Satiriker F. W. Bernstein erhält Wilhelm-Busch-Preis

Der Künstler und Satiriker F. W. Bernstein, Mitbegründer der Satirezeitschrift „Titanic“, erhält den mit 10.000 Euro dotierten Wilhelm-Busch-Preis 2008/2009. Die Auszeichnung wurde dem Illustrator und Schriftsteller für seine „erbarmungslose Güte und Wärme“ zugesprochen.

Bernstein zeichnet nach Begründung der Jury ein „altmeisterlicher Sprachsinn gepaart mit Modernität“ aus, teilten die „Schaumburger Nachrichten“ am Sonntag mit. Der Zeichner, Grafiker, Illustrator, Lyriker und Schriftsteller sei ein „innovativer Traditionalist und anachronistischer Avantgardist„. Fritz Weigle alias F. W. Bernstein sei nicht nur als Lehrer und Professor seinen Schülern und Studenten, sondern vor allem seinem Publikum gegenüber immer mit „erbarmungsloser Güte und Wärme“ aufgetreten.

Der 70 Jahre alte Bernstein – Mitglied der „Neuen Frankfurter Schule“ – war mit Kollegen und Freunden wie F. K. Waechter und Robert Gernhardt sowie anderen Mitgliedern für die literarisch-satirische Zeitschrift „Pardon“ tätig und gehörte zu den „Titanic„-Initiatoren. Er sei, heißt es in der Jurybegründung weiter, ein Neuerer des Komikwesens und immer eine Klasse für sich. Die wohl bekannteste Formulierung Bernsteins ist längst Allgemeingut geworden: „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.“

Im vergangenen Jahr ging der Wilhelm-Busch-Preis an Vicco von Bülow, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Loriot.

Quelle: Spiegel Online

Tukan-Preisträgerin Christine Wunnicke liest am 11.12. aus Serenity im Literaturhaus

Der Tukan Preis 2008 wird am Donnerstag, den 11.12.2008, um 20 Uhr, an Christine Wunnicke im Literaturhaus München verliehen. Die Begrüßung und Preisverleihung übernimmt die Bürgermeisterin Christine Strobl, Grußworte spricht Dr. Hans-Dieter Beck.

Die Stadt München verleiht jährlich den mit 6.000.- Euro dotierten Tukan-Preis für die formal und inhaltlich am besten gelungene belletristische Neuerscheinung eines Münchner Autors/einer Münchner Autorin.
In diesem Jahr erhält Christine Wunnicke den Preis für ihren Roman Serenity. Laut Jury sei es Wunnicke in ihrem Roman gelungen, die Welt von Jean Paul und Schopenhauer mit dem Internet-Zeitalter zu verbinden.

Das indignierte Kopfschütteln sauertöpfischer Kulturkritiker über die Absurditäten intimster Internet-Kommunikation löst Christine Wunnickes Roman abgründige Groteske auf in ein philosophisches Lachen, bei dem auch ein gewisser Heidegger nicht ungeschoren davonkommt.

Die Geschichte des Philosophen Dr. Varendorf, der das Nichts suchte und das Internet fand; der Hilfskraft Urs, die gerne Computer und anderes baute; und eines Mädchens, das sich Serenity nannte und arg jung starb. Eine Cyber-Moritat.

Kurzbeschreibung
Was widerfährt einem verschrobenen Bibliotheksdirektor und philosophischen Dauer-Habilitanden, wenn ihn seine freakige Hilfskraft plötzlich an die Unergründlichkeit des Internets andockt? Christine Wunnicke bringt ihn fast um den Verstand. Ihr Held gerät beim Chatten nicht in eine Runde von Schopenhauer-Spezialisten, die sich über die „Welt als Wille und Vorstellung“ austauschen, sondern an eine amerikanische Teenager-Bande. Der Bücherwurm mutiert vom Beobachter auf beklemmende Weise immer mehr zum Sekretär eins Gespenstes, und damit sind virtuelle und höchst reale Verwicklungen programmiert, die einen Philosophen glatt ins Irrenhaus bringen können …

[…]Varendorf spuckte einen Mundvoll Malventee in die kleine tote Hydrokultur auf dem Fensterbrett der Männeraufnahmestation des Bezirkskrankenhauses Haar.
„Verzeihung, Urs. Man verlernt hier die Sitte. Was für ein schlimmer Tee. Möchten Sie noch? Und wenn Sie schon einmal hier sind, eine Frage: Erzeugt das Internet, ich meine, ist es technisch möglich, dass das Internet, ich meine, theoretisch, wäre es möglich … Sagen Sie, Urs, erzeugt das Internet bisweilen, erzeugt es nicht nur Viren und Viagrawerbung, erzeugt es manchmal, selbsttätig, meine ich, erzeugt dieses Internet …“
„… Leute?“, hauchte Urs.[…]

Über die Autorin
Christine Wunnicke, Jahrgang 1966, schrieb zahlreiche Radiofeatures und Hörspiele. Sie hat drei Romane veröffentlicht, Fortescues Fabrik (1998), Jetlag (1999) und Die Kunst der Bestimmung (2003) und ist Übersetzerin und Herausgeberin der ersten deutschen Ausgabe des englischen Dichters John Wilmot, Earl of Rochester. Für ihre Biographie des Kastratensängers Filippo Balatri (2001) erhielt sie den Bayerischen Staatsförderpreis für Literatur.

Veranstalter: Kulturreferat der Landeshauptstadt München, Stiftung Literaturhaus, Tukan Kreis e.V.
Eintritt: frei

Quellen: Christine Wunnicke, Osburg Verlag

Bad Sex Award vergeben – wo bleibt der Best Sex Award?

Schon seit 15 Jahren zeichnet die angesehene britische Zeitschrift Literary Review achtbare Autoren zeitgenössischer Romane für krude, geschmacklose, oft nachlässig geschriebene Passagen mit dem Bad Sex Award aus.

So gehörte Paulo Coelho mit dem nachfolgenden Satz aus seinem aktuellen Roman Brida zu den Nominierten:

Ihr Blut raste mit solcher Geschwindigkeit durch ihre Venen, dass sie sich die Kleider vom Leib riss und er auch.“

Ebenfalls nominiert war The Gate of Air von James Buchan:

Sie stand im Nachmittagslicht, als ob das Licht aus ihrem eigenen Körper käme, aus ihren Brüsten und Augen und von da, wo sie angezogen gewesen war. […] Seine Arme und Beine waren so leblos wie abgefallene Äste. Er verstand, dass die Liebe eine Kraft anderer Ordnung war, anders als irgendetwas sonst unter dem Himmel, und dass sie nicht nur Familien zerstören konnte oder das Gefühl für richtig und falsch, sondern auch das Gefühl für das, was wirklich war, und das, was nicht. […] Sie wandte sich ihm zu. Ihr Gesicht hatte ihre Nacktheit angenommen oder, mehr noch, hatte einen Schleier abgeworfen, den es für die Welt trug. Sie sagte: Vielleicht magst du deine Shorts ausziehen.“[…]

Gewonnen hat den Bad Sex Award 2008 Rachel Johnson, Journalistin, Schwester des Londoner Bürgermeisters Boris Johnson und 43-jährige, blonde Supermami aus dem schicken Notting Hill mit dieser Passage aus ihrem dritten Roman Shire Hell:

„JMs Hände streicheln meine Brüste, jetzt, und ich darf seine Küsse erwidern, aber nur für einen Augenblick, da er mich unterbricht, um jeder Brust die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihr gebührt. Und während er mit seinem Mund knabbert und zieht, finden seine Hände meinen Busch, und mit leichten Fingern flattert er dort umher, als sei er eine Motte, die in einem Lampenschirm gefangen ist.“

Die Autoren tragen die Auszeichnung, wenn sie sie überhaupt annehmen, mit Fassung und hoffen wohl auf eine Auflagensteigerung. Norman Mailer erhielt den Bad Sex Award im letzten Jahr postum, Sebastian Faulks gehört zu den Preisträgern, und ein weiterer Preis geht 2008 an John Updike, der sich mit seinem neuesten Werk, Die Witwen von Eastwick, zum vierten Mal auf die Nominierungsliste schrieb und nun für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird.

Warum gibt es keinen „Best Sex Award“? Wieviel sinnvoller wäre eine Auszeichnung für besonders gute erotische Passagen in der Literatur. Vielleicht liegt es daran, dass es nur sehr wenig davon gibt. Mir fällt auf Anhieb eigentlich nur diese Stelle aus Peter Høegs Fräulein Smillas Gespür für Schnee ein:

[…]Wir stehen im Schlafzimmer und ziehen uns gegenseitig aus. Er hat eine leichte, tastende Brutalität, die mich mehrmals denken läßt, daß es mich diesmal den Verstand kosten wird. In unserem heraufdämmernden gegenseitigen Verständnis bringe ich ihn dazu, den kleinen Spalt der Eichel zu öffnen, so daß ich die Klitoris einführen und ihn vögeln kann.[…]

1992 wäre Peter Høeg damit sicherlich nominiert worden. 😉

Quelle: ZEIT ONLINE

Andrea Maria Schenkel erhält The Martin Beck Award für Tannöd

Andrea Maria Schenkel erhält für ihren Kriminalroman Tannöd den Martin Beck Award International.

Kurzbeschreibung
In der tiefsten bayerischen Einöde: Eine ganze Familie wird in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Jetzt heißt er nur noch Mordhof, der einsam gelegene Hof der Danners in Tannöd und vom Mörder fehlt jede Spur … Ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimi Preis und dem Friedrich-Glauser-Preis.

Der Schwedische Krimipreis (Original: Svenska Deckarakademins pris) ist ein renommierter Literaturpreis für Kriminalliteratur. Er wird seit 1971 jährlich von der Svenska Deckarakademin (engl.: Swedish Academy for Detection) in verschiedenen Kategorien (The Martin Beck Award, Bästa svenska kriminalroman, Bästa svenska debut, Grand Master u.a.) verliehen. Während zunächst nur internationale SchriftstellerInnen, deren Romane in schwedischer Sprache erschienen waren, mit dem Preis bedacht wurden, gibt es seit 1982 auch eine Auszeichnung für den besten Kriminalroman eines schwedischen Autors oder einer schwedischen Autorin. Hintergrund der Einführung eines nationalen Preises war die Animation durch den internationalen Kongress der Kriminalschriftsteller (IAEP/IACW-Conference) 1981 in Stockholm. Der internationale Preis wurde 1996 in The Martin Beck Award umbenannt. Pate dafür stand der aus den Romanen von Maj Sjöwall & Per Wahlöö bekannte Kommissar Martin Beck.

Der Schwedische Krimipreis wird seit 1971 in verschiedenen Kategorien verliehen. 1996 wurde der Preis für den Besten Roman International in Martin Beck Award umbenannt †“ nach dem aus den Romanen von Maj Sjöwall und Per Wahlöö bekannten Kommissar Martin Beck.

Quellen: Börsenblatt, Wikipedia

Monika Maron wird die neue Stadtschreiberin von Mainz

Monika Maron, 1941 in Berlin geboren, wird die Mainzer Stadtschreiberin des Jahres 2009. Maron ist die 25. Trägerin des Preises. Sie wird – wie ihr Vorgänger Michael Kleeberg – gemeinsam mit dem ZDF eine Dokumentation nach freier Themenwahl produzieren und die Stadtschreiberwohnung im Mainzer Gutenbergmuseum beziehen. Die Verleihung des mit 12 500 Euro dotierten Preises wird im Februar 2009 in Mainz stattfinden.

Monika Maron ist die herausragende Chronistin deutsch-deutscher Erinnerungen und Befindlichkeiten und zugleich eine ebenso kritische wie temperamentvolle publizistische Begleiterin des wiedervereinigten Deutschlands. Die Erzählerin von europäischem Rang beherrscht meisterhaft viele literarische Genres, vom Roman bis zur ironischen Glosse.

Berühmt wurde Monika Maron gleich mit ihrem Debütroman Flugasche 1981. Die in der DDR lebende Autorin prangerte offen die Umweltsünden ihres Staates an, deshalb durfte das Buch nur in der Bundesrepublik erscheinen. 1988 siedelte sie nach Westdeutschland um. Große Erfolge feierte sie mit Stille Zeile Sechs (1991), einem kritischen DDR-Generationsroman, dem Frauenroman Animal Triste (1997) und mit dem berührenden autobiografischen Buch Pawels Briefe (1999), in dem sie den jüdischen Wurzeln ihrer Familie nachspürte. Mit den Romanen Endmoränen (2002) und Ach Glück (2007) behandelte Monika Maron aus der Sicht einer älter werdenden Frau geglückte und gescheiterte Lebensentwürfe. Ihre weit beachteten und leidenschaftlich diskutierten publizistischen Arbeiten versammelte sie in den Büchern Nach Maßgabe meiner Begreifungskraft (1993) oder Quer über die Gleise (2000).

Monika Maron lebt in Berlin und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem mit dem Kleist-Preis (1992), dem Solothurner Literaturpreis (1994), der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz (2003), sowie mit der Poetik-Dozentur an der Universität Frankfurt am Main (2005).

Quelle: Presseportal