Tannöd

Abgelegen im blauschwarzen Tannenwald liegt er, der Mordhof. Hier wurde die gesamte Familie Danner brutal mit der Spitzhacke erschlagen, auch die Kinder und die neue Magd. Niemand im Dorf hat von der grausamen Tat etwas mitbekommen. Wundern tut es aber keinen, war doch der alte Danner (Vitus Zeplichal) ein alter Tyrann und Geizhals, der es sich mit jedem in der Umgebung verscherzt hatte. Seine frömmelnde Frau (Lisa Kreuzer) sprach mit niemandem, und die Kinder seiner Tochter Barbara (Brigitte Hobmeier) sollen auch von ihm gewesen sein.

Als zwei Jahre später die junge Kathrin (Julia Jentsch) im Dorf auftaucht, ist der Täter noch immer nicht gefunden. Bald erkennt sie hinter dem dichten Netz aus Lügen und Schweigen eine tiefe Schuld im Dorf, und ahnt, dass der Fall mehr mit ihr zu tun hat, als ihr lieb sein kann.

Regisseurin Bettina Oberli hat bereits mit ihrem Erfolgsfilm „Die Herbstzeitlosen“ ihr inszenatorisches Können bewiesen. In „Tannöd“ widmet sie sich den bigotten gesellschaftlichen Strukturen und zeigt einmal mehr ihr Talent für atmosphärisch dichtes Erzählen. Entstanden ist ein starker, fesselnder Kinofilm: bildgewaltig, stimmungsvoll und emotional. Ein erstaunliches Drama über Schuld, menschliche Abgründe, und wie Wegschauen, Lügen und Schweigen den Nährboden für das Böse in der Welt bietet.

Julia Jentsch agiert als Kathrin, Monica Bleibtreu ist in ihrer letzten Kinorolle zu sehen, weiterhin spielen Volker Bruch als Johann, Vitus Zeplichal als Bauer Danner und Filip Peeters als Georg Hauer mit.

Die Regie führt Bettina Oberli. Das Drehbuch schrieb sie gemeinsam mit Petra Lüschow nach der gleichnamigen Romanvorlage von Andrea Maria Schenkel.

Wie das Börsenblatt heute berichtet, findet am 01. Oktober 2009 die Berufungsverhandlung im Fall „Tannöd“ vor dem Oberlandesgericht München statt. Tannöd ist der Titel des Bestsellers von Andrea Maria Schenkel, der vielfach ausgezeichnet und nach Angaben des Nautilus Verlags bis 2008 bereits mehr als 550 000 Mal verkauft wurde.

Peter Leuschner, der 1978 und 1997 die Bücher “Hinterkaifeck. Deutschlands geheimnisvollster Mordfall” und “Der Mordfall Hinterkaifeck” veröffentlicht hatte, warf Andrea M. Schenkel vor, einige Passagen aus Der Mordfall Hinterkaifeck in ihrem Bestseller “Tannöd” abgekupfert zu haben. Konkret geht es um die ersten 40 Seiten aus Leuschners im Jahr 1997 erschienen Buch, die er in “erzählerischem, romanhaften Stil” geschrieben habe. Schließlich ging es um jene 18 Details, die auffällig bei beiden Autoren auftauchen, etwa die Beobachtung des Bauers, dass Fußspuren im Schnee zu seinem Hof hin-, aber nicht wegführten, oder die Schilderung der Magd, dass sie einen Luftzug bemerkt habe, bevor sie vom Mörder erschlagen wurde.

Am 21. Mai 2008 hatte das Landgericht München 1 die Plagiatsklage gegen Andrea Maria Schenkel abgewiesen. Das Gericht sah es nicht als erwiesen an, dass diese Details eine originäre schöpferische Leistung Leuschners seien, die Übernahme von konkreten Formulierungen liege nicht vor.

Leuschner und seine Anwälte blieben dabei, Schenkel habe abgekupfert. Leuschner sagte, er habe naiv geglaubt, dass Abschreiben verboten sei. Er bezeichnete es als Unverschämtheit, dass Schenkel bei den Lesern der Eindruck erwecken wollte, ihr Buch sei “ganz allein in ihrem Kopf entstanden“.

Die mündliche Verhandlung findet im Oberlandesgericht München am 1. Oktober 2009 um 15 Uhr statt (Justizgebäude Prielmayerstr. 5, Sitzungssaal E. 41). Andrea Maria Schenkel und Nautilus-Verleger Lutz Schulenburg werden anwesend sein.

Am 25. Februar 2009 erscheint der neue Roman „Bunker“ von Andrea Maria Schenkel im Verlag Edition Nautilus, Verlag Lutz Schulenburg. Er umfasst 128 Seiten und kostet 12,90 Euro.

bunker1Kurzbeschreibung
Ein Mann überfällt abends eine Autovermietung, doch als die einzige noch anwesende Angestellte den erhofften Schlüssel zum Tresor nicht hat, entführt er sie in eine alte, verfallende Mühle im Wald, in der es auch einen geheimen Luftschutzbunker gibt. Will er sie als Geisel nehmen? Oder einfach seine Macht über die Gefangene auskosten? Wovon wird er selbst getrieben? Ist es jemand aus ihrer Vergangenheit, die sich bald als weniger unschuldig erweist, als es zunächst schien? Durch den Wechsel der Erzählperspektiven zwischen der Entführten und dem Entführer entspinnt sich in der Abgeschiedenheit des Waldes ein albtraumhaftes, grausames Spiel zwischen diesen beiden, in dem die Opfer- und Täterrolle, die des vermeintlich Guten und Bösen, abgründig hin- und herwechseln. Andrea Maria Schenkel erweist sich in ihrem dritten Roman ein weiteres Mal als Meisterin des unterschwellig Unheimlichen und der menschlichen Abgründe.

Pressestimmen
„Andrea Maria Schenkel hat ein untrügliches Gefühl für Stimmungen und verleiht den vielen verschiedenen Personen intuitiv eine eigene Stimme. (…) Nach Kalteis lässt sich nur bestätigen, was schon Tannöd vermuten ließ: Andrea Maria Schenkel hat ihren Stil gefunden.“ (Katja Weise, NDR Kultur)

Über die Autorin
Andrea Maria Schenkel, geboren 1962, lebt in der Nähe von Regensburg. 2006 erschien ihr Debüt Tannöd, mit dem sie großes Aufsehen erregte. Der Roman wurde 2007 mit dem Deutschen Krimi Preis, dem Friedrich-Glauser-Preis und der Corine ausgezeichnet. „Tannöd“ wurde in 20 Sprachen übersetzt und wird zur Zeit fürs Kino verfilmt. Auch für ihr zweites Buch Kalteis bekam sie begeisterte Kritiken und erhielt ebenfalls den Deutschen Krimi Preis.

Termine für Lesungen findet man hier!

CorineWer gestern die Preisverleihung der Corine, die auf 9 Stück streng limitierte kleine Porzellanfigur, verpasst hat, kann sie am 22. September im Bayerischen Fernsehen um 20.15 Uhr verfolgen.

  • Belletristikpreis des ZEIT-Verlags: Wilhelm Genazino für „Mittelmäßiges Heimweh“
  • Sachbuchpreis: Anne Siemens „Für die RAF war er das -System, für mich der Vater“
  • Jugendbuchpreis: Sergej Lukianenko „Das Schlangenschwert“
  • Ehrenpreis: Peter Härtling für sein Lebenswerk
  • Rolf Heyne Debütpreis: Martenstein „Heimweg“
  • Wirtschaftsbuchpreis: Erik Orsenna „Weiße Plantagen“
  • FOCUS-Hörbuchpreis: Hape Kerkeling „Ein Mann, ein Fjord!“

Tannöd Andrea Maria Schenkel feierte am 29. August 2007 mit ihrem britischen Verleger Anthony Cheetham und dem Lektor Jon Riley, beide vom Quercus Verlag, den Vertragsabschluß über die englischsprachigen Weltrechte für ihre beiden Bücher „Tannöd“ und „Kalteis“ (Edition Nautilus).

Mit dabei war Karin Scherer von der Londoner Buchhandlung Hatchards, in der die Begegnung stattfand.