Auserwählte Literatur: Longlist zum Deutschen Buchpreis 2012

Sieben Jurymitglieder haben in den letzten fünf Monaten 162 Neuerscheinungen, die zwischen Oktober 2011 und dem 12. September 2012 erschienen sind oder noch erscheinen, gesichtet und 20 Titel von 6 Autorinnen und 14 Autoren für die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2012 nominiert.

Am 12. September folgt die Bekanntgabe der Shortlist mit sechs Titeln – der Siegertitel wird zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 10. Oktober bekannt gegeben.

Die nominierten Romane

  • Ernst Augustin: Robinsons blaues Haus (C. H. Beck, Januar 2012)
  • Bernd Cailloux: Gutgeschriebene Verluste (Suhrkamp, Februar 2012)
  • Jenny Erpenbeck: Aller Tage Abend (Knaus, September 2012)
  • Milena Michiko FlaŠ¡ar: Ich nannte ihn Krawatte (Wagenbach, Januar 2012)
  • Rainald Goetz: Johann Holtrop (Suhrkamp, September 2012)
  • Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt (Hanser, Februar 2012)
  • Wolfgang Herrndorf: Sand (Rowohlt.Berlin, November 2011)
  • Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen (Frankfurter Verlagsanstalt, September 2012)
  • Germán Kratochwil: Scherbengericht (Picus, Februar 2012)
  • Ursula Krechel: Landgericht (Jung und Jung, August 2012)
  • Dea Loher: Bugatti taucht auf (Wallstein, März 2012)
  • Angelika Meier: Heimlich, heimlich mich vergiss (Diaphanes, März 2012)
  • Sten Nadolny: Weitlings Sommerfrische (Piper, Mai 2012)
  • Christoph Peters: Wir in Kahlenbeck (Luchterhand, August 2012)
  • Michael Roes: Die Laute (Matthes & Seitz Berlin, September 2012)
  • Patrick Roth: Sunrise (Wallstein, März 2012)
  • Frank Schulz: Onno Viets und der Irre vom Kiez (Galiani Berlin, Februar 2012)
  • Clemens J. Setz: Indigo (Suhrkamp, September 2012)
  • Stephan Thome: Fliehkräfte (Suhrkamp, September 2012)
  • Ulf Erdmann Ziegler: Nichts Weißes (Suhrkamp, August 2012)

„Am verblüffendsten an unserer Longlist ist wohl ihre Welthaltigkeit, kaum eine Dimension, die nicht vorkommt: die große Liebe und der avancierteste Kapitalismus, die Erfahrung des Heiligen so gut wie Schocks der Kälte und Einsamkeit. Unsere zwanzig besten Romane greifen aus: in den Jemen, nach Nordafrika, nach Polen und nach Argentinien, ins gänzlich Imaginierte sowieso. Und überraschend viele versuchen sich an geschichtlichen Bestandsaufnahmen der Bundesrepublik in den 50er, 60er und 70er Jahren. Der Jury fiel es nicht leicht, aus der großen Zahl starker Bücher ihre Auswahl zu treffen“, sagt Jurysprecher Andreas Isenschmid (Neue Zürcher Zeitung am Sonntag). Und: „Die Jury diskutierte lang, kontrovers †“ und durchwegs freundschaftlich. Sie einigte sich auf eine Liste, auf der Alte Meister neben noch wenig bekannten, jüngeren Autoren stehen.†œ

Quelle: Deutscher Buchpreis

7 Fragen an Else Buschheuer

Else Buschheuer

Die Schriftstellerin, Journalistin und Fernsehmoderatorin Else Buschheuer wurde am 12. Dezember 1965 in Eilenburg bei Leipzig (Sachsen) geboren. Nach dem Abitur studierte sie von 1984 bis 1989 Bibliothekswissenschaften in (Ost-)-Berlin.

Seit 1991 arbeitet Else Buschheuer als Journalistin (u.a. für Spiegel TV, RTL, SAT.1, Spiegel, Süddeutsche Zeitung, der Standard) und ab 1995 parallel als TV-Moderation (MDR, SFB, n-tv, ProSieben, N24, ARD).

Im Jahr 2001 absolvierte sie ein Praktikum bei der deutsch-jüdischen Wochenzeitung Aufbau in New York, wo sie bis 2005 lebte. Danach zog sie nach Leipzig und moderierte die Talkshow Riverboat beim MDR.

Der erste Roman der Autorin erschien 2000 unter dem Titel Ruf!Mich!An!. Es folgten die Romane Masserberg (2001 †“ 2010 fürs Fernsehen verfilmt), Venus (2005) und Der Koffer (2006). Von 2000-2009 führte Else Buschheuer ein Online-Tagebuch unter www.else-buschheuer.de, welches jährlich auch als Buch publiziert wurde (aktuell Keine Gewalt, Salier-Verlag).

Derzeitig moderiert sie das Magazin Kino Royal im MDR/RBB, schreibt Fernsehkritiken für die Süddeutsche Zeitung und sitzt das zweite Jahr in der Jury für den deutschen Fernsehpreis.

Im Februar 2012 erschien ihr erstes Sachbuch Verrückt bleiben! – Ein Leitfaden für freie Radikale.

Wer mehr über Else Buschheuer erfahren möchte, findet sie hier auf Twitter oder auch auf ihrer Seite bei Facebook.

7 Fragen an Else Buschheuer

1. Mit wem würden Sie gerne für einen Tag den Platz tauschen?

mit einem zum tode verurteilten in amerika (es wäre mir allerdings recht, wenn es nicht der tag der hinrichtung selber wäre)

2. Welche Projekte warten auf ihre Vollendung?

ich werde in den nächsten tagen – nach sechs jahren harter arbeit – meinen fünften roman beenden. er wird im frühjahr beim aufbau-verlag erscheinen.

3. Was bringt Sie so richtig auf die Palme?

unpünktlichkeit, heuchelei, fundamentalismus

4. Worauf sind Sie besonders stolz?

jede woche, wenn ich meine drei alkoholfreien tage geschafft habe, bin ich stolz.

5. Mit welcher historischen Figur/Person hätten Sie sich gerne zum Essen verabredet?

mit sylvia plath

6. Über welche verpasste Gelegenheit ärgern Sie sich noch heute?

der schauspieler jeff goldblum sagte mal auf der berlinale zu mir: I’m gonna visit you in the plattenbau in leipzig. leider kam ich nicht mehr dazu, ihm meine adresse zu geben

7. Womit haben Sie ihr erstes Geld verdient?

in den 80ern in der ddr, mit kartenabreißen im deutschen theater in berlin und mit dem verkauf von selbst genähten kindersachen auf dem wochenmarkt berlin-pankow

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Der Lesekreis bedankt sich ganz herzlich bei Else Buschheuer für die Teilnahme an unserem Online-Interview.

Shades of Grey 02 †“ Gefährliche Liebe [Leseprobe]

Es geht weiter mit Ana und Christian. Am 3. September 2012 erscheint der zweite Band der erfolgreichen Shades of Grey-Trilogie von E. L. James. Mit einer Startauflage von 1 Million Exemplaren kommt die deutschsprachige Übersetzung im Goldmann Verlag unter dem Titel „Gefährliche Liebe“ in den Buchhandel. Der erste Band „Shades of Grey. Geheimes Verlangen“ wurde nach Angaben des Verlags bereits 1,2 Millionen Mal verkauft. Mit freundlicher Genehmigung des Goldmann Verlags folgt anschließend ein Ausschnitt der Leseprobe:

Leseprobe © Goldmann Verlag, München

Prolog
Er ist zurück. Mommy schläft oder ist wieder krank.
Ich verstecke mich unter dem Küchentisch, linse zwischen meinen Fingern hindurch zu Mommy hinüber.
Sie liegt auf der Couch, eine Hand ruht auf dem klebrigen grünen Teppich.
Er steht in den großen stiefeln mit der glänzenden Schnalle vor ihr und brüllt sie an.
Dann schlägt er Mommy mit dem Gürtel. Steh auf! Steh auf!
VerficktesMiststück. VerficktesMiststück. VerficktesMiststück.
VerficktesMiststück. VerficktesMiststück. VerficktesMiststück.
Mommy schluchzt. Hör auf. Bitte hör auf. Mommy schreit nicht. Sie macht sich ganz klein.
Ich stecke die Finger in die Ohren und schließe die Augen.
Jetzt höre ich nichts mehr. Er dreht sich um.
Ich sehe seine Stiefel, als er in die Küche stapft.
Er hat den Gürtel in der Hand, sucht nach mir.
Er bückt sich und grinst. Er stinkt nach Zigaretten und Schnaps.
Da bist du ja, du kleiner Scheißer.
Ein markerschütternder Schrei weckt ihn. Himmel! Er ist schweißüberströmt, sein Herz rast.
Was zum Teufel? Er setzt sich mit einem Ruck im Bett auf und stützt den Kopf in die Hände.
Scheiße. Sie sind wieder da. Der Schrei, das war ich. Er holt tief Luft, versucht, den Geruch von billigem Bourbon und abgestandenem Zigarettenrauch aus seiner Erinnerung zu verbannen.

9

Eins
Ich habe meinen ersten Tag im neuen Job, Tag drei nach der Trennung von Christian, überstanden. Die Arbeit hat mich abgelenkt. Die Zeit ist wie im Flug vergangen, mit neuen Gesichtern und Aufgaben und Jack Hyde.
Jack Hyde … Er lehnt sich mit funkelnd blauen Augen an meinen Schreibtisch.
„Prima Arbeit, Ana. Ich glaube, wir werden ein tolles Team.“
Irgendwie gelingt es mir, die Lippen zu einer Art Lächeln zu verziehen.
„Wenn es Ihnen recht ist, mache ich jetzt Schluss“, sage ich.
„Natürlich. Es ist halb sechs. Bis morgen.“
„Auf Wiedersehen, Jack.“
„Auf Wiedersehen, Ana.“
Ich schnappe mir meine Handtasche und schlüpfe in die Jacke. Draußen in der frühabendlichen Luft von Seattle atme ich tief durch. Trotzdem spüre ich die Leere in meiner Brust, die mich seit Samstagmorgen schmerzlich an meinen Verlust erinnert. Ich gehe mit gesenktem Kopf zur Bushaltestelle und trauere um meine geliebte Wanda, meinen alten Käfer …und auch ein wenig um den Audi.
Schluss jetzt, ermahne ich mich. Ich kann mir einen Wagen leisten †“ einen hübschen neuen. Der Erlös für meinen alten ist sicher mehr als reichlich ausgefallen. Der Gedanke hinterlässt einen bitteren Geschmack in meinem Mund. Ich schiebe ihn beiseite, weil ich nicht wieder zu weinen anfangen will †“ nicht auf der Straße.
Die Wohnung ist leer. Kate fehlt mir.

10

Ich stelle sie mir mit einem kühlen Cocktail am Strand auf Barbados vor, schalte den Flachbildfernseher ein, damit ich das Gefühl habe, nicht allein zu sein, höre und sehe jedoch nicht hin. Stattdessen starre ich blind die Ziegelwand an, fühle mich wie betäubt, spüre nur den Schmerz. Wie lange soll das noch so weitergehen?
Als die Türglocke erklingt, setzt mein Herz einen Schlag lang aus. Wer kann das sein? Ich drücke auf den Knopf der Gegensprechanlage.
„Päckchen für Miss Steele“, meldet sich eine gelangweilte Stimme, und Enttäuschung steigt in mir auf. Lustlos gehe ich nach unten. Vor der Tür steht ein ziemlich laut Kaugummi kauender junger Mann mit einem großen Karton. Ich bestätige den Empfang und bringe das Ding nach oben. Der Karton ist erstaunlich leicht. Darin befinden sich zwei Dutzend langstielige weiße Rosen und eine Karte.

Gratuliere zum ersten Arbeitstag.
Ich hoffe, alles ist gut gelaufen.
Danke für den Segelflieger. Das war sehr aufmerksam.
Er hat einen Ehrenplatz auf meinem Schreibtisch.
Christian

Als ich die getippte Karte anstarre, dehnt sich die Leere in meiner Brust noch weiter aus. Bestimmt hat seine Assistentin Blumen und Karte geschickt; Christian hatte sicher nicht viel damit zu tun. Ich sehe mir die Rosen genauer an †“ sie sind wunderschön, und ich bringe es nicht übers Herz, sie einfach in den Müll zu werfen. Pflichtschuldig gehe ich in die Küche, um eine Vase zu holen.
Ein Muster bildet sich heraus: aufwachen, arbeiten, weinen, schlafen. Oder besser gesagt, der Versuch zu schlafen. Nicht einmal in meinen Träumen bin ich vor ihm sicher. Silbergraue Augen, dieser verlorene Blick, die glänzenden Haare †“ das alles verfolgt mich. Und die Musik … so viel Musik.

11

Im Moment ertrage ich überhaupt keine Musik und gehe ihr aus dem Weg, so gut ich kann. Sogar von Werbe-Jingles bekomme ich eine Gänsehaut. Ich habe mit niemandem gesprochen, nicht einmal mit meiner Mutter oder mit Ray. Im Augenblick fehlt mir der Nerv dafür. Ich bin wie eine Insel oder wie ein vom Krieg verwüstetes, unfruchtbares Land mit dunklem Horizont. In der Arbeit schaffe ich es irgendwie, mit den Kollegen zu reden, aber das war†™s dann auch schon. Bei einem Telefonat mit Mom würde ich ganz zusammenbrechen †“ und dazu habe ich keine Kraft mehr.
Das Essen fällt mir schwer. Mittwochnachmittag habe ich einen Becher Joghurt hinuntergewürgt, meine erste Mahlzeit seit Freitag. Ich ernähre mich von Latte Macchiato und Cola light. Das Koffein hält mich am Laufen, macht mich aber unruhig.
Jack hängt bei mir herum und nervt mich mit persönlichen Fragen. Was will er? Ich antworte ihm höflich, halte ihn mir jedoch vom Leib. Als ich, froh über die Ablenkung, einen Stapel Briefe an ihn durcharbeite, höre ich eine Mail hereinkommen. Ich sehe hastig nach, von wem sie ist.
Oje. Von Christian. Nein, nicht hier… nicht im Büro.

Von: Christian Grey
Betreff: Morgen
Datum: 8. Juni 2011, 14:05 Uhr
An: Anastasia Steele

Liebe Anastasia, verzeih die Störung bei der Arbeit.
Ich hoffe, alles läuft gut.
Hast du meine Blumen bekommen?
Gerade merke ich, dass morgen die Ausstellungseröffnung von deinem Freund ist. Bestimmt hast du noch keine Zeit gefunden, einen neuen Wagen zu kaufen, und es ist eine lange Fahrt. Ich würde mich sehr freuen, dich hinzubringen †“ falls du das möchtest.
Sag Bescheid.

Christian Grey
CEO, Grey Enterprises Holdings, Inc.

12

Meine Augen werden feucht. Ich springe von meinem Schreibtischstuhl auf und flüchte in die Toilette. Josés Vernissage! Die hatte ich völlig vergessen. Christian hat Recht. Wie soll ich da hinkommen?
Ich presse die Hand gegen die Stirn. Warum hat José nicht angerufen? Oder besser gesagt †“ warum hat überhaupt niemand angerufen? In meinem geistesabwesenden Zustand habe ich gar nicht gemerkt, dass mein Handy stumm geblieben ist. Gott, bin ich dämlich! Meine Gespräche werden wahrscheinlich nach wie vor auf den BlackBerry umgeleitet. Was bedeutet, dass Christian meine Anrufe bekommt. Es sei denn, er hat den BlackBerry weggeworfen. Aber woher hat er meine E-Mailadresse im Büro?
Er kennt meine Schuhgröße, eine E-Mail-Adresse dürfte nun wirklich kein Problem für ihn sein.
Kann ich es ertragen, ihn wiederzusehen? Will ich das überhaupt? Ich schließe die Augen und lege den Kopf in den Nacken. Natürlich will ich ihn wiedersehen.
Vielleicht sollte ich ihm sagen, dass ich es mir anders überlegt habe … Nein, nein, nein. Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der darauf steht, mir Schmerz zuzufügen, mit jemandem, der nicht fähig ist, mich zu lieben. Quälende Erinnerungen steigen hoch †“ das Segelfliegen, das Händchenhalten, die Küsse, die Badewanne, seine Zärtlichkeit, sein Humor und sein dunkler, sexy Blick. Fünf Tage ohne ihn, fünf Tage der Qual, die sich anfühlen wie eine Ewigkeit.
Ich schlinge die Arme um den Körper. Er fehlt mir. Er fehlt mir wirklich… Und ich liebe ihn. So einfach ist das.

13

Ich wünschte, ich hätte nicht Schluss gemacht, wünschte, er könnte anders sein, wünschte, dass wir zusammen wären. Wie lange wird dieses grässliche Gefühl anhalten? Es ist die reinste Hölle. Anastasia Steele, du bist in der Arbeit! Ich muss mich zusammenreißen. Außerdem will ich zu Josés Ausstellungseröffnung, und die Masochistin in mir möchte Christian wiedersehen. Ich hole tief Luft und kehre an meinen Schreibtisch zurück.

Von: Anastasia Steele
Betreff: Morgen
Datum: 8. Juni 2011, 14:25 Uhr
An: Christian Grey

Hi Christian,
danke für die Blumen; sie sind wunderschön.
Ja, ich würde mich freuen, wenn du mich hinbringen könntest.
Danke.

Anastasia Steele
Assistentin des Cheflektors, SIP

Meine Telefonate werden tatsächlich auf meinen Black Berry umgeleitet. Da Jack in einer Besprechung ist, kann ich es wagen, kurz José anzurufen.
„Hi, José. Ich bin†™s, Ana.“
„Hallo Fremde.“
Er klingt so freundlich und erfreut, dass ich fast in Tränen ausbreche.
„Ich kann nicht lange reden. Wann beginnt deine Vernissage morgen?“
„Du kommst also?“, fragt er aufgeregt.
„Ja, natürlich.“ Als ich mir sein breites Grinsen vorstelle, gelingt mir zum ersten Mal seit fünf Tagen ein echtes Lächeln.
„Um halb acht.“
„Gut, dann also bis morgen. Bye, José.“
„Bye, Ana.“

14

Von: Christian Grey
Betreff: Morgen
Datum: 8. Juni 2011, 14:27 Uhr
An: Anastasia Steele

Liebe Anastasia,
um wie viel Uhr soll ich dich abholen?

Christian Grey
CEO, Grey Enterprises Holdings, Inc.

Von: Anastasia Steele
Betreff: Morgen
Datum: 8. Juni 2011, 14:32 Uhr
An: Christian Grey

Josés Vernissage beginnt um halb acht. Welche Zeit würdest du vorschlagen?

Anastasia Steele
Assistentin des Cheflektors, SIP

Von: Christian Grey
Betreff: Morgen
Datum: 8. Juni 2011, 14:34 Uhr
An: Anastasia Steele

Liebe Anastasia,
Portland ist ein ganzes Stück weit weg. Ich hole dich um 17:45 Uhr ab.
Ich freue mich darauf, dich wiederzusehen.

Christian Grey
CEO, Grey Enterprises Holdings, Inc.

15

Von: Anastasia Steele
Betreff: Morgen
Datum: 8. Juni 2011, 14:38 Uhr
An: Christian Grey

Bis dann.

Anastasia Steele
Assistentin des Cheflektors, SIP

Ich werde Christian wiedersehen! Zum ersten Mal seit fünf Tagen bessert sich meine Stimmung ein wenig. Wie es ihm wohl in der Zwischenzeit ergangen ist? Habe ich ihm gefehlt? Wahrscheinlich nicht so sehr wie er mir. Hat er eine neue Sklavin gefunden? Die Vorstellung tut so weh, dass ich sie sofort verdränge.
Am Abend wälze ich mich im Bett hin und her, aber immerhin weine ich mich nicht mehr in den Schlaf.
Ich erinnere mich an Christians gequälte Miene, als ich ihn verlassen habe. Er wollte mich nicht gehen lassen. Warum nicht?
Wieso sollte ich in einer so verfahrenen Situation bleiben? Wir sind beide unseren eigenen Problemen ausgewichen †“ meiner Angst vor Bestrafung, seiner Angst vor… was? Liebe?
Traurig schlinge ich die Arme ums Kissen. Er meint, er verdiene es nicht, geliebt zu werden. Warum? Hat das mit seiner Kindheit zu tun? Mit seiner leiblichen Mutter, der Crackhure?
Der Gedanke quält mich bis in die frühen Morgenstunden, als ich schließlich in unruhigen, erschöpften Schlaf falle.
Der Tag zieht sich endlos hin, und Jack ist über alle Maßen anhänglich. Vermutlich liegt das an Kates pflaumenfarbenem Kleid und den schwarzen High Heels, die ich aus ihrem Schrank gemopst habe. Ich beschließe, von meinem ersten Gehalt Klamotten kaufen zu gehen. Das Kleid sitzt deutlich lockerer als das letzte Mal, was ich zu ignorieren versuche…

Fortsetzung der Leseprobe auf der Facebook-Seite „Shades of Grey – Die Bücher“

Kurzbeschreibung
Verunsichert durch die gefährlichen Leidenschaften und dunklen Geheimnisse ihres Liebhabers Christian Grey, bricht Ana Steele ihre Beziehung zu dem attraktiven jungen Mann ab und versucht wieder ein ruhiges Leben zu führen. Aber Anas Verlangen nach Christian ist ungebrochen, so sehr sie dies auch zu verleugnen sucht. Als Christian vorschlägt, sich wenigstens noch ein einziges Mal mit ihr zu treffen, willigt Ana daher sofort ein †“ und beginnt erneut eine Affäre mit ihm. Eine höchst gefährliche Affäre, in der sie immer wieder Grenzen überschreitet, in der sie aber auch mehr über die Vergangenheit von Christian erfährt – eine Vergangenheit, die ihn zu einem ebenso verletzlichen wie faszinierenden Mann gemacht haben, der seitdem mit seinen inneren Dämonen kämpft. Gleichzeitig sieht sich Ana der Eifersucht der Frauen gegenüber, die vor ihr Christians Liebhaberinnen waren. Und sie muss die wichtigste Entscheidung ihres Lebens treffen. Eine Entscheidung, bei der ihr niemand helfen kann …

Midnight Sun als kostenloses E-Book im Carlsen Verlag: Edward – Auf den ersten Blick

Die meisten Twilight-Fans haben die knapp 100 Originalseiten von Midnight Sun wahrscheinlich bereits auf der Homepage der Autorin Stephenie Meyer oder als Fan Fiction in einer fehlerhaften deutschsprachigen Übersetzung gelesen.

Im Jahr 2008 hatte die US-amerikanische Autorin bekanntgeben, dass sie „Midnight Sun„, also Edwards Sicht auf den ersten Band der Twilight-Saga „Bis(s) zum Morgengrauen„, nicht vollenden wird, weil Teile davon ohne ihre Zustimmung vorab im Netz erschienen waren. Die Fans reagierten enttäuscht, schrieben viele, viele Mails und reichten Petitionen ein, um Stephenie Meyer umzustimmen.

Bis heute hat die Autorin nicht eindeutig erklärt, ob diese begonnene Erweiterung jemals vollendet in Buchform auf den Markt kommen wird. Immerhin hat der Carlsen Verlag, der die deutschsprachigen Rechte an der Reihe hält, heute unter dem Titel „Edward – Auf den ersten Blick“ die Übersetzung als E-Book kostenlos zur Verfügung gestellt. Die 64 Seiten lassen sich als

†œEdward †“ auf den ersten Blick† im EPUB-Format
†œEdward †“ auf den ersten Blick† im PDF-Format
†œEdward †“ auf den ersten Blick† bei iTunes
†œEdward †“ auf den ersten Blick† bei Amazon

herunterladen. Wobei die EPUB- und PDF-Formate heute noch nicht funktionieren. Der Download auf den Kindl bei Amazon und über iTunes läuft aber schon reibungslos.

Also, viel Vergnügen allen eingefleischten Twilight-Fans und herzlichen Dank an den Carlsen Verlag. 😉

7 Fragen an Jost Renner

Geboren wurde ich 1960 und habe – bodenständig wie ich nun mal bin auf Experimente wie Wiedergeburt verzichtet. Dennoch hat meine Geburt (wie die etlicher tausend Anderer) zu einem Riesenskandal geführt, wurde doch sichtbar, daß die pharmazeutische Industrie recht sorglos mit ihren Produkten umging und der Staat dies keineswegs santionieren wollte – bis heute nicht. Contergankind nannte man mich früher, übrigens gern bis in meine Vierziger hinerin. Vielleicht war ja dieser Skandal der Grund, daß man sich beeilte, eine Mauer um Berlin zu bauen, die knapp ein Jahr nach meiner Geburt errichtet wurde.

Irr- und Umwege und Ausweglosigkeiten brachten mich irgendwann dazu, Buchhändler zu werden, also mein Hobby zum Beruf zu machen. Natürlich auf Kosten des Arbeitsamtes, denn die Wirtschaft war so frei, mich als Risiko nicht tragen zu wollen, erst recht nicht nach Maureröffnung, denn seitdem bin ich nur noch im Herzen Buchhändler.

Dafür kaufe und lese ich umso mehr Bücher. Ich habe ja jetzt Zeit. Und wenn ich nicht lese, schreibe ich – auf Facebook halbwegs intelligente Statusmeldungen, in meinem Blog LiebesEnden einigermaßen lesbare Gedichte. Ich lebe also, denke, fühle wie jeder andere Mensch und verweigere mich der medial verlangten Opferrolle. Und sehe das Leben, die Welt und mich gern mal durch die ironische Brille. Die hat mir das Leben verschrieben.

7 Fragen an Jost Renner

1. Mit wem würden Sie gerne für einen Tag den Platz tauschen?

Ich denke, ich möchte nicht tauschen. Ich bin immer nah bei mir und weiß andererseits, daß andere Leben viel mit Dingen und Entscheidungen zu tun haben, bei denen mir die Übersicht fehlt. Ich möchte z.B. nicht nicht – behindert sein, denn ich habe mich an mich gewöhnt und war zudem immer bemüht, die eigene Identität zu wahren. Daraus ergeben sich – vielleicht zu meinen Ungunsten – eine gewisse Sturheit und in Grenzen eine Art Konservatismus.

2. Welche Projekte warten auf ihre Vollendung?

Es gibt nichts, was ich vollenden könnte; es bleibt allenfalls ein Immer – Weitergehen, bis etwas abbricht oder versandet. So habe ich mehr Bücher, als ich in meinen restlichen Jahren noch lesen können werde. Ich werde weiterlesen – und irgendwann bin ich tot. Es bleibt Ungelesenes.

3. Was bringt Sie so richtig auf die Palme?

Ich neige eher zur Enttäuschung, also im eigentlichen Sinne Trauergefühlen, als zur Empörung. Mich ärgert einiges, aber ich versuche darauf mit einem ironischen, manchmal zynischen Hieb zu antworten – und dann ist es gut. Anderes blende ich aus oder nehme es nur zur Kenntnis.

4. Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich denke, ich verfüge über eine recht gut, breit gefächerte Allgemeinbildung, weiß, meine Gedanken zu ordnen und sie sprachlich adäquat und korrekt auszudrücken. Ich halte mich zudem für kommunikativ und Menschen zugewandt.

5. Mit welcher historischen Figur hätten Sie sich gerne zum Essen verabredet?

Ingeborg Bachmann, Paul Celan, z.B.

6. Über welche verpasste Gelegenheit ärgern Sie sich noch heute?

Ich ärgere mich nicht. Etwas habe ich verpaßt, aber ich habe zum damaligen Zeitpunkt nicht anders können, als es zu verpassen. Und ich weiß nicht, ob es mir, meinem Lebensglück wirklich zum Guten gereicht hätte, das nicht zu verpassen.

7. Womit haben Sie ihr erstes Geld verdient?

Ich habe einen Minigolf-Platz betreut; vom Fegen der Bahnen und Wege bis zur Ausgabe von Schlägern und dem Verkauf von Eis unterlag alles einen Sommer lang meiner Verantwortlichkeit.
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Ich bedanke mich ganz besonders bei Jost für die Teilnahme an diesem Online-Interview. Er begleitet mich seit fast 5 Jahren – oder vielleicht ist eher umgekehrt – im Netz. Ich schätze seine fundierten Kommentare, liebe seine aussägekräftigen Rezensionen zu anspruchsvollen Büchern, seine sinnliche Lyrik und seine Authentizität überhaupt.

Quelle Foto: © Jost Renner – Facebook