Lesekreis mit „I love your Blog“ – Award ausgezeichnet

Und zwar von der Bibliomanie, genauer gesagt, von Maren, denn die steckt hinter der Bibliomanie.

Maren verschlingt Bücher, saugt sie in sich auf, geht nie ohne Buch aus dem Haus.

Und sie redet gerne über Bücher, die sie gelesen hat, die sie lesen will und auch über solche, die sie niemals lesen würde. Vorurteile sind schließlich da, um gepflegt zu werden, meint Maren.

In diesem Sinne betreibt sie auch die Bibliomanie, †œI love her Blog† too – really! Natürlich auch, weil sie dem Lesekreis diesen Award verliehen und als richtiges „Literaturmagazin“ bezeichnet hat. Vielen Dank dafür, wir arbeiten daran eines zu werden. 😉

Laut Regel darf ich jetzt 7 Blogs für den „I love your Blog“ – Award nominieren. Don Farrago, Dr. Sno* Daily, Henny, die Krimilady, Read it!, ReadingEase, The Island Weekly und der Isarblick gehören von Haus aus zu meinen Lieblingsblogs – also, bitte schön! Wem er nicht ins Konzept passt, lässt ihn einfach hier.

Ihr dürft jetzt, wenn ihr mögt, den Award an 7 Blogs weiterreichen, hier sind die Regeln:

1. Der nominierte Blogger darf das Logo in seinem Blog präsentieren (bitte keine Direct-Links!)
2. Verlinke die Person, von der Du den Award bekommen hast
3. Nominiere mindestens 7 weitere Blogs
4. Verlinke diese Blogs mit Deinem Blog
5. Hinterlasse eine Nachricht bei den neu Nominierten

Adelbert-von-Chamisso-Preis 2009 geht an Artur Becker

Der mit 15 000 Euro dotierte Adelbert-von-Chamisso-Preis 2009 geht an den Schriftsteller Artur Becker.

Artur Becker wurde am 07. Mai 1968 in Bartoszyce (Bartenstein), Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen, geboren.

Er erhält den Preis für sein Lebenswerk als Romancier, Erzähler und Lyriker. Dieses hat nach Ansicht der Jury der deutschen Literatursprache neue Farben und Töne gegeben und die Verbundenheit von polnischem und deutschem Kulturraum in eindrucksvoller Weise bekräftigt.

Der Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung wird seit 1985 verliehen (bis 2005 gemeinsam mit der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, seit 2006 von der Robert Bosch Stiftung allein). Der Literaturpreis zeichnet das deutschsprachige, bereits publizierte Werk von Autoren aus, die nichtdeutscher Sprachherkunft sind, wie es auch Adelbert von Chamisso war. Der Hauptpreis ist mit 15.000 Euro (2007) dotiert.

Die Bekanntgabe der neuen Preisträger erfolgt jährlich auf der Frankfurter Buchmesse. Die feierliche Preisverleihung findet jeweils im Februar in München statt (seit 2005 in der Allerheiligen Hofkirche der Münchener Residenz, 1985-2004 im Festsaal der Bayerischen Akademie der Schönen Künste).

Sogenannte „Chamisso-Literatur†œ grenzt als feststehender Begriff (evtl. noch Neologismus) von Gastarbeiterliteratur ab, hieß es bei der Preisträger-Bekanntgabe 2007.

Becker ist Sohn deutsch-polnischer Eltern. Seit 1985 lebt er in Verden an der Aller. wo er seitdem Romane, Erzählungen, Gedichte und Aufsätze verfasst und als Übersetzer tätig ist.

Er debütierte 1984 auf Polnisch in der Gazeta OlsztyŠ„ska, und zwar als Lyriker. 1989 wechselte er die Sprache und schreibt bis heute ausschließlich auf Deutsch. Ab 1990 publizierte er vor allem in der Literaturzeitschrift STINT aus Bremen. In den Jahren 2001 und 2004 nahm Becker am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Er schreibt regelmäßig Essays und Artikel für die Frankfurter Rundschau, den Rheinischen Merkur und andere Zeitungen. Er ist auch als Performer von lyrischen Auftritten mit der Bremer Jazzband Swim Two Birds geschätzt.

Zu seinen bekanntesten Werken zählt der Roman Der Dadajsee (1997), der die Rückkehr eines polnischen Gastarbeiters aus Deutschland in seine Heimat schildert, und die Novelle Die Zeit der Stinte (2006), in der sich ein deutsch-polnischer Spätaussiedler auf historische Spurensuche begibt, um die Geschichte eines Mordes zu untersuchen, den drei KZ-Häftlinge gegen Kriegsende an einem Kommandanten eines Außenlagers des KZs Stutthof begangen hatten. In seinem Schelmenroman Das Herz von Chopin (2006) ironisiert er am Beispiel eines Emigranten- und Autohändlermilieus die polnische Romantik. Beckers Schreibstil wird oft mit dem von Ernest Hemingway verglichen, er selbst nennt aber vor allem John Steinbeck und Isaac B. Singer als ihm stilistisch und geistig verwandte Autoren. Beckers Lyrik, die sich vor allem mit theologischen Themen beschäftigt, wie diejenige von CzesŠ‚aw MiŠ‚osz, ist in Deutschland nahezu unbekannt.

Wodka und Messer. Lied vom Ertrinken (2008), Beckers neuster Roman, stieß bei der Kritik auf ein breites Echo und ist bisher sein wichtigstes und gleichzeitig umstrittenstes Werk. In diesem Roman wird die Geschichte des im ermländischen Dadajsee ertrunkenen Mädchens Marta und seines Geliebten Kuba Dernicki erzählt, der als ein ehemaliger SolidarnoЛć-Dissident in den Westen geflohen ist. Seine Rückkehr nach Polen, in das Heimatdorf Wilimy, gleicht dem Abstieg in die Unterwelt: Die Begegnung mit der Vergangenheit wirft die Frage auf, wer mehr Macht hat †“ die Toten oder die Lebenden. Außerdem erzählt der Roman die neueste Geschichte Polens ­†“ vom Kriegsrecht, von der trasformacja (die poln. Wende von 1989) und den Jahren danach.

Quellen: Wikipedia, Süddeutsche Zeitung

Atiq Rahimi wird mit dem Prix Goncourt 2008 geehrt

Der Prix Goncourt ist ein Literaturpreis, der seit 1903 jeweils im Spätherbst von der 1900 gegründeten Académie Goncourt vergeben wird und das beste erzählerische Werk auszeichnen soll, das im laufenden Jahr in französischer Sprache erschienen ist. Er ist mit symbolischen 10 Euro dotiert, ist aber trotzdem der begehrteste Literaturpreis Frankreichs, weil er dank seiner Bekanntheit die Auflage des preisgekrönten Werkes in der Regel stark erhöht.

In diesem Jahr erhält der afghanische Exil-Schriftsteller Atiq Rahimi den Prix Goncourt für seinen Roman „Syngué sabour“ („Stein der Geduld“).

Der Roman erzählt von einer afghanischen Frau, die sich aus den Fesseln der gesellschaftlichen und religiösen Unterdrückung befreit.

Atiq Rahimi, 1962 in Kabul geboren, studierte Literatur an der dortigen Universität. 1984 floh er während des Kriegs mit der Sowjetunion über Pakistan nach Frankreich.  In Frankreich erhielt Rahimi Asyl und begann dort nach einer Promotion an der Sorbonne mit der Arbeit als Schriftsteller. Neben dem Schreiben ist er vor allem als Dokumentarfilmer tätig. Auf deutsch erschienen von ihm bislang die Bücher „Erde und Asche“ und „Der Krieg und die Liebe“. Das neue Buch soll unter dem Titel „Stein der Geduld†œ auf Deutsch im Herbst 2009 bei Ullstein erscheinen.

Kurzbeschreibung „Erde und Asche“
Was tun, wenn ein Krieg alles vernichtet? Wie dem eigenen Sohn sagen, dass das Dorf zerstört ist, dass die geliebten Menschen tot sind? Mit seiner anrührenden und erschütternden Parabel hat Atiq Rahimi ein Werk von zeitloser Gültigkeit geschaffen. Denn in dem Schicksal eines afghanischen Großvaters, der mit seinem Enkel unterwegs ist, um dem Sohn vom Tod aller Verwandten zu berichten, spiegelt sich der Schmerz und das Leid all jener, die unter Gewalt und Verfolgung leiden.

Kurzbeschreibung „Der Krieg und die Liebe“
Wieder ist Atiq Rahimi ein Werk von großer poetischer Kraft gelungen, das »uns die Tränen in die Augen, das Mitleid ins Herz und das Begreifen der Grausamkeit des Krieges in die Köpfe schreibt.« (Elke Heidenreich). Eine zarte Liebesgeschichte und die beeindruckende Schilderung eines Frauenschicksals im Islam aus dem Blickwinkel eines Mannes.

Klappentext
Ein Mann liegt da, überzeugt, tot zu sein. Er hört eine Stimme: »Vater«. Und ein schemenhaftes Gesicht ist wahrzunehmen. Ein Engel, dessen ist er sicher. Nur die Gebete, die ihm der Großvater beigebracht hat, können ihm weiterhelfen, hier, im Reich der Toten. Doch der junge Mann, der still in einem fremden Haus in Kabul liegt, ist nicht tot. Er ist dem Tode nahe aus der Gosse gezogen worden von einer Frau, die ihn bei sich aufnimmt, weil ihrem Ehemann in einer ähnlichen Situation niemand geholfen hat. Nur langsam erinnert sich Farhad, was ihm zugestoßen war: die Straßensperre der Fundamentalisten, das Losungswort, das ihm nicht einfallen wollte, weil er zu viel getrunken hatte, die Strafe der Wachen. Doch jetzt ist die Situation nicht weniger verzweifelt. Seine Angehörigen wissen nicht, wo er ist. Er gilt als tot und darf sich nicht sehen lassen. Dazu verwirrt ihn die Gegenwart der jungen Frau, bei der er Unterschlupf gefunden hat. Denn ihr kleiner Sohn und sie sind ebenfalls hilflos, schutzbedürftig und – liebenswert.

Quellen: Börsenblatt, Wikpedia

Aravind Adiga gewinnt den Man Booker Prize 2008 für The White Tiger – Der weisse Tiger

Mit seinem Debüt-Roman Der weisse Tiger (original: The White Tiger) hat der 33-jährige indische Schriftsteller Aravind Adiga den mit 50000 Pfund dotierten Man Booker Prize 2008 gewonnen. Dies wurde am 15. Oktober bekanntgegeben.

Der Booker Prize ist der wichtigste britische Literaturpreis, der seit 1969 jährlich für einen englischsprachigen Roman eines Schriftstellers aus Großbritannien, Irland oder dem Commonwealth vergeben wird.

Aravind Adiga ist nach Salman Rushdie, Arundhati Roy und Kiran Desaider der vierte in Indien geborene Schriftsteller, der mit dem Man Booker Prize geehrt wird.

Neben Adiga hatte es sein Landsmann Amitav Ghosh mit seinem Roman Sea of Poppies auf die diesjährige Shortlist geschafft, weiterhin waren Steve Tolt mit A Fraction of the Whole, Sebastian Barry mit The Secret Scripture, Linda Grant mit The Clothes on Their Backs und Philip Hensher mit The Northern Clemency auf der Shortlist für den Man Booker Prize 2008 nominiert.

Über den Autor
Aravind Adiga, wurde 1974 in Madras geboren, wuchs teilweise in Sydney, Australien, auf, studierte englische Literatur an der Columbia University und am Magdalen College in Oxford. Er arbeitete als Korrespondent für die Zeitschrift Time und für die Financial Times.
Er lebt – ohne Diener – in Mumbai, Indien. Sein erster Roman „Der weiße Tiger“ erscheint in 16 Ländern.

Kurzbeschreibung
Balram Halwai ist ein ungewöhnlicher Ich-Erzähler: Diener, Philosoph, Unternehmer, Mörder. Im Verlauf von sieben Nächten und in der Form eines Briefes an den chinesischen Ministerpräsidenten erzählt er uns die schreckliche und zugleich faszinierende Geschichte seines Erfolges – der ihm keineswegs in die Wiege gelegt war. Balram – der „weiße Tiger“ – kommt aus einem Dorf im Herzen Indiens. Seine düsteren Zukunftsaussichten hellen sich auf, als er, der klügste Junge im Dorf, als Fahrer für den reichsten Mann am Ort engagiert wird und mit ihm nach Delhi kommt. Hinter dem Steuer eines Honda City entdeckt Balram – und wir mit ihm – eine neue Welt. Balram sieht, wie seinesgleichen, die Diener, aber auch ihre reichen Herren mit ihrer Jagd nach Alkohol, Geld, Mädchen und Macht den Großen Hühnerkäfig der indischen Gesellschaft in Gang halten. Durch Balrams Augen sehen wir das Indien der Kakerlaken und Call Center, der Prostituierten und Gläubigen, der alten Traditionen und der Internetcafés, der Wasserbüffel und des mysteriösen „weißen Tigers“.
Mit seinem ebenso unwiderstehlichen wie unerwarteten Charisma erzählt uns Balram von seiner Flucht aus dem Hühnerkäfig, dem Sklavendasein – eine Flucht, die ohne Blutvergießen nicht möglich ist. Eine Geschichte voller sprühendem Witz, Spannung und fragwürdiger Moral, erzählt in einem unnachahmlichen und fesselnden Ton. Keine Saris, keine exotischen Düfte und Gewürze, keine Tabla-Musik und Maharadschas – dies ist das Indien von heute. Und mehr als das. In seiner Kritik am Sklavendasein ist es ein Angriff der dritten auf die erste Welt. Amoralisch und respektlos, anrührend und absolut zeitnah.

Gebundene Ausgabe: 318 Seiten, erschienen im Verlag: C.H. Beck; Auflage: 1 (29. Juli 2008), 19,90 Euro

Quellen: Wikipedia, Man Booker Prize Foto: Flickr

Uwe Tellkamp erhält den Deutschen Buchpreis 2008

Der Deutsche Buchpreis 2008 geht an Uwe Tellkamp für Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land.

Über den Autor
Uwe Tellkamp, geboren am 28. Oktober 1968 in Dresden, ist ein deutscher Arzt und Schriftsteller. Er ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Freiburg im Breisgau.
Einem mit Elmar Krekeler geführten und am 13. August 2004 in der „Welt“ abgedruckten Interview zufolge hat Uwe Tellkamp am 16. Oktober 1985 um 15.30 Uhr seine Berufung zum Schriftsteller entdeckt: An diesem Tag habe er in seinem heimischen Garten die Schönheit roter Rosen entdeckt und den Wunsch verspürt, dieses Bild in Versen auszudrücken. Nach einer Stunde hatte er den Text in Prosa formuliert.

Uwe Tellkamps erster satirischer Text wurde bereits 1987, also zu DDR-Zeiten, im Eulenspiegel veröffentlicht.

Tellkamp verpflichtete sich nach dem Abitur zum dreijährigen Wehrdienst in der NVA. Seine Tätigkeit dort bezeichnet er später als „Panzerkommandant“. Schon vor dem Oktober 1989 wurde Tellkamp wegen „politischer Diversantentätigkeit“ auffällig, da er Texte von West-Autoren und Wolf Biermann bei sich führte. Trotzdem blieb Tellkamp bis zum Oktober 1989 NVA-Unteroffizier. Weil seine Einheit angeblich gegen Oppositionelle, darunter Tellkamps Bruder, ausrücken sollte, habe er den entsprechenden Befehl verweigert. Den Vorgang beschreibt Tellkamp in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ folgendermaßen: „Dann ging alles sehr schnell. Da flogen dann die Schulterklappen ab. Dann hieß es: Der Studienplatz für Medizin wird Ihnen entzogen. Und es ging in den Bau.“ Tellkamp sei für zwei Wochen inhaftiert gewesen und danach beurlaubt worden.

Die Tätigkeit als Gehilfe auf einem Braunkohleförderbagger und Hilfsdreher in einem Lichtmaschinenwerk vor dem Oktober 1989 sowie die Arbeit als Hilfspfleger auf einer Intensivstation in Dresden im Jahr 1990 können also keineswegs, anders als es der ORF suggeriert, als unfreiwillige Unterbrechung eines bereits begonnenen Medizinstudiums bewertet werden.

Sein Studium der Medizin absolvierte er danach in Leipzig, New York und Dresden. Nach seinem akademischen Abschluss arbeitete er als Arzt an einer unfallchirurgischen Klinik in München, gab aber den Beruf 2004 zugunsten seiner Schriftstellerkarriere auf, bevor er zunächst nach Karlsruhe und 2007 nach Freiburg umzog. Aus biologischem Hobbyinteresse stellte er Studien zu Farnen an.

Werke

Uwe Tellkamp veröffentlichte zahlreiche Beiträge in Literaturzeitschriften (u.a. Akzente, comma, du, EDIT, entwürfe, Lose Blätter, ndl, Schreibheft und Sprache im technischen Zeitalter) sowie Anthologien. Gelegentlich verfasst er auch Essays für Zeitungen.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Tellkamp durch den Vortrag eines Auszugs aus seinem Roman Der Schlaf in den Uhren im Juni 2004 in Klagenfurt, durch den er den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann, sowie durch die Folgen dieses Preisgewinns: Dadurch, dass sich 2008 und 2009 alle Abiturienten in Niedersachsen mit diesem Auszug im Fach Deutsch befassen müssen, rückte Tellkamp in den Rang eines Verfassers von Pflicht-Schullektüre auf. Ebenfalls für Aufsehen sorgte 2005 der Roman Der Eisvogel. Im Herbst 2008 ist der Roman Der Turm erschienen. Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz vom Suhrkamp-Verlag empfiehlt persönlich den „große[n] Wenderoman der jüngeren Generation“ mit den Worten, Uwe Tellkamp arbeite „im Turm die Zeit vom November 1982 bis zum 9. November 1989 auf“. Elmar Krekeler behandelte am 13. September 2008 den Roman als „Buch der Woche“. Für Der Turm erhielt Tellkamp den Deutschen Buchpreis 2008.

Tellkamps Arbeitsstil ist dadurch gekennzeichnet, dass er in unregelmäßigen Abständen Auszüge aus noch unveröffentlichten umfassenden Werken bei Autorenlesungen vorträgt und teilweise auch als Auszüge veröffentlicht. Das trifft insbesondere auf sein Langgedicht in der Tradition Homers mit dem Titel Nautilus zu, aber auch auf die Romane Der Schlaf in den Uhren und Der Turm.

Tomas Gärtner schreibt über Uwe Tellkamps Nautilus-Projekt: „Wahrscheinlich entwickelt es sich zu einem Lebensprojekt.“ Geplant hat er es auf drei Bände. In Band 1, Das Aschenschiff, soll es vor allem um Politik und Geschichte gehen, orientiert an der Höllenreise in Dantes Göttlicher Komödie; Band 2, Falter, hat im Gegensatz dazu das Paradies als motivischen Mittelpunkt; Band 3, Vineta, soll eine Reise durch Dresden, aber auch andere Städte und Stadtstaaten werden, die bis nach Utopia reicht.

Tellkamp selbst beschreibt in der Zeitschrift Bella triste sein literarisches Schaffen mit den Worten: „Der moderne Dichter, wie ich ihn verstehe, ist wie der Dom-Baumeister; er ist damit, wie diejenigen, die sich aufmachten, Kap Hoorn zu umsegeln oder einen Seeweg nach Indien zu finden, zwangsläufig pathetisch †“ was er in Kauf nehmen kann, wenn es ihm gelingt, die grundlegenden menschlichen Empfindungen wieder zu gestalten.“

In einem Interview mit dem „Oberpfalznetz“ charakterisiert Tellkamp sein Schreiben als einen „Versuch, Heimat wiederzugewinnen†œ, die durch den Ablauf der Zeit verloren gegangen sei. Damit stellt sich Tellkamp in die Tradition von Marcel Proust (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit)

Uwe Tellkamps erster veröffentlichter Roman, Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café (2000) stieß im Publikum nur auf geringes Interesse und wurde nicht neu aufgelegt.

Für einen Auszug aus dem noch unvollendeten Roman Der Schlaf in den Uhren erhielt Tellkamp 2004 den Bachmann-Preis. Die Jury zeigte sich begeistert von diesem Auszug. Die zahlreichen Feuilleton-Artikel vom 28. Juni 2004 über die Preisverleihung zeigen ein uneinheitliches Bild, ebenso die später verfassten Rezensionen. Gelobt wurde vor allem die virtuose Sprachbeherrschung Tellkamps, kritisiert wurde hingegen, dass der Text schwer verständlich sei und dass der Auftritt Tellkamps in Klagenfurt auf die Mentalität der Jury zugeschnitten gewesen sei.

Tellkamps 2005 veröffentlichter Roman Der Eisvogel polarisierte das Feuilleton. Volker Weidermann warf ihm z.B. in einem Neues Deutschland betitelten Feuilletonbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 10. April 2005 vor, er zeige in seinem Roman nicht genügend Distanz zu den Protagonisten, die für eine Konservative Revolution eintreten und die Demokratie ablehnen. Ijoma Mangold von der Süddeutschen Zeitung dagegen hält den Eisvogel für einen gelungen „politischen Zeitroman“, der das Thema Terrorismus aufgreift. Auf die Frage, ob er ein „rechter Schriftsteller“ sei, antwortet Uwe Tellkamp in einem Interview mit Daniela Weiland lapidar mit: „Nein. Mit wenigen Ausnahmen, finde ich, hat die Kritik vor dem Buch versagt“, beschwerte sich Tellkamp anschließend bei Daniela Weiland.

Elmar Krekeler meint zu Tellkamps politischer Haltung: „Er ist immunisiert gegen Ostalgie und frei von überflüssiger Euphorie über das wiedervereinigte Deutschland“. Krekeler bescheinigt dem Autor einen Hang zur „Hermetik†œ, d.h. zu Aussagen, die nicht gänzlich dechiffriert werden können. Diesen Hang erklärt Krekeler durch einen doppelten Ausschluss Tellkamps von der ihn umgebenden Welt: erstens die zwangsweise Trennung des DDR-Bürgers durch Mauer und Stacheldraht vom Westen und zweitens die freiwillige Absonderung des Angehörigen des Bildungsbürgertums, das in Ostdeutschland auf eine im Westen oft als „museal†œ empfundene Weise erhalten geblieben sei, von der Gesellschaft der DDR. Dadurch stehe Tellkamp seinen Kollegen im ehemaligen Ostblock geistig näher als seinen deutschsprachigen Kollegen in den alten Bundesländern, in Österreich und der Schweiz.

Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land

Kurzbeschreibung

Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der „süßen Krankheit Gestern“ der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze – oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der „roten Aristokratie“ im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk „Ostrom“, wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.

In epischer Sprache, in eingehend-liebevollen wie dramatischen Szenen entwirft Uwe Tellkamp ein monumentales Panorama der untergehenden DDR, in der Angehörige dreier Generationen teils gestaltend, teils ohnmächtig auf den Mahlstrom der Revolution von 1989 zutreiben, der den Turm mit sich reißen wird.

Quelle: Wikipedia