7 Fragen an Frauke Ehlers

Frauke Ehlers, geboren 1963, ist Buchhändlerin und Literaturwissenschaftlerin mit MedienMBA. Heute ist sie als Controllerin in der Kreativbranche tätig und Gesellschafterin der innovativen Schiller-Buchhandlung in Stuttgart.

In dem Branchen-Netzwerk BücherFrauen e.V., das 1990 in Deutschland nach dem Vorbild der englischen Women in Publishing (WiP) gegründet wurde, ist Frauke Ehlers seit 1993 aktiv. Der Verein bündelt die Interessen von 850 deutschen Verlagsfrauen, Buchhändlerinnen, Übersetzerinnen, Agentinnen und allen anderen Frauen, die rund ums Buch tätig sind.

Von 1994 bis 1996 war Frauke Ehlers bei den BücherFrauen als Städtesprecherin in Stuttgart, von 1997 bis 2000 im überregionalen Vorstand verantwortlich für die Finanzen, 2002/03 im Organisationsteam der 1. Mentoringrunde in Stuttgart und 2008/09 Initiatorin des 1. Überregionalen Mentoringkongresses.

Seit 2009 ist Frauke Ehlers Social Media-Beauftragte und seit 2010 eine von drei Beirätinnen der BücherFrauen. Als Social Media-Beauftragte ist Frauke Ehlers für die BücherFrauen sowohl bei Twitter als auch auf Facebook aktiv.

7 Fragen an Frauke Ehlers

1. Mit wem würden Sie gerne für einen Tag den Platz tauschen?

Hätte ich gerne mal mit Steve Jobs. Aber da das jetzt nicht mehr geht, nehme ich mit seiner Biographie vorlieb.

2. Welche Projekte warten auf ihre Vollendung?

Ein vollendetes liegt gerade hinter uns †“ eine sehr erfolgreiche Jahrestagung der BücherFrauen, auf der Zukunftsprojekte Gestalt annahmen. Eines davon ist die Idee, für faire Arbeitsmodelle ein „Gendersiegel“ für Unternehmen der Buchbranche zu etablieren, das erstmals im Jahr 2013 verliehen werden soll. Und wir haben einen neuen, 8. Leitsatz verabschiedet: „Jede BücherFrau versteht sich als Repräsentantin des Netzwerks„.

3. Was bringt Sie so richtig auf die Palme?

Unentschlossenheit.

4. Worauf sind Sie besonders stolz?

Auf das, was die BücherFrauen seit einiger Zeit auf die Beine stellen: BücherFrauen-Mentoringprogramm inkl. Kongress, BücherFrauen-Akademie, Studie zur Arbeitssituation in der Buchbranche und immer mehr Sichtbarkeit.

5. Mit welcher historischen Figur/Person hätten Sie sich gerne zum Essen verabredet?

Mit William Shakespeare †“ aber danach oder davor gehen wir gemeinsam ins Theater und schauen eines seiner Stücke †“ er müsste auswählen, in welches wir gehen.

6. Über welche verpasste Gelegenheit ärgern Sie sich noch heute?

Ich wäre gerne schon früher mutiger gewesen. Aber Frauen in unserem Alter haben internalisiert, was manche eben so über Frauen in die Welt setzen. Zuletzt Michael Krüger über Elisabeth Ruge †“ was zusammenfassend hieß: Sie kann es nicht. Nachzulesen hier: http://www.zeit.de/2011/44/Hanser-Verlag-Krueger

7. Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

In einem Antiquariat in Stuttgart mit den Schwerpunkten Musik, Theater und deutsche Literatur, und zwar einem bedeutenden. Mit 15 Jahren hatte ich leider noch nicht kapiert zwischen welchen tollen Sammlerstücken ich da sitzen durfte.
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Der Lesekreis bedankt ganz herzlich bei Frauke Ehlers für die Teilnahme an unserer Online-Umfrage.

Foto: © Frauke Ehlers

Dark Fantasy: Schwanentanz von Jean Francis [Rezension]

Schwanentanz von Jean Francis

Suzanna Williams Tage als Primaballerina in London sind aufgrund einer Knieverletzung gezählt. Um Abstand zu gewinnen, mietet sie sich ein Häuschen in dem abgelegenen nordirischen Dorf Carryglen. Schon an ihrem ersten Morgen dort begegnet sie in ihrem Garten einem jungen Mann, der nicht nur einen verwahrlosten Eindruck macht, sondern sie unwirsch daran hindert eine Pflanze abzureißen.

Als sie später in dem kleinen Dorf einkauft, freundet sie sich mit der hiesigen Bäckerin Liz an und erfährt so von dem Glauben an die „Guten Nachbarn“ – das Feenvolk. Suzanna tut die Geschichten als Aberglaube der hinterwäldlerischen Einwohner ab.

Doch der Mann aus ihrem Garten taucht wieder auf und übt eine ungewöhnliche Anziehung auf Suzanna aus. Von der Etikette aus London befreit, lässt sie sich abenteuerlustig auf ihn ein. Und Brandon ist genauso angetan von ihr. Suzanna ahnt nicht, dass er ein Krieger der Sidhe ist. Zur Sidhe gehören die von der verstoßenen Fee Lady Cara geraubten Kinder, die sie bei sich aufzieht. Sind diese Kinder erwachsen genug, bindet sie die jungen Männer auf magische Weise an sich und macht sie zu ihren Untertanen. Die Krieger sind ihr und ihren Launen hilflos ausgeliefert.

Wie schon auf dem Cover angekündigt, handelt es sich um einen erotischen Roman, der dieser Bezeichnung mehr als gerecht wird. Cara ist eine sehr dominante Herrscherin, die all ihre Krieger erniedrigt und die dennoch auf eine bizarre Weise nicht vollends von ihr abgeneigt sind. Unter dem Vorwand der Fürsorge sind die Krieger ihren erotischen und zum Teil sadistischen Fantasien willenlos ausgeliefert.

Brandon hat den Auftrag Suzanna aus dem Haus zu vertreiben. Es gelingt ihm nicht und er erkennt, dass er mehr für die zierliche Frau empfindet als nur das Bedürfnis, dass sie sich ihm ebenso unterwirft wie er sich seiner Herrin. Als Brandon entführt wird, nimmt Suzanna wider besseren Wissens Kontakt zu Lady Cara auf. Hier erfährt sie, dass die Krieger einen Edelstein in ihrem Nacken tragen, der sie an die Sidhe bindet und somit ein Entkommen unmöglich ist. Dennoch versucht Suzanna Lady Cara zu überreden, ihren liebsten Krieger Brandon zu retten. Doch wie sollen die beiden zusammen sein, wenn er niemals wirklich frei sein kann? Da kommt Suzanna auf die waghalsige Idee, Cara einen Handel vorzuschlagen, obwohl sie aus den Legenden weiß, wie tückisch das Feenvolk ist.

Trotz der vielen erotischen Szenen hat die Autorin eine fantasievolle und schlüssige Handlung kreiert, die sogar actionreiche Szenen enthält. Die Gnome, die in dem Feenhügel leben, sind besonders liebenswert beschrieben. Auch die Freundschaften, ebenso wie die Konkurrenz unter den Kriegern, die dort ihr Dasein fristen, verleihen dem Roman mehr Tiefe, als man zu Beginn erwartet. Man leidet förmlich mit, wenn Brandon misshandelt wird.

Dieser Roman ist nichts für Leser mit schwachen Nerven. Wenn es eine Altersbegrenzung bei Büchern gäbe, läge die hier sicherlich bei 18 Jahren, denn so manche Szene ist äußerst sadistisch und brutal beschrieben und eindeutig nichts für mich! 🙁

Der Lesekreis bedankt sich bei Doc Jane für die ausführliche Rezension, obwohl dieses Buch ihre Nerven stark strapaziert hat, und beim Sieben Verlag für die freundliche Überlassung eines Rezensionsexemplares.

Klappentext

Die Sídhe nannten sich das Feine Volk aus den Hügeln. In vergangenen Zeiten sprach man nur im Flüsterton über sie. Im Mondschein kamen sie in die Dörfer und raubten den Frauen die Ehegatten aus den Betten und die Söhne aus den Wiegen. Als Liebessklaven mussten Menschenmänner die unersättliche Lust der Sídhefrauen stillen. Aber dann verschwand das Feine Volk. Ging zurück nach Avalon. So heißt es in den Legenden. Heute weiß niemand mehr, dass eine von ihnen zurückblieb. Brandon Cnocach, der ranghöchste Krieger der Sídhefürstin Cara, hat längst vergessen, wie viele Fluchtversuche hinter ihm liegen. Caras Bann dominiert seinen Körper sowie seinen Geist, trotz seines Freiheitsdrangs ist er ihr hörig. Erst Suzanna, eine Balletttänzerin aus London, deren Hingabe der junge Krieger fordert, verleiht ihm neuen Mut. Doch Mut allein ist im Kampf gegen eine Sídhefürstin sehr, sehr wenig …

Jean Francis legt mit Schwanentanz eine ganz besonders reizvolle Mischung aus Dark Fantasy, düsterer Erotik und Spannung vor.

Über die Autorin: Jean Francis ist ein Pseudonym der Autorin Jennifer Benkau. Mehr Informationen auf ihrer Autorenpage.

Alexis Jenni erhält den Prix Goncourt 2011

Seit 108 Jahren wird jeweils im Spätherbst der Prix Goncourt in Frankreich verliehen. Obwohl der Literaturpreis nur mit symbolischen zehn Euro dotiert ist, gehört er zum begehrtesten Preis für Autoren und Verlage, weil mit der Vergabe auch ein Verkaufserfolg garantiert ist. Ausgezeichnet wird jeweils das beste erzählerische Werk in französischer Sprache, das im laufenden Jahr erschienen ist.

Die Jury des Prix Goncourt hat sich in diesem Jahr für den Autor Alexis Jenni entschieden. Er wird für sein Romandebüt „L’art français de la guerre“ (etwa: Die französische Kriegskunst) ausgezeichnet.

Kurzbeschreibung
Die französische Armee stellt für die Franzosen ein besonderes Phänomen dar. Sie ist stumm und bedingungslos gehorsam gegenüber dem Armeechef, einem gewählten Zivilisten. Man ist froh, nicht allzu viel über sie zu wissen, außer dass die großen Militärbasen sich im Süden des Landes befinden, von wo aus sie ihre Aktivitäten auf weit entfernte Territorien richtet.

Der Fallschirmjäger Victorien Salagnon, der auch in Algerien und Indochina im Einsatz war, ist einer von ihnen. Er lehrt den Erzähler das Malen, der im Gegenzug Salagnons Geschichte aufschreibt – 50 Jahre französische Militärgeschichte und die „Kunst des Krieges“.

Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern des Prix Concourt gehören unter vielen anderen auch Michel Houellebecq, Marie NDiaye und Jonathan Littell. Wann und ob „L’art français de la guerre“ in einer deutschsprachigen Übersetzung erscheint, ist noch nicht bekannt.

Quelle: ZEIT Online

7 Fragen an Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren, wo er bis heute mit seiner Familie lebt.

Nach dem Abitur studierte  Sebastian Fitzek Jura bis zum ersten Staatsexamen, promovierte im Urheberrecht und arbeitete dann als Chefredakteur und Programmdirektor für verschiedene Radiostationen Deutschlands.

Sein Erstlingswerk „Die Therapie“ erschien im Jahr 2006 im Droemer Knaur Verlag. Der Psychothriller eroberte gleich die Taschenbuch-Bestsellerliste und wurde als bestes Debüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Mit den darauf folgenden Bestsellern „Amokspiel“ (2007), „Das Kind“ (2008), „Der Seelenbrecher“ (2008), „Splitter“ (2009), „Der Augensammler“ (2010) und der „Der Augenjäger“ (2011) festigte er seinen Ruf als DER deutsche Star des Psychothrillers.

Seine Bücher werden in über zwanzig Sprachen übersetzt. Als einer der wenigen deutschen Thrillerautoren erscheint Sebastian Fitzek auch in den USA und England, der Heimat des Spannungsromans.

Derzeit wird Sebastian Fitzeks Psychothriller †œDas Kind† (The Child) verfilmt. Für 2012 ist der Start in den Kinos geplant. Der Autor hat eine Facebook-Seite zum Film eingerichtet und sammelt derzeit Fans. Sollten 50.000 Facebook-User den Like-Button bis Weihnachten anklicken, werden alle Namen im Abspann gezeigt, und Fitzek gewinnt eine Wette mit seinem Regisseur Zsolt Bács.

7 Fragen an Sebastian Fitzek

1. Mit wem würden Sie gerne für einen Tag den Platz tauschen?

Mit einem Vogel, am liebsten einem Adler oder einem Raben.

2. Welche Projekte warten auf ihre Vollendung?

Mein neuestes Buch und die Verfilmung meines Psychothrillers „Das Kind“.

3. Was bringt Sie so richtig auf die Palme?

Unqualifizierte Menschen, die anderen von Verwirklichung ihrer Lebensträume abraten und ihre guten Ideen ausreden wollen.

4. Worauf sind Sie besonders stolz?

Mich selbst nicht so wichtig zu nehmen, als dass ich wegen irgendetwas mit stolzgeschwellter Brust herumlaufen würde.

5. Mit welcher historischen Figur/Person hätten Sie sich gerne zum Essen verabredet?

Mit Vincent van Gogh.

6. Über welche verpasste Gelegenheit ärgern Sie sich noch heute?

Über keine einzige. Ich will nicht, dass die Straße meines Lebens auch nur an einer Stelle anders abgebogen wäre. Selbst die verpassten Gelegenheiten hatten sicherlich ihren Sinn.

7. Womit haben Sie ihr erstes Geld verdient?

Als Wachmann (ausgerechnet!) in den Berliner Messehallen unter dem Funkturm auf der Grünen Woche.

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Der Lesekreis bedankt sich ganz herzlich bei Sebastian Fitzek für die Teilnahme an unserer kleinen Umfrage und der überraschenden Auskunft, dass er sich nicht mit Arthur Conan Doyle oder Edgar Allan Poe, sondern mit einem außergewöhnlichen Maler verabredet hätte.

Abschließend ein erster Filmausschnitt aus dem Thriller „Das Kind“. Es ist gut vorstellbar, dass man dem Genre †œDeutscher Psychothriller† bald mehr Chancen einräumt! 😉

Quelle Foto: Sebastian Fitzek

Literatur + Meer: Letzte Fischer von Volker Harry Altwasser

Letzte Fischer“ ist der dritte Teil der in den Jahren 2009 und 2010 erschienen Trilogie von Volker Harry Altwasser. In diesem „Seefahrerbuch bezeugt Altwassers herausragende poetische Kraft. Altwasser erzählt grandios vom Scheitern aller Träume †“ und dass es sich trotzdem lohnt, ihnen nachzujagen†, lautet die Begründung des Schriftstellers Thomas Hürlimann, der als Juror in diesem Jahr Volker H. Altwasser den Italo Svevo-Preis zugesprochen hat.

Der Mann hat offenbar ein Faible für letzte Dinge. Ein feiner, salzwasserkrusteter Roman, dem Leben auf den Meeren und dessen Gesetzen abgelauscht und so gelassen wie die Ostsee an einem Sonnentag. […] Wie es Altwasser dabei ganz nebenbei vermag, sein Buch als wehmütigen Abgesang auf die Welt der Fischer und Fänger zu intonieren, das ist famos.“ Peter Henning, KulturSPIEGEL, Oktober 2011

Kurzbeschreibung „Letzte Fischer“

Luise wird mit ihrem Spezialteam beauftragt, den Walfänger Rimbaud mitsamt seiner Ladung sicher in den Hafen von Spitzbergen zu bringen. Das raue Leben auf dem Walfänger birgt einige Überraschungen unter anderem beginnt Luise eine gefährliche Affäre mit dem Schiffsjungen Tommy.

Zur gleichen Zeit ist ihr Stiefvater Robert mit dem Hochseeschiff Saudade vor Somalia unterwegs, um Rotbarsch zu fangen und die seltene und überaus kostbare Kurznasenseefledermaus zu häuten. Es soll seine letzte Fahrt sein, bevor er sich dem Wunsch seiner Frau Mathilde fügt, ein Leben an Land zu führen.

Volker Altwassers Letzte Fischer ist eine Hommage an das Leben auf den Meeren, ein Abgesang auf eine Männerwelt, die mit ihren Ritualen und Traditionen wie aus der Zeit gefallen wirkt. Neben furiosen Beschreibungen der Waljagd und der Walverarbeitung und mitreißenden Schiffsmanövern auf der ungebändigten See entspinnt sich eine zärtliche Geschichte, die von tiefer Melancholie und Wehmut durchzogen ist. Ein großes Hochseeepos, das vom Meer und immer auch von der Literatur über das Meer erzählt.

Über den Autor
Volker H. Altwasser, 1969 in Greifswald geboren, absolvierte die Realschule und anschließend eine Lehre zum Elektronikfacharbeiter. Er war u. a. tätig als Heizer in der Reichsbahndirektion, Matrose in der NVA, Gefreiter auf der Fregatte „Bremen“, Montagearbeiter für die Telekom. 1998-2002 studierte er am Deutschen Literaturinstitut der Uni Leipzig. Er veröffentlichte mehrere Bücher. Altwasser lebt heute in Rostock.

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