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Link- oder Rezi-Mafia: 110 Euro für eine Rezension und zwei Links

11. Mai 2012 | Von | Kategorie: Dies und Das, Lesekreis

Guten Tag,

ich habe Ihnen ein paar Emails über Ihre Homepage lesekreis.org geschickt, doch Sie haben sie vielleicht nicht erhalten. Deshalb schreibe ich Ihnen noch einmal und bitte um Rückmeldung, lautet der Text einer Mail von einer “Mediengruppe”, die ich vor einigen Tagen erhalten habe.

Stimmt, ich konnte mich vage erinnern, dass das selbe Unternehmen schon mehrere Mails geschickt und um Zusammenarbeit gebeten hatte. Nun ist es nichts Neues, dass diverse Medienunternehmen mir, und wahrscheinlich zig anderen Blogs auch, regelmäßig nette Zeilen schicken und betonen, wie schön doch mein Blog sei. In der Regel ingnoriere ich derartige Schreiben oder antworte ablehnend.

Weil in diesem Fall der Absender besonders hartnäckig war, habe ich geantwortet und gefragt, wie sie sich die Zusammenarbeit denn vorstellen. Die Antwort hat mich ehrlich gesagt ziemlich überrascht und auch schockiert:

Wir würden gerne für Ihren Blog eine Rezension anbieten. Käme das denn prinzipiell in Frage? Wir würden für die Mühe auch eine Entschädigung anbieten: 110€. Ich hätte da ein paar Vorschläge worüber wir schreiben könnten. Zum Beispiel das Buch “XXX”. Aber ich bin auch offen für Ideen. In der Rezension müssten ein oder 2 Links zu einem unserer Kunden enthalten sein – nämlich zu einem Informationsportal für Spiele.
Was halten Sie denn davon?

Auf meine Frage, ob sie denn ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellen, erhielt ich wiederum eine äußerst verblüffende Antwort:

Also den Artikel können wir, aber auch Sie schreiben. Das können Sie frei entscheiden. Wir können eine Rezension fertig schreiben und Sie können sie dann einfach Ihrer Seite anpassen. Was halten Sie denn davon? Und ist der Preis dann auch angemessen?

Wow – vielleicht hätte ich auch das Doppelte verlangen können?

Nein, ich habe aus fester Überzeugung abgelehnt – und zwar aus vielerlei Gründen. Zum einen handelte es sich um ein Sachbuch, genauer gesagt um ein Fußballbuch, und weil wir hier doch in erster Linie mit viel Enthusiasmus freiwillig und ohne Bezahlung belletristische Werke behandeln, passt der Titel schon mal nicht ins Konzept. Zum anderen würde ich mich niemals, solange die Serverkosten einigermaßen durch meine Kooperation mit Amazon abgedeckt sind, kaufen lassen.

Zum dritten fiel mir schlagartig wieder diese unsägliche Geschichte ein.

Vielleicht sind derartige Abkommen ja auch ganz normal? Was berechtigt den Preis von 110 Euro, die Rezension scheint es ja nicht zu sein, sind Links tatsächlich so teuer?

Quelle Foto: Dagobert Duck – Retailwiki

7 Kommentare
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  1. Ich musste gerade in mich hineingrinsen, denn offenbar schreibt dieses Medienunternehmen wirklich mehrere Blogs an. Vor ein paar Wochen sollte ich ebenfalls diese fertige Rezi zum Fußballbuch posten, inklusive der zwei Links und habe sogar 50 Euronen mehr geboten bekommen. Als ich absagte, weil das Buch nicht zu mir passte, wurde mir prompt ein Vampirroman, der in Las Vegas spielt, angeboten. Ich war wirklich kurz in Versuchung, weil das eine Menge Geld ist, aber mir kam das so unseriös vor, dass ich ablehnte.
    Das Link-Ranking scheint aber tatsächlich ein sehr hart umkämpfter Markt zu sein und ich kann mir gut vorstellen, dass sich auf diese Weise einiges erreichen lässt.
    Mir sind auch schon Bücher angeboten worden, wenn ich unter ganz alte Beiträge einen Link einbaue. Darum gibt es wohl immer diese ganzen Spielchen, wo sich Blogs gegenseitig verlinken. Irgendwas muss das ja bewirken …

  2. und so bleibt das Bloggen weiterhin eine brotlose Kunst 😉 Wir lesen Bücher, die uns vielleicht gar nicht gefallen, schreiben stundenlang Rezensionen, die uns vielleicht auch nicht gefallen und dann veröffentlichen wir alles auch noch auf eigene Kosten. Irgendwas läuft da falsch. 😆
    Nein, ich glaube auch, wenn das Angebot “seriöser” und passender gewesen wäre, hätte ich nicht widerstehen können. Ich frage mich allerdings, von wem das Geld kommt, bzw. was wertvoller ist – die Links oder die Rezension?
    LG
    P.S.: hehe 160 Euro, tztztz, dann hätte ich doch pokern sollen… 😉

  3. … tztztztz… aber wirklich! 😉
    Irgendwie kommt mir gerade der Spruch “Mit Speck fängt man Mäuse” in den Sinn. Gut dass viele Mäuse den ranzigen Speck meiden. 😉

  4. @dolcevita: *lach* Ja, hättest Du mal … wer weiß, wo die Obergrenze gewesen wäre …
    Da es offenbar nicht um das Buch gegangen ist, glaube ich nicht, dass die Rezi “wertvoll” gewesen wäre. 😉

  5. Ich habe Google bemüht und eine Rezi gefunden. Der eine Link dort ist so perfide in den Text eingebaut, dass man wirklich nicht erkennt, dass es eigentlich genau darum geht. Vor allem ist die Thematik des Buches in Verbindung mit diesem Link zum Spieleportal einfach unglaublich. Es geht um Spielsucht und darum, wie es einen Menschen in die Schuldenfalle treibt. Dann wird ausgerechnet auf ein Portal verlinkt, dass dieses Problem fördert? Tztztz – das macht die Angelegenheit erst richtig unseriös.
    Was ich aber immer noch nicht verstehe ist, wie splitten sich diese 110 Euro. Diese Mediengruppe wird sicherlich sowohl vom Verlag als auch von den Webseitenbetreibern Geld kassieren. Wer zahlt wie viel?
    Wie gesagt, wenn ein seriöses Angebot käme, würde es mir bestimmt noch mehr Spaß machen eine gute Rezension zu schreiben. So manches Mal stimmen Lesegenuss und Zeitaufwand einfach nicht überein. Wie halten es eigentlich die großen Zeitungen wie SZ, FAZ oder Zeit? Die lassen sich die Rezension doch bezahlen, oder?
    LG

  6. P.S.: diese Beauty-Werbung, die ich in letzter Zeit auf so einigen Literaturblogs gesehen habe, wird natürlich auch gesponsert… 😉

  7. Ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits sehr schal – und gut, dass Du es abgelehnt hast, Hut ab! – weil Rezensionen so dermaßen offensichtlich als Ware gehandelt werden. Aber irgendwie auch faszinierend. Sind wir so wichtig, wir Buchleser? Mal so Link-Ranking-marktwirtschaftlich gesehen?

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