Drachenläufer – Filmstart aus Sicherheitsgründen verschoben

DrachenläuferWie die New York Times gestern berichtete, wird der Filmstart des Beststellers „Drachenläufer (The Kite Runners) von Khaled Hosseini aus Sicherheitsgründen verschoben, da auf drei jugendliche Schauspieler aus dem Film ein Attentat verübt werden könnte.

Sechs Wochen später, also für den 14. Dezember ist nun die Premiere geplant. Bis dahin werden die 12-jährigen Jungen ihr Heimatland Afghanistan verlassen haben.

Wie das Filmstudio berichtete, erfolgt diese außergewöhnliche Vorsichtsmaßnahme, weil sich die Sicherheit in Afghanistan seit Drehbeginn verschlechtert hat. In dem Film wird unter anderen eine Szene gezeigt, in der ein Junge des Stammes der Hazara von drei Jugendlichen des rivalisierenden Stammes der Paschtunen vergewaltigt wird.

„Obwohl sich die Meinungen betreffs des Potenzials des Films, ethnische Gewalt anzuregen, sehr unterscheiden, fühlen wir uns verpflichtet, für die Sicherheit der Kinder zu garantieren,“ berichtete Megan Colligan, die Marketingleiterin von Paramount Vantage. Das Studio stellte einen ehemaligen CIA Offizier an, um die Gefahren zu bewerten, die den jugendlichen Darstellern drohen.

„Wir haben uns geeinigt sie aus dem Land zu holen,“ sagte John Kiriakou, der Ex-CIA Anti-Terror-Spezialist, der ungefähr zwei Dutzend afghanische Politiker und andere im Auftrag des Studios interviewte.
Alle drei Jungdarsteller, Ahmad Khan Mahmoodzada, Zekiria Ebrahimi und Ali Danish Bakhty, waren Schüler ohne vorherige schauspielerische Erfahrung, sie wurden vom Besetzungsleiter des Films in Kabul entdeckt.

Die Jungen, jeder begleitet von einem Familienmitglied, werden wahrscheinlich die afghanische Hauptstadt Kabul Ende Oktober, mehr als einen Monat vor Schuljahresende, verlassen und mit einem Privatlehrer in die Vereinigten Staaten reisen. Colligan sagte, Vorbereitungen seien für die Jungen getroffen worden in die Vereinigten Arabischen Emiraten zu gehen, wo sie wahrscheinlich mindestens bis März bleiben werden. Bis dahin wird der Film in den Kinos der Welt veröffentlicht worden sein.

Falls die Drohungen gegen die Jungen weiterhin andauern, wird ihnen erlaubt auf unbestimmte zu bleiben.

Der 2003 erschienene Roman „Drachenläufer“ beschreibt die afghanische Gesellschaft über mehr als drei Jahrzehnte, beginnend mit der Zeit vor der sowjetischen Invasion bis zur Machtergreifung der Taliban. Es geht um die Freundschaft zwischen Amir, dem Sohn eines wohlhabenden Paschtunen, und Hassan, dem Hazara Sohn des Dieners des Vaters. In einer umstrittenen Szene wird Hassan in einem Hof in die Enge getrieben und von drei jugendlichen Paschtunen vergewaltigt. Ein dritter Charakter, Sohrab, wird später gezwungen einen erotischen Tanz vor korrupten Taliban aufzuführen.

Ahmad Jaan Mahmoodzada, Vater von Ahmad Khan Mahmoodzada, der den Hassan spielt, hat in Interviews gesagt, dass er über die Vergewaltigungsszene vorab nicht informiert wurde. Die Filmgesellschaft bestreitet dies, ihm sie die Szene lange im voraus bekannt gewesen und er hätte zugestimmt.

Die Vergewaltigungsszene betrachtet Kiriakou als Zündstoff, obwohl niemand in Afghanistan bislang den Film gesehen hat

KhaledDer Autor Khalded Hosseini sagt in einem Interview zu seinem Buch: “ Ich möchte, dass die Leser sich auf die Figuren einlassen und an ihren Schicksalen Anteil nehmen. Wenn dieses Buch einen Dialog über Afghanistan auslöst und erfolgreich im öffentlichen Bewusstsein hält, dann, denke ich, hat es eine Menge erreicht.“

So hat er sich das sicherlich nicht vorgestellt!

Julia Franck und die Mittagsfrau – Aus dem Fluch wird ein Erfolg

„Die Mittagsfrau“ ist eine Lausitzer Legende. Sie erzählt, dass zur Mittagsstunde eine weiß gekleidete Frau mit einer Sichel über den Köpfen derjenigen erscheint, die mittags arbeiten. Die Mittagsfrau verhängt einen Fluch über sie. Die Menschen können diesen Fluch nur aufheben, indem sie ihr eine ganze Stunde von der Verarbeitung des Flachs erzählen, so berichtet Julia Franck in einem Interview mit der Zeit am 27.09.07

Franck schreibt das Jahr 1945. Eine Mutter bricht mit ihrem kleinen Sohn von Stettin aus nach Westen auf, lässt das Kind dann aber an einem Bahnhof sitzen, verschwindet vorsätzlich und endgültig, legte dem Sohn die Adresse von Verwandten ins Gepäck. Helene gibt Peter auf, eine unerklärbare Entscheidung.

Julia Franck Es gab diese Begebenheit in meiner Familie †“ und ich sage ausdrücklich Begebenheit †“ da die Geschichte fehlt. Mein Vater wurde 1937 in Stettin geboren. Er ist 1945 im Zuge der Vertreibung mit seiner Mutter gen Westen aufgebrochen. Auf dem ersten Bahnsteig westlich der Oder-Neiße-Grenze hat sie ihn aufgefordert zu warten und gesagt, dass sie gleich wieder kommen würde. Das tat sie nie. Meinen Vater hat das sehr geprägt. Er war ein sehr feinsinniger und intelligenter Mensch. Mit 49 Jahren ist er an einem Hirntumor gestorben. In der Zeit hatte ich ihn gerade erst etwas kennengelernt. Ich besuchte ihn oft im Krankenhaus, wir besprachen vieles, redeten aber nie über seine Mutter. Als ich jetzt vor fast sieben Jahren mein erstes Kind bekam, wurde es zu einer brennenden Frage, was eine Frau dazu gebracht haben kann, ihr Kind auszusetzen und überzeugt zu sein, dass es ihm überall anders besser gehen würde als bei ihr selbst.

Julia Franck, geboren 1970 in Ostberlin, verlebte eine ungewöhnliche Kindheit und verließ mit 13 Jahren ihr Zuhause.

Meine Mutter war Schauspielerin in Ost-Berlin, meinen Vater kannte ich kaum. Meine Schwestern und ich waren oft abends und tagsüber allein und somit auf uns selbst angewiesen. Es gab aber auch Kindermädchen †“ zum Beispiel Nina Hagen †“ und das Wochenheim, in dem wir zeitweise untergebracht waren. Es war in der DDR nicht unüblich, dass Künstler mit unregelmäßigen Arbeitszeiten ihre Kinder nur am Wochenende abholten. 1978 siedelte ich als Achtjährige mit meiner Mutter und drei Schwestern in den Westen über. Zuvor verbrachten wir einige Monate in einem Notaufnahmelager. Wir wohnten zu fünft in einem zwölf Quadratmeter großen Zimmer. Einmal in der Woche kam ein Bus aus der Stadtbücherei und brachte Bücher in das Lager. Unsere Mutter schenkte uns leere Hefte und wir fingen an, darin zu schreiben. Ich führte Tagebuch und dachte mir Geschichten aus. Schreiben wurde zu einer Art Überlebensmittel. Mit 13 Jahren bin ich von zu Hause weggegangen und habe in Berlin bei Freunden gelebt. Meine Mutter war tolerant genug, mich gehen zu lassen.

Ihr Debütroman, Der neue Koch, erschien1997, daraufhin folgten die Romane: Liebediener, Bauchlandung. Geschichten zum Anfassen, Lagerfeuer, Mir nichts, dir nichts, Erzählungen

Am 08.10. wird auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben, wer den Deutschen Buchpreis gewinnt und „Die Mittagsfrau“ gehört zu den Finalisten.

Am 16.10. um 20 Uhr ist Julia Franck zu Gast im Münchner Literaturhaus und liest aus ihrem neuen Roman.

Für Buchtrinker und Seitenfresser mit dem Faible für Museen

Lange Nacht der MuseenDie Lange Nacht der Münchner Museen
Samstag, 20. Oktober 2007
von 19.00 bis 2.00 Uhr

Kunstliebhaber, Nachtschwärmer und Erlebnisdurstige dürfen sich auch in diesem Jahr wieder auf einen ganz besonderen Abend freuen: Die Lange Nacht der Münchner Museen. Denn nur hier kann der Besucher eine einzigartige Museumswelt erleben. Von 19 bis 2 Uhr öffnen 92 Museen, Sammlungen, Galerien und Kirchen ihre Pforten und bieten neben den laufenden Ausstellungen eine Fülle von Sonderprogrammen und Attraktionen. Zu erleben gibt es Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Architektur, Design, Technik, Wissenschaft, Videokunst, uvm.

In den prunkvollen Räumen der Residenz kann sich der Besucher z.B. an verschiedenen Kunstauskunfts-Stationen weiterbilden, nebenan beschäftigt sich das Deutsche Theatermuseum mit Michael Endes magischen Welten und bietet Szenen aus dem Trödelmarkt der Träume dar. Theater ist auch ein Thema im Museum Villa Stuck, wo u.a. die Ausstellung „Kabarett Fledermaus 1907-1913. Ein Gesamtkunstwerk der Wiener Werkstätte†œ zu sehen ist. Im Münchner Künstlerhaus ist nicht nur das fastfood Improvisationstheater zu Gast – im Innenhof begleitet eine Lichtinstallation von Toni Stegmayer die Nacht, abgerundet wird das Programm mit stündlichen Einführungen in die Kunst der Lithografie.

Geschichte und Kunst Schritt für Schritt an der frischen Luft, das bieten zahlreiche Stadtrundgänge.

Naturwissenschaft und Technik haben in der Museumsnacht eine lange Tradition: Ob Geologie, Paläontologie, Telekommunikation, Jagd und Fischerei, Geodäsie oder auch Mensch und Natur – sie sind mit eigenen Museen vertreten und bieten den Lange-Nacht-Besuchern lehrreiche Einblicke in ihre Disziplinen. Geöffnet hat auch der Botanische Garten, von wo aus ein Bus-Transfer an Oldtimern Interessierte zum Museum der MTU Aero Engines bringt.
Das Gotteshaus als Erlebnisstätte für Kunst und Musik gibt es gleich im Viererpack: Aufwändige Installationen, freskale Terragrafien, Film, Tanz und Musik präsentieren im Rahmen der artionale die Kirchen St. Paul, St. Lukas, St. Matthäus und die Erlöserkirche. Neu mit dabei sind das Jüdische Museum, die ehemalige Karmeliterkirche, das Üblacker-Häusl sowie St. Matthäus und die Erlöserkirche.

Der Eintrittspreis kostet 15,00 Euro, ermäßigte Karten gibt es beispielsweise bei München Ticket für 13,60 Euro

Der schönste erste Satz von John Galsworthy

John GalsworthyAn einem Nachmittag, anfang Juni, ging er die Holywell-Straße entlang; auf seinem dichten, dunklen Haar trug er keine Mütze, und sein kurzes, talarartiges Gewand hing lose über die Arme herab.

Die dunkle Blume von John Galsworthy

John Galsworthy, geboren am 14. August 1867 in Kingston Hill, Surrey, England, gestorben im Januar 1933 in London, war ein englischer Schriftsteller und Dramatiker. Seine Romanreihe The Forsyte Saga gilt als ein Klassiker der modernen englischen Literatur.

Als Sohn wohlhabender Eltern besuchte Galsworthy eine bekannte Privatschule in Harrow. Er studierte am New College der Universität Oxford mit dem Ziel, Rechtsanwalt zu werden. Nachdem er Freundschaft mit Joseph Conrad geschlossen hatte, entschloss er sich, Schriftsteller zu werden.

Sein erstes Schauspiel The Silver Box wurde 1906 mit Erfolg aufgeführt. Im gleichen Jahr schrieb er den Roman The Man of Property, den ersten Teil der erfolgreichen Reihe The Forsyte Saga. 1921 wurde er der erste Präsident der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N..

1932 erhielt Galsworthy für die The Forsyte Saga den Nobelpreis für Literatur.
Galsworthys bekannteste Werke sind bis heute die Romanreihe The Forsyte Saga sowie deren Fortsetzungen A Modern Comedy und End Of The Chapter.

Viele seiner Werke enthalten Kritik an der sozialen Lage, vor allem am britischen Klassensystem. In zahlreichen Romanen und Dramen kritisierte er – oftmals durch ironische Schilderung des Großbürgertums und des Adels – den Materialismus der Oberklasse. Ein anderes wiederkehrendes Motiv ist die Darstellung von unglücklich verheirateten Frauen.

Galsworthys Romane zeichnen sich durch lebendige Charaktere, Stilreinheit, geschickte Dialogführung und (durch ihre einfache, aber effektive Konstruktion) gute Lesbarkeit aus.

Die dunkle Blume: Die Geschichte des Mark Lennan und seiner Liebeserfahrungen im Frühling, Herbst und Sommer seines Lebens, eines der (zu Unrecht) nicht so bekannten Werke von John Galsworthy.

Kurios übrigens: Das Buch steht komplett (bis auf das Ende des letzten Satzes) im Internet, und zwar auf einer Seite, die sich folgendes hehere Ziel gesetzt hat:

Mehr Bücher von den unterschiedlichen Sprachen in seltene Sprachen übersetzen und sie zur Verfügung stellend in solchen Sprachen, daß sie nie dargestellt worden sind, bevor wir versuchen, Kultur des Ablesens in den Massen zu verbreiten. Unsere Mannschaft arbeitet auf diesem großen Projekt und hofft, daß seine Arbeit in hohem Grade von allen Besuchern und von Lesern dieses Aufstellungsortes geschätzt wird.

Die deutsche †œÜbersetzung† von †œThe Dark Flower† gibt es hier, in insgesamt 249 Kapiteln (!!!). Ein Babelfish-Lesespaß der besonderen Art… 😉

Lauschangriff auf der Wiesn – Damentoilette

Damentoilette– Das ist eine Sauerei!
– Tut mir leid, wir nix können putzen hinter jeder Frau…
– Das ist eine Sauerei. Gehen Sie mal zu Karstadt, da sehen Sie, was saubere Toiletten sind!
– Tut mir leid, aber Leute warten, werden ungeduldig. … Können nix putzen immer hinter jede Frau.
– Aber bei Karstadt…
– Dann gehen Sie doch zu Karstadt und nicht auf die Wiesn, wenn Sie ein sauberes Klo wollen!*
– Mit Ihnen rede ich doch gar nicht.

*dritte Person

Entnommen dem Buch „Lauschangriff – Münchner Wortwechsel“ Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Erdl, Alois; Auflage: 3. (13. Oktober 2006) 9,85 Euro