Black Dagger Ladies Online †“ City of the Dead [Kapitel 5]

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The City of Dead
Kapitel 5

Wirkte Docs Legierung bei diesen Kerlen nicht oder war mein Messer nicht tief genug eingedrungen. Normalerweise hätte er bewusstlos zu Boden fallen müssen. „Passt auf Leute, unser Betäubungsmittel wirkt nicht!†œ stieß ich hervor. „Habe ich auch bemerkt!†œ rief Fernando, der seinem Gegner gerade einen großen Schnitt, quer über die Brust, beigebracht hatte. Also hieß es kämpfen bis zum Tod. Mein Kontrahent ließ seine zwei Schwerter auf mich nieder sausen. Ich parierte seine Schläge mit meinem Langdolch und meinem Schwert und drehte mich um die eigene Achse. Dadurch gelangte ich hinter ihn. Bevor er sich umdrehen konnte durchtrennte ich ihm mit meinem Dolch die Kniekehlen. Er schrie auf, sackte in die Knie und bevor er noch irgendwie reagieren konnte, schlug ich ihm mit meinem Schwert den Kopf ab. Ich drehte mich zu den anderen um und sah noch, dass Fernando seine gekreuzten Schwerter durch den Unterleib seines Gegners fahren ließ. Dieser kippte röchelnd zur Seite und hauchte gerade sein Leben aus. Auch Norbert hatte seinen schwarzen Jungen niedergekämpft und versetzte ihm gerade den Todesstoß. Nur Kate war in Bedrängnis. Sie war mit dem Rücken gegen einen Baum gedrückt und wehrte gerade einen Lanzenstoß ihres Gegenübers ab, als sich der letzte Guhl von hinten auf sie zustürzte. Er holte mit seiner riesigen Axt aus und wollte sie Kate seitlich in den Körper schlagen. Ich ließ mein Schwert fallen und warf meinen Dolch dem Guhl genau zwischen die Augen. Sofort ließ ich noch zwei Wurfsterne folgen, die ihn in beide Augen trafen. Jetzt war er zwar blind aber noch nicht tot. Sein Axthieb ging ins Leere und er taumelte. Da war Norbert schon zur Stelle und trennte dem Guhl mit einem einzigen Schlag den Kopf ab. Kates Gegner war dadurch kurz abgelenkt, und somit konnte sich Kate aus ihrer misslichen Lage befreien. Mit einem Stakkato von Schwerthieben drängte sie ihn zurück. Er taumelte rückwärts, genau in die Schwerter von Fernando.
Eine unheimliche Stille breitete sich aus. Wir ließen unsere Waffen sinken, standen blutbesudelt da und grinsten uns nun siegestrunken an. „So, unsere Schlacht hätten wir erfolgreich beendet†œ, meinte Fernando. „Angie, ruf´ sofort Lilli an und gib ihr Bescheid, dass die Speziallegierung nicht wirkt. Warum das so ist, darüber machen wir uns später Gedanken.†œ Ich zückte mein Handy und informierte Lilli über den aktuellen Stand der Dinge. Lilli und die anderen hatten noch keine Feindberührung. Aber Lilli hatte die Position ihrer Gegner schon ausgemacht. Es würde also bei ihnen auch gleich losgehen. Norbert, Fernando, Kate und ich säuberten unsere Waffen, ließen unsere toten Gegner im Gebüsch verschwinden und legten uns am versteckten Ausgang auf die Lauer. Wir waren alle etwas nervös und angespannt, weil wir nicht wussten, was noch auf uns zu kam und wie der Kampf der anderen verlief. Aber mehr als warten, konnten wir jetzt nicht.
Lilli hatte ihren Beobachtungsposten wieder eingenommen. Eine Hand auf die borkige Rinde des Baumes gelegt, den Blick weit in die Ferne gerichtet, konzentrierte sie sich auf die Bewegungen ihrer Feinde. Sie machte insgesamt 12 Personen aus, die aber nicht wie erwartet auf sie zu kamen, sondern plötzlich die Richtung änderten und abdrehten. Lilli richtete sich kerzengerade auf: „Was soll das? Die hauen ab?†œ, fragte sie ungläubig in die Runde. „Ich versteh das nicht. Eigentlich hätten die uns längst ausmachen müssen, ein einfacher Thermoscan würde doch schon genügen. Das gefällt mir gar nicht†œ, erwiderte Duncan sorgenvoll. „Lass mich nachsehen. Ich kann mich unbemerkt nah genug an sie ranschleichen†œ, schlug Lucy vor. „Wie willst du das machen? Und allein lass ich niemanden losziehen, das ist zu gefährlich. Es könnte ein Hinterhalt sein†œ, antwortet Ducan. „Okay, ich versteh deine Argumente, aber sag das auch mal meiner kleinen, pelzigen Freundin.†œ

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Lucy streckte sich, ihr Körper fing an zu leuchten und ihre Züge veränderten sich. Lucys ganze Gestalt verlor ihre Form, als sich um sie herum ein Nebel bildete. Bevor Duncan auch nur einmal blinzelte, saß vor ihm eine wunderschöne, feingliedrige Katze mit schwarzem Fell. Ihre Augen waren wie zwei grüne Wälder, verloren in der schwarzen Unendlichkeit ihres Fells. „Das ist wirklich beeindruckend, du kannst gehen, aber sei bitte vorsichtig. Wir warten 15 Minuten. Dann musst du wieder zurück sein, oder wir kommen dich holen!†œ Duncan hatte seine Rede noch nicht beendet, da war Lucy auch schon in der Dunkelheit der Nacht verschwunden. Während Gavin ihr ein wenig ängstlich nachschaute, lehne Lilli lässig an dem Baum, der ihr vorher noch als Verstärker gedient hatte. „Keine Angst Gavin, sie weiß, was sie tut. Und wer beachtet denn hier ein kleines harmloses Kätzchen? Niemand weiß, dass Lucy ein Animagus ist und ihre Gestalt in eine Katze verwandeln kann. Also, cool bleiben.†œ Trotzdem lauschte Lilli weiter den Geräuschen aus dieser Richtung. Die Gruppe verharrte schweigend und reglos, alle in absoluter Kampfbereitschaft. Die Minuten des Wartens auf Lucys Rückkehr kamen ihnen wie Stunden vor. Lilli war natürlich die Erste, die Lucys bemerkte, was sie mit einem knappen „sie kommt zurück†œ kommentierte. Ohne dass Lucy auch nur ein Wort verlieren musste, reichte Lilli ihr schon ihre Kleider ins Gebüsch, die sie vorhin bei ihrer Verwandlung hatte liegen lassen. „Danke Lilli. Leute, ihr werdet es nicht glauben, aber sie sind weg†œ, begann Lucy noch während sie sich wieder ankleidete. „Ich konnte gerade noch erkennen, wie der letzte von ihnen durch einen magischen Tunnel verschwand. Ich hätte ihnen folgen können, aber das erschien mir dann doch zu gefährlich. Außerdem, konnte ich euch ja nicht verständigen.†œ Lilli bestätigte Lucy Aussage noch: „Ich kann auf dem gesamten Friedhof nichts mehr hören. Außer uns ist keiner mehr hier.†œ „Mir gefällt die Sache nicht†œ, sprachen Tim und Kerstin wie aus einem Mund und mussten lachen. „Verdrücken die sich kampflos, wie schade†œ, auch Doc wirkte ein wenig enttäuscht. Duncan nahm seine Ausrüstung hoch, schulterte die schwere Basuka und rief: „Es wird Zeit, dass wir mal nachsehen, was die hier verstecken.†œ †œIch schick unserem Team am Ausgang schnell eine Nachricht†œ, warf Lilli dazwischen. Schweigend nahmen sie ihre Waffen wieder auf und folgten Duncan, der von der Dunkelheit schon verschluckt wurde. Der Marsch zum Eingang des Mausoleums erfolgte ohne weitere Zwischenfälle. Eine Verständigung fand nur noch über Handzeichen statt, denn das kleinste Geräusch hätte sie schon verraten können. In sicherer Entfernung fanden sie Deckung hinter einer Mauer, die zu einem weiteren Mausoleum gehörte. Der Eingang zum Versteck der Dragons war von Efeu-Ranken fast komplett zugewachsen. Hier und da war nur der schwache Schein eines Grablichtes zu sehen. Nebelschwaden zogen über die Gräber hinweg, die ganze Szenerie erinnerte an Michael Jacksons Thriller. Doch wo waren die Zombies? Der ganze Friedhof schien verlassen. „Wo sind die Wachen?†œ, signalisierte Bowen. Gemeinsam kamen sie zu dem Entschluss, ihre Deckung ohne Gefahr verlassen zu können. Sie sahen keine Kameras, keine Stolperdrähte, nichts, was auf eine Überwachung schließen konnte.
Langsam gingen sie auf den Eingang zu, immer noch auf der Suche nach Fallen. Aber da waren keine. Je näher sie kamen, desto mehr gelangten sie zu der Überzeugung, dass hier etwas gar nicht in Ordnung war. Mit einer Machete entfernte Jean die Ranken vorm Eingang. Kerstin nahm ihr Spray zur Hand, um die nicht sichtbaren Laserschranken zu finden. Tim zog sie mit einem Ruck in seine Arme und konnte sich ein „pass auf dich auf†œ nicht verkneifen. Der Tanz konnte beginnen. Sie hielten den Atem an, als Kerstin begann sich durch die Laserstrahlen zu schlängeln. Sie hatte die Bewegungen derart verinnerlicht, dass es wie ein Kinderspiel aussah. Doch die paar Meter, die sie rücklegen musste kosteten sie viel Kraft. Etwas außer Atem, aber unverletzt kam sie bis zur Sicherheitstür. Jetzt begann der leichtere Teil, die Anbringung der Spiegel. Es fiel während der gesamten Aktion kein einziges Wort, aber nun, nach erfolgreicher Deaktivierung der Laser, konnte Kerstin einen kleinen Jubelschrei nicht unterdrücken. „Alles paletti, Lilli, Lucy, euer Part†, sagte sie mit einem Grinsen im Gesicht.

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Lilli und Lucy ließen sich nicht zweimal bitten und waren sofort an der Tür. Nach einer genauen Inspektion, ob vielleicht doch noch Überraschungen auf sie warteten, machten sie sich an die Arbeit die Tür zu öffnen. Sie waren ein eingespieltes Team und schon nach kurzer Zeit traten sie von der Tür zurück und sammelten ihr Werkzeug wieder ein. „Die Tür ist jetzt offen.†œ
Duncan atmete tief ein, schaute noch einmal in die Runde seiner Verbündeten und drückte die schwere Tür vorsichtig auf …

Ich klappte mein Handy zu, steckte es in die dafür vorgesehen Innentasche meiner Bluse und sagte leicht irritiert zu den anderen: „Das war Lilli. Sie sagte mir, dass niemand außer uns auf dem Friedhof ist, also weder Feinde noch sonstige Personen. Merkwürdig! Und sie wollen gleich die Tür zum Mausoleum öffnen.†œ
„Lasst uns doch eine kurze Verschnaufpause einlegen†œ, meinte Kate. „Verdient haben wir sie uns allemal.†œ „Gute Idee“, sagte Fernando, und wir setzten uns einfach an Ort und Stelle auf den Rasen. Vorsichtig musterte ich Norbert aus den Augenwinkeln. Er war immer noch sehr kühl zu mir. Ich ließ meine Gedanken zurück schweifen bis zu dem Moment, als er mich nach dem ganzen Desaster in der Kabine in seine Arme nahm und mich küssen wollte. Er drückte mich fest an sich und atmete meinen Duft tief ein. Doch dann zuckte er zusammen und stieß mich von sich. Ich geriet ins Taumeln und er zischte mich an:“ Du riechst nach Jean! Sein Geruch klebt regelrecht an dir! Aber lassen wir das jetzt lieber, wir haben gleich eine Schlacht zu schlagen und können uns keine Gefühlsduseleien erlauben. Wir werden später noch über diese Sache reden.†œ Dann ließ er mich einfach stehen und verließ die Kabine. Ich konnte ihm nur ungläubig hinterher sehen. Gefühlsduselei?
Im Kampf hatte er sich nichts anmerken lassen, und die andern haben wohl auch nichts davon mitbekommen.
Seine tiefe Stimme riss mich aus meinen Gedanken. „Mh, ich habe da mal eine Frage“, hörte ich ihn plötzlich in die Stille zu Fernando sagen, „stell dir vor, da taucht unerwartet eine Frau in deinem Leben auf, eine Frau, nach der du dich schon seit Jahrzehnten gesehnt hast. Sie ist wunderschön, mutig und tapfer, du verstehst dich mit ihr auf Anhieb und du bist dabei, dich in sie zu verlieben. Angeblich erwidert sie deine Gefühle auch.†œ Ich horchte auf und sah ihn erstaunt an, doch er beachtete mich überhaupt nicht. „Du verbringst eine leidenschaftliche, unvergessliche Nacht mit ihr†œ, fuhr er emotionslos fort, während ihn Fernando und Kate nur verwundert anstarrten. Auf was will er hinaus? „Und dann musst du nach einige Zeit feststellen, dass sie zweigleisig fährt, und dich mit deinem besten Freund betrügt. „Da hielt mich nichts mehr auf dem Boden. Ich sprang auf und ballte meine Hände zu Fäusten und blitzte ihn wütend an. Jetzt sah er mich direkt an. „Wie würdest du so eine Frau nennen, Fernando? Ich nenne so eine…“ „Wage es ja nicht…†œ, unterbrach ich ihn, mittlerweile kochend vor Wut, „wag´ es nicht, und rede nicht so, als ob ich nicht da wäre.†œ Mittlerweile standen wir uns wie zwei Kampfhähne gegenüber. „Wer bist du, dass du so über mich urteilen darfst?“, schleuderte ich ihm entgegen. „Norbert, ich glaube nicht, dass…“, weiter kam Kate nicht. „Das habe ich nicht nötig“, sagte ich, drehte mich um und lief einfach in Richtung Friedhof.
„Das war ja wohl weit unter der Gürtellinie, Norbert!“, hörte ich noch Fernando ärgerlich sagen, doch das war mir egal. Niemand kam hinter mir her und ich lief einfach, leise vor mich hin schimpfend, weiter. Um mich herum waren die schönsten Grabstätten und Mausoleen, beleuchtet nur vom Mondschein, doch ich hatte im Moment keinen Blick dafür. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit trat mit der Schweiß aus allen Poren, und ich wischte mir wütend die Schweißperlen von meiner Stirn. Männer! Blödmänner! Dreibeinige Blödmänner! Die können mich doch alle mal da wo… Da vibrierte mein Handy. Noch im Laufen ging ich dran, es was Sweetlife.

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„Ihr müsst euch beeilen, wir haben eben eine Hurrikan-Warnung für die Region um New…“, abrupt brach das Gespräch ab und das Handy flog mir in hohem Bogen aus der Hand! Ich hatte nicht weiter auf den Weg geachtet, war wohl irgendwo mit dem Absatz hängen geblieben und kam dadurch ins Stolpern. Um nicht lang hinzuschlagen, griff ich nach dem nächsten Besten, was in meiner Nähe stand. Es war eine mannshohe Engelsfigur mit ausgebreiteten Armen, die vor dem Eingang zu einem Mausoleum angebracht war.
Schnell umklammerte ich mit beiden Händen einen Arm, doch der gab zu meinem Entsetzen nach und bog sich mit einem knarrenden Geräusch nach unten. Oh mein Gott! Unter mir öffnete sich plötzlich der Boden und ich rutschte langsam mit den Händen den aalglatten Arm entlang bis zu seinen Fingerspitzen. Unter meinen Füßen war nur noch gähnende Leere und als ich keinen Halt mehr an der Figur fand, griff ich in meiner Panik nach einem Strauch, der am Rand des Abgrunds wuchs. Doch mit meinen schweißnassen Händen konnte ich mich auch hier nicht lange halten. Ich rutschte ab und stürzte ungebremst in die Tiefe.
Der Aufschlag war furchtbar! Ich konnte gerade noch sehen, wie sich weit über mir der Arm der Figur wieder nach oben bog und die Falltür sich geräuschlos schloss.
Dann durchfuhr mich ein gewaltiger Schmerz und tausend Sterne tanzten vor meinen Augen. Ich driftete langsam in eine Ohnmacht weg.
Wie aus sehr weiter Ferne drang ein merkwürdiges Geräusch in mein Bewusstsein, so, als wenn Castanetten auf einander schlugen. Langsam kam ich wieder zu mir und öffnete meine Augen, doch um mich war nur tiefe Dunkelheit. Oh, jetzt wusste ich auch, wer das komische Geräusch machte. Das waren meine Zähne! Mir war nämlich eiskalt und ich fror erbärmlich. Mein Schädel brummte furchtbar. Vorsichtig versuchte ich mich aufzurichten und ertastete mit meinen Fingern eine riesige Beule an meinem Hinterkopf. Aua! Aber außer ein paar Abschürfungen und der Beule, war mir Gott sei Dank nichts passiert, ich hatte mir zum Glück nichts gebrochen.
Dann erinnerte ich mich an das Handy. Oh nein, das hatte ich ja oben bei meinem Sturz verloren, aber ich hatte ja noch meinen Ring. Doch an meiner Hand war nichts!
Auf meinen Knie suchte ich den Boden ab, und stellte dabei fest, dass ich mich in einer quadratischen Kammer von vielleicht 3×3 Metern befand, mit Stahlwänden und einer kleinen Öffnung an einer Seite, wo gerade mal eine kleine Person wie ich durch passte. Aber von meinem Ring keine Spur! Was mache ich denn jetzt? Ohne den Ring kann ich doch im Dunkeln nichts sehen und fliegen kann ich auch nicht. Nur meine Fähigkeit, jegliche Art von Magie zu spüren, war auch ohne Ring möglich. Hoffentlich suchten die anderen nach mir und fanden den Ring. Der musste ja noch oben liegen!
Hier unten roch es ziemlich modrig, und da war noch ein anderer Geruch! Schwefel, es roch nach Schwefel!
Plötzlich bekam ich solche wahnsinnigen Kopfschmerzen, dass ich mit beiden Händen meinen Schädel umklammerte. Es fühlte sich an, als ob jemand mit einem Messer in meinem Gehirn herum stocherte. Es war nicht auszuhalten, und ich schrie laut auf, dann verlor ich erneut das Bewusstsein…

Duncan blieb in der Tür zum Mausoleum stehen, und sah hinein. „Und, was geht da drin so ab?“, fragte Kerstin, die wohl noch gerne ein paar Runden gekämpft hätte. „Moment!“, brummte Duncan und ließ durch einen mentalen Befehl ein paar Fackeln an den Wänden im Inneren des Mausoleums aufleuchten. „Bowen, Kerstin und Tim ihr kommt mit rein, Lilli, Lucy, Gavin und Doc ihr wartet hier draußen, falls sich hier doch noch ein Spanner im Gebüsch versteckt.“ Er ging in die Grabstätte hinein, die anderen drei folgten ihm auf dem Fuße.

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Während die vier drinnen alles absuchten, warteten die anderen draußen. Nichts rührte sich oder machte irgendein Geräusch.
„Seltsam. Es ist so unglaublich ruhig, kein Tier regt sich. Dass die Dragons so schnell abgedackelt sind, finde ich auch merkwürdig“, meinte Lilli zu Lucy.
Doc zuckte nur mit den Schultern: „Ich vertrete mir mal kurz die Beine, die Luft hier draußen ist ja rein, ich bin nicht weit weg.“ Sie ging um das Mausoleum herum, blickte in die Ferne und fragte sich wo Angie, Kate, Norbert und Dr. Zoom abgeblieben waren. Allmählich wurde die Stille von einem sanften steten Rauschen der Baumkronen abgelöst. Leichte Windböen kamen auf, und Doc genoss die kühle frische Luft. Als sie sich gerade eine Zigarette anzünden wollte, sah sie bei einem Blick auf den Boden, dass sich hinter ihr ein Schatten anschlich. Irgendetwas zog an ihrem hüftlangen Zopf. Ruckartig drehte sie sich um, die Faust geballt holte sie aus und schlug zu. Der Angreifer war gut vorbereitet, denn ihre Faust landete in einer warmen Handfläche und wurde schraubstockartig festgehalten. „Was zum Teufel…?“
Sie schaute hoch und sah Bowens grinsendes Gesicht ganz nah vor sich. „Keine so gute Idee sich von den anderen abzusetzen, man weiß ja nie.“ Er zog sie an sich und biss spielerisch sanft in ihren Hals. Er küsste sie und streifte ihre Lippen mit seinen Fängen „Mhm…“, in Bowens Nähe war Docs gesunder Menschenverstand wie weggeblasen, er roch einfach betörend und seine Berührungen fühlten sich so gut, so richtig an. Er benebelte schlichtweg ihre Sinne in einer sehr positiven Art. Das war alles so völlig neu für sie und irritierend. „Bowen, ist das so eine Vampirnummer, die du mit mir abziehst?“ Verwirrt sah er sie an: „Was meinst du?“ „Ich weiß nicht genau, diese Energie zwischen uns, das merkst du doch auch, ich kann dir einfach nicht widerstehen!“ „Ja, ich spüre es auch, und nein, es ist keine Vampirnummer. Dieser Drang dich zu besitzen… so etwas habe ich noch nie gefühlt. Er war direkt da, vom ersten Moment an als ich dich auf der Seraphim gesehen habe. Mit jeder Berührung will ich mehr. Ich habe darauf keinen Einfluss, und das will ich auch gar nicht. Ich will nur eines – nämlich dich!“ Überwältigt und überrascht von diesem Geständnis küsste Doc Bowen leidenschaftlich. Sie legte all ihre aufgewühlten Gefühle in diesen Kuss. Bowen presste sich mit seinem warmen Körper an sie, und es fiel ihm sichtlich schwer sich wieder von ihr zu trennen. Der Wind wurde immer stärker.
„Ich wünschte, wir könnten uns hier zu zweit irgendwo verstecken, aber wir müssen reingehen, Süße. Die anderen sind schon im Mausoleum, wir haben gerade die Nachricht erhalten, dass hier gleich ein Hurrikan aufzieht. So lange Team 3 nicht aufgetaucht ist, können wir hier unmöglich weg. Duncan meint, im Mausoleum sind wir einigermaßen sicher, ist ja nicht der erste Sturm hier. Aber eines schwöre ich dir, sobald wir zurück auf der Seraphim sind, schleife ich dich wie einen Höhlenmenschen in meine Kabine. Dann werde ich Sachen mit dir anstellen, von denen du nicht gewusst hast, dass sie möglich sind. Na los, komm.“
Besitzergreifend schlang Bowen einen Arm um Docs Taille und führte sie zurück zum Mausoleum. Draußen war niemand mehr. Fragend sahen sie sich an, dann stiegen beide durch die geöffnete Tür langsam die Stufen hinab. Unten angekommen, standen sie in einem Raum, der wie ein modernes medizinisches Labor aussah. Duncan inspizierte gerade einen Aktenschrank und auch Kerstin, Tim, Lilli und Lucy sahen sich dort gründlich um. „Na, auch schon da?“ Kerstin knuffte Doc und grinste sie verschwörerisch an. Sie und Doc verband eine tiefe Freundschaft. Oft reichten nur Blicke zwischen ihnen aus, um sich zu verständigen. „Die Dragons haben dieses Labor hier ziemlich überstürzt verlassen, anscheinend haben sie aber alles Wichtige mitgenommen. Nur dieser zerstörte Rechner steht noch hier rum. Lilli und Lucy werden auf der Seraphim versuchen, ob sie da noch was retten und auf die Daten zugreifen können. Das Gute allerdings ist, dass wir hier in diesem Bunker absolut sicher vor dem Hurrikan sind.“
Plötzlich hörten sie Schritte, die langsam die Treppe hinab kamen. Alle gingen sofort in Angriffposition. Bowen wollte Doc hinter sich schieben, aber sie, ganz Amazone, stellte sich wieder neben ihn. Erneut versuchte er sie wieder hinter sich zu schieben, doch bevor das in einer kindischen Kabbelei enden konnte, rief Kate: „Keine Panik. Wir sind es!“, und schon tauchten vor ihnen Fernando, Kate und Norbert auf.

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Alle sahen sehr besorgt aus, ganz besonders Norbert.
„Ist Angie schon bei euch?“, fragte Norbert und sah sich suchend in dem Labor um. „Nein, sie ist nicht hier, sie war doch in eurem Team“, sagte Lilli. „Verdammt, wo ist Angie, was ist passiert?“, fragte Duncan. Panik keimte in Doc auf. „Scheiße. Sie ist weggelaufen. Wir hatten gehofft, sie wäre bei euch.“ Auch in Norberts Augen spiegelte sich Panik wieder und Angst. „Oh mein Gott, wir müssen sie suchen!“
Auch Kate beschlich plötzlich ein Gefühl der Angst und ihr Herz krampfte sich zusammen. Erst jetzt bemerkte sie, dass von Bones ebenfalls jedes Lebenszeichen fehlte. Wie konnte das passieren? War sie so auf den Kampf fixiert, dass alles andere bedeutungslos wurde? Traurig und wütend nahm sie diese Erkenntnis in sich auf und schalt sich, dass ihr Bones` Verschwinden nicht schon eher aufgefallen war. Ihre innere Stimme ermahnte sie, darüber später nachzudenken, jetzt gab es wichtigere Dinge, die keinen Aufschub duldeten. Bones kann auf sich selbst aufpassen, sagte sie sich, und das stimmte auch, aber ein flaues Gefühl im Magen blieb.
Auf einmal stieg ein tiefes Knurren aus Norberts breiter Brust. Abrupt drehten sich alle Köpfe in seine Richtung. Angie war weg und Jean und Bones auch, das konnte doch kein Zufall sein, oder? Laut stieß er hervor: „Und wo sind eigentlich Jean und Bones?“ „Irgendetwas stinkt hier gewaltig zum Himmel“, sagte Doc und plötzlich keimte in ihr ein schlimmer Verdacht auf. Die Red Dragons waren in der Lage Doppelgänger zu erschaffen, der Beweis lag auf der Seraphim in den Särgen. Sie sprach diese Gedanken wohl laut aus, denn alle durchzuckte ein eiskalter Schauer. Unwillkürlich trat Tim näher an Kerstin heran, um sie zu beruhigen. Lucy fühlte eine tröstende Hand von Gavin auf ihrer Schulter. „Hm, nehmen wir jetzt mal an“, ergriff Duncan das Wort, „dass jeder von uns, im wahrsten Sinne des Wortes, geklont wurde. Da stellt sich mir die Frage: wo und wann haben diese Verbrecher sich unsere DNA besorgt?“ Bowen warf ein: „Etwas Blut würde wohl den gleichen Zweck erfüllen, meint ihr nicht?†œ Daraufhin schlussfolgerte Lilli scharfsinnig: „Wir haben schon einmal mit den Dragons zu tun gehabt und ihr doch auch. Kann durchaus sein, dass diese Schurken sie sich unbemerkt besorgt haben. Letztendlich reicht ja schon ein einziges Haar für die Bestimmung der DNA.“ Alle nickten zustimmend und waren sich der Tragweite dieser unheimlichen Feststellung bewusst. Unbehagen und Argwohn breitete sich langsam aus. „Wer weiß, vielleicht haben sie uns ausgetrickst und hier in eine Falle gelockt und waren die ganze Zeit hinter der Seraphim her, um sich ihre Doppelgänger wieder zu holen“, meine Duncan mit nachdenklicher Stimme. „Andererseits dürfte die Person, die unbemerkt ausgetauscht werden soll, doch gar nicht fehlen, richtig?†œ, spekulierte Fernando. Die Anspannung löste sich etwas und Lucy sprach aus, was alle dachten: „Ich glaube nicht, dass die Dragons uns schon geklont haben und wenn, hätte ein reibungsloser Austausch erfolgen müssen! Diese Gefahr besteht wohl nicht! Noch nicht!†œ fügte sie ernst hinzu. „Seit wann genau ist Angie weg?“, fragte Duncan. „Ungefähr eine halbe Stunde, denke ich“, erwiderte Kate. „Und Jean und Bones, wer hat die zuletzt gesehen?†œ Lilli antwortete: „Jean hat mit einer Machete die Efeu-Ranken vom Eingang des Mausoleums entfernt.†œ Lucy und Kerstin nickten einstimmig. „Bleibt noch Bones….“

In der Zwischenzeit war ich wieder aus meiner tiefen Bewusstlosigkeit erwacht. Oh verdammt, dachte ich und fasste mir an das dröhnende Etwas, dass sich Kopf nannte. Da hast du aber mächtig beim Rumtopf zugeschlagen. Als ich die Augen aufschlug, wurde mir die brenzlige Situation, in der ich mich befand, erst wieder bewusst. In die Kammer fiel ein schmaler Lichtstrahl oberhalb durch eine kleine Öffnung. Ein metallisches Geräusch erfüllte den Raum, so, als ob eine schwere Tür aufgeschoben wurde. Der Lichtstrahl wurde breiter, je weiter die Tür sich öffnete.

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Ich setzte mich auf und konnte nicht fassen, wer sich da vor mir in Lebensgröße aufbaute. Es war das abscheulichste Wesen, dass ich je in meinem Leben gesehen hatte. Angestrengt versuchte ich meinen akuten Würgereiz unter Kontrolle zu bringen, was mir in Anbetracht dieser Person, und meines immer mehr schmerzenden Kopfes, kaum noch möglich war. Sie kam langsam auf mich zu, musterte mich abschätzend und begehrlich von oben bis unten und spielte mit einem kleinen Schmuckstück in ihren krallenförmigen Händen. Mir wurde noch schlechter, da ich mir gar nicht ausmalen wollte, was dieser Kerl nun vor hatte. „Na, wen haben wir denn da? Hallo, Angie, vermisst du vielleicht deinen Ring?†œ, säuselte dieser Mistkerl namens Dude Paw. Dieser widerwärtige Wurzelzwerg gehörte zu den wichtigsten Handlangern der Red Dragons. Am liebsten hätte ich ihm mein Knie in die Weichteile gerammt, aber das wäre in meiner jetzigen Lage nicht so diplomatisch, folgerte ich. Außerdem war ich neugierig, was dieser Typ von Dämon für ein Spielchen trieb. Also spielte ich mit, um vielleicht an wertvolle Informationen zu kommen. Ich musterte die offen stehende Tür und registrierte zwei Wachen davor. Nun, es mussten doch noch einige Ghule und Lutins auf dem Friedhof geblieben sein, wahrscheinlich in einem Versteck, das wir nicht orten konnten. Mist, dachte ich, jetzt könnte ich eine Glock gebrauchen. „Nun?!“ Seine Stimme klang ungeduldig. „Du versuchst Zeit zu schinden, nicht wahr! Schlage dir eine Flucht gleich aus deinem hübschen Kopf. Ich habe diese Kammer mit einem doppelten Bann belegt. Diesen kannst du nicht durchbrechen und deine Freunde auch nicht.†œ
Denkste, die Suppe werde ich dir schon versalzen, fluchte ich innerlich. Ich sah ihm direkt in die Augen und sprach mit fester Stimme: „Ah, da isser ja. Schön, dass du ihn gefunden hast. Du willst doch wohl nicht einen Finderlohn, oder?†œ Er lächelte süffisant und kniete sich neben mich auf den Boden. Sein süßlich-fauliger Geruch stieg mir mit voller Breitseite in die Nase. Kannten diese Kerle kein Parfum oder Aftershave? „Was bietest du mir an?†œ, flüsterte er in mein Ohr. „Was willst du dafür?†œ „Angie†œ, seine Stimme senkte sich und wurde zu einem Schnurren, „eine Frage beantwortet man niemals mit einer Gegenfrage!†œ Igitt, das glaub ich ja wohl jetzt nicht, der macht mich an. Jetzt konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und spuckte ihm mitten ins Gesicht. Überrascht und wütend zuckte er zurück. Sein Gesichtsausdruck verriet, dass er damit absolut nicht gerechnet hatte. Da wurde die Stille durch ein Handy mit undefinierbarer Trash Metal Musik durchbrochen. Dude wischte sich mit dem Ärmel über sein Gesicht und zog in einiger Entfernung von mir sein Handy aus der Hosentasche. Er sagte kein Wort und legte nach kurzer Zeit wieder auf. Leider hatte ich nicht viel von seinem Telefonat verstanden. Er hatte wohl auch hier einige Vorkehrungen getroffen, um mir das Lauschen zu erschweren. Aber eines entging mir nicht – ich hatte die Worte Bones und Jean gehört und dann noch Schiff, Hubschrauber und Japan. Was hatte das zu bedeuten? Mit raschen Schritten entfernte er sich zur Tür, blickte sich noch einmal um und sagte mit einem fiesen Grinsen im Gesicht: „Leider habe ich jetzt keine Zeit für dich, aber ich komme bald wieder. Verlass´dich drauf, ich bin ein außerordentlich leidenschaftlicher Typ und werde dich zum Beben bringen. Mach dich schon mal hübsch.“ Achtlos warf er meinen Ring auf den Boden. Ich wollte ihm eine bissige Antwort geben, ließ es dann aber sein. Die Tür schloss sich wieder, es wurde dunkel und ich war allein. Die Zeit drängte, ich musste hier raus. Allerdings hatte ich noch keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte. Kommt Zeit, kommt Rat machte ich mir selbst Mut – nur, wie konnte ich die anderen warnen?…

Unterdessen fragte Kerstin Norbert im Labor: „Was ist eigentlich passiert, dass Angie verschwunden ist?“ Norbert wurde verlegen. Nun musste er vor der versammelten Mannschaft zugeben, dass er sich in Angie verliebt hatte und vor lauter Eifersucht überreagiert hatte. Zögernd erzählte er, was er alles zu ihr gesagt hatte und wie sie dann weggelaufen war. Lilli und Lucy wurden richtig sauer. Und es hätte nicht viel gefehlt und Norbert hätte sich eine gebrochene Nase eingefangen.

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„Du Idiot“, sagte Lilli, „so geht man doch nicht mit der Frau um, die man angeblich liebt.“ Norbert wurde noch verlegener, doch plötzlich reagierte er ärgerlich. Schließlich hatte er Angie in Flagranti mit Jean erwischt. Warum musste sie sich auch ausgerechnet von seinem Freund trösten lassen? Er wusste doch selbst, dass er riesigen Mist gebaut hatte, und dennoch blieb dieser Unsicherheit, ob Angie sich nicht doch zu Jean hingezogen fühlte. Am liebsten hätte er sich mit jemand geprügelt, um seinen Frust los zu werden. Duncan und Bowen nahmen ihn in ihre Mitte und sprachen beruhigend auf ihn ein. Sie brachten ihn davon ab, sofort loszustürmen um nach Angie zu suchen. Zumal alle davon ausgingen, dass Jean und Bones sich bereits auf die Suche gemacht hatten. Letztlich war das aber für Norbert kein Trost, ausgerechnet Jean sollte nach Angie suchen? Nicht auszudenken, was geschehen konnte, wenn er sie finden würde! Doch Duncans Verbot zu gehen, war ein Befehl und musste befolgt werden. Zuerst mal musste das Labor untersucht werden. Duncan rief Sweetlife an und erzählte ihr, was passiert war und bat sie Angies Handy zu orten.
Auch sie war wütend auf Norbert, allerdings nahm sie sich vor, ebenfalls mit Angie zu reden. Derartige Reaktionen waren bei einem so wichtigen Einsatz wie diesem einfach nicht drin. Sweetlife kannte Angie schon sehr lange und wusste natürlich wie sensibel sie war. Innerlich fluchte sie über die Männer und mit einem leisen Fluch wandte sie sich wieder an Duncan und erzählte ihm, dass Bones und Jean wieder auf dem Schiff waren. Sie hatten sich sofort bei ihr gemeldet, weil sie die Teams nicht durch einen unnötigen Anruf in Gefahr bringen wollten. Jean und Bones hatten einige der Dragons verfolgt und zwar bis zu der Stelle im Hafen an der die Seraphim lag. War das Zufall?
Da Duncan während des Gesprächs den Lautsprecher auf seinem Handy aktiviert hatte, konnten alle mithören. Kate war erleichtert, weil sie Bones in Sicherheit wusste und Norbert fühlte sich wie der größte Esel. Natürlich war sein Drang Angie zu suchen noch größer geworden, aber Sweetlife konnte ihn davon überzeugen zu warten, bis sie sich wieder mit neuen Informationen gemeldet hatte. Nun begannen alle sich das Labor etwas genauer
anzuschauen. Aber offensichtlich war nicht viel zu sehen. Gut, der Raum hätte mal dringend eine Reinigung nötig gehabt, es stank, und dieser ekelhaft süße Moschusgeruch lag in der Luft. Ansonsten war er sehr spärlich mit zwei Tischen und drei Kühlschränken und ein paar Regalen eingerichtet. Auf einem der Tische stand ein Mikroskop und ein paar Petrischalen lagen achtlos daneben. Außerdem fanden sie einige Zettel mit Notizen in einer Schrift, die keiner lesen konnte. Angie hätte die Schrift entziffern können, und Lilli wurde schmerzhaft bewusst wie sehr ihr Angie fehlte. Die Zettel legten sie zu dem Rechner, den sie ebenfalls später untersuchen wollten.
Auf dem anderen Tisch standen Reagenzgläser in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichen Flüssigkeiten, ein Bunsenbrenner, der noch warm war, und verschiedene Werkzeuge, wie Pinzetten, Skalpelle, Zangen und Hebelstangen.
In einer Ecke des Raumes standen die ca. 2 Meter hohen drei Kühlschränke.
Gavin und Fernando öffneten sie und schauten sich den Inhalt an.
In dem ersten befanden sich Getränke wie Coke und Wasser. In dem zweiten waren wieder Reagenzgläser und weitere Petrischalen.
Als die beiden den dritten Kühlschrank öffneten, stockte ihnen kurz der Atem, und sie wichen einen Schritt zurück.
Die Reaktion blieb den anderen nicht verborgen und kamen alle um zu sehen, was sich in dem Kühlschrank befand. Sie sahen Einmachgläser mit abgetrennten Fingern, Ohren und ausgestochenen Augen. Alle Gläser waren säuberlich beschriftet. Kerstin hatte sich als erste wieder gefangen. Sie nahm eines der Gläser und las laut:

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Dustin Hoffmann
Finger – rechts
Oktober 2007

Sie erschauerte, stellte es wieder zurück und nahm das nächste:

Arnold Schwarzenegger
Ohr – links
Januar 1999

Alle schauten sich verwundert an, keiner konnte sich einen Reim darauf machen. Statt Antworten zu finden, tauchten nur noch mehr Fragen. War es möglich, dass die Dragons den Gouverneur von Kalifornien geklont hatten und sich bereits an Schauspieler heranmachten?
Plötzlich meldete sich Duncans Handy. Sweetlife gab eine Warnung durch, dass der Hurrikan nun unmittelbar bevorstand. Und da hörten sie auch schon ein leises Pfeifen. das ganz langsam lauter wurde. Es konnte jetzt nicht mehr lange dauern, bis der Hurrikan seinen Höhepunkt erreicht hatte.
Doc, Lucy und Lilli untersuchten den Raum weiter und machten eine interessante Entdeckung.

Im hinteren Teil des Labors fanden sie eine verborgene Tür. Die Tür war hinter einer Wandverkleidung versteckt. Bei der überstürzten Abreise der Dragons hatte wohl jemand die Verkleidung nicht ganz einrasten lassen, und so stand sie ein Stück hervor. Dadurch fanden die Mädels die Panzertür, die sich dahinter verbarg. „Hey Leute! Wir haben da was gefunden!†œ rief Doc, während Lucy und Lilli bereits ihre Geräte anschlossen, um die Tür zu öffnen. Norbert und Tim blieben zur Sicherheit am vorderen Eingang. Alle anderen eilten in den hinteren Teil des Labors. Die beiden Hightech-Ladys waren wieder mal blitzschnell, und so knackte das Schloss bereits, als die anderen bei ihnen ankamen. „Vorsicht! Ganz langsam, wir wissen nicht was dahinter ist. Lilli, Lucy macht mal Platz!†œ, sagte Duncan, der seine schussbereite Waffe auf die Tür richtete. Die Ladys räumten ihre Geräte weg und machten Platz. Doc und Bowen hatten sich mittlerweile auch mit gezogenen Waffen in Position gebracht. Fernando, der auch seine Waffe im Anschlag hatte, näherte sich der Tür. Er blickte zu den anderen drei, nickte kurz und stieß dann mit einem Ruck die Tür auf. Die vier stürzten in einen Gang, der mit kleinen Lampen etwas ausgeleuchtet war. Am anderen Ende kamen sie in einen weiteren Raum. Mehrere kleine Türen waren dort in der Wand eingelassen. In der Mitte standen, ziemlich durcheinander geraten, zwei Seziertische und zwei kleinere Tische mit allen möglichen medizinischen Geräten. „Hier sieht es ja aus wie in der Gerichtsmedizin†œ, sagte Kerstin und war bereits auf dem Weg zu den Gefrierfächern in der Wand. „Ob da wohl noch was drin ist?†œ Kerstin öffnete bereits zwei der Türen, aber alle Fächer waren leer. Duncan und Fernando standen am anderen Ende des Raumes vor einer doppelten Glastür, die zu einer Laderampe führte. „Die Drachen sind wohl alle schon ausgeflogen und haben ihre Spielzeuge mitgenommen. Wir sind etwas zu spät gekommen†œ, sagte Duncan und zeigte auf vier leere Transportwagen, die vor der Tür standen. „Die können aber noch nicht weit gekommen sein bei diesem Sturm†œ, meinte Fernando.

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„Vielleicht waren es die Dragons, die Jean und Bones verfolgt haben. Wir müssen sehen, dass wir so schnell wie möglich alles einpacken und zurück zum Schiff kommen.†œ
Da betrat Lilli mit grimmiger Miene den Raum: „Ihr könnt ja zurück zum Schiff. Ich werde Angie suchen!†œ Alle Köpfe drehten sich zu Lilli. „Das kommt bei diesem Hurrikan überhaupt nicht in Frage. Wir warten bis Sweetlife sich meldet, ob sie Angies Handy orten konnte. Basta!†œ, blaffte Duncan Lilli regelrecht an. Lilli stemmte ihre Hände in die Hüften, fing dabei an zu glühen und funkelte Duncan bitterböse an. Die Mädels, die genau wussten, was jetzt kommen würde, zogen die Köpfe ein. Lilli sog scharf die Luft ein: „ Ich gehöre nicht zu deiner beknackten Bruderschaft, du kannst mir überhaupt nichts befehlen. Angie ist mir wichtiger als mein Leben. Ich werde sie suchen, und davon kann mich keiner abhalten. Weder du noch der Hurrikan. Wenn sie einer finden kann, dann bin ich das!†œ, spuckte sie Duncan entgegen. Sie bebte am ganzen Körper und strahlte jetzt giftgrün. Duncan stand mit offenem Mund vor ihr, was war das denn jetzt für ein Auftritt? Fernando stellte sich direkt vor Lilli und meinte: †œIch komme mit! Dagegen kannst du nichts machen!†œ „Na gut, wenn du es dir zutraust†œ, sagte Lilli und drehte sich in Richtung Ausgang. „Moment mal ihr Beiden. Nehmt wenigstens jeder einen GPS-Sender mit, damit wir wissen wo ihr seid†œ, sagte Duncan, der sich wieder gefasst hatte. Alle entspannten sich wieder. Lucy lächelte: „Duncan, nimm´s leicht, du bist nicht der Erste dem das widerfährt. Waldelfen haben einen Dickschädel, der seinesgleichen sucht.†œ
Lucy ging zu Fernando und Lilli, um ihnen die GPS-Sender zu geben. Sie beugte sich vor an Lillis Ohr. „Offiziell mache ich mir ja keine Sorgen, aber pass auf dich auf, du bist doch meine Lieblingselfe.†œ Sie ließ kurz ihre Barthaare ausfahren und kitzelte damit über Lillis Ohrspitze. Diese lächelte Lucy an: „ Ja ich weiß. Ich liebe dich ja auch, mein Schmusekätzchen.†œ Da klingelte Duncans Handy: „ Hallo Leute. Hier ist Sweetlife. Wir haben ein schwaches Signal aufgefangen. Es könnte Angies Handy sein. Es ist, von eurem jetzigen Standort in südöstlicher Richtung.†œ „Okay, danke Sweetlife. Bis später.†œ Duncan blickte zu Fernando und Lilli: „ Ihr habt es gehört. Also los und seid vorsichtig!†œ Lilli drehte sich noch zu Norbert: „Wir werden sie finden, das verspreche ich dir. Dann kannst du dich in aller Ruhe bei ihr entschuldigen und dich mit ihr aussprechen, ich glaube das ist bitter nötig.†œ Als die Beiden zum Ausgang gingen, hörten sie noch, wie Duncan Anweisungen, zum bevorstehenden Abmarsch, gab.
Draußen war es fast windstill. „Wir sind jetzt genau im Auge des Hurrikan. Das gibt uns etwas Luft, um nach Angie zu suchen. Aber lange hält das nicht an, wir müssen uns beeilen†œ, sagte Fernando und rannte in südöstliche Richtung. Lilli rannte ihm hinterher, die Augen auf das ungefähre Ziel fixiert, und die Ohren gespitzt. Es dauerte nicht lange und sie hatten Angies Handy gefunden. Aber von ihr fehlte jede Spur. Lilli legte ihre Hände wieder auf einen in der Nähe stehenden Baum. Der Wind frischte merklich auf. „Es geht wieder los.†œ „Ja, ich merke es auch. Fernando, sieh dich doch schon mal nach einem geeigneten Unterschlupf um. Ich setze meine Kräfte ein und suche weiter nach Angie.†œ
Fernando entfernte sich und suchte nach einem geeigneten Platz. Währenddessen schloss Lilli ihre Augen und konzentrierte sich ganz auf die Schwingungen der Bäume und des Erdbodens. Der Sturm frischte immer mehr auf und wurde immer stärker und gefährlicher. Aber Lilli bemerkte das nicht, sie war ganz in ihre Suche vertieft. Sie nahm ihre Umgebung überhaupt nicht mehr wahr. Plötzlich wurde sie brutal von dem Baum weggezerrt, sie riss die Augen auf und sah gerade noch einen riesigen Ast an sich vorüber fliegen. Bevor sie sich wehren konnte lag sie in einem riesigen Grabmal, unter sich Fernando. „Tut mir leid, es blieb mir keine Zeit mehr, dich zu warnen.†œ „Schon gut. Das war ja ganz schön knapp. Vielen Dank†œ, sagte Lilli, während sie umständlich von Fernando herunterkrabbelte. Fernando setzte sich an die Rückwand der Grabkammer. „Und, hattest du Erfolg?†œ „Fast. Ich habe Angie aufspüren können. Aber es gibt da ein kleines Problem. Sie ist unter der Erde.†œ „Wie, ist sie begraben worden?†œ „Nein, sie ist in Bewegung. Sie muss in einem unterirdischen Raum gefangen sein.

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Aber den genauen Standort konnte ich nicht mehr bestimmen, und jetzt sitzen wir hier erst einmal fest. Aber die Hauptsache ist, dass sie lebt und nicht dem Hurrikan ausgesetzt ist. Ich melde es gleich mal den anderen.†œ Lilli ließ sich auf den Boden plumpsen und zückte ihr Handy. Als sie mit dem Telefonieren fertig war, umschlang ein starker Arm ihre Hüfte und zog sie nach hinten. Dass Fernando sie zu sich zog, war ihr gar nicht unangenehm und sie ließ ihren Kopf an seine Brust sinken. Sie sehnte sich danach, sich etwas fallen zu lassen. Nach der ständigen Anspannung der letzten Stunden, konnte sie das gebrauchen. „Willst du mir nicht ein wenig von dir erzählen?†œ, fragte Fernando und strich ihr sanft mit den Fingern über den Nacken. Lilli lief ein angenehmer Schauer über den Rücken, sie drehte ihren Kopf etwas zur Seite und sah lächelnd zurück zu Fernando. „Wir werden hier wohl eine ganze Zeit festsitzen. Was willst du denn wissen?†œ…

„Lilli schickt uns eine Nachricht. Sie sitzen in einem der Gräber fest†œ, teilte ihnen Lucy mit. „Wir sollen uns nicht um sie sorgen, sie melden sich wieder, sobald sich der Sturm gelegt hat. Bisher haben sie nur Angies Handy gefunden. Sie muss irgendwo unter der Erde sein, aber sie ist am Leben.†œ
In der Zwischenzeit hatte die Gruppe um Duncan alle Gerätschaften und Waffen zusammengepackt. Das Labor barg keine Geheimnisse mehr, alles wurde genauestens durchsucht und geprüft. Die Einmachgläser mit den abgetrennten Körperteilen vieler Berühmtheiten waren sorgfältig in den Rucksäcken verstaut, damit eine genauere Untersuchung auf dem Schiff erfolgen konnte. Sie machten sich auch nicht die Mühe ihr Eindringen zu verbergen und die Spuren zu beseitigen. Sollten die Dragons ruhig wissen, dass sie hier gewesen waren. Eigentlich hatte Duncan vorgehabt, den ganzen Komplex in die Luft zu sprengen, aber Norbert war entschieden dagegen. Angie musste sich ja hier irgendwo in der Nähe aufhalten und ein Risiko sie bei der Explosion zu verletzen, wollte er auf keinen Fall eingehen. Er hatte kein gutes Gefühl, seine Angie hier zurück zu lassen, aber er vertraute auf die Fähigkeiten von Lilli und Fernando.
„Lucy, komm, wir müssen los†œ, rief ihr Gavin zu. „Ja, gleich, ich muss hier nur noch meine Mikro-Kamera aktivieren. Falls sie das Labor wieder benutzen sollten oder sich sonst hier irgendwas tut, bekomme ich das Signal direkt auf mein Handy.†œ Lucy folgte den anderen hinaus, wo der Hurrikan inzwischen tobte. Dicht aneinander gedrängt machten sie sich auf den Rückweg. Der Wind peitschte ihnen um die Ohren, der Regen fühlte sich wie tausend Nadelstiche auf der Haut an. Das Tosen war so laut, dass jede Unterhaltung unmöglich war. Nur ihrem ausgeprägten Orientierungssinn hatten sie es zu verdanken, dass sie sich nicht verliefen. Bis auf die Haut durchnässt erreichten sie die Boote, die wie durch ein Wunder noch unbeschädigt waren. „Ah, Angies Schutzzauber hat dem Hurrikan standgehalten†œ, bemerkte Kerstin mit einem Lächeln im Gesicht. Aus den Augenwinkeln sah sie wie Norbert beim Erwähnen von Angies Namen zusammenzuckte. Er kam fast um vor Angst und Sorge. Und Zorn. Zorn darüber, dass er es überhaupt so weit hat kommen lassen. Zorn, dass er nicht helfen konnte. Wenn Angie etwas passieren sollte, würde er sich das nie verzeihen. Gleichzeitig reifte aber auch der Plan in seinem Kopf, wie er Angie dazu bringen könnte ihm zu verzeihen. Warum war er auch nur so ein Hornochse? „He Norbert, wach auf, wir brauchen hier jede Hand, sonst schaffen wir es nicht†œ, rief Duncan ihm ungeduldig zu. Sie teilten sich auf die Boote auf, ließen aber ein Boot für Angie, Lilli und Fernando zurück. Doc, die sich mit Bowen, Kate und Norbert bereits im ersten Boot befand, stand am Bug mit weit ausgebreiteten Armen der offenen See zugewandt.

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Leise murmelte sie beschwörende Worte in einer fremd klingenden Sprache und tatsächlich, die See beruhigte sich. Sie spürte die bewundernden Blicke von Bowen auf sich und lächelte still in sich hinein. Schweigend fuhren sie zur Seraphin zurück. Jean und Bones warteten bereits an der Reeling auf sie und halfen ihnen an Bord zu gelangen. Die Boote zu verstauen dauerte nur ein paar Minuten, kein Handgriff war zu viel. Bones zog Kate in seine Arme und begrüßte sie mit einem innigen Kuss, bis der Boden unter ihnen schwankte. Oder war das doch der Hurrikan? Eine Hand um ihre schmale Taille gelegt zog er sie in Richtung der Kabinen, um mit ihr das Wiedersehen zu feiern. Auch Kerstin und Tim hatten es auf einmal eilig aus den nassen Sachen zu kommen. Gavin wärmte Lucy bereits mit seinem Feuer, so dass Dampfwolken von ihren Kleidern aufstiegen. Duncan eilte unverzüglich zur Brücke, gefolgt von Norbert, wo sie sich von Jean einen kurzen Bericht über das inzwischen Vorgefallene geben ließen. Sweetlife war in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben, sie hatte eine riesige Entdeckung gemacht …

…Langsam durchmaß ich den Raum, immer drei Schritte vor, Drehung an der Wand und wieder drei Schritte zurück, dabei betrachtete ich nachdenklich meinen Ring.
Warum hatte er mir den Ring wieder zurück gegeben? Woher wusste er, dass es meiner war? Dann betrachtete ich die kleine Fackel, die er da gelassen hatte. Warum das alles? Merkwürdig! Die kleine Öffnung war leider nicht der Fluchtweg, den ich mir erhofft hatte. Nach ca. zwei Metern versperrte ein stabiles Stahlgitter jegliches Weiterkommen. Und wo war diese Geheimtür hin, durch die er reingekommen war? So ein Mist!
Wieder an der Wand angekommen, steckte ich mir ganz in Gedanken den Ring wieder an und befand mich Sekunden später auf dem Boden wieder! Ups, was war das denn? Ein ungewöhnliches Kribbeln erfasste meinen ganzen Körper, weichte meine Knochen auf und ließ meine Muskel schrumpfen. Und auch das Messer, das noch vor kurzem in meinem Kopf gestochert hatte, war wieder da! Ich fühlte, wie meine ganze Kraft und Energie von irgendetwas aufgesaugt wurde. Dazu noch diese wahnsinnigen Kopfschmerzen. Ich kam mir so hilflos wie ein Baby vor. Oh mein Gott, was geschah mit mir? Ich krümmte mich zusammen und umfasste meinen Kopf. Vor lauter Schmerzen schloss ich meine Augen. Draußen musste jetzt die Hölle los sein, und wenn meine Schwestern mich jetzt suchten, nicht auszudenken, was ihnen dabei alles passieren konnte! Denn ich wusste, dass sie mich niemals hier alleine lassen würden. Mir stiegen Tränen in die Augen. Und dann schob sich ein Gesicht vor meine Gedanken, ein liebes Gesicht mit wunderschönen Augen, Norbert! Würde er auch nach mir suchen, obwohl ich mich so dämlich verhalten hatte? Ich mochte Jean ja ganz gerne, aber eben nur als guten Freund. Mit Norbert war das was ganz anderes, das ging viel tiefer, ob ich nun wollte oder nicht. Durch mein blödes Verhalten hatte ich sie alle in große Gefahr gebracht. Wenn ihnen etwas passierte, war alles meine Schuld! Oh mein Gott, es tat mir alles so unendlich leid!
Meine letzten Gedanken galten Norbert, wie gerne würde ich noch einmal seine Arme um mich spüren, seinen Duft einatmen, ihn küssen… dann wurde es wieder schwarz um mich.
Ich kam erst wieder zu mir, als die Tür mit einem lauten Knall aufsprang. Ich konnte mich nicht bewegen und öffnete meine Augen mühsam einen Spalt. Oh, da war ja Mr. Monster wieder! „Na, meine Süße, hast es wohl kaum ausgehalten vor Sehnsucht nach mir, was?“, rief er laut und schickte noch ein heiseres, widerliches Lachen hinterher. Doch als er mich dort liegen sah, hörte ich ihn leise in einer fremden Sprache fluchen. Schnell schloss er die Tür, vor der immer noch die beiden Wachen standen. Blitzschnell kauerte er sich direkt vor mich hin und musterte mich mit seinen grünen Augen. Vorsichtig und sehr sanft strich er mir mit seinen klauenartigen Händen die Haare aus meinem Gesicht. Was war das denn jetzt?

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Fortsetzung: Black Dagger Ladies Online – Zurück an Bord

Black Dagger for crazy Ladies – The Show Must Go On

Black Dagger Ladies

Hinter den Bildern verbergen sich die Black-Dagger-Ladies.

Angie, Doc, Kerstin, Lilli, Lucy und Kate sind bekennende Fans der Autorin J.R. Ward und der von ihr geschriebenen, mittlerweile 12teiligen, Black-Dagger-Serie.

Dies sechs Ladies haben sich hier zufällig getroffen und halten seitdem einen regen Austausch über die Liebe und das Leben, Lust und Frust – in erster Linie allerdings über Männer! Unermüdlich sind sie auf der Suche nach der Idealbesetzung der aufrgenden Helden der Bruderschaft der Black Dagger. Logisch, dass die im wahren Leben schwer zu finden sind. 😉

Was liegt näher, als sich eine ideale Welt zu schaffen? Inzwischen schreiben die Ladies an einem Online-Roman mit dem „Arbeits-Titel“ Black Dagger Ladies Online.  Der Roman wächst stetig, derzeit umfasst er ca. 30 000 Wörter, die sich auf 42 Seiten verteilen. Aktuell arbeiten sie am 4. Kapitel der Story. Abwechselnd schreibt jede einen Part, der dann entsprechend an der vorherigen angehängt wird – erstaunlicherweise funktioniert das. Gestartet sind die Sechs von einer Insel aus auf einem Kreuzfahrtschiff. Auf diesem Schiff tummeln sich vielfältige Gestalten. Es gibt Vampire, Werwölfe, Elfen, Hexen, Drachen und div. andere Wesen, die sich momentan auf dem Weg nach New Orleans befinden, um dort – natürlich die Welt zu retten. Das Ergebnis ist lustig, schräg und ein wenig chaotisch – im Vordergrund steht der Spaß an der Sache! 😆


Nachtjagd: Black Dagger 1

NachtjagdKurzbeschreibung

Das Leben der jungen Beth Randall verläuft eigentlich in ruhigen Bahnen – sie lebt in einem zu kleinen Apartment, geht selten aus und hat einen schlecht bezahlten Reporterjob bei einer kleinen Zeitung in Caldwell, New York. Ihr Job ist es auch, der sie an den Tatort eines ungewöhnlichen Mordes führt: Vor einem Club ist ein Mann bei der Explosion einer Autobombe gestorben, und die Polizei kann keinen Hinweis auf die wahre Identität des Toten finden. Dann trifft Beth auf den geheimnisvollen Wrath, der in Zusammenhang mit dem Mord zu stehen scheint. Der attraktive Fremde übt eine unheimliche Anziehung auf sie aus, der sie sich nicht entziehen kann. Während sie sich auf eine leidenschaftliche Affäre mit Wrath einlässt, wächst in ihr der Verdacht, dass er der gesuchte Mörder ist. Und Wrath hat noch ein paar Überraschungen mehr für sie auf Lager, denn er behauptet, ein Vampir zu sein – und das Oberhaupt der Bruderschaft der BLACK DAGGER, die seit Jahrhunderten einen gnadenlosen Krieg um das Schicksal der Welt führen muss ….

Blutopfer: Black Dagger 2

BlutopferKurzbeschreibung

Seit Hunderten von Jahren tobt ein Krieg in den Städten, von dem die Sterblichen nur selten etwas bemerken: Wrath, König der Vampire, führt die Bruderschaft der BLACK DAGGER in einem gnadenlosen Kampf gegen die Gesellschaft der Lesser, seelenlose Untote, die geschworen haben, die Vampire zu vernichten. Mitten in diesem Krieg bittet Darius, ein alter Kampfgefährte, Wrath darum, sich um seine Tochter Beth zu kümmern, die nichts von ihrer vampirischen Herkunft weiß. Schon bald gerät die junge Frau zwischen die Fronten, und Wrath muss erkennen, dass sein Schicksal unauflöslich mit ihr verbunden ist – denn Beth ist seine Shellan, seine unsterbliche Liebe, für die sich jedes Opfer lohnt. Und er muss auch alles riskieren, um Beth zu retten…

Ewige Liebe: Black Dagger 3

Ewige LiebeKurzbeschreibung

Die Bruderschaft der BLACK DAGGER konnte eine Schlacht für sich entscheiden, doch der Krieg gegen die Gesellschaft der Lesser tobt mit unverminderter Härte weiter. Nun, da Wrath den ihm angestammten Königsthron bestiegen hat, lastet der Schutz der Vampire nur noch auf wenigen Schultern. Immer gnadenloser werden die Methoden der Untoten, und ausgerechnet in dieser gefährlichen Lage droht die Bruderschaft, ihren stärksten und verlässlichsten Kämpfer zu verlieren: Rhage, der Schöne, der Unbesiegbare hat sich unsterblich verliebt – in Mary, die nicht nur ein Mensch, sondern auch unheilbar krank ist. Kann Rhage die Liebe seines Lebens retten und gleichzeitig weiter der Bruderschaft dienen? Und wird die Jungfrau der Schrift diesen Bruch der Traditionen hinnehmen? Rhage hat keine Wahl, er muss alles auf eine Karte setzen …

Bruderkrieg. Black Dagger 04

BruderkriegKurzbeschreibung

Rhage, der schönste und tödlichste Krieger der BLACK DAGGER, hat, ohne es zu wollen, große Gefahr über die Bruderschaft gebracht: Die Gesellschaft der Lesser plant seine Vernichtung, und die Jungfrau der Schrift will seinen Verstoß gegen ihre Gebote bestraft sehen – denn Rhage hat sich in eine menschliche Frau verliebt, die todkranke Mary Luce. Obwohl Wrath, der König der Vampire, seinen Bruder beschützen will, muss er sich dem Willen der Jungfrau beugen. Um Mary zu retten, lässt sich Rhage auf ein gefährliches Spiel ein: Nur wenn es ihm gelingt, den entsetzlichen Fluch zu überwinden, der seit einem Jahrhundert auf ihm lastet, hat er eine Chance gegen die übermächtige Bedrohung. Und während er sich seinen Feinden entgegenstellt, muss Mary ihren ganz eigenen Kampf aufnehmen …

Mondspur. Black Dagger 05

MondspurKurzbeschreibung

Einst hat Phury seinen Zwillingsbruder Zsadist aus grausamer Gefangenschaft befreit. Doch obwohl seitdem mehr als ein Jahrhundert vergangen ist, heilen Zs Wunden nicht. Gezeichnet an Körper und Seele ist er wohl der düsterste und unheimlichste Krieger der Bruderschaft der BLACK DAGGER. Erst als er die schöne Aristokratin Bella trifft, die sich zu ihm hingezogen fühlt, erwacht in Zsadist plötzlich wieder ein Gefühl, das er längst für begraben hielt: Hoffnung. Doch auch sein Zwilling Phury, der in einem selbstauferlegten Zölibat lebt, zeigt Interesse an Bella. Als die junge Vampirin von der Gesellschaft der Lesser entführt wird, müssen die beiden Brüder ihre Schwierigkeiten überwinden und gemeinsam alles daransetzen, die Frau zu retten, die sie lieben … Mystery der neuen Generation – mit ihrer BLACK-DAGGER-Serie hat J. R.Ward auf Anhieb Kultstatus erlangt.

Dunkles Erwachen: Black Dagger 6

Dunkles ErwachenKurzbeschreibung

Dieses Buch ist eines der besten der Reihe. Als ich die ersten 2 gelesen und mir dann das dritte gekauft hatte, habe ich gemerkt, dass es nicht mehr hauptsächlich um Beth und Wrath ging. Ich war enttäuscht und wollte es nicht lesen, da Beth und Wrath meine Lieblingsfiguren waren. Dann habe ich es natürlich trotzdem gelesen und fand das 3. und 4. Buch, also die Story von Rhage und Mary noch besser als von Wrath und Beth. Doch das ist alles nichts im Vergleich zur Story von Zadist, Bella und auch von Phury, die in diesem Buch ihren Abschluss findet … Einfach nur genial … und ich muss wirklich sagen stellenweise war ich den Tränen nahe. ES ist einfach ein tolles Buch und ein MUSS für alle, die die vorherigen Bücher der Serie gelesen haben … Spannung bis zur letzten Seite … entscheidet sich Zadist endlich für Bella und für ein „normales“ Leben oder kehrt er in die Einsamkeit zurück?? Und was passiert mit Phury der eindeutig auch in Bella verliebt ist? Kann er sie seinem Bruder überlassen? (Amazon-Rezension)

Menschenkind: Black Dagger 7

MenschenkindKurzbeschreibung

In Menschenkind nun geht es um Butch O†™Neal, einen ehemaligen Cop, der sich wegen seiner Liebe zu der schönen Marissa als menschliches Mitglied der vampirischen Kampfbruderschaft angeschlossen hat. Bisher war er eine eher blasse Figur geblieben, aber nun bekommt auch er einen ordentlichen Schuss Dramaturgie ab, denn die Liebe der beiden wird auf eine gefährliche Probe gestellt.

Die Mischung aus Erotik, Vampirhorror, Adelsschmonzette und Action liest sich sehr flüssig, weshalb die Serie eine treue Gefolgschaft gewonnen hat. „Ob nun für Geld oder nicht, das war eine Frau, die ausreichend zu schlucken bekam und das auch gut fand.†œ Mit solchen Sätzen, die die Grenzen des guten Geschmacks vielleicht nicht gerade überschreiten, sie aber immerhin ziemlich strapazieren, schlägt Ward den Ton an, der den Roman bestimmt. Wer darin einstimmen mag, wird seine Freude haben. (Solveig Zweigle – Amazon)

Vampirherz: Black Dagger 8

VampirherzKurzbeschreibung

Um in den vollen Genuss der Welt von Black Dagger zu kommen, sollte man allerdings mit Nachtjagd, dem ersten Band der Reihe beginnen. Bei Vampirherz handelt es sich um die zweite Hälfte des amerikanischen Originalbandes, dessen erste Hälfte deutsch als Nummer sieben der Serie und unter dem Titel Menschenkind vor Kurzem erschienen ist. In Vampirherz also findet die Geschichte des Ex-Cops Butch O†™Neal ihre Fortsetzung. Der ist das einzige menschliche Mitglied der Black Dagger Bruderschaft und hoffnungslos in die Vampiradelige Marissa verliebt. Diese Liebe wird zwar erwidert, aber dennoch stehen Welten zwischen den beiden unterschiedlichen Wesen. Verzweifelt versucht Butch, die Kluft zu überbrücken, doch dabei gerät er in höchste Gefahr, denn die Lesser haben wie immer auch noch ihre Finger mit im Spiel.

Nachdem in den ersten Bänden die rein vampirischen Figuren im Vordergrund standen, rückt nun das vertrackte Verhältnis zwischen Mensch und Nachtwesen ins Blickfeld, und J. R. Ward wäre nicht sie selbst, wenn das nicht mit viel Spannung und Leidenschaft geschehen würde. Klassische Liebesgeschichte mit Hindernissen, Action und düstere Romantik, was braucht man mehr nach einem drögen Arbeitstag. Und dann der Sex. Die en Detail geschilderte und durchaus nicht reibungslose Defloration einer dreihundertjährigen Jungfrau bekommt man nicht alle Tage vorgesetzt. Eindrucksvoll. (Simon Schiffmann – Amazon)

Seelenjäger: Black Dagger 9

SeelenjägerKurzbeschreibung

Als leidenschaftliche Leserin der Black-Dagger-Reihe dachte ich eigentlich immer, dass niemand so atemberaubend leidet wie Zadist. Aber ich habe mich getäuscht.

V nimmt einen mit in seine Gedanken und Gefühle. Wenn im Buch geschildert wird, wie seine Jugend war, da bleibt einem die Luft weg. Man versteht ihn und seine Beweggründe besser, erfährt viel über seine Gefühle zu Butch, die in den vorherigen Büchern schon zu erahnen waren. Auch seine sexuellen Vorlieben erscheinen plötzlich als logische Reaktion auf seine Vergangenheit.

Wenn er dann auf Jane trifft, sind die Dialoge zwischen den beiden einfach hochkarätig. Ich musste staunen und vor allem lachen, wie diese beiden hochintelligenten Figuren miteinander umgehen.

Todesfluch: Black Dagger 10

TodesfluchKurzbeschreibung

In diesem Teil spitzt sich die Geschichte um Vishous und Jane weiter zu, während Phury und John einen Großteil der Rahmenhandlung füllen. V hat weiterhin mit seinen Dämonen aus der Vergangenheit zu kämpfen, hinzu kommt der Druck für sein neues „Amt“ als Primal, doch trotz alledem nimmt Jane bei ihm eine Vorrangstellung ein. Sein Umfeld reagiert darauf besorgt und doch verständnisvoll. Besonders Butch sticht hier in der Rolle als Freund hervor. Und zu alledem lüftet Vishous Mutter noch ein kleines Geheimnis, dass hoffentlich in den kommenden Büchern vertieft wird.

J. R. Ward hat wieder einmal gezeigt, wie gut sie es versteht Emotionen und Gefühle in Worte zu fassen, Verbindungen zu knüpfen und Dinge anzureißen, die in den folgenden Bänden sicher noch eine große Bedeutung erlangen. Mit einer Prise Humor hat die Autorin Vishous aus einem bisher unbekannten Blickwinkel beschrieben und seinen Charakter noch tiefer gezeichnet. Die Rückblicke in seine Vergangenheit und das Zusammenspiel zwischen ihm und Jane zogen sich durch das ganze Buch und brachten genau das richtige Feeling für ihre Liebesgeschichte. Hier ist V nicht mehr der unnahbare gefühllose Einzelgänger. Besonders im Schlussteil wird das sehr deutlich.

Blutlinien: Black Dagger 11

BlutlinienKurzbeschreibung

Spannung, überraschende Wendungen, Herzschmerz, Action und viele neue Entwicklungen – das bietet der erste Teil von „Lover Enshrined“ (orig. Titel). Von Letzterem sogar so viel, dass ich mich echt frage, in welche zahlenmäßige Dimensionen die Fortsetzungen noch wachsen werden, denn die Autorin entwirft ja einen Kracher nach dem anderen. Irgendwann werden wahrscheinlich die ersten 40 Seiten nur noch das Glossar umfassen, um der Komplexität von J. R. Wards Welt noch Herr zu werden. Im Großen und Ganzen habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Abraten vom Lesen kann ich höchstens Neulingen, denn die werden trotz Erläuterungen am Anfang keinen Fuß mehr fassen können; lieber schön von Anfang an genießen. Für Fans der Serie natürlich ein absoluter Pflichtkauf und man darf auf den nächsten Band gespannt sein. Von mir gibt es (nur) 4 Sterne, weil ich finde, dass die Autorin nach Zsadists Geschichte nie wieder so in Höchstform war. „Vampirträume“ ist dieses Mal eindeutig vorbestellt, falls die Erscheinung (hoffentlich) mal wieder nach vorne verlegt wird! Bis dahin heißt es: Abwarten! (Amazon-Rezension)

Vampirträume: Black Dagger 12

VampirträumeKurzbeschreibung

In ihrem Schlafzimmer im Obergeschoss des Hauses der Bruderschaft setzte sich Cormia auf den Boden vor ein Architekturmodell, das sie am Abend zuvor begonnen hatte, eine Schachtel Zahnstocher in der Hand, eine Schüssel Erbsen neben sich. Doch sie baute nicht weiter. Wie lange sie schon einfach nur dasaß und den Deckel der Schachtel auf- und wieder zuklappte, mochte die gütige Jungfrau wissen. Auf, zu … auf, zu.
Ausgebremst und praktisch handlungsunfähig, spielte sie nun schon eine kleine Ewigkeit mit diesem Pappdeckel, ihr Daumennagel hatte die Klappe schon ganz dünn geschabt.
Wenn sie nun nicht länger die Erste Partnerin des Primals war, dann gab es keinen Grund mehr für sie, auf dieser Seite zu bleiben. Sie erfüllte keine offizielle Funktion, und nach allen gültigen Regeln sollte sie im Heiligtum wohnen und mit ihren Schwestern meditieren, beten und der Jungfrau der Schrift dienen.
Sie gehörte nicht in dieses Haus und nicht in diese Welt. Das hatte sie noch nie.

Bruderschaft der Black DaggerDie Bruderschaft der Black Dagger: Ein Führer durch die Welt von J.R. Ward’s BLACK DAGGER

Kurzbeschreibung
Ein Muss für alle Black-Dagger-Fans
Von den Fans sehnsüchtig erwartet und von den Vampir-Liebhabern sofort verschlungen †“ J. R. Wards »Black-Dagger«-Romane landen jedes Mal auf der Bestsellerliste! Mit ihren düster-erotischen Geschichten um den erbitterten Kampf und die dunklen Leidenschaften der letzten Vampire auf Erden hat J. R. Ward in der Mystery neue Maßstäbe gesetzt.
Über die Autorin
J. R. Ward ist in den USA eine der erfolgreichsten Bestseller-Autorinnen für die Mischung aus Mystery und Romance. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften war sie zunächst im Gesundheitswesen tätig, wo sie unter anderem die Personalabteilung einer der renommiertesten Klinken des Landes leitete. Ihre „Black Dagger“-Romane haben in kürzester Zeit die internationalen Bestsellerlisten erobert. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Hund lebt J. R. Ward im Süden der USA.

Black Dagger Ladies Online †“ New Orleans [Kapitel 4]

Black Dagger Ladies Online

New Orleans
Kapitel 4

New Orleans

Er wusste, dass die Gefühle, die sie für einander empfanden, nicht richtig waren. Was wird nach ihrer Ankunft in New Orleans passieren, werden sich dort ihre Wege für immer trennen?
Als Kerstin kurze Zeit später zusammen mit Tim ihre Kabine verließ, lief Lilli ihnen über den Weg. Lilli setzte ihr berühmtes Lausbubenlächeln auf: „Na, ihr beiden, Henkersmahlzeit?“ Kerstin bekam ein wenig rote Ohren und Tim ließ ein breites Grinsen erstrahlen: „Und ihr habt ein wenig gezündelt?“ Jetzt bekam Lilli leicht rosafarbene Bäckchen: „Ja, aber jetzt ist wieder alles unter Kontrolle. Wir hatten, beim Basteln, ein paar Schaltkreise überhitzt. Wir wissen jetzt wo der Fehler war, Lucy und Gavin sind im Rechenzentrum schwer damit beschäftigt. Wenn sie fertig sind, haben wir unsere Kapazität vervierfacht!†œ
„Und, wohin willst du so schnell?“ „Ich muss zu Duncan in die Computerzentrale. Sweetlife und Eric haben uns Funkbilder von den Dragons, die nach New Orleans aufgebrochen sind, geschickt. Wir haben sie durch unsere Suchprogramme laufen lassen, und anscheinend haben wir ein paar Treffer gelandet. Ich muss los, Duncan wartet! Bis später.“ Und schon eilte Lilli davon.
Duncan erwartete sie an der Tür. „Hallo Duncan, konnten wir alle identifizieren?“, fragte Lilli. „Nicht ganz, aber acht von zehn haben wir schon. Aber das ist jetzt nebensächlich. Du hast nämlich einen Hammertreffer gelandet.“ Duncan lachte über Lillis erstaunten Gesichtsausdruck und zog sie in die Zentrale. Der Raum hatte gigantische Ausmaße und beherbergte mehrere Großrechner, die sich hinter einer riesigen Glaswand befanden. Vor der Glaswand standen mehrere Computerbildschirme, über die fortlaufend Fahndungsfotos und Datensätze liefen. In der Mitte des Raumes stand ein riesiger Konferenztisch, ebenfalls aus Glas, der an vier Plätzen zusätzlich mit Touchscreen-Flächen versehen war. An der Wand gegenüber der Tür hing ein riesiger Bildschirm, auf dem im Moment nur ein Flimmern zu sehen war.
Duncan setzte Lilli an die Stirnseite des Konferenztisches, zog sich einen Bürostuhl herbei und ließ sich, neben sie, auf den Stuhl plumpsen. Sein Gesicht strahlte, wie das der Kinder wenn sie vorm Weihnachtsbaum standen. Lilli sah ihn erstaunt an: „Ja, und, was ist nun der Hammer?“ Duncan drehte sich zum Tisch und tippte auf einem der Touchscreen herum, immer noch dieses Dauergrinsen im Gesicht. Auf dem riesigen Bildschirm erschien sofort ein gestochen scharfes Bild von einem Friedhof. Lilli starrte auf den Bildschirm, dann sprang sie jauchzend vom Stuhl, beide Hände zu Fäusten geballt:†œ Ja, ja, ja, ja. Ich bin ja so geil!†œ Duncan sah ihr lächelnd zu „Herzlichen Glückwunsch! Hochachtung, ich hätte nie gedacht, dass du den NASA-Satelliten knacken könntest. Aber du hast es tatsächlich geschafft.“ Lilli ließ sich auf ihren Stuhl fallen, atmete erleichtert und zufrieden aus. „Und, was haben wir auf den Bildern?“ „Dafür, dass wir uns die halbe Nacht um die Ohren geschlagen haben, werden wir fürstlich belohnt. Wir haben phantastische Bilder von der ganzen Anlage. Wir konnten schon zwei versteckte Ein- und Ausgänge erkennen. Und die Verteidigungsanlagen haben wir auch schon analysiert. Wenn uns die NASA nicht rauswirft, können wir unseren Einsatz chirurgisch genau planen! Das ist einfach genial! Danke Lilli!“ Duncan sprang auf, riss Lilli von ihrem Stuhl und drückte ihr einen dicken Kuss auf den Mund. Lilli hatte ihre Arme abwehrend vor die Brust gezogen, sie bog den Kopf etwas zurück und räusperte sich verlegen.
„Oh, entschuldige!“ Duncan setzte sie sofort wieder auf den Boden ab, trat einen Schritt zurück und schaute schuldbewusst auf den Boden. Der Hüne von 2 Metern stand vor Lilli wie ein Schuljunge, der etwas ausgefressen hatte. Bei diesem Anblick musste sie laut loslachen.

Seite 38

„Entschuldigung angenommen, ich bin nur etwas erschrocken! Wegen der NASA müssen wir uns keine Gedanken machen. Ich habe mein Signal so gut versteckt, die merken gar nicht, dass wir mit von der Partie sind.“ „Gut, machen wir uns auf den Weg zur Besprechung, mal hören, was es sonst noch Neues gibt.“ Duncan, wieder ganz gelöst, legte eine Hand in Lillis Rücken und führte sie galant zur Tür hinaus.
Die beiden bogen gerade um die nächste Ecke, als Fernando mit Doc aus seinem Arztzimmer kam. „Seid ihr auf dem Weg zur Lagebesprechung?“, fragte Doc, „da schließen wir uns doch an.“ Doc hakte sich bei Duncan unter: „Na, ihr Feuerwerker, habt ihr uns was Spannendes zu berichten?“ „Ja, Lilli hat es geschafft, den NASA-Satelliten…“, und schon waren die beiden in ein Gespräch vertieft.
Während Fernando neben Lilli herlief, betrachtete diese, sehr interessiert, das nicht vorhandene Muster auf dem Boden. Fernando blieb abrupt stehen, nahm entschlossen Lillis Hand und zog sie zu sich zurück. „Ich habe dich gesucht, nachdem du von der Party verschwunden bist. „Oh, ich war mit Lucy, Gavin und Duncan die ganze Nacht im Computerraum. Wir hatten verschiedene Sachen an den Computern vorzunehmen. Das war eine langwierige Sache.“ „Ich wollte mit dir reden. Ich wollte über uns reden!“ Lilli machte sich von Fernando los, verschränkte bockig ihre Arme vor der Brust und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand. „Es gibt kein uns! Ich habe dir doch gesagt, dass ich nur ein Abenteuer wollte und den habe ich bekommen. Ende der Geschichte!“, sagte sie trotzig. Fernando stand blitzschnell vor ihr und stemmte seine Arme links und rechts neben Lilli gegen die Wand, damit sie ihm nicht entkommen konnte. „Das ist nicht wahr, Lilli!“, schleuderte er ihr ins Gesicht. „Du empfindest etwas für mich. Deine schönen Augen verraten Dich“, sagte er etwas sanfter. „Warum wehrst du dich so dagegen? Auch ich bin dabei mich in dich zu verlieben. Lass es doch einfach geschehen. Lass uns zusammen erleben, wo das hinführt.“ Lilli sah Fernando an, sie rang sichtlich mit sich. „Ich kann das nicht. Ich darf das nicht!“, stieß sie gequält hervor. „Wenn ich noch jemanden verliere, der mir etwas bedeute…“, flüsterte sie dann und senkte ihren Blick auf den Boden. Fernando legte eine Hand unter ihr Kinn und zwang sie zärtlich, ihn wieder anzusehen. „Also bedeute ich dir etwas.“ Lilli schloss die Augen, aus denen jetzt Tränen tropften und hauchte ein kaum zu hörendes Ja. Fernando nahm sie fest in seine Arme und vergrub sein Gesicht in ihrem Strubbelhaar. „Lilli, du kannst dich auf mich verlassen. Du wirst mich nicht verlieren. Ich habe jetzt schon fast 250 Jahre auf dem Buckel und es werden ganz sicher noch einige dazu kommen.“
Lilli löste sich von ihm und fing an zu lachen. Fernando lächelte sie etwas verunsichert an. „Habe ich einen Witz gemacht, ohne es zu merken?“ Lilli gluckste: „Da bin ich ja hundert Jahre älter, als du. Willst du überhaupt eine Oma haben?“ „Da habe ich wohl was nicht mitbekommen. Wieso hundert Jahre älter?“ Lilli setzte wieder ihr Lausbubengesicht auf und strich mit den Händen ihre Haare an den Ohren zur Seite. Es wurden zwei süße, spitze Öhrchen sichtbar. „Ich bin eine Waldelfe und vor fünf Wochen, feierte ich meinen 343sten Geburtstag. Na, bin ich dir jetzt zu alt?“ Fernando strich, etwas ungläubig, mit den Fingern über Lillis Ohren und meinte dann belustigt: „Hammer, und ich dachte wir Ordensbrüder seien ein schräger Haufen. Aber ihr Mädels stellt ja wohl Alles in den Schatten. Was kommt denn da noch zum Vorschein?“ „Das wirst du noch früh genug erfahren. Aber jetzt müssen wir zur Besprechung. Die werden schon alle auf uns warten.“ Lilli fasste Fernandos Hand und zog ihn lachend Richtung Brücke.
Direkt hinter der Schiffsbrücke lag ein großer Konferenzraum. Er war vollgestopft mit Flipcharts, an denen Satellitenbilder hingen und in der Mitte stand der gleiche riesige Glastisch, wie im Computerraum. Natürlich waren schon alle versammelt. Duncan sah ihnen mürrisch entgegen und brummte: „So, seid ihr auch endlich mal da. Dann können wir ja anfangen!“
Ich blickte von den Unterlagen, die vor mir lagen auf, Fernando lächelte mich an und zwinkerte mir zu. Da schaute ich zu Lilli. Ich bemerkte das leichte Leuchten, das die Waldelfen manchmal ausstrahlten.

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Endlich war es jemandem gelungen ihre Mauern einzureißen. Sie war wieder glücklich und zuversichtlich. Sie war wieder meine Lilli, so, wie ich sie kannte.
„Nun Leute, es geht los!“, rief Duncan. „Bones!“
Bones erhob sich: „Die Seraphim macht weiterhin gute Fahrt und der Wetterbericht ist auch ausgezeichnet. Wir legen also heute Abend gegen 21.00 Uhr, Ortszeit, in New Orleans an.“
„Danke, Bones.“ „Wir haben also noch genügend Zeit, um unsere Operation genau zu planen und vorzubereiten. Lucy und Gavin haben unsere Rechner auf Vordermann gebracht, und Lilli konnte uns Zugang zu einem Satelliten der NASA verschaffen. Dadurch haben wir optimales Bildmaterial von unserem Einsatzort. Kate, konntest du dir schon ein Bild von den Sicherheitstüren an den Ein- und Ausgängen machen?“ Kate sprang auf. „Es ist das selbe System wie an eurer vermeintlichen Gruft – also dem Lagerraum mit den Doppelgängersärgen. Es dürfte für Lucy und Lilli kein Problem sein, die Türen zu öffnen. Allerdings sind vor den Türen Laserschranken installiert, die sich fortlaufend bewegen. Die müssen zuerst deaktiviert werden. Leider ist das von Außen nicht möglich. Aber Tim und Kerstin haben sich mit dem Problem schon befasst.†œ
„Kerstin, Tim wie sieht es aus?“ Tim stand auf und lief zu einer der Flipcharts. Er deutete auf ein Bild. „Also hier ist der Zugang, um den wir uns kümmern. Kerstin und ich haben uns die Bewegungen der Laser genau betrachtet. Lucy hat die Satellitenaufnahme auf den Computer übertragen und uns ein Programm erstellt, mit dem wir die Laser im Trainingsraum simulieren können. Kerstin hat schon angefangen, eine Choreografie einzustudieren. Damit bewegt sie sich durch die Laser. Wenn sie durch ist, lenkt sie mit Spiegeln die Strahlen ab. Dann können Lucy und Lilli sich die Tür vornehmen.“ Tim bewegte sich zum nächsten Bord, auf dem ein Bild des anderen Eingangs zu sehen war. „Dieser Zugang befindet sich im hinteren Bereich des Friedhofes. Wie ihr sehen könnt, ist dort ein dichtes Waldgebiet. Angie, Norbert, Kate und Fernando legen sich dort auf die Lauer und fangen alles ab, was aus diesem Zugang flüchten will. Bowen, Doc und Fernando haben inzwischen alle Waffen und unsere Munition mit Docs spezieller Legierung modifiziert. Also können wir unsere Gegner ohne Mühe kampfunfähig machen und festsetzen. Um die Verteidigungsanlagen hat sich Jean gekümmert.“
Tim setzte sich wieder auf seinen Platz neben Kerstin. Nun erhob sich Jean, der neben mir Platz genommen hatte. Ich war ein wenig erleichtert, denn auf meiner anderen Seite lümmelte sich Norbert auf seinem Stuhl herum und warf immer wieder giftige Blicke in Richtung Jean. Was zur Folge hatte, dass ich mich nicht gerade wohl zwischen den beiden fühlte. Jean stellte sich jetzt auch vor die Satellitenbilder. „Durch die Bilder von Sweetlife und Eric konnten wir alle Dragons, die wir in New Orleans antreffen werden, identifizieren. Sie gehören allesamt der Red Dragon Eliteeinheit an und sind absolut hervorragend ausgebildete Kämpfer, die sich sowohl mit allen möglichen Waffen, als auch im Nahkampf sehr gut auskennen. Bowen und ich gehen davon aus, dass sich jeweils drei oder vier von ihnen in den beiden Verteidigungsgräben verschanzen werden. Unsere Verbindungsleute vor Ort haben herausgefunden, dass die Dragons über vier Granatwerfer und jede Menge AK-47 Sturmgewehre verfügen. Sie verwenden ausschließlich Stahlmantelgeschosse mit einer speziellen Silberlegierung, was für die Wölfe unter uns ein größeres Problem darstellen dürfte. Doc und Bowen haben da aber etwas ausgeklügelt, das uns eine große Hilfe sein dürfte. Die Beiden haben spezielle Blasrohre angefertigt und die Pfeile mit der Speziallegierung von Doc präpariert. Damit dürften wir die meisten aus sicherer Entfernung betäuben können. Sobald Doc ihre Pfeile verschossen hat, gehen Bowen, Tim, Bones, Duncan und ich gegen die Übriggebliebenen vor. Wenn wir die Gräben ausgehoben haben, können Kerstin, Lilli und Lucy an ihre Arbeit gehen. Was wir allerdings im Inneren des Bunkers vorfinden werden, ist unsicher. Ab dem Zeitpunkt, an dem wir in den Bunker eindringen, müssen wir improvisieren. Aber das können wir ja auch perfekt.“

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Jean blieb stehen und sah zu Duncan, der erhob sich: „Ich danke euch allen für eure Vorbereitungen und Erläuterungen. Sehr gute Arbeit! Bones, setze dich bitte mit unseren Leuten in New Orleans in Verbindung und teile ihnen unsere Pläne mit und wann wir anlegen. Kate, kannst du bitte noch zusammenstellen, was wir an Transportmitteln, für unsere Ausrüstung brauchen, damit diese dann auch zur Verfügung stehen?“ Kate nickte Duncan zu und verließ mit Bones den Raum.
„So, Leute, trotz guter Vorarbeit haben wir noch Einiges zu tun, bis wir heute Abend an unserem Zielort ankommen. Also los an die Arbeit!“ Alle machten sich voller Tatendrang auf den Weg. Kerstin und Tim, die für das Meeting ihre Übungen unterbrochen hatten, gingen wieder in den Trainingsraum, um weiter mit den Lasern zu tanzen. Doc und Fernando verschwanden in der medizinischen Abteilung und stellten ihre Notfallausrüstung zusammen. Bowen, Norbert, Jean und ich kümmerten uns um unser Waffenarsenal. Lucy, Lilli und Gavin waren auch schon wieder bei ihren Computern und Bildschirmen, um die Bewegungen auf den Satellitenbildern zu überwachen. Duncan ging zu Kate und Bones, um noch letzte Anweisungen nach New Orleans durch zugeben. Es herrschte ein reges Treiben an Bord und eine kribbelnde Anspannung legte sich über das ganze Schiff. Wir alle waren heiß auf den Kampf!
Lilli, Lucy und Gavin arbeiteten eine Weile schweigend jeder für sich an den Computern. Gavin brach als Erster das Schweigen. „Wie sieht es mit den Firewalls aus Lilli? Und hast du unsere Spuren gut verwischt?“ Lilli blickte vom Bildschirm auf, runzelte ein wenig die Stirn und sagte: „Natürlich, alles paletti, ich habe die neuste Kasperski Sicherheitssoftware ein wenig überarbeitet. Da waren mir noch zu viele Lücken. Aber jetzt ist alles dicht.“ „Du hast Kasperski geknackt? Wow, nicht schlecht.“ „Außerdem hat Lucy die Intrusion-Detection-System-Module so modifiziert, dass wir jeden, der bei uns rein will, zurück verfolgen und lokalisieren können. So entkommt uns keiner!†œ, sagte Lilli und bedachte Lucy mit einem anerkennenden Blick. Lilli und Lucy waren sichtlich stolz auf die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen. Lilli konnte ein Gähnen nicht unterdrücken und räkelte sich auf ihrem Stuhl.
„Hey Lilli, du hast echt tolle Arbeit abgeliefert, ruh´ dich doch noch ein bisschen aus, Gavin und ich halten so lange die Stellung, ok?“ „Danke Lucy, das ist wirklich nett von euch, ich hab eine Runde Schlaf dringend nötig“, antwortete Lilli, zwinkerte Lucy zu und verschwand auch schon durch die Tür. Gavin und Lucy konzentrierten sich wieder auf die Monitore, die Stille wurde nur durch das Klicken der Tastaturen unterbrochen.
Lucy hatte noch nie in einem voll ausgerüsteten Elektronik-Labor wie diesem gearbeitet. Der Boden war stahlgrau gefliest, und die blassgrün gestrichenen Wände waren mit unzähligen Bildschirmen bedeckt. Ein halbes Dutzend leicht getönter Oberlichter ließen gerade so viel Tageslicht und Wärme in den Raum, dass keines der empfindlichen Geräte Schaden nahm. Und die Geräte waren derart rattenscharf, dass man sich wahrscheinlich regelrecht an ihnen schnitt. Es gab Daten- und Kommunikationszentren, einschließlich eines RX-5000K, der bisher noch gar nicht auf dem Markt war. Er käme frühestens in einem viertel, eher in einem halben Jahr heraus. Es gab drei Virtual-Reality-Stationen, eine Simulationsröhre, ein Holographie-Gerät sowie einen interstellaren Search-and-Scan-Navigator, den Lucy nur allzu gerne einmal ausprobieren würde. Sie wand sich ihrem Bildschirm wieder zu und prüfte wie weit die Simulation gediehen war, die sie vor ein paar Stunden gestartet hatte.
„Was für schnelle Finger du doch hast“, sagte Lucy bewundernd zu Gavin. „Und sie sind immer noch nicht müde.“ Gavin trat dicht an sie heran und schob eine Hand unter ihre Bluse. „Es wird ein bisschen dauern, bis der Computer mit der Arbeit fertig ist.“ „Hast du in der Zwischenzeit etwas zu tun?“, fragte er während seine Finger an ihrer Wirbelsäule herab tänzelten. Lucy atmete zischend ein. Sie legte den Kopf ein wenig zur Seite. „Höchstens eine Sekunde.“

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„So schnell bin nicht mal ich, aber für den Anfang …†œÂ  „Hallo. Geh´ und leg dich auch ein wenig hin, du musst total erledigt sein.“ „Nein, mir geht es prima, vielen Dank. Und außerdem brauch´ ich nicht so viel Schlaf“, sagte Lucy und leckte sich über die Hand. „Äh, was war das denn?“ „Oh, das?“ Erneut strich ihre Zunge über ihren Handrücken „Das machen Katzen halt manchmal.“ „Katzen?“ Ein paar Sekunden waren beide still. „Sag bloß, du wusstest davon nichts. Wer, denkst du, hat die ganze Zeit so schön geschnurrt?“ „Ich hätte es mir ja denken können, dass keine von euch Mädels „normal“ ist.“ „Ach, und das sagt ein Feuerelfe? Natürlich sind wir nicht normal. Wie denn auch. Wie sollten wir diesen Job ohne unsere besonderen Fähigkeiten erfolgreich erledigen? Weißt du, manche von uns sind schon sehr alt oder haben Wahnsinnskräfte, ich habe wie eine Katze sieben Leben. Na ja, nicht mehr ganz, aber wir sind alle nicht unsterblich.“ Gavin lächelte über Lucys euphorische Erklärung. „Ist ja gut, musst mich nicht gleich anfauchen.“
Plötzlich fing ein Monitor an zu piepsen und eine Nachricht blinkte auf. „Sieh mal, ich glaube, wir haben etwas gefunden. Dann lass uns den Dreckskerl mal unter die Lupe nehmen, der sich bei uns einschleichen wollte.“ Schon flogen Gavins Finger über die Tasten. Gavin arbeitete so konzentriert, dass Lucy sich kaum traute zu atmen. Mit sorgenvollem Blick schaute er zu Lucy auf. Die Luft knisterte vor Spannung. „Lucy, schau dir das an. Ich glaube, wir müssen alle sofort hierher beordern.“ „Das gibt es doch nicht. Das kann nicht sein. Das Signal kommt hier vom Schiff? Aber wer …?“ Gavin hörte schon nicht mehr zu. Er hatte bereits den stummen Alarm ausgelöst. Wer war der Eindringling? Gab es einen Verräter an Bord?
Als wir vier vor der Waffenkammer des Schiffes standen und Jean den Code für die Tür eingegeben hatte, murmelte Bowen: „Ich werde mal sehen, ob ich nicht Doc und Fernando irgendwie helfen kann. Hier werde ich im Moment sowieso nicht gebraucht, okay?“

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Ich konnte ein Grinsen nicht unterdrücken, und wir nickten ihm zu. Er verschwand eilig in Richtung Medizinische Abteilung. Mh, ich alleine mit Norbert und Jean? Hoffentlich geht das gut, und sie fallen nicht übereinander her, nachdem ich die Blicke gesehen hatte, die sie sich gegenseitig zuwarfen. Wir betraten also den schallisolierten Raum, und ich betrachtete staunend die gut gefüllten Regale und die offenen Schränke mit den neuesten und modernsten Waffen, die der Markt derzeit zu bieten hatte. Sogar einige Bögen und Köcher mit Pfeilen hingen an den Wänden.
Doch mich interessierte nur der Schrank mit den Messern und den Wurfsternen. Ich nahm ein Messer aus der Halterung und wog es in meiner Hand. Wunderbar, es hatte genau das richtige Gewicht. Ich strich versonnen mit einem Finger über den Rücken…feinster, von Hand geschmiedeter Stahl, eine meisterliche Arbeit. Genauso gut waren die Sterne angefertigt worden. Suchend sah ich mich um und entdeckte weiter hinten den Schießstand mit den Scheiben und dem „Pappkameraden“. Ich schleuderte das Messer genau in sein Herz, wirbelte um die eigene Achse und schickte zwei Sterne hinterher. Einer traf den Pappkameraden genau zwischen die Augen, und der andere sirrte auf dem Messergriff. Jean sah mich verwundert an und sagte: „Na, dich möchte ich aber nicht zum Feind haben.“ Norbert sah nervös auf seine Armbanduhr und fragte ohne aufzublicken: „Wer möchte Kaffee? Ich glaube, ich hole uns welchen.“ Sprach`s,  und schon war er zur Tür raus. Was war das denn jetzt? Fragend sah ich Jean an, doch der zuckte nur mit den Achseln und begann mir einige der neusten Waffen zu erklären. Doch ich hörte nur mit halbem Ohr zu und blickte immer wieder zur Tür. Komisch, wo Norbert nur bleibt? Es kann doch nicht… Plötzlich fing das Licht über uns an zu flackern. Jean erstarrte und konzentrierte sich auf das mittlerweile in einen nur für ihn erkennbaren Rhythmus übergegangene Blinken. „Stummer Alarm“, flüsterte er, „wir müssen sofort in die Kommandozentrale, schnell!“ Er packte mich am Arm und zog mich mit sich. Als wir dort ankamen, waren schon alle versammelt. Nur Norbert fehlte. Doch da sah ich ihn aus dem Augenwinkel durch eine versteckte Tür in der Wand den Raum betreten. Die anderen hatten nichts bemerkt. Er setzte sich weit von mir entfernt in einen Sessel. Ich runzelte die Stirn – merkwürdig! Und wo war jetzt mein Kaffee?
Duncan stand auf und augenblicklich wurde es totenstill.
„Ich will gleich zur Sache kommen. Gavin hat ein uns allen unbekanntes Signal auf dem Monitor entdeckt, das nach draußen sendet“. Er sah uns sehr ernst an. „Ihr wisst, was das bedeutet? Wir haben einen Verräter unter uns!“ Wieder machte er eine Pause und wir Mädels sahen uns fragend an. Wir merkten, wie schwer es ihm fiel weiter zu sprechen. Er räusperte sich und sah Norbert direkt an. Ein ungutes Gefühl beschlich mich.
„Das Signal kam direkt aus deiner Kabine, Norbert! Du warst doch mit Angie und Jean in der Waffenkammer, oder nicht?“ Duncan sah mich direkt an und ich schüttelte entsetzt den Kopf. Oh mein Gott! Norbert wich meinem fragenden Blick aus und da wurde mir schlagartig alles klar! Es ist wieder passiert! Wieder hatte ich einem Verräter vertraut. Mir wurde eiskalt und ich fing an zu zittern. Etwas zersprang in mir und mir wurde übel. Ich merkte, wie mir das Blut aus dem Gesicht wich. Langsam stand ich auf. „NEIN!“, schrie ich und fühlte die entsetzten Blicke meiner Schwestern auf mir. „Oh, Angie“, flüsterte Lilli, „oh mein Gott.“ Ich konnte nicht aufhören zu schreien. Tränen schossen mir in die Augen. Endlich versagte meine Stimme und ich tastete mich rückwärts zur Tür, öffnete sie und das letzte was ich hörte, war Lillis Stimme: „Lasst sie, ich werde es euch erklären.“
Blind vor Tränen rannte ich die Gänge entlang. Immer wieder hörte ich seine Stimme in meinem Kopf: „Vertrau mir! Du kannst mir vertrauen!“ Ich hielt mir mit beiden Händen die Ohren zu und stolperte in die nächste leere Kabine, die ich finden konnte. Ich hatte keine Kraft mehr und legte mich einfach in der Dunkelheit auf den Boden.
Ich umklammerte meinen Oberkörper, und dann kam alles wieder hoch. Das, was vor einigen Jahren passiert war, als meine große Liebe mich benutzt und verraten hatte. Der Mord an Lillis Partner, all die schrecklichen Dinge.

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Er war auch ein Vampir und sah umwerfend aus. Groß und schlank, Muskeln an der richtigen Stelle, tiefbraune Augen, schwarze Haare, und einen Charme, dem keiner widerstehen konnte. Ich war ihm sofort verfallen und er mir, so schien es, auch. Er nannte sich „Zorro“. Nur wusste ich damals nicht, dass er ein falsches Spiel mit mir spielte. Er war der Kopf einer Bande von bösartigen Vampiren, die die „Schwarze Pest“ genannt wurde. Durch mich wollte er an Informationen über unsere Sweetlife und deren Tochter Kerstin, unsere Meisterkämpferin, rankommen. Kerstins Vater ist unser Waffenmeister Wishes. Zorro wollte sie beide töten. Sweetlife ist nicht nur unsere Chefin, sie ist auch eine Halbgöttin. Ihr Vater war ein Sterblicher und ihre Mutter eine Muse. Die schwarze Pest hatte es sich zur Aufgabe gemacht, alle Halbgötter und ihre Nachkommen von der Erde verschwinden zu lassen.
Als er mir nicht die gewünschten Informationen entlocken konnte, wollte er mich umbringen. Doch Lillis Partner kam dazwischen und wurde statt meiner getötet.
Es hat sehr lange gedauert, bis wir darüber hinweggekommen waren. Sehr lange. Und nun sollte sich die ganze Geschichte wiederholen? Oh mein Gott, was habe ich denn verbrochen, dass ich immer auf den Falschen reinfalle? Ich wischte mir die Tränen ab und hoffte, dass es die letzten waren, die ich für einen Mann vergossen hatte. Zum Glück benutzte ich so gut wie nie Make-up, sonst hätte ich jetzt die schönsten Panda-Augen!
Plötzlich öffnete sich die Tür und das Licht wurde eingeschaltet. Jemand trat ein und kniete sich vor mich hin. Es war Jean. Ohne ein Wort zu sagen nahm er mich in seine starken Arme und drückte mich an seine Brust. „Hier bist du ja, alle suchen dich“, flüsterte er in mein Haar und strich mir sanft über den Rücken. „Meine Angie“, raunte er leise, als ich mich an ihn klammerte. Ich konnte jeden Trost gebrauchen, den ich kriegen konnte. Seinen warmen Lippen glitten aufreizend langsam über mein Gesicht, den Mund sparte er aus. Dann zog er mich so vorsichtig auf seinen Schoß, als ob ich zerbrechlich wäre. Er nahm mein Gesicht in seine Hände. Seine Augen musterten mich verwundert. Dann sagte er ganz leise: „Du bist wunderschön, wenn du geweint hast.“ Ja klar, dachte ich, und meine Nase besonders, die leuchtet jetzt bestimmt in einem ganz entzückenden Rot.  Mit einem lauten Stöhnen riss er sich von mir los und sah mich traurig an. „Was ist?“, fragte ich ihn leise und strich mit meinem Finger sachte über seine Unterlippe. „Ich darf das nicht tun“, sagte er verzweifelt, rückte ein Stückchen von mir ab und blickte starr auf den Boden. „Norbert ist unschuldig! Es waren diese kleinen widerlichen Ratten Don und Hack. Sie konnten sich befreien und sind in Norberts Kabine eingebrochen. Sie haben versucht, mit dem Festland Kontakt aufzunehmen. Ob es ihnen gelungen ist, wissen wir noch nicht. Norbert wollte mit dir noch einige Zeit alleine in einer der hinteren Kabinen verbringen, bevor der Kampf losgeht, und hat diese ein bisschen aufgepeppt, als er angeblich für uns den Kaffee holen ging.
Lilli hat uns gerade die Geschichte mit Zorro erzählt, da kam Bowen mit den zwei Vollpfosten im Schlepptau rein. Es tut mir so Leid, was da eben passiert ist, oder beinahe, aber ich konnte einfach nicht widerstehen.“ Ich unterbrach ihn: „Oh…oh mein Gott“, was mach ich jetzt bloß?
„Wie wäre es mit einer wohltuenden Medizin, Süße?“ Doc stand auf einmal in der Tür, ich hatte sie gar nicht kommen hören. „Ich glaub, ich geh dann mal besser“, sagte Jean und verließ die Kabine. „Ein Drink wäre mir lieber, aber vorm Einsatz trinken, ist wohl keine so gute Idee.“ „Hm, vielleicht hilft dir ja das.“ Sie streckte einen Arm raus in den Flur und zog einen ziemlich blassen Norbert hinein.

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„Schätze, ihr habt da etwas zu besprechen, und ich glaube, Norbert wollte dir eigentlich etwas zeigen.“ Doc grinste ihr undurchsichtiges Grinsen, verließ den Raum, schloss leise die Tür hinter sich und machte sich zurück auf den Weg in die Krankenstation. Lilli und Lucy wollten sich Norberts PC genauer ansehen und herausfinden, was Don und Hack veranstaltet haben. Jean und Bones verhörten die beiden, und alle anderen gingen wieder ihren Vorbereitungen nach. Die Krankenstation war wirklich perfekt ausgestattet. Wie in einem richtigen kleinen Hospital gab es ein Krankenzimmer und einen voll funktionstüchtigen OP-Raum. In einem separaten Zimmer neben dem Behandlungsraum wurde das medizinische Equipment gelagert. Hier stand auch reichlich gefüllter Medikamentenschrank gelagert. Doc und Fernando waren fleißig dabei, jeweils eine Tasche mit dem Notwendigsten zu bestücken – Verbandsmaterial, Nähzeug und einige Phiolen mit Spezialtränken. Sie arbeiteten still nebeneinander und aus den Lautsprechern in der Decke dröhnte laute Rockmusik, Doc liebte Musik. Sie wandte sich vom Behandlungstisch ab und ging in das Nebenzimmer, um noch ein paar starke Schmerzmittel einzupacken. Da hörte sie Fernando mit jemandem sprechen. Als sie zurück in den Behandlungsraum kam, war Fernondo verschwunden, die Musik auf ein Minimum reduziert und Bowen saß auf dem Behandlungstisch in der Mitte des Raumes neben der Tasche, die Doc gerade packte. Bowen trug, wie alle anderen auch schon, seine Einsatzkleidung. Die schwarzen Lederklamotten standen ihm unheimlich gut. „Hi, Bowen. Was gibt´s? Beim Waffenpacken verletzt? Ich könnte dir ein Hello-Kitty-Pflaster anbieten.“ Sie lächelte ihn an. Er räusperte sich und wirkte verlegen. „Ich brauche ein Rezept für die Pille. Nein, im Ernst, ich wollte nur mal so vorbei schauen, dachte, ihr könntet vielleicht noch etwas Hilfe gebrauchen. Ich wollte eben schon hierher, aber da musste ich Don und Hack Vreße beim Solitär spielen unterbrechen.“ Doc lachte, dabei sah sie wirklich bezaubernd aus, sie wirkte auf Fremde eher unterkühlt, aber wenn man sie kannte, wusste man, dass sie zu der Kategorie „rauhe-Schale-weicher-Kern†œ gehörte, und in Bowens Gegenwart war sie ungewöhnlich herzlich. Sie legte das Schmerzmittel in den Koffer und erblickte darin einen schwarzen Karton mit einer schwarzen Schleife. Sie nahm ihn heraus, er war ziemlich schwer. „Mach ihn auf“, forderte Bowen sie auf. Doc löste die Schleife, hob den Deckel ab und nahm den Inhalt heraus. Sie grinste übers ganze Gesicht. „Was ist das denn? Oh, mein Gott.“ Sie hielt eine halbautomatische SIG Sauer 9 mm in der Hand, der Griff war komplett mit schwarzen Swarovski-Kristallen besetzt und auf dem Schlitten waren Docs Initialen eingraviert. Die Waffe war genau ihr Stil. „Kannst du mit so einem Teil umgehen?“ „Ja, natürlich, aber eigentlich kämpfen wir eher mit so ziemlich allem was eine Klinge hat und ich habe ja auch noch meine Kräfte.“ „Jane, hör mir zu, ich weiß nicht was uns heute Abend in New Orleans erwartet, und ich habe auf den Überwachungsvideos gesehen, wie du Hanson mit deinen Discokugeln k.o. gehauen hast, aber man kann immer in eine Situation geraten, in der man schnell handeln muss. Eine SIG kann da der beste Freund sein. Ich habe sie mit Hohlspitzgeschossen geladen. Zögere nicht, sie zu benutzen. Die Dragons dürfen wir wirklich nicht unterschätzen. Ich will, dass du sie heute Abend bei dir trägst und, dass du verdammt nochmal ohne einen Kratzer wieder an Bord zurückkommst.“ „Bowen, ich weiß gar nicht was ich sagen soll, also, ähm, Danke, das ist wirklich … “ Weiter kam sie nicht. Bowen rutschte vom Tisch herunter und küsste Doc, nahm ihr dabei die Waffe aus der Hand und stecke sie hinten in ihren Hosenbund. „Ich weiß schon wie du dich dafür bei mir bedanken kannst, leider ist es jetzt schon 20 Uhr, also verschieben wir das besser auf später†œ, sagte er mit einem verschmitzten Grinsen. Doc fühlte sich emotional verunsichert, sie hatte zwar so einige Affären zu verzeichnen, aber so richtig verliebt war sie bisher noch nie. Bowen löste etwas in ihr aus, das sie absolut nicht einordnen konnte. In seiner Gegenwart war sie glücklich, fühlte sich sicher und war trotzdem irgendwie angespannt. Das rote Telefon, das auf dem Schreibtisch in der Ecke stand, klingelte, und Fernando kam wieder in den Raum und hob ab. Nachdem er aufgelegt hatte, sagte er an die beiden gewandt: „Das war Duncan, er hatte ein nettes Pläuschchen mit den Zwergen. Schätze, dass uns ein Begrüßungskomitee in New Orleans erwartet.

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Don und Hack habe es geschafft eine E-Mail an die Dragons zu schicken und sie vorgewarnt, dass heute Abend eine Überraschungsparty steigen soll. Wir ankern die Seraphim direkt im Hafen des Mississippi-Delta und fahren in Vierergruppen mit den Schnellbooten versetzt an verschiedene Stellen an Land. Das sorgt für Verwirrung, und wir können unsere Fans einkesseln. So, eure Party-Outfits habt ihr ja schon an, dann nichts wie los. Hopp, Hopp.“ Die drei verließen die Station und gingen nach oben aufs Deck. Bowen wich die ganze Zeit nicht von Docs Seite.
Auf dem Oberdeck angekommen, warteten bereits die anderen. Nachdem sich Fernando zu Lilli gesellt hatte, begann Duncan mit der neuen Team-Aufteilung.
„Das Ziel befindet sich direkt hinter der St. Louis Kathedrale, nördlich des French Quarter. Zur Kathedrale gehört einer der größten Friedhöfe der Stadt. Wegen der tiefen Lage und dem feuchten Boden werden in New Orleans die Toten allerdings nicht beerdigt, sondern in Mausoleen bestattet. Diese Friedhöfe nennt man „Cities of the Dead“. Sweetlife und Eric haben herausgefunden, dass sich dort, auf dem Friedhof der St. Louis Kathedrale, ein wichtiger strategischer Kommandostandort der Red Dragon befindet. Das Mausoleum bietet ein geniales Versteck für ihre Doppelgänger. Wir wissen nicht genau, wann und wo die Dragons angreifen werden. Aber da sie gewarnt wurden, müsst ihr jederzeit auf einen Kampf gefasst sein. Wahrscheinlich wird der Angriff erst an Land erfolgen. Lilli und Lucy, ihr bildet mit Fernando und Gavin Team 1 und seid damit das erste schlagkräftige Quartett. Doc, Kerstin, Bowen und Tim, ihr gehört zu Team 2 und folgt ihnen nach 20 Minuten. Angie, Kate, Norbert und Bones bilden Team 3, ihr habt die Aufgabe den Rückweg zu sichern.“ Die Männer strahlten pure Energie aus, kampfbereit bis in jeden Muskel und alle Sinne geschärft, konnten sie ihren Einsatz kaum erwarten. Auch jede von uns war auf das Äußerste gespannt, endlich konnten wir dem Feind gegenüber treten. Team 1 sollte nördlich des French Quarter am Lake Oats Park an Land gehen, das zweite Team bekam die Order etwa eine Meile weiter westlich am Lake Vista Park zu landen. Das letzte Viererpack sollte direkt über den Mississippi River von Süden her dazu stoßen. „Treffpunkt am Friedhof ist um Punkt 0100. Uhrenvergleich…, okay! Haltet Kontakt mit den Handys! Machen wir diese gemeinen fiesen Schurken endlich fertig!“, ergänzte Duncan noch einmal mit Nachdruck.
Alle nickten zustimmend, Entschlossenheit zeigte sich auf den Gesichtern. Nachdem Lilli die Handys mit den jeweiligen Koordinaten versehen hatte, machte sich das erste Team auf den Weg zum Heck der Seraphim. Das Kreuzfahrtschiff ankerte mittlerweile im Mississippi-Delta, direkt in dem gigantischen Hafen von New Orleans. Die Seraphim verfügte über drei sehr schnelle Beiboote. Sie waren eine Sonderanfertigung mit einem 200 PS 16V E.F.I.-Motor und von der Werft in Miami gebaut worden. Der Rumpf war aus leichtem Glasfasermaterial gefertigt und hatte somit einen geringen Tiefgang. Kleine Schnellfeuerwaffen, jeweils eine an Steuerbord und Backbord montiert, und ein kleines Waffenarsenal von Schlag-, Wurf- und Feuerwaffen gehörten zur Ausstattung auf jedem Wasserflitzer. Die Boote waren am Heck an der Außenwand befestigt. Lucy bestieg als erste das kleine Kraftpaket, danach folgten Lilli, Gavin und Fernando. Sogleich wurden sie von Tiago über die Seilwinde zu Wasser gelassen. Lilli gab die Koordinaten des Lake Oaks Park über ihr Handy in den Bordcomputer ein. Inzwischen hatte Fernando das Schnellboot vom Mutterschiff gelöst. Langsam entfernten sie sich Richtung New Orleans Stadt, die Seeluft fuhr ihnen angenehm erfrischend über die Gesichter. Schweigend saßen Lucy und Gavin nebeneinander. Er hielt ihre Hand an seine Brust gepresst, so, als hätte er Angst sie zu verlieren. Fernando stand neben Lilli, die das Steuerrad souverän bediente und sie mühelos durch den Hafen steuerte. „Wann erreichen wir unseren Anlegeplatz?“, fragte er und sah Lilli liebevoll an.

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Ein Blick auf den Bordcomputer genügte. †œUm 23.00 Uhr Ortszeit. Wir haben also zwei Stunden Zeit, um zum Friedhof zu gelangen.“ Auf der Seraphim machte sich das Team mit Bowen, Doc, Tim und Kerstin bereit zum Ablegen. Weitere zwanzig Minuten später waren auch Angie, Norbert, Kate und Bones planmäßig zu ihrem Bestimmungsort unterwegs. Team 1 hatte inzwischen ihren Zielort erreicht. Gavin und Fernando sprangen zuerst aus dem Schnellboot. Instinktiv sondierten sie die nähere Umgebung. Lilli und Lucy standen nun ebenfalls auf der Piermauer und hatten sofort ein komisches Gefühl im Bauch. Verschwommen nahmen sie eine Gestalt wahr, die sich langsam auf sie zu bewegte. Oder war es Einbildung? Nein, im Gegenteil, noch drei weitere Gestalten näherten sich ihnen! Da Gavin, Fernando, Lilli und Lucy einen sehr ausgeprägten Geruchssinn hatten, konnten sie die Ghule zum Glück frühzeitig wittern. Der leicht süßliche Gestank drang in ihre Nasen. „Bäh, wie widerlich ist das denn?!“, flüsterte Lilli Lucy zu. „Jap, wie bei unserem Einsatz in Japan, einfach nur übelst… würg!“, antwortete Lucy leise, und da gab es für sie kein Halten mehr. Die Mädels zogen ohne Vorwarnung ihre präparierten Messer und schleuderten sie in die Körper der Ghule. Ein lautes Kreischen und Stöhnen signalisierte den Jungs, dass jetzt sie an der Reihe waren. Die beiden stürzten sich mit einer atemberaubender Geschwindigkeit auf die sich am Boden windenden Geschöpfe und trennten ihnen mit einem einzigen Ruck die Köpfe vom Rumpf. Diese schleuderten sie dann wie Bowlingkugeln in die Richtung der Mädels. Das letzte was die Ghule sahen, war das Grinsen von Lilli und Lucy, als diese ihre Köpfe über die Piermauer kickten. „Vier zu Null“, sagte Gavin mit einem breiten Grinsen zu Fernando. „Jep, Frauenpower“, antwortete Fernando und bedachte Lilli und Lucy mit einem bewundernden Ausdruck. Lilli griff zu ihrem Handy und informierte per SMS Angie und Kerstin über den Vorfall, um sie vor der möglichen Feindberührung mit Ghulen zu warnen. Zehn Minuten später legten Doc, Kerstin, Bowen und Tim am Zielpunkt an.

Kaum hatten sie das Boot verlassen, als allen Vier, aber besonders Tim, ein leichter, merkwürdig holziger, moschusartiger Geruch auffiel. Ein wenig irritiert gingen sie in die Richtung, deren Koordinaten Lilli in die Handys eingegeben hatte. Obwohl sie alle bei Dunkelheit ein hervorragendes Sehvermögen besaßen, konnten sie nichts Verdächtiges ausmachen.
Abgesehen davon beschlich sie das ungute Gefühl beobachtet zu werden. Sie hatten die Hälfte der Strecke hinter sich, als sie die ersten Fallen bemerkten. Dünne Fäden waren zwischen den Bäumen zu erkennen, die mit Sicherheit einen Alarm auslösen würden. Sie waren sehr gut präpariert. Dennoch war es für das zweite Team eine Kleinigkeit sie zu umgehen. Plötzlich wurde dieser seltsame Geruch stärker. Doc, Kerstin, Bowen und Tim beschlossen sich zu trennen um jeweils zu zweit weiter zu gehen. Doc und Bowen bewegten sich in westliche Richtung, Kerstin und Tim hielten sich etwas weiter östlich. Über ein Mini-Headset blieben sie in Verbindung. Sie waren ca. 10 Minuten getrennt unterwegs, als beide Pärchen gleichzeitig die Kameras in den Bäumen entdeckten. Okay, nun war klar, dass die Dragons wussten, dass vier Personen in ihrer Nähe waren. Trotzdem war noch niemand aus dem Feindeslager zu sehen. Sofort nahmen die vier wieder Kontakt zueinander auf und trafen kurze Zeit später wieder zusammen. Kerstin informierte per Handy Lilli und Angie über die Art der Fallen.

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Kaum hatte sie das Gespräch beendet, als mindestens 17 merkwürdig aussehende Gestalten vor ihnen auftauchten. Bowen schaffte es noch ein Foto mit dem Handy machen, um es Sweetlife zur Identifikation zu schicken. Es dauerte keine Minute bis die Antwort kam.
Vor ihnen standen Lutins. Eine gefährliche Mischung aus Halbwesen und Menschen.
Äußerlich waren sie nicht von Menschen zu unterscheiden. Nur auf einer Fotografie konnte man an ihren durchsichtigen, weißlich schimmernden Augen erkennen, dass diese Wesen nicht menschlich waren. Sie waren extrem gefährlich und außerdem hervorragende Nahkampfexperten, da sie eine sehr schwache Schmerzempfindlichkeit besaßen †“ also die besten Punshing-Bälle der Welt.
Man konnte sie nur Ausschalten, indem man mit dem richtigen Schlag das Ohr traf. Welches war egal. Wichtig war nur den genauen Punkt zu treffen. Gelang es jemanden, lösten sie sich sofort in Staub auf.
Nur gut, dass Sweetlife das alles in der kurzen Zeit herausgefunden hatte. Sie schickte noch eine Warnung an die anderen Teams.
Bowen und Tim schnappten sich die ersten zwei Lutins. Auch Doc und Kerstin gelang es jeweils einen unschädlich zu machen. Es war ein harter aber kurzer Kampf, übrig blieben nur vier Staubhaufen.
Aber nun war der Überraschungseffekt vorbei und der eigentliche Kampf begann. Ein aufdringlicher Gestank lag nun in der Luft. Kerstin schaffte noch zwei Lutins zu vernichten, und Doc hatte gerade wieder mit einem eleganten Fußtritt den nächsten unschädlich gemacht, als Bowen hart getroffen wurde. Er blieb für einen kurzen Moment bewusstlos liegen. Dadurch verlor Doc fast die Fassung. War sie eben noch zaghaft, drehte sie jetzt durch und wurde zu einer Kampfmaschine. Den Anblick von Bowen auf dem Boden konnte sie kaum ertragen. Sie schaffte es mit Leichtigkeit vier weitere Lutins zu Staub werden zu lassen. Tim hatte auch zwei zur Strecke gebracht. Damit Doc sich um Bowen kümmern konnte, stellten sich Kerstin und Tim schützend vor die beiden.
Die letzten vier wehrten sich heftig, aber auch sie waren zum Schluss nur noch Staub. Zärtlich berührte Doc Bowens Verletzung. Im Inneren ihrer Hand leuchtete es auf. Ein blass lilafarbenes Licht entströmte ihrer Handfläche und bewegte sich langsam auf die offene Wunde an Bowens Stirn zu. Als der Lichtstrahl die blutige Stelle erreicht hatte, schloss sie sich sofort. Doc sank, sichtlich erschöpft von dieser Kraftanstrengung, für kurze Zeit neben Bowen auf den Boden.  Dank ihrer heilenden Kräfte ging es Bowen schlagartig wieder gut. Er hob Doc behutsam auf und bedankte sich mit einem innigen Kuss bei ihr. Leidenschaftlich erwiderte Doc diesen Kuss, die Erleichterung darüber, dass Bowen nicht ernsthaft verletzt worden war, war ihr deutlich anzumerken. Tim räusperte sich verlegen und meinte: „Wow, Doc, ich wusste ja gar nicht, dass du eine Heilerin bist“!
Kerstin, die solche heilsamen Einsätze bei Doc schon oft gesehen hatte, schickte zwischenzeitlich eine SMS an alle Teams und Sweetlife um mitzuteilen, dass der Angriff erfolgreich abgewendet werden konnte. Woraufhin Sweetlife den Teams antwortete, dass es sich bei den Lutins um eine Weiterentwicklung der Ghule handelte †“ optisch nicht zu erkennen, nur der Moschusgeruch verriet sie.
Nun blieben nur noch 20 Minuten bis 0100. So schnell es ging, eilten Kerstin, Doc, Bowen und Tim weiter durch den Lake Vista Park in Richtung St. Louis-Friedhof.

Ohne weitere Scharmützel trafen wir, fünf Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt, am Friedhof ein. Wir trafen uns im hinteren Teil des Friedhofes, der mit Bäumen und Büschen überwuchert war. Duncan und Jean waren mittlerweile auch eingetroffen und hatten auch gleich unser komplettes Equipment dabei. Lucy und Lilli stürzten sich gleich auf ihre Laptops und Lesegeräte, Doc bewaffnete sich mit ihrem neuen Blasrohr und den präparierten Pfeilen.

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Als wir dann alle bis an die Zähne, mit Messern, Wurfsternen, Schwertern und Pistolen bewaffnet waren, bildeten wir um Duncan einen Kreis. „OK, Leute nach den ersten Hürden, haben wir es ohne größere Probleme hierher geschafft. Jetzt geht es erst richtig los. Wir ziehen das hier jetzt durch, wie besprochen. Jeder weiß was er zu tun hat. Jean und ich haben allerdings gesehen, dass die beiden Unterstände leer sind. Also müssen wir damit rechnen, dass sich die Dragons und ihre Helfer auf dem Gelände verteilt haben, und uns aus dem Hinterhalt angreifen. Angie, Norbert, Kate, Fernando, ihr bleibt hier und beobachtet den Hinteren Ausgang. Passt aber auf Euren Rücken auf, nicht, dass sie euch umgehen und von hinten angreifen. Alle anderen kommen mit mir zum Vorderen Eingang. Seid ihr alle bereit?†œ Wir schauten alle mit grimmiger, entschlossener Miene zu Duncan und nickten ihm kurz zu.
Wir wollten uns gerade in Bewegung setzen, als Lilli stutzte. Als Waldelfe hatte sie ein supersensibles Gehör und ein Sehvermögen, dass alle anderen in den Schatten stellte. Wir Mädels blieben stehen und verhielten und ganz ruhig. „Was ist denn jetzt noch?†œ schnauzte einer von den Jungs. „Pscht! Lilli hört was. Wenn sie sich darauf konzentriert, kann sie die Mäuse husten hören. Also, Klappe halten!†œ schnauzte ich zurück. Lilli legte sachte eine Hand auf einen Baumstamm und lauschte. Anscheinend waren die Bäume ein Resonanzverstärker oder sie erzählten Lilli etwas. Ich wußte es nicht. Aber ich sah sie das öfter machen, wenn sie ihr Gehör einsetzte. „Es sind vier Männer und fünf Guhle. Sie nähern sich von Osten†œ, flüsterte Lilli. Wir schauten alle in die Richtung, die sie uns angegeben hatte. Natürlich sah aber keiner etwas. Nur Lilli konnte was sehen. Sie hatte mir einmal erklärt, dass ihre Augen wie ein Zoomobjektiv funktionieren, aber halt noch besser. Lilli schaute starr nach Osten:†œJa, es sind vier schwarz vermummte Männer mit Schwertern und Lanzen und fünf Guhle mit Äxten und Macheten. Sie sind noch 2000 Meter entfernt.†œ Die Jungs drehten sich zu ihr um und starrten sie ungläubig an. „Das kannst du sehen?†œ fragte Duncan. „Ja, und hören.†œ Lilli grinste und bog mit den Händen ihre Ohren etwas nach vorne: †œIch habe sehr spitze Öhrchen, die können so Einiges und meine Augen sind auch nicht schlecht.†œ
Ich drehte mich zu Duncan:†œ Die schaffen wir vier schon alleine. Macht Euch auf den Weg!†œ „Das weiß ich!†œ sagte Duncan, nickte uns zu und setzte sich mit den anderen in Bewegung. Norbert, Kate, Fernando und ich schlugen uns Richtung Osten in die Büsche. Wir verteilten uns auf einer Linie und schlichen, immer in Deckung bleibend, auf unsere Gegner zu. Zuerst sahen wir die Guhle. Von den Schwarzröcken war noch nichts zu sehen. Wir blieben hinter den Büschen versteckt und warteten, bis die Guhle an uns vorbei gestürmt waren. Fernando und Norbert nahmen sich die beiden äußeren vor. Mit ihren Samurai-Schwertern genügte ein präziser Hieb um den Guhlen den Kopf abzutrennen. Bevor sie es merkten, waren sie eigentlich schon tot. Kate und ich nahmen und die beiden in der Mitte vor. Ich ließ meine Wurfsterne fliegen, einer von links und einer von rechts. Ups, da war der Kopf schon weg. Kate hatte etwas mehr Mühe. Da sie etwas kleiner als ihr Guhl war, musste sie ihm auf den Rücken springen. Elegant wie eine Gazelle sprang sie auf ihn zu und noch bevor sie auf ihm landete, hatte sie schon ihren Langdolch durch seine Kehle gezogen. Als der Guhl umfiel, drückte sie sich von ihm ab und landete genauso elegant wieder auf ihren Füßen. Sie verzog angewidert ihr Gesicht:†œ Dass diese Typen so abscheulich stinken müssen!†œ
Inzwischen hatten uns jetzt auch die vier Dragonkämpfer erreicht. Und der letzte blöd dreinschauende Guhl. Wir standen Rücken an Rücken und waren von ihnen eingekreist. Norbert stupste mich an und meinte:†œ So, Mädels jetzt zeigt uns mal, was ihr wirklich drauf habt!†œ Das musste er mir nicht zweimal sagen. Mein erstes Messer flog schon und landete dem Ersten im Oberschenkel. Ich hatte zwar auf sein Herz gezielt, aber die schwarzen Jungs hatten ausgezeichnete Reflexe. Im letzten Moment konnte er mein Messer ablenken. Trotzdem war er kurzzeitig kampfunfähig, da er mein Messer aus seinem Bein zog, und ich konnte näher an ihn heran. Jetzt ging unser Tanz los. Wir umkreisten uns mit gezogenen Waffen und ich merkte, wie das Adrenalin durch meinen Körper jagte. Mir fiel nämlich auf, dass der Typ immer noch stand.

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Fortsetzung: Black Dagger Ladies Online †“ City of the Dead [Kapitel 5]

Black Dagger Ladies Online †“ Vampire an Bord [Kapitel 3]

Black Dagger Ladies Online

Vampire an Bord
Kapitel 3

Nachdem Tiago für mich einen Wodka aus der Bar gezaubert hatte und die anderen ebenfalls flüssig kalt gestellt waren, war also Grüppchenbildung angesagt.
Allen war anzumerken, dass sie nichts dagegen hatten, die Gespräche zu vertiefen. Nach und nach leerte sich dann aber der Konferenzraum, nur Lilli und Lucy blieben noch mit Duncan Thorbe und Gavin, dem Fitness-Trainer, zurück.
„Macht nicht zu lange! Wir müssen uns für heute Abend aufbrezeln und unsere Kleiderschränke durchforsten!“, sagte ich mit einem Augenzwinkern. Lilli und Lucy lächelten vielsagend zurück.
Bis zur Einladung in den eleganten Black Pearl Club, um neun Uhr, hatten wir noch eine Menge Zeit für andere schöne Dinge. Mit einem verführerischen Lächeln wandte sich Lucy zu Gavin und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Abrupt stand er daraufhin auf und zog Lucy mit sich. Er schlang eine Hand um ihre Taille und schob sie vor sich her – Lucy eng an sich gedrückt. Lucy kicherte, offensichtlich genoss sie die Nähe von Gavin. Langsam schlenderten die beiden ebenfalls aus dem Konferenzraum. In dem Moment kam Dr. Fernando Zoom zurück und steuerte zielstrebig auf Lilli und Duncan zu.
Unverwandt starrte er Lilli an. Duncan beachtete ihn nicht, sondern musterte Lilli weiter mit seinen faszinierenden Augen. „Lilli, seid ihr eigentlich immer so furchtlos?“, fragte er sie mit seiner dunklen Stimme und sah sie dabei direkt an. Mit bebender Stimme antwortete Lilli: „Ja klar, in allen Lebenslagen!“ Dieser Vampir war wirklich ein männliches Musterexemplar. Er hatte eine gewisse beunruhigende Ausstrahlung, der man sich kaum entziehen konnte. Pure Kraft und wilde Entschlossenheit fühlte Lilli und verfiel in eine Art Schnappatmung, die nicht ganz so damenhaft wirkte.
Dr. Zoom blickte Duncan feindselig an und gab ein Knurren von sich. „Lilli, ich möchte unter vier Augen mit dir sprechen. Hättest du einen Moment Zeit für mich?“ Lilli bemerkte, dass Fernando aufgebracht war. War er etwa eifersüchtig, dachte sie bei sich und freute sich insgeheim darüber. Allerdings war dieser Duncan Thorpe auch nicht von schlechten Eltern. Bevor sie überhaupt antworten konnte, erhob sich Duncan und stellte sich provokant vor Fernando.
„Lilli ist beschäftigt!“ fauchte Duncan und es sah so aus, als würden sie gleich aufeinander losgehen.
Da stand Lilli auf, es war zwar schmeichelhaft für sie, aber Rivalität unter den Jungs war nicht gut, gar nicht gut.

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Beschwichtigend hob sie die Hände und schob sich zwischen die beiden Vampir-Kampfhähne. Dann legte sie die eine Hand auf Duncans und die andere auf  Fernandos Brust und versuchte so die beiden voneinander weg zu schieben. Oh, dachte Lilli, was
für eine Power und diese Muskeln. Sie bekam bald einen Kreislaufkollaps und überlegte, ob es an Bord auch Sauerstoffflaschen gab.
Lilli, nun wieder ganz Frau ihrer Sinne, wandte sich an Fernando und säuselte sanft: „Gleich komme ich zu dir, Fernando,
einen Augenblick noch.“ Er drehte sich um und brachte etwas Abstand zwischen sich und Duncan.
Sie sah nun Duncan an und flüsterte ihm ins Ohr: „Wir sehen uns heute Abend im Club.“
Lilli ging zu Fernando, der Duncan mit einem triumphierenden Blick bedachte. Dann schlang er besitzergreifend einen Arm um Lillis
Schultern und sie schmiegte sich eng an ihn. Sanft zog er sie mit sich aus dem Konferenzraum und führte sie  in seine großzügige, sehr pompös und üppig eingerichtete Kabine.
„Möchtest du etwas trinken?“ fragte er.
„Nein, danke. Ich bin nicht durstig.“
Urplötzlich stand er genau vor Lilli und nahm ihr Gesicht sanft in seine schönen Hände. Er spürte ihre Nervosität und um sie zu beruhigen, flüsterte er ihr ins Ohr: „Ich habe nur die besten Absichten, glaube mir!“
Langsam senkte er seine Lippen auf ihren Mund. Ein wohliger Schauer fuhr durch Lillis Körper hindurch und ihre Knie wurden weich.  Er wurde fordernder und Lilli ließ es einfach geschehen. Er war so zärtlich und liebevoll, sanft aber auch herrisch.
Zwei Stunden später verließ Lilli Fernandos Kabine und machte sich mit einem Lächeln auf dem Gesicht auf den Weg in ihre Kabine.  Als sie an Angies Kabine vorbei kam, hörte sie schallendes Gelächter.  Sie öffnete die Tür und traute ihren Augen nicht. Überall lagen tolle Kleider in allen möglichen Farben und Formen herum. Eigentlich konnte man nicht unbedingt von Kleidern sprechen, denn manche bestanden nur aus ein paar Stofffetzen, die auf wundersame Weise nicht von unseren schlanken Körpern fielen.
Jede der Schwestern war mit der Mani- oder Pediküre, mit Lackieren, Drehen, Föhnen, Tuschen und Pushen beschäftigt.
„Lilli, da bist du ja.“ sagte ich und schob sie weiter in die Kabine. „Wo warst du denn so lange? Wir haben uns schon Sorgen gemacht!
Hey, ist alles in Ordnung? Du strahlst ja so von innen heraus.“
Lilli seufzte und schaute ganz verklärt in die Runde. Wir sahen uns alle wissend an und fragten nicht weiter.
„Komm“, sagte Lucy, „ich helfe dir beim Tuning und dann kannst du mir alles haarklein erzählen.“
Wir waren fast fertig, als es plötzlich an der Tür klopfte. „Herein!“,  brüllte ich. „Oh, Tiago.“ Er kam herein und rang um Beherrschung, offensichtlich hatte unser Anblick in sprachlos gemacht. Als er sich wieder gefasst hatte, sagte er: „Wenn ihr fertig seid, folgt mir bitte!“ Gemeinsam verließen wir die Kabine und folgten Tiago, der sich immer wieder bewundernd zu uns umdrehte.
Im Black Pearl Club angekommen, blieb uns fast die Spucke weg. Vor uns standen die Jungs. Alle hatten sich ordentlich herausgeputzt. Sie trugen so etwas Ähnliches wie einen sportlichen Smoking. Als sie uns herein kommen sahen, verstummten sie mitten im Gespräch. Es lag eindeutig ein Knistern in der Luft. Wir versuchten uns so wenig wie möglich anmerken zulassen. Als wir uns zu ihnen an die Bar gesellt hatten, wurden uns sofort unsere Lieblingsgetränke serviert.
Norbert trat ganz nah an mich heran. Ich konnte hören, wie er leise den Duft meines Parfums ein sog.

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Als ich ihm in die Augen schaute, sah ich kleines schalkhaftes Grinsen. Was hatte das nur zu bedeuten?
Kerstin und Tim hatten sich in der Bar in eine gemütliche Sitzecke zurückgezogen und waren in ein sehr inniges Gespräch vertieft.
Bowen reichte Doc ein rötliches Getränk und sah ihr dabei ebenfalls sehr tief in die Augen. Dann zog er sie mit einer sanften aber bestimmten Bewegung an sich. Lilli wurde gleich von zwei Männern in Beschlag genommen. Duncan und Fernando versuchten gleichzeitig ihre ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, was Lilli überhaupt nicht in den Kram passte. Wie sollte sie aus dieser Situation wieder heraus kommen?
Lucy, die gesehen hatte, dass Lilli ihre Hilfe brauchte, gesellte sich mit Gavin zu ihnen. Das entschärfte die Situation ein wenig.
Kate schien so von Bones Aussehen beeindruckt zu sein, dass sie alles um sich herum zu vergessen schien. Aber das schien nur so, denn natürlich war sie, genau wie die anderen Schwestern, immer in Alarmbereitschaft. Und das war gut so, denn in dem Moment kam Eric von Castell herein. Sein Gesicht war leicht gerötet. Er musste also sehr schnell gelaufen sein. Die Informationen die er uns von Sweetlife brachte, war alles andere als erfreulich.
Die Dragons hatten sich in Bewegung gesetzt.
Wir umringten alle Jean und Duncan, dem er natürlich zuerst Bericht erstatten wollte. Sweetlife hatte erfahren, dass sich mehrere „Dragons“, mit schwerem Gerät, auf den Weg nach New Orleans gemacht hatten. Duncan fuhr sich kurz nachdenklich übers Kinn: „Ich habe in den Unterlagen irgendetwas über einen verlassenen Vodoo-Friedhof in New Orleans gelesen. Es könnte durchaus sein, dass die Dragons da einen Stützpunkt errichtet haben. Die Menschen dort meiden das Gebiet um diesen Friedhof. Das wäre natürlich ideal für so einen geheimen Stützpunkt.
Okay, Bones, nimmt bitte die nötige Kurskorrektur vor, wir machen uns auf den Weg nach New Orleans. Jean, setze Dich mit unserem Büro in Verbindung, die Ordensbrüder vor Ort sollen den Friedhof mal genauer unter die Lupe nehmen. Vielleicht können sie schon etwas herausfinden, bis wir da sind.†œ
Bones und Jean nickten und machten sich sofort auf den Weg. Duncan rief ihnen noch hinterher: †œNatürlich kommt ihr umgehend wieder hierher zurück. Wir wollen doch unseren rauschenden Ball nicht platzen lassen!†œ
Duncan drehte sich zu uns anderen herum, lächelte uns an und meinte:†œ So jetzt wenden wir uns wieder den schönen Dingen des Lebens zu. Kämpfen müssen wir in nächster Zukunft noch genug!†œ
In diesem Moment wurde es dunkel in der Black Pearl Bar und die Rückwand bewegte sich langsam zur Seite. Ein wunderschöner Ballsaal wurde sichtbar. Die Wände waren mit nachtschwarzem Samt verkleidet und über der riesigen Tanzfläche erstrahlten tausende von kleinen Lichtern, so dass es wie ein Sternenhimmel aussah. An der rechten Seite war eine einzige Glasfront, die einen wunderschönen Blick auf das Meer freigab. Vor der Glaswand befand sich eine sehr gemütlich wirkende Sitzecke mit ledernen Clubsesseln und gläsernen Beistelltischen, die einem geradezu zum verweilen einlud. Am anderen Ende des Saals wurde, im gedämpften Licht, eine Bühne sichtbar und eine Bigband fing an wunderschöne Swingmusik zu spielen.
Wir standen da, schauten verwundert um uns und bekamen den Mund nicht mehr zu. Die Jungs stellten sich freudestrahlend vor uns auf und Duncan fragte:†œ Wollen diese atemberaubenden Ladies vielleicht mit uns tanzen?†œ
Duncan hatte noch nicht ausgesprochen, da drehten sich schon sechs elegante Paare in geschmeidigen Bewegungen über die Tanzfläche.
Norbert hielt mich eng umschlungen und ich schmiegte mich an seine muskulöse Brust, unsere Körper passten perfekt zusammen und ich fühlte mich, als würde ich über Wolken schweben. Er beugte seinen Kopf ein wenig zu mir herab und strich mir mit seinen weichen, heißen Lippen über den Hals.

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Ich erstarrte in meiner Bewegung, Gänsehaut jagte mir über den Körper und ich dachte: „So, Angie, jetzt wirst du wohl gebissen!“ Norbert lachte leise auf, strich mit seinen Lippen weiter über die empfindliche Stelle an meinem Hals und flüsterte: „Angie, lass einfach los und vertraue mir. Nicht alle Vampire sind blutrünstige Monster.“ Er hauchte mir einen Kuss auf die Haut, löste sich etwas von mir und mir tief in die Augen. Ich versank in diesen wunderschönen, meerblauen Augen, strich mit meinen Fingern über seine markanten Wangenknochen und flüsterte voller Überzeugung: „Ja, Norbert, ich vertraue Dir.“  Er führte meine Hand zu seinen Lippen und küsste zärtlich meine Fingerspitzen, während er seinen anderen Arm um meine Hüften schlang und mich langsam von der Tanzfläche zu der Sitzgruppe an der Seite führte. Wir spürten beide die Erregung des anderen, aber die Nacht war erst angebrochen und wir wollten uns von dem Zauber, der über dem Ballsaal lag, nicht trennen. Norbert besorgte uns einen Cocktail und ich ließ meinen Blick über die Tanzfläche schweifen. Die Szene die sich mir bot, ließ mich zufrieden lächeln.
Genau so etwas hatten wir gebraucht, bevor wir in eine unerbittliche Schlacht zogen.
Doc und Bowen wiegten sich langsam zum Takt der Musik. Sie hatten die Augen geschlossen und waren so eng aneinander geschmiegt, dass man nicht wusste, wo Doc aufhörte und Bowen anfing. Bowen streichelte ihr sanft über den Rücken hinunter. Doc genoß diese Zärtlichkeiten sichtlich.
Lucy und Gavin waren das eleganteste Tanzpaar, das ich je gesehen hatte. Er in seinem schwarzen Smoking und sie in ihrem hoch geschlitzten roten Satinkleid sahen einfach umwerfend aus, als wären sie direkt aus der Vogue auf die Tanzfläche gesprungen. Sie schauten sich tief in die Augen und Lucy überließ sich ganz den starken Armen Gavins, ihr Körper folgte seinem, geschmeidig und bedingungslos.
Kate und Bones saßen ein paar Tische weiter und unterhielten sich angeregt über irgendwelche Baupläne. Beide waren voll in ihrem Element, dass konnte man an ihren glänzenden Augen erkennen. Da hatten sich wohl zwei gesucht und gefunden.
Jean und Duncan konnte ich nirgends entdecken. Die hatten wohl wichtige Dinge zu bereden. Aber die waren für uns im Moment eher zweitrangig. Außerdem würde es am nächsten Tag sicher eine ausführliche Lagebesprechung geben. Das Motto heute Nacht lautete „Carpe Diem“!
Da fiel mein Blick auf Lilli und Fernando. Auch sie schwebten geradezu über die Tanzfläche. Lilli trug ein tiefdekoltiertes, nachtblaues Satinkleid, das ihre blasse Haut noch edler schimmern ließ. Das eng geschnittene Kleid betonte ihre schlanke Figur und hob ihre wohlgeformten Rundungen noch etwas mehr hervor. Ihre platinblonden Haare standen, wie immer, strubbelig in alle Richtungen und lieferten einen interessanten Kontrast zu dem eleganten Abendkleid. Fernando sah in seinem schwarzen Anzug aus wie ein glutäugiger Latin-Lover und genau diese Augen konnte er nicht von Lilli lassen. Sie waren ein wunderschönen Paar, dass wie für einander geschaffen schien.
Doch als ich Lillis Gesicht sah, wusste ich sofort, welchen Kampf sie gerade mit sich aus trug. Sie war dabei sich zu verlieben und genau das wollte sie nicht. Vor einigen Jahren hatte sie sich unsterblich in einen unserer Informanten verliebt und ihren Geliebten bei einem unserer Aufträge verloren. Lilli war am Boden zerstört und wir hatten Angst, sie auch zu verlieren. Doch die kämpfte sich, mit unserer Hilfe, zurück ins Leben und hatte sich geschworen, ab sofort Liebe und Arbeit strikt zu trennen. Wobei man von Liebe nicht mehr reden konnte. Natürlich lagen ihr die Männer zu Füßen und auf das ein oder andere Abenteuer hatte sie sich auch eingelassen, aber ihr Herz konnte keiner mehr erobern. Lilli wollte nicht mehr lieben. Aber jetzt war dieser Traummann in ihr Leben getreten. Ein Kämpfer, verwegen, furchtlos, sehr gut aussehend, zärtlich, liebevoll und ein Vampir. Er hatte ihre Abwehr irgendwie durchbrochen und damit hatte sie nicht gerechnet.
Da hörte Lilli abrupt auf zu tanzen, sagte etwas zu Fernando und zog ihn nach Draußen. Dort redete sie lange auf ihn ein, nahm sein Gesicht in ihre Hände, küsste ihn zärtlich und lief mit Tränen überströmtem Gesicht davon.

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Fernando stand wie vom Donner gerührt da und machte ein fassungsloses Gesicht. Ich drehte mich zu Norbert um, der mit Bones und Kate redete:†œ Ich bin gleich wieder bei Dir. Ich muss das schnell was richten.†œ Ich ging zu Fernando, der mich gar nicht zu bemerken schien. Ich nahm vorsichtig seine Hände, sie waren schlaff und eiskalt. Mann, den hatte es wohl schwer erwischt. „Fernando , geh ihr nach. Wenn du Lilli wirklich liebst, darfst du nicht aufgeben. Sie hat durch unsere Arbeit einen schweren Verlust erlitten und jetzt ziehen wir in einen Kampf, von dem wir nicht wissen wie er endet. Ich habe ihr angesehen, dass sie sich in dich verliebt, deshalb stößt sie dich weg.†œ Fernando sah mich zweifelnd an: „Sie hat mir gesagt, dass ich nur ein Abenteuer für sie war und dass sie sonst kein Interesse an mir hätte. Du denkst, dass sie sich in mich verliebt hat?†œ „Ich weiß es!†œ sagte ich bestimmt. Fernando drückte meine Hände, lächelte mich an und eilte Lilli hinterher. Ich ging zurück zu Norbert und hoffte, dass Fernando bei Lilli was erreichen konnte. Ich wollte, dass sie wieder glücklich war.
Norbert kam auf mich zu und nahm mich zärtlich in den Arm. „Was ist mit Lilli und Fernando?†œ „Eine lange Geschichte, ich hoffe, dass Fernando sie zu einem guten Ende bringen kann.†œ Norbert lächelte mich auf eine Weise an, die mir den Atem raubte und flüsterte:†œ Komm wir bringen unsere Geschichte auch zu einem guten Ende.†œ
Während er mich mit sich zog, konnte ich noch sehen, dass der Ballsaal sich geleert hatte.
Diese wunderschöne Nacht würde bald zu Ende sein und der Kampf würde beginnen. Aber darüber wollte ich mir noch keine Gedanken machen. Ich schaltete meine Gedanken ab und ließ mich von Norbert hinaus in die sternenklare Nacht ziehen.
Wir drehten noch kurz eine Runde über das Oberdeck und trafen dort am Pool auf Kerstin und ihren Tim. Jetzt wusste ich, was mir die ganze Zeit im Ballsaal gefehlt hatte. Dass den beiden nicht so viel am Tanzen lag, konnte man sich ja denken. Ein Smoking und das knallenge Catsuit, dass Kerstin getragen hatte lagen achtlos am Rand des Wirlpools. Kerstin und Tim hielten sich im warmen Wasser eng umschlungen. Tim knabberte an Kerstins Ohrläppchen und flüsterte ihr fortwährend was ins Ohr. Kerstin hatte ein seliges Lachen auf den Lippen und strich mit einer Hand über Tims 3mm-Haarpracht. Norbert zog mich weiter und flüsterte mir noch zu: „Komm weiter, nicht dass wir die beiden bei ihrem Dirty-Talking noch stören. Wir suchen uns auch ein stilles Plätzchen. Da kannst du mir dann zeigen, wie sehr du mir vertraust.†œ Er lächelte verschmitzt und zog mich in die Richtung, in der die Kabinen lagen.
Und im Ballsaal lief inzwischen „Je t´aime“ vom Band.

Lucy und Gavin tanzten immer noch, aber inzwischen hatten sie alle Hemmungen abgelegt. In anmutigen Bewegungen bewegten sie sich zum Klang der Musik und zerflossen dabei zu einer Einheit. „Gott sei Dank, habe ich noch ein paar Fitnesseinheiten absolviert, sonst würde ich hier ja noch schlapp machen“, dachte Lucy. Gavin schien in einer außergewöhnlich guten körperlichen Verfassung, wenn man bedenkt, dass er ja eigentlich Computerexperte war. Er gehörte zu der Sorte Traummann, der alle Attribute erfüllte, er war groß, schlank und muskulös, aber nicht so Muskel bepackt wie Tim. Lucy konnte sich gut vorstellen, wie seine sehnigen Finger wieselflink über die Tastatur fliegen konnten. Sein Dreitagebart ließ ihn immer ein wenig mürrisch wirken, was aber überhaupt nicht seinem Naturell entsprach. Ganz im Gegenteil – er war witzig, hatte einen tollen Sinn für Humor und strahlte eine Lebensfreude aus, die ansteckend war. Lucy fühlte sich einfach wohl in seiner Gegenwart. Völlig außer Atem gingen sie zur Bar und ließen sich von Tiago einen Likör Nr. 42 einschenken, der inzwischen auch zu ihren Lieblingsgetränken gehörte. „So, so, Mr. Bombastic, bist du auch so very fantastic?“, fragte Lucy mit einem herausfordernden Grinsen im Gesicht.

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„Als ob du das nicht schon wüsstest. Aber ich kann jederzeit den erneuten Beweis antreten, du musst es nur sagen“, entgegnete Gavin trocken. „Nein, nein“, lachte Lucy, „lass stecken, ich habe auch noch das kleinste Detail in Erinnerung.“ „Das Wort „klein“ solltest du in meiner Gegenwart nie benutzen, das könnte ich als Herausforderung verstehen“, meinte er und beugte sich leicht zu ihr herüber. Seine Lippen waren denen von Lucy so nah, dass man noch nicht mal ein Blatt Papier hätte dazwischen schieben können. „Weißt du, ich steh total auf deine Sommersprossen“, hauchte Gavin, „und dein Haar erst – ist das deine natürliche Farbe? Sie steht dir ausgezeichnet.“ Der Zug stand auf dem Gleis, das Ticket war gelöst. Lucy traute sich nicht zu atmen, sie glaubte, Funken in Gavins Augen zu sehen. „Deine Augen…“ „Was ist mit meinen Augen?“ „Deine Augen, sie sprühen Funken!“ „Oh, ja, das passiert mir manchmal. Ich dachte, ich könnte es vor dir verbergen, aber dem ist wohl nicht so“, sage Gavin und schaute leicht verlegen. „Was willst du verbergen, ich versteh nicht?“, fragte Lucy nun völlig fasziniert. „Nun, dir ist bestimmt aufgefallen, dass Norbert, Bowen und Thorpe Vampire sind“, antwortete Gavin und schaute Lucy dabei erwartungsvoll an. „Und du, bist du auch einer?“, fragte Lucy, die inzwischen doch ein wenig Angst bekam. „Ich ein Vampir? Nein, aber schau genau hin, ich zeige dir was ich bin.“ Gavin ließ sich vom Barhocker gleiten und stellte sich vor Lucy hin. Seine Augen waren jetzt fast schwarz, keine Funken waren mehr darin zu sehen. Aber auf einmal tanzten ein paar Flammen über Gavins Haut. Die Flammen bereiteten sich aus, und innerhalb von kurzer Zeit sah er aus wie eine riesige wandelnde Fackel. „Was bist Du? So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen!“, rief Lucy, ihre Angst war völlig verschwunden, zumal er zwar heiß aussah, es aber überhaupt nicht war. „Ich, meine Liebste, bin ein Feuerelfe!“
Lucy konnte sich nicht mehr zurückhalten, sie prustete los und ihr Lachen hallte durch den ganzen Ballsaal. „Ein Feuerelfe, haha, ich dachte, Elfen sind weiblich!“ Sie konnte sich vor Lachen kaum noch auf dem Hocker halten, dabei schlug sie mit den Fäusten auf die Theke. „Hey Tiago, mach dem kleinen Pyromanen und mir noch einen Zweiundvierziger, einen doppelten, den hab ich jetzt dringend nötig.“, sagte sie zu dem Barmann. Gavin wusste nicht recht, was er Lucys von Reaktion halten sollte und stand ein wenig beleidigt neben ihr. „Nicht schmollen, Großer, ich hab´s ja nicht so gemeint. Ehrlich, du bist wunderschön“, sagte sie und klopfte aufmunternd neben sich auf den Barhocker. „Ich habe nur immer gedacht, Feuerelfen oder Elfen überhaupt, gibt es nur im Märchen. Und dann kommst du und †“ hahahaha †“ ich kann nicht mehr, und dann kommst du! Du entsprichst so überhaupt nicht meinen Vorstellungen einer Elfe, sorry, ich bin jetzt ruhig, sonst mach ich es nur noch schlimmer.†œ Immer noch glucksend wandte sich Lucy ihrem Glas zu. Gavin wollte sich gerade zu ihr setzen, als auf einmal überall das Licht anging und die Sirene los heulte.
Alarmstufe rot. Das war nicht gut. Lucy und Gavin rannten aus dem Ballsaal in Richtung Kommandobrücke. Unterwegs stießen sie auf Doc und Bowen und Kerstin und Tim. Kerstin, die nur halb bekleidet war, zog sich unterwegs noch an. Jede andere hätte stehen bleiben müssen, aber nicht unser Bewegungstalent Kerstin. „Mit der Nummer kannst du in den Zirkus!“, rief Doc ihr zu. „Nummer?“, frage Kerstin erschrocken, ihre Gesichtsfarbe hatte einen leichten Rotton angenommen. „Ganz ruhig, Kerstin“, antwortete Doc, „ich mein das Anziehen im Rennen“, und zwinkerte ihr dabei zu. „Ach so, ja könnte ich.“ Erleichtert schenkte Kerstin ihre Aufmerksamkeit wieder dem Reißverschluss an ihrem Catsuit.
Die Kommandobrücke quoll fast über, alle waren da. „Was ist los?“, schrien fast alle gleichzeitig. „Wir werden angegriffen“, sagte Thorpe knapp. „Aber bis jetzt hat die Seraphim noch keinen echten Treffer hinnehmen müssen, wird Zeit, dass wir dem Spuk ein Ende bereiten.“ „Wissen wir wer oder was uns angreift?“
„Angie, das rauszufinden, wird deine Aufgabe sein. Nimm noch jemanden mit, alleine lassen wir dich nicht gehen.“
„Kann einer von euch fliegen? Ich hab leider meinen gesamten Flugstaub verloren – ach, alles nur ein Missverständnis“, versuchte ich mich zu verteidigen. „Ist ja jetzt auch egal, also wer kommt mit?“
Da stand ich nun in meinem sehr eng anliegenden tief ausgeschnittenen, rückenfreien Abendkleid aus feinster schwarzer Spitze, dessen Saum mir bis zu meinen Knöcheln reichte, aber das war jetzt nebensächlich.
Es war nun endlich an der Zeit, ihnen mein großes Geheimnis zu enthüllen. „Halt, bevor ich hier irgendetwas unternehme, muss ich euch noch dringend etwas sagen, oder besser gesagt, euch noch etwas zeigen“.

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Ich seufzte tief und schaute vorsichtig zu Doc. Nur sie wusste, was ich jetzt vor hatte und nickte mir aufmunternd zu. Es war mucksmäuschenstill und alle Augen waren erwartungsvoll auf mich gerichtet. Noch einmal atmete ich tief ein, streifte meine Schuhe von den Füßen, und berührte dann mit dem Zeigefinger meiner rechten Hand den goldenen Ring, der an meinem linken Mittelfinger steckte. Der Ring war mit zwei intensiv leuchtenden grünen Smaragden versehen und eine sehr kostbare Handarbeit.
Als ich den Ring berührt hatte, durchfuhr mich augenblicklich die Magie des Ringes vom Kopf bis zu den Füßen. Ich schloss die Augen, verschränkte meine Hände am Hinterkopf, stellte mich auf die Zehenspitzen und bog meinen Oberkörper so weit nach hinten, dass meine Haare fast meine Kniekehlen berührten. Nur so konnte ich mich voll konzentrieren und alles andere ausblenden. Lucys leise Bemerkung zu Kate: „Ey,will sie uns jetzt eine Figur aus dem Nussknacker zeigen?“, drang wie aus weiter Ferne in mein Bewusstsein. Dann kreuzte ich die Arme über meinem Busen und richtete mich blitzschnell auf – schon schwebte ich ungefähr einen halben Meter über dem Boden. Das alles geschah innerhalb von Sekunden.
Ich öffnete meine Augen und blickte erwartungsvoll auf die Runde herunter. Ein erstauntes Raunen erfüllte die Brücke. Das lag allerdings nicht nur daran, dass ich mich schwebend in der Luft befand, meine Augen hatten sich verändert und die gleiche intensive grüne Farbe von den Steinen auf meinem Ring angenommen. „Tja, das ist das magische Erbe meiner Großmutter,“ sagte ich fast entschuldigend zu meinen Schwestern, „sie war eine Hexe und hatte damals etwas mit einem sogenannten „Normalo“. Meine Mutter war das Ergebnis dieser Affäre. Aber zu ihrer großen Enttäuschung übersprang das magische Erbe eine Generation und ging direkt auf mich über. Ich bin also eine halbe Hexe, ein Halbblut. Mit dem Ring habe ich die Fähigkeit zu fliegen und kann damit im Dunkeln genauso scharf zu sehen wie im Tageslicht. Leider funktioniert die Sache nur, wenn ich keinen Alkohol getrunken habe! Gott sei Dank habe ich heute nur an dem Cocktail genippt.“ Dann ließ ich mich wieder langsam auf den Boden gleiten. „Nur Doc und Sweetlife wissen davon, na ja, und ihr jetzt auch“.
Als die Mädels anfangen wollten mich mit Fragen zu bombardieren, vertröstete ich sie auf später. Erst mussten diese Angriffe auf die Seraphim geklärt und aus der Welt geschafft werden. Die Übeltäter können sich nicht weit vom Schiff entfernt aufhalten.
„Jean, dich brauche ich als Bodenpersonal und besorge mir doch bitte noch ein paar Handgranaten.“ Er nickte mir zu und verließ schnell die Kommandobrücke. Ich riss mir seitlich einen langen Schlitz ins Kleid um mehr Beinfreiheit zu haben. Schade um das schöne Teil, aber zum Umziehen fehlte jetzt einfach die Zeit.
Draußen an der Reeling band ich meine Haare zusammen und wartete auf Jean, der mir, wenn`s brenzlig werden sollte, Feuerschutz geben würde. Im Moment war alles ruhig und der Vollmond spiegelte sich auf der leicht gekräuselten Oberfläche der Meeres. Sachte schlugen kleine Wellen gegen den Schiffsrumpf. Es ging kein Wind und die Luft war angenehm warm. Ideales Flugwetter, dachte ich bei mir. Da stand auch schon Jean neben mir und übergab mir zwei Handgranaten. Ups, der ist aber fix, dachte ich erstaunt. „Sei vorsichtig“, raunte er mir zu. „Bin ich doch immer“, erwiderte ich mit einem Lächeln, stieß mich ab und schon flog ich über der Seraphim.
Das Adrenalin schoss durch meine Adern und der Wind streichelte meine Haut. Dieses Hochgefühl ist mit nichts zu toppen, na ja, mit fast nichts…!
Da, in etwa 500 Metern Entfernung konnte ich ein kleines Schnellboot ausfindig machen, das dort vor sich hin dümpelte. Mit einer leichten Drehung meiner Hände hielt ich genau darauf zu und flog dabei sehr niedrig, damit mich ihr Radar nicht erfassen konnte. Genau über dem Boot schwebend, erkannte ich zwei Männer, die gerade dabei waren die Bordkanone auf unser Schiff auszurichten. Ohne zu zögern zog ich mit meinen Zähnen die Splinte, spuckte sie ins Meer und ließ die Granaten zielsicher auf ihr Deck fallen. Pfeilschnell schoss ich zurück zur Seraphim. Mit einem freundlichen Gruß von Bruce – Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacken, auf den Lippen landete ich geschmeidig neben Jean auf dem Deck. Die Detonation der Granaten und die darauf folgende Explosion schickten das Boot sehr schnell auf den Meeresgrund.

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Ein paar wenige brennende Trümmer zogen in sicherer Entfernung an unserem Schiff vorbei. Jean schloss mich erleichtert in seine Arme und drückte mich fest an seinen Körper. „Gott Lob, ich habe dich heile wieder“, flüsterte er nahe an meinem Ohr. Oh, oh, dachte ich nur leicht verwirrt, bitte nicht du auch noch…oder doch? Der Mann war heiß im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Körper glühte fast an meiner Haut und verwundert sah ich in seine goldgelben Augen. Moment mal! Goldgelb? Seine Augen waren doch braun! Und er war doch vorhin noch nicht so riesig gewesen wie jetzt! Misstrauisch fragte ich ihn: „Was hab ich den hier verpasst? Wer oder was bist du?“ Mittlerweile hatten sich auch die anderen Crew Mitglieder und meine Schwestern an Deck versammelt. „Ich bin ein Werwolf, und ich bin nicht alleine“, sagte er und drehte sich zu den anderen Jungs um. Eric, Tim, Tiago und Cyrus sahen mich mit ihren gelben ruhig und unbewegten Augen an. Sie bildeten einen ziemlichen Kontrast zu den tiefblauen Augen der Vampire. Unbeabsichtigt entfuhr mir ein lautes „Wuff“, und ich musste grinsen. „Keine Sorge“, sagte Jean leicht säuerlich“, wir sind die Guten. Im Mittelalter ist es einem Alchemisten, ihr nennt solche Männer heute Biochemiker, gelungen, unsere DNA und die der Vampire soweit zu verändern, dass alle schlechten Eigenschaften unserer verschiedenen Rassen verschwunden sind. So konnten wir untereinander eine Allianz eingehen und seitdem das Böse dieser Welt gemeinsam bekämpfen. Uns ist die Stärke, unsere Schnelligkeit und die Unsterblichkeit geblieben. Wir ernähren genauso wie ihr und wir sind nicht mehr ausschließlich auf Blut angewiesen. Nur unsere Fänge enthalten ein Sekret, das nicht giftig ist, sondern…ähm, leicht stimulierend wirkt…vorsichtig ausgedrückt. Deswegen sind wir von einem gelegentlichen „Schlückchen Blut“ auch nicht abgeneigt, das man uns bisher auch immer bereitwillig überlassen hat. Die Veränderungen, die du eben bemerkt hast, treten nur bei Vollmond auf und verschwinden bei Sonnenaufgang wieder.“
Da trat Doc vor und sagte: „So, nachdem wir nun alle ausgiebig das Feuerwerk bewundert haben, sollten wir vielleicht wieder rein gehen und zur Beruhigung was trinken.“ Langsam fanden wir uns alle wieder im Black Pearl Club ein, die Band hatte die Musik wieder aufgenommen und spielte My heart will go on – wie passend! Kate und Bones nahmen wieder in einer Ecke in den Sesseln Platz, Kerstin und Tim waren nicht zu sehen, Norbert wich nicht von meiner Seite und Lilli und Lucy sahen mich neugierig an. Schätze, ich hab ein paar Fragen zu beantworten. Doc setzte sich an die Theke und kippte ihren Wodka runter, stirnrunzelnd blickte sie auf die Theke und hob etwas auf. Sie sah umwerfend aus, trotz ihrer 235 Jahre. Sie wirkte höchstens wie 28. Dies war einer der vielen Vorteile, wenn man unsterblich ist, man erstarrt sozusagen auf der Höhe seiner Kraft. Docs Mum war eine Walküre, ihr Dad ein keltischer Merlin bei dem sie alleine aufwuchs, da Ihre Mutter die Geburt nicht überlebte.
Sie stand auf und steuerte auf den Ausgang zu. Als sie gerade an mir vorbeigehen wollte, hielt ich sie am Arm fest und sah sie fragend an. Sie öffnete ihre Hand und zeigte mir grinsend einen Jeton. „Ich schätze McRieve wollte mir damit einen Hinweis geben wo er sich versteckt hält, ich werde mal nachschauen gehen.“ Sie eilte hinaus und machte sich mit ihren geschmeidigen langen Schritten auf den Weg ins Casino.
Dort angekommen schlüpfte sie durch die Tür und war überwältigt von dem Anblick der sich ihr bot. Statt der Kronleuchter erhellten unzählige schwarze Kerzen in allen Größen das Casino, im Hintergrund lief leise The Fray.

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Bowen lehnte am Roulette-Tisch, er sah wie immer unverschämt gut aus mit seinen kinnlangen blonden Haaren. Die tiefblauen Augen, riesengroß, und ein perfekter muskulöser Körper ergänzte genau das Bild von einem Mann, dem Doc schwer widerstehen konnte. Die Kerzen warfen verführerische Schatten auf sein Gesicht und er beobachtete sie aufmerksam, als sie langsam auf ihn zuging. In dem schummrigen Kerzenlicht bildeten ihre langen weißblonden Haare einen sehr exotischen Kontrast zu ihrem lilafarbenen hautengen kurzen Kleid. Die schwarzen Stiefel, die sie dazu trurg, betonten ihre langen Beine. Sie blieb dicht vor ihm stehen, nahm das Glas aus seiner Hand und kippte den Inhalt auf Ex hinunter. Dabei blickte sie ihn mit ihren kühlen hellblauen Augen an.
Dann wedelte sie mit dem Jeton vor seinem Gesicht herum, ließ diesen ins Glas fallen und stellte es ab. „Du hast es wohl nicht so mit Worten, was?“
Bowen schlang seine Arme um Docs Hüften, zog sie an sich und drehte sie dabei schwungvoll herum, sodass sie zwischen ihm und dem Tisch stand. Er strich ihr eine Strähne, die nach vorne gefallen war, über die Schulter. Dabei streichelte er sanft mit dem Daumen über ihre Wange, blickte auf ihre wunderschönen Lippen und dann den Hals entlang hinunter bis zu der Stelle, wo die Haut oberhalb des Schlüsselbeins am zartesten ist. Er seufzte. Sie legte eine Hand unter sein Kinn, damit er sie ansah. Nach einem tiefen Blick in ihre Augen, küsste er sie zaghaft… seine warmen Lippen waren sehr weich und schmeckten leicht nach Zimt. Er nahm seinen Kopf zurück und blickte in ihre Augen. Vor Anspannung biss sich Doc auf auf die Lippe – etwas zu fest, ein kleiner Tropfen Blut bildete sich. Bowen leckte den Tropfen ab, packte Doc an den Hüften und hob sie auf den Tisch. Er warf seine Zurückhaltung über Bord, presste sich ganz nah an sie und küsste sie so leidenschaftlich, als ob es kein Morgen gäbe.   Alles drehte sich – verdammt er roch auch noch so wahnsinnig gut, ihre Sinne überschlugen sich und spielten Roulette. Das alles fühlte sich so unglaublich an – bis plötzlich abrupt die Tür aufging. Jemand betrat mit laut klackernden Geräuschen das Casino. „Mist, wieso muss Cyrus ausgerechnet jetzt hier hereinplatzen?“, flüsterte Bowen. Er reagierte blitzschnell und schnappte sich alle herumliegenden Kleidungsstücke und zog sie an der Hand mit sich. Geduckt schlichen sie zum hinteren Ausgang. Draußen auf dem Gang zog Doc sich wieder an. Sie war noch ganz benommen, aber das Licht holte sie langsam wieder in die Realität zurück.
„Hast du noch Lust mit in meine Kabine zu kommen?“ fragte Bowen, als sie Hand in Hand den Korridor hinunter liefen. „Klar, gerne. Und? War´s lecker?“ Typisch Doc, sowas konnte sie sich ja nicht verkneifen.  Außerdem schätze ich, du hast ca. 1,8 Promille und solltest deine Cholesterinwerte mal checken lassen.“ Lachend bogen sie um die Ecke und standen bald darauf vor seiner Tür. Bowen öffnete sie und ließ Doc den Vortritt. Wie von Geisterhand flackerten auch hier wieder etliche Kerzen auf. Telekinese ist wirklich eine praktische Eigenschaft – Wahnsinn! Sie traten in seine etwa 60 Quadratmeter große Suite.

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In der Mitte des Raumes bildete ein gigantisches Bett das Zentrum. Das Bett war komplett mit schwarzer Seide bezogen. Überall herum verstreut lagen CD´s und Zeitungen und diverse Kleidungsstücke. An einer Wand standen 2 Gitarrenkoffer, und auf der gegenüberliegenden Seite hing ein riesengroßes Flat-TV. Daneben war noch eine Tür, die vermutlich ins Bad führte. Gegenüber dem Eingang befand sich eine große Glasfront. Dadurch hatte man die freie Sicht aufs Meer. „Musiker oder El Mariachi? Da du der Waffenmeister bist, tippe ich wohl eher auf Letzteres“, bemerkte Doc und schritt durch das Zimmer. Vor dem Bett blieb sie stehen und drehte sich um. Bowen stand direkt hinter ihr: „Machen wir jetzt da weiter, wo wir aufgehört haben? Für Smalltalk ist später immer noch genug Zeit“, murmelte er in ihr Ohr und bearbeitete wieder den Reißverschluss ihres Kleides.
Kate saß währenddessen immer noch mit Bones in einem der bequemen Doppelsessel in der Black Pearl Bar und hielt ein Glas Rotwein in der Hand. Sie hatte mit ihm einen Bauplan für ein U-Boot durchgesehen, welches so bald wie möglich auf einer vertrauenswürdigen Werft in Miami gebaut werden sollte. Er war begeistert von ihren Ideen und lobte immer wieder die Weitsicht, die sie an den Tag legte. Informationen über die Organisation der Schwarzen Orchidee oder der Schwesternschaft durften auf keinen Fall in die Hände ihrer Feinde fallen. Falls die Seraphim jemals in Gefahr geriet ausspioniert zu werden, musste das Schiff zuvor zerstört werden. Für den Fall der Fälle wäre ein gut getarntes Fluchtfahrzeug Gold wert. Während sie über den Plänen saßen, kreuzten sich ihr Blicke immer wieder. In seinen zitrin-gelben Augen flackerte es unmerklich auf. Unwillkürlich musste sie lächeln, als sie an ihre erste Begegnung dachte. Bei einer zufälligen Berührung am ersten Tag an Bord der MS Seraphim wurde sie von einem kleinen Stromschlag getroffen. Unverhofft hatten sie sich dann bereits in der darauffolgenden turbulenten Nacht auf dem Schiff leidenschaftlich geliebt. Auch jetzt knisterte die Atmosphäre zwischen ihnen. Bones konzentrierte sich immer weniger auf die Pläne. Er ließ den Blick über ihre Gestalt gleiten und rutschte unruhig in seinem Sessel hin und her. Anerkennend musste sie feststellen, dass er sehr kultiviert war, sich ihr gegenüber auffallend zuvorkommend verhielt und ihr letztlich immer besser gefiel. Keinen Moment bereute sie die leidenschaftliche erste Nacht.
Jetzt streifte er wie beiläufig ihre Schulter und schob zärtlich eine rotbraune, widerspenstige Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Wieder senkte er seinen Blick und musterte sie eindringlich. Kate trug ein hellblaues, eng anliegendes, schulterfreies Corsagen-Minikleid von Pucci, welches ihre Figur toll zur Geltung brachte. Ihre zierlichen Füße steckten in silberfarbenen, hochhackigen Sandaletten von Paccolo Blaschik. Sie sah zum Anbeißen aus und niemand konnte ahnen, dass sie bereits seit 175 Jahren auf dieser Welt war. Im Alter von 26 Jahren hatte sie die Verwandlung durchgemacht und seitdem so manches erlebt. Damals wusste sie noch nicht, dass sie halb Mensch und halb Vampir war. Ihre Eltern hatte sie niemals kennengelernt, ein altes Ehepaar hatte sich liebevoll um sie gekümmert, nachdem sie eine Zeit lang auf der Straße gelebt hatte. Die Black Dagger-Ladies lernte sie zufällig kennen, als sie eines Tages in der Nähe eines Nachtclubs eine junge Frau verteidigte, die von vier brutalen Männer attackiert worden war. Dieser Zwischenfall sollte ihr ganzes Leben verändern. Die Mädels, die den Kampf zufällig beobachtet hatten, waren von ihrem Engagement und ihrer Schlagkraft so beeindruckt, dass sie Kate aufforderten, sich ihnen anzuschließen. Kate brauchte nicht lange zu überlegen und schloss sich den fünf Ladies an. Somit war sie nun das jüngste Mitglied und bereute es nicht eine Sekunde. Eine besondere Freundschaft verband sie mit Doc, eine Schicksalsgefährtin, die aufgrund ihrer 235 Jahre zudem über noch mehr Lebenserfahrung als Kate verfügte.
„Kate, ich möchte dir etwas zeigen†œ, flüsterte Bones jetzt mit rauer Stimme in ihr Ohr. Na endlich, dachte sie erleichtert. „Was denn?“, fragte sie unschuldig und bedachte ihn mit einem ermutigenden Lächeln. „Du wirst schon sehen“, sagte er und schnupperte an ihrem Haar. Er nahm ihr das Rotweinglas aus der Hand und zog sie mit sich. Sie gingen in Richtung Oberdeck zur Brücke. Na ja, da wollte sie eigentlich nicht hin.

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Als ob er ihre Gedanken gelesen hatte, sagte er schnell: †œIch funke nur die Pläne durch und dann hast du meine ungeteilte Aufmerksamkeit.†œ Unvermittelt küsste er sie sanft auf den Mund und Kate musste sich an seinen muskulösen Armen festhalten, sonst wäre sie unsanft auf dem Hintern gelandet. Nachdem er die Pläne verschickt hatte, betätigte er einen Knopf und wie durch Zauberhand öffnete sich die Decke. Eine Treppe kam zum Vorschein. Blitzschnell hatte er sie auf seine starken Arme gehievt und die Treppe hinauf getragen. Oben angekommen, konnte sie ihr Erstaunen nicht unterdrücken. Sie befanden sich direkt in einem Glashaus. Der Raum musste von außen gut getarnt sein, denn er wir ihr bislang auf dem Schiff nicht aufgefallen. Viele Blumen verströmten einen betörenden Duft. Durch die Glasdecke war der Sternenhimmel zu sehen, direkt über ihnen stand der Vollmond am Firmament und zauberte ein unheimliches Licht in den Raum. Langsam ließ Bones sie an sich herab gleiten und hielt sie immer noch ganz nah an sich gepresst. Seine schönen, festen Lippen näherten sich den ihren. Wie um ihr Einverständnis einzuholen, hielt er einen kurzen Moment inne.  Langsam entspannte sie sich.

Ein durchdringendes Alarmsignal riss sie beide unsanft aus ihrem Halbschlaf. Bones sprang als erster aus dem Bett und zog sich die Kleider in Sekundenschnelle über den Leib. Dann gab er Kate einen flüchtigen Kuss und fragte: „Alles okay?“
„Ja, ich habe so schön geträumt“, seufzte Kate noch im Halbschlaf.
Aber plötzlich war sie hellwach: „Bones, verdammt, wo hast du meine Klamotten gelassen, und was ist das für ein Alarm?“ Splitternackt sprang sie aus dem Bett und zog sich an. „Das kommt vom Achterdeck, soweit ich das beurteilen kann“, entgegnete er. „Was befindet sich dort?“
Kate beschlich ein ungutes Gefühl. An Bones Reaktion konnte sie erkennen, dass die Lage ernst war. Sie zog sich so schnell wie möglich an, um Bones zu folgen. Als sie gerade fertig war, tauchte er schon wieder auf. Mit einem verschmitzten Lächeln und zwei Tassen Kaffee stand er wieder in der Tür. „Es war nur Fehlalarm“, sagte er. „Lilli, Lucy, Garvin und Duncan haben irgendetwas ausprobiert und dabei ein kleines Feuerchen gemacht. Das hat dann den Rauchmelder ausgelöst.“ Er musste sich das Lachen verkneifen, als er in Kates Gesicht sah. Kate fand das gar nicht lustig. Da sie aber nicht in Stimmung zum Streiten war, sagte sie nur: „Ich werde dann mal gehen. Ich muss mich zur Besprechung noch umziehen. Wir treffen uns in 30 Minuten an Deck, okay?“ Bones wollte noch etwas erwidern, aber da war sie schon durch die Tür hinaus.
Sie brauchte etwas Abstand und musste sich über ihre Gefühle klar werden.

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Kerstin und Tim hatten sich nach den vielen Offenbarungen an Deck, Angies Flugkunst und Jeans Eingeständnis ein Wolf zu sein, klammheimlich davon geschlichen. Sie wollten endlich etwas Zeit für sich haben, bevor womöglich der richtige Stress anfing. Also verdrückten sie sich in Kerstins Kabine, weil sie wussten, dass keiner, der seinen Kopf behalten wollte, sie da stören würde. Da es draußen noch dunkel war, ließ Tim durch seine Gedanken ein paar Kerzen aufleuchten. Ein leichter Schauer der Erregung lief Kerstin über den Nacken. Tim schaute sie die ganze Zeit an und Kerstin spürte, wie sich  der Reißverschluss an ihrem Catsuit bewegte. Die transparente Rückenpartie fiel leicht über ihre Schultern. Ein leiser Schreckenslaut verließ ihre bebenden Lippen. Mit zwei großen Schritten kam Tim auf sie zu, dabei ließ er sie nicht aus den Augen. Er nahm sie zärtlich in beide Arme und küsste ganz sanft ihr Gesicht.
„Holla, was passiert denn nun?“, fragte sie sich. Aber das war dann auch schon der letzte richtige Gedanke, den sie noch fassen konnte, denn jetzt hatte Tim komplett das Kommando übernommen.

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Zur Fortsetzung mit Kapitel 4 geht´s hier lang. 😉

Die Bruderschaft der Black Dagger: Führer durch die Welt von J.R. Ward

Die Bruderschaft der Black Dagger: Ein Führer durch die Welt von J.R. Ward’s BLACK DAGGER

Eigentlich sollte der Führer durch die Welt von J.R. Wards Bruderschaft der „Black Dagger“ erst Ende Dezember erscheinen. Nun hat Amazon die Vorbestellungen für die 672 Seiten umfassende Taschenbuchausgabe schon in der ersten Dezemberwoche verschickt. Laut dem Heyne Verlag ist der offizielle Erscheinungstermin auf den 08. Dezember 2009 vorverlegt.

Black Dagger FührerKurzbeschreibung
Ein Muss für alle „Black-Dagger“-Fans
Von den Fans sehnsüchtig erwartet und von den Vampir-Liebhabern sofort verschlungen †“ J. R. Wards „Black-Dagger“-Romane landen jedes Mal auf der Bestsellerliste! Mit ihren düster-erotischen Geschichten um den erbitterten Kampf und die dunklen Leidenschaften der letzten Vampire auf Erden hat J. R. Ward in der Mystery neue Maßstäbe gesetzt.

Über die Autorin
Jessica Rowley Pell Bird, Pseudonym: J. R. Ward, geboren 1969 in Massachusetts, New Englandist eine US-amerikanische Autorin. Sie ist sowohl unter ihrem Geburtsnamen Jessica Bird als auch unter ihrem Pseudonym schriftstellerisch tätig ist.

Jessica Bird ist die Tochter des Bankvorstands W. Gillette Bird jun. und der Architekturzeichnerin Maxine F. Bird. Nach ihrem Abschluss am Smith College in Northampton (Massachusetts) und ihrem Studienabschluss der Rechtswissenschaften an der Albany Law School in Albany erhielt Bird als diplomierte Rechtsanwältin die Zulassung für zwei US-Bundesstaaten. Anschließend war sie im Gesundheitswesen tätig, wo sie unter anderem in Boston (Massachusetts) die Personalabteilung an der Klinik Beth Israel Deaconness Medical Center leitete.

Mit ihrem Ehemann Neville Blakemore, den sie am 6. Oktober 2001 in Barnstable (Barnstable County, Massachusetts) heiratete, lebte sie bis 2003 in Cambridge (Massachusetts). Er war Inhaber der Firma Bluegrass Consulting, einer Unternehmensberatung in Cambridge. Im August 2003 verließ sie New England und lebt seitdem in Louisville (Kentucky) (USA), der Geburtsstadt ihres Ehemannes, der dort als Partner bei der Investmentfirma Nova Group Investments tätig ist.

Bird begann im Alter von zehn Jahren zu schreiben und als Teenager schrieb sie ihren ersten Liebesroman. Auf Drängen ihres Mannes und ihrer Mutter wandte sie sich an einen Agenten und veröffentlichte im Jahr 2002 mit der Liebesgeschichte Leaping Hearts ihren ersten Roman. Heute ist sie in den USA und Europa, eine der erfolgreichsten Bestseller-Autorinnen für die Mischung aus Mystery und Romance. Unter dem Pseudonym J. R. Ward schreibt sie u.a. die Vampirserie Black Dagger.

Sie ist auch Vorstandsmitglied beim Fort Ticonderoga, einem privaten Militärmuseum in Ticonderoga, New York. Die Ruinen des Forts wurden im Jahr 1820 von ihrem Vorfahren, dem New Yorker Kaufmann William Ferris Pell (1779-1840), gekauft, anschließend von der Familie Pell restauriert und 1909 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ihre „Black Dagger“-Romane haben in kürzester Zeit die internationalen Bestsellerlisten erobert. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Hund lebt J. R. Ward im Süden der USA.