Der 66-jährige Schweizer Schriftsteller Klaus Merz erhält in diesem Jahr den mit 20.000 Euro dotierten Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg für sein Gesamtwerk. Den mit 7.5000 Euro dotierten Förderpreis zum Friedrich Hölderlin-Preis erhält die 32-jährige deutsche Schriftstellerin und Buchgestalterin Judith Schalansky für ihren Roman „Der Hals der Giraffe“.

Der Friedrich-Hölderlin-Preis wird seit 1983 von der Stadt Bad Homburg gemeinsam mit der Stiftung Cläre Jannsen vergeben.

Die Jury begründete ihre Entscheidung für Klaus Merz wir folgt: „Der Friedrich-Hölderlin-Preis 2012 der Stadt Bad Homburg wird Klaus Merz für sein literarisches Werk verliehen, in dem sprachliche Lakonie und Präzision, Formbewusstsein und künstlerische Leichtigkeit eine seltene Verbindung eingehen. Wie wenige Autoren vermittelt Klaus Merz das Gefühl, nicht erfundene Figuren in den Mittelpunkt seiner Geschichten zu stellen, sondern Menschen. Als Erzähler horcht er in das gewöhnliche Leben hinein, als Lyriker in die gewöhnlichen Wörter. Viereinhalb Jahrzehnte währt sein öffentliches Schreibleben nun. Es hat Literatur von hohem Rang gezeitigt.

Die Jury begründete ihre Entscheidung für Judith Schalansky wie folgt: „Der Förderpreis zum Friedrich-Hölderlin-Preis 2012 wird an Judith Schalansky für ihre Prosa „Der Hals der Giraffe“ verliehen, in der sich die Erzählerin als Kartografin einer Weltgegend im Windschatten der Wiedervereinigung und als prägnante Porträtistin ihrer so fesselnden wie verstörenden Hauptfigur, der Biologielehrerin Inge Lohmark, erweist. ‚Bildungsroman’ nennt die Autorin ihr Buch. Die Entwicklungshoffnung dieses klassischen Genres mündet bei ihr ins Endspiel einer untergehenden Lebensform. Stil und Atmosphäre des Buches sind stupend. Diese Autorin ist ein Versprechen für die Literatur der Gegenwart.

Der Hölderlinpreis und der Förderpreis werden am Sonntag, den 3. Juni 2012, im Rahmen eines Festakts im Kurtheater in Bad Homburg von Oberbürgermeister Michael Korwisi und Kulturdezernentin Beate Fleige überreicht. Die Laudatio auf Klaus Merz hält der Schriftsteller und letztjährige Preisträger Arno Geiger.

Quelle: Bad Homburg

Die Berliner Schriftstellerin Judith Schalansky stellt am 11.01.2012, um 20 Uhr, ihren Bildungsroman „Der Hals der Giraffe“ im Literaturhaus München vor.
Jörg Magenau wird die Veranstaltung moderieren.

Judith Schalanskys Roman Der Hals der Giraffe war 2011 für den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis und den Deutschen Buchpreis nominiert.

„Selten zuvor ist in der deutschen Literatur eine Person so authentisch geschildert worden. Vieles an diesem Buch erinnert an Kafkas Verwandlung. Der Roman ist ein ebenso witziger wie erschlagender Parforceritt durch die Unbilden unserer Zeit“, sagt Thomas Hummitzsch über den im September 2011 im Suhrkamp Verlag erschienen Roman.

Kurzbeschreibung
Anpassung ist alles, weiß Inge Lohmark. Schließlich unterrichtet sie seit mehr als dreißig Jahren Biologie. Daß ihre Schule in vier Jahren geschlossen werden soll, ist nicht zu ändern – in der schrumpfenden Kreisstadt im vorpommerschen Hinterland fehlt es an Kindern. Lohmarks Mann, der zu DDR-Zeiten Kühe besamt hat, züchtet nun Strauße, ihre Tochter Claudia ist vor Jahren in die USA gegangen und hat nicht vor, Kinder in die Welt zu setzen. Alle verweigern sich dem Lauf der Natur, den Inge Lohmark tagtäglich im Unterricht beschwört. Als sie Gefühle für eine Schülerin der 9. Klasse entwickelt, die über die übliche Haßliebe für die Jugend hinausgehen, gerät ihr biologistisches Weltbild ins Wanken. Mit immer absonderlicheren Einfällen versucht sie zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

Nach dem gefeierten „Atlas der abgelegenen Inseln“ schreibt Judith Schalansky einen Roman. Darin kämpft eine Biologielehrerin für die Einhaltung der Naturgesetze, verrenkt sich den Hals nach unerreichbaren Früchten und fällt am Ende vom Glauben an Gott Darwin ab. Schauplatz der Geschichte ist eine der irrwitzigsten Anstalten dieser Welt: die Schule.

Veranstalter: Literaturhaus München. Eintritt: Euro 9.- / 7.-

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