Der schönste erste Satz von Fritz Walter

†œPscht…pscht…pscht…Hinweg mit euch, Viecher! Weg mit euch, der König schläft!†

Spiele, die ich nie vergesse von Fritz Walter

Fritz WalterFriedrich „Fritz“ Walter, geboren am 31. Oktober 1920 in Kaiserslautern, gestorben am 17. Juni 2002 in Enkenbach-Alsenborn, war einer der populärsten deutschen Fußballspieler und wurde für seine Verdienste um die deutsche Fußballnationalelf zum ersten Ehrenspielführer der Nationalelf ernannt. Er wird als einer der weltweit besten Fußballer aller Zeiten bezeichnet.

1991 veröffentlichte Fritz Walter sein Buch „Spiele die ich nie vergesse“, außerdem einen Sprechgesang „Die schönste Zeit in unserem Leben“.

Für Buchtrinker und Seitenfresser mit dem Faible für Punk – „Als wir unsterblich waren“ von Tony Parsons

unsterblich.jpgTony Parsons´Roman „Als wir unsterblich waren“ beschreibt eine Nacht in London im Jahr 1977. Die Entstehung des Punk hat Parsons als Musikjournalist schreibend begleitet. Seit einiger Zeit schreibt er Romane und Kolumnen. Die Story handelt von drei Freunden, alle arbeiten als Redakteure bei NME, mit unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Ambitionen. Die Turbulenz der Sommernacht spitzt die individuelle Problematik der Freunde fiktionsgerecht zu, sodass Politik, Sex und Musik gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. Wenn man Interesse daran hat, wie es 1977 in London war, sind die 430 Seiten von „Als wir alle unsterblich waren“ sehr ergiebig. Die Unterscheidungsmerkmale zwischen den Subgruppierungen unter den Punks beschreibt Parsons minutiös.

In einer Übersetzung von Christian Seidl erschienen im Blumenbar Verlag, München 2006 – es kostet 19,90 Euro

Quelle: www.sueddeutsche.de

Der schönste erste Satz von Johann Wofgang von Goethe

†œHabe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh†™ ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.“

Faust von Johann Wolfgang von Goethe

GoetheAm 28. August 1749 wird Johann Wolfgang Goethe als Sohn des Kaiserlichen Rates Dr. Johann Caspar Goethe in Frankfurt am Main geboren. Mit 16 Jahren erlebt er die Kaiserkrönung Joseph II. und beginnt zwei Jahre später sein Studium der Jurisprudenz in Leipzig.

Die Freundschaft mit der Pietistin Susanne von Klettenberg hilft Goethe bei der Überwindung einer schweren Krankheit. Unter dem Einfluss von Katharina v. Klettenberg, dem Urbild der „Schönen Seele“ (Wilhelm Meister), und der Beschäftigung mit Chemie und Alchimie erfährt der junge Goethe eine pietistisch gesteigerte Innerlichkeit und Sensibilität, die durch eine Begegnung mit Herder noch gesteigert wird.

Die Goethezeit beginnt 1770 mit Goethes Begegnung mit Herder und umfasst die Epochen Sturm und Drang, Klassik und Romantik bis zu Goethes Tod 1832.

In den Jahren 1771 – 1774 schreibt der junge Rechtsanwalt seine Werke Götz von Berlichingen und Die Leiden des jungen Werther:
„Meine Sinnen verwirren sich. Schon acht Tage habe ich keine Besinnungskraft, meine Augen sind voll Tränen……..Mir wär’s besser ich ginge.“

Zwischen 1774 – 1777 beginnt der junge Dichter seine Arbeit am Urfaust und Wilhelm Meisters theatralischer Sendung.

Nach Auflösung seiner Verlobung mit Lili Schönemann 1775 reist Goethe auf Einladung Herzog Carl Augusts von Sachsen Weimar nach Weimar, wo er Ende des Jahres ankommt. Dort begegnet er Charlotte von Stein. In den folgenden Jahren in Weimar wird Goethe einer der höchsten Beamten des Herzogtums.

1776: Beginn der Sturm und Drang Epoche. Der Sturm und Drang ist eine weitgehend auf Deutschland beschränkte Bewegung junger Schriftsteller, die sich in Straßburg und Frankfurt um Goethe sammeln. In dieser Epoche der Selbstverwirklichung hören die jungen Dichter auf ihre innere Stimme und suchen die Autonomie des Ichs. Sie sind gegen die ästhetische Regelwelt. Ihre Werke spiegeln empfindsame und moralische Aufklärung.

1786: Beginn der „Weimarer Klassik“ Der politische Hintergrund der „Weimarer Klassik“ ist die Französische Revolution mit ihren Rufen nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Der geistesgeschichtliche Hintergrund ist die aufklärende Philosophie Kants. Die Idealvorstellung der Weimarer Klassik hieß: „Natur und Welt sind frei von Willkür und Gewalt“. Das klassische Schönheitsideal postulierte die Einheit des Reinen, Wahren und Guten. Goethe setzte es vor allem in der Iphigenie um:

„Hat denn zur unerhörten That der Mann
Allein das Recht? Drückt denn Unmögliches
Nur Er an die gewalt’ge Heldenbrust?“

FaustIn Goethes Dichtung wird das tragische Individuum Faust durch Selbstzucht, Liebe und Gnade in das Weltganze aufgenommen. Für Goethe beginnt nun eine intensive Beschäftigung mit der Erlebnislyrik.

1786: Goethes Reise nach Italien Eine neue Epoche innerhalb seiner Werke beginnt. Die Venetianischen Epigramme zeigen in disziplinierter klassischer Form, wie weltoffen Goethe die neuen Eindrücke aufnahm:

„Eines Menschen Leben, was ists? Doch Tausende können
Reden über den Mann, was er und wie ers getan.
Weniger ist ein Gedicht; doch können es Tausend genießen,
Tausende tadeln. Mein Freund, lebe nur, dichte fort.“

Goethe verbindet sich mit Christiane Vulpius, und ein Jahr später wird sein Sohn August geboren.

1790 entstehen die „Römischen Elegien„, ein Zyklus aus 20 Gedichten.

„Bilder so wie Leidenschaften
Mögen gern am Liede haften“

Der Titel lässt elegische Trauer erwarten, doch schon August Wilhelm Schlegel schrieb: „Sie sind im Ton meistens munterer, als man selbst bei den alten Elegikern gewohnt ist.“

1794 – 1796 führt Goethe erste Gespräche mit Schiller. In diesen Gesprächen entsteht eine intensive Freundschaft. Goethes Werke Reineke Fuchs, Hermann und Dorothea sowie Wilhelm Meisters Lehrjahre entstehen.

1796: Beginn der Literaturepoche der Romantik In den neunziger Jahren wendet sich Goethe immer stärker klassischen Dichtungsformen zu. Eins und Alles, ‚Vermächtnis‘ und ‚Weltseele‘ entstehen in dieser klassischen Periode.

„Verteilet euch nach allen Religionen
Von diesem heiligen Schmaus!
Begeistert reißt euch durch die nächsten Zonen
Ins All und füllt es aus!“

1800 – bis 1820 arbeitet Goethe an seinen Werken ‚Faust, zweiter Teil‘, Wilhelm Meisters Wanderjahre, Die Wahlverwandtschaft, Dichtung und Wahrheit, Italienische Reise und ‚Östlicher Divan‚.

Mit Schillers Tod 1805 zeigt sich der Beginn eines Umbruchs in den Dramen und der Lyrik Goethes. Der Dichter greift in diesen nachklassischen Jahren zunehmend zu fremden Stoffen, zu Formen und Masken. Er schöpft aus dem Fundus der Weltliteratur, was oft kritisiert wurde.

1828 ist der Umbruch in der Lyrik Goethes vollendet. Die späten Gedichte sind voller Ursprünglichkeit und Klarheit des Geistes. Naturlyrik voller Religiosität findet man hier ebenso wie reflexionsfreie Liebeslyrik.

1831 vollendet Goethe sein Werk Faust, zweiter Teil. Ein Jahr später, am 22. März, 1832, stirbt der Dichter.

„Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche
Hier wird’s Ereignis“

Goethe verkörperte das Ideal seiner Zeit. Beeinflusst vom Geist der Aufklärung, glaubte er an die Vernunft.

Lesen! im ZDF mit Elke Heidenreich und Nike Wagner am 26.06.07

Kaum kam sie in mein Wohnzimmer gefegt, war sie auch schon wieder draußen – wie ein Wirbelwind. 😉

Elke Heidenreich las einen heiteren Abschnitt (Ratschläge eines Vaters an seine Söhne) aus der Familienchronik „Die Geschichte der Wapshots“ von John Cheever vor. John Cheever, geboren 1912, gestorben 1982, wurde für diesen Roman mit dem National Book Award ausgezeichnet. Der Roman, in einer neuen Übersetzung von Thomas Gunkel, wurde jetzt neu vom Dumont Literatur und Kunst Verlag aufgelet.

Für unbedingt lesenswert hielt sie den Roman von Kathrin Aehnlich. „Alle sterben, auch die Löffelstöre“ ist ein sehr komischer Roman, vorzüglich da, wo er am traurigsten ist. Kathrin Aehnlich, 1958 in Leipzig geboren, hat den bitter-melancholischen Nachruf auf die Jugend ihrer eigenen Generation geschrieben – in seiner ehrlichsten Form, der Satire.

Mit Oliver Hilmes „Herrin des Hügel. Das Leben der Cosima Wagner“ leitete Elke Heidenreich den Besuch ihres Gastes Dr. Nike Wagner ein. Dr. Nike Wagner ist die Urenkelin von Richard Wagner. Seit 2004 ist Nike Wagner künstlerische Leiterin des Kunstfestes Weimar. Elke Heidenrich wies noch kurz auf das Werk „Witwe im Wahn. Das Leben der Alma Mahler-Werfel“, ebenfalls von Oliver Hilmes verfasst, hin und bescheinigte dem Autor zwei großartige Biographien dieser schillernden Persönlichkeiten geschrieben zu haben.

„Anna Amalia, Herzogin von Weimar“ von Annette Seemann wurde als nächstes Buch, in Anlehnung an Nike Wagners Wirken in Weimar, vorgestellt. Das klassische Weimar ist ohne Anna Amalia (1739-1807), die Mutter Carl Augusts, undenkbar. Unter ihrer Regentschaft verwandelte sich die kleine Residenz zum geistigen Zentrum der Goethezeit. Es gelang ihr, herausragende Geister der Epoche – darunter Goethe, Wieland, Herder und Schiller – an ihren Hof zu ziehen. Sie begründete den »Weimarer Musenhof« mit seinen berühmten Leseabenden. Annette Seemann schildert den Lebensweg einer der bedeutendsten aufgeklärten Fürstinnen ihrer Zeit. Ein Akzent ihrer Darstellung liegt auf dem vielleicht größten Verdienst der Herzogin: der Gründung der »Herzogin Anna Amalia Bibliothek«. Nach dem verheerenden Brand des Jahres 2004 wird sie in Anna Amalias 200. Todesjahr nach umfangreichen Restaurierungen wieder zur Benutzung freigegeben.

Dann stellte Dr. Nike Wagner ihr Lieblingsbuch vor. Es handelt sich um den Gedichtband „erdlebenbilder“ von Wulf Kirsten. Wulf Kirsten ist in der Nachfolge Johannes Bobrowskis und Peter Huchels einer der großen Dichter in deutscher Sprache. Am 21.Juni 2004 feiert er seinen 70.Geburtstag. Aus diesem Anlaß erscheint diese Sammlung alter und neuer, bislang unveröffentlichter, Texte, welche die Entwicklung eines Dichters aufzeigt, der sich von Anfang an, wie die ersten Texte belegen, zur Aufgabe gemacht hat, der Sprache jene Gefühlsfelder wiederzugewinnen, die in den Worten bewahrt sind. Nike Wagner las ein Gedicht daraus vor und Elke Heidenreich wollte nicht so ganz glauben, dass dieser Gedichtband für jedermann so leicht verständlich ist.

Nike Wagner, geht niemals in den Zoo, weil ihr die Tiere leid tun, ist für Elke Heidenreich die Einleitung sich über den „Knut-Effekt“ zu ärgern, der eine Vielzahl von Büchern hervorgebracht hat. Sie sprach von verlogener Tierliebe und davon, dass man mehr „Autorenpflege“ betreiben und nicht nur den Blick aufs schnelle Geld haben sollte.

Anne Michels erster Roman mit dem deutschen Titel „Fluchtstücke“, der als nächstes vorgestellt wurde, enthält Sätze von atemberaubender lyrischer Dichte: Knappheit und Härte der Anfangsseiten ihres Romans üben beim Lesen einen Sog aus, dem man sich nicht entziehen kann: So grauenerregend die Geschichte einsetzt, man will weiterlesen, mehr über das Schicksal des Protagonisten erfahren. Der siebenjährige Jakob Beer wird Zeuge, wie im Zweiten Weltkrieg Deutsche seine Eltern, polnische Juden, erschlagen und seine ältere Schwester verschleppen. Er flieht und versteckt sich auf dem Gelände einer archäologischen Grabungsstätte. Dort wird er nach Tagen von einem griechischen Forscher gefunden und gerettet.

Als die beste Erinnerung für Fans stellte Elke Heidenreich danach das 2007 im Brandstätter Verlag erschienene Buch „Romy Schneider. Ihre Filme. Ihr Leben. Ihre Seele“ von Johannes Thiele vor.

Dann wurde eine kurze Sequenz aus dem Hörbuch „Oskar Maria Graf. Das Leben meiner Mutter“, gesprochen von Gustl Bayrhammer, eingespielt.

Abschließend versprach Elke Heidenreich Frau Wagner in Weimar besuchen zu wollen, erzählte, erstmals, wohlmöglich im roten Walle-Walle-Kleid, in diesem Jahr zu den Festspielen nach Bayreuth zu fahren und kündigte für den September ihre 30. Lesen! – Sendung an.

Und das alles in 30 Minuten! Puh, erst Mal Luft holen, einen Schluck Wein trinken und das soeben gesehen und gehörte reflektieren. Hier trafen zwei Frauen aufeinander, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Die eine quirlig, ungeduldig und eloquent, die andere introvertiert und ein wenig schwermütig wirkend, was durch die Vorstellung ihres Lieblingsbuches noch verstärkt wurde. Wenig Aktuelles und Neues hat Elke Heidenreich diesmal vorgestellt. Trotzdem schade, dass das ZDF der Sendung nicht mehr Platz einräumt, kommt man doch als Zuschauer, wie schon gesagt, kaum zum Luft holen.
Die komplette Sendung vom 26.06.2007 kann als Video in der ZDF Mediathek abgerufen werden.