Die Kartause von Parma von Stendhal
Stendhal, geboren am 23. Januar 1783 in Grenoble, gestorben am 23. März 1842 in Paris, hieß eigentlich Marie-Henri Beyle. Er war ein französischer Schriftsteller.
1827 publizierte Stendhal seinen ersten Roman, Armance, die zarte, um 1820 in Paris spielende Liebesgeschichte der armen jungen Adeligen Armance und des reicheren, aber offenbar impotenten Octave, der sich nach ihrer Heirat auf einem Schiff in Richtung Griechenland das Leben nimmt. Hiernach ließ Stendhal ein neues Reisebuch folgen (Promenades dans Rome, 1829) und versuchte sich, wie sein jüngerer Freund Prosper Mérimée und andere Autoren, in der neuen Mode-Gattung Novelle, mit Vanina Vanini (1829), Le Coffre et le revenant und Le Philtre (beide 1830). Im Oktober 29 hatte er, während einer Reise, in Marseille die Idee zu dem Roman, der sein Meisterwerk werden sollte: Le Rouge et le Noir, das er sofort begann.
Ende 1830, einige Monate nach der Juli-Revolution und durch sie eigentlich obsolet geworden, kam Le Rouge et Le Noir heraus. Es ist die tragische Geschichte des tüchtigen und ehrgeizigen jungen Kleinbürgers und Provinzlers Julien Sorel, der im (wie der Erzähler es sieht) von reaktionären Adeligen, intriganten Geistlichen und opportunistischen Bourgeois beherrschten Restaurationsregime trotz seiner Talente und Meriten und trotz beachtlicher Zwischenerfolge letztlich weder General (=rot) noch Bischof (=schwarz) zu werden schafft, sondern es nur zum Geliebten einer älteren und danach zum Verlobten einer jüngeren adeligen Frau bringt und schließlich einen heroisch akzeptierten Tod auf dem Schafott erleidet.
Im November/Dezember 1838 diktierte er in nur 53 Tagen in Civitavecchia den Roman La Chartreuse de Parme, die spannende Geschichte des jungen lombardischen Adeligen Fabrice del Dongo, der dem Napoleon der Hundert Tage zu Hilfe zu eilen versucht und es nach diesem kapitalen Fehler im reaktionären Oberitalien der Restauration lediglich †“ und auch das nur dank der Intrigen seiner schönen und energischen jungen Tante †“ bis zum Bischof bringt und zugleich allerdings zum Geliebten seines Jugendschwarms, der schönen Generalstochter Clélia Conti. Der Roman wurde von Balzac begeistert in der Revue Parisienne besprochen (1840) und war der einzige Bucherfolg Stendhals zu seinen Lebzeiten.
„Wer Italien liebt, wer es studiert oder verstanden hat, wird die Kartause von Parma mit Genuss lesen.“ Balzac
Der Roman über die zwei Dinge, die für Stendhal die wichtigsten seines Lebens waren: Italien und die Liebe. Fern seiner Wahlheimat, im Paris von 1839, schrieb er jenes Werk, das heute zu den größten der Weltliteratur zählt: die Geschichte des jungen Fabrizio del Dongo zwischen der herrischen Herzogin Sanseverina und der weltabgewandten Clelia Conti. Die Einzigartigkeit des leidenschaftlichen, spielerischen Stils ist immer bewundert worden und nun in einer Neuübersetzung von Elisabeth Edl im Hanser Verlag erschienen ist. Der reiche Anhang vermittelt dem Leser alle historischen, biographischen und literarischen Hintergründe dieses unvergleichlichen Romans.
Leseprobe
»Ich muß dich verlassen, Kleiner,« sagte die Marketenderin zu unserem Helden, »aber wahrhaftig, du tust mir leid. Ich bin dir gut. Sapperlot, du weißt weder gicks noch gacks! Du wirst dich erwischen lassen. Bei Gott, ja! Komm mit mir zum sechsten Leichten!« Weiterlesen →