Literaturverfilmung: Tannöd am 19.11. im Kino mit Monica Bleibtreu (Trailer)

Tannöd

Abgelegen im blauschwarzen Tannenwald liegt er, der Mordhof. Hier wurde die gesamte Familie Danner brutal mit der Spitzhacke erschlagen, auch die Kinder und die neue Magd. Niemand im Dorf hat von der grausamen Tat etwas mitbekommen. Wundern tut es aber keinen, war doch der alte Danner (Vitus Zeplichal) ein alter Tyrann und Geizhals, der es sich mit jedem in der Umgebung verscherzt hatte. Seine frömmelnde Frau (Lisa Kreuzer) sprach mit niemandem, und die Kinder seiner Tochter Barbara (Brigitte Hobmeier) sollen auch von ihm gewesen sein.

Als zwei Jahre später die junge Kathrin (Julia Jentsch) im Dorf auftaucht, ist der Täter noch immer nicht gefunden. Bald erkennt sie hinter dem dichten Netz aus Lügen und Schweigen eine tiefe Schuld im Dorf, und ahnt, dass der Fall mehr mit ihr zu tun hat, als ihr lieb sein kann.

Regisseurin Bettina Oberli hat bereits mit ihrem Erfolgsfilm „Die Herbstzeitlosen“ ihr inszenatorisches Können bewiesen. In „Tannöd“ widmet sie sich den bigotten gesellschaftlichen Strukturen und zeigt einmal mehr ihr Talent für atmosphärisch dichtes Erzählen. Entstanden ist ein starker, fesselnder Kinofilm: bildgewaltig, stimmungsvoll und emotional. Ein erstaunliches Drama über Schuld, menschliche Abgründe, und wie Wegschauen, Lügen und Schweigen den Nährboden für das Böse in der Welt bietet.

Julia Jentsch agiert als Kathrin, Monica Bleibtreu ist in ihrer letzten Kinorolle zu sehen, weiterhin spielen Volker Bruch als Johann, Vitus Zeplichal als Bauer Danner und Filip Peeters als Georg Hauer mit.

Die Regie führt Bettina Oberli. Das Drehbuch schrieb sie gemeinsam mit Petra Lüschow nach der gleichnamigen Romanvorlage von Andrea Maria Schenkel.

Denis Scheck und die Top Ten: Bullshit, dämliches Twilight und sterile Plastikprosa

Einer Umfrage zufolge, die das Börsenblatt heute veröffentlicht hat, lassen sich 72 Prozent der Deutschen beim Buchkauf nicht von den Bestseller-Listen beeinflussen. Literaturkritiker wie Denis Scheck scheinen ebenfalls keinen Einfluss darauf zu nehmen, denn in seiner gestrigen Sendung Druckfrisch ließ er wieder kein gutes Haar an den derzeitigen Bestsellern:

MüllSo bescheinigt er Volker Klüpfels und Michael Kobrs „Rauhnacht“ (Platz 1) zwar einen ordentlichen Schreibstil und in Maßen selbstironische Unterhaltung, vergleicht den Regionalkrimi allerdings mit Heimatabenden, Musikantenstadeln und anderen Formen der Onanie.

MüllFür BULLSHIT hält er Dan Browns neuen Thriller „The Lost Symbol“, der derzeit in der englischen Originalausgabe auf Platz 2 rangiert.

MüllLängst bekannt ist Denis Schecks Abneigung gegen Stephenie Meyers Twilight-Saga. Der quälend langweilige amerikanische Fantasy-Roman Bis(s) zum Abendrot (Eclipse) belegt Platz 3, das alberne Finale dieser dämlichen Saga Bis(s) zum Ende der Nacht (Breaking Dawn) ist auf Platz 6 bei den Hardcovern gerutscht.

Müll„Das andere Kind“ von Charlotte Link (Platz 4) hält er für sterile Plastikprosa, da der deutschen Autorin so viel an Lokalkolorit und geschichtlicher Erfahrung fehlt, dass hier so gar nichts riecht, schmeckt noch sonst irgendeinen sinnlichen Eindruck hinterlässt.

MüllKitschig, verlogen und zusammengestümpert, wie bisher alles aus der Feder von Cecilia Ahern, befindet er auch ihren neuen Roman „Zeit deines Lebens“ (Platz 5).

MüllWilliam Paul Youngs „Die Hütte“ (Platz 7) markiert den Gipfel an Heuchelei und Scharlatanerie, denn der Roman weckt mit seiner Millionenauflage in ihm den Verdacht, dass wir vielleicht doch in der blödesten aller Welten leben.

MüllAus Dora Heldts „Tante Inge haut ab“ (Platz 8 ) steigt ein starker Geruch nach Leichenmoder, als feierten Heinz Rühmann, Inge Meysel und Theo Lingen fröhliche Auferstehung.

LesenSchön, dass wenigstens Elke Heidenreich und Bernd Schroeder mit „Alte Liebe“ (Platz 9) einen guten Unterhaltungsroman veröffentlicht haben und Denis Schecks Respekt für das Münchhausensche Kunststück „Aufbruch“ (Platz 10) von Ulla Hahn am Ende überwogen hat, denn ansonsten wäre die Tonne restlos voll geworden. 😉

Quelle: Rückschau Druckfrisch von 04.10.2009

Anne Frank House mit neuem Material auf eigenem YouTube-Kanal

Anne Frank

Die Anne Frank-Stiftung hat am 30. September auf YouTube einen neuen eigenen Kanal mit bereits bekannten, aber auch neuen Informationen über das Leben von Anne Frank eröffnet.

Es sind diverse Clips mit Interviews mit Otto Frank und Miep Gies als Zeitzeugen zu sehen, Nelson Mandela berichtet darüber, wie ihm Annes Tagebuch während seiner Haft im Apartheid-Gefängnis auf Robben Island Kraft gegeben hat, Vorschauen auf den geplanten virtuellen Zugang zu Teilen des Hauses, das der Familie Frank einst als Versteck gedient hat, wurden eingebunden. Der virtuelle Rundgang soll am 28. April 2010, zum 50. Jahrestag der Eröffnung des Anne-Frank-Hauses an der Prinsengracht 263, freigeschaltet werden.

Menschen auf der ganzen Welt haben durch eine einzigartige Sammlung  dazu beigetragen, dass das Leben und die Bedeutung von Anne Frank  nicht in Vergessenheit gerät.

So findet man auf der Seite auch das einzige Filmmaterial mit Anne Frank. Anlässlich der Hochzeit eines Nachbarn am 22. Juli 1941 ist sie am Fenster im zweiten Stock in der Prinsengracht zu sehen.

Anne Frank war mit ihrer Familie vor den Nazis nach Amsterdam geflohen. Nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen versteckten sie sich im Hinterhaus der Prinsengracht 263. Im August 1944 wurde die Familie jedoch verraten, festgenommen und ins Konzentrationslager gebracht. Nur ihr Vater überlebte. Annes Tagebuch, das vor allem in dem Amsterdamer Versteck entstand, wurde seit 1947 in mehr als 70 Sprachen veröffentlicht.

YouTube-Besucher haben die Möglichkeit sich auf dem Anne Frank-Kanal zu registrieren. Über ein Abonnement erhält man automatisch eine Benachrichtigung, wenn neue Videos eingestellt werden. In Anlehnung an die geplante Anne Frank Ausstellung in Brasilien können eigene Videos eingereicht werden. Die besten Einsendungen erhalten einen Platz auf dem Kanal.

„YouTube unterstützt dieses Projekt, weil wir es wichtig finden, dass diese Inhalte der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Wir hoffen, dass der YouTube-Kanal dazu beiträgt, die Stärke von Anne Frank und die pädagogische Botschaft der Toleranz weiter zu verbreiten“, sagte Mascha Driessen, Chefin von YouTube und Google-Anzeigen in den Niederlanden.

„Damit können Menschen überall in der Welt das Leben und die Bedeutung von Anne Frank mit Hilfe einzigartiger Bilder im Internet erkunden“, erklärte die Anne-Frank-Stiftung am Mittwoch in Amsterdam.

Quellen: The Island Weekly, YouTube

Druckfrisch mit Denis Scheck am 04.10. um 23.35 Uhr

Druckfrisch

Am 04.10.2009 sendet DasErste eine neue Folge von Druckfrisch mit Denis Scheck. Die geplanten Themen sind:

Auf dem Weg zum Mond:

LimitDer neue Bestseller von Frank Schätzing
Sein letzter Roman „Der Schwarm“ war ein spektakulärer Erfolg, wurde millionenfach verkauft, die Filmrechte an dem Stoff sind inzwischen nach Hollywood vergeben. Entsprechend groß sind natürlich die Erwartungen an Schätzings neuen Roman „Limit“. In „Druckfrisch“ spricht Schätzing jetzt zum ersten Mal über das neue Buch…
(Frank Schätzing: Limit. Kiepenheuer & Witsch Verlag)

Kurzbeschreibung
Mai 2025: Die Energieversorgung der Erde scheint gesichert, seit die USA auf dem Mond das Element Helium-3 fördern. Bahnbrechende Technologien des Konzerngiganten Orley Enterprises haben die Raumfahrt revolutioniert, in einem erbitter-ten Kopf-an-Kopf-Rennen versuchen Amerikaner und Chinesen, auf dem Trabanten ihre Claims abzustecken.
Während der exzentrische Konzernchef Julian Orley mit einer Schar prominenter Gäste zu einer Vergnügungstour ins All aufbricht, soll Detektiv Owen Jericho, den eine unglückliche Liebe nach Shanghai verschlagen hat, die untergetauchte Dissidentin Yoyo ausfindig machen. Was nach Routine klingt, ist tatsächlich der Auftakt zu einer alptraumhaften Jagd von China über Äquatorialguinea und Berlin bis nach London und Venedig. Denn auch andere interessieren sich für Yoyo, die offenbar im Besitz streng gehüteter Geheimnisse und ihres Lebens nicht mehr sicher ist.
Jericho muss sich mit der bildschönen, aber ziemlich anstrengenden Chinesin zusammentun, um den phantomgleichen Gegnern auf die Spur zu kommen. In einer Zeit, in der multinationale Konzerne der Politik zunehmend das Zepter aus der Hand nehmen, führen beide einen verzweifelten Kampf ums Überleben, gehetzt von einer Übermacht hochgerüsteter Killer. Die Suche nach den Drahtziehern führt mitten hinein in die Wirren afrikanischer Söldnerkriege, Machtkämpfe um Öl und alternative Energien, Vorherrschaftsträume im Weltraum †“ und zum Mond, auf dem sich Orleys Reisegruppe unvermittelt einer tödlichen Bedrohung gegenüber sieht.

Dichter und Dissident: Was Bei Dao über China weiß

Das Buch der NiederlageChina ist heuer das Gastland der Buchmesse, aber die wichtigsten Autoren dieses Landes sind zuhause verfemt und auch nicht offiziell nach Frankfurt eingeladen: Bei Dao zum Beispiel, der Dissident und Dichter, 1949 in Peking als Zhao Zhenkai geboren und seit 20 Jahren im Exil lebend. Er ist einer der bedeutendsten chinesischen Gegenwartsautoren, in der Volksrepublik China aber werden seine Gedichte und Essays nicht gedruckt.
( Bei Dao: Das Buch der Niederlage. Hanser Verlag)

Kurzbeschreibung
Bestandsaufnahme und Rückblick: Bei Daos Gedichte – als Exilliteratur in den USA entstanden – bedienen sich hauptsächlich der Paradoxie als Stilmittel. Dies sei, so sagt er, für ihn der einzige Weg, um die Welt in ihrer Widersprüchlichkeit zu entdecken. Indem er sein Leben poetisch analysiert, kommt auch die Geschichte zu Wort: die zerstobenen Illusionen eines Dichters, der von einer anderen, besseren Welt geträumt hat.

…außerdem, wie immer, Denis Schecks Kommentar zu den Büchern auf der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste (diesmal Belletristik) und eine ganz persönliche Empfehlung!

Quelle: Druckfrisch

Roberto Saviano wird mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2009 geehrt

Der Geschwister-Scholl-Preis 2009 wird dem italienischen Schriftsteller Roberto Saviano verliehen. Er erhält den Preis für sein aktuelles Buch, „Das Gegenteil von Tod“ (Hanser)†“ aber darüber hinaus für sein engagiertes Schreiben insgesamt.

Savianos Werk zeuge im Sinne des Preises von geistiger Unabhängigkeit und sei geeignet, bürgerliche Freiheit, moralischen, intellektuellen und ästhetischen Mut zu fördern und dem gegenwärtigen Verantwortungsbewusstsein wichtige Impulse zu geben, so die Preisbegründung.

Weiter heißt es in der Begründung der Jury, dass der gerade 30-jährige Saviano den Mut hat, die Wahrheit zu sagen: „Er spricht Dinge aus, die in Italien fast niemand zu sagen wagt und hat damit auch unseren Blick auf Italien verändert. Schon mit seinem literarischen Debüt „Gomorrha†œ (Hanser, 2006) hat er einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, wie die Mafia, speziell die Camorra, immer noch das Leben der Menschen systematisch zerstört.“

Ausdrücklich verweist die Jury auf die Klarheit und Intensität der Sprache Savianos, die seine Essays, Reportagen und Erzählungen so erschütternd macht: sie ist nüchtern, gleichzeitig empathisch, zart und in höchstem Maße poetisch. Seine literarische Wucht ist gespeist aus dem Zorn über die weltweite Macht der organisierten Kriminalität †“ trotzdem ist Roberto Saviano fähig wie kein anderer, die komplexen Sachverhalte eindringlich und allgemeinverständlich darzustellen. Damit leistet er ungeachtet seiner eigenen Situation einen einzigartigen Beitrag zum Verständnis des Leidens seiner Mitmenschen in seiner Heimat. Der Geschwister Scholl-Preis ehrt somit einen Autor, der unter Einsatz seines Lebens dagegen anschreibt, eine ausweglos erscheinende Situation als gegeben hinzunehmen.

Am 14.06.2009 hat Denis Scheck in seiner Sendung Druckfrisch Roberto Saviano interviewt und darüber berichtet wie es ist im Untergrund zu leben und zu schreiben: Es gibt, wenigstens in Italien, eine beträchtliche Menge Leute, die ihn lieber heute als morgen tot in seinem Blut liegen sehen will: Seit der enormen Aufmerksamkeit, die sein Mafia-Bestseller „Gomorrha“ bekam, steht Roberto Saviano auf der Todesliste der ‚ehrenwerten Gesellschaft‘ und kann sich in seiner Heimatstadt Neapel nicht mehr blicken lassen.

Das Gegenteil von Tod

Das Gegenteil von TodKurzbeschreibung
Nach dem sensationellen Erfolg seines Mafia-Bestsellers „Gomorrha“ zeigt Roberto Saviano in erschütternden Reportagen die andere Seite der Medaille: die Welt jener jungen Italiener, die auf der Seite des Gesetzes stehen und doch auch an vorderster Front. Im armen Süden von Italien, wo jungen Männern keine große Wahl bleibt, wenn sie einer legalen Arbeit nachgehen wollen, ist der Dienst bei der Polizei oder beim Militär oft die einzige Chance, der Kriminalität zu entgehen. Savianos namenloser Erzähler berichtet von gleichaltrigen Freunden, die sich zu Kampfeinsätzen gemeldet haben, im Kosovo, in Afghanistan oder in Somalia, und von denen viele nur als Tote zurückgekommen sind.

Über den Autor
Roberto Saviano, 1979 in Neapel geboren, arbeitete nach dem Studium der Philosophie als Journalist für „Il Manifesto“, den „Corriere del Mezzogiorno“ und „L’Espresso“. Für „Gomorrha“, sein erstes Buch, erhielt er 2006 den Premio Viareggio.Friederike Hausmann, geboren 1945, Studium der Geschichte und Altphilologie in Berlin. Nach Promotion tätig als Lehrerin. Nach langjährigem Aufenthalt in Italien lebt sie heute als Autorin und Übersetzerin in München. Als Italien-Expertin schreibt sie für den Rundfunk sowie überregionale Tages- und Wochenzeitungen.

Der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels †“ Landesverband Bayern und der Landeshauptstadt München verliehene Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr zum 30. Mal vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen David Grossmann, Anna Politkovskaja, Saul Friedländer, Necla Kelek und Arno Gruen.

Die Verleihung des Preises findet im Rahmen einer geschlossenen Festveranstaltung am Montag, dem 16. November 2009 um 19.00 Uhr in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München statt.

Quelle: BuchMarkt