Der Germanische Flügel von Jane White

Dr. Jane White lag in einer Hängematte am Strand und gönnte sich einen Cocktail. Entspannt ließ sie ihren Blick über die Privatinsel ihrer Geheimorganisation schweifen. Der Vibrationsalarm ihres Handys riss sie aus ihren Gedanken. Es war eine SMS von Sweetlife, der Anführerin des Geheimbundes.
Hallo Doc. Komm bitte in mein Büro.
Schnell trank sie aus, schlüpfte in ihre Flip Flops und schlappte los. Sweetlifes Büro befand sich in einer der vielen kleinen Höhlen unter dem Felsen im Herzen der Insel. Kurz vor dem Eingang ertönte schon Sweetlifes rauchige Stimme durch die offen stehende Tür.
„Komm rein, Doc.“
Sie betrat das gemütliche Büro. Das Oberhaupt der Sixpack-Schwestern saß hinter ihrem monströsen Schreibtisch. Sie machte eine einladende Handbewegung, die Doc bedeutete, sich ihr gegenüber auf den Besuchersessel zu setzen. In dem Kamin prasselte ein gemütliches Feuer. Gedankenverloren starrte sie in die Flammen. „Na, Jane, schon wieder eingelebt zuhause?“
„Hm, ehrlich gesagt, vermisse ich die Schwestern und viel los ist hier ja gerade auch nicht“, antwortete Doc ein wenig gelangweilt. Warum wollte ihre Chefin sie hier sprechen? Zum Smalltalk hätten sie sich auch am Strand treffen können.
„Wunderbar, dann ich komme mal direkt zur Sache, denn ich muss in zwei Stunden zu einer wichtigen Konferenz nach München fliegen. Vorher wollte ich dich um etwas bitten. Es handelt sich um einen Spezialauftrag, und ich wäre wirklich froh, wenn du den für mich erledigen könntest.“ Das weckte Janes Aufmerksamkeit schlagartig.
„Schieß´ los, worum geht’ s?“
„Also gut. Obwohl du dir nach dem letzten schwierigen Einsatz eigentlich eine Erholung verdient hättest, möchte ich, dass du für mich nach Irland fliegst um etwas abzuholen – etwas sehr Wichtiges. Es erfordert absolute Diskretion.“ Verschwörerisch blickte die Chefin sie an.
„Es wäre auf jeden Fall hilfreich, wenn du mir sagen könntest, um was es sich handelt und wo genau ich es abholen soll?“, fragte Jane plötzlich hellwach.
„Gut, genauso habe ich mir deine Reaktion vorgestellt.“ Lächelnd schob Sweetlife Jane eine Akte über den Schreibtisch.
„Das Artefakt, um das es sich handelt, nennt sich „Germanischer Flügel“ und befindet sich in Newgrange, einer keltischen Grabstätte in der Nähe von Dublin. Alles, was du wissen musst und brauchst, findest du in der Akte. Du kannst den Learjet nehmen, denn ich werde mit meinem neuen Helikopter aufs Festland fliegen. Also, kann ich mich auf dich verlassen?“ Doc blätterte schon interessiert in der Mappe.
„Ja, klar natürlich.“
„Super, dann los! Ich will dich zwar nicht rausschmeißen, aber du solltest packen und dich direkt auf den Weg machen. Das kannst du dir auch im Flieger in Ruhe anschauen. Viel Glück.“
Doc klemmte sich die Akte unter den Arm und stand auf.
„Gute Reise in deinem neuen Heli, Sweetlife.“
„Danke, dir auch. Sei vorsichtig… und wir bleiben in Kontakt.“ Jane wollte gerade das Büro verlassen, als Sweetlife sie nochmal zu sich rief.
„Ach, warte… eines noch… der Dämon, also dieser sprechende Hamster, den du bei deinem letzten Einsatz gefunden hast, es wäre mir lieb, wenn du ihn für diese Mission woanders unterbringen könntest. Ich möchte nicht, dass er Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ich hab da auch was Passendes gefunden und ihn dort schon angemeldet. Der Transport ist von einer vertrauenswürdigen Firma organisiert. Er wird dann in 15 Minuten abgeholt.“ Sie reichte Jane eine Broschüre und schob sie zur Tür raus, die hinter ihr mit einem laut vernehmlichen Klicken einrastete. Was sollte das denn jetzt? So schlimm war Ef-Ef doch auch nicht, aber gut, wenn er davon nichts wissen sollte, konnte sie ihn wohl schlecht mitnehmen.

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Typisch Sweetlife, alles bis ins kleinste Detail durchorganisiert. Sie blickte auf die Broschüre in ihrer Hand:
Fetty-Dort-Klinik „Die Pension für das exzentrische Haustier“. Sie machen Urlaub und wir kümmern uns um ihren Liebling. Sportcamp, Diätklinik, Therapien aller Art.
Na, das klang ja wirklich nach dem perfekten Ort für einen übellaunigen, sprechenden Hamster. Sie holte Ef-Ef in der Hängematte ab und ging mit ihm die paar Schritte zu ihrer Hütte.
„Wieso gehön wir schon rein? Isch wollte noch die Sonnenuntergang sehön und dabei an mon Angel denken.“ Sie ignorierte ihn einfach, legte die Akte und den Flyer aufs Bett und setzte ihn obendrauf. Dann zog sie ihre Reisetasche unter dem Bett hervor. Es war Herbst, also würde sie für Irland etwas Wärmeres einpacken müssen als für eine Kreuzfahrt. Sie zog die Schubladen ihrer Kommode auf und wühlte darin herum bis sie fündig wurde. Schnell steckte sie alles in die Tasche.
„Wieso packst du? Verreisen wir? Zu Angie?“ Hoffnungsvoll blickte Ef-Ef sie an.
„Hm, nein nicht so direkt. Also, wir verreisen beide, das ist richtig. Allerdings getrennt. Ich habe einen Auftrag von Sweetlife, über den ich dich nicht in Kenntnis setzen darf und du wirst gleich abgeholt und machst Ferien auf dem Bauernhof.“ Skeptisch kniff der Hamster die Augen zusammen.
„Bauernhof? Mon dieu, wieso nicht Schottland? Und wo und wie..“ Er brach ab, als draußen ein lautes Rumpeln ertönte. Kurz darauf klopfte es an der Türe. Jane öffnete und stand einem rotäugigen Dämon gegenüber. Seine Haut schimmerte blau und um seinen Kopf wanden sich zwei geschwungene Hörner. Er trug einen neongelben Overall. Ehrerbietend verbeugte er sich tief vor Doc.
„Guten Tag. Mein Name ist Fredex von Piff und Paff, wir sind ein Materialisierungs-Transportunternehmen. Ich habe den Auftrag, Monsieur Ford Fleur in die Fetty-Dort Klinik zu transportieren.“
„Merde! Das ist einfach unglaublisch. Das Allerletze!“, motzte es vom Bett. Doc holte Ef-Ef und gab ihm ein Küsschen auf die Nase.
„Sorry, Kleiner, schreib mir mal ne Karte und genieß deinen Aufenthalt dort.“ Sie überreichte ihn an Fredex. Bevor der kleine Dämon noch irgendwas sagen konnte, lösten sich die beiden Gestalten mit einem lauten Ploppen in eine Rauchwolke auf.
Sie schloss die Tür, packte ihre Tasche fertig und machte sich auf den Weg zur Rollbahn. Am Jet begrüßte sie ihren Piloten. Sein Name war Ikarus. Er war ein freundlicher junger Gestaltwandler mit blonden Haaren und Grübchen. Jane stieg ein, bewunderte einen kurzen Moment die luxuriöse Einrichtung bevor sie auf einem der gemütlichen großzügigen Ledersitzen Platz nahm.
Als die Maschine die vorgesehene Flughöhe erreicht hatte und das Anschnallzeichen erloschen war, meldete sich Ikarus über den Lautsprecher.
„Verehrte Passagierin, willkommen an Bord der Ikarus-Airline. Ich hoffe, Sie genießen Ihren Flug. Der Wetterdienst meldet keine besonderen Vorkommnisse, und wenn kein Schwarm Flugenten in die Triebwerke gerät, werden wir voraussichtlich in 4 Stunden in Dublin landen. Over.“
Ein humorvoller Pilot – wunderbar. Hoffentlich nahm er seinen Job ernster, denn Jane flog überhaupt nicht gern. Ein Absturz könnte selbst ihrem unsterblichen Leben zum Verhängnis werden. Sie stand auf und holte die geheimnisvolle Akte aus ihrer Tasche im Gepäckfach. Danach goss sie sich einen Tomatensaft aus der Minibar ein und machte es sich in ihrem Sitz bequem.
„So, dann wollen wir mal schauen, was die gute Sweetlife von mir will“, murmelte sie. Auf der ersten Seite der Akte klebte eine schwarze Kreditkarte von Euro-Express ohne Limit. Auf der nächsten Seite waren die Adressen von drei Hotels, die ihre Chefin ihr empfahl, aufgelistet. Ein Auto würde auch schon bereitstehen, den Schlüssel sollte sie an einem Schalter der Flughafenverwaltung abholen. Danach stieß sie endlich auf das, was sie am meisten interessierte – eine Skizze des „Germanischen Flügel“. Das Artefakt war Bestandteil einer Götterstatue von unermesslichem Wert. Es befand sich in einem kleinen Kästchen in der Größe von 10 x 15 cm. Auf der Zeichnung war nicht genau zu erkennen, aus welchem Material es bestand, aber es war reich verziert und mit Steinen, vermutlich Edelsteinen, besetzt. Ein kleines Vorhängeschloss war auf der Vorderseite zu sehen. Im Anschluss fand sie einen Bericht, den Sweetlife mit einigen persönlichen Anmerkungen versehen hatte. Dieses Kästchen darf unter keinen Umständen geöffnet werden! – war dreimal rot unterstrichen.

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Okay, notiert, dachte Jane, nahm einen Schluck aus ihrem Glas und verzog das Gesicht als der Tomatensaft brennend ihre Kehle hinabrann. Typisch, sie hatte schon wieder vergessen, den Pfeffer zu verrühren. Um den Pfeffergeschmack aus ihrem Hals zu vertreiben, nahm sie einen winzigen Schluck Wodka, den sie ebenfalls in der gut bestückten Minibar unter ihrem Tisch fand. Dann vertiefte sie sich wieder in die Akte. Den Unterlagen entnahm sie, dass der Germanische Flügel Teil einer Statue, die ursprünglich in einem Kloster in der Burg Hukvaldy in Tschechien aufbewahrt wurde, war. Einer Legende nach hatte Hermes selbst sie dorthin gebracht. Nachfahren der Götter hatten als Mönche getarnt den Orden Passmaauf gegründet und das Artefakt jahrhundertelang bewacht. Bei einem Großbrand im Jahr 1651 waren alle Mitglieder des Ordens umgekommen. Die Ursache des Brandes wurde niemals geklärt. Danach sollte die Statue in Einzelteile zerlegt und auf alle Kontinente verteilt werden. Der Germanische Flügel erhielt seinen Namen, weil er ursprünglich in Dortmund unter der hölzernen Skulptur des Reinoldus aufbewahrt werden sollte. Doch dort kam er nie an. Fast 350 Jahre lang war er wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt gab es eine erste Spur in Irland. Weiter hinten war eine Luftaufnahme von einem grünen Hügel, der mit weißen Steinen umrandet war, eingefügt. Die Landschaft hatte sie schon beim Durchblättern im Büro wiedererkannt. Es war das legendäre Hügelgrab in Newgrange. Als Tochter eines Druiden mit keltischer Abstammung, hatte sie natürlich schon davon gehört. Sie war zwar noch nie dort gewesen, wusste aber, dass es mit seinen 70 Metern Durchmesser eines der größten bekannten Hügelgräber war. Wie üblich war es mit mehreren Gängen und Kammern versehen. Aber sie hatte schon die vage Vermutung, dass sich dieser kleine Schatz nicht in der Hauptkammer befinden würde, da Newgrange tagsüber Touristen für Besichtigungen offen stand. Das war genial – so konnte sie eine Tour buchen und sich den Ort ganz unverbindlich ansehen. Das war alles. Warum und wie dieses Artefakt in Irland gelandet war, und woher ihre Chefin das alles wusste, ging aus den Unterlagen nicht hervor. Das war auch wieder typisch Sweetlife, nur nicht zu viel preisgeben. Aber gut, sie vertraute ihr, und sie würde das Ding finden, nicht öffnen und schleunigst nach NSI befördern. Dann wäre immer noch genug Zeit zu erfahren, was genau es damit auf sich hatte. Sie klappte die Akte zu und tauschte sie gegen ihren Laptop aus. Sie rief die Internetseiten der vorgeschlagenen Hotels auf und reservierte sich eine Suite im Clontarf Castle. Es lag nah an der irischen See und von dort konnte sie die Stadt sowie auch Newgrange schnell mit dem Auto erreichen. Als auch das erledigt war, stellte sie den Sitz in die Schlafposition um ein Nickerchen zu machen. Schließlich döste sie ein und träumte wieder einmal von Bowen – bis sie jäh aus dem Schlaf gerissen wurde.
„Mayday, Mayday! Houston wir haben ein Problem. Dr. White bitte kommen Sie sofort ins Cockpit. Mayday! Mayday!“
Sie schreckte hoch, stieß dabei ihr Glas aus der Halterung in der Lehne und stürmte nach vorne ins Cockpit.
„Ikarus. Was ist los? Oh Gott, wir stürzen doch nicht ab, oder?“
Der Pilot schaute sie nur grinsend an.
„Nein, nein. Ich hab nur furchtbaren Durst und Hunger. Mir blieb quasi keine andere Wahl.
Würdest du mir die Stewardess machen und mir etwas zum Essen bringen?“
Unglaublich! Wütend starrte Doc den Piloten an.
„Also, wenn du nicht die wichtigste Person neben mir hier an Bord wärst, würde ich dir dafür glatt den Hals umdrehen. Hat das Ding keinen Autopiloten, der für dich kurz übernehmen kann?“
„Doch schon, aber normalerweise hat man auch einen Co-Piloten, ich kann das hier vorne“, und dabei tätschelte er liebevoll das Steuerrad, „unmöglich unbeaufsichtigt lassen. Jetzt komm schon… bitte bring mir etwas zu essen, und dann befördere ich dich von der Stewardess zur Co-Pilotin.“ Sie blickte in sein jungenhaftes Gesicht. Wäre der Kerl nicht noch grün hinter den Ohren, hätte sie sich das mit dem Hals nochmal glatt überlegt. Wortlos verschwand sie nach hinten und kehrte mit einem Müsliriegel und einer Flasche Saft ins Cockpit zurück.
„Hier. Bitte sehr. Hühnchen war aus.“ Sie reichte ihm die Sachen und setzte sich neben ihn in den Sessel. Zeit für eine klitzekleine Retourkutsche.
„Was sind das hier für komische Hebel?“ Sie schaute ihn mit einem naiven Klein-Mädchen-Blick an und tat so, als wollte sie daran ziehen. Da schlug Ikarus ihr plötzlich auf die Hand. Mit Panik in der Stimme kreischte er sie an.

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„Fass´ den bloß nicht an. Das ist der Hebel für den Schleudersitz.“
Das wusste sie natürlich, denn im Ernstfall hätte sie den Jet auch fliegen können. Alle Schwestern hatten eine Grundeinweisung in ihrer Ausbildung erhalten. Sie grinste amüsiert.
„Wenn ich mich recht erinnere, ist der für den Sitz des Piloten, oder?“
„Okay, es tut mir leid, dass ich mir eben nicht selbst was geholt habe. Wir landen in zwei Stunden, schau dir doch solange einen Film an.“
Sie hatte sowieso nicht vorgehabt bei ihm vorne sitzen zu bleiben. Lachend klopfte sie ihm auf die Schulter und verließ wieder das Cockpit. Bis zur Landung schlief sie noch ein wenig in ihrem gemütlichen Sitz und der Flug verging ohne weitere Vorfälle. Als der Jet etwas holpernd aufsetzt hatte, verlor sie keine Zeit, tauschte mit Ikarus nur kurz die Handynummern aus und zog los. Er würde sich ständig in der Nähe des Flughafens aufhalten und sich bereit halten, damit sie jederzeit zurückfliegen konnte. Durch die Zeitverschiebung war es bei ihrer Landung immer noch Abend. Die Sonne ging gerade unter. Sie marschierte über das Rollfeld zur großen Flughafenhalle. Dann steuerte sie den Stand der Flughafenverwaltung an.

Unsere Kommentatorin Jane hat sich mit dieser Kurzgeschichte beim Germanwings Story Award und bei Readbox beteiligt. Wer für die Geschichte voten möchte, findet sie hier in der Readbox. 😉

Buchveröffentlichung und/oder tolle Kurzreisen winken den Gewinnern beim 4. „Germanwings Story Award

Germanwings und das Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat veranstalten nach den Erfolgen der vergangenen drei Jahre nun zum vierten Mal den Kurzgeschichten-Wettbewerb rund um das Thema Fliegen.

Auf Flugreisen kann man die außergewöhnlichsten, witzigsten und spannendsten Geschichten erleben – und das ist in jedem Fall eine Geschichte wert. Alle, die Spaß am Schreiben haben, können bis zum 20. März 2011 mitmachen – der Fanatasie sind keine Grenzen gesetzt.

Teilnehmen können Kurzgeschichten zum Thema „Fliegen„, die als Textdatei (Word, RTF) oder PDF eingereicht werden. Die Geschichte sollte maximal 25.000 Zeichen inkl. Leerzeichen aufweisen.

Als Hauptpreis winken die Veröffentlichung in der kommenden Anthologie „Geschichten vom Fliegen IV“ und Kurzreisen sowie viele Sonderpreise.

Die Siegergeschichten werden von einer prominenten Fachjury, unter anderem von Bestsellerautorin Nele Neuhaus, ermittelt und auf der feierlichen Gala in Köln prämiert.

Die Geschichten können per Mail an service@mv-verlag.de geschickt werden.

Mehr Informationen gibt es auf www.germanwings-story-award.de. Die Erfolgsgeschichten der letzten Jahre sind nachzulesen in den „Geschichten vom Fliegen I-III„.

Makellose Morde to go: Erlesene Verbrechen und herzerfrischende Gemeinheiten von Susanne Henke

Makellose Morde to go: Erlesene Verbrechen und herzerfrischende Gemeinheiten in 25 Geschichten für zwischendurch.

Jede Geschichte ist spannend, zynisch, manches Mal skurril und beinhaltet mit Liebe erzählte Gemeinheiten über das Ableben.

Entstanden ist eine amüsante Mischung für alle, die gerne was Kurzes, Knackiges und bestimmt nichts Langweiliges lesen möchten.

Zuweilen kann man den eigenen Zeitplan nicht einhalten und kommt mit nur einer Story nicht aus, weil man unbedingt wissen will, ob die nächste vielleicht  noch bissiger ist. Die Autorin hat es hervorragend verstanden für Überraschungsmomente zu sorgen, denn zum Schluss kommt es meist anders, als man denkt.

Das Cover ist schön gestaltet und passt gut zum Inhalt.

Mir haben die „makellosen Morde to go“ so gut gefallen, dass ich hoffe, bald mehr von Susanne Henke lesen zu können. Ihre Schreibweise gefällt mir.

Die 130 Seiten umfassende Taschenbuchausgabe ist im Dezember 2009 im Verlag Books on Demand erschienen und für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Kurzbeschreibung
Es muss nicht immer Coffein sein. Auch Literatur belebt. Vor allem, wenn es um (unfreiwilliges) Ableben geht. Und darin ist die Hamburger Autorin, deren Geschichten Vito von Eichborn für den aktuellen Titel seiner Reihe für herausragende Neuerscheinungen ausgewählt hat, Expertin. Gut und Böse sind wunderbar gemischt in dieser Sammlung erlesener Verbrechen und herzerfrischender Gemeinheiten. Oft in ein und derselben Person.

Der Verlag über das Buch
Meine Buchhändlerin sagte mir:  „Ja, schwarzer Humor hört sich gut an. Eigentlich haben es Geschichten ja immer schwer am Markt. Aber wenn sie lustig und böse sind, kann das funktionieren. Da fällt mir E . W . Heine ein. Und natürlich Henry Slesar …“ „Genau“, unterbrach ich sie, „sein Buch ,Erlesene Verbrechen und makellose Morde‘ könnte auch für diese Sammlung auf dem Titel stehen. Diese Stories sind wirklich herzerfrischend boshaft mit atemberaubenden Effekten, sie changieren zwischen fast surrealen Elementen und witzigem Sarkasmus und …“ „Witz, ja, das ist das Stichwort“, fiel nun sie mir ins Wort, „wenn was von ,Witzen‘ auf Büchern steht, sind sie oft ziemlich stammtischmäßig jenseits aller Geschmacksgrenzen. Ist dies denn intelligent geschrieben?“ „Also bitte, sonst würde ich doch nicht so dafür werben. Das ist nicht platt, sondern achtersinnig, wie die Hamburger sagen. Es gibt einen atemberaubenden Einfalls-, Spannungs- und Pointenreichtum mit großem Tempo …“ „Witz ist Sigmund Freud zufolge eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlich tabuisierten Bereichen. Wovon handeln diese Geschichten eigentlich?“ „Das mit der Gesellschaft stimmt natürlich. Die Schauplätze reichen vom Fitness-Studio über das Redaktionsbüro bis zum Callcenter, vom Skilaufen bis zur Klippe auf Mallorca, von der Kaufhausverkäuferin bis zur Millionärin, vom Lebenshilfe-Guru bis zu Film-Dreharbeiten in einer römischen Arena und …“ „Boah, Mann, ist das nicht ein bisschen overdone?“ „Überhaupt nicht . In dieser Aufzählung fehlen die übrigen Hauptdarsteller – nämlich Menschen wie du und ich. Und die Sache mit der freudschen Bedeutung sollten wir nicht zu hoch hängen. Gut und Böse sind hier bunt gemischt, wie sonst auch oft in ein und derselben Person. Die klassischen Mordmotive wie Eifersucht, Neid, Gier und Verführung wechseln mit vollkommen überraschenden Plots. Und die Morde deklinieren auch alles durch: vom Giftring übers Erschossenwerden, vom Sturz in die Tiefe bis zum Genickbruch und dem Tod im Eis …“ Ich brach ab, denn meine Buchhändlerin hörte nicht mehr zu. Sie hatte mir das Buch aus der Hand genommen und las blätternd hier und da: „Aber das ist doch überhaupt nicht gewichtig, sondern wunderbar leichtfüßig geschrieben“, meinte sie, „und die Autorin hat ja auch ein reichhaltiges Vokabular …“ Sie brach ab, weil die Ladentür klingelte. Und stante pede, wie sie es immer tat, ließ sie mich stehen, um eine Kundin zu begrüßen. Heißt das beim Schreiben nicht leichthändig ? Und ich hatte doch gar nichts von gewichtig gesagt? Nee, wirklich. Ich schwöre: All die makabre Hinterlist und fiese Heimtücke in diesen Stories ist rundherum allerbeste Unterhaltung . Unbeschwertes Lachen wünscht Vito von Eichborn.

Klappentext
„Mit ihren weißen Fluffhaaren sehen sie aus wie ein Löwenzahnstrauß. Einmal pusten, und sie lösen sich in Luft auf. Wenn es doch nur so einfach wäre.“ Aufgeben? Niemals. Henkes Helden sind der Traum eines jeden Arbeitgebers: engagiert, flexibel und lösungsorientiert. Kein Einsatz ist ihnen zu hoch für Quote oder Kundenglück, den Platz in der ersten Reihe, das Lächeln der Liebsten oder die ungestörte Ruhe ihres Refugiums. Menschen wie du und ich, scharfzüngig seziert und pointiert in den Abgrund gestoßen. Ein giftig-guter Cocktail garstiger Geschichten, der (schaden-) freudigen Genuss verspricht.

“Wer Geschichten à la Roald Dahl mag, wird dieses Büchlein lieben.” Hamburger Morgenpost über „Bissige Stories für boshafte Leser“

“Minimalistisch, makaber, menschlich.” Literaturkritik.de über „Finderlohn und andere Stories“

Über die Autorin
Susanne Henke lebt mit ihrem Mann in Hamburg und spürt seit 2005 hauptberuflich der Frage nach: „Was wäre, wenn …?“ Ihre Antworten finden sich in Form satirischer Kurzkrimis in Anthologien, Zeitschriften und ihren „Bissigen Stories“. Ihre Figuren erweckt sie mit wenigen Strichen zum Leben – einem Leben, das selten die Hoffnungen der Protagonisten, oft jedoch die Schadenfreude des Lesers befriedigt. „Sprachlich und inhaltlich sehr beeindruckt“ war die Jury des Wettbewerbes „Deutschland schreibt“ und prämierte ihr Debüt „Bissige Stories für boshafte Leser“ 2005 mit einem der vier Nachwuchspreise. 2007 wurde sie für den Deutschen Kurzkrimipreis nominiert.

Über der Herausgeber
Vito von Eichborn war Journalist, dann Lektor im S. Fischer Verlag, bevor er 1980 den Eichborn Verlag gründete, dessen Programm noch heute ein breites Spektrum umfasst: Humor, Kochbücher und Ratgeber, Sachbücher aller Art, klassische und moderne Literatur sowie die Andere Bibliothek. Nach seinem Ausstieg im Jahre 1995 war er u.a. Geschäftsführer bei Rotbuch/EuropSische Verlagsanstalt und sechs Jahre Verleger des Europa- Verlags. Seit 2005 ist Vito von Eichborn selbständig als Publizist tätig und fungiert u.a. seit März 2006 als Herausgeber der Edition BoD.