Spiegel-Bestenliste Hardcover Woche 41

Platz 1 : Tintentod von Cornelia Funke
Platz 2 : Tannöd von Andrea Maria Schenkel
Platz 3 : Millionär Tommy Jaud
Platz 4 : Kalteis von Andrea Maria Schenkel
Platz 5 : Die Hexe von Portobello von Paulo Coelho
Platz 6 : Tausend strahlende Sonnen von Khaled Hosseini
Platz 7 : Am Ende war die Tat von Elizabeth George
Platz 8 : Vater unser von Jilliane Hoffman
Platz 9 : Die italienischen Schuhe von Hennig Mankell
Platz 10 : Das Spiel der Könige von Rebecca Gablé

„Saure Gurke“ für „nougatgefüllte Marzipanpralinen auf zwei Beinen“

Die „Saure Gurke“, der Preis für Frauenfeindlichkeit im Fernsehen, geht in diesem Jahr an die Kochsendung „Lafer! Lichter! Lecker!“ des ZDF. Zum Abschluss ihrer Herbsttagung in Frankfurt vergaben die Medienfrauen auch Preise an den BR und NDR.
Absolut preisverdächtig fand die Jury die Formulierungen „nougatgefüllte Marzipanpralinen auf zwei Beinen“ und „Törtchen an seiner Seite“, mit denen am 18. August die weiblichen Gäste der ZDF-Kochsendung bezeichnet wurden. Auch „Hühnerbrüstchen“ bekämen so eine neue Bedeutung, begründete die Jury ihre Entscheidung der Kochsendung die „Saure Gurke“ zuzuerkennen. Der jährlich verliehene Preis rückt Frauenfeindlichkeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ins Scheinwerferlicht.

Trostpreise für BR und NDR

„Brüstchen“ präsentierte auch der „Weltspiegel“ des Bayerischen Rundfunks (BR) am 25. Februar 2007 und erhielt dafür einen Trostpreis. „Filmautor Richard Schneider und sein Kameramann wissen, wie man verführerische Rundungen in einem politischen Magazin delikat in Szene setzt“, urteilt die Jury. Immerhin in die Endrunde der „Sauren Gurke“ hat es die NDR-Produktion „Im Greisenland“ vom 19. März 2007 geschafft.

Dem Autor Fabian Döhring sei es gelungen, die ungeheure Macht der deutschen Frauen um die vierzig zweifelsfrei zu beweisen, stellt die Jury ironisch fest. „Ihre Bildung und ihr Selbstvertrauen verhindern den Kindersegen und verursachen die demografische Katastrophe. Um den Film nicht unnötig in die Länge zu ziehen, wurde dankenswerter Weise auf die Frage nach dem männlichen Anteil an der Entwicklung verzichtet.“

Nachfolgerin für Struve gefordert

Bei dem Herbsttreffen der Medienfrauen wurden auch zwei Resolutionen verabschiedet. Darin fordern die rund 250 Mitarbeiterinnen von ARD, ZDF und dem österreichischen ORF, eine Nachfolgerin für Günter Struve, der im kommenden Jahr sein Amt als ARD-Programmdirektor aufgibt. Außerdem verlangen die Medienfrauen, dass „ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht aufs Abstellgleis geschoben und die Jüngeren nicht permanent gebremst werden“. Im Austausch von jung und alt liege die große Chance.

Quelle: hr-online.de

Der schönste erste Satz von Alexandre Dumas der Jüngere

Alexandre Dumas der JüngereEin Schriftsteller kann meiner Ansicht nach erst dann Gestalten frei erschaffen, wenn er die Menschen gründlich studiert hat.

Die Kameliendame von Alexandre Dumas der Jüngere

Alexandre Dumas der Jüngere, auch Dumas fils, geboren am 27. Juli 1824 in Paris, gestorben am 27. November 1895 in Marly-le-Roi, war ein französischer Romanschriftsteller und dramatischer Dichter. Er war der uneheliche Sohn von Alexandre Dumas dem Älteren und von Marie-Catherine Labay, einer Näherin.

Dumas betrat 17-jährig, nachdem er das Collège Bourbon verlassen hatte, die schriftstellerische Laufbahn mit dem Gedichtband Péchés de jeunesse, begleitete dann seinen Vater auf dessen Reise durch Spanien und Nordafrika und veröffentlichte nach seiner Rückkehr den sechsbändigen Roman Histoire de quatre femmes et d’un perroquet (1847), der die Neugierde des Publikums erregte.

Eine ganze Reihe anderer Romane, wie Le roman d’une femme (1848), Césarine (1848), La dame aux camélias (1848), Le docteur Servans (1849), Antonine (1849), Trois hommes forts (1850), Tristan le Roux (1850), Diane de Lys (1851), Sophie Printemps (1853), La boîte d’argent (1855), Vie à vingt ans (1856) u. a., folgte in wenigen Jahren nach.

Von all diesen Werken ist Die Kameliendame (La dame aux camélias) herausragend, weil diese wenig idealisierte Geschichte einer früh an der Schwindsucht gestorbenen Pariser Kurtisane sehr realitätsnah gestaltet war. Die Kameliendame war sein größter Erfolg. Diesen Roman arbeitete er später zu einem Bühnendrama um. Der ungewöhnliche Erfolg, den der Roman hatte, steigerte sich noch, als derselbe nach vielen Schwierigkeiten, die die Zensur erhob, 1852 dramatisiert über die Bretter des Vaudevilletheaters ging; von diesem Tag an datieren die Franzosen ihr modern-realistisches Drama. Die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt spielte ab 1880 die Kameliendame in dem Bühnenstück und feierte damit in Europa und den USA große Erfolge. Das Stück zeichnete sich durch überaus scharfe Beobachtung der gesellschaftlichen Zustände, sichere Behandlung der dramatischen Form und einen lebendigen, prickelnden Dialog aus; aber nach damaliger Auffassung war die Verherrlichung und Rehabilitierung des Lasters moralisch bedenklich. Im Jahr 1911 wurde Dumas Kameliendame mit Sarah Bernhardt in der Hauptrolle erstmals verfilmt. In einer weiteren Filmversion von Regisseur George Cukor spielte Greta Garbo 1937 die Hauptrolle. Giuseppe Verdi übernahm das Thema für seine Oper La Traviata.

Die KameliendameKurzbeschreibung
„Ich habe mit Ergriffenheit diesen schönen Roman zu Ende gelesen, der nur einen Fehler hat, nämlich daß er zu kurz ist.“ George Sand
Marguerite Gautier, vom Luxus verwöhnte Mätresse zahlungskräftiger Herren der Gesellschaft, lernt mit dem jungen Armand Duval die echte Liebe kennen. Um seinetwillen ist sie bereit, ihr unmoralisches Leben aufzugeben, um mit ihm ein einfaches Leben auf dem Lande zu beginnen. Wäre da nur nicht Armands Vater, der um die Familienehre fürchtet…
Mit seinem 1848 erschienenen Roman setzte Alexandre Dumas dem Typus der sündigen, aber edelmütigen Kurtisane ein literarisches Denkmal: Marguerite hat neben Zolas „Nana“, Clelands „Fanny Hill“ und Prevosts „Manon Lescaut“ ihren festen Platz im Kanon der großen Kokotten der Weltliteratur. Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“ sowie zahlreiche Verfilmungen verhalfen der Kameliendame schließlich zu ihrer außerordentlichen Popularität, die bis heute anhält.

Der schönste erste Satz von John Dos Passos

John dos PassosDrei Möwen kreisen über verbeulten Büchsen, Orangenschalen, fauligen Rübenstrunken, die zwischen den zersplitterten Plankenwänden auf und nieder schaukeln, die grünen Wellen schäumen unter dem runden Bug, wenn das Fährboot, schlitternd auf dem Flutstrom, schnalzend, schluckend die zerspellten Wasser schneidet, schleifend, schlappend langsam auf die Helling auffährt.

Manhattan Transfer von John Dos Passos

John Dos Passos, geboren am 14. Januar 1896 in Chicago, gestorben am 28. September 1970 in Baltimore, war ein amerikanischer Schriftsteller. Er gilt neben Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald als einer der Hauptvertreter der amerikanischen Moderne und wird mit diesen zur Lost Generation gezählt.

Dos Passos wurde als unehelicher Sohn eines wohlhabenden Rechtsanwalts portugiesischer Abstammung geboren und wuchs unter der Obhut seiner Mutter in Virginia auf. Noch als Schüler unternahm er mit einem Privatlehrer eine halbjährige Bildungsreise durch Frankreich, England, Italien, Griechenland und den Nahen Osten, um dort Meisterwerke der klassischen Kunst und Architektur im Original zu studieren.

1913 schrieb er sich an der Harvard-Universität ein und ging nach Studienabschluss 1916 nach Spanien, um sich dort ebenfalls Kunst und Architektur anzuschauen. Zu der Zeit wütete in Europa der Erste Weltkrieg, in den die USA damals noch nicht eingetreten waren. Dos Passos meldete sich im Juli 1917 auf französischer Seite zusammen mit seinen Freunden E. E. Cummings und Robert Hillyer als Krankenwagenfahrer.

Im Spätsommer 1918 hatte er den Entwurf seines ersten Romans fertiggestellt. Zu dieser Zeit wurde er zu den Sanitätstruppen der US-Armee einberufen, wofür er sich in Camp Crane, Pennsylvania melden musste. Zu Kriegsende war er in Paris stationiert, wo ihm ein Anthropologie-Studium an der Sorbonne genehmigt wurde. Eine der Figuren in dem Roman Neunzehnhundertneunzehn durchläuft praktisch dieselben Stationen und bleibt nach dem Krieg in Paris.

Der erste Roman One Man’s Initiation: 1917 wurde 1920 veröffentlicht. Ihm folgte 1921 der Anti-Kriegs-Roman Three Soldiers, der ihm erste Anerkennung eintrug. 1925 erschien Manhattan Transfer, das heute neben James Joyce†² Ulysses und Alfred Döblins Berlin, Alexanderplatz als einer der großen Großstadtromane der literarischen Moderne gilt. Hier wandte er zum ersten Mal in seinem Werk die Technik des Bewusstseinsstroms an. Der Roman war auch kommerziell ein Erfolg.

Dos Passos verstand sich zu dieser Zeit als Sozialrevolutionär und betrachtete die Vereinigten Staaten als in eine reiche und eine arme Nation geteilt. Voller Bewunderung schrieb er über die Wobblies. Nach der Verurteilung von Sacco und Vanzetti beteiligte er sich mit anderen Persönlichkeiten an einer vergeblichen Kampagne, um ihnen die Todesstrafe zu ersparen. 1928 verbrachte Dos Passos mehrere Monate in der Sowjetunion, um den Sozialismus zu studieren. Er kehrte während des Bürgerkriegs mit Hemingway nach Spanien zurück, doch seine Ansichten über den Kommunismus hatten bereits begonnen, sich zu verändern. Es kam zum Bruch mit Hemingway und Herbert Matthews wegen deren herablassender Haltung zum Krieg und ihrer Bereitschaft, sich für die stalinistische Propaganda einspannen zu lassen.

Manhattan TransferKurzbeschreibung
Der Roman zeigt uns das New York der frühen zwanziger Jahre, das „moderne Ninive“, als Durchgangsstation und Umsteigebahnhof der jungen, durch Heterogenität und grosse Dynamik gekennzeichneten amerikanischen Gesellschaft. Darauf spielt der Titel – Manhattan Transfer war der wichtigste Fernbahnhof der Stadt – symbolisch an. Dos Passos montiert dieses Gesamtbild aus mehr als hundert Einzelschicksalen, die wir teils nur flüchtig, teils ausführlicher und wiederkehrend verfolgen. Eine durchgehende Handlung wird nicht entworfen, es gibt aber einige zentrale Figuren, besonders das Mädchen Elaine, dessen Geburt wird zu Beginn des Romans miterleben und die dann zur Schauspielerin und Journalistin heranwächst. Unter den zahlreichen Männern, die ihre Karriere begleiten, ist ihr zweiter Ehemann, der Journalist Jim Herf von besonderem Interesse, der aus Abscheu vor der umfassenden Herrschaft von Geld und „Business“ am Ende des Romans die Stadt verlässt und in der Weite des Landes einer ungewissen Zukunft entgegenfährt. Soziologisch gesehen lässt Dos Passos Repräsentanten der wichtigsten Schichten und Gruppen auftreten: Unternehmer, Politiker und Spekulanten; Intellektuelle und Künstler; legale und illegale Einwanderer; Land- und Industriearbeiter; Dienstpersonal; Landstreicher, Bettler und Kriminelle. Die Gesamtdynamik der Erzählung resultiert aus dem zufälligen Zusammentreffen dieser so unterschiedlichen Figuren, besonders aber aus den vielfach sich überkreuzenden Linien des – meist unerwarteten – sozialen Aufstiegs oder des Niedergangs und Scheiterns.

Schriftsteller Walter Kempowski gestorben

KempowskiDer Schriftsteller Walter Kempowski ist tot. Er erlag in der vergangenen Nacht im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus im niedersächsischen Rotenburg seinem Darmkrebsleiden. Das teilte der Knaus Verlag in München mit. Bis zuletzt habe Kempowski an einem neuen Buch geschrieben. Auch zu seinen beliebten Literaturnachmittagen in seinem Haus in dem niedersächsischen Dorf Nartum bei Bremen hatte er noch bis zuletzt eingeladen.

Kempowski wurde am 29. April 1929 in Rostock als Sohn eines Reeders geboren. Er gehört seit Jahrzehnten zu den meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren. Zu seinen bekannten Werken zählen unter anderen „Tadellöser & Wolff“, „Uns geht’s ja noch gold. Roman einer Familie“ und „Deutsche Chronik“. Für sein Mammutwerk „Echolot“ erhielt er auch aus dem Ausland große Anerkennung. Sein letztes Buch „Alles umsonst“ erschien 2006.