Wem gehört die mediale Wahrheit über die erste Münchner Ärztin Dr. Hope Bridges Adams Lehman?

Im Abstand von zwei Tagen sind die Bücher:

„Dr.Hope – Eine Frau gibt nicht auf: Deutschlands erste Ärztin“ von Torsten Dewi (Autor) und Katrin Tempel (Autorin) und

„Hope: Dr. Hope Bridges Adams Lehmann – Ärztin und Visionärin. Die Biografie“ von Marita Krauss (Autor) erschienen.

Der Piper Verlag hat am 26.09.2009 den Roman von Torsten Dewi und Katrin Tempel veröffentlicht, die Biografie von Marita Krauss erschien am 28.09.2009 im Münchner Volk Verlag.

Schon am 18.09.2009 berichtete die Süddeutsche Zeitung ausführlich über einen Plagiatsvorwurf von Marita Krauss gegen die Autoren Dewi und Tempel.

Prof. Dr. Marita Krauss, die Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg lehrt und durch viele Publikationen, Ausstellungen und Rundfunksendungen als hervorragende Kennerin der Münchner und bayerischen Geschichte bekannt ist, hat in 15-jähriger kriminalistischer Kleinarbeit die Puzzleteile um die längst vergessene erste Münchner Ärztin Dr. Hope Bridges Adams Lehmann zusammengefügt.

Der Nachlass von Dr. Hope war im Krieg verloren gegangen und so führten die Recherchen Frau Krauss nach Hamburg, Dresden, Leipzig, Karlsruhe, Bonn, Offenburg, Frankfurt, Berlin, Amsterdam, London, Dublin, Montevideo und Australien. Ihre Ergebnisse veröffentlichte sie 2002 in dem Buch „Die Frau der Zukunft – Dr. Hope Bridges Adams Lehman 1855 – 1915. Ärztin und Reformerin“, in Rundfunk-Features und in einer Ausstellung im Münchner Gasteig.

Nach Angaben der SZ wurde Katrin Tempel (damals Katrin Kaiser) in der Ausstellung über Dr. Hope im Gasteig auf die ungewöhnlich moderne Frau aus dem 19. Jahrhundert aufmerksam.

„Meine Ko-Autorin Katrin hat mich vor über drei Jahren auf diesen Stoff hingewiesen, und ich war sofort Feuer und Flamme, über so ein begeisternswertes Leben zu schreiben“, schreibt Torsten Dewi am 13. Juni 2007 auf seinem Blog Wortvogel. Am 24. September 2008 geht Torsten Dewi genauer auf die Entstehungsgeschichte zu seinem Roman und dem Drehbuch über „Hope“ zu dem ZDF-Zweiteiler, der in der Zwischenzeit nach seiner Vorlage entstanden war, ein.

„Gerade wenn man Stoffe und Biographien behandeln will, an denen noch Rechte hängen, kommt man schnell in Teufels Küche. Passiert mir durchschnittlich zweimal pro Jahr…“, schreibt Dewi in einem Kommentar zu seinem Artikel am 24.09.08.

Der historische Zweiteiler „Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf“ wird zunächst am 19. März auf Arte ausgestrahlt. Das ZDF zeigt die je 90-minütigen Folgen am 22. und 24. März. Darin spielt Heike Makatsch die Rolle der Hope Bridges Adams, eine Pionierin der Frauenbewegung und erste Frau, die in Deutschland ein medizinisches Staatsexamen ablegt.

Marita Krauss wirft Torsten Dewi und seiner Co-Autorin Katrin Tempel vor, sich ordentlich an ihrer Biografie über Hope Bridges Adams Lehmann bedient zu haben, wie sie dem „Münchner Merkur“ (Ausgabe vom 18.02.2010) sagte.

Ihre grundlegende Forschungsarbeit über die erste Ärztin in Deutschland und Vorreiterin der Frauenemanzipation habe sie auf Basis einer schwierigen Quellenlage geschrieben. Vor allem ihre Schlussfolgerungen seien kopiert worden. 

„Die beiden Autoren haben sogar meine Tippfehler abgeschrieben“, sagte sie der Zeitung. „Es wurde alles ungeprüft übernommen.“ Vieles im Film sei zudem „extrem verfälschend“ dargestellt, so Krauss über die fünf Millionen Euro teure, gebührenfinanzierte Produktion.

In dem im September 2009 in der Süddeutschen Zeitung erschienen Artikel wurde berichtet, dass die Produktionsfirma Hofmann und Voges, die den Zweiteiler im ZDF-Auftrag vorbereitete, zunächst mit Frau Krauss über die Nutzung der Forschungsergebnisse und Printrechte verhandelt hatte. Die Verhandlungen wurden aber Anfang 2009 eingestellt, weil man sich nicht einigen konnte. Es entstünden keine Rechte, weil die Autoren Dewi und Tempel alles selbst erfunden und nachrecherchiert hätten, teilte man ihr mit.

Dies sieht Frau Krauss anders, sie will auf die Nennung: „Nach einer Vorlage von Marita Krauss“ und Entschädigung klagen.

Dewi reagierte gereizt auf das Thema und wollte sich nicht weiter dazu äußern, schreibt der Münchner Merkur. In einem Kommentar äußerte sich der Autor zu dem Plagaiatsvorwurf von Frau Krauss auf dem Blog Tiniaden folgendermaßen:

Torsten Dewi – 14. Februar 2010
Der Autor spricht:
Von einem neuen Remix-Fall kann bei „Dr. Hope“ nicht die Rede sein – vergleichbar ist die Situation (wenn überhaupt) mit dem Streit um „Tannöd“. Romane und Sachbücher sind (auch rechtlich) zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Historische Fakten, Personen und Ereignisse sind nicht geschützt – ein Historiker kann tatsächliche Geschehnisse nicht als sein Eigentum betrachten, das es zu lizensieren gilt. Das gilt besonders dann, wenn die Quelle an keiner Stelle verheimlicht wurde. Die histoische Figur Dr. Hope Lehmann gehört niemandem – nicht den Erben, nicht dem Museum, nicht einem Historiker. Im Fall von KREATIVER Eigenleistung bin ich ein Gegner der These, dass alles erlaubt ist – abschreiben ist tabu.

Torsten Dewi – 14. Februar 2010
Nochmal der Autor
Der Tannöd-Fall ist in der Tat ein Präzedenzfall, weil er lediglich die gültige Rechtsprechung bestätigt. Und der SZ-Artikel zitiert ausschließlich die Historikerin selbst, ohne Sender, Produktionsfirma, oder Autoren zu Wort kommen zu lassen. Man beachte auch, dass zwar der Eindruck erweckt werden soll, es läge ein justiziabler Fall vor, der Autor des Artikels aber selbst im vorletzten Absatz zugeben muss, dass dem wohl nicht so ist („Grundsätzlich ist wohl wenig dagegen zu mache…“). Und ich wiederhole mich gerne: Historische Fakten sind nicht Eigentum von Historikern. Man sollte da nicht Äpfel („Axolotl“) mit Birnen („Dr. Hope“) vergleichen.

Vielleicht kann Frau Krauss Trost in Theodor Fontanes im Moment wieder sehr aktuellen Ausspruch finden: „Über Plagiate sollte man sich nicht ärgern. Sie sind wahrscheinlich die aufrichtigsten aller Komplimente.“

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Axolotl Roadkill: Die Chronologie eines Skandals

Am 18. Januar 2010 schreibt der SPIEGEL erstmals über das „Wunderkind der Boheme“, am 20.01. berichtet die WELT über das verblüffend kluge, angenehm groteske und herrlich sprachgewandte Buch des neuen Wunderkindes der Berliner Kreativszene, am 21.02. erscheint in der ZEIT ein zweiseitiger Artikel über diesen „literarischen Kugelblitz“.

Noch bevor Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ am 22. Januar 2010 im Ullstein Verlag erscheint, ist das Buch bereits berühmt.

Die Lobeshymnen nehmen kein Ende:  Am 23.02. erscheinen gleich zwei Artikel in der FAZ, am 28.02. ein weiterer in der ZEIT, in dem es heißt, dass bereits zweimal der Erscheinungstermin des Buchs wegen des großen Medieninteresses vorgezogen wurde. „Axolotl Roadkill“ ist schon vor der Veröffentlichung für den Erstlingspreis der LitCologne in Köln nominiert und wird von der Kritikerjury am 28.01 für den Leipziger Buchpreis auf die Nominierungsliste gesetzt.

Am 02. Februar 2010 berichtet das Börsenblatt, dass der Ullstein Verlag die 3. Auflage drucken lässt und bereits 50 000 Exemplare von „Axolotl Roadkill“ ausgeliefert wurden.

Am 05.02.10 resümiert die ZEIT: „Es gibt drei Gründe, warum ein Roman und sein Verfasser zu einem Phänomen werden können: Erstens, das Buch birgt einen Skandal. Zweitens, es ist literarisch besonders gut. Drittens, es trifft einen Nerv der Zeit, ist Antwort auf eine gesellschaftliche Sehnsucht. Skandalös ist es zum Beispiel, wenn es verrucht, versaut ist, voller Drogen- und Sexexzessen steckt. Charlotte Roches Feuchtgebiete wurde auf diese Weise zum Renner. Oder der Roman provoziert eine Anklage, wie bekanntlich im Fall von Maxim Billers Esra. Schon also, wenn eines dieser Dinge zutrifft, ist der Verkauf in den Buchhandlungen gesichert. Wenn aber alle drei Kriterien zutreffen, ja, dann hat man wirklich einen Knaller vor sich, dann ist das Buch rasch vergriffen und die Journalisten bieten sich bei der Berichterstattung ein Wettrennen.“ […]

Ein weiteres Beispiel für einen Skandal, das der ZEIT aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war, ist der Plagiatsvorwurf. Ebenfalls am 05.02.10 berichtet Deef Pirmasens auf seinem Blog Gefühlskonserve von seiner Entdeckung:

Axolotl Roadkill: Alles nur geklaut?

In nahezu 20 Textpassagen stellt Deef Pirmasens den Vergleich zu dem im September 2009 erschienen Roman „Strobo“ von Airen an. Die Übereinstimmungen dieser Passagen in Axolotl Roadkill und Strobo sind verblüffend. Helene Hegemann hat sich nicht mal besonders angestrengt dies zu vertuschen.

„Helene Hegemann zeigt uns in Axolotl Roadkill zwar, dass sie nicht nur für ihr Alter, sondern ganz allgemein eine beachtenswert wortgewaltige und wundervoll böse Schreibe hat. Aber statt sich nur von anderen inspirieren zu lassen und zu zitieren, schreibt sie ab. Das stört den guten Eindruck ganz empfindlich“, schreibt Deef Pirmasens über seine Entdeckung.

Seit dem 08.02.2010 rudern nun alle zurück:

Zeitgeist oder Plagiat, Kreativität ohne Reinheitsgebot, total gedankenlos oder egoistisch heißt es in den Schlagzahlen. Der Verlag unternimmt den Versuch der Imagewahrung, der Autor Airen wird beteiligt, man einigt sich auf die Nennung seines Namens in künftigen Ausgaben, eine vierstellige Summe wird bezahlt. Immer mehr Autoren melden sich, um Ansprüche auf ihre Texte, die Hegemann ebenfalls verwendet hat, geltend zu machen. Kritiker, Lektoren, Autoren diskutieren und streiten im Netz. Ca. 2800 Leser haben sich an der Umfrage der WELT beteiligt: 82% sind der Ansicht: Eine Frechheit! Hegemann sollte sich schämen.

Mittlerweile hat Helene Hegemann sich entschuldigt und reist von einer Talkshow zur nächsten. Etwas Scham würde ihr gut zu Gesicht stehen, doch davon sieht man leider nichts.

Die Taschenbuchausgabe von Strobo umfasst 170 Seiten und ist am 01.08.2009 im SuKuLTuR Verlag erschienen, derzeit allerdings nicht lieferbar.

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Nachfolgend ein Auszug der Schlagzeilen rund um Christine Hegemann und Axolotl Roadkill:

Das Wunderkind der Boheme – Die Schülerin Helene Hegemann ist erst 17 und lebt in Berlin. In ihrem ersten Roman erzählt sie, wie schwer jungen Menschen die Rebellion fällt, wenn schon die Eltern Rebellen sind. Spiegel, 18.01.2010

Jung-Autorin Hegemann feiert die Kommune im Kapitalismus WELT Online, 20.01.2010

Literarischer Kugelblitz – Im Koksnebel: Helene Hegemanns heftiges Romandebüt „Axolotl Roadkill“ ZEIT Online, 21.01.2010

Bücher der Woche: Axolotl Roadkill – Mir zerfallen die Worte im Mund wie schlechte Pillen FAZ, 23.01.2010

Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ – Glauben, lieben, hassen – FAZ, 23.01.2010

Helene Hegemann: Wie sie euch gefällt. Helene Hegemann ist fast noch ein Kind – mit ihrem ersten Roman soll sie der neue Berliner Literaturstar werden. Wir haben ihre Verwandlung über Monate begleitet. ZEIT Online, 28.01.2010

Gespräch mit Ullstein-Programmleiterin Ulrike Ostermeyer über Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“: „Es ist keine Wohlfühlliteratur“ Die dritte Auflage wird gerade gedruckt. 50000 Exemplare von Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ hat Ullstein ausgeliefert. Börsenblatt, 02.02.2010

Helene Hegemann: Futter für die infantile Gesellschaft. Warum ärgern sich so viele über den Hype um Helene Hegemann? Weil ihr Roman einen Nerv der Zeit getroffen hat. ZEIT Online, 05.02.2010

Fall Hegemann: Blogger entlarvt Fräuleinwunder Süddeutsche 08.02.2010

Debatte um Bestseller-Autorin Hegemann: Kreativität ohne Reinheitsgebot. Helene Hegemann, der neue Shootingstar der Literatur, hat abgeschrieben. Na und? Das haben schon ganz andere vor ihr getan. SPIEGEL Online, 08.02.10

Bestseller-Autorin Hegemann: Fräulein Wunder hat abgeschrieben. Süddeutsche Zeitung, 08.02.2010

Autorin Helene Hegemann: Untermieter im eigenen Kopf. Süddeutsche Zeitung, 08.02.2010

Bestseller-Autorin Hegemann: Literatur-Wunderkind schrieb bei Blogger ab. SPIEGEL Online, 08.02.10

„Total gedankenlos und egoistisch“ – Zeitgeist oder Plagiat? In ihrem bejubelten Romandebüt hat sich Helene Hegemann bei einem anderen Autor bedient. ZEIT Online, 08.02.2010

„Axolotl Roadkill“ 17-jähriger Literaturstar klaute Roman aus Netz WELT Online, 08.02.2010

Helene Hegemann: „Ich beraube meine Freunde schonungslos“ WELT Online, 08.02.2010

„Axolotl Roadkill“: Ullstein und Autorin Helene Hegemann äußern sich zu Plagiatsvorwurf Börsenblatt, 08.02.2010

Plagiatsdebatte „Axolotl“: Sie zitiert Airen, und er zitiert Benn und Burroughs FAZ, 09.02.2010

Meinung: Hegemann-Debatte – Das große Missverständnis. Warum die Literaturkritik im Fall Helene Hegemann so seltsam gescheitert ist. Eine Analyse von Thomas von Steinaecker, die der Schriftsteller mit einer Bitte an die Rezensenten verbindet. Börsenblatt, 10.02.2010

Plagiatsfall Helene Hegemann – Germanys Next Autoren-Topmodel FAZ, 10.02.2010

Die besten Bücher des Frühjahrs – 15 Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse Börsenblatt, 11.02.2010

Preis der Leipziger Buchmesse: Helene Hegemann nominiert FAZ, 11.02.2010

Buchpreis-Nominierungen: Jetzt aber ran mit Hegemann! Jetzt erhält die 17-jährige Helene Hegemann beinahe schon offizielle Weihen: Sie steht auf der Nominiertenliste für den Preis der Leipziger Buchmesse. SPIEGEL Online, 11.02.2010

Helene Hegemann: Neue Plagiatsvorwürfe gegen die Autorin ZEIT Online, 11.02.2010

„Axolotl Roadkill: Helene Hegemann hat ein beeindruckendes Buch geschrieben.“ Im Fall Hegemann meldet sich nun noch einmal Ullstein-Verlegerin Siv Bublitz zu Wort. In einer Mitteilung heißt es: „Wie bereits angekündigt, hat der Ullstein Verlag nun nachträglich Abdruckgenehmigungen für bislang nicht genannte Quellen des Romans „Axolotl Roadkill“ von Helene Hegemann eingeholt.“ Börsenblatt, 11.02.2010

Hegemann-Buch: Ullstein Verlag erwirbt nachträglich Abdruckrechte ZEIT Online, 11.02.2010

„Komplette Kopie“ – Auch Filmstudent wirft Hegemann Plagiat vor WELT Online, 11.02.2010

Der bestohlene Blogger Airen im F.A.Z.-Gespräch: „Das habe ich erlebt, nicht Helene Hegemann“ FAZ, 12.02.2010

Warum alte Männer Helene Hegemann hassen. Die Aufregung um Helene Hegemann ist enorm. In immer kürzeren Abständen melden sich Autoren zu Wort, die angeben, sie seien von ihr beklaut worden. Damit haben die Pfaffen, die über den Zugang zur Kultur wachen, endlich etwas anderes gegen Hegemann in der Hand als nur ihre eigenen Vorurteile. WELT Online 12.02.2010

„Mafia: Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ von Petra Reski

Das Landgericht München I hat am 16.12.08 dem Widerspruch des Droemer Verlags gegen eine vom Restaurantbetreiber Spartaco Pitanti erwirkte Einstweilige Verfügung nicht entsprochen.

Das Buch der Journalistin Petra Reski mit dem Titel „Mafia: Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern“ enthält eine kurze Passage über Pitanis Aktivitäten und den Verstrickungen der Mafia in Deutschland.
Gegen die Veröffentlichung wurde im November eine Einstweilige Verfügung von den Anwälten des Gastronomen Spartaco Pitanti beantragt.

In der mündlichen Verhandlung bestätigte das Gericht seine am 13. November erlassene Einstweilige Verfügung, nach der der Droemer Verlag das Buch weiterhin nur mit entsprechenden Schwärzungen verkaufen darf.

Margit Ketterle, die das Sachbuchprogramm des Verlags verantwortet, zu der Rechtsprechung: „Wir müssen das Urteil akzeptieren, werden aber weiterhin alle juristischen Optionen prüfen, um unseren Standpunkt letztlich doch durchzusetzen und gehen mit Sicherheit in die Berufung.“

Kurzbeschreibung
Die Morde von Duisburg haben eine unbequeme Wahrheit ans Licht gebracht: Die Mafia hat ihre Tentakeln längst nach Deutschland ausgestreckt. Weltweit perfekt organisiert, ist sie eine Gefahr für Staat und Gesellschaft, die von deutschen Politikern und Sicherheitskräften allzu lange unterschätzt wurde. Wie funktioniert diese ganz und gar nicht »ehrenwerte Gesellschaft«?

Petra Reski lebt seit zwanzig Jahren in Italien. Aufgrund ihrer langjährigen Recherchen und ihrer Insiderkenntnisse gilt die Journalistin als Spezialistin in Sachen Mafia. Petra Reski kennt die Strukturen der kriminellen Organisation aus erster Hand: Sie hat an geheimen Orten mit abtrünnigen Mafiosi gesprochen, sie hat mafiose Verstrickungen von Priestern aufgedeckt und war Gast auf der Hochzeit des wohl spektakulärsten Mafia-Verteidigers Siziliens. Sie weiß, wie Antimafia-Staatsanwälte und Ermittler ausgeschaltet werden sollen, und beobachtete involvierte Politiker aus nächster Nähe. Und sie beschreibt, wie die Verbrecherorganisation auch bei uns im großen Stil ihren schmutzigen Geschäften nachgeht. Journalismus, der zu Literatur wird – spannend wie ein Thriller!

Seit über zwanzig Jahren lebt Petra Reski in Italien. Nicht in Sizilien, wo die Cosa Nostra zuhause ist, oder in der von der Camorra gebeutelten Campania, und auch nicht in Kalbrien, dem Herrschaftsgebiet der ‘Ndrangheta. Aber auch in ihrer Wahlheimat Venedig und dem Rest Italiens, wie auch, wie wir aus ihrem überaus lesenswerten Buch erfahren, im übrigen Europa, wimmelt es nur so von Mafiosi – und von Politikern, ja selbst Priestern, die sich von der Mafia in irgendeiner Form in Dienst nehmen lassen oder gleich mit ihr gemeinsame Sache machen.

Nachdem es Anfang der neunziger Jahre so ausgesehen hatte, als sei man nun selbst in Palermo fest entschlossen und vielleicht sogar in der Lage, der Herrschaft der Mafia endlich ein Ende zu machen, hat die Cosa Nostra ihre Reihen in den letzten Jahren trotz manches Rückschlags wieder schließen können. Auch die ‘Ndrangheta, die international bestorganisierte Mafiaorganisation, sitzt fest in ihrem Sattel. Und trotzdem sich die neapolitanische Camorra seit Jahren in blutigen Bandenkriegen aufzureiben scheint, wird man wohl auch ihrer in absehbarer Zeit kaum Herr werden. Das ist das traurige Fazit, dass man aus der Lektüre von Reskis sachlich fundierten und im Detail ausgesprochen informativen Reportagen ziehen muss.

Reski nimmt uns mit auf eine unbehagliche Reise, lässt uns teilhaben an ihren Begegnungen mit den Paten, „Soldaten“, Anwälten, Priestern, Frauen und Kindern der „ehrenwerten Gesellschaft“ des Mezzogiorno und zeichnet so ein sehr authentisches Bild von der mafiadurchtränkten Lebenswelt des italienischen Südens. Sie zeigt uns die bizarren Früchte der Korruption und der Angst, führt uns in die von der Mafia zerstörten Quartiere Palermos, verrät, warum vierspurige Autostraßen im Nichts enden und es im Innern der absurd protzigen Justizpaläste an den notwendigsten Kleinigkeiten mangelt, während die trotzigen Denkmäler an ermordete Staatsanwälte und Richter vor ihren Toren die Hilflosigkeit gegenüber der eigentlichen Macht im Lande nur umso augenfälliger machen. Und sie öffnet uns die Augen dafür, dass die Macht der Mafia längst weit über Italien hinausgreift und eine sehr reale Gefahr für das europäische Gemeinwesen insgesamt darstellt. Eine Gefahr, auf die wir schlecht vorbereitet sind. — Andreas Vierecke, Literaturanzeiger.de

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Börsenblatt

Die Proteste gegen die Nichtveröffentlichung des Romans Das Juwel von Medina (The Jewel of Medina) der amerikanischen Schriftstellerin Sherry Jones weiten sich aus.

Der Verlag Random House hatte in der vergangenen Woche die Herausgabe des Buches über eine Ehefrau des Propheten Mohammed kurz vor der geplanten Veröffentlichung gestoppt, da es von Muslimen als beleidigend angesehen und radikale Gruppen zu Gewalttaten anstacheln könnte. Nachdem der britische Schriftsteller Salman Rushdie die „Zensur aus Angst“ kritisiert hatte, meldete sich nun der dänische Zeichner Kurt Westergaard zu Wort, der nach der Veröffentlichung einer Mohammed-Karikatur in der Zeitung Jyllands-Posten ebenfalls Todes- und Gewaltdrohungen erhalten hatte. Er bezeichnete das Vorgehen des Verlags als einen Sieg der Fanatiker, der nichts Gutes verheiße.

Welt Online berichtete am 12. August unter der Überschrift:

Skandal-Roman – Buch über Mohamed ist Kinderpornografie
Das Werk sei „eine Kriegserklärung an den Islam“, schrieb eine Historikerin über Sherry Jones‘ Roman „Das Juwel von Medina. Er handelt von der Beziehung des Propheten zu seiner Lieblingsfrau Aische. In den USA hat die zuständige Verlagsgruppe Random House das Buch bereits vom Markt genommen.

Eigentlich wollte Sherry Jones nur, dass Denise Spellberg ihr ein paar nette Zeilen für den Umschlag ihres Debütromans schreibt. Nachdem Frau Spellberg, die an der University of Texas islamische Geschichte lehrt, Sherry Jones’ „Das Juwel von Medina“ im Manuskript gelesen hatte, weigerte sie sich jedoch nicht nur, eine Buchempfehlung zu schreiben. Sie ging einen entscheidenden Schritt weiter. Denise Spellberg rief ihren Lektor beim Verlag Alfred A. Knopf an, um ihm mitzuteilen, dieser Roman sei pornografisch und „eine Kriegserklärung an den Islam“. Terroranschläge auf dem Broadway könnten danach nicht mehr ausgeschlossen werden.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Welt Online, Wikipedia

Die „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche kommen auf die Bühne. Nach dem Bestseller-Roman entsteht am Neuen Theater Halle ein gleichnamiges Bühnenstück:

„Christina Friedrich wird ihre Arbeit mit dem Studio Halle fortsetzen: Unter ihrer Regie beginnen die Proben zur Uraufführung der Stückfassung von Charlotte Roches viel diskutiertem und noch mehr gelesenem Buch „Feuchtgebiete“. Premiere am 27. September um 20.00 Uhr in der Werft„, heißt auf der Internetseite des Theaters.

„Zeitgenössisches Theater muss sich um das kümmern, was das Land bewegt – und das trifft auf dieses Buch zu“, sagte der Intendant des Theaters, Christoph Werner.

Mag sein, dass das Buch das Land bewegt, es kommt allerdings darauf an, ob man sich um alles „kümmern“ muss, was hierzulande so geschieht.

Denis Scheck gehen die Feuchtgebiete am A…. vorbei und

Die Sprachspielerin meint zu dem Buch: […]Denn dieses Buch spielt (und hier setze ich einfach einmal voraus: bewusst) mit dem Ekel, so dass es wiederum genau das erzeugt, wogegen es eigentlich vorgehen möchte: das Angewidertsein von Körperlichkeit und Körpersäften.

Feuchtgebiete erzeugt keinen ‘heilsamen Schock’, nach dem die Leserin beruhigt ihre Slipeinlagen weglässt (was ja wirklich gesünder ist!), sich ihrem Liebhaber nicht immer zwanghaft frisch geduscht, parfümiert und komplettrasiert präsentieren muss, sondern verstärkt doch noch den Ekel vor all dem, was da in unserem Körper vorgeht und aus ihm herauskommt! Es baut nicht wirklich Hemmungen ab, wenn von Fürzen beim Sex und den braunen Flecken nach dem Analsex die Rede ist! Es führt nicht zu mehr ‘Natürlichkeit’ und Unverkrampftheit, wenn man vorgeführt bekommt, wie jemand sämtliche Körperausscheidungen verspeist. Dieses Buch versagt meiner Meinung nach bei seinem eigenen Anliegen vollständig und das ist ja wohl der größte Vorwurf, den man diesem Buch machen kann.[…]

Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass die Uraufführung am 27. September bald ausverkauft sein wird.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Die Sprachspielerin