Black Dagger Ladies Online †“ Beunruhigende Träume [Kapitel 11]

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Beunruhigende Träume
Kapitel 11

Kerstin und Drago verabschiedeten sich auch. Zusammen schlenderten sie den Gang entlang, da begegnete ihnen Tim. Seim Gesicht sprach Bände, als er die beiden ansah. Alle drei blieben stehen. Kerstin schaute kurz zu Drago, woraufhin dieser kurz nickte und weiterging. „Oh, wie rücksichtsvoll von ihm“, stichelte Tim. „Jetzt, wo er hat was er wollte, kann er ja den Großzügigen raushängen lassen.†œ „Ach, Tim, das stimmt nicht und du weißt es auch. Dazu gehören immer Zwei. Es sollte mit uns beiden einfach nicht klappen.†œ Tim verdrehte verächtlich die Augen. „So, und du meinst, damit ist es getan? Tschö und das war es? Du machst es dir verdammt einfach“. Man sah ihm den verletzten Stolz an. Kerstin wollte sich umdrehen und gehen, jedes weitere Wort hätte nichts gebracht. Aber Tim stoppte sie. Er versperrte ihr den Weg. Kerstin sah ihm erschrocken in die Augen. „So, und nun? Bist du jetzt mit dem Drachen zusammen? Ist er so gut wie man immer hört?“ Kerstin schaute nach unten und versuchte sich nicht reizen zu lassen. „Tim, es hat keinen Sinn. Wenn du so gereizt bist, kann und will ich nicht mit dir reden. Lass uns morgen in Ruhe darüber sprechen, aber nicht jetzt.“ Da Tim nicht die Anstalten machte ihr den Weg freizugeben, versuchte Kerstin den Arm von Tim zur Seite schieben. Er schnaubte verächtlich, und packte sie grob an den Schultern. Jetzt wurde Kerstin sauer. Sie schrie ihn an: „Verdammt noch mal Tim, lass mich los und versuch das nie wieder. Ich werde jetzt gehen, und du wirst mich gehen lassen. Solltest du noch einmal so etwas versuchen, wird es dir leid und weh tun. Verstanden?“ Mit zusammengekniffenen Augen sah Tim sie an. Er versuchte irgendwas in ihren Augen zu lesen, aber alles was er sah war Kälte. In diesem Moment verstand er, dass er gerade seine letzte Chance verspielt hatte. Mit einem kurzem Nicken und einer genuschelten Entschuldigung verschwand er. Kerstin zitterten die Knie. „Na klasse, wird das jetzt zu einer neuen Angewohnheit“, dachte Kerstin und ging schleunigst zu Dragos Kabine. Drago wartete in der offenen Tür und nahm Kerstin ohne ein Wort zu sagen in die Arme. Kerstin war so müde und erschöpft, dass sie einfach nur noch ins Bett wollte. Sie wollte noch nicht einmal mehr duschen. Halb ausgezogen legte sie sich aufs Bett und fiel auch sofort in einen tiefen Schlaf.
Kerstin wachte mitten in der Nacht auf. Sie lag in Dragos Armen. Es fühlte sich gut an, aber ihr war so furchtbar heiß. Sie versuchte sich vorsichtig aus der Decke zu schälen, was Drago nicht entging. „Hey, meine Süße. Was ist los?“, flüsterte er. Im gleichen Moment bemerkte auch er, dass Kerstin sich zu warm anfühlte. „Was ist los? Du glühst ja. Du hast Fieber.“ Kerstin richtete sich auf. „Blödsinn, vielleicht war die Decke nur zu viel. Oder deine, nicht gerade geringe, Körperwärme war zu viel. Lass mir ein paar Minuten Zeit, bevor du in Panik ausbrichst, okay?“, sagte Kerstin mit einem Lächeln. Drago stand auf, um ein Glas Wasser zu holen. Als er zurück kam, war Kerstin schon wieder eingeschlafen. Vorsichtig legte auch er sich wieder ins Bett, um festzustellen, dass sich Kerstins Körpertemperatur wieder normalisiert hatte. Er vermied es, sich an sie zu kuscheln, was ihm äußerst schwer fiel. Aber er wollte ihr den Schlaf nicht rauben, wer wusste schon, was in Peru noch alles auf sie zu kam.
Kurz vor Sonnenaufgang wurde Drago von einem Tritt ans Bein geweckt. Kerstin träumte und schlug dabei um sich. Sie war schon wieder Schweiß gebadet, was Drago aber auf ihren Traum zurückführte. Sie nuschelte irgendetwas vor sich hin. Tim konnte zwar nicht verstehen, was sie sagte, er nahm aber eine Besorgnis in ihrer Stimme wahr. Da er nicht wusste, ob er sie wecken sollte, stand er auf und beobachtete wie Kerstin sich im Schlaf hin und her warf. Es musste ein furchtbarer Traum sein, denn ihr liefen Tränen über die Wangen.
Mit einem Schrei wachte Kerstin auf und versuchte sich zu orientieren. Als sie Hände an ihrem Körper spürte, schlug sie um sich. „Hey, hey, es ist alles okay. Du hattest einen bösen Traum“, sagte Drago. Doch im ersten Moment erkannte sie ihn gar nicht. Es dauerte einen kurzen Augenblick bis sie wieder wusste wo sie war.
Sie ließ sich in seine Arme sinken und fing an zu weinen. Drago hielt sie einfach nur fest und streichelte ihr über die Haare oder den Rücken.
Es dauerte eine ganze Weile bis sie sich einigermaßen beruhigt hatte.

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Sie schaute ihn mit schmerzverzehrtem Gesicht an und atmete einmal tief ein. Dann fing sie wieder an zu weinen. Drago wurde immer unsicherer, plötzlich sah sie wieder zu ihm auf, aber ihr Gesicht hatte sich irgendwie verändert. Ihre Augen, ihre Augen hatten die Farbe gewechselt. Sie waren jetzt blau. Es war ein merkwürdiges Blau. Sie starrte ihn unentwegt an. Plötzlich begann sie zu sprechen, aber es war nicht ihre Stimme.
„Ihr müsst in Peru besondere Vorsicht walten lassen. Ihr müsst genau abwägen, wem ihr vertraut. Ein vertrauter Mensch kann plötzlich zu eurem Feind werden.“ Dann wurde Kerstin ohnmächtig. „Okay, das war´s“, dachte Drago, „jetzt brauche ich dringend Hilfe.“ Panisch überlegte er, an wen sich wenden konnte. Doc war die Schamanin unter den Schwestern und Angie ihre beste Freundin. Während er in seine Jeans stieg, ließ er Kerstin nicht aus den Augen und in diesem Moment kam sie wieder zu sich. Sie schaute sich etwas verstört um. „Was, was ist passiert? Warum ist mein Top so nass?“ Drago zog sie sanft in seine Arme und gab ihr einen leichten Kuss aufs Haar. „Du hattest einen Albtraum und hast dabei um dich geschlagen.“ „Oh, das tut mir leid. Hab ich dich verletzt?“ fragte Kerstin etwas zerknirscht. Drago lächelte. „Nein, nur etwas unsanft geweckt. Kannst du dich denn nicht mehr erinnern? Du warst doch zwischenzeitlich wach. Kerstin runzelte die Stirn. „Nein, nein ich kann mich an gar nichts mehr erinnern. Ich fühle mich nur total erledigt. Hab ich noch was getan, außer um mich zu schlagen?“ Drago sah sie an. „Hm, ja, um ehrlich zu sein, du hast geweint und dann bist du kurz wach geworden und hast mit mir geredet.†œ Kerstin war verblüfft. „Ich habe was? Was hab ich denn gesagt?“ „Nun ja, du hast mich gewarnt, dass wir in Peru sehr vorsichtig sein müssen und dass wir niemandem vertrauen dürfen. Aber das ist noch nicht alles“ .Kerstin war jetzt total verwirrt. „Was? Was hab ich noch getan?“ Drago musste sich räuspern. „Tja, ähm, du hast nicht mit deiner Stimme gesprochen, und deine Augen waren plötzlich blau. Und nachdem du mich gewarnt hattest, wurdest du ohnmächtig“. Kerstin sprang aus dem Bett und lief unruhig durch das Zimmer. „Das kann doch nicht wahr sein“, dachte sie laut, „das gibt es doch nicht. Was ist zum Teufel mit mir los? Erst verliebe ich mich in einen Drachen, obwohl ich doch eigentlich schon in jemand anderen verliebt war. Und jetzt fang ich an zu spinnen?“ In ihrer Stimme schwang etwas Hysterie. Drago trat zu ihr und stellte sich ihr in den Weg. „Hey, wir wissen nicht was es war. Und bevor wir irgendwelche Spekulationen anstellen, sollten wir vielleicht erst mal mit Angie oder deiner Mutter reden. Vielleicht gibt es dafür eine ganz normale Erklärung.†œ Kerstin sah ihn ungläubig an. „Normal? Das nennst du normal? Ich dreh gleich durch.†œ Drago nahm sie in seine Arme und sie schmiegte sich an ihn. „Weißt du was ich an dieser ganzen merkwürdigen Sache am besten finde?“, fragte er sie. „Nein†œ, antwortete Kerstin. „Das du gesagt hast, dass du mich liebst“, sagte Drago lächelnd. Jetzt musste auch Kerstin ein wenig schmunzeln.
Aber sie war so erschöpft, dass ihr sogar davon schwindelig wurde. Drago führte sie zum Bett und deckte sie sorgfältig zu. Fragend sah Kerstin Drago an, „Was ist los? Kommst du nicht ins Bett?“ Drago schaute sie nachdenklich an und sagte: „Nein, jetzt noch nicht. Ich möchte ein wenig nachdenken und geh nach oben an Deck .Aber mach dir keine Sorgen. Ich bin nicht lange weg.†œ Kerstin stiegen Tränen in die Augen, da sie aber nicht wollte, dass er das sah, legte sie sich rasch hin und schloss die Augen. Drago gab ihr einen Kuss auf die Schläfe und ging zur Tür. Als er sie gerade schließen wollte, hörte er ein leises Schluchzen. Er zögerte einen winzigen Moment, ging dann aber doch nach oben. So weh es ihm auch tat Kerstin alleine zu lassen, er brauchte jetzt einfach ein wenig Zeit für sich.

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Während Doc, Kerstin und ich, uns in der Waffenkammer aufhielten, saß Lilli im Computerzentrum, besser gesagt sie lag dort. Sie hatte ihre Stuhllehne ganz nach hinten gestellt, die Füße lagen auf dem riesigen Glastisch, die Hände ruhten auf ihrem Bauch und umklammerten einen Kaffeebecher. Nachdem Lucy und Gavin nach Havanna aufgebrochen waren, hatte Lilli sich auf die Arbeit gestürzt. Sie hatte sich in ihren Lieblingssatelliten gehackt und ihn auf Choqequirao in Peru ausgerichtet. Die Bilder und Informationen, die schon eingetroffen waren, hatte sie gesichtet und sortiert. Sie hatte noch zusätzlich Aufnahmen einer Wärmebildkamera angefordert. Während sie auf diese Bilder wartete, hatte sie es sich gemütlich gemacht und war eingeschlafen. Sie wurde auch nicht wach, als Fernando hereinkam und fragend ihren Namen rief. Er musste sich anstrengen, nicht laut loszulachen. Sie gab mal wieder ein sehr damenhaftes Bild ab. Er schlich schmunzelnd zu ihr, nahm den halbvollen Becher aus ihren Händen und küsste ihr zärtlich auf Augen, Nase und Mund. „Mmhh. Nicht aufhören oder träume ich noch?†œ „Hast du denn von mir geträumt?†œ Lilli öffnete die Augen und Fernando schaute sie lächelnd an. „Ja, habe ich.†œ „War es ein schöner Traum?†œ „Wunderschön. Aber mehr verrate ich nicht. Oder hast du mich wieder beobachtet?†œ „Nein. Ich bin leider erst jetzt gekommen.†œ Fernando beugte sich wieder zu Lilli und küsste sie auf eine Art und Weise, die ihr die Sinne schwinden ließen. „Willst du es mir wirklich nicht verraten†œ, säuselte er an ihren Lippen. Lilli lachte und schob ihn von sich weg. „Nein, will ich nicht. Außerdem muss ich jetzt wieder was arbeiten. Duncan kommt sicher auch gleich vorbei. Er wollte sich anschauen, was ich schon für Infos habe.†œ Fernando ließ sich auf Lillis Stuhl fallen. „Schade. Da kann man wohl nichts machen.†œ Da kam auch schon Duncan durch die Tür. „Hallo ihr Beiden. Fernando, du hältst Lilli ja nicht von der Arbeit ab, oder?†œ Fernando schaute mit einer Unschuldsmiene zu Duncan. „Ich doch nicht.†œ Lilli ließ ihre Finger schon über einen der Touchscreens fliegen, und auf dem großen Bildschirm erschienen die Bilder von Choqequirao. Duncan zog sich einen Stuhl heran und setzte sich neben Fernando. „Dann leg mal los. Ich bin gespannt.†œ
„Also, Choqequirao liegt in den Anden auf 3000 m Höhe und erstreckt sich über 2000 Hektar. Bisher sind aber nur 30 Prozent davon freigelegt worden. Wie andere Inka-Städte auch, ist Choqequirao in die Oberstadt „Hanan†œ und die Unterstadt „Urin†œ aufgeteilt. Die Oberstadt besteht aus Tempeln, Lagerhäusern und Terrassen, die um einen freien Platz angeordnet sind. In der Unterstadt wohnte die Elite in großzügigen Gebäuden, die sich auch um einen großen Platz gruppieren. In der Unterstadt befinden sich ein Tempel und zwei Hallen für Feste und rituelle Tänze.†œ Lilli schob den Mauszeiger kreuz und quer über die Satellitenbilder und fuhr mit ihren Erklärungen fort. „Hier oberhalb der Unterstadt befindet sich eine abgeflachte Kuppe. Das war wahrscheinlich eine Zeremonieplattform, auf der die Opfer dargebracht wurden. Was aber besonders interessant ist, sind diese riesigen Terrassen, die mit Mosaiken eingefaßt sind. Hauptsächlich sind Lamas dargestellt, die waren den Inkas heilig. Oberhalb dieser Terrassen führen Treppen zu den Gipfeln „Sorani†œ und „Quitay.†œ „Sehr gut recherchiert, Lilli†œ, sagte Duncan anerkennend. „Konntest du irgendetwas entdecken, dass auf die Dragons hinweisen könnte?†œ „In Choqequirao selbst nicht. Damit habe ich auch nicht gerechnet, da sind oft Touristen und Archäologen unterwegs. Da kann man nicht verdeckt operieren. Aber ich habe Wärmebilder machen lassen, die sind gerade eingetroffen. Warte, ich lade sie hoch.†œ Die Bilder erschienen, und alle drei hielten den Atem an. Oberhalb der Lama-Terrassen wurde ein Labyrinth von Gängen und Kammern, die weit in den Berg hineinragten, sichtbar. Duncan fand als erster wieder seine Sprache: „Donnerwetter, was haben wir denn da aufgestöbert? Das sieht nach einer Menge Arbeit aus. Lilli, kannst du uns noch genauere Aufnahmen beschaffen? Wir müssen unbedingt wissen, mit was wir es da genau zu tun haben.†œ „Ja, kein Problem! Jetzt weiß ich ja, nach was wir suchen müssen. Oh mein Gott, das sieht absolut beängstigend aus, mit so vielen Objekten habe ich jetzt nicht gerechnet.†œ Duncan schaute Lilli selbstsicher an: „Das ist nichts, mit dem wir nicht fertig werden könnten. Mach dir mal keine Sorgen, das kriegen wir gemeinsam schon auf die Reihe.

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Bis wann hast du die genauen Analysen?†œ „Also bei diesem Umfang und den hochauflösenden Bildern, die wir benötigen, dürften die Rechner schon die halbe Nacht brauchen. Dann muss ja auch alles noch sortiert und analysiert werden. Bis morgen Früh, werde ich schon brauchen, um alles zusammen zu haben.†œ „Gut Lilli, dann morgen früh 8 Uhr. Ist das machbar?†œ Lilli nickte Duncan zu: „Ja, 8 Uhr ist gebongt!†œ
Da ging die Tür auf, und Kerstin stürmte herein. „Ups! Ich hoffe, ich störe nicht. Lilli, ich wollte dir nur Bescheid sagen, dass wir Mädels uns heute Abend um 19 Uhr bei Angie treffen. Kannst du kommen oder musst du arbeiten?†œ Lilli strahlte über das ganze Gesicht. „Oh, super, da freue ich mich tierisch drauf! Ich muss nur noch ein paar Eingaben machen, und dann laufen die Rechner von alleine. Bis 19 Uhr schaffe ich das locker.†œ „Toll! Ich freue mich, dass du auch kommen kannst. Bis später. Tschüss Jungs†œ, und schon war Kerstin wieder zur Tür draußen. Duncan stieß Fernando in die Rippen: „Komm, wir machen uns auch vom Acker, damit Lilli in Ruhe arbeiten kann. Wir wollten doch sowieso noch ein Gespräch unter vier Augen führen.†œ Fernando lächelte Duncan verschmitzt an: „Ja klar, habe ich nicht vergessen.†œ Er ging zu Lilli und küsste sie sanft auf die Stirn. „Viel Spaß mit deinen Mädels. Sehen wir uns später noch?†œ Lilli fuhr mit dem Zeigefinger über seine Lippen und küsste ihn dann. „Wenn du möchtest. Nach dem Mädelsabend, wirst du mich hier wieder finden. Aber du musst mir dann einen großen, starken Kaffee mitbringen. Den werde ich sicher gebrauchen können.†œ „Ich denke, das lässt sich einrichten.†œ Fernando gab ihr noch einen Kuss und ging dann mit Duncan zur Tür. „Tschüss Lilli und viel Spaß mit deinen Mädels. Aber nicht die Arbeit vergessen!†œ, sagte Duncan noch, aber Lilli hatte sich schon wieder über ihre Tastatur hergemacht und war voll darauf konzentriert.

Fernado und Duncan machten es sich mit einem guten alten Scotch in Duncans Kabine gemütlich. Fernando lächelte Duncan an: „ So, mein Alter, hast du es jetzt endlich kapiert, dass du dich gegen das Gefährtinnending nicht wehren kannst?†œ Duncan lächelte ebenfalls: „Ja, ich habe es wohl endlich eingesehen. Aber es war ja auch nicht einfach. Schließlich hatte sich Norbert Angie angelacht und einem Bruder reinfunken, das kommt für mich nicht in Frage. Das weißt du ja. Keiner kennt mich so gut wie du, alter Freund.†œ „Da hast du wohl recht. Spätestens nach deinem Auftritt im Fitnessraum wusste ich, in welchem Konflikt du steckst. Und was hat sich jetzt geändert?†œ Duncan schaute Fernando mit leuchtenden Augen an. „Angie ist zu mir gekommen, hat mit mir geredet und alles gerade gerückt. Sie und Norbert haben sich getrennt. Sie haben erkannt, dass sie sich nicht wirklich lieben.†œ „Du bist jetzt aber nicht wie Bowen mit der Tür ins Haus gefallen, oder?†œ „Nein Fernando. Ich habe zwar schon mal etwas durchblicken lassen, aber ich habe ihr noch nicht alles erzählt. Ich möchte es eigentlich so ruhig angehen wie du. Ich möchte, dass sich Angie wohl und sicher bei mir fühlt, bevor ich ihr alles offenbare. Aber es ist nicht so einfach, sich im Zaum zu halten. Wie kannst du nur so entspannt und gelassen mit diesen überwältigenden Gefühlen umgehen?†œ Fernando betrachtete die dunkelbraune Flüssigkeit in seinem Glas und ließ sich mit seiner Antwort etwas Zeit. „Das war nicht von Anfang an so. Zuerst haben mich diese Gefühle auch total umgehauen, und ich habe mich geradezu auf Lilli gestürzt. Aber sie hat mich abgewiesen, für sie war alles nur rein körperlich. Sie hatte die Trauer um ihren toten Geliebten noch nicht überwunden und sich einen dicken Schutzpanzer zugelegt. Ich musste mich zwangsläufig zurückziehen und mit kleinen Schritten wieder auf sie zugehen. Ich habe ihr gesagt wie sehr ich sie liebe, und dass ich warte, bis sie sich mit ihren Gefühlen ganz sicher ist. Ich habe mich ganz in ihre Hände begeben, und damit ist der Druck von mir abgefallen. Ich habe zwar noch Zweifel, ob sie sich wirklich für mich entscheidet, aber ich genieße jeden Augenblick mit ihr und jede Zärtlichkeit, die sie mir schenkt. Es ist wunderschön, sich nur zu streicheln, zu küssen und einfach nur beieinander zu liegen. Es ist ein behagliches Gefühl, es ist, als ob ich endlich in einem sicheren Hafen angekommen bin.

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Gestern habe ich ihr in etwa erklärt, was die Gefährtin für uns bedeutet und wie die Verbindung endgültig wird. Jetzt lasse ich ihr die Zeit darüber nachzudenken, und wenn sie soweit ist, sprechen wir darüber.†œ Fernando lächelte, in den Gedanken war er bei Lilli. Duncan nickte zustimmend. „Danke, mein Freund. Jetzt kann ich auch etwas gelassener an die Sache herangehen. Ich denke, dass du den richtigen Weg gefunden hast, und dass ich diesen Weg auch einschlagen werde.†œ Sie tranken mit Genuß ihren Scotch und verfielen in ein kurzes Schweigen. Fernando hatte ja noch was auf dem Herzen †“ nämlich Drago. „Hör mal, Duncan, ich wollte noch über etwas anderes mit dir reden. Es geht um Drago. Ich habe mich mit ihm ausgesprochen. Er hatte gar keine Ahnung, dass wir über den Grund seines Verschwindens nicht informiert wurden, und er ist auch nicht Schuld an Lindsays Tod. Ich für meinen Teil habe ihm verziehen und für mich gehört er auch wieder zur Bruderschaft. Wir hätten ihm helfen und zu ihm stehen müssen.†œ Fernando schaute erwartungsvoll zu Duncan. „Ich hatte noch nicht die Gelegenheit mit ihm über alles zu sprechen, aber du weißt, dass ich deinem Urteil hundertprozentig vertraue. Wenn du sagst, dass Drago wieder zu uns gehören soll, dann ist er auch für mich wieder ein Bruder. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass mir der Drache ganz schön gefehlt hat.†œ Fernando lächelte erleichtert: „Es wird Drago sehr freuen, dass zu hören.†œ
Es klopfte. „Hey, Duncan. Bist du da?†œ, rief Bowen aufgeregt vor der Tür. Duncan schaute verwundert zu Fernando, zuckte mit den Schultern und öffnete die Tür. „Was hast du denn auf dem Herzen?†œ „Oh Fernando, du bist ja auch da! Das passt ja perfekt. Hört mal, die Ladies machen einen Frauenabend …†œ „Das wissen wir schon, und?†œ, sagte Duncan ungeduldig. „Die haben gerade Pizza bei mir bestellt. Ich dachte mir, dass ihr mir dabei helfen könntet, und dann stürmen wir die Party. Was meint ihr?†œ Fernando und Duncan schauten sich lachend an. „Da sind wir doch dabei!†œ „Geht ihr mal schon vor, ich hole noch Drago dazu†œ, sagte Fernando und war schon verschwunden. Auf dem Weg zur Kombüse schaute Bowen Duncan fragend an. „Drago? Habe ich da was nicht mitbekommen?†œ „Ja hast du. Fernando hat mit ihm gesprochen und wir haben ihm Unrecht getan. Ich denke, dass er beim Pizzabacken mit uns darüber spricht.†œ Die Beiden waren gerade damit fertig die Zutaten bereitzulegen, als Fernando und Drago in die Kombüse kamen. Drago lächelte etwas unsicher in die Runde. „Hallo Drago, na, dann schieß mal los†œ, sagte Duncan, während er den Pizzateig bearbeitete. Drago erzählte Duncan und Bowen das, was er auch schon Fernando erzählt hatte. Er betonte nochmals, wie leid ihm die ganze Geschichte tat, und dass er alles ungeschehen machen würde, wenn er es nur könnte. Er stand vor ihnen mit hängenden Schultern und seinem Gesicht konnte man die Qualen, die er durchlitten hatte, ansehen. Duncan ging auf ihn zu und legte im die Hände auf die Schultern. „Fernando hat vollkommen recht, wir haben dir großes Unrecht angetan. Dich wieder in unsere Bruderschaft aufzunehmen, ist das mindeste was wir tun können.†œ Dann riss er Drago in seine Arme. „Mensch, Drache, wie habe ich dich vermisst!†œ Alle vier lachten erleichtert auf und freuten sich darüber, dass sie jetzt wieder komplett waren. „Du hast jetzt nur noch ein Problem zu bewältigen†œ, sagte Duncan nachdenklich. Drago nickte: „Ja ich weiß, die Sache mit Kerstin und Tim. Es wird nicht einfach werden, mit Tim ins Reine zu kommen.†œ „So, jetzt haben wir genug gequatscht, jetzt werden die Ladies aufgemischt! Die Pizzen sind fertig!†œ, rief Bowen und holte schon die erste aus dem Ofen. Blitzschnell hatten die vier alles verpackt und machten sich mit einem breiten Grinsen auf den Lippen auf zu meiner Kabine. Diese Überraschung sollte ihnen gelingen.

Hattori und Lucy hatten es sich in den weichen Ledersesseln gemütlich gemacht, während Gavin das Boot steuerte. Sie flogen mit riesiger Geschwindigkeit über die Wellen. Gischt spritzte ihnen in die Gesichter, die der Fahrtwind aber sofort wieder trocknete. Eine Unterhaltung ließ das Dröhnen des Motors nicht zu. Aber dem Blick von Hattori nach zu urteilen, war ihm an einer Unterhaltung auch nicht gelegen.

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Er schien gar nicht anwesend zu sein, hing seinen trüben Gedanken nach. Lucy ergriff spontan seine Hand, nur um ihm das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein. Hattori hob den Kopf und schaute ihr direkt in die Augen. Sie hatten nie einen engen Kontakt miteinander, doch Lucy wusste, wie sehr er ihren Schwestern am Herzen lag. Er lächelte ihr zu, zog aber seine Hand zurück.
Die Fahrt dauerte nicht lange, sie erreichten den Hafen von Havanna noch in den frühen Mittagsstunden. Die Sonne brannte heiß und mörderisch vom Himmel, so dass sie schon nach kurzer Zeit mit einem leichten Schweißfilm überzogen waren. Gavin machte das Boot an dem angemieteten Liegeplatz fest, während Hattori und Lucy ihr Gepäck an Land brachten. Sie ließ ihren Blick über den Hafen schweifen und musste feststellen, dass sie noch nie so viele Luxus-Yachten auf einem Fleck gesehen hatte. „Hier hat sich wohl die Creme de la Creme versammelt†œ, murmelte sie vor sich hin. Gavin, der sich inzwischen zu ihnen gesellt, hatte schlang von hinten seine Arme um Lucy und flüsterte ihr ins Ohr: „Die können dir alle nicht das Wasser reichen.†œ Als nächstes mussten sie dafür sorgen, dass Hattori nicht seinen Flug in die Schweiz verpasste. Sie winkten ein Taxi herbei, sprachen mit Hattori noch ein paar aufmunternde Worte und weg war er.
Seit ihrer Ankunft, bis zum Zeitpunkt als Hattori mit dem Taxi wegfuhr, waren nur ein paar Minuten vergangen.
„Komm, Lucy, ich zeig dir unser Hotel. Dort können wir uns ein wenig frisch machen. Wir sind übrigens Lord und Lady of Kerry, ein frisch verheiratetes Ehepaar, dem Peerage of Ireland angehörend.†œ „Ja, die Rolle der Frischverliebten auf Hochzeitsreise könnte uns liegen†œ, fügte Lucy schmunzelnd hinzu. „Präge dir deinen Namen ein, du heißt Catherine, kurz Cat. Das passt wenigstens zu dir. Duncan hat sich wohl einen kleinen Scherz mit mir erlaubt – darf ich mich vorstellen, Lord Conchobhar of Kerry. Zu Ihren Diensten, Eurer Gnaden.†œ Gavin machte dabei eine tiefe Verbeugung vor Lucy. Glucksend brachte sie hervor: „Conchobhar, wie zum Teufel ist er darauf gekommen?†œ Er fiel in Lucys Lachen ein und antwortete: „Conchobhar oder kurz Conor bedeutet in Irland Hunde- und Wolfsliebhaber.†œ Arm in Arm schlenderten sie kichernd zu ihrem Hotel.
Statt wie gewohnt in Bluse und Lederhosen, war ihr langer schlanker Körper in ein weich schimmerndes, eisblaues, im Rücken geradezu dramatisch tief ausgeschnittenes Abendkleid gehüllt. Kleine Diamanten glitzerten an ihrem Hals. Ihr rotbraunes Haar hatte sie zu einer üppigen Lockenmähne frisiert, die nur von zwei winzigen Diamanthaarspangen im Zaum gehalten wurde. Ein riesiger Brillant sprühte regelrecht Funken. Die Diamanten hatte sie von Gavin bekommen, eine kleine Leihgabe, die ihren Auftritt als irisches Adelspaar glaubwürdiger machen sollte. Den Brillant hatte er eigens für sie gemacht.
Nach ihren Einkäufen am Nachmittag hatten sie noch ein paar Minuten Zeit, einen Strandspaziergang zu machen. Hinter einer hohen Düne, die sie vor neugierigen Blicken abschirmte, kniete Gavin sich hin, nahm eine Hand voll Sand und begann diesen in seinen Händen zusammenzudrücken. Seine Hände verschwanden im Rauch, doch begannen sie kurz darauf zu glühen. Gavin drückte und presste, rieb seine Hände kreisend gegeneinander. Schweißperlen rannen von seiner Stirn. Lucy konnte nur fasziniert dem Schauspiel zusehen. Nach ein paar Minuten war es soweit, er hielt seiner Cat den großen Brillanten unter die Nase, den sie jetzt stolz an ihrem Finger trug. „Gut, dass ich das nicht früher wusste, sonst könntest du mir niedere Beweggründe vorwerfen, ich würde dich nur wegen dieser funkelnden Steinchen lieben†œ, plapperte sie los. Er beendete ihren nachmittäglichen Redefluss mit einem innigen, tiefen Kuss, der ihr schon wieder Pudding in den Knien bescherte.
Gavin sah in seinem schwarzen Anzug einfach umwerfend aus, geheimnisvoll und ein klein wenig gefährlich. Mit seinem hoch gewachsenen, straffen, muskulösen Körper bot er in dem eleganten Anzug einen Anblick, der nicht nur ihr, sondern ebenfalls einer Großzahl der weiblichen Gäste regelrecht den Atem nahm.

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Das Bankett fand im Gouverneurspalast statt und wurde anlässlich des 16. Geburtstags der Tochter des Gouverneurs von Havanna gegeben. Die Straße vor dem Palast war mit Holzplatten ausgelegt, damit die Gouverneure nicht vom lauten Rattern der Kutschen gestört wurden, so erzählte es ihr Gavin, nein, Conchobhar. Es wurde Zeit, dass sie sich an den Namen gewöhnte. Um Einlass zu dem prachtvollen Gebäude zu bekommen, mussten sie sich einer strengen Sicherheitskontrolle unterziehen. Lucy mochte sich nicht vorstellen, welche Anstrengungen und Organisation es Sweetlife gekostet hatte, sie hier auf die Gästeliste zu bekommen. Gelassen ließen sie das Prozedere über sich ergehen, denn die Waffen, die sie bei sich trugen, konnte niemand entdecken. Sie kamen durch das große Tor in den Innenhof, der ganz mit Kerzen beleuchtet war. Für einen kurzen Moment vergaß Lucy, dass dies hier ein Arbeitseinsatz war und ließ sich von der romantischen Stimmung wegtragen. Gavin bemerkte ihren seligen Gesichtsausdruck, zog sie ein wenig fester an sich und flüsterte ihr einen kleinen Weckruf ins Ohr: „Oh, wie peinlich, sehr professionell von dir, Lucy†œ, schollt sie sich selbst. Mit einem bezaubernden Lächeln an Gavin gerichtet. „Aber mein Liebster, das gehört doch zur Rolle, nicht war Conchobhar?†œ „Argh, Duncan kann was erleben, wenn wir zurück sind. Der Name wird mich in meinen Träumen verfolgen.†œ „Du kannst ihn ja danach verbrennen†œ, erwiderte Lucy, konnte aber ein Grinsen nicht unterdrücken. Auch Gavin musste jetzt lachen und immer noch lachend betraten sie den Ballsaal.
Sie sahen sich in dem eleganten Saal um und ließen einen ersten Blick über die Gäste wandern. Überall standen riesige Eisskulpturen, die im Scheinwerferlicht wie Kristalle funkelten. Schwarz befrackte Kellner schoben sich mit Tabletts voller Getränke durch die Menge. Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm. Lucy bemerkte in den kunstvoll vergipsten Decken eingelassene Überwachungskameras, die einen vollständigen Überblick über den gesamten Saal boten. Scanner sollten unauffällig prüfen, ob ein Gast irgendwelche Waffen trug, die er unbemerkt in den Saal geschmuggelt haben konnte.
Sie konnten nur kurz einen Blick auf die Gästeliste werfen, aber der genügte ihnen auch. Der Großteil der Gäste waren Gouverneure, Botschafter, Großindustrielle und Banker und jede Menge Adel. Der ganze Saal roch nach Geld und Macht und Habgier. Gar nicht die Gäste, die man auf einer Geburtstagsparty eines Teenagers erwarten würde. Lucy empfand ein wenig Mitleid mit dem Mädchen, das herausgeputzt wie ein Pfau, neben ihren Eltern stand und einige der Gäste begrüßte.
„Also, was machen wir hier jetzt?†œ, wollte Gavin wissen. „Nur beobachten, nur beobachten. Duncan zieht mir buchstäblich das Fell über die Ohren, wenn wir hier auffliegen. Ich geh mir mal die Nase pudern, die Gespräche in den Toiletten sind immer sehr aufschlussreich. Du kannst uns ja mal etwas zu trinken holen, wir wollen doch nicht durch Abstinenz auffallen†œ, fügte sie lachend an und bahnte sich ihren Weg. Das stille Örtchen für Damen war gar nicht still. Schon bevor Lucy den Raum betrat, hörte sie ein Gackern, Lachen und Geschnatter, das die Frauen von Stand überhaupt nicht damenhaft wirken ließ. Sie erwischte einen freien Platz am Spiegel, lächelte der Dame neben ihr zu und begann ihre Schminkutensilien aus dem winzigen eisblauen Abendtäschen zu pellen. Aus den Augenwinkeln bemerkte Lucy, wie sie von ihrer Nachbarin einer kompletten Musterung unterzogen wurde, deren Blick nun auf ihrem Ring hängen blieb. „Okay, lass uns spielen†œ, dachte Lucy bei sich. Mit dem unschuldigsten Blick, den man sich nur vorstellen kann, drehte sich Lucy zu ihr und zeigte ihr den Ring voller Stolz. „Ist er nicht hinreißend? Genauso hinreißend wie der Mann, der ihn mir schenkte†œ, trällerte sie los. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie beide mir gehören.†œ Nun lächelte auch die Frau „Darf ich?†œ, und nahm ihre Hand in die ihre, um den Brillanten genauer zu begutachten. „Wirklich außergewöhnlich, und ich muss es ja wissen, ich bin schließlich die Frau einen Juweliers. Darf ich mich vorstellen, Audrey Tiffany.†œ 😎 Lucy zog eine Augenbraue hoch. „Ah, aus Ihrer Reaktion sehe ich, Sie haben von uns gehört. Einer meiner Vorfahren war Charles Lewis Tiffany, unser Geschäft ist immer noch in Familienbesitz.†œ „Ja, welches Mädchen hat noch nicht von Tiffany gehört und geträumt.

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Mein Name ist Lu- äh †“ Catherine, Lady of Kerry. Wir sind hier in den Flitterwochen, mein Mann und ich†œ, fügte sie träumerisch hinzu. „Oh, wie schön, dann darf ich noch gratulieren? Möchten sie und Ihr Mann sich nicht zu uns an den Tisch setzen? Dann können Sie mir noch mehr erzählen. Es wäre schön, ein wenig frisches Blut am Tisch zu haben†œ, schlug sie ihr zwinkernd vor. „Das ist reizend von Ihnen, gerne kommen wir an Ihren Tisch.†œ Lucy wurde allmählich etwas mutiger und fragte mit unschuldiger Miene: „Wie sieht heute eigentlich das Programm aus? Ich dachte, das hier ist eine Geburtstagsparty und alles wirkt so †“ wie soll ich sagen, ohne jemanden kränken zu wollen †“ so steif?†œ „Ja, nicht wahr? Aber ich fürchte, liebe Catherine, so darf ich Sie doch nennen? Ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen. Nach dem Essen ziehen sich die Herren zu einer guten Zigarre zurück, wir sind ja schließlich auf Kuba, und die Damen dürfen den Klängen des Kammerorchesters lauschen.†œ Mit diesen Worten verabschiedete sich Audrey und verließ die Toilette, gefolgt von einer sichtlich zufriedenen Lucy.
Gavin zu finden, war nicht schwer. Sie musste nur dem kichernden Mädchen folgen, das ihn so schwärmerisch beschrieb. Er lehnte lässig an einer der riesigen Säulen des Saales und plauderte mit ein paar für ihn eindeutig zu jungen Damen. Als er Lucy auf sich zu kommen sah, beendete er das Gespräch charmant und ging ihr entgegen. Lucy sah die schmachtenden Mädchen, und auch ihre sehnsüchtigen Blicke entgingen ihr nicht. „Wie gut, dass ich nicht eifersüchtig bin†œ, flüsterte sie ihm ins Ohr. „Bist du nicht? Dann mache ich etwas falsch†œ, sagte er und versuchte enttäuscht auszusehen. „Und? Konntest du den Hühnern irgendwelche Neuigkeiten von Belang entlocken?†œ Gavin musste schmunzeln. „Ah, so ein bisschen Eifersucht steht dir doch gut. Nein, leider. Ich bin froh, dass du mich von ihnen befreit hast. Ich dachte, Rauch kommt schon aus meinen Ohren.†œ „Aber ich hab Neuigkeiten. Deinem Brillanten haben wir es zu verdanken, dass wir am Tisch von Audrey Tiffany und ihrem Mann sitzen. Schau dort drüben, die Dame, die uns so aufgeregt winkt. Komm, lächeln und winken, lächeln und winken.†œ Ganz galant bot Gavin Lucy seinen Arm und so schritten sie zu ihrem Tisch.
Das Dinner verlief ohne besondere Vorkommnisse, belangloses Geplauder, Tratsch und Klatsch über anwesende und nicht anwesende Prominenz. Nach dem Essen zogen die Herren sich wie angekündigt in die riesige Bibliothek zurück. Lucy war etwas niedergeschlagen, weil sie bisher nicht viel in Erfahrung gebracht hatten, aber der Abend war ja noch nicht zu Ende.
Gavin schloss sich den Herren an, um dort sein Glück zu versuchen. Eigentlich rauchte er ja nicht, aber so eine gute Havanna ließ er sich dann doch nicht entgehen. Die Gespräche drehten sich um Aktienkurse, Börsenberichte und diverse andere Geschäfte, mit denen sich Geld verdienen ließ.
Ein Herr allerdings, der sich ihm als Muhammed bin Raschin al Daktoum, Botschafter des Emirates Dubai, vorstellte, wollte wissen, ob er auch zu der in der Nacht angesetzten Geschäftsbesprechung gehen würde. „Natürlich, aber ich bin mir noch nicht ganz sicher, zu welchem Zweck dieses Treffen vereinbart wurde?†œ, erwiderte Gavin. „Na, Geld. Nicht mehr, nicht weniger, die wollen unser Geld. Sie sollten auch zahlen für den Schutz, den sie uns anbieten†œ, flüsterte er ihm geheimnisvoll zu. Und auf einmal verstand Gavin.
Währenddessen quälte Lucy sich durch das Kammerkonzert. Sie konnte keine Gespräche mehr führen und musste zur Untätigkeit verdammt den Klängen des Orchesters lauschen. Das einzig Gute daran war, dass sie sich nicht an diesem sinnlosen Geplänkel von Unterhaltung beteiligen musste. Na ja, wenigstens konnte sie Duncan ein paar Namen bringen.
Nach dem Konzert erwartete sie schon Gavin mit einem Glas Champagner in der Hand. Ihm war anzusehen, dass er Neuigkeiten hatte. „Du siehst aus, als ob du gleich platzen würdest. Na, was hast du herausgefunden?†œ Er zog sie etwas beiseite, legte seinen Arm um sie und hauchte ihr nur ein Wort ins Ohr: „Schutzgelder!†œ Lucy musste nicht nachfragen, das Puzzelteilchen fiel direkt an seinen Platz. Das klang logisch, wenn man wusste, was die Dragons vorhatten.

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Entweder du zahlst, oder du spürst die bald grenzenlose Macht der Dragons. Sie mochte sich gar nicht ausmalen, in solch einer Welt zu leben. Erfreut, nicht mit leeren Händen zu ihren Schwestern und den Brüdern zurückzukommen, schlang sie ihre Arme um Gavin und küsste ihn zärtlich.
Auf einmal zuckte Gavin vor Schreck zusammen und sein Körper versteifte sich. Lucy bemerkte sofort, dass etwas passiert sein musste. Sein Blick richtete sich starr vor Entsetzen auf die Treppe an der gegenüberliegenden Seite des Saales. Eine Frau wurde von Lucius Malfoy, ihnen wohl bekannt als die rechte Hand von Dragon, die Treppe herunter geführt. Eine Frau, so schön und feengleich, wie sie es nur selten gesehen hatte. Mit erschreckend kalter Stimme entfuhr es Gavin: „Lindsay!†œ.
Lucy hätte vielleicht gesagt, dass die Glut seines Zorns mit Händen greifbar war, ehe sie sich ins Gegenteil verkehrte und den gesamten Saal mit Eiseskälte zu erfüllen schien.
„Wir müssen hier weg. Sofort.†œ War alles, was er sagte bevor er sie in Richtung Ausgang zog.

Als die anderen gegangen waren, stand er mit dem Rücken zur Tür und musterte mich von oben bis unten mit einem amüsierten Blick. Plötzlich wurde ich mir meines riesigen ausgewaschenen Sleep-Shirts mit dem Bambi Aufdruck bewusst. Auch musste ich an das weiße Zeugs von Doc auf meinem Gesicht denken, und dass er mich damit gesehen hatte. Prompt lief ich rot an, und schnell verschränkte ich meine Arme über der Brust und drehte mich in Richtung Bett. „Öhm, ich glaube, ich sollte mal langsam anfangen und ein bisschen aufräumen, hier sieht es ja aus wie nach der Schlacht im Teutoburger Wald, und ich möchte endlich ins Bett†œ, sagte ich mit verunsicherter Stimme und kaum ausgesprochen, dachte ich: „Geht†™s noch? Das hört sich ja an wie eine Einladung!†œ „Ich könnte mir auch schnell noch ein Mauseloch suchen, in das ich verschwinden kann, bevor das hier noch peinlicher wird†œ, murmelte ich leise und schloss meine Augen. Da spürte ich, wie er seine Arme von hinten um mich schlang und mich sanft an sich drückte. „Nicht doch, das muss dir nicht peinlich sein, meine kleine Hexe†œ, sagte er leise und küsste mich auf den Kopf. Vampire und ihr verdammtes Supergehör! „Selten habe ich mich so amüsiert wie heute, es hat mir wirklich unheimlich viel Spaß hier mit euch gemacht.†œ Ich legte meine Hände auf seine Arme und lehnte meinen Kopf an seine Brust. „Ich hab dich auch noch nie so lachen gehört, so unbeschwert und so losgelöst, solange ich dich kenne†œ, erwiderte ich und betrachtete das Chaos, das wir alle hier angerichtet hatten. Mein Bett war unter leeren Pizzakartons begraben und fast leere Chips-Tüten lagen überall verstreut auf dem Boden. Die Möbel waren an die Wände gerückt, auf den Kissen klebte das restliche Popcorn neben dem übriggebliebenen Gummizeug, und leere und halbvolle Flaschen nebst Gläsern standen und lagen überall herum. Plötzlich verlor ich den Boden unter den Füssen und fand mich sicher in seinen Armen wieder. Er hatte mich so schnell hochgehoben, dass mir ein bisschen schwindelig wurde. Vampire und ihre verdammte Schnelligkeit! „Oh.†œ Brachte ich nur hervor und verschränkte meine Finger in seinem Nacken. So konnte ich sein Gesicht in aller Ruhe betrachten. Seine Augenfarbe hatte zu einem Mitternachtsblau gewechselt und seine vollen und sinnlichen Lippen steiften über mein Gesicht. „Mmh, da war noch etwas Schokolade… Also hier, in diesem Durcheinander, kannst du nicht bleiben, außerdem liegen hier überall Scherben rum und ich weiß mittlerweile, dass du gerne barfuß läufst. Ich werde Tiago bitten, dass er deine Kabine wieder auf Vordermann bringt. Solange nehme ich dich mit zu mir, aber natürlich nur, wenn du das auch wirklich möchtest, ja?†œ „ Du kannst Fragen stellen†œ, flüsterte ich und rieb meine Nase an seinem Hals. Sein Duft war einfach nur berauschend. Das war ihm wohl Antwort genug, denn er trug mich in null Komma nichts in seine Kabine.

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Dort angekommen, stellte er mich sanft ab, ging zu seinem Schreibtisch und holte sein Handy hervor. Ich beobachtete ihn während er mit Tiago sprach. Sein Blick strich mit einer solch unglaublichen Zärtlichkeit über meinen gesamten Körper, sodass mir die Knie weich wurden. Als er das Gespräch beendet hatte, warf er das Handy auf den Schreibtisch, nahm mich wieder in seine Arme und küsste mich sanft. „Wir wollten es doch langsam angehen†œ, flüsterte er heiser und knabberte an meinem Ohrläppchen. „Ja, das wollten wir†œ, erwiderte ich leise und knöpfte dabei sein Hemd auf, um an seine Haut zu gelangen. Endlich!

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Nach einer Weile kamen wir langsam wieder zu Atem. Während er zärtlich mit seinen Fingern über meine Arme und meinen Rücken strich, drückte er seine Lippen in mein Haar und raunte: „Mein Herz, das war einfach wunderbar… und ich bin froh, dass wir nicht gewartet haben, aber du solltest dich jetzt ausruhen und ein bisschen schlafen.†œ „Mh-mmh†œ, murmelte ich, und als er uns mit seiner Decke zudeckte, kuschelte ich mich in seine Arme. Meine letzten Gedanken waren: „Mein Vampir und seine wunderbar liebevolle Art…†œ
Als ich am nächsten Morgen aufgewacht war, lag er nicht mehr neben mir, sondern stand nackt mit dem Rücken zu mir an seinem Schreibtisch. Mit dem Handy in der Hand redete er mit gedämpfter Stimme auf jemanden ein. Ich hatte noch nicht mal gehört, dass es geklingelt hatte. Doch plötzlich drehte er sich zu mir um und sah mich entsetzt an: „Was sagst du da, Gavin? Wen hast du gesehen?†œ

Nachdem Drago gegangen war, fiel Kerstin in einen tiefen traumlosen Schlaf. Sie wusste nicht wie lange sie geschlafen hatte, aber es ging ihr nach dem Aufwachen besser. Drago war noch nicht wieder zurück und sie überlegte, was der Auslöser für sein Verhalten gewesen sein konnte. War es die Tatsache, dass irgendein Wesen durch sie zu ihm gesprochen hatte? Oder lag es daran, dass sie ihm ihre Liebe gestanden hat? Kerstin wusste ja um die Gefühle, die Drago für Lindsay empfunden hatte. Vielleicht war er einfach noch nicht so weit und wollte es nicht zugeben, um sie nicht zu verletzten? Tja, das war jedenfalls nicht der richtige Weg gewesen. Kerstin versuchte sich zusammen zu reißen, um nicht wieder zu weinen. Sie beschloss erst mal heiß zu duschen, das half ihr eigentlich immer. Als sie unter den heißen Wasserstrahl stieg, und nach seinem Duschgel griff, es öffnete und ihr der intensive Duft in die Nase stieg, war es mit ihrer Selbstbeherrschung vorbei und sie ließ ihren Tränen freien Lauf. Sie bemerkte nicht einmal, dass Drago in der Zwischenzeit wieder in seine Kabine zurückgekehrt war. Er hörte durch die nur angelehnte Tür ihr Schluchzen, und er hörte auch ihre Gedanken. „Was habe ich nur gesagt, dass ihn so verschreckt hat? Oder war es doch noch wegen Lindsay?“, grübelte sie und stellte das Wasser ab. Das versetzte ihm einen schmerzhaften Stich. Er hatte sich eigentlich nur Sorgen gemacht wegen dem, was vorher passiert war. Das mit Lindsay lag doch so lange hinter ihm. Er konnte nicht ändern was damals passiert war, und seine Gefühle waren auch nie so intensiv für Lindsay gewesen, wie Kerstin jetzt annahm. Es wurde dringend Zeit für ein offenes Gespräch. In Gedanken sagte er zu ihr: „Ich bin wieder da. Darf ich zu dir rein kommen?“ Augenblicklich verstummte Kerstin. Es entstand ein langes Schweigen bevor sie laut antwortete: „Ja, es ist ja schließlich dein Bad.†œ Als Drago ins Badezimmer trat, stand Kerstin noch immer unter der ausgestellten Dusche. Und er sah, dass sie fror. Sofort nahm er das große Badetuch, wickelte sie liebevoll darin ein und rubbelte sie sanft trocken. Als er sie in die Arme nahm, zitterte sie. Zusammen gingen sie in das andere Zimmer. „Es ist vielleicht besser, wenn du dir erst mal etwas anziehst. Du bist etwas ausgekühlt. Und dann möchte ich mit dir reden. Soll ich solange vor die Tür gehen?†œ „Sei nicht albern, als wenn du mich noch nie nackt gesehen hättest†œ, sagte Kerstin leicht gereizt. Drago musste über diese Antwort schmunzeln. Während Kerstin ihre Sachen zusammen suchte, stand er vor dem riesigen Fenster und tat so, als wenn er hinaus schauen würde.

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In Wirklichkeit beobachtete er aber das Geschehen im Zimmer, ihren biegsamen wunderschönen Körper, wie sie mit den ihr eigenen geschmeidigen Bewegungen sich langsam anzog. Ihr Gesicht, ihre Beine, ihre Brüste, und er musste daran denken, wie sie sich anfühlte, wie sie schmeckte… Woraufhin er einen Schuh an den Kopf bekam mit der Bemerkung: „Da habe ich jetzt gerade überhaupt keine Lust drauf!†œ Etwas zerknirscht drehte Drago sich um. „Okay, du wolltest mit mir reden†œ, versuchte Kerstin so gleichgültig wie möglich zu sagen. Was aber nicht klappte, da sie ein deutliches Zittern in ihrer Stimme hatte. Drago deutete auf die kleine Sitzecke und beide nahmen Platz. Er musste sich räuspern und blickte ihr fest in ihre Augen: „Okay, reden wir nicht lange um den heißen Brei herum. Ich habe gehört, was du unter der Dusche gedacht hast, und ich kann dir dazu nur sagen, dass du nichts falsch gemacht hast. Es hat auch nichts mit meinen früheren Gefühlen für Lindsay zu tun. Ja, ich habe sie damals geliebt, aber nicht so sehr, wie ich dich jetzt liebe. Es war nie so intensiv wie es bei uns beiden ist, glaubst du mir das?“ Kerstin schaute ihm die ganze Zeit in die Augen und legte dann den Kopf leicht schief. „Ja, ich denke, ich glaube dir. Es hätte ja eh keinen Sinn mir was Falsches zu erzählen, oder?“, sagte sie mit einem leichten Lächeln. Drago sprang auf und ließ sich vor ihr auf die Knie fallen. Der erste Gedanke, der Kerstin in diesem Moment durch den Kopf schoss: „Oh, nein, bitte nicht!†œ Drago fing laut an zu lachen: „Hey, meinst du wirklich, ich wollte dir jetzt einen Antrag machen?“ Kerstin wurde rot. „ Nee mein Schatz, ich wollte dich nur vor Erleichterung küssen.“ Und in Gedanken fügte er noch hinzu: „Und vielleicht machen wir da weiter, wo wir vorhin aufgehört haben?“ Sie stand auf und knuffte ihn liebevoll in die Seite: „Später mein Schatz. Jetzt muss ich erst mal ein paar Nachforschungen über Peru anstellen und ein wenig trainieren. Auch möchte ich mich mit meinen Schwestern treffen und reden.“ Drago versuchte es mit seinem Drachenblick, aber Kerstin ließ sich nicht erweichen und ging Richtung Tür. Völlig verwirrt stand Drago noch an der gleichen Stelle.  Kerstin drehte sich zu ihm um und sagte mit einem Kichern: „Das, mein Schatz, war für dein Spannen vorhin. Und jetzt hast du ja was, worauf du dich nachher freuen kannst.“ Und schon war sie schnell durch die Tür verschwunden, bevor Drago sie erreichen konnte. Das einzige, was er noch hören konnte, war ihr schelmisches Lachen im Flur.

Nach unserem Pärchenabend, der ja eigentlich als Mädelsabend geplant war, machte sich Lilli gleich auf den Weg zu ihren Computern. Fernando begleitete sie. Sie gingen schweigend nebeneinander her. Fernando spürte, dass irgendetwas Lilli bedrückte. Er überlegte, sie darauf anzusprechen, entschloss sich dann aber zu warten, bis sie mit der Sprache herausrückte. Im Computerraum angekommen, überprüfte Lilli die Bildschirme und schaute kurz über die Daten, die schon eingetroffen waren. „Gut, alles läuft so wie ich mir das vorstelle. In zwei bis drei Stunden habe ich alles zusammen.†œ Sie drehte sich zu Fernando um. „Genügend Zeit für ein wichtiges Gespräch.†œ Bevor er reagieren konnte, hatte Lilli seine Hand genommen und zog ihn hinter sich her. „Ich würde sagen, wir gehen in meine Kabine. Das ist näher.†œ Fernando war so verblüfft und auch etwas verunsichert, dass er Lilli ohne weiteres folgte. In Ihrer Kabine, drehte sie sich zu ihm um und schaute ihm fest in die Augen. Sie drückte seine Hand so fest zusammen, dass es ihm Schmerzen bereitete. Sie kämpfte sichtlich mit sich und den Worten, die sie sagen wollte. „Fernando……Ich bin noch nie mit so einem Mann wie dir zusammen gewesen. Ich bin es nicht gewohnt, mich auf einen Mann zu verlassen. Immer war ich der stärkere Part, ich hatte immer die Kontrolle. Und jetzt……. alles was ich wusste und konnte, alles was mir half zu leben, zu überleben, verlässt mich, wenn ich bei dir bin. Durch meine Liebe zu dir verliere ich die Kontrolle über mich, ich falle ins Bodenlose.†œ Lilli schluckte schwer, aber sie musste es aussprechen. „Ich habe angst!†œ
Fernando befreite seine Hand und streichelte zärtlich ihre Wange, dann nahm er sie in seine Arme. „Du musst keine Angst haben, ich fange dich auf†œ, sagte er liebevoll an ihrem Ohr. „Ich werde immer bei dir sein, dich lieben, halten und beschützen. Das schwöre ich dir, bei allem was mir heilig ist.†œ Er strich mit seinen Lippen über ihre Wange und küsste sie sanft. Plötzlich wurde ihr bewusst, wie sehr sie sich nach diesen Armen, nach diesen Lippen, nach diesem Mann gesehnt hatte. Noch vor kurzem kannte sie ihn gar nicht, dieser Mann war ein Fremder für sie. Doch nun spürte sie, dass sie immer auf der Suche nach im gewesen war. Nun hatte sie ihn gefunden. Sie ließ sich fallen und küsste ihn voller Hingabe. Bei ihm fühlte sie sich endlich geborgen, geliebt und sicher. Ihr beider Kuss wurde leidenschaftlicher, er trug sie auf seinen Armen zu der großen Liege an der Fensterfront. Er ließ sie auf die Liege gleiten und schaute sie glücklich lächelnd an. „Jetzt bin ich mir sicher, dass du mich liebst.†œ „Wieso?†œ, hauchte Lilli. „Du leuchtest, aber in einem ganz besonderen, dunklen Grün.†œ „Ich habe es dir ja gesagt, totaler Kontrollverlust†œ, flüsterte Lilli. Sie zog Fernando zu sich.

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Fernando beugte sich zu Lilli und gab ihr einen zärtlichen Kuss.

Gavin zog Lucy ohne ein weiteres Wort zu sagen aus dem Saal. Inzwischen war die Nacht sternenklar hereingebrochen. Die Luft war angenehm kühl und roch nach Salz und Meer.
Er knurrte sie nur kurz an „nicht hier, nicht jetzt†œ und eilte ziellos durch die Straßen. Er stand immer noch unter Schock und konnte die Tragweite der Ereignisse noch nicht fassen. Erst als sie am Hafen angekommen waren, verlangsamte er seine Schritte, ließ sich erschöpft auf einer Bank nieder, den Kopf in seinen wunderschönen Händen vergraben. Lucy, die immer noch nicht genau wusste, was soeben passiert war, kniete sich vor ihn hin, zog seinen Kopf zu sich und küsste ihn voller Zärtlichkeit und Mitgefühl. Ihre Stirn an die seine gelehnt flehte sie ihn an: „Bitte rede mit mir, Gavin. Was war da drinnen eben los?†œ Gavin, immer noch starr vor Entsetzen, sah ihr lang in die Augen, bevor er ihr antwortete.
„Ich habe jemanden gesehen, der eigentlich tot sein müsste. Du hast doch von Lindsay gehört. Sie tauchte in letzter Zeit häufiger in meinen Träumen auf. Ich bin immer davon ausgegangen, dass mein Unterbewusstsein so versucht die Trauer und den Verlust zu verarbeiten. Aber Lindsay lebt und ich habe sie in meinen Visionen gesehen, weil sie lebt. Eigentlich müsste mir das Herz vor Freude zerspringen, aber ich kann es irgendwie noch nicht glauben. Was macht sie da? Es kann doch nicht sein, dass sie jetzt zu den Dragons gehört? Sie würde uns niemals so verraten.†œ Natürlich hatte Lucy die Geschichte von Lindsay gehört und Anteil an dem großen Verlust der Brüder genommen. „Wir gehen ins Hotel zurück, dort reden wir weiter. Vielleicht finden wir ja etwas heraus, jetzt wo wir wissen, wonach wir suchen müssen.†œ Schweigend gingen sie zurück zum Hotel. Lucy spürte die Anspannung, unter der er stand. Er wollte dieses Rätsel lösen. Nicht nur für die Brüder, sondern vor allen für sich selbst. Zu lange litt er schon unter den Träumen.

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Bei jedem Brand, den er ungewollt entfachte, war es für ihn schwieriger eine Erklärung oder Entschuldigung hervorzubringen. Er wollte nicht, dass sich seine Ordensbrüder oder jetzt die Vash-Schwestern, insbesondere Lucy, Sorgen um ihn machten. Er fühlte sich so schwach und verletzlich. Sein Leben glitt ihm allmählich aus den Händen. Lucy hatte einen guten Instinkt, wenn es darum ging Stimmungen und Gefühle einzuschätzen. Deshalb ließ sie ihn in Ruhe, zumindest fürs Erste.
Gavin ging in ihrer Suite direkt zu seinem Laptop und schaltete ihn ein. „Fahr meinen bitte auch hoch. Ich spring nur schnell unter die Dusche und zieh mir etwas Bequemeres an. Die Schuhe sind echt die Hölle, wer so etwas erfunden hat, muss irgendwie krank gewesen sein†œ, scherzte Lucy. Sie versuchte sein Schweigen mit Belanglosigkeiten zu durchdringen, allerdings ohne Erfolg.
Sie zog sich in Windeseile sich und schlüpfte in die riesige verglaste Dusche. Das Wasser kam eiskalt aus dem Duschkopf und im ersten Moment, als sie der kalte Wasserstrahl Lucy traf, rutschte ihr ein kleiner Schreckensschrei über die Lippen. Sie stellte die Temperatur etwas höher, nicht zu kalt, nicht zu heiß. Das Wasser spülte die Hitze und ihre Sorgen ab, ihre Gedanken wurden wieder klar und gaben ihr neue Energie. Gavin, der nebenan am Computer saß und ihren Aufschrei gehört hatte, stand lässig an den Türrahmen gelehnt und beobachte das Duschszenario. „Was für eine Frau†œ, dachte er. Sie stand mit dem Rücken zu ihm, so dass sie ihn nicht bemerkt hatte. Ihr schlanker Körper war über und über mit duftendem Schaum bedeckt, der wie kleine Wolken auf ihrer Haut tanzte. Ihr Haar, das ihr fast bis zu den Hüften reichte, schlang sie zu einem dicken Zopf, den sie mit Conditioner einrieb. Ihre Hände kneteten und massierten den dicken Strang, damit sich die Lotion gleichmäßig verteilte und in ihr Haar einzog. Etwas Erotischeres hatte Gavin noch nie gesehen. Obwohl er am liebsten zu ihr in die Kabine geschlüpft wäre, blieb er dort im Türrahmen stehen. Um nichts in der Welt, wollte er diesen Moment zerstören. Er schaute zu und genoss ihren Anblick. Leise schlich er an seinen Computer zurück, konnte aber ein Grinsen nicht länger unterdrücken und begann mit seinen Nachforschungen. Lucy hatte sich inzwischen abgetrocknet und kam mit einem weißen und flauschigen Ungetüm von Bademantel bekleidet aus dem Bad. Sie trat hinter ihn, schlang ihre Arme um ihn und küsste ihn auf den Scheitel. „Warum hast du die Vorstellung so früh verlassen?†œ, fragte sie ihn neckend. „Du hast mich bemerkt? Ich wollte nicht…, äh, ich konnte nicht…, ach, vergiss es!†œ, stammelte er. „Natürlich hab ich dich bemerkt, im ersten Moment schon. Weißt du, ich spüre deine Nähe, so wie eine elektrische Schwingung, die mal schwächer, mal stärker ist. Schade, ich wollte noch den Seifentrick anwenden, dem hättest du nicht widerstehen können†œ, sagte sie und zwinkerte ihm zu. „Was ist der Seifentrick?†œ, wollte er wissen. „Den kennst du noch nicht, he? Na, ungeschickt wie ich nun mal bin, wäre mir die Seife heruntergefallen. Und ich hätte mich ganz langsam nach ihr gebückt, um sie wieder aufzuheben. Aber dieses glitschige Ding kann man ja nicht beim ersten Mal greifen. So ein Pech aber auch, aber ich bin mir sicher, sie fällt für dich noch einmal und wir …†œ Mit einem Ruck zog er sie auf sich und küsste sie heiß und fordernd. „Still, du kleines Plappermaul. Du brauchst doch keine Tricks bei mir. Ich will dich, ich wollte dich schon immer, und ich werde dich immer wollen. Ohne Tricks. Liebe mit dir ist wie ein Hurrikan, ich möchte mich voll auf dich konzentrieren. Und das kann ich zur Zeit nicht. Und du verdienst nichts anderes, ich möchte keine halben Sachen machen, auch nicht im Bett, verstehst du das? Aber du musst mir noch ein wenig Zeit geben. Ich muss das hier auf die Reihe kriegen, das ist wichtig für mich, ok?†œ „Ja, Gavin, ist doch in Ordnung, ich werde dir helfen.†œ Mit einem Nicken besiegelte er ihr Abkommen. Sie wirkte ein wenig geknickt darüber, dass sie ihn nicht verführen konnte, aber innerlich jubilierte sie. Sie hatte ihn genau da, wo sie ihn haben wollte. Ihr war schon lange klar, dass sie ihr persönliches Glück erst richtig genießen konnten, wenn er diese Sache mit Lindsay und seinen Träumen geklärt hatte. Und dass sie ihm dabei helfen durfte, was er bisher immer abgelehnt hatte. „Na dann mal los. Was haben wir bis jetzt?†œ Sie waren ein Team und ergänzten sich. Ihre Nachforschungen gingen zurück bis zu dem Tag, an dem Lindsay sich von der Klippe gestürzt hatte. Gavin konnte immer noch nicht fassen, dass sie das überlebt hatte. Es gab Augenzeugen, die Lindsay sahen, wie sie sprang. Auch wenn ihr Leichnam nie gefunden wurde, hatten sie nie an ihrem Tod gezweifelt. Er ärgerte sich über sich selbst, dass er seine Träume falsch gedeutet hatte. Wenn er doch nur auf seine Mutter gehört hätte, wenn er von ihr gelernt hätte, und wenn er sich mit seinen Fähigkeiten des Sehens beschäftigt hätte, ja sie angenommen hätte. Tja, alle „Wenns†œ nützten ihm jetzt nichts. Sobald dieser Alptraum vorüber wäre, würde er sich helfen lassen. Vielleicht wussten ja die Schwestern einen Rat oder konnten ihm einen guten Lehrmeister oder Lehrmeisterin empfehlen. Ja, das würde er tun. Sie arbeiten konzentriert, effektiv und durchaus erfolgreich. Sie suchten in Zeitungsausschnitten und durchforsteten fast jede Datenbank nach Lindsay. Für sie war es eine Kleinigkeit sich die Informationen zu beschaffen. Wenn man wusste, wonach man suchte, war der Rest nicht mehr schwer. Und so fanden sie relativ schnell heraus, dass sie sich jetzt Lin Sayer nannte. In einem Artikel der New York Times über die Eröffnungsfeier des neuen Wolkenkratzers in Dubai entdeckten sie Lindsay auf einem Pressefoto. Sie stand direkt neben dem Anführer der Dragons und lächelte vorteilhaft in die Kamera. Die Schlagzeile lautete: Glanzvolle Eröffnungsfeier von Burj Tower in Dubai. Ihr Name stand unter dem Foto. „Nicht sehr einfallsreich†œ, dachte Lucy bei sich, „wenn ich nicht gefunden werden möchte, würde ich mich doch komplett anders nennen. Und ich würde auch mein Äußeres verändern.†œ Sie wurden nicht schlau daraus.

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Gavin hatte ihr erzählt, sie hätte sich kaum verändert. Sie sah ein bisschen älter, reifer, weiblicher aus als die Lindsay, die er noch gekannt hatte. Aber sie sei sie selbst geblieben. Fieberhaft durchsuchten sie fast die ganze Nacht das Internet nach weiteren Informationen. Wie war Lindsay nur an die Dragons geraten? Scheinbar hatte die Verbrecherorganisation auch ihre Finger bei diesem höchsten Wolkenkratzer der Welt im Spiel. Nachdem sie völlig erschöpft waren, zog Gavin Lucy von ihrem Stuhl und trug sie aufs Bett. Sobald sie die Matratze berührt hatte, schlief sie auch schon. Gavin strampelte sich noch die Schuhe von den Füßen und legte sich mit allen Kleidern neben sie. Auch bei ihm dauerte es nicht lange, und er fiel in einen traumlosen Schlaf. Mitten in der Nacht wurde Lucy von einem Geräusch geweckt und schreckte hoch. Sie wusste nicht wie lange sie geschlafen hatte, aber da war es wieder, ein leises Klopfen an ihrer Tür. „Gavin†œ, flüsterte sie, „da ist jemand an der Tür.†œ Gavin war sofort hellwach. Wer würde sie zu dieser Zeit in ihren Alibi-Flitterwochen stören? Er ging an die Tür, zog den Riegel zurück und öffnete sie nur einen Spalt. „Was willst du hier, Lindsay?†œ, hörte Lucy ihn knurren. „Gavin, lass mich rein. Ich darf hier nicht gesehen werden, aber ich muss dringend mit dir reden. Bitte!†œ, flehte sie ihn an. Er trat einen Schritt zurück, sodass Lindsay an ihm vorbei ins Zimmer schlüpfen konnte. Sie ließ ihren Blick schweifen, als würde sie nach etwas suchen. Doch das Zimmer war leer, nur eine kleine Katze lag zusammengerollt auf dem Bett. „Was willst du hier?†œ „Oh, ich dachte, ich könnte mit dir und dieser Frau, die dich heute Abend begleitet hat, reden. Ist sie nicht hier?†œ wunderte sich Lindsay. „Ich weiß nicht, wovon du sprichst und abgesehen davon geht dich meine Leben nichts mehr an. Ich muss schon sagen, du hast ganz schön Mut hier aufzutauchen.†œ Gavin ging zum Bett, setzte sich darauf und nahm die Katze in den Arm. „Die ist aber sü߆œ, sagte sie und streckte ihre Hand aus, um die Katze zu streicheln. Ein wildes Fauchen ließ sie innehalten. „Sie mag nicht jeden, und Fremde schon gar nicht†œ, erklärte ihr Gavin, konnte aber ein Grinsen nicht unterdrücken. „Tja, also nun, es ist schön, dich nach so langer Zeit wieder zu sehen†œ, plapperte Lindsay los. „Es ist viel passiert seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben. Vielleicht sollte ich ein paar Dinge erklären.†œ „Ja, das solltest du. Aber nicht hier und jetzt. Wenn du reden willst, dann mit Duncan. Ich kann ein Treffen arrangieren.†œ Auf einmal ließ Lindsay ihre Fassade fallen und das harmlos und naiv wirkende Frauchen wurde ganz geschäftsmäßig. „Okay, aber ich darf nicht gesehen werden. Das würde meinen Tod bedeuten. Und euren auch.†œ „Darüber mach dir mal keine Sorgen, ich werde Duncan sofort informieren. Wie kann ich dich erreichen?†œ Sie zog eine kleine Karte aus ihrer Tasche. „Das hier ist eine Bar. Dahinter ist ein kleiner Laden mit Werkstatt, in dem Zigarren gerollt werden. Gib dich als Käufer aus und frag nach Lin Sayer.†œ Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und ging. Als die Tür ins Schloss gefallen war, sprang Lucy von Gavins Schoß und verwandelte sich vor seinen Augen zurück in ihre menschliche Gestalt.
Lächelnd zog sie ihren Bademantel wieder an und reichte Gavin sein Handy. „Du musst telefonieren, Schatz†œ. Er glaubte, sie noch schnurren zu hören, als er das Telefon nahm.

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Fortsetzung: Black Dagger Ladies Online †“ Letzte Vorbereitungen [Kapitel 12]

Social Web: Erreicht das Anfängerseminar die Zielgruppe? #BuchSW

Social Web: Erreicht das Anfängerseminar die Zielgruppe?

Das Who-is-Who der deutschen Verlagsszene war dem Aufruf von Lovelybooks gefolgt und hatte seine Teilnahme für die erste Veranstaltung zum Thema †Social Web: Der direkte Kontakt zum Leser†œ am 05.02.10 im Münchner Literaturhaus zugesagt.  Die meisten Verlage hatten Vertreter, zumeist aus dem Bereich des Marketings oder der Pressearbeit, geschickt. Den kleineren Anteil der Teilnehmer stellten die Betreiber von Websites und Blogs, Buchhändler, Autorinnen und Autoren, Lektoren, Literaturagenten, Redakteure und Journalisten. Mehr als 130 Personen trafen sich im Münchner Literaturhaus. Viele waren von weit her angereist. Eine Verlagsmitarbeiterin war um fünf Uhr morgens im Schwarzwald in den Zug gestiegen, andere kamen aus Hamburg oder Berlin.

Mitarbeiterinnen von Lovelybooks verteilten am Eingang vorbereitete Namensschilder und eine Stofftasche mit Werbematerial. In dem Raum neben dem Saal des Literaturhauses standen bereits Stärkungen bereit. Das sollte so bleiben. Das Catering Unternehmen, das Lovelybooks engagiert hatte, versorgte die Teilnehmer den ganzen Tag über mit allerlei Köstlichkeiten.

Lovelybooks hatte kurz vor dem Termin per Mail die Teilnehmer um das Mitbringen ihrer Laptops gebeten. Ebenfalls war schon im Vorfeld der Wunsch geäußert worden, dass alle bereits über einen Twitter- und Facebook-Account verfügen sollten. Für viele war diese Voraussetzung mit Sicherheit eine Überraschung. Schließlich hatte man aufgrund der Programmpunkte erwarteten können, dass jedem Teilnehmer der Umgang mit Twitter und Facebook vermittelt werden sollte.

Die Stuhlreihen waren mit diversen Steckdosenleisten versehen, und so saßen alle mit ihren Laptops auf den Knien pünktlich im Saal und versuchten über die genannten WLAN-Zugangsdaten Kontakt zum Netz herzustellen. In der Mitte der Bühne, hinter dem Rednerpult, befand sich eine große Leinwand. Hier wurden die jeweiligen Benutzeroberflächen, die die Referenten für ihre Vorträge zur Veranschaulichung  benötigten, auf eine Leinwand projeziert. Links davon befand sich eine ebenso große Leinwand, die sogenannte Twitterwall. Den ganzen Tag wurde das Gezwitscher mit dem Hashtag #BuchSW von Twitter in den Saal übertragen. Das sorgte für einige Belustigung, führte allerdings auch zu Ablenkungen bei den Teilnehmern und Irritationen bei den Referenten. Die Veranstaltung wurde per Livestream ins Web übertragen.

Um 10 Uhr begrüßte Sandra Dittert, eine der Gründerinnen von Lovelybooks, die Teilnehmer und stellte die Wirtschaftsinformatikerin und Gründerin der österreichischen Firma Digitalks, Meral Akin-Hecke, als Moderatorin für das Event vor. Mit Meral Akin-Hecke hat Lovelybooks eine sympathische Moderatorin gewählt, die die Veranstaltung souverän leitete.

Planmäßig trat Leander Wattig als erster Referent hinter das Rednerpult und erklärte, welche Tools, und damit meinte er in erster Linie Facebook und Twitter, wichtig sind und wie die Buchbranche durch die Nutzung dieser Plattformen auf sich aufmerksam machen kann. Schnell wurde sichtbar, welch schwierigen Spagat er versuchte. Viele der Teilnehmer sind längst online-versierte Fachleute, für den Rest war der Vortrag eindeutig zu fachlich. Dies verleitete das anwesende Literaturcafé dazu hinter Wattigs Rücken: „Habe den Eindruck, dass #BuchSW als Anfängerseminar nicht die Zielgruppe erreicht“, zu twittern. Vielleicht hätte Leander Wattig am Ende der Veranstaltung in einer Zusammenfassung für mehr Klarheit bei den „Newbies“ sorgen können.

Im Anschluss erklärte Nina Reddemann vom Hanser Verlag, auf sehr anschauliche Art und Weise, wie ihr Unternehmen mit Facebook und Twitter arbeitet. Der Hanser Verlag betreibt seit August 2009 eine Facebook-Seite und hat diese auf seine Website integriert. Das Ergebnis sind ca. 300 Fans. Die Erkenntnis, dass Verlage es nicht gewohnt sind mit den Lesern zu kommunizieren, ist sicherlich die erste Voraussetzung für einen Sinneswandel in der Verlagsbranche. Je mehr Fans z.B. bei Facebook, umso größer ist die Erreichbarkeit der Leser und Kunden. „Ich will nicht Fan eines Verlages sein, sondern ich will Fan eines wirklich guten Buches sein …“, lautete allerdings die Botschaft auf der Twitterwall.

Nach einer kurzen Kaffeepause, die alle für lebhafte Diskussionen nutzten, sprach Christian Horvath von morgenjungs.com über Social Networks am Beispiel Facebook. So hat der Autor Daniel Glattauer über eine Facebook-Seite, die der Hanser Verlag eingerichtet hat und betreut, bereits 2555 Fans. Das sind über acht Mal mehr als der Verlag selbst verzeichnet hat. Der Knaur Verlag, dessen Team sich oft via Twitter und auch persönlich zu Wort meldete, zwitscherte die Zahl 696 für den relativ neuen Pan Verlag – das Ergebnis einer sehr aktiven Arbeit auf Facebook. Hingegen haben nur 47 Buchhandlungen Fanpages mit insgesamt lediglich 4000 Fans. Im weiteren Verlauf wurde über den Umgang mit den Fans gesprochen und wie man am besten mit Kritik umgehen sollte.

Thomas Pfeiffer von webevangelisten.de sprang nach der Mittagspause für die Web 2.0-Spezialistin Nicole Simon, die kurzfristig abgesagt hatte, ein und berichtete über das Thema „Twitter, viel mehr als nur unnötiges Gezwitscher. Gemeinsam probieren wir es aus.“ Prompt erschien wiederum eine höhnische Bemerkung von dem Literaturcafé auf der Twitterwall: „Jetzt wird den 95% der anwesenden Twitterer Twitter erklärt. #BuchSW.“ Thomas Pfeffers Bitte mal kurzzeitig aufs „Twittern“ zu verzichten, löste eher das Gegenteil aus und so ging seine Erklärung über die Funk­ti­ons­weise die­ses Micro­blog­ger­diens­tes fast unter.

Ein Highlight der Veranstaltung war auf jeden Fall der Auftritt von Krimiautor und Entertainer Andreas Franz. Ihm wurde mit Hilfe von Thomas Pfeiffer ein Twitter-Account (@krimifranz) eingerichtet, auch wenn er offen bekannte, dass er Sinn und Zweck der Nutzung von Twitter noch nicht erkannt habe. Und so schickte er kurzerhand einen Gruß an seine Tochter, überbrückte sehr unterhaltsam mit Smalltalk eine kurze technische Panne und verschwand wieder. Zuvor hatte er noch aus dem „Hashtag“ einen „Haschtag“ gemacht und damit für weitere Belustigung bei den Teilnehmern im Saal und im Livestream gesorgt.

Mar­cus Rafels­ber­ger setzte das Thema „Autoren im Social Web“ im Anschluss fort. Im Wesentlichen teilte er mit, dass er trotz seiner intensiven Aktionen im Netz wenig Erfolg damit hat.
Nachtrag: Aufgrund von technischen Problemen, wurde der Vortrag von Marcus Rafelsberger leider etwas verstümmelt. „Das wird der Sache nicht gerecht“, sagt der Autor von „Menschenteufel“. Sein erster Krimi erschien im September 2009 im Emmons Verlag. Seine Präsentation steht als PDF-Datei auf der LoveleyBooks-Site zum Download zur Verfügung. Absolut lesenswert sind seine detaillierten Ausführungen für alle Autoren, die gerade versuchen ihre eigenen Publikationen zu vermarkten. Wer die Tipps beherzigt, kann mit Sicherheit viel Zeit sparen und auch erfahren, was eben doch etwas bringt.

Susanne Martin, Inhaberin der Schillerbuchhandlung, vermittelte in ihrem Vortrag sehr anschaulich die Möglichkeiten für den stationären Buchhandel. Sie nutzt sowohl Twitter als auch Facebook und arbeitet mit dem Medium Podcast für die Vorstellung ihrer Bücher.

„Gerade einmal fünf Sortimenter waren bei der Konferenz Social Web im Münchner Literaturhaus. Aber können wir Buchhandlungen es uns denn leisten zu sagen: keine Zeit? Reicht eine Homepage noch aus? […] Entwickelt sich das Internet nicht immer mehr zur inzwischen deutlich spürbaren Konkurrenz für den stationären Buchhandel? Reicht eine Homepage noch aus †“ sollten wir nicht vielmehr auch versuchen, noch auf anderen Kanälen ins Gespräch zu kommen mit unseren Kundinnen und Kunden, von denen auch immer mehr immer mehr Zeit vor dem PC verbringen?“[…]

Das Feedback zum Event von Frau Martin unter dem Titel „Keine Zeit fürs Social Web?“ auf Buchreport.de (08.02.2010)

Karla Paul, die Betreiberin der Buchkolumne, seit kurzem Angestellte bei Lovelybooks, ging zum Abschluss der Veranstaltung als letzte Referentin gegen 16 Uhr auf die Blogosphäre ein: „Was bewirken Multiplikatoren im Social Web, und wie finde ich die Richtigen“ war ihr Thema. Ihre Empfehlung lautete authentisch zu sein und sich treu zu bleiben.

Dem kann ich mich nur anschließen.

Schön war´s und interessant, und ein Anfang sich auf die anstehenden Veränderungen in der Buchbranche vorzubereiten. Vielen Dank an LovelyBooks!

Reaktionen über die Veranstaltung im Netz:

Zukunft im Social Web? BuchMarkt, 06.02.10
Lovelybooks-Event †œSocial Web†: Gedanken zur Nutzung von Social Media in der Buchbranche Meine Verlag-Blog, 06.02.10
Präsentationsfolien zu meinem Vortrag auf dem LovelyBooks-Event LeanderWattig, 06.02.10
Lovelybooks-Event: Betreutes Twittern im Münchner Literaturhaus Das Literatur-Café, 07.02.10
Die Vorträge zum Nachhören auf LovelyBooks 08.02.2010
Nebenberuf: Kommunikator Cronenburg  08.02.2010
Social Media für die Buchbranche: Bringen Twitter & Co. wirklich Leser? Recht und Sprache, 08.02.2010

Martin Walsers neue Novelle „Mein Jenseits“ auf FAZ.net

Mein JenseitsSeit dem 01.02.2010 stellt die Frankfurter Allgemeine Zeitung in fünf Folgen auf FAZ.net Martin Walsers neue Novelle „Mein Jenseits“ in fünf Folgen vor.

Aktuell ist die Einführung zur Novelle „Mein Jenseits“ und die Leseprobe der Folge 1 mit dem Titel: „Wenn ich ein Alter Knabe bin, ist er ein Alter Bub“ online gestellt.

Mein Jenseits ist die zweite Novelle Martin Walsers – die erste war sein 1978 erschienenes Fliehendes Pferd.  Zugleich erlaubt Mein Jenseits auch schon einen Blick in den nächsten Roman des Autors, der im kommenden Jahr unter dem Titel Mutter Sohn erscheinen soll, und in dem die Leser Augustin Feinlein erneut begegnen können.

Martin Walser stellt sich in seiner Novelle Mein Jenseits, die am 04.02.10 im Verlag Berlin University Press erscheint, die Frage wie Wissen und Glauben sich zueinander verhalten und was von beidem das Leben aushaltbarer macht. Wie die FAZ berichtet, lässt sich die Novelle auch als ein ganz persönliches Glaubensbekenntnis lesen. Walser, dem seine Geschichten seit je ein „unterirdischer Himmel“ sind, hat mit Augustin Feinlein einen großartigen, vitalen Protagonisten geschaffen, einen Mann, der nicht länger auf eine bessere Wirklichkeit, sondern auf ein besseres Ich hofft, und dessen energisches Bedürfnis, seine Gedanken zu Ende zu denken, ihn angepassteren Naturen nicht ganz geheuer macht.

Kurzbeschreibung
Augustin Finli, Chef des Psychiatrischen Landeskrankenhauses Scherblingen, weiß, was Älterwerden bedeutet. Ab dreiundsechzig hat er mit dem Zählen der Geburtstage aufgehört und sein Lebenscredo gefunden: „Glauben heißt lieben.“ Scherblingen war bis 1803 ein Kloster. Der letzte Abt war ein Vorfahr von Augustin Finli. Der hat, als er noch ein junger Arzt war, ein Seminar besucht, um sein Latein zu verbessern. Im Seminar unangefochtene Beste war Eva Maria Gansloser. Die beiden sind dann so gut wie verlobt. Aber Eva Maria heiratet den Grafen Wigolfing, der an der Eiger Nordwand erfriert. Darauf heiratet sie den 18 Jahre jüngeren Dr. Bruderhofer. Das erregende Moment: Dr. Bruderhofer ist Oberarzt unter Augustin Finli. Eva Maria schickt gelegentlich Postkarten, die Finli sagen sollen, sie könne ihn so wenig vergessen wie er sie. Kann er das glauben? Er glaubt es. „Eine Sekunde Glauben ist mit tausend Stunden Zweifel und Verzweiflung nicht zu hoch bezahlt.“ So Finli. Und: „Glauben lernt man nur, wenn einem nichts anderes übrig bleibt.“ Das wird zu Finlis Daseinsgefühl. Der Vorfahr hat geschrieben, es sei nicht wichtig, ob die Reliquien, an die die Menschen glauben, echt sind. Augustin Finlis Jenseits entsteht durch Glaubensleistungen. Und vom Vorfahr hat er gelernt: „Wir glauben mehr als wir wissen.“ Das ist der Kernsatz dieser Lebensgeschichte. Kant hat eingesehen, dass die Vernunft nur begreife, was sie selber hervorgebracht hat. Das gewaltige Andere schaffen wir dadurch, dass wir glauben. Es ist ein heftiges Credo, das aus dieser Lebensgeschichte tönt. In der Musik, in der Malerei, überhaupt in der Kunst ist dieses Credo die Voraussetzung der Kreativität.

Die 132 Seiten umfassende gebundene Ausgabe von Mein Jenseits ist ab dem 04.02.2010 für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Martin Walser liest am 09.02.2010 im Literaturhaus Frankfurt aus seiner Novelle „Mein Jenseits“

Die Vorleser am 05.02.10 im ZDF mit beeindruckender Bücherliste

Am 05.02.2010 hat das ZDF um 23 Uhr zum fünften Mal die Sendung Die Vorleser im Programm.

Amelie Fried und Ijoma Mangold haben eine beeindruckende Buchauswahl getroffen. Die Sendung verspricht absolut spannend zu werden.

Der Schauspieler, Produzent, Drehbuchautor und Kinoregisseur Detlev W. Buck ist diesmal zu Gast. Buck wurde 1962 im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg geboren und machte zunächst, nach Abitur und Zivildienst, eine Lehre als Landwirt. Danach studierte er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Für seinen jüngsten Film „Same same but different“ erhielt der Regisseur 2009 in Locarno den Kritikerpreis „Piazza Grande Award“. In der Sendung stellt Detlev W. Buck die Autobiografie der gefeierten Konzertpianistin Zhu Xiao-Mei vor. In deutschen Kinos läuft der Film ab Mitte Januar 2010. Der Musikerin war während der chinesischen Kulturrevolution das Musizieren verboten worden – wodurch ihre Karriere fast beendet war bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Bücherliste der Vorleser am 05.02.10:

Axolotl RoadkillAxolotl Roadkill von Helene Hegemann
Kurzbeschreibung

‚Schreckliche Leben sind der größte Glücksfall‘, schreibt die 16jährige Mifti in ihr Tagebuch. Seit dem Tod ihrer Mutter lebt sie in Berlin, und als ‚pseudo-belastungsgestörtes‘ Problemkind durchläuft sie nach ‚Jahren der Duldungsstarre‘ gerade eine extrem negative Entwicklung.
Obwohl intelligent und gut situiert, nimmt sie Drogen, verweigert die Schule und hat sogar Argumente dafür. Anstatt sich an Konventionen abzuarbeiten hinterfragt und analysiert sie nämlich permanent die gesellschaftliche Situation, in der sie sich befindet. Sie wohnt bei ihren wohlstandsverwahrlosten Halbgeschwistern und ihr Vater steckt noch immer in seiner frühkindlichen Allmachtsphase. Freiheit und Selbstzerstörung fallen zusammen und Mifti entlarvt in ihren von Wahn und Genie geprägten Zwischenwelten Sprache, Lebensentwürfe und Vorgegebenheiten der Erwachsenen. Sie kokettiert mit ihrer Kaputtheit und sucht im ‚allgemeinen Dahinschimmeln‘ nach einem Zugriff auf ihr eigenes Leben.
Der siebzehnjährigen Helene Hegemann ist ein sprachmächtiges, kluges Debüt über einen Zustand gelungen, in dem Traum, Alptraum und knallharte Realität nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.

Die LeinwandDie Leinwand von Benjamin Stein
Kurzbeschreibung
Ein Spiegelkabinett mit zwei Eingängen: Hinter beiden Buchdeckeln beginnt je eine Geschichte. Genau in der Mitte kommt es zur Konfrontation, treffen die beiden Erzähler, Amnon Zichroni und Jan Wechsler, aufeinander. Amnon Zichroni besitzt die Fähigkeit, Erinnerungen anderer Menschen nachzuerleben. Geboren in Jerusalem und streng jüdisch erzogen, studiert er in den USA und lässt sich in Zürich als Analytiker nieder. Dort begegnet er dem Geigenbauer Minsky, den er ermuntert, seine traumatische Kindheit in einem NS-Vernichtungslager schreibend zu verarbeiten. Beider Existenz steht auf dem Spiel, als der Journalist Jan Wechsler behauptet, das Minsky-Buch sei reine Fiktion …
Zehn Jahre später wird eben diesem Jan Wechsler ein Koffer zugestellt, der ihm bei einer Reise nach Israel verloren gegangen sein soll – doch Wechsler kann sich an den Koffer nicht erinnern. Auf den Spuren fragwürdig gewordener Erinnerungen reist er nach Israel und gerät in ein Verhör. Tatsächlich, stellt sich heraus, ist er schon einmal dort gewesen, und sein damaliger Gastgeber, Amnon Zichroni, gilt seither als vermisst. Ein faszinierender, spannender Roman über die Unzuverlässigkeit unserer Erinnerungen und das Ringen um Identität.

Von Mao zu BachVon Mao zu Bach: Wie ich die Kulturrevolution überlebte von Xiao-Mei Zhu
Kurzbeschreibung
Peking 1966: Dem musikalischen Wunderkind Zhu Xiao-Mei wird eine große Karriere als Konzertpianistin vorausgesagt. Doch noch während Xiao-Mei am Konservatorium studiert, bricht die Kulturrevolution aus. Die weltoffene und kulturbeflissene Familie Zhu gilt plötzlich als »bourgeois«, was in Maos neuem China dekadent, gefährlich, konterrevolutionär bedeutet. Fassungslos erlebt das junge Mädchen, wie Noten verbrannt, wie ihre Lehrer öffentlich gedemütigt, ja hingerichtet werden. Kein Schüler kann sich dem Zwang zur Denunziation und permanenten Selbstkritik entziehen. Lang lebe der Vorsitzende Mao! Wie alle ihre Mitschüler und Angehörigen wird auch Xiao-Mei in ein Arbeitslager verschickt, verbringt fünf Jahre unvorstellbarer Entbehrungen in einem Niemandsland am Rande der Mongolei. Nach Jahren ohne Musik entdeckt sie im Lager ein altes Akkordeon, schlägt zögernd ein paar Tasten an. Eine Melodie steigt auf, und mit ihr die Hoffnung auf ein anderes Leben. Nun hält sie nichts mehr auf: Sie beschafft sich ein Klavier, übt wie eine Besessene, flieht aus dem Lager nach Peking, gelangt nach Isaac Sterns Chinatournee schließlich ins Ausland. Zehn Jahre wird ihre abenteuerliche Odyssee über Hongkong, Los Angeles und Boston dauern, bis sie in Paris endlich zur international gefeierten Pianistin und Bach-Interpretin wird. »Man legt die Autobiografie der Pianistin Zhu Xiao-Mei nicht mehr aus der Hand. Dieser langsame Abstieg in die Hölle des chinesischen Kommunismus und die schwierige Rückkehr an die Luft der Freiheit ziehen den Leser unwiderstehlich in Bann.« Le Nouvel Observateur.

Das Haus der fünf SinneDas Haus der fünf Sinne von Nadeem Aslam
Kurzbeschreibung
Ein Roman von unerfüllter Liebe und zerstörter Leidenschaft vor dem Hintergrund eines politischen Dramas unserer Zeit.Eine verwunschene, aufgegebene Parfümmanufaktur im Schatten der Bora-Bora-Berge Afghanistans: An die hohen Decken der Wohnräume sind Bücher genagelt, im Keller leuchtet golden ein riesiger Buddhakopf. Hier lebt Marcus Caldwell, ein englischer Witwer, dessen afghanische Frau von den Taliban gesteinigt wurde. Und hierher kommt Lara, eine Russin auf der Suche nach ihrem vermissten Bruder. Einst hat er Marcus‘ Tochter Zameen geliebt. Doch auch Zameen ist tot – ein Opfer der Zeit, in die sie hineingeboren wurde…
In den folgenden Tagen finden sich weitere Versprengte im Haus ein: ein amerikanischer Juwelenhändler; ein junger afghanischer Zelot mit Träumen von Bomben und Blut; ein Angehöriger der US Special Forces, die in den Bergen nach Osama bin Laden suchen. In hypnotischer, leuchtender Prosa verfolgt Aslam die verschlungenen, einander überraschend berührenden Wege dieser Figuren und zeigt die Bande von Liebe und Verzweiflung, Schmerz und Erlösung, Wahnsinn und Erkenntnis, die sie knüpfen.

Der BriefwechselDer Briefwechsel Thomas Bernhard – Siegfried Unseld von Thomas Bernhard und Siegfried Unseld
Kurzbeschreibung
30 Jahre alt, ohne Resonanz auf seine bis dahin veröffentlichten drei Gedichtbände, vom eigenen überragenden schriftstellerischen Können allerdings überzeugt, schreibt Thomas Bernhard im Oktober 1961 an Siegfried Unseld: „Vor ein paar Tagen habe ich an Ihren Verlag ein Prosamanuskript geschickt. Ich kenne Sie nicht, nur ein paar Leute, die Sie kennen. Aber ich gehe den Alleingang.“
Obwohl der Suhrkamp Verlag das Manuskript ablehnte, gingen der Alleingänger und der Verleger seit dem Erscheinen von Bernhards erstem Roman „Frost“ 1963 gemeinsam den Weg, der den Autor in die Weltliteratur führte.
In den etwa 500 Briefen zwischen beiden entwickelt sich ein einzigartiges Zwei-Personen-Schauspiel: Mal ist es eine Tragödie, wenn etwa Bernhard die aus seinen Werken bekannten Schimpftiraden auf den Verleger losläßt, der seinerseits auf die Überzeugungskraft des Arguments setzt. Dann gibt Bernhard ein Kammerspiel mit Unseld als Held – 1973 schreibt er ihm: „mit grösster Aufmerksamkeit, mit allen Möglichkeiten, gehe ich gern mit Ihnen.“ 1984 agieren beide, bei der Beschlagnahme von „Holzfällen“, als Kämpfer für die Literatur in einem von Dritten inszenierten Schurkenstück.
Es dominiert das Beziehungsdrama: Der Autor stellt die für sein Werk und seine Person unabdingbaren Forderungen. Der Verleger seinerseits weiß, daß gerade bei Bernhard rücksichtslose Selbstbezogenheit notwendige Voraussetzung der Produktivität ist.
Solch einen dramatischen Briefwechsel zwischen Autor und Verleger, in dem bei jeder Zeile alles auf dem Spiel steht, kennt das Publikum bislang nicht.

TitanicTitanic – das endgültige Satirebuch: Das Erstbeste aus 30 Jahren von Peter Knorr
Kurzbeschreibung
Das endgültige Satirebuch: 30 Jahre TITANIC, «die verbotenste Zeitschrift Deutschlands» (Der Spiegel)Sie machte Kohl zur «Birne», legte Björn Engholm in die Barschel-Wanne und lockte mit einem schäbigen Fresskorb die Fußball-WM 2006 ins Land die «Titanic» kennt kein Pardon. Mit legendären Karikaturen, kultigen Kolumnen, spektakulären Aktionen, vorbildlich geschmacklosen Scherzen und vor allem verlässlich schrägen Titelbildern («Zonen-Gaby im Glück: Meine erste Banane» oder «Wiedervereinigung ungültig Kohl war gedopt») ist die Zeitschrift zum populärsten und zugleich verbotensten Satireblatt Deutschlands geworden. Hier hat sich die Elite der bundesdeutschen Zeichner und Satiriker versammelt: Robert Gernhardt, F.K. Waechter, Hans Traxler, Chlodwig Poth, F.W. Bernstein, Eckhard Henscheid, Bernd Pfarr, Max Goldt und viele mehr. Im Oktober 2009 wird «das endgültige Satiremagazin» dreißig Jahre alt. Da darf ein Buch nicht fehlen, das die schönsten Momente und Beiträge aus dieser Zeit festhält: den Buntstiftlutscher bei «Wetten, dass ..?» ebenso wie den «Genschman» oder die «PARTEI», die die Mauer wieder aufbauen will. Der opulent aufgemachte Band versammelt nicht nur die besten Geschichten, Cartoons und Fotowitze, sondern auch zahlreiche unveröffentlichte Originalbeiträge ein Muss für alle Fans von intelligenter Satire.

Der Assistent der SterneDer Assistent der Sterne von Linus Reichlin
Kurzbeschreibung
Es gibt kein Schicksal.
Aber du kannst ihm nicht entrinnen. In seinem zweiten Buch sprengt der Krimipreisträger 2009 erneut die Genre-Grenzen! Hannes Jensen, ehemaliger Inspecteur der Polizei von Brügge,
hat einen fatalen Fehler gemacht: Während eines Seminars in Island schläft er mit einer Frau, die er kaum kennt. Als er nach Brügge zurückkehrt, zu Annick, die er liebt, trägt er am
Hals noch die Spuren jener Nacht in Island: Die Frau hat ihn gebissen, und dieser Liebesbiss entzündet sich. Jensen versucht, ihn mit einem Kaschmirschal zu verdecken. Annick
den Fehltritt zu gestehen, hält er für schädlich: Es würde nur ihre Beziehung gefährden, die ohnehin auf wackligen Füßen steht. Außerdem hat Annick im Augenblick andere Probleme, in die sie Jensen nach seiner Rückkehr einweiht: Ihrer besten Freundin geht es nicht gut. Ein Féticheur, ein afrikanischer Wahrsager, hat ihr prophezeit, dass ihre einzige Tochter von einem Mann getötet werden wird, der ein Mal am Hals trägt. Jensen, als leidenschaftlicher Hobby-Physiker, glaubt nicht ans Schicksal. Seiner Meinung nach ist das Leben eine Abfolge von Zufällen, nichts ist vorbestimmt. Aber die Ereignisse der nächsten Tage lassen ihn an seinem Weltbild zweifeln. Es scheint, als bekomme der Féticheur mit seiner Prophezeiung recht. Je mehr sich Jensen gegen die schicksalhaften Verstrickungen wehrt, in die er gerät, desto weniger kann er ihnen entf liehen. Ein Roman über Schicksal und Zufall, über Liebe und Betrug spannend bis zum Schluss.

Kochen ist KriegKochen ist Krieg!: Am Herd mit deutschen Profiköchen von Gregor Weber
Kurzbeschreibung
Ein Koch begibt sich auf Wanderschaft und kocht in deutschen Dorfgasthäusern und Sternerestaurants, Fußgängerzonenpizzerien, Betriebskantinen und beim Bundespräsidenten. Er dreht alle Töpfe um und berichtet, was Köchinnen und Köche dort leisten oder auch verbrechen: Es ist heiß in der Küche, sehr heiß. Gregor Weber, der in Kolja Kleebergs »VAU« zum Koch ausgebildet wurde, macht sich auf die Suche nach der Liebe zum Essen und der Essenz des Kochhandwerks in Deutschland. Der ungeheure Kochboom hat den Berufsstand ins Licht der Öffentlichkeit gestellt wie kaum einen anderen, doch davon, wie es tatsächlich am Herd zugeht, haben die meisten keine Vorstellung. Und den Dienst am Bauch kann man sehr unterschiedlich verstehen: Es gibt Köche, die haben schon in Hongkong und Dubai gekocht und andere, die seit zwanzig Jahren keinen Fisch mehr in der Hand hatten, der nicht tiefgekühlt war. Die einen arbeiten zwei Tage an der Herstellung einer Kalbssauce, die anderen schütten 1,5 Kilo Pulver auf achtzig Liter kochendes Wasser und rühren das Ganze zweimal um.

LyrikstimmenLyrikstimmen: Die Bibliothek der Poeten. 122 Autorinnen und Autoren. 420 Gedichte. 100 Jahre Lyrik im Originalton von Christiane Collorio, Peter Hamm, Harald Hartung, und Michael Krüger von Der HOER Verlag DHV
Kurzbeschreibung
Diese Anthologie ist eine Sammlung von Originaltönen deutschsprachiger Dichter, die es in dieser Dimension noch nie gab. Sie ermöglicht Einmaliges: hineinzuhören in die ersten Tonaufnahmen des letzten Jahrhunderts, in seltene Lesungen, bis in die Gegenwart. Beginnend bei Hofmannsthal, Zweig und Schwitters und endend bei Grünbein, Lentz und Seiler entstand in fünfjähriger Recherche ein Standardwerk der deutschsprachigen Literatur. O-Töne

Quelle: Die Vorleser, ZDF

Black Dagger Ladies Online †“ Zwischenstopp in Havanna [Kapitel 10]

Black Dagger Ladies Online

Zwischenstopp in Havanna
Kapitel 10

Doc räusperte sich „Hi.†œ Bowen schwieg, sie schritt auf ihn zu. Das Bett zwischen sich, stand sie ihm direkt gegenüber. Nach einer gefühlten Ewigkeit unbehaglichen Schweigens gingen sie beide langsam um das Bett herum aufeinander zu und blieben voreinander stehen. Er fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar, seine Augen blickten verlegen hin und her, als wüsste er überhaupt nicht, was er sagen oder tun sollte. Er wirkte schwer verunsichert. Endlich erfasste Jane als erste das Wort „Bo, ich…†œ, schon wieder kamen ihr die Tränen, dieses Geständnis kostete sie ihren ganzen Mut. „Bowen, ich halte es nicht mehr länger aus. Ich liebe Dich.†œ Er tat den letzten Schritt, der sie voneinander trennte und nahm ihre Hand „Oh Doc, ich dachte schon, ich hätte alles ruiniert, es tut mir so unendlich leid wie das gelaufen ist.†œ Sie strich ihm mit der freien Hand über die Wange „Nein, das hast du nicht. Ich hätte auch anders reagieren sollen. Trotz allem, zu dieser Verbindung bin ich noch nicht bereit.†œ „Du hast alle Zeit der Welt! Ich werde auch versuchen mich nicht allzu besitzergreifend aufzuführen, Cyrus hat mir gesagt, dass auch er ein Auge auf mich haben wird und aufpasst, dass ich es nicht übertreibe.†œ Doc blickte auf das Bett und lächelte anzüglich „Ach, also in manchen Bereichen kannst du das ruhig gerne so beibehalten.†œ „Na, dann komm her, meine Erdbeere.†œ

Wie aus weiter Ferne hörte Kerstin immer wieder ein und dieselbe Stimme. Aber irgendwas in ihrem Inneren sträubte sich, auf diese Stimme zu hören. Sie fühlte sich gut. Erleichtert und frei, aber trotzdem stimmte was nicht. „Warum fühle ich mich so gut?“, fragte Kerstin sich. „Da, wieder diese Stimme, die mir sagt, dass ich irgendwo hingehen soll. Warum, es ist doch schön hier. So tolle Farben, es ist warm und weich. Und, oh, da ist etwas auf meiner Stirn, jetzt auf meinen Lippen. Es fühlt sich vertraut an†œ, dachte sie und wusste nicht, woran sie das erinnerte. Doch plötzlich wurde es ihr schlagartig klar. Mit einem Ruck wachte sie auf. Kerstin befand sich noch immer in dem merkwürdigen Raum, der so toll aussah und der so merkwürdig roch. Und da war er, Drago. Sie lag in seinen Armen, auf dem Fußboden? Ach ja, sie hatte sich eine kleine Auszeit genommen und war eingeschlafen. „Hallo“, sagte Drago ganz leise und hatte dabei ein Lächeln auf den Lippen. „Hallo“, gab Kerstin mit belegter Stimme zurück. „Was ist los? Wieso liegen wir zwei auf dem Boden und ich in deinem Arm?†œ, fragte sie vorsichtig. „Tja“, sagte Drago, „du hattest dir wohl gedacht, du würdest gern ein bis drei Stündchen schlafen und hast dich mir in die Arme geworfen.“ Sofort wollte sie aufstehen, aber er hielt sie sanft zurück. „Wo willst du denn hin? Trink erstmal was, damit du wieder in Schwung kommst.†œ „Okay“, sagte Kerstin und in Gedanken fügte sie hinzu, „warum auch nicht, liegt sich gut hier. Wer weiß, wann ich noch mal so eine Gelegenheit habe.“ Drago fing an zu lachen und Kerstin wusste auch sofort warum und schlug die Hände vor ihr Gesicht. Sie hatte vergessen, dass er nun ihre Gedanken hören konnte, auch ohne ihr in die Augen zu schauen. „Oh man, ist das peinlich.“ „Nein, warum denn. Es ist nur etwas ungewohnt für uns beide“, gab er zurück. Kerstin wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Sie schauten sich an, und diesmal konnte Kerstin hören was er dachte. „Ich würde gern mit dir all die Sachen machen, an die du vorhin gedacht hast.†œ Kerstin wurde sofort rot wie ein Hochofen. „Ich würde dir am liebsten hier und jetzt die Klamotten vom Leib reißen und dich so verwöhnen wie du es dir nie erträumt hast, dich küssen und streicheln. Aber das geht ja leider nicht, du hast eine Beziehung. Und er liebt dich.“ Unglücklich schaute er sie an. „Ich werde mich nicht zwischen dich und Tim stellen. Ich habe schon genug Ärger mit den Jungs. Und ich tauge nichts für eine feste Bindung“, sagte er und rückte etwas von Kerstin ab. Kerstin zog die Augenbrauen zusammen. „Ich weiß nicht, was zwischen den Jungs und dir vorgefallen ist. Ich habe vorhin die Beziehung mit Tim gelöst. Ich habe eine Seite an ihm entdeckt, die mir überhaupt nicht gefällt. Das wäre also nicht das Problem, und wenn du mir nicht sagen möchtest, was vorgefallen ist, ist das für mich auch in Ordnung. Aber wir müssen beide herausfinden, was das zwischen uns ist.“ Ein trauriges Lächeln erschien auf Dragos Gesicht. „Ich habe Angie erzählt, was damals geschehen ist, du kannst sie fragen. Und für unser kleines Problem finden wir auch noch eine Lösung.“

Seite 108

Er zog Kerstin wieder an sich und gab ihr einen zarten Kuss auf die Stirn. Da, das war es, was sie vorhin gespürt hatte. Er hatte sie also geküsst. Siedendheiß fiel ihr noch etwas ein. „Sag mal, als ich vorhin diese Auszeit genommen habe“, Drago musste schmunzeln, „wieso hast du dir nicht die Lippen verbrannt, als du mich geküsst hast?“ Jetzt war es Drago, der etwas verwirrt war. „Na ja ich meine, das letzte Mal, als ich dir diesen Kuss auf dein Ohr gegeben hatte, habe ich dich doch verbrannt?“ Daran konnte er sich noch gut erinnern. „Weil du jetzt nicht wütend warst, würde ich sagen. Aber wir können es gern noch mal ausprobieren“, sagte er und diesmal war wieder das Grinsen da. Ihr blieb keine Zeit mehr zu überlegen, schon hatte Drago sie fest an sich herangezogen und leidenschaftlich geküsst. Ihr blieb fast die Luft weg. Dann seufzte sie und erwiderte den Kuss. Drago löste sich von ihren Lippen und schaute sie an. „Alles okay?“, fragte er. „Bei mir schon“, antwortete Kerstin und im nächsten Moment verschloss sein Mund erneut ihre Lippen. Mit ihren Fingern fuhr sie durch seine Haare und zog in fester an sich heran. Drago verstand diese Geste und begann sie zu streicheln. Mit seinen Fingern zog er eine Linie von ihrer Stirn der Nase entlang zu ihren Lippen. Dann wanderten seine Finger über ihre Wangenknochen und strichen eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Kerstin bekam eine Gänsehaut. Sie knabberte an seiner Unterlippe und biss ganz kurz zu. Drago stöhnte leise auf. Kerstin legte den Kopf in Nacken und genoss die Berührungen.

Seite 109

„Mmh, das war jetzt nicht das Gespräch, das ich mir erhofft hatte, aber es hat mich trotzdem zu einer Erkenntnis gebracht.“ „Ach ja, inwiefern denn?“, fragte Drago. „Ja“, sagte Kerstin, „also erstens †“ wow…, das war ein Erlebnis, wovon ich später bestimmt nicht meinen Enkeln erzählen werde.“ Drago musste lachen. „Und zweitens – ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ich glaube, ich habe jetzt keine Angst mehr davor herauszufinden, was es mit uns beiden auf sich hat.“ Sie lächelte und schaute ihn an. Aber er machte ein so ernstes Gesicht, dass Kerstin sich aufrichten musste, um ihn richtig anzusehen.
Dabei rutschte die Decke von ihrem Körper, und in Dragos Mundwinkeln war ein kleines Zucken zu erkennen. „Das kannste jetzt vergessen“, dachte Kerstin und Drago sagte: „Warum denn? War es eine so schlechte Art zu den Erkenntnissen zu kommen?“ „Nein“, erwiderte sie, „aber ich möchte jetzt in meine Kabine, ich muss duschen und mich umziehen. Wir müssen noch so einige Vorbereitungen für Peru treffen und ich muss noch mal mit Angie und auch mit Tim sprechen. Das bin ich Tim schuldig.“ Drago hatte wieder dieses selbstsichere Grinsen im Gesicht und nahm Kerstin in seine Arme. „Verstehe ich das richtig? Du und ich? Ich meine…“, aber Kerstin unterbrach ihn. „Vielleicht!? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich möchte es gerne versuchen, auch wenn du mir vorhin gesagt hast, dass du nicht für eine feste Beziehung taugst. Und natürlich möchte ich genau wissen, was das alles mit uns zwei auf sich hat.“ Mit einem lauten Seufzer der Erleichterung zog Drago Kerstin an sich und küsste sie zärtlich.

Fernando war schon seit einer Stunde wach, er war von der aufgehenden Sonne geweckt worden. Ein unheimliches Glückgefühl durchdrang ihn, als er Lilli so in seinen Armen liegen sah. Er beobachtete sie und lächelte über ihre Grimassen, die sie im Schlaf machte. Er liebte dieses Gesicht, diese Wuschelhaare und diese spitzen Öhrchen, die sich auch ab und zu bewegten. :Am liebsten hätte er dieses Gesicht mit Küssen übersät, aber er wollte sie nicht wecken, also begnügte er sich damit, sie zu beobachten. Er war sich auch immer noch nicht sicher, ob Lilli ihn wirklich liebte. Sie hatte ihm zwar ihre Liebe gestanden und erzählt, dass sie sich von ihrem toten Geliebten André verabschiedet hatte, aber er wusste wie tief die Wunde in Lillis Herz war. Konnte er diese Wunde wirklich heilen, und würde Lilli irgendwann wirklich seine Gefährten sein? Er wusste es nicht, er konnte nur darauf hoffen, und er hatte Angst davor, dass seine Hoffnung vergebens war.
Lilli kam langsam zu sich. Sie fühlte sich unheimlich wohl und geborgen. Sie spürte, dass sie immer noch in Fernandos Arme gekuschelt war, und dass er sanft über ihre Haare strich. Sie öffnete die Augen und sah in ein lächelndes, wunderschönes Gesicht. „Guten Morgen, meine Schöne. Hattest du angenehme Träume?†œ Lilli rieb sich den Schlaf aus den Augen und lächelte ebenfalls. „Ja, hatte ich, vielen Dank. Ich habe gerade mit Lucy und Kerstin ein paar Dragons verhauen, das war klasse.†œ Fernando setzte ein breites Grinsen auf: „Habe ich gesehen. Dein Gesicht spricht Bände, wenn du schläfst.†œ

Seite 110

„So? Wie lange bist du denn schon wach, du kleiner Spanner?†œ „Schon eine Weile und ich konnte es gar nicht abwarten, dieses zu tun,†œ sagte Fernando und küsste Lilli liebevoll und zärtlich. Sie erwiderte seinen Kuss und schmiegte sich an seinen Körper. Ihr Kuss wurde intensiver und Lillis Hände fuhren unter Fernandos T-Shirt. Er stand sofort unter Strom, damit hatte er jetzt nicht gerechnet. Sollte es jetzt wirklich dazu kommen, dass sich Lilli ihm aus Liebe hingab? Anscheinend, denn ihre Hände waren überall auf seinem Körper und ihr Kuss wurde immer leidenschaftlicher und drängender. Fernando konnte sein Glück nicht fassen. Er wollte gerade Lillis Zärtlichkeiten erwidern, als sein Handy klingelte. Genervt stöhnte er auf und löste sich widerwillig von Lilli. „Wer immer das auch ist, ich bringe ihn um!†œ, zischte er. „Wer stört?†œ, blaffte er ins Handy. Er hörte einen kurzen Moment zu und sagte dann: „Hattori, beruhige dich, ich bin gleich bei dir. Ja sicher! Sofort!†œ Er steckte sein Handy weg und schaute in Lillis besorgtes Gesicht. „Hattori hatte einen sehr beunruhigenden Traum. Ich muss sofort zu ihm.†œ „Ja, klar. Geh und hilf ihm, er braucht dich. Ich mache mich fertig und schau mal nach den anderen. Mal hören, ob es was Neues an den Beziehungsfronten gibt.†œ Fernando lächelte Lilli entschuldigend an. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich hoffe, dass wir bald da weitermachen können, wo wir eben aufgehört haben.†œ Lilli schlang ihre Arme um Fernandos Hals und gab ihm einen verheißungsvollen Kuss. „Da kannst du Gift drauf nehmen, dass wir das fortsetzen. Und jetzt geh zu Hattori.†œÂ  „Ich kann es kaum erwarten†œ, raunte er ihr ins Ohr und ging zur Tür. Er drehte sich noch einmal um und sah, dass Lilli ein leichtes grünes Leuchten ausstrahlte. „Ich auch nicht†œ, sagte sie lächelnd „Ach, und denk daran, du wolltest auch noch bei Drago vorbeischauen.†œ „Sicher doch. Hab ich nicht vergessen. Bis später, meine Schöne.†œ
Nachdem Lilli sich geduscht und angezogen hatte, lief sie rauf zum Oberdeck. Aber von ihren Schwestern war keine zu sehen, und auch von den Jungs lief ihr keiner über den Weg. Komisch, es war schon später Vormittag, die konnten doch nicht alle noch schlafen. Sie schlenderte zur Bar und traf dort auf den ziemlich zerknirscht wirkenden Cyrus. „Hallo Cyrus, was ist denn dir passiert?†œ „Oh, hallo Lilli. Das ist eine nicht sehr schöne Geschichte und ich möchte sie eigentlich auch nicht erzählen.†œ Lilli setzte sich auf einen Barhocker und schaute ihn verständnisvoll an. „Mir geht es immer besser, wenn ich über meine Probleme reden kann, und ich kann schweigen wie ein Grab. Also, wenn du es mir erzählen möchtest, ich habe Zeit. Wenn nicht, ist es auch gut, und ich leiste dir nur etwas Gesellschaft.†œ Cyrus schaute sie nachdenklich an. „Ja, ich glaube du hast recht. Vielleicht geht es mir ein wenig besser, wenn ich mit jemandem darüber spreche. Lilli, ich habe voll Mist gebaut!†œ Cyrus erzählte Lilli die ganze Geschichte, die sich zwischen mit Jane und ihm und Bowen abgespielt hatte. Lilli hörte sehr aufmerksam zu, und als Cyrus sich alles von der Seele geredet hatte, blies sie ihre Backen auf und ließ die Luft hörbar wieder austreten. „Oh Cyrus, da hast du ja wirklich ganz schön was angestellt. Hast du schon mit einem der beiden geredet?†œ „Ja klar, mit Bowen. Er ist mir nicht böse. Er weiß wie der Mond auf mich wirkt, und er hat mir schon öfters aus der Patsche geholfen. Aber, dass mir das jetzt ausgerechnet bei Jane passiert ist, ist mir unheimlich peinlich. Meinst du, ich kann mit Jane reden. Ich habe schon ganz schön angst davor, mit ihr zu sprechen.†œ Lilli lächelte Cyrus an: „Das kann ich mir vorstellen, aber du brauchst keine Angst vor Jane zu haben. Sie ist sehr verständnisvoll und nicht nachtragend. Geh zu ihr, und entschuldige dich bei ihr, dann wird alles wieder gut. Ganz einfach, Cyrus, Augen zu und durch.†œ „Ja, Lilli du hast recht. Danke fürs Zuhören und bitte, erzähle es niemand. Ich mache mich gleich auf den Weg und rede mit Jane.†œ Lilli rutschte vom Barhocker: „Ich habe dir ja gesagt, dass ich schweigen kann wie ein Grab. Warte, ich begleite dich ein Stück. Ich will runter in den Computerraum, vielleicht finde ich Lucy dort.†œ Unten angekommen, bemerkten sie, dass die Tür zur Krankenstation offen stand. Lilli klopfte Cyrus auf die Schulter: „Geh rein. Das ist bestimmt Jane, Fernando ist nämlich bei Hattori oder Drago.†œ

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Cyrus schaute sie fragend an. „Kann ich dir jetzt nicht näher erklären. Du musst zu Jane und dich mit ihr aussprechen. Viel Glück!†œ Lilli lächelte ihm noch einmal aufmunternd zu und ging weiter zum Computerraum.
In der Zwischenzeit war Fernando bei der Kabine von Hattori angekommen. Er musste sich schwer zusammenreißen, um nicht dauernd an das kurze Zwischenspiel mit Lilli zu denken. Das war jetzt nicht sehr hilfreich, er musste wieder einen klaren Kopf bekommen. Er hatte kaum an Hattoris Tür geklopft, da wurde diese schon aufgerissen und ein völlig aufgeregter Hattori zog ihn in die Kabine. „Mann, Nando, bin ich froh, dass du da bist. Wie lange brauchen wir noch bis nach Peru?†œ „Übermorgen sind wir da. Sag mal, Hattori, was für Geister gehen dir denn nach?†œ „Ich habe schon nach Jean geschickt, ihr müsst mich bis Peru in eine Zelle sperren!†œ Fernando schaute ihn total entgeistert an. „Wie in eine Zelle sperren? Jetzt mal ganz langsam, was ist denn los?†œ Hattori setzte sich atemlos aufs Bett und strich sich mit fahrigen Händen übers Gesicht. „Nando, ich weiß jetzt, was die Dragons mit mir vorgehabt haben. Sie wollten einen Schläfer aus mir machen und ich weiß nicht, wie gut ihnen das gelungen ist.†œ „Wie kommst du denn darauf?†œ „Ich habe im Traum gesehen wie ich Duncan, Bowen und dich umgebracht habe. Ich habe euch mit meinen eigenen Händen die Köpfe abgerissen. Es war so furchtbar. Ich hätte es ja noch als schlimmen Alptraum abgetan, wenn da nicht dauernd diese Stimme gewesen wäre.†œ „Welche Stimme?†œ, fragte Fernando, der seinen Freund entsetzt anschaute. „Die Stimme in meinem Kopf. Sie sagte immer wieder: das musst du tun, das musst du tun. Ich bin wach geworden, als ich aus der Kabine gehen wollte und habe dich dann sofort angerufen. Ich weiß nicht, ob und wie lange ich dem standhalten kann. Ich wollte mich ja schon auf den Weg machen, um es in die Tat umzusetzen. Ich muss zu meinem Meister. Nur er kann mir helfen meinen Geist und meinen Körper davon zu befreien.†œ „Gut, wenn du es so möchtest. Nur du allein kannst einschätzen wie groß die Gefahr ist.†œ Es klopfte an der Tür und Jean kam herein. „Hey, wo brennt es denn?†œ Fernando schaute besorgt zu Jean: „Wir müssen Hattori bis Peru in eine Zelle sperren. Er ist für uns eine Gefahr. Er kann es dir auf dem Weg dorthin selbst erzählen, ich muss sofort zu Duncan und es ihm berichten.†œ Er drehte sich zu Hattori, der schon seine Sachen in die Hand nahm und zu Jean ging. „Beruhige dich, Kumpel. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Jean bringt dich und uns jetzt erst einmal in Sicherheit und dann sehen wir weiter. Ich denke, Duncan hat schon alles in die Wege geleitet, damit du in Peru gleich weiterreisen kannst.†œ Hattori nickte nur kurz: „Danke, Leute. Jetzt bin ich erleichtert.†œ Während Hattori und Jean sich auf den Weg zu den Zellen machten, eilte Fernando zu Duncans Kabine. Armer Hattori, welchen Kampf musste er wohl mit sich austragen, diese verdammten Dragons. Fernando wollte gerade an Duncans Tür klopfen, als diese aufging und ich ihm in die Arme lief. Natürlich hatte ich sofort einen hochroten Kopf. „Ups, Fernando. Äh, wo ist denn Lilli?†œ, konnte ich nur noch stammeln. Fernando lächelte mich an und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass er nicht überrascht war, mich zu sehen. „Die wollte nach euch Mädels suchen und Neuigkeiten austauschen. Wo sie jetzt aber genau ist, weiß ich nicht. Ich war bei Hattori und muss jetzt dringend mit Duncan reden. Ciao Angie.†œ „Äh, ja, ciao†œ, sagte ich zu der geschlossenen Tür und verkrümelte mich. Ich musste erst mal meine Gedanken und Gefühle sammeln.
Duncan hatte mir mit leidenschaftlichem Blick nachgesehen und war jetzt doch sehr verlegen, als Fernando zur Tür hereinkommen war. „Oh, hallo Fernando, was gibt†™s?†œ Fernando grinste über das ganze Gesicht. „Das muss dir nicht peinlich sein, Duncan. Ich bin†™s Fernando, dein bester Freund. Ich habe das schon kommen sehen. Ich habe es wahrscheinlich schon früher gewusst als du. Aber darüber können wir später noch reden. Ich habe dir jetzt wichtigere Sachen zu berichten.†œ Fernando berichtete Duncan was mit Hattori los war, und dass er sich jetzt in einer Zelle befand. Duncan war zuerst sprachlos, doch dann funkelten seine Augen vor Zorn. „Diese Ausgeburten der Hölle, die machen vor gar nichts Halt. Wenn wir die nur mal in die Finger bekämen†œ, polterte er los. †œVielleicht können wir Hattori aber noch früher von Bord bringen. Lucy hat etwas über ein Treffen der Dragons herausbekommen, das in Havanna stattfinden soll.

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Ich überlege, sie und Gavin dorthin zurückzuschicken. Bei dieser Gelegenheit könnten wir Hattori vom Schiff bringen, dann müsste der arme Kerl nicht bis Peru eingesperrt bleiben. Ich kümmere mich mal darum.†œ „Gut, bis später. Ich muss noch eine Tür weiter. Es scheint ein anstrengender Tag zu werden†œ, sagte Fernando und schickte sich an die Kabine zu verlassen. „Fernando! Warte mal!†œ, rief Duncan. Fernando drehte sich mit einem breiten Lächeln um: „Ja, Alter, alles klar. Ich komme heute noch mal auf einen Drink vorbei, dann können wir ausführlich darüber reden.†œ „Danke, Fernando.†œ Fernando verließ Duncan und machte sich auf den Weg zu Drago, er hatte es Lilli ja praktisch versprochen. Als er in den Gang von Dragos Quartier einbog, sah er wie Kerstin gerade Dragos Kabine verließ. Er hatte heute aber auch ein miserables Timing, erst Angie und jetzt auch noch Kerstin. „Hallo, Fernando, was machst du denn hier?†œ „Ich muss mich mit Drago besprechen. Und du?†œ „Ich hatte auch was mit ihm zu besprechen.†œ Jetzt lief auch Kerstin hochrot an. „Äh, wo ist denn die Lilli?†œ Fernando grinste frech. †œBei Drago sicher nicht. Ich denke, ihr solltet mal wieder einen Mädelsabend veranstalten, es besteht wohl Redebedarf.†œ Kerstin hatte es eilig zu verschwinden: „Ja, da kannst du Recht haben. Ich werde sie mal suchen.†œ Fernando drehte sich, immer noch grinsend, zu Dragos Tür und klopfte an. Drago öffnete sofort: „Du brauchst doch nicht anzuklopfen, hast du was…, Fernando? Was verschafft mir denn diese Ehre?†œ, fragte er etwas barsch als er sah, dass nicht Kerstin, sondern Fernando vor ihm stand. „Hallo Drago, ich wollte mit dir sprechen. Darf ich eintreten?†œ Drago war perplex. „Ja, sicher. Komm doch rein.†œ Fernando blieb mitten im Raum stehen und drehte sich dann zu Drago, der immer noch ungläubig an der Tür stand. „Also, Drago, ich wollte mit dir sprechen, weil mir Lilli die Augen geöffnet hat. Sie hat mich dazu gebracht, die Sache mit deinem plötzlichen Verschwinden und Lindsay nochmals zu überdenken. Drago schaute in ungläubig an und stammelte: „Oh…, Fernando, ja…, wenn ich gewusst hätte, dass der Gründer, als er mir den Befehl zu dem Auftrag gegeben und verlangt hatte, ohne Erklärung zu gehen, Lindsay und euch nicht darüber aufklärt, hätte ich mich nicht daran gehalten. Wirklich, ich verstehe bis heute nicht, warum Lindsay das getan hat!†œ Verzweiflung spiegelte sich in seinen Augen. Lindsays Freitod und der Verlust der Bruderschaft lastete noch immer schwer auf ihm. Nachdem er fortgegangen war, hatte sich Lindsay von einer Klippe gestürzt. Ihre Leiche wurde niemals gefunden, nur das Halstuch, das sie an dem Tag ihres Verschwindens getragen hatte, war am Rand der Klippe gefunden worden. Die Brüder liebten Lindsay wie eine Schwester und so machten sie Drago für ihre Tat verantwortlich. Bislang hatte es keine Gelegenheit für eine Erklärung gegeben. Drago hatte bis zu dem unerwarteten Treffen in New Orleans den Kontakt zur Bruderschaft völlig verloren. „Es tut mir aufrichtig leid, dass wir dich verstoßen haben. Es tut mir auch leid, dass wir dich in deinem Schmerz und Kummer alleine gelassen haben. Wir waren in unserer eigenen Trauer so gefangen, wir dachten, ihr hättet euch gestritten, und dass du deswegen einfach abgehauen bist†œ, murmelte Fernando, dem so langsam die Bedeutung von Dragos Worten bewusst wurde. Sie hatten ihm Unrecht getan, das stand fest. „ Ich hoffe, du kannst mir verzeihen.†œ Drago war vollkommen sprachlos, darauf war er jetzt nicht gefasst gewesen. Seine Gefühle fuhren Achterbahn mit ihm. Er konnte es nicht fassen, ungläubig und misstrauisch starrte er Fernando an. Dieser hielt Dragos Blick stand und öffnete nun sein Arme. „ Bruder?†œ Jetzt gab es für Drago kein Halten mehr. Er ging auf Fernando zu und fiel regelrecht in seine Arme. Er hatte seine Brüder unheimlich vermisst und war sich so verloren vorgekommen. „Für mich bist du wieder ein Bruder und ich werde auch mit den anderen reden. Ich werde dir treu und helfend zur Seite stehen, so wie es hätte immer sein sollen.†œ Drago löste sich von Fernando und schaute ihn mit wässrigen Augen an. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie viel mir das bedeutet. Wenigstens einer, der mich wieder in sein Herz lässt. Ich muss mich wohl recht herzlich bei dem Waldelfchen bedanken.†œ „Ja, Lilli hat mich auf den richtigen Weg gebracht. Sie hat eine ganz besondere Sicht auf manche Dinge. Ich will heute noch einmal zu Duncan und wenn es sich ergibt, werde ich mit ihm auch mal über deine Situation reden. Aber zwischen uns beiden ist jetzt alles wieder klar.†œ

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Drago sah Fernando ehrfürchtig an, nahm seine rechte Hand und legte sie auf sein Herz. „Bruder. Für immer und ewig!†œ Fernando lächelte: „Ja, Drago für immer und ewig.†œ Dann drehte sich Fernando um und ließ einen dankbaren und glücklichen Drago in seiner Kabine zurück. „Grüß mir das Elfchen, und gib ihr einen Schmatzer†œ, rief er ihm noch hinterher.

Nachdem Lucy in ihre Kabine zurückgekehrt war, versuchte sie zu schlafen. Aber sie war zu sehr aufgedreht, soviel Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Erst in den frühen Morgenstunden kam der ersehnte Schlaf, der ihr etwas Ruhe brachte. Und so stand die Sonne schon hoch am Himmel, als sie am nächsten Tag aufwachte. Mit einem Satz war sie aus dem Bett, und ging, ohne Zeit zu verlieren, direkt in die Dusche. Der kalte Wasserstrahl brachte ihren Kreislauf schnell wieder auf Trapp. Für ihr tägliches Fitnesstraining war jetzt zwar keine Zeit mehr, deshalb machte sie sich direkt auf den Weg zu Duncan in die Kommandozentrale. Unterwegs begegnete sie Fernando, der sie nur strahlend anlächelte und ihr einen wunderschönen Tag wünschte. Den Grund konnte sie sich schon denken, nahm sich aber vor, direkt nach dem Gespräch mit Duncan, Lilli aufzusuchen und eine Zusammenfassung der letzten Stunden aus erster Hand zu verlangen.
Duncan, der gerade telefonierte, bemerkte sie erst gar nicht, als sie die Brücke betreten hatte. Aus den Gesprächsfetzen, die sie hörte, schloss sie, dass Sweetlife am anderen Ende sprach. An seiner finsteren Miene konnte sie seine Stimmung ablesen. Sie beschloss schon im Vorfeld heute besser keine Diskussion mit ihm anzufangen und seine Entscheidung zu akzeptieren, auch wenn sie persönlich anderer Meinung war. „Ah, Lucy, auch schon wach? Während du im Land der Träume warst, haben wir recherchiert und Vorbereitungen getroffen und …†œ „Was für Vorbereitungen?†œ, unterbrach sie ihn aufgeregt. „Himmel, dass ihr aber einem nie ausreden lasst, lernt ihr das auf der Schwesternschule?†œ „†™tschuldigung†œ, murmelte sie verlegen. „Also, deine E-Mail, die du gefunden hast, ist eigentlich eine Einladung zu einem Bankett, den Namen der Person, für die die Einladung ist, konnten wir leider nicht finden. Das Bankett, wie du ja weißt, findet heute Abend statt. Ich möchte, dass Gavin dich dahin begleitet. Außerdem nehmt ihr Hattori mit von Bord, er wird weiter in die Schweiz in ein Sanatorium reisen, um sich dort mit seinem Meister zu treffen. Die Einzelheiten kann er dir selbst erklären. Ihr benutzt das Schnellboot, Gavin ist schon dabei, das Boot startklar zu machen.†œ Duncan machte eine Pause, um zu Lucy aufzublicken und konnte sich bei ihrem Anblick ein Grinsen nicht verkneifen. Lucy strahlte über das ganze Gesicht und hatte sich aus Versehen ein paar Schnurrhaare wachsen lassen. „Äh, du musst dich aber noch bevor ihr aufbrecht, rasieren, so kannst du da nicht auftauchen†œ, sagte er und prustete vor Lachen los. „Huch, ja, das sollte kein Problem sein†œ, und schon war Lucys Bart wieder verschwunden. „Noch eins zum Schluss, ich möchte keine Alleingänge. Ihr werdet nur beobachten, eigenmächtiges Handeln ist ausdrücklich verboten. Wir bleiben ständig in Verbindung, und ich werde über jedes auch noch so kleines Detail informiert. Ich will wissen, wer dort ist, wer mit wem spricht, über was gesprochen wird. Vielleicht gelingt es uns den Zweck dieses Treffens herauszufinden. Geht das klar?†œ, schnauzte er sie an. „Ja, geht klar, aber noch eine Frage. Wie kommen wir hinein. Wir haben ja keine Einladung.†œ „Falsch, wir hatten keine, jetzt haben wir eine. Sweetlife und ihr unendliches diplomatisches Geschick hat es möglich gemacht, dass wir euch einschmuggeln können. Auch das ist schon alles geklärt, frag Gavin für wen ihr euch ausgebt.†œ Duncan wand sich seinem Computer zu, das Gespräch war offensichtlich beendet. „Danke, dir auch alles Gute†œ, nuschelte Lucy vor sich hin und verließ die Brücke. Sie musste jetzt sofort zu Gavin und fragen, was noch zu tun sei. Schließlich sollten sie nicht ohne genauen Plan und Absprachen in Havanna auftauchen. Es gab noch so viel zu besprechen. Wie erwartet fand sie ihn in dem Bootsraum am Heck des Schiffes. Er war gerade damit beschäftigt, das Boot zu betanken. „Hältst du das für eine gute Idee, du und Benzin?†œ, rief sie ihm zu.

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Gavin ließ sich seine Überraschung nicht anmerken, eigentlich hatte er sie schon früher hier erwartet. „Das ist kein Benzin, das ist Diesel, das brennt nicht so leicht. Aber ablenken solltest du mich trotzdem nicht.†œ Lucy übte sich in Geduld und wartete, bis er den Vorgang abgeschlossen hatte. Sie war sich immer noch unsicher, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. Gavin wischte sich die Hände an einem Tuch sauber, dabei sah er ihr direkt in die Augen. Waren da nicht schon wieder kleine Funken zu sehen? Oder hatte sie sich getäuscht. Langsam kam er auf sie zu, Lucy hielt die Luft an. Bekleidet nur mit einer alten abgeschnittenen Jeans und alten Turnschuhen gab er ein umwerfendes Bild ab. Er roch nach Öl, Schweiß und Mann. Ihr Herz raste, aber noch immer schwiegen sie. Sie durfte die Perfektion seines Körpers schon öfter bewundern, und doch rang sie immer wieder nach Atem. Mit einem Ruck zog er sie in seine Arme und küsste sie wild und leidenschaftlich. Lucy schnappte nach Luft und wollte etwas sagen, aber es kam nur ein leises „Hi†œ aus ihrem Mund. „Hey. Bevor du etwas sagst, hör mich an. Ich war nicht fair zu dir, ich hätte mit dir reden sollen, aber das ist alles nicht so einfach für mich. Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich dich verletzt habe, ich wollte das nicht. Vielleicht hätte ich dich auch warnen sollen, aber ich hatte Angst, dich wieder zu verlieren. Von meinen „Träumen†œ, meinen Visionen rede ich nicht gern. Das ist eine Seite in mir, die ich weder verstehe, noch beherrsche oder kontrollieren kann. Ich hab von meiner irischen Mutter, die eine Seherin war, die Veranlagung geerbt. Sie war eine großartige Frau und hat nie ihre Fähigkeit zu ihrem eigenen Vorteil benutzt. Sie wusste immer die richtigen Schlüsse zu ziehen, hat nie eine Vision falsch gedeutet. Leider starb sie, bevor sie mich unterweisen konnte. Aber das ist lange her und seitdem war ich nie wieder in Irland.†œ Lucy, sichtlich ergriffen von Gavins Geständnis, legte eine Hand an seine Wange und küsste ihn ganz zärtlich auf die Lippen. „Du musst mir nichts erklären, nicht jetzt, sag, dass du mich liebst und alles andere kann warten, ich kann warten.†œ „Das musste ich von dir hören, jetzt kann ich mich jedem Problem stellen, gemeinsam mit dir.†œ In inniger Umarmung verharrten sie so für einige Minuten. „Lucy? Scha-atz? Wir müssen langsam los. Geh und hol deine Sachen, ich hab schon alles an Bord, was ich brauche.†œ Mit einem Seufzer löste Lucy die Arme von ihm. „Ja, du hast ja recht. Ich hol meine Tasche und verabschiede mich noch von den Mädels.†œ „In Ordnung, und ich spring noch schnell unter die Dusche und komm mit Hattori zur Heckklappe.
Die Tasche hatte Lucy schon in der Nacht gepackt, als sie nicht schlafen konnte. Ein Bankett, das bedeutete sie musste in Havanna noch einkaufen gehen, denn ein angemessenes Kleid hatte sie nicht dabei. Mit der Tasche in der Hand ging sie zum Computer-Raum, wohl wissend, dass sie hier sicher Lilli, ihre allerbeste und älteste Freundin, treffen würde. Sie traf Lilli tuschelnd mit Kerstin an. Was hatten die sich wohl zu erzählen? Na, man konnte es fast an ihren Gesichtern ablesen. „Hi, ihr beiden. Wie ich sehe, gibt†™s was Neues? Ach Kerstin, gesunde Gesichtsfarbe. Und Lilli, du leuchtest wieder. Alles klar bei euch?†œ Lilli und Kerstin tauschten nur einen Blick, um dann beide wild durcheinander los zu plappern. Lachend fiel Lucy ihnen in die Arme „Ihr müsst mir gar nichts erklären, ich möchte nur hören, dass es euch gut geht und ihr glücklich seid. Mehr muss ich nicht wissen. Ich wollte nur kurz Tschüss sagen, Gavin und ich fahren jetzt gleich. Hattori kommt übrigens auch mit. Bitte passt ganz doll auf euch auf, macht keine dummen Sachen†œ, redete Lucy auf sie ein. „Und grüßt bitte auch Doc und Angie von mir.†œ Mit Tränen in den Augen umarmte Lucy nochmals ihre Freundinnen. „Klar passen wir auf, aber das gilt auch für dich und Gavin. Ich bleib hier am Computer, sodass du mich jederzeit erreichen kannst. Mein Handy bleibt auch immer an, falls du mich brauchst†œ, versprach Lilli. „Und keine Kampfhandlungen, sonst werd ich sauer, dass ich nicht mit durfte†œ, forderte Kerstin mit einem Grinsen im Gesicht. „Ich muss los, Gavin und Hattori warten bestimmt schon auf mich.†œ Lucy schnappte sich ihre Tasche und rannte zum Heck des Schiffes. Gavin und Hattori warteten bereits mit laufendem Motor an Bord des Schnellbootes. Behände kletterte sie über die Reling an Bord und verstaute ihr Gepäck. „Kann los gehen†œ, rief sie enthusiastisch. Die Heckklappe des Schiffes öffnete sich langsam und helles Sonnenlicht blendete sie. Gavin gab Vollgas und sie schossen hinaus auf das offene Meer mit Kurs Havanna.

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Ich stand hochkonzentriert mit geschlossenen Augen in der Waffenkammer mit dem Rücken zum Übungstand und visierte mit meinem geistigen Auge mein Ziel an. In meinen Händen hielt ich jeweils eines der wunderbar leichten Messer aus dem Bestand der Brüder. Mit einer schnellen Drehung meiner Hände schleuderte ich die Messer hinter mich, genau dorthin, wo sie hin sollten. Ich selbst hatte mich keinen Zentimeter bewegt und hielt meine Augen immer noch geschlossen, doch ich wusste genau, dass das eine Messer exakt zwischen den Augen steckte und das andere genau im Herzen der mannsgroßen Figur aus Holz. Eigentlich wollte ich noch eine der neuen Mini-Disks ausprobieren, mit denen man dem Gegner den Kopf vom Rumpf trennen konnte, aber mit meiner Konzentration war es mit einem Schlag vorbei. Ich setzte mich auf die Bank, die neben dem Waffenschrank mit den Messern stand und lehnte meinen Kopf an die Wand. Duncan…
Immer noch verwirrten mich meine Gefühle für ihn ein kleines bisschen, denn er hat mir wenigstens schon mal die Angst davor genommen. „Wir haben in seiner Kabine eine ganze Stunde mit einander gesprochen, na ja, viel gesprochen haben eigentlich nicht†œ, dachte ich und musste grinsen. Er hat mich immer wieder geküsst und mir über das Gesicht und mein Haar gestrichen, oder mich einfach nur an sich gedrückt und umarmt, so, als wollte er mich nie wieder loslassen. Er hat mir erzählt, wie es ihn gequält habe, mich in New Orleans zurück zu lassen, oder das Wiedersehen, wo er mich nicht so begrüßen konnte, wie er gerne gewollt hätte, und dass es ihm unendlich leid tat, wie er mich angefahren hatte. Jetzt weiß ich, dass er es aus reinem Selbstschutz getan hat. Dann endlich sprach er über das, was in seiner Kabine geschehen war, und das ich da schon etwas gespürt haben muss, weil ich mich da so merkwürdig verhalten habe. Und natürlich wurde ich wieder rot. Oh mein Gott, wie peinlich! Es hätte ihn all seine Selbstbeherrschung gekostet, mich nur auf sein Bett zu legen und schlafen zu lassen, oder später, als ich aufgewacht war und da so halbnackt gelegen habe, mich wieder gehen zu lassen. Über alles andere wollten wir später reden, da er noch den außerplanmäßigen Einsatz von Lucy und Gavin in Havanna koordinieren musste. Aber wir haben ja noch etwas Zeit bis Peru, und bis dahin… könnte ja noch so einiges… Plötzlich stand Kerstin vor mir und wedelte mit einer Hand vor meinem Gesicht: „Huhu, Erde an Angie. Na, du warst aber gerade weit weg. Ich nehme mal stark an, dass dein entrückter und schmachtender Gesichtsausdruck etwas mit dem leckeren Highlander namens Duncan zu tun hat, stimmt`s?†œ Sie zog eine Augenbraue hoch und lächelte mich wissend an. „ Das sagt diejenige, die ihr T-Shirt auf links anhat?†œ Ich musste über ihren verlegenen Gesichtsausdruck lachen und klopfte auf den Platz neben mir. „Setz dich, und erzähl. Drago? Ach, du brauchst mir nichts erzählen, dein Gesicht spricht Bände. Ja, mit den Jungs hier hat es schon etwas ganz Besonderes auf sich.†œ „Und genau darüber wollte ich mit dir reden. Also, das mit Tim, das war so eine Sache… klar, es war sehr schön, auch der Sex mit ihm, und er liebt mich, aber ob ich ihn liebe? Ich habe keine Ahnung! Aber das müsste ich doch eigentlich, oder? Und mit Drago, das ist so total anders… ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll. Bei ihm habe ich mich irgendwie… angekommen gefühlt. Die ganze Sache ist nur noch merkwürdig, da wir immer die Gedanken des anderen hören können. Was soll ich denn jetzt bloß machen? Wie soll ich mich entscheiden? Alles ist so wahnsinnig kompliziert! Und Drago, er hält sich für beziehungsunfähig, aber das glaube ich ihm nicht! Frag mich bloß nicht warum, ich weiß es einfach, und das sagt mir nicht nur mein Gefühl! Dann geistert mir dauernd das Wort „Gefährte†œ durch den Kopf. Weiß du was darüber? Ich würde ja meine Ma fragen, aber die hat ja im Moment ganz andere Sorgen, ach vielleicht weiß ja deine Großmutter was, oder hat dir mal was davon erzählt oder deine Eltern und ja, ich weiß, ich rede zu viel… †œ „ Kerstin, Stopp! Langsam, atme erst mal richtig durch†œ, riet ich ihr, nachdem sie sich so in Rage geredet hatte und mich verlegen ansah. Da nahm ich ihre Hand und drückte sie leicht. „Also, erstens, ich weiß genau wie du dich fühlst. Dieses Chaos mit unseren Gefühlen ist schon sehr beängstigend, aber eigentlich hast du dich doch schon längst entschieden. Genau wie ich auch, oder Doc und daran kann ich auch nichts ändern, und das will ich auch nicht, †œ sagte ich ihr leise und sah ihr fest in die Augen.

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Mit einem Lächeln fuhr ich fort: „Willkommen im Club… und in meiner Familie… Haha… irgendwie. Zweitens. Ich habe auch noch nie von den sogenannten Gefährten oder Gefährtinnen gehört, auch von Großmutter Gwendolyn nicht, eigentlich habe ich auch nie gefragt, war ja auch noch nie in so einer Situation. Na ja, das stimmt nicht ganz… damals…†œ Ich stand auf, ging zum Waffenschrank und lehnte mich mit verschränkten Armen dagegen. Mein Blick schweifte durch den Raum, ohne dass ich etwas direkt ansah, und dann blieb er an dem Messer hängen, das tief in dem gemalten Herz der Holzfigur steckte. „Damals, als die Sache mit Zorro passiert war, da dachte ich einen Moment… er könnte derjenige sein, aber Gott sei Dank ist das schon lange her und vorbei. Und Drittens… Ich habe nie Eltern gehabt, die mir…†œ „Doch, das hast du!†œ, unterbrach mich plötzlich eine leise Stimme von der Tür her. Ich drehte mich um und da stand Doc, die mich traurig ansah. „Ach ja? Meinst du die Frau, die mich geboren hat und dann, als sie merkte, dass ich anders war, das ich wie Gwen war, und nichts von ihr hatte… mich zu ihr gebracht hat, weil sie damit nicht klar kam, weil sie keine Magie in sich trug, also „normal†œ war? Halt, zurück… nicht gebracht, sie hat mich ja einfach vor Gwens Tür gelegt, mit einem Zettel auf dem mein Geburtstag stand, mein Name und ihrer, dann ist sie spurlos verschwunden†œ, lachte ich bitter auf. „Keiner weiß wo ich geboren wurde, aber ich bin ihr in einer Weise auch dankbar, denn Gwen ist die gütigste und liebevollste Frau, die ich kenne und wir haben eine sehr enge Verbindung. Sie lebt immer noch in Salem in den USA und steht dem größten Hexenzirkel vor. Sie hat mir alles beigebracht, was ich wissen musste, und mich gelehrt, mit meiner Magie umzugehen. Sweetlife ist eine gute Freundin von ihr. Tja, und so bin ich bei den Schwestern gelandet. Aber das weißt du ja alles Doc.†œ „ Stimmt, ich kann mich noch genau daran erinnern. Ich war schon einige Jahrzehnte bei Sweetlife. Sie hat mich damals zu sich gerufen, als Avalon im Nebel verschwand und ich nicht wusste, wohin ich nach dem Kloster, in dem ich meine Ausbildung zur Schamanin und Medizinerin abgeschlossen hatte, gehen sollte. So konnte ich noch in München Chemie studieren, an einer Universität, die extra nur für Geschöpfe wie uns gebaut wurde. Sie kannte wohl auch meinen Vater, und sie weiß genau, wie sehr ich ihn vermisse. Ihr gehört ja auch die Insel, wo wir zusammen wohnen, trainieren und relaxen.†œ „ Dann ist sie wohl das weibliche Gegenstück zu dem „Gründer†œ der Ordensbrüder? So muss es sein! Ha, eins haben wir jedenfalls den Brüdern voraus, wir hören viel früher auf zu altern als sie.†œ Ich konnte schon wieder ein bisschen entspannter lachen als noch vor ein paar Minuten. „ Ach Kerstin, nun zu meinem Vater! Keine Ahnung wer das sein könnte. Gwen weiß es auch nicht mit Bestimmtheit, aber sie hat so ihre Vermutungen. Damals, als Doc und ich, Lilli und Lucy in München geholfen haben und sie so zu Sweetlife gekommen sind, hatten wir gerade eine Spur von ihm verfolgt, die sich aber als Windei herausgestellt hat. Also habe ich keine Eltern, ich habe sie aber auch nie vermisst.†œ „Wow, davon hat meine Mutter mir nie etwas erzählt. Und was hat deine Gwen für eine Vermutung, wer dein Vater sein könnte?†œ „Schau mir in die Augen, Kerstin. Und dann in Dragos. Wir müssen die gleiche Abstammung haben, denn dieses bestimmte Grün haben nur Drachen. Und als ich von seinem Blut getrunken habe, in dieser merkwürdigen Kammer, war der Geschmack gar nicht mal so übel.†œ
„So Schwestern, genug in der Vergangenheit rumgewühlt, wir haben noch viel zu erledigen, bevor wir in Peru an Land gehen†œ, sagte Doc mit ihrer beruhigenden Stimme. „Lilli wird wohl bei Fernando sein, ich habe sie auf dem Weg zu ihm getroffen, und sie hat mir Grüße von Lucy an uns ausgerichtet, die mit ihrem Gavin auf dem Weg nach Havanna ist, dann lachte sie laut auf.†œ Lilli murmelte noch was von mistiger Technik und was von „dem blöden Handy den Hals umdrehen†œ. „Ich mache mich auch wieder an die Arbeit, und stelle die restliche persönliche Ausrüstung zusammen.†œ „Vielleicht können wir ja später mal wieder alle zusammen was essen?†œ „ Keine schlechte Idee, aber ich muss auch erst noch was erledigen†œ, meinte Kerstin, als wir drei auf dem Gang standen. Wir umarmten uns kurz und, als die zwei losliefen, rief ich nur lachend hinterher: „ Hey, falsche Richtung, zu unseren Kabinen geht es da lang†œ, und deutete hinter mich. Sie lachten nur und winkten mir zu. Okay, dann werde ich auch mal in die „falsche Richtung†œ gehen. Ein wohliges Kribbeln breitete sich in meinem Körper aus als ich an ihn dachte, an Duncan, denn es kann nur einen geben…

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Als wir uns in verschiedene Richtungen verstreuten rief Kerstin noch „Okay, Mädels 19 Uhr bei Angie, ich gebe Lilli noch Bescheid.†œ Und jede ging ihres Weges.
Doc packte schon mal ihre Tasche mit dem Nötigsten, alles was man so für kleinere Verletzungen brauchte, Nähmaterial, Desinfektionsmittel, Schmerzmittel, Verbandsmaterial und das fertige Gegengift gegen Skorpionbisse. Nach mehrmaligem Überprüfen befand sie die Ausstattung für vollständig und sah dann auf die Uhr. Bis sie sich mit den anderen bei mir treffen wollte, waren es noch zwei Stunden, da kam ihr eine Idee. Sie holte einige ihrer „geheimen†œ Ingredienzien aus dem feuerfesten abschließbaren Schrank und fing an etwas zu mischen. Innerhalb kürzester Zeit sah es auf dem Behandlungstisch aus, wie in einem Forensischen Labor, Bunsenbrenner, Reagenzgläser eine leuchtende blaue Flüssigkeit lief durch einen Schlauch und tropfte langsam in ein zylindrisches Gefäß. Doc füllte es in schmale Phiolen ab, legte diese in ein Schüttelgerät ein, und begann die Apparaturen wegzuräumen. Lächelnd entnahm sie die Phiole dem Gerät und ein gelartiges blaues Gemisch war darin zu sehen.
Nach einem Blick auf die Uhr machte sie sich auf den Weg zu mir und hörte schon von weitem lautes Gelächter aus meiner Kabine. Sie klopfte leise an und umgehend wurde die Tür von Kerstin aufgerissen. „Da bist du ja endlich, wir dachten schon wir verhungern beim Warten auf Dich.†œ „Ja, wo essen wir denn jetzt? Einen Snack an der Poolbar oder sollen wir ins Restaurant?†œ fragte Lilli. „Mädels was haltet ihr davon, wenn wir es uns hier richtig gemütlich machen, ich schätze ja mal, wir haben uns viel zu erzählen und wir könnten dabei ein wenig Wellness betreiben, und wenn ihr Lust habt, ich wüßte wo man Pizza bestellen könnte. Also was meint ihr?†œ „Super Idee, ich hab hier auch in einem Schrank eine Nintendo Wii entdeckt, oh oder Mädels wir trinken was Feines und spielen eine Runde Karten.†œ schlug ich vor. Kerstin und Lilli waren sofort begeistert und damit einverstanden. Einen richtigen Mädelsabend hatten wir schon lange nicht mehr, leider musste er diesmal ohne unsere Lucy stattfinden. „O.K. Da wir hier bleiben, sollten wir uns umziehen, ihr habt fünf Minuten, also, dalli, dalli.†œ Die drei flitzten los in ihre Kabinen, und standen nach exakt fünf Minuten in Sleepshirts wieder vor mir. Wir schoben die Möbel im Salon ein wenig auf die Seite, holten alle Kissen die wir finden konnten und machten es uns auf dem Boden bequem. „So, Doc, und wo ist die Pizza?†œ „Einen Moment.†œ Doc holte ihr Handy hervor, und bestellte für jede Schwester die Lieblingspizza, so etwas weiß man natürlich, wenn man schon so lange ein eingespieltes Team ist. „Gibt†™s einen Lieferservice der mit dem Heli Riesenkreuzer anliefert oder was? Pizza steht hier doch nirgends auf der Karte?†œ Kerstin war wie immer neugierig und sah Doc grinsend an. „Nein Hase, ich hab bei Bowen bestellt, er hat sein Können neulich bei mir unter Beweis gestellt, und da er sowieso auf mich wartet, kann er sich die Zeit ja ruhig mit Pizzabacken vertreiben. So und jetzt Schwestern! Ich habe vorhin ein dauerhaftes Enthaarungsgel angemischt, wer möchte es denn als Erste testen?†œ Lilli, Kerstin und ich sahen uns an, dann zu Doc und dann sahen wir alle betreten weg, mit Doc´s selbsthergestellten Beauty-Produkten war es nämlich so eine Sache. Grüne Pickel waren eine der geringeren Nebenwirkungen die wir schon erlebt hatten. „Kommt schon Leute, rasieren nervt doch, also wer will zuerst? Kerstin du?†œ Kerstin räusperte sich und nickte dann zögerlich. Doc schnappte sich umgehend ihr Bein und strich etwas von dem blauen Gel auf ihre Wade. „So das muss jetzt 10 Minuten einwirken und dann solltest du dich nie wieder rasieren müssen.†œ Um nicht auch als Versuchskaninchen zu enden, ging ich schnell ins Bad und kam mit meiner Gesichtsmaske zurück, die ich zuerst bei Lilli und sie dann bei mir auftrug. „Doc, sag mal dieses kribbeln ist aber normal oder?†œ „Kribbeln? Oh, vielleicht wirkt sie schneller, warte ich hole mal ein feuchtes Tuch und wir nehmen es ab†œ die Substanz auf Kerstins Bein bildete Blasen, als Doc mit dem Tuch das Zeug abtupfte zischte es und kleine blaue Dampfwölkchen stiegen auf, es roch auffallend nach Pommes-Frittes. „Siehst du nichts passiert und die Haare sind weg.†œ „Oh ja, echt. Aber hier riecht es ja wie in der Frittenbude. Öhm Doc ist das auch normal???†œ Langsam wuchsen auf Kerstins Bein neue Haare. Allerdings waren sie grün, erreichten eine Länge von ca. 3 cm und waren gelockt. „Mensch Doc! Was hast du denn jetzt schon wieder fabriziert?†œ Doc konnte nicht anders und fing an schallend zu lachen. Sie hielt sich den Bauch und hörte gar nicht mehr auf. „Kerstin, ist doch egal, dann musste halt doch rasieren†œ, versuchte ich sie zu beruhigen. Lilli und ich stimmten in Docs Gelächter ein. Es sah einfach zu komisch aus.

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„Toll Doc, vielen Dank, ich habe jetzt ein grünes Pommesbudenbein, ich hoffe, dass die Pizza von deinem Vampir wenigstens schmeckt! Du solltest lieber beim Medizinbrauen bleiben, da passieren dir ja nicht so seltsame Fehler.†œ Das stimmte. Ehe Doc etwas erwidern konnte, klopfte es an der Türe, ich sprang hin denn mein Magen knurrte mittlerweile ganz ordentlich. Ich riss die Türe auf und wäre im gleichen Moment am liebsten im Erdboden versunken, es stand nicht nur Bowen mit einen riesen Stapel Pizzakartons vor mir, sondern auch Duncan, Drago und Fernando. Über den Spaß mit Kerstins Bein hatte ich vergessen, dass ich weiße Paste im Gesicht hatte, was mir schlagartig einfiel als Drago kicherte und die anderen drei ebenfalls grinsten. Ich machte ein quietschendes Geräusch und knallte Ihnen reflexartig die Türe vor der Nase zu. „Oh nein oh nein, die sind zu viert hier aufmarschiert, Lilli komm schnell!†œ Ich flitzte ins Bad und zog Lilli mit mir, schnell wuschen wir uns das Zeug runter. Ich hörte wie Doc den Drachen und die Vampire herein ließ. Wir versuchten so cool wie möglich zu wirken, als wir aus dem Bad kamen. „Kein Wort! Nicht ein Wort möchte ich hören!†œ, sagte ich und sah mit stechendem Blick in die Runde. Doc saß schon mit Bowen zusammen auf dem Boden und kuschelte. Drago machte Anstalten sich neben Kerstin zu setzen, die wiederum versuchte sich so auf ihr frisiertes Bein zu setzen, dass es keinem der Männer auffiel. Krampfhaft hielt sie ein Kissen vor ihre Knie und gestikulierte wild in Richtung Doc, dass sie beide doch auch mal ins Bad müssten. Fernando kam auf Lilli zu, küsste sie und setzte sich neben sie. Nur Duncan lehnte an der Tür, irgendwie unschlüssig. Er wirkte ein klein wenig verlegen, er ließ den Blick über mich wandern und strich sich mit der Hand durchs Haar. Ich straffte meine Schultern und ging so sexy, wie es mir in meinem Riesensleepshirt möglich war, auf ihn zu und zog ihn an der Hand mit rüber zu den anderen. Wir setzten uns auf das Sofa. Endlich bemerkte Doc, Kerstins stumme Hilfeschreie, nahm eine Decke, ging damit zu ihr rüber und wickelte sie geschickt darin ein „Nicht das du dir eine Erkältung holst, mhm?†œ Beide tapsten ins Bad. „Mensch, wie peinlich. Stell dir vor, Drago hätte das gesehen. Also was machen wir jetzt damit?†œ Kerstin blickte unglücklich auf ihr Bein. Doc wühlte im Schrank herum, fand einen Nassrasierer von mir und fing an die Haare zu entfernen. „Wehe, der Mist wächst nach!†œ „Bleib ruhig, das glaub ich nicht.†œ Kerstin wurde etwas nervös „Glaubst du das nicht, oder weißt du es?†œ Die beiden warteten einen Moment und Doc seufzte. „So, ich weiß, es wächst nichts mehr nach, zumindest nicht mehr in grün.†œ Nach einer weiteren Minute trauten sie sich wieder zurück zu uns, erleichtert ließ sich Kerstin neben Drago fallen und das große Essen begann. Doc hatte nicht zuviel versprochen, die Pizza war wirklich köstlich. „So die Damen, was würdet ihr von einer Runde Poker halten? Wer verliert muss einen Wodka trinken!†œ Drago tippte auf eine Flasche neben sich. „Ich glaube für die Damen ein Sektchen und wir nehmen den guten Absolut!†œ Den Vorschlag von Fernando nahmen wir gerne an und los gings. Ich glaube Drago hatte noch nichts von Docs und Kerstins unschlagbaren Pokertalent gehört. Der Abend nahm seinen Verlauf. Wir hatten alle das ein oder andere Gläschen trinken müssen. Bei uns Ladies hielt es sich aber glücklicherweise in Grenzen. Drago und Bo wollten nach einigen Gläschen unbedingt Poker spielen. Wir ließen uns darauf ein und am Ende saßen dann auch nur die beiden in ihren schwarzen Seidenboxershorts da. Denn Doc linste immer in Bowens Blatt und Kerstin konnte problemlos Dragos Gedanken lesen. Durch ihr ständiges Kichern flogen sie dann aber auf und eigentlich wollte auch keiner Drago und Bowen ganz ohne Bekleidung da sitzen haben.
„Wie wäre es denn, sollen wir uns einen Godzilla ansehen?†œ Bowen hatte so einige Wodkas gehoben und sah mit glänzenden Augen in die Runde. Doc die zwischen seinen Beinen saß, verdrehte die Augen. „Wie wäre es mit Ice Age?†œ „Dr. House.†œ „Nein, Sissi wird heute Nacht wiederholt.†œ Da es ja schließlich unser Abend war, entschieden wir Ladies uns einstimmig für „Twilight†œ. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, erklärten wir, dass es sich dabei um einen Actionthriller, den Blockbuster schlechthin, handelte. Der nichts für schwache Nerven sei und der im Kino direkt auf Platz Eins gelandet war. Da die Jungs noch nie etwas von dem Film gehört hatten, konnten sie auch keine Argumente dagegen anbringen. Fernando und Bowen zauberten noch Popcorn, Chips, Schokolade und andere Leckereien aus einem Tarn-Pizzakarton, wir dämpften die Beleuchtung und machten es uns bequem.

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Wie nicht anders zu erwarten, kam nach den ersten fünf Minuten schon die erste nicht nette Bemerkung über Edward. Vor allem die Ähnlichkeit mit Norbert fanden die vier besonders amüsant. Wir Mädels schmachteten den riesigen Flachbildschirm an und die Jungs lachten sich halb zu Tode. Als die Szene kam in der Edward sein Hemd aufriß und sein Körper in der Sonne glitzerte, war alles vorbei, die Jungs konnten sich nicht mehr beruhigen. Das Sofa vibrierte und bebte. Ich blickte in die Dunkelheit neben mich und sah, dass selbst Duncan nicht mehr konnte. „Wow! Vampire als Discokugel!†œ „Action? Eher Comedy, oder?†œ Fernando blickte Lilli lachend an und schüttelte ungläubig den Kopf „Oh mein Gott, ich wette es gibt Menschen, die sich Vampire genau so vorstellen. Ihr müsst ja ganz schön überrascht von uns gewesen sein.†œ Trotz unserer strafenden Blicke konnten sie sich nicht zusammenreißen. Den absoluten Höhepunkt erreichte das Gelächter dann, in der für uns so romantischen Schlussszene, als Bella klarstellte, dass sie verwandelt werden wollte. „Doc, auch schon erste vampirische Veränderungen an dir festgestellt?†œ Bowen knuddelte sie fest und beide lachten. Dann flüsterte er ihr etwas ins Ohr, und Doc wurde rot. „Niemand hat behauptet, dass es ein realistischer Vampirfilm ist. Also gut, wie wäre es, wenn wir direkt im Anschluss die Fortsetzung „New Moon†œ ansehen?†œ Die Jungs winkten lachend ab. „Das war ausreichendes Bauch- und Lachmuskeltraining. Also wir sollten schauen, dass wir etwas Schlaf bekommen. Es ist schon spät und wir müssen Morgen noch einiges vorbereiten und unserer Taktik durchgehen.†œ Bo stand auf, zog Doc hoch und schob sie vor sich in Richtung Ausgang. „Gute Nacht und schlaft gut!†œ, konnte Doc noch gerade so loswerden und die beiden waren weg. Die anderen standen nach und nach auf. Langsam leerte sich meine Kabine wieder, alle waren weg bis auf Duncan.

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Fortsetzung: Black Dagger Ladies Online – Beunruhigende Träume [Kapitel 11]