und ehrt damit den israelischen Schriftsteller, der sich aktiv für die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern einsetzt. In seinen Romanen, Essays und Erzählungen versucht er, nicht nur die eigene, sondern immer auch die Haltung der jeweils Andersdenkenden zu verstehen und zu beschreiben. David Grossman gibt dem schwierigen Zusammenleben eine literarische Stimme, die in der Welt gehört wird. Seine Bücher zeigen, dass die Spirale von Gewalt, Hass und Vertreibung im Nahen Osten nur durch Zuhören, Zurückhaltung und die Kraft des Wortes beendet werden kann. In seinem Hauptwerk ,Eine Frau flieht vor einer Nachricht‘ zeigt David Grossman die Bedeutung der Sprache für die Suche nach Identität und warnt vor ihrer zunehmenden Militarisierung. So bietet er inmitten einer Realität von Willkür, Zwang und Entfremdung Auswege aus dem jetzigen Zustand der Gesellschaft, die sich zwischen Krieg und Frieden befindet.“

David Grossman, geboren 1954 in Jerusalem, zählt zu den einflussreichsten Schriftstellern und Journalisten Israels. In seinen Romanen und Erzählungen, Essays und Kinderbüchern, die in mehr als dreißig Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet wurden, setzt er sich vor allem mit der Identität seines Landes und dem israelisch-palästinensischen Konflikt auseinander. Er beteiligt sich zudem aktiv an der politischen Debatte um eine friedliche Lösung im Nahen Osten.

Bereits während seines Studiums der Philosophie und Theaterwissenschaften arbeitet David Grossman als Nachrichtenredakteur, Hörspielautor und -sprecher beim israelischen Rundfunk. 1983 veröffentlicht er mit „Das Lächeln des Lammes“ (dt. 1988) seinen ersten Roman. Mit dem 1986 erscheinenden Roman „Stichwort: Liebe“ (dt. 1991) über die zweite nachfolgende Generation der Opfer der Shoah und der Reportagensammlung „Der gelbe Wind“ (1987, dt. 1988) über das Verhältnis zwischen Israelis und Arabern wird er weltweit bekannt. Als er sich 1988 weigert, seine Berichterstattung über die Unabhängigkeitserklärung der Palästinenser zensieren zu lassen, bei der Jassir Arafat erstmals indirekt von einem Existenzrecht Israels spricht, wird Grossman fristlos entlassen. Fortan konzentriert er sich auf die Schriftstellerei und veröffentlicht in den folgenden Jahren zahlreiche Kinder- und Jugendbücher sowie Romane, in denen er die Komplexität des Lebens in der heutigen Welt beschreibt. Zunehmend setzt er sich als Unterstützer der Genfer Initiative auch in seinen politischen Kommentaren für eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern ein und dokumentiert in der Essaysammlung „Diesen Krieg kann keiner gewinnen“ (2003) seine wachsende Enttäuschung darüber, dass der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern nicht gelöst wird.

Bei Ausbruch des Zweiten Libanonkriegs 2006 fordert David Grossman mit anderen Schriftstellern eine Waffenruhe zwischen Israel und Libanon. Einige Tage später wird sein Sohn Uri von einer Rakete der Hisbollah getötet. Diese leidvolle Erfahrung versucht er in seinem Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ (2008, dt. 2009) zu verarbeiten. In dem als sein epochales Hauptwerk bezeichneten Roman erzählt er von einer Frau und ihrem verzweifelten Versuch, sich und ihr Familienleben vor der harten und gewalttätigen Realität zu schützen, und verwebt ihre Erlebnisse auf der Reise durch Israel mit ihren Erinnerungen und den politischen Ereignissen. Auf eindrückliche Weise zeigt er dabei, wie das Schicksal der Menschen in Israel unauflöslich mit Politik und Krieg verbunden ist.

David Grossman hat für seine schriftstellerisches Werk und sein politisches Engagement zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Nelly-Sachs-Preis (1991), Premio Mondello (Italien, 1996), Manès Sperber-Preis (2002), Bialik Prize (Israel, 2004), Emet-Prize (Israel, 2007), Geschwister-Scholl-Preis (2008) und den Albatros-Preis (2010).

David Grossman ist verheiratet und hat drei Kinder, er lebt in Mevaseret Zion, einem Vorort von Jerusalem.

Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 10. Oktober, in der Paulskirche statt und wird live in der ARD übertragen.

Quelle: Börsenblatt

Lesenswert! Pergamentum von Heike Koschyk [Rezension]

Oktober im Jahr des Herrn 1188
Und plötzlich wurden alle Elemente und Geschöpfe von einem schrecklichen Beben erschüttert.
Feuer, Luft und Wasser brachen hervor und brachten die Erde in Aufruhr.

Die Prophetin und Äbtissin Hildegard von Bingen ist seit 9 Jahren tot. Kaiser Friedrich Barbarossa plant einen Kreuzzug gegen Jerusalem. Die junge, adlige Elysa von Bergheim folgt dem Ruf ihres Bruders und macht sich in Begleitung des Mainzer Kanonikus Clemens von Hagen auf den Weg zu dem Stammsitz der Eltern nach Bergheim, um dort als Statthalterin zu fungieren.

Elysa verbrachte den Großteil ihres Lebens bei den Großeltern in Mainz. Nach dem Tod der Mutter verließ sie im Alter von 8 Jahren ihr Elternhaus. Ihr Onkel Bernhard von Oberstein ermöglichte ihr all jene Bücher zu studieren, die nach allgemeiner Auffassung den Frauen nicht zugänglich sein durften. Das Verhältnis zu Elysas Bruder ist durch ein traumatisches Erlebnis in ihrer Kindheit schwer gestört. Die Aussicht, ihm erneut zu begegnen, ist ihr unbehaglich.

Auch deshalb lässt sie sich von Clemens von Hagen überzeugen, sich im Kloster Eibingen, das auf der Reiseroute nach Bergheim liegt, für vier Tage verkleidet und unter falschem Namen als Novizin und Handwerkstochter aufnehmen zu lassen. Clemens von Hagen sucht einen Vorwand in Eibingen Station zu machen, um unauffällig eine Botschaft vom Mainzer Erzbischof im Kloster abgeben zu können.

Eibingen gehört zum Mutterkloster Rupertsberg. Clemens von Hagens Mission ist die Aufklärung der schrecklichen Vorkommnisse in dem von Hildegard von Bingen gegründeten Filialkloster: Eine Nonne starb unter Krämpfen, eine weitere beinahe bei einem Brand, der das Kloster fast zerstört hätte. Adalbert von Zwiefalten, ein Mönch und Vertrauter von Hildegard von Bingen, kam unter mysteriösen Umständen ums Leben. Der Reliquienschrein der Äbtissin wurde geplündert und zerstört. Das Ansehen und die Heiligsprechung der Prophetin ist in Gefahr und letztendlich das gesamte Christentum, denn der Teufel persönlich treibt in Eibingen sein Unwesen.

Elysa ist intelligent genug, um zu wissen, dass der Teufel niemals in Menschengestalt auftreten kann. Neugierig und beherzt will sie den Ursachen auf den Grund gehen. Sie ahnt nicht, dass weitere Morde geschehen und sich der machthungrige Exorzist Radulf von Braunshorn bereits auf den Weg nach Eibingen gemacht hat. Auch Clemens von Hagen ahnt nichts von den großen Gefahren, die in Eibingen lauern. Ebenso wenig ahnt er, als er Eibingen verlässt, um die Delegation, die den Leichnam von Adalbert von Zwiefalten zurückführt, einzuholen, dass er selbst sich in große Gefahren begibt. Er hofft jedoch, mehr über die Todesursache und den Anlass der Reise des Mönches zu erfahren und über die seltsame Sprache, in der der Mönch bei seinem Eintreffen in Eibingen gesprochen hat. Was hat es mit rätselhaften Pergament auf sich, das er bei seinem Tod fest umklammert hielt?

Im Verlauf des Romans begleitet der Leser für vier Tage abwechselnd die beiden Protagonisten Elysa von Bergheim und Clemens von Hagen. Mehr Zeit bleibt nicht, denn nach Ablauf der vier Tage soll Elysa die Jungfrauenweihe erhalten.  Während Elysa an dem Leben im Kloster teilnimmt und es schafft, das Vertrauen einiger Nonnen zu gewinnen, kämpft Clemens von Hagen gegen Wegelagerer, Intrigen und nicht zuletzt gegen die starken Naturgewalten.

Heike Koschyk hat Pergamentum geschrieben, während sie für die Biografie „Hildegard von Bingen – Ein Leben im Licht“ recherchierte und daran arbeitete, heißt es im Anhang. Ein Umstand, der diesem spannenden historischen Roman zugute kommt. Ihre fundierten Kenntnisse über das Leben im 12. Jahrhundert, und über das Wirken von Hildegard von Bingen, zeichnen ihn aus.

Hildegard von Bingen gilt als eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters. Bereits zu Lebzeiten wurde sie wie eine Heilige verehrt. Durch eigene Denkansätze setzte sie neue Impulse, was gerade für Frauen in dem Zeitalter nicht einfach war. Zu Lebzeiten befasste sie sich mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie. Sie ist in dem Roman allgegenwärtig. Einige der weiblichen Figuren spiegeln die wissenschaftlichen Bereiche, mit denen sich die Äbtissin auseinandergesetzt hat, wieder. So steht zum Beispiel die Nonne Ida für ihren außergewöhnlichen starken Charakter und Gottesglauben. Auch sie hat Visionen und Lichterscheinungen, die die Handlung entscheidend prägen. Die Naturwissenschaft kommt in der Medica Jutta zum Ausdruck. Anschaulich und glaubhaft wird beschrieben, wie mit Pflanzen und Edelmetallen gegen Krankheiten vorgegangen wurde.

Die sprachliche Qualität ragt deutlich aus der Masse der historischen Romane heraus. Heike Koschyk vermittelt in Pergamentum einen detaillierten Einblick in das Klosterleben im 12. Jahrhundert und erzählt dazu eine spannende Geschichte wie dieses feste Gefüge durch Machtgier, Politik, Verschwörung, aber auch durch menschliche Schwächen und Visionen, ins Wanken gerät. Ein lesenswerter Roman!

Die gebundene Ausgabe umfasst 426 Seiten und ist am 27.08.2009 im Verlag Rütten & Loening erschienen. Pergamentum ist für 19,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

Kurzbeschreibung
Eine junge Frau kämpft gegen einen teuflischen Feind. Sie muss einen Mörder finden, um das Erbe Hildegards von Bingen zu bewahren – und den Untergang der ganzen Christenheit zu verhindern. An einem Abend im Jahr 1188 klopft ein Mönch, ausgemergelt und mit fratzenhafter Miene, an die Pforte des Klosters Eibingen. Die Nonnen glauben, der Antichrist sei gekommen. Doch es ist Bruder Adalbert, früher ein gern gesehener Gast bei der seligen Hildegard von Bingen. Am nächsten Morgen liegt der Mönch tot im Skriptorium, in der Hand ein rätselhaftes Pergament. Gegen ihren Willen soll die Adelige Elysa als zukünftige Novizin den Mord aufklären. Als sie das Kloster erreicht, brennt die Kirche und eine Nonne wird tot aufgefunden. Der einzige Hinweis ist das Pergament, auf dem Worte in der Geheimsprache Hildegards abgefasst sind. Bald ahnt Elysa, dass es nicht nur um einen Kampf zwischen Gut und Böse, sondern um das Überleben der gesamten christlichen Welt geht.

Über die Autorin
Heike Koschyk wurde 1967 in New York geboren und wuchs in Hamburg und Travemünde auf. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Fünfzehn Jahre arbeitete sie in ihrer eigenen Modeagentur und leitete nach der Ausbildung zur Heilpraktikerin eine Naturheilpraxis mit Schwerpunkt Klassischer Homöopathie.
Bereits als Kind hatte sie den großen Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Doch erst nach der Veröffentlichung eines Praxisbuches für Therapeuten fasste sie den Mut, ihren lang gehegten Traum zu verwirklichen und begann, Kriminalromane zu schreiben. 2008 erhielt sie den Agatha-Christie-Krimipreis.

Amin Maalouf erhält Prinz-von-Asturien-Preis 2010

Wie heute bekannt wurde, erhält der aus dem Libanon stammende Schriftsteller Amin Maalouf den renommierten Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur in 2010.

Die Wahl für den seit Jahrzehnten in Frankreich lebenden Maalouf begründete die Jury im nordspanischen Oviedo auch damit, dass er die Stimme der Toleranz in der Welt des Fundamentalismus sei. Seine „dichte und anregende Sprache“ mache seine Leser mit der Vielfalt von Sprachen, Kulturen und Religionen des Mittelmeerraumes vertraut.

Aus der Feder des heute 61-jährigen sind in Deutsch unter anderem „Leo Afrikanus„, „Die Felsen des Tanios„ und „Samarkand„ erschienen. Die Prinz-von-Asturien-Preise sind mit jeweils 50 000 Euro dotiert und gelten als „spanische Version der Nobelpreise“. dpa

Am 21.06.2010 erscheint im Suhrkamp Verlag ein neuer Essay von Amin Maalouf  unter dem Titel „Die Auflösung der Weltordnungen“

Kurzbeschreibung
Der international erfolgreiche Romancier und Essayist Amin Maalouf, geboren im Libanon und seit vielen Jahren in Frankreich ansässig, ein „Wanderer zwischen den Welten“, beschreibt, anschließend an seinen vor zehn Jahren erschienenen Essay Mörderische Identitäten (edition suhrkamp 2159), die krisenhafte „Entregelung“ – in ethischer und intellektueller, geopolitischer, ökonomischer und „klimatischer“ Hinsicht -, von der der Westen ebenso wie der Nahe Osten aus unterschiedlichen Gründen betroffen sind. Wo es für Autoren wie Samuel P. Huntington, aber auch Stefan Weidner (Manual für den Kampf der Kulturen. Warum der Islam eine Herausforderung ist) um einen „Kampf der Kulturen“ geht, diagnostiziert Maalouf einen Zustand der Erschöpfung, in den die beiden Kulturen verfallen seien – aus dem nur eine Besinnung auf die eigenen Werte (dessen, was beide unterscheidet) sowie die Zukunft (die nur eine gemeinsame sein kann) hinausführen werde. Anschaulichkeit und Plausibilität gewinnt der Essay durch Amin Maaloufs intime Kenntnis der jüngeren und jüngsten Geschichte des Nahen Ostens, der das Buch einige überraschende Lehren zur Bewältigung der gegenwärtigen Krise verdankt.

Über den Autor
Amin Maalouf wurde 1949 im Libanon geboren und lebt seit 1976 als Journalist und Schriftsteller in Frankreich. Er bereiste über sechzig Länder und gilt als anerkannter Spezialist für Fragen der arabischen Welt und der Beziehungen zwischen Okzident und dem Nahen Osten. Amin Maalouf war Chefredakteur der Wochenzeitschrift An Nahar International sowie des Magazins Jeune Afrique, während des Vietnamkriegs und der Islamischen Revolution arbeitete er als Kriegsberichterstatter.
Als Buchautor hat er bisher sieben Romane veröffentlicht, seine Werke sind in etwa 25 Sprachen übersetzt worden und sein erstes Werk Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber (1983) ist zu einem Standardwerk geworden.
Im August 2000 wurde bei den Salzburger Festspielen (in Zusammenarbeit mit der finnischen Komponistin Kija Saariaho) die erste Oper nach einem Libretto des Autors uraufgeführt: L’amour de loin.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Literaturverfilmung: Marlen Haushofers „Die Wand“ im Kino

Wie die Süddeutsche Zeitung heute berichtet, haben am 07.06.2010 die Dreharbeiten für die Literaturverfilmung „Die Wand“ begonnen.

Der Roman der oberösterreichischen Autorin Marlen Haushofer (1920-1970) entsteht im Raum Gosau (Österreich) im Inneren Salzkammergut. Regisseur Julian Roman Pölsler verfilmt die österreichisch-deutsche Koproduktion nach seinem eigenen Drehbuch.

Die 49-jährige Schauspielerin Martina Gedeck spielt die Rolle der namenlosen Erzählerin. „Die Wand“ erschien erstmals 1963 im Mohn Verlag und gilt als der erfolgreichste Roman von Marlen Haushofer.

[…]„Als ich endlich den Ausgang der Schlucht erreichte, hörte ich Luchs schmerzlich und erschrocken jaulen. Ich bog um einen Scheiterstoß, der mir die Aussicht verstellt hatte, und da saß Luchs und heulte. Aus seinem Maul tropfte roter Speichel. Ich beugte mich über ihn und streichelte ihn. Zitternd und winselnd drängte er sich an mich. Er mußte sich in die Zunge gebissen oder einen Zahn angeschlagen haben. Als ich ihn ermunterte, mit mir weiterzugehen, klemmte er den Schwanz ein, stellte sich vor mich und drängte mich mit seinem Körper zurück.

Ich konnte nicht sehen, was ihn so ängstigte. Die Straße trat an dieser Stelle aus der Schlucht heraus, und so weit ich sie überblicken konnte, lag sie menschenleer und friedlich in der Morgensonne. Unwillig schob ich den Hund zur Seite und ging allein weiter. Zum Glück war ich, durch ihn behindert, langsamer geworden, denn nach wenigen Schritten stieß ich mit der Stirn heftig an und taumelte zurück.

Luchs fing sofort wieder zu winseln an und drängte sich an meine Beine. Verdutzt streckte ich die Hand aus und berührte etwas Glattes und Kühles: einen glatten, kühlen Widerstand an einer Stelle, an der doch gar nichts sein konnte als Luft. Zögernd versuchte ich es noch einmal, und wieder ruhte meine Hand wie auf der Scheibe eines Fensters. Dann hörte ich lautes Pochen und sah um mich, ehe ich begriff, daß es mein eigener Herzschlag war, der mir in den Ohren dröhnte. Mein Herz hatte sich schon gefürchtet, ehe ich es wußte.“ […]

Eine Frau findet sich plötzlich, über Nacht, von einer unsichtbaren Wand umgeben †“ allein mit dem Hund, einer Katze und einer trächtigen Kuh. Ein archaisches Leben beginnt. Die Vorräte sind begrenzt, sie muss lernen, sich von den Erzeugnissen der Natur zu ernähren. Um nicht wahnsinnig zu werden, beginnt sie eines Tages die Ereignisse aufzuschreiben: „Ich wurde gezwungen ein ganz neues Leben zu beginnen, aber was mich wirklich berührt, ist immer noch das gleiche wie früher: Geburt, Tod, die Jahreszeiten, Wachstum und Verfall.“

Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ ist völlig interpretationsoffen. Aus dem Stoff kann sowohl ein Horrorfilm (gegen Ende erscheint ein Mann, der ihren Stier und ihren Hund erschlägt – sie erschießt daraufhin den Mann), als auch ein Abenteuerstreifen à la Robinson Crusoe entstehen.

Man kann wirklich gespannt sein, wie der Drehbuchautor und Regisseur Julian Roman Pölsler die Vorlage interpretiert und umsetzt. Wann der Film in die Kinos kommt, ist leider noch nicht bekannt.

Als Produzenten werden Martin Gschlacht, Antonin Svoboda, Bruno Wagner und Rainer Kölmel genannt.

Nachtrag vom 15.02.2012: Kinostart ist nun für den 08.12.2012 geplant.