Bessere Zeiten: Susanna Alakoski in München

13 Jahre hat die schwedische Autorin Susanna Alakoski an ihrem Buch „Bessere Zeiten“ (orig. Titel: „Svinalängorna“) geschrieben. Ein Einsatz, der sich gelohnt hat. Ihr Buch ist mit bereits 500.000 verkauften Exemplaren in Schweden ein Publikumserfolg, erhielt die Auszeichnung (August-Preis) als bester schwedischer Roman des Jahres 2006 und steht als Empfehlung in den Fächern Soziologie und Psychologie auf den Leselisten der schwedischen Schulen und Universitäten.

Beschrieben wird aus Kindersicht der Alltag des Mädchens Leena, das mit ihrer Familie aus Finnland ins schwedische Ystad zieht. Die Gastarbeiter haben es in ihrem neuen Zuhause nicht leicht. Leena wird in einer Welt am Rande der Gesellschaft groß, einer Welt die von Alkohol und Armut beherrscht wird. Die Eltern, beide Alkoholiker, sind nicht in der Lage ihren Kindern ein geschütztes Zuhause zu bieten. Leena ist auf sich allein gestellt. Ihre Versuche, die Eltern vom Trinken abzuhalten, scheitern. Ihre Welt wird brüchig.

Am Sonntag, den 27.11.2011, stellte Susanna Alakoski ihren Roman in den Münchner City Kinos vor. Der deutsche Text wurde von Karen Nölle gelesen, eine der Herausgeberinnen der edition fünf, in deren Programm der Titel in diesem Herbst erschienen ist. Danach hatte die Moderatorin Katharina Schubert Gelegenheit die Autorin zu ihrem Werk zu befragen.

Anschließend wurde in einer Preview die gleichnamige Verfilmung des Buches gezeigt – kongenial umgesetzt von der schwedischen Regisseurin Pernilla August. Wie Susanna Alakoski im Vorgespräch erzählte, war ihr dabei wichtig, dass die Darsteller aus Finnland kamen und dass die Kinderperspektive beibehalten wurde. Noomi Rapace, die die Rolle der Leena verkörpert, beeindruckt durch ihre Leistung. Sprachlos, dafür mit beredter Mimik und Gestik, macht sie deutlich, wie tief ein Kindheitstrauma sitzen kann. Der Film beginnt, anders als das Buch, mit dem Einbruch der Vergangenheit in ihr Leben. Leena hat es geschafft, wir sehen sie mit ihrem Mann und den beiden Töchtern das Luciafest feiern – fröhlich und unbekümmert. Doch dann klingelt das Telefon. Ihre Mutter meldet sich. Sie liegt sterbend im Krankenhaus. Die Reise dorthin wird für Leena eine Reise in ihre eigene Vergangenheit.

Der Film wurde auf den 67. Internationalen Filmfestspielen von Venedig gezeigt und erhielt in Canne den Preis der International Critics†˜ Week. Bei den 52. Nordischen Filmtagen in Lübeck wurde der Film zudem mit dem NDR Spielfilmpreis ausgezeichnet. 2011 ist „Bessere Zeiten“ für den Nordic Council Filmpreis nominiert, der Film geht als schwedischer Beitrag ins Rennen um die Oscar-Verleihung im nächsten Jahr.

Quellen Fotos:
oben links – Susanna Alkaoski,
unten links – Silke Weniger (Verl. edition fünf), Susanna Alakoski, Karen Nölle (Hrsg. edition fünf) von Rainer M.

Auf geht’s, mitten in den Himmel eine … Ludwig Hirsch R.I.P.

Ludwig Hirsch ist tot. Nach einer Lungenkrebsdiagnose hat der 65-jährige österreichische Liedermacher und Schauspieler am 24. November 2011 den Freitod gewählt.

1978 begann Ludwig Hirschs Karriere als Liedermacher mit kritischen, makaber-morbiden Texten. Ö3 verbot sein Lied Großer schwarzer Vogel wegen der morbiden und unheimlichen Atmosphäre nach 22 Uhr zu spielen †“ aus Angst, dass Hörer Selbstmord begehen könnten.

Komm großer schwarzer Vogel

Komm großer schwarzer Vogel, komm jetzt!
Schau, das Fenster ist weit offen,
Schau, ich hab‘ Dir Zucker aufs Fensterbrett g’straht.

Komm großer schwarzer Vogel, komm zu mir!
Spann‘ Deine weiten, sanften Flügel aus
und leg’s auf meine Fieberaugen!
Bitte, hol‘ mich weg von da!

Und dann fliegen wir rauf, mitten in Himmel rein,
in a neue Zeit, in a neue Welt.
Und ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen,
ich werd‘ „das gibt’s net“, schrei’n,
weil ich werd‘ auf einmal kapieren
worum sich alles dreht.

Komm großer schwarzer Vogel, hilf mir doch!
Press‘ Deinen feuchten, kalten Schnabel auf
meine Wunde, auf meine heiße Stirn!

Komm großer schwarzer Vogel,
jetzt wär’s grad günstig!
Die anderen da im Zimmer schlafen fest
und wenn wir ganz leise sind,
hört uns die Schwester nicht?
Bitte, hol mich weg von da!

Und dann fliegen wir rauf, mitten in Himmel rein,
in a neue Zeit, in a neue Welt.
Und ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen,
ich werd‘ „das gibt’s net“, schrei’n,
weil ich werd‘ auf einmal kapieren
worum sich alles dreht.

Ja, großer schwarzer Vogel, endlich!
Ich hab‘ Dich gar nicht reinkommen g’hört,
wie lautlos Du fliegst mein Gott,
wie schön Du bist!

Auf geht’s, großer schwarzer Vogel, auf geht’s!
Baba, ihr meine Lieben daham!
Du, mein Mädel, und du, Mama, baba!
Bitte, vergesst’s mich nicht!

Auf geht’s, mitten in den Himmel eine,
nicht traurig sein, na, na, na ist kein Grund zum Traurigsein!
Ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen, ich werd‘ „das gibt’s net“ schrei’n.
Ich werd‘ endlich kapieren, ich werd‘ glücklich sein!
Ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen, ich werd‘ „des gibt’s net“ schrei’n.
Ich werd‘ endlich kapieren, ich werd‘ glücklich sein!
Ich werd‘ singen, ich werd‘ lachen, ich werd‘ endlich glücklich sein!

Quelle Foto: Wikipedia Ramessos

Literaturverfilmung: Helene Hegemann dreht Axolotl Roadkill als Blockbuster

Wie heute bekannt wurde, will Helene Hegemann ihren Skandalroman „Axolotl Roadkill“ verfilmen.

Der Film entstehe unter dem Titel „Blockbuster„, teilte die Produktionsfirma Vandertastic mit. Helene Hegemann werde selbst Regie führen. Das Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt das Projekt mit 50.000 Euro.

Im Januar 2010 berichtete der SPIEGEL erstmals über „Axolotl Roadkill“ und die damals 17-jährige Autorin Helene Hegemann als das †œWunderkind der Boheme†, die WELT bezeichnete das Buch verblüffend klug, angenehm grotesk und herrlich sprachgewandt, die ZEIT veröffentlichte einen zweiseitigen Artikel über diesen †œliterarischen Kugelblitz†.

Bevor Helene Hegemanns †œAxolotl Roadkill† am 22. Januar 2010 in den Handel kam, war der Roman berühmt und der Ullstein Verlag musste bereits Anfang Februar die dritte Auflage nachdrucken.

Am 05.02.10 ließ Deef Pirmasens auf seinem Blog Gefühlskonserve mit der Frage „alles nur geklaut?“ die Lobeshymnen abrupt verstummen.

„Helene Hegemann zeigt uns in Axolotl Roadkill zwar, dass sie nicht nur für ihr Alter, sondern ganz allgemein eine beachtenswert wortgewaltige und wundervoll böse Schreibe hat. Aber statt sich nur von anderen inspirieren zu lassen und zu zitieren, schreibt sie ab. Das stört den guten Eindruck ganz empfindlich†, schrieb Deef Pirmasens über seine Entdeckung, dass Helene Hegemann viele Textpassagen  von dem Berliner Blogger Airen abgeschrieben hatte.

Und die meisten Medien ruderten zurück.

Heute ist Helene Hegemann 19 und hat in diesem Jahr zusammen mit einem Dutzend anderer Künstler einige Monate in der Villa Aurora, der deutschen Künstlerresidenz in Los Angeles zur Förderung des deutsch-amerikanischen Kulturaustausches, verbracht.  Eine unabhängige Jury genehmigte Helene Hegemann ein Stipendium für den Bereich Film.

Wünschen wir ihr viel Glück und Erfolg für das neue Projekt!

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Quelle: Berliner Morgenpost

Geschenktipp Neuübersetzung: Truman Capote „Frühstück bei Tiffany“

Die Wiederentdeckung eines Genies: Truman Capote

Frühstück bei Tiffany

Die 18-jährige Holly Golightly lässt sich in New York vom Strom des leichten Lebens treiben.

Mit unverschämtem Charme und überraschendem Einfallsreichtum schlägt sie sich durch zwischen Bohemiens, Playboys, Gins und Rosen. Sie weiß, wie sie von einem reichen Verehrer fünfzig Dollar für die Toilette kriegt, ohne sich klein zu machen. Sie weiß, wie man eine gute Party feiert. Und sie weiß, was hilft, sobald sie das „rote Grausen“, diese unbestimmte Furcht vor der Welt, überfällt: ein Abstecher zum Juwelier Tiffany†™s an die Fifth Avenue, wo ihr nichts und niemand mehr etwas anhaben kann.

Denn es ist nicht immer leicht, Holly Golightly zu sein. Wer es in New York schaffen will, der muss leichtfüßig durch Leben tänzeln, darf sein Herz nicht an Dinge und Menschen hängen und muss immer auf alles gefasst sein. Auch darauf, sich ausgerechnet in einen unbekannten Schriftsteller zu verlieben, der ebenso mittellos und abhängig von fremder Gunst ist wie man selber und auch noch ohne festen Platz in dem verrückten Spiel.

Frühstück bei Tiffany erscheint als vierter Band der achtbändigen Werkausgabe in der Übersetzung von Heidi Zerning, herausgegeben von Anuschka Roshani, bei Kein & Aber in Leinen gebunden.

Über den Autor

Truman Capote wurde am 30. September 1924 in New Orleans geboren, wuchs in den Südstaaten auf und arbeitete in den verschiedensten Berufen. Mit neunzehn Jahren erhielt er für seine Kurzgeschichte Miriam den O.-Henry-Preis.

1948 erschien sein Roman Andere Stimmen, andere Räume, der als das sensationelle Debüt eines literarischen Naturtalentes gefeiert wurde. Es folgten 1949 die Kurzgeschichtensammlung Baum der Nacht, 1950 die Reisebeschreibung Lokalkolorit, 1951 der Roman Grasharfe und 1958 Frühstück bei Tiffany.

Truman Capote starb 1984 in Los Angeles.

Quelle: Kein & Aber

Die Seelen der Nacht von Deborah Harkness [Rezension]

Eine Liebe, stärker als das Leben selbst…

Diana Bishop entstammt einem alten Hexengeschlecht, hat jedoch der Magie den Rücken gekehrt. Als ihre Eltern früh bei einem mysteriösen Unfall ums Leben kommen, wächst sie bei ihrer Tante auf und versucht nach und nach ein normales Leben zu führen. Zielstrebig geht sie ihren Weg und ist bereits in jungen Jahren eine erfolgreiche und anerkannte Historikerin. Ihr Leben verläuft geordnet und vorhersehbar.

Das ändert sich, als sie in der Bodleian-Bibliothek in Oxford für einen Vortrag recherchiert und alte Handschriften studiert. Zufällig findet sie das verzauberte Manuskript Ashmole 782.

Sie ahnt nicht, dass das Manuskript als verschollen gilt und alle Wesen der Unterwelt danach suchen. Dämonen, Hexen und Vampire lauern überall und warten nur auf ein Zeichen, um es an sich zu bringen. Diana spürt sofort die Magie, die von dem Manuskript ausgeht und ist hin- und hergerissen überhaupt einen Blick hineinzuwerfen. Schließlich wagt sie es, doch dabei ist sie so verunsichert, dass sie es schnell wieder abgibt.

Ihr Fund bleibt nicht unbemerkt und spricht sich schnell herum. Seitdem tummeln sich die Wesen der Unterwelt in der Bibliothek. So lernt Diana den Biochemiker und Vampir Matthew Clairmont kennen. Auch er ist auf der Suche nach dem Manuskript. Matthew ist ein sehr alter Vampir. Damit weckt er die Neugier der Historikerin. Ganz zart entwickelt sich eine Beziehung, denn Diana ist in dem Irrglauben über Vampire aufgewachsen, der mit den typischen Vorurteilen gespickt ist. Doch die Gefühle sind stärker. Nach und nach wird deutlich, dass Diana eine sehr mächtige Hexe ist und in irgendeiner Verbindung zu dem begehrten Manuskript steht. Die beiden haben eine Menge Geheimnisse zu lüften und Rätsel zu lösen.

Alle Wesen wollen die Geheimnisse um das Manuskript lüften und so beginnt eine Hexenjagd, bei der Matthew Diana mit allen Mitteln beschützen muss. Nachdem die Situation in Oxford eskaliert, bringt er sie in seine Heimat nach Frankreich. Hier tauchen die beiden bei seiner Familie unter. Diana wird freundlich aufgenommen und legt ihr letztes Misstrauen gegenüber seiner Spezies ab. Abgeschieden im Idyll beginnt eine leidenschaftliche, aber komplizierte Liebesgeschichte, da eine Beziehung zwischen Hexen und Vampiren verboten ist. Von der Kongregation, die dieses Abkommen geschlossen hat, droht den beiden nun zusätzliche Gefahr.

Diana muss sich mit ihrem Erbe als Hexe auseinandersetzen, und für Matthew wird es immer schwieriger, sie zu beschützen. So suchen sie Zuflucht in Madison auf dem alten Wohnsitz der Bishops. Hier lebt Dianas Tante Sara mit ihrer Lebensgefährtin Emily in einem verzauberten Haus, das meist schon vor den Bewohnern weiß, dass Gäste auftauchen. Ein Haus, in dem die Geister der verstorbenen Verwandten leben, in dem Gegenstände verschwinden und auf magische Weise zu günstigeren Zeitpunkten wieder auftauchen…

Deborah Harkness hat eine bezaubernde Liebesgeschichte geschrieben, sie mit liebevollen Details ausgeschmückt und ihr mit gut recherchierten Fakten überzeugende Authentizität verliehen. Eine Romanze, die so ganz und gar nicht mit den Klischees in der heutigen Flut von Vampir-Romanen behaftet ist.

Die Protagonisten wachsen einem schnell ans Herz, und auch die Nebenfiguren sind so fantasievoll vielschichtig gezeichnet, dass man sich ihnen letztendlich nur schwer entziehen kann. Zu Beginn gewährt die Autorin den Lesern einen tiefen Einblick in Dianas Lebenssituation. Charmant lässt sie ihre Affinität zu gutem Wein einfließen. Erfrischend anders ist der erwachsende Umgang der beiden Hauptfiguren miteinander.

Ich habe mich auf den rund 800 Seiten perfekt unterhalten gefühlt. Deborah Harkness hat einen wunderbaren Cliffhanger hinterlassen, und ich kann es kaum erwarten, die Fortsetzung von „Die Seelen der Nacht„ zu lesen.

Der Lesekreis bedankt sich bei Jane für die schöne und ausführliche Buchbesprechung und bei Blanvalet für die freundliche Überlassung eines Rezensionsexemplares.

Die Hardcover-Ausgabe von Die Seelen der Nacht umfasst 800 Seiten. Der Roman ist im September 2011 erschienen und für 19,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

Kurzbeschreibung
Diana Bishop ist Historikerin mit Leib und Seele. Dass in ihr zudem das Blut eines uralten Hexengeschlechts fließt, versucht sie im Alltag mit aller Kraft zu ignorieren. Doch als Diana in der altehrwürdigen Bodleian-Bibliothek in Oxford ein magisches Manuskript in die Hände fällt, kann sie ihre Herkunft nicht länger verleugnen: Hexen, Dämonen und Vampire heften sich an ihre Fersen, um ihr das geheime Wissen zu entlocken †“ wenn nötig mit Gewalt. Hilfe erfährt Diana ausgerechnet von Matthew Clairmont, Naturwissenschaftler, 1500 Jahre alter Vampir †“ und der Mann, der Diana bald schon mehr bedeuten wird als ihr eigenes Leben …

Ein mitreißender, wundervoll erzählter Roman über Magie, Abenteuer und Romantik.

Über die Autorin
Deborah Harkness ist Professorin für europäische Geschichte an der University of Southern California in Los Angeles. Für ihre wissenschaftlichen Arbeiten erhielt sie bereits mehrfach Stipendien und Auszeichnungen. Sie schreibt außerdem ein preisgekröntes Wein-Blog (goodwineunder20.blogspot.com).

Die Seelen der Nacht ist Deborah Harkness‘ erster Roman, weitere Bücher der Autorin sind bei Blanvalet bereits in Vorbereitung.

Abschließend der Buchtrailer