Facebook Seite Feed abonnieren

Haruki Murakami: Aus “Gefährliche Geliebte” wird “Südlich der Grenze, westlich der Sonne”

20. Juni 2013 | Von | Kategorie: Lesekreis, Neuerscheinungen, Verlagsszene

geliebte_VS_0.tifSüdlich der Grenze, westlich der SonneDer Streit zwischen Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler über Haruki Murakamis “Gefährliche Geliebte” führte im Juni 2000 dazu, dass die Literaturkritikerin das “Literarische Quartett” im ZDF verließ. Es ging um die Sprache des Romans und seine Darstellung von Sexualität.

Das ist keine Literatur, sondern bestenfalls Fast Food“, leitete Löffler ihre sachliche Betrachtung des Romans ein und provozierte damit Reich-Ranickis Widerspruch. “Zweimal jährlich kommt ein Liebesroman und Sie sagen empört, das gehört gar nicht hierher. Ich weiß gar nicht, Sie halten die Liebe für etwas anstößig Unanständiges, aber die Weltliteratur befasst sich nun mal mit diesem Thema“, konterte Reich-Ranicki letztendlich.

Sigrid Löffler wies dies, sichtlich um Fassung bemüht, als “persönliche Unterstellung” zurück und gab anschließend bekannt, dass sie die Sendereihe verlasse. Ihre Nachfolgerin wurde die ZEIT-Redakteurin Iris Radisch.

Der umstrittene Roman wurde jetzt erstmals direkt aus dem japanischen Original ins Deutsche übersetzt und erhielt auch einen neuen Titel. Aus “Gefährliche Geliebte” wird “Südlich der Grenze, westlich der Sonne“. Iris Radisch empfiehlt in der Reihe ihrer Lesetipps auf ZEIT Online die Neuübersetzung. Aus der flapsigen, jugendsprachlichen und teils obszönen Sprache sei Murakamis magischer und etwas unterkühlter Ton besser heraus zu hören, urteilte Radisch.

Kurzbeschreibung: Gefährliche Geliebte
Erscheiungstermin: 16. Februar 2000 im Dumont Verlag in der Übersetzung (a.englisch) Ditte und Giovanni Bandini
Hajime ist Ende dreißig, nach Jahren der Ziellosigkeit ein erfolgreicher Jazz-Bar-Besitzer, Ehemann und Vater. Frauen haben sein Leben geprägt. In der Kindheit Shimamoto, wie er selbst ein egozentrisches Einzelkind. Mit Shimamoto hört er Schallplatten, hält Händchen und spricht über die Zukunft. Mit zwölf Jahren verlieren sie sich aus den Augen, um sich ein Vierteljahrhundert später wieder zu begegnen. Wie eine Halluzination taucht die Kindergeliebte Shimamoto wieder auf, unfassbar und geheimnisumwoben. Sie verkörpert für Hajime, was ihm im klugen Geschäftsleben und zusammen mit der ausgeglichenen Ehefrau Yukiku abhanden gekommen ist. Shimamoto erscheint immer an regnerischen Abenden, wie eine Andeutung aus einer fremden Welt. Die Frau mit dem bezaubernden Lächeln, das verloren geglaubte Seiten anrührt. Hajime ist bereit, sein bisheriges Leben aufzugeben, doch nach ihrer ersten gemeinsam verbrachten Nacht ist Shimamoto verschwunden – auf mysteriöse Weise …

Kurzbeschreibung: Südlich der Grenze, westlich der Sonne
Erscheinungstermin: 21. Mai 2013 im Dumont Verlag in der Übersetzung (a. japanisch) von Ursula Gräfe
Wie eine Halluzination taucht die Kindheitsgeliebte des Barbesitzers Hajima nach Jahrzehnten wieder auf, unfassbar und geheimnisumwoben. Immer an regnerischen Abenden erscheint Shimamoto wie eine verführerische Andeutung aus einer fremden Welt und hebt das Leben des tüchtigen Geschäftmannes und Familienvaters aus den Angeln. Südlich der Grenze, westlich der Sonne erzählt mit großer Magie vom Einbruch dämonischer Kräfte in ein Leben und scheut dabei keine Tabus.
Ursula Gräfe, die längst zur deutschen Stimme Murakamis geworden ist, legt dabei verborgene Schichten frei und enthüllt einen Roman, den wir alle zu kennen glaubten, auf aufregende Weise neu. Der ideale Zeitpunkt für neue Leser, diesen modernen Klassiker zu entdecken und für alle, die seinem Zauber schon zuvor verfallen waren, sich neu zu verlieben.

Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on Facebook

Schreibe einen Kommentar