Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher

Erst kürzlich hat ein 12-jähriges Mädchen aus meinen Stadtteil sich mit einem Seil an ihrem Hochbett erhängt. Es war der letzte Ferientag, sie telefonierte noch am Abend mit einer Mitschülerin und erzählte, am nächsten Tag nicht in die Schule gehen zu wollen. Nachdem gegen 21 Uhr noch Licht im Kinderzimmer brannte, schaute die Mutter nach und fand ihr totes Kind.

tote-madchen-lugen-nicht1In den USA ist jetzt ein Jugendroman zu dem Thema Suizid auch ohne Verlagswerbung überraschend erfolgreich. „Tote Mädchen lügen nicht“ lautet der Titel des 33-jährigen Autors Jay Asher. Seit das Buch im Oktober 2007 in den Vereinigten Staaten erschienen ist, hat es sich dort gut hundertsechzigtausendmal verkauft. Die Rechte an „Thirteen Reasons Why†œ, so der Originaltitel, wurden mittlerweile in 14 Länder verkauft; in Deutschland ist der Roman seit Mitte März im Handel.

In „Tote Mädchen lügen nicht†œ geht es laut der FAZ (Was treibt junge Mädchen in den Tod) um einen jungen Menschen, der sich isoliert fühlt, jedes Vertrauen verliert und irgendwann beschließt, in den Tod zu gehen – aber nicht ohne noch zu dokumentieren, welche Signale es für diesen Selbstmord gegeben hat. Ihr hättet es erkennen können, diese Botschaft hinterlässt die junge Hannah Baker dreizehn Menschen aus ihrem Umfeld: zwölf Mitschülern und einem Lehrer. Ihr hättet mich aufhalten können, denn die Signale waren da, als ich mir die Haare abschnitt und auf Gängen herum geschrien habe. Ihr hättet nur hinsehen, hinhören müssen, ihr hättet nur einmal nachdenken müssen, was ihr mir antut. Dann hättet ihr vielleicht verhindern können, dass es so weit kommt und ich Tabletten nehme.

Aber dazu ist es nun zu spät. Und daher müssen die dreizehn Menschen, die Anteil am Schicksal Hannahs hatten, dem Mädchen zwei Wochen nach seinem Freitod so genau zuhören, wie sie es vorher eben nicht taten: Hannah Baker hat vor ihrem Tod Kassetten besprochen, dreizehn Stück, für jeden eine: für den Jungen, der sie zum ersten Mal küsste und danach bei seinen Freunden damit prahlte; für das Mädchen, das sie benutzte, um selbst heller strahlen zu können; für einen anderen Jungen, der ihr Briefgeheimnis brach; für einen dritten Jungen, der ungefragt ein Gedicht von ihr druckte und an der Schule verteilte; für eine Freundin, die keine war; und schließlich für den Lehrer, der ihr riet, doch einfach auf sich beruhen zu lassen, was sie umtrieb, und der in seinem Büro sitzen blieb, als Hannah aufstand und sagte: Ich schließe jetzt mit meinem Leben ab. Dreizehn größere und kleinere Verletzungen kommen so zusammen. Erst in der Summe der Teile wird ein Bild daraus, das nur Hannah erkannte, die anderen aber nicht, aus Teilnahmslosigkeit, Arroganz, Dummheit – oder weil es zu schwer war, die Verletzung überhaupt zu erkennen.

Über den Autor
Jay Asher bekam die Idee zu dem Buch während einer Audioführung in einem Museum. Er war fasziniert von der Stimme in seinem Ohr, die ihm erklärte, was er sah. „Tote Mädchen lügen nicht“ ist sein erster Roman und wurde in den USA zu einem sensationellen Erfolg. Der Autor lebt in Kalifornien.

Jay Asher hat es weder sich noch seinen Figuren leicht gemacht. Er hat auch Hannah Baker als ungerecht, unfair und unzugänglich beschrieben: Das bewahrt sein Buch davor, eine banale Anleitung zum Seelenklempnern zu sein. Das ist vielleicht auch das Geheimnis, warum das Buch an amerikanischen Highschools von Hand zu Hand wanderte. Es ist nicht pädagogisch, nicht altklug, nicht berufsjugendlich, es ist kompliziert. Was hat „Tote Mädchen lügen nicht†œ inspiriert, warum rückt einem das Buch so nah? „Mich hat die Geschichte einer jungen Verwandten beschäftigt, die sich das Leben zu nehmen versucht hat†œ, erzählt Jay Asher im F.A.Z.-Gespräch.

Und dass er sich mit seiner Frau und anderen Freundinnen hingesetzt hat und sie fragte, was in deren Schulzeit geschehen sei, das sie nicht bewältigen konnten. Gerüchte, antworteten sie, Gerede, Rufmord und Klatsch. Als er selbst noch in der Highschool war, hat Asher an einem Präventivkurs zur Verhinderung von Selbstmorden teilgenommen. Auch im Buch wird eine Broschüre verteilt, die „Warnsignale suizidgefährdeter Menschen†œ heißt. „Ich wollte, dass es kein zu großes Ereignis ist, das Hannah umtreibt†œ, sagt Asher. „Ich wollte, dass es viele kleine Dinge sind.†œ Ein Herz, das immer wieder bricht, und mit jedem Mal wird der Knacks größer.

Liest Jay Asher aus seinem Debüt an Schulen oder in Buchläden vor, stehen nachher Jungs und Mädchen bei ihm an, um davon zu erzählen, wie sie die Lektüre verändert habe. Einige gründeten Diskussionsrunden und Buchclubs an ihren Schulen. Andere sendeten E-Mails: „Ich habe bestimmte Stellen in Hannahs Geschichte angestrichen†œ, schrieb ein Mädchen, „und meinem Cousin geschickt. Er hat mir dann die Hilfe besorgt, die ich brauchte, um mit meiner Depression fertig zu werden.†œ Ein anderes Mädchen gestand: „In den letzten Jahren habe ich mit dem Gedanken an Selbstmord gekämpft, alles, was Sie erwähnt und gezeigt haben, war so genau: die Gerüchte, die Jungs, das Drama, alles. Und ich habe mich so viel besser gefühlt, weil ich wusste, dass jemand es versteht.†œ Und ein Junge schrieb: „Ich war sehr gemein zu anderen, ein Schwein. Seit Ihrem Buch habe ich begonnen, anderen zuzuhören und höflicher zu sein.†œ

Empfohlen ab 13 Jahre

Quelle: FAZ – Was treibt junge Mädchen in den Tod

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten, erschienen im Pantheon Verlag am 16. März 2009 – 14,95 Euro

Erfolgreich gefräßig: Die kleine Raupe Nimmersatt wird 40

Seit vier Jahrzehnten frisst sie sich durch Spielzimmer und Kindergärten: Die kleine Raupe Nimmersatt. Eric Carle schuf mit der gefräßigen Larve eines der erfolgreichsten Kinderbücher.

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Eigentlich wollte der US-Amerikaner Carle lediglich seiner Schwester eine Freude machen. „Für meine Schwester Christa“, steht deshalb auf der ersten Seite jedes der insgesamt 30 Millionen Exemplare, die bisher weltweit von der „Raupe“ verkauft wurden. Allein in Deutschland haben sich bisher fünf Millionen Raupen wortwörtlich durch die Seiten gefressen. Carle konnte seinen Beruf als Werbegrafiker bald aufgeben, als „The Very Hungry Caterpillar“, wie das Buch im Original heißt, seinen Siegeszug antrat. Seitdem widmet er sich nur noch den Kinderbüchern.
Das Erfolgsgeheimnis der gefräßigen Larve liegt nach Ansicht ihres Schöpfers in der einfachen, schnell erzählten Geschichte inklusive Happy End: Eine Woche lang frisst sie sich durch eine große Speisepalette und verspürt trotzdem immer noch Hunger. Bis sie schließlich am Sonntag nur noch Blätter zu sich nehmen kann. Dann verpuppt sie sich und wird ein wunderschöner Schmetterling. „Ich nehme an, die meisten Kinder können sich mit der hilflosen, kleinen, unbedeutenden Raupe identifizieren, und sie freuen sich darüber, wenn sich die Raupe in einen wunderschönen Schmetterling verwandelt“, sagte Carle.

kleine-raupeEric Carles Kleine Raupe Nimmersatt gehört mit Sicherheit zu den ersten Bilderbüchern, die im Kinderzimmer auf dem Regal Einzug halten und die sich seit Jahren ungebrochener Beliebtheit bei den kleinen Lesern erfreuen, die meistens noch gar nicht selber lesen, sondern nur genussvoll der hemmungslosen Völlerei der kleinen gefräßigen Raupe lauschen.

Wer kennt das nicht, dieses wilde Durcheinander im Bauch, das die kleine Raupe in sich hineinschaufelte. Der Anfang ist noch richtig gesund. „Am Montag fraß sie sich durch einen Apfel. Aber satt war sie noch immer nicht.“ Am Dienstag müssen es dann schon zwei Birnen sein, am Donnerstag vier Erdbeeren und am Freitag sogar fünf Apfelsinen. Richtig toll ist die Steigerung am Sonnabend. Da langt sie noch einmal richtig zu und jedes Kind zählt mit Begeisterung all die wunderbaren Köstlichkeiten mit, die sich die Raupe gönnt: „Ein Stück Schokoladenkuchen, eine Eiswaffel, eine saure Gurke, eine Scheibe Käse, ein Stück Wurst, einen Lolli, ein Stück Früchtebrot, ein Würstchen, ein Törtchen und ein Stück Melone.“ Diese Orgie endet nicht mit dem gewohnten Satz: „Aber satt war sie noch immer nicht.“ Nein, es heißt lapidar: „An diesem Abend hatte sie Bauchschmerzen!“

Jedes Kind hat diese schmerzvolle Erfahrung schon selbst einmal gemacht und kann mitfühlen, wie die arme kleine Raupe jetzt leidet. Aber am nächsten Tag ist wieder alles bestens und die Raupe macht sich nach einem gesunden grünen Blatt daran, sich in ihren Kokon zu verspinnen und alle dürfen gespannt sein auf den prächtigen farbenfrohen Schmetterling, der sich ganz am Ende des Buches in seiner vollen strahlenden Pracht entfaltet.

Eric Carle erobert die Kinderherzen mit seiner ihm eigenen Technik der Collage in kräftigen Farben. Zudem hat er noch so viele Kleinigkeiten in seinem Bilderbuch versteckt, die alle von den Kleinen begeistert aufgenommen werden: Da werden die Wochentage aufgezählt, alle Verse auswendig mitgesprochen, genüsslich in allen Löchern gebohrt, die die Raupe gefressen hat.

Kurzbeschreibung
Die Kleine Raupe schlüpft aus dem Ei und hat nur noch Fressen im Sinn. Eine Woche lang frisst sie sich durch allerlei Obst und Süßigkeiten und hinterlässt Fraßspuren auf den Buchseiten. Dann baut sie sich einen Kokon und entpuppt sich als farbenprächtiger Schmetterling. Spielerisch kann das Kind mitzählen und lernt die Wochentage kennen. Die farbenfrohen, collageähnlichen Bilder und der kurze, humorvolle Text sind bereits für kleine Kinder gut zu begreifen.

Quelle: FOCUS Online

Shortlist zum Man Booker International Prize 2009

man-booker-2009Im Jahr 2005 wurde erstmals der  Man Booker International Prize verliehen (Preisgeld 60.000 Pfund), mit dem ein Autor beliebiger Nationalität für sein auf Englisch verfügbares (Gesamt-)Werk ausgezeichnet wird. Dieser Preis wird alle zwei Jahre vergeben.

Der Preis wurde ursprünglich von der britischen Firma Booker verliehen. Seit 2002 zeichnet die Stiftung Booker Prize Foundation verantwortlich für die Vergabe. Hauptsponsor ist Man Group, weshalb der offizielle Name Man Booker Prize for Fiction resp. Man Booker International Prize lautet.
Zu den bisherigen Preisträger gehören Ismail Kadare (2005) und Chinua Achebe (2007)

Die Nominierten für den internationalen Man Booker Preis 2009 sind folgende Autorinnen und Autoren:

Peter Carey (Australien, zweimal mit dem Booker Preis ausgezeichnet)
Evan S Connell (USA)
Mahasweta Devi (Indien)
E.L. Doctorow (USA, 1990 und 2006 den PEN/Faulkner Award)
James Kelman (Großbritannien, 1994 Booker Preis)
Mario Vargas Llosa (Peru, 1994 Cervantes-Preis, 1995 Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft, 1996 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2008 Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung)
ArnoСt Lustig (Tschechien, 2008 Franz-Kafka-Preis)
Alice Munro (Kanada, 1968, 1978, 1986 Governor General’s Award for Fiction, 1998, 2004 Giller Prize, 1998 National Book Critics Circle Award for Fiction)
V. S. Naipaul (Großbritannien, geb. Trinidad, 1971 Booker Preis, 2001 Literaturnobelpreis)
Joyce Carol Oates (USA, 1970 National Book Award, div. andere Auszeichnungen)
Antonio Tabucchi (Italien, 1994 Premio Campiello, 1998 Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur)
Ngugi Wa Thiong†™O (Afrika, 1967 Jomo Kenyatta Award – Kenianischer Staatspreis für Literatur, 1973 Lotus-Preis der afro-asiatischen Schriftstellerkonferenz in Alma-Ata)
Dubravka Ugresic (Kroatien, 1999 Staatspreis für Europäische Literatur (Österreich), 1998 Preis der SWR-Bestenliste, 2000 Heinrich-Mann-Preis
Ludmila Ulitskaya (Russland, 2002 Booker Preis in Russland, div. andere)

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet heute die Auswahl der Nominierten für den internationalen Man Booker Preis 2009 als entgeisternd zufällig und mittelmäßig.

Der Gewinner wird Anfang Mai benannt. Der Preis soll am 25. Juni in Dublin überreicht werden.

Quellen: Man Booker Prize, Süddeutsche Zeitung

Gargoyle von Andrew Davidson – Leseprobe und Trailer zum Buch

gargoyle2Der Protagonist und Ich-Erzähler aus Andrew Davidsons Roman-Debüt Gargoyle sieht einen Hagel brennender Pfeile auf sich herabregnen, kommt von der Fahrbahn ab, prallt fast mit einem Pick-Up zusammen, verliert die Kontrolle, stürzt in eine Schlucht †“und findet sich später, grausam entstellt, im Krankenhaus wieder.

Zunächst kann er sich die Visionen, die zu dem Unfall geführt haben, nicht erklären. Lag es am Koks oder waren es Bilder aus einem anderen Leben?
Marianne Engel erscheint an seinem Krankenbett und erzählt ihm Geschichten aus der Vergangenheit und einem Leben in Deutschland im 14. Jahrhunderts.

Sie und er, sagt die Unbekannte, seien einst ein Liebespaar gewesen. Sie lebte als Nonne im fränkischen Kloster Engelthal und er fristete sein Dasein als Söldner.

Andrew Davidson hat einen ungewöhnlichen Liebes-Fantasy- und Historienroman geschrieben, gespickt mit vielen Geschichten um historische Personen und Begebenheiten.

wasserspeierulmSo wird natürlich die Geschichte der Gargoyles erzählt, Wasserspeier, die seit dem 6. Jahrhundert aufgrund ihrer dämonischen Gestaltung den Einfluss des Teufels auf die irdische Welt symbolisieren und noch heute an vielen Kathedralen zu sehen sind. Diese wasserspeienden Wesen haben den Ruf, Beschützer zu sein. Ihr dämonisches Aussehen soll den Geistern und Dämonen einen Spiegel vorhalten, soll sie vergraulen. Und darum geht es in dem Roman, das Böse, das sich vielleicht schon eingeschlichen hat, soll wieder vertrieben werden.

Gargoyle ist ein Roman von hypnotischer Sogkraft. Raffiniert konstruiert, spannend, sinnlich und intelligent zugleich, ist er ein einzigartiges literarisches Ereignis, ein grandioser Höhenflug †“ und eine der faszinierendsten Liebesgeschichten unserer Zeit! Bloomsbury Verlag

Trailer zum Buch mit dem Autor Andrew Davidson


Leseprobe mit freundlicher Genehmigung des Bloomsbury Verlags – Copyright © 2009 Berlin Verlag

[…]Lassen Sie mich mit der Beschreibung ihres Haares beginnen †” eigentlich könnte man unmöglich mit etwas anderem anfangen. Ihr Haar war wie tartareische Reben, die bei Nacht wachsen, aus einem dunklen Ort emporwuchern, wo die Sonne nur ein Gerücht ist. Sie sprossen wild in alle Richtungen, und die dunklen Locken stürzten so verführerisch herab, dass es aussah, als wollten sie die Hand verschlingen, hätte man das Glück, mit den Fingern hin durchzufahren. Ihr Haar war so fremdartig, dass ich mich noch jetzt, Jahre später, zu diesen lachhaften Metaphern veranlasst sehe, die ich am Morgen bereue, das weiß ich schon jetzt. Auch ihre Augen werden mich zwingen, mich lächerlich zu machen. Sie brannten wie die grünen Herzen eifersüchtiger Lieben der, die einander um Mitter nacht beschuldi gen. Nein, das stimmt nicht, sie waren nicht grün: Sie waren blau. Ozeanwellen umtosten die Iris gleich einem unerwar teten Sturm, der einen Seemann seiner Frau nehmen will. Nein, halt … Vielleicht waren ihre Augen doch grün: Stimmungsaugen viel leicht, ähnlich den Ringen, die angeblich je nach emütsverfassung ihres Trägers die Farbe wechseln.

Sie erschien in der Tür der Verbrennungsstation in einem hellgrünen Krankenhauskittel mit jenen unergründlichen Augen
und dem wild verschlungen Haar, und ich wartete auf das Ächzen, das unweigerlich kam, wenn jemand mich zum ersten Mal sah. Ich wartete darauf, dass sie sich vor Schock und Bestürzung die Hand vor den Mund hielt. Sie enttäuschte mich da mit, dass sie nur lächelte. »Du wurdest verbrannt. Erneut.«
Im Allgemeinen mache ich es mir zur Regel, auf die bizarren Verkündigungen von Fremden nicht zu antworten, aber ehrlich gesagt, hatte mein Schweigen in diesem Fall den Grund, dass sie das kaputte Klo, das meine Stimme war, nicht hören sollte. Meine Kehle heilte langsam, doch mein Ohr (das jenige, das noch hör te) war diesen verfremdeten Klang noch nicht gewöhnt. Ich wollte, dass sie nur die Stimme kannte, die ich davor gehabt hatte, die, mit der ich Frauen ins Bett gelockt hatte.
Angesichts meines Schweigens sprach sie weiter. »Das ist jetzt
das dritte Mal, dass du verbrannt wurdest.« Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und verbesserte sie. »Das erste Mal.« Ein verwirrter Ausdruck strich über ihr Gesicht. »Vielleicht bist du ja gar nicht du.«[…]

Die Fortsetzung der Leseprobe findet man hier beim Bloomsbury Verlag

Kurzbeschreibung
Das aufregendste Debüt der letzten Jahre: eine fesselnde Geschichte über die erlösende Kraft des Leidens und eine Liebe, die die Grenzen von Zeit und Raum überschreitet.
Ein Mann fährt eine dunkle Straße entlang, als er plötzlich geblendet wird, sein Wagen in eine Schlucht stürzt und Feuer fängt. Er überlebt, wird mit schwersten Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert und hat in den Wochen der Rekonvaleszenz nur einen Gedanken: wie er nach seiner Entlassung Selbstmord begehen kann. Doch da taucht eines Tages eine mysteriöse Frau an seinem Krankenbett auf, die schöne Marianne Engel, Bildhauerin beeindruckender Gargoyles. Sie behauptet, sie seien einst Liebende gewesen vor siebenhundert Jahren in Deutschland, als sie eine Nonne war und er ein Söldner auf der Flucht. Ist diese Frau einfach verrückt? Oder ist sie der rettende Engel, der ihn aus seiner Verzweiflung und Todessehnsucht erlösen wird?

Über den Autor
Andrew Davidson wurde 1970 in Pinawa, Kanada, geboren. Nach seinem Literaturstudium an der University of British Columbia lebte er mehrere Jahre in Japan und konzipierte Englischkurse für japanische Internetseiten. Sein Debüt-Roman Gargoyle wurde bereits vor Erscheinen in 28 Länder verkauft und stieg sofort in die New-York-Times-Bestsellerliste ein.

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten, erschienen im Berlin Verlag am 31. Januar 2009 – 22,00 Euro

Lesung mit Günter Grass am 23.04.09 in der Münchner LMU

Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass liest am Donnerstag, den 23. April 2009, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „LMU im Dialog“ in Zusammenarbeit mit der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl aus seinem neuen Buch „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990.“ Die Lesung beginnt um 20.00 Uhr im Audimax im Hauptgebäude der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1.

Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“ heißt das Tagebuch von Günter Grass aus dem Jahr 1990. Seine Aufzeichnungen sind ein sehr persönliches Protokoll einer dramatischen Zeit, in der nach dem Mauerfall die Zukunft unseres Landes neu zu gestalten war. Grass war viel unterwegs in der Noch-DDR und war präsent, wo über den Prozess der Wiedervereinigung gesprochen wurde. Sein Tagebuch gibt Einblick in den Alltag eines Zeitgenossen, der im Bewusstsein des historischen Moments leidenschaftlich lebt und streitet.

unterwegs-von-und-nach-deutschlandKurzbeschreibung
Ein sehr persönliches Dokument wird zur spannenden Zeitreise: Seit fast zwanzig Jahren bekommt Günter Grass von seinem Verleger Blindbände geschenkt, Bücher mit leeren Seiten, die er per Hand mit ersten Fassungen seiner Texte füllt. Und er nutzt sie als Tagebuch und damit als Nährboden für seine Ideen. Mit dem Jahr 1990 begann Grass sein bis heute anhaltendes intensives Notieren.
Nach dem Mauerfall war Deutschland im Umbruch, und Günter Grass wollte nah dran sein an der Stimmung unter den Menschen und den politischen Debatten. Er war viel unterwegs in der Noch-DDR, war präsent, wo über die Zukunft und den Prozeß der Wiedervereinigung gesprochen wurde, pflegte einen regen Austausch mit seinen Kindern und Freunden.
Das Tagebuch von Günter Grass gibt Einblicke in den Alltag eines Zeitgenossen, der im Bewußtsein des historischen Moments leidenschaftlich lebt und streitet. Es steckt voller Begegnungen, Beobachtungen und Gedanken; Ideen zu späteren Erzählwerken keimen hier auf und entfalten sich. Das Tagebuch ist ein erzählerisches Protokoll aus einer Zeit, da die Geschichte wieder mächtig in Bewegung geraten war.

Über den Autor

Günter Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren, absolvierte nach der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft eine Steinmetzlehre, studierte dann Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin. 1956 erschien der erste Gedichtband mit Zeichnungen, 1959 der erste Roman „Die Blechtrommel„. 1965 erhielt der Autor den Georg-Büchner-Preis. 1994 erhält er den Karel-Capek-Preis. 1999 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Grass lebt in der Nähe von Lübeck. Zuletzt erschienen seine autobiographischen Bücher „Beim Häuten der Zwiebel“ und „Die Box„.

Der Eintritt für die Veranstaltung in der Münchner LMU beträgt 10 Euro, für Studierende und Schüler 5 Euro. Karten sind nur über die Buchhandlung Lehmkuhl, Leopoldstr. 45, erhältlich.