Der kubanische Schriftsteller Antonio Orlando Rodriguez hat den mit 175 000 US-Dollar dotierten spanischen Alfaguara-Literaturpreis (Premio Alfaguara de Novela) erhalten. Der Preis wird seit elf Jahren vom gleichnamigen Verlag vergeben. Für den diesjährigen Wettbewerb waren 511 Manuskripte eingereicht worden. Der 1956 geborene Autor wurde für seinen Roman „Chiquita“ ausgezeichnet. Das Werk beschreibt eine imaginäre Biografie einer kleinwüchsigen Tänzerin. Rodriguez ist in Lateinamerika vor allem für seine Kinder-und Jugendbücher bekannt. Bisher ist keines seiner Werke ins Deutsche übersetzt worden. Der 52-jährige Autor lebt in den USA.
Literaturpreise u. Auszeichnungen
Preise und Auszeichnungen
Ror Wolf erhält den diesjährigen Friedrich-Hölderlin-Preis von Bad Homburg
Der Schriftsteller Ror Wolf erhält in diesem Jahr für sein Gesamtwerk den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg.
Der Friedrich-Hölderlin-Preis ist ein mit 20.000 Euro dotierter Literaturpreis, der seit 1983 alljährlich am 7. Juni, dem Todestag Friedrich Hölderlins, verliehen wird. Der gleichzeitig vergebene Förderpreis ist mit 7.500 Euro dotiert. Im Jahre 2000 erhielt der Mitinitiator Marcel Reich-Ranicki selbst den Preis.
Friedrich Hölderlin lebte 1798 bis 1800 und erneut 1804 bis 1806 in Bad Homburg. Geboren am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar, gestorben am 7. Juni 1843 in Tübingen zählt er zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern. Sein Werk nimmt in der deutschen Literatur um 1800 eine selbständige Stellung neben Klassik und Romantik ein.
Arno Geiger erhält diesjährigen Johann-Peter-Hebel-Preis
Der österreichische Autor Arno Geiger erhält den diesjährigen, mit 10 000 Euro dotierten Johann-Peter-Hebel-Preis.
Der Johann-Peter-Hebel-Preis wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg alle zwei Jahre als Literaturpreis des Landes Baden-Württemberg verliehen. Er gilt nach dem Schiller-Gedächtnispreis als der bedeutendste Literaturpreis dieses Bundeslandes. Er wurde ursprünglich 1936 gestiftet.
Mit ihm werden Schriftsteller, Übersetzer, Essayisten, Medienschaffende oder Wissenschaftler ausgezeichnet, die durch ihr publizistisches Werk dem alemannischen Sprachraum oder Johann Peter Hebel verbunden sind. Die Verleihung findet in Hausen im Wiesental im Rahmen des Hebelfestes statt.
Der 1968 in Bregenz geborene Geiger gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren seiner Generation. Zuletzt hatte er den Erzählband „Anna nicht vergessen“ veröffentlicht. Arno Geiger erhielt 2005 für seinen Roman „Es geht uns gut“ den Deutschen Buchpreis.
„Eine Wolke in meinem Bett“ erhält Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2008
Das Bilderbuch „Eine Wolke in meinem Bett“ von Heinz Janisch und Isabel Pin ist im vergangenen Jahr im Berliner Aufbau-Verlag erschienen und erhält nun den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2008.
Der Österreichische Kinder- und Jugendbuchpreis ist ein Literaturpreis, der einmal jährlich von der Republik Österreich für Bücher österreichischer Verlage und Bücher österreichischer UrheberInnen aus nichtösterreichischen Verlagen verliehen wird.
Vergeben werden Preise für das beste Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch. Weitere zehn Bücher werden für die Kollektion ausgewählt.
Es werden jährlich insgesamt 24.000 Euro an Preisgeldern vergeben.
Klappentext
Heute hab ich gehört, was die Fische in der Nacht machen. „Was denn?“ Sie spielen Trompete! So erzählt ein Mädchen seinem Freund, was es alles erlebt hat, und der Junge fragt immer wieder neugierig nach. Daraus entspinnt sich ein zauberhaftes Frage- und Antwortspiel mit der blühenden Phantasie von Kindern. Was macht man, wenn sich eine Wolke zu einem ins Bett legt oder wenn ein Gorilla mit im Baum sitzt? Wieso hat sich das Meer orange verfärbt? Was sucht der Elefant vor der Haustür? Die vielen verblüffenden Geschichten beschreiben den unverstellten Kinderblick auf die Welt. Isabel Pin lässt mit ihren Illustrationen der Phantasie großen Spielraum, sodass sich die poetischen Bilder und die witzigen Geschichten auf besondere Weise ergänzen.
Kategorie Belletristik – Die fünf nominierten Autoren für den „Preis der Leipziger Buchmesse“
Die Leipziger Buchmesse findet in diesem Jahr vom 13. bis 16. März statt.
Der „Preis der Leipziger Buchmesse“ wird bereits zum vierten Mal vergeben. Prämiert werden herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen. Die Auszeichnung, welche mit insgesamt 45.000 Euro dotiert ist, wird von einer siebenköpfigen Jury zu gleichen Teilen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essayistik sowie Übersetzung verliehen. „Mit dem Preis würdigen wir nicht nur die Arbeit der Verlage und des Buchhandels, sondern wir geben den Lesern auch Empfehlungen“, so Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse.
Kategorie Belletristik
Jenny Erpenbeck: Heimsuchung (Eichborn Berlin)
Kurzbeschreibung
Heimsuchung reicht tief in die deutsche Vergangenheit. Eine literarische Spurensuche von stupender Wucht Ein Haus an einem märkischen See ist das Zentrum, zwölf Lebensläufe, Geschichten, Schicksale von den Zwanzigerjahren bis heute ranken sich darum. Das Haus und seine Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR, die Wende und die Zeit der Nachwende. Jedem einzelnen Schicksal gibt Jenny Erpenbeck eine eigene literarische Form, jedes entfaltet auf ganz eigene Weise seine Dramatik, seine Tragik, sein Glück. Alle zusammen bilden eine Art kollektives literarisches Gedächtnis des letzten Jahrhunderts, geformt in einer Literatur, die nicht nur großartige Sätze und Bilder zu bieten hat, sondern die auch Wunden reißt, verstört, beglückt, verunsichert und versöhnt. Worin das Geheimnis dieser Geschichten besteht, woraus sich ihr Glanz, ihre Wucht und ihre eminente Dramatik entfalten, ist schwer zu sagen. Sicher aber ist eins: Mit diesem Buch ist Jenny Erpenbeck ihr Meisterstück gelungen. »Immer, wenn Jenny Erpenbeck ihren scharfen Blick auf die Dinge richtet, verändern sie sich blitzartig. Die Oberfläche schmilzt. Darunter kommt zum Vorschein, was als subkutane Irritation die Figuren bewegt.« Frankfurter Allgemeine Zeitung
Sherko Fatah: Das dunkle Schiff (Jung und Jung)
Kurzbeschreibung
Ein junger Iraker gerät unter die Gotteskrieger und flieht nach Deutschland. Ein kluger Abenteuerroman, der mit Spannung zeigt, wie ein kleines Leben von großen Umwälzungen erfaßt wird.
Das Buch erzählt die Geschichte des jungen Kerim, von Beruf Koch, der sich aus dem irakischen Grenzland auf die beschwerliche und gefährliche Reise nach Europa macht. Von früh an der Idee verfallen, sich zu verwandeln, hat er noch andere Gründe für seine Flucht, war er doch unter die Gotteskrieger geraten und mit ihnen durch das Land gezogen, bevor er sich von ihrem Weg der Gewalt lossagte. Kerim, bemüht, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen, kann, obwohl er in dem fremden Land auch Zuwendung und sogar seine erste Liebe findet, die Vergangenheit nicht abschütteln, vielmehr scheint diese sich fortwährend auf ihn zuzubewegen.
In diesem Roman geht es nicht um den Islam, sondern um den Extremismus, der viele Erscheinungsformen haben kann, um seine Verführungsmacht und die Folgen. Extremismus entsteht nicht in einem Kopf, sondern unter realen Lebensbedingungen. So ist Kerims Geschichte die eines kleinen, konkreten Lebens inmitten großer Umwälzungen, und sein spirituelles wie auch seine realen Abenteuer sind nicht so außergewöhnlich, wie sie aus europäischer Sicht scheinen mögen. Viele haben sich wie er auf den Weg gemacht, viele sind auch wie er verstrickt worden, wenn schon nicht immer aus nachvollziehbaren Gründen, so zumindest doch auf eine Weise, welche auch die besten Nachrichtenbilder uns nicht zeigen können.
Clemens Meyer: Die Nacht, die Lichter (S. Fischer Verlag)
Kurzbeschreibung
Er setzt alles auf eine Karte, der Hundebesitzer, der auf der Rennbahn sein Geld verwettet, um eine teure OP zahlen zu können. Sie will es allen zeigen, die junge Frau, und sich vom Flüchtlingsschiff in die erste Liga hochboxen. Sie reden eine Nacht lang, der junge Mann und eine alte Freundin, haben einander zufällig wiedergetroffen, sie denkt vielleicht an ein gemeinsames Leben, doch er weiß, dass es anders kommen wird.
Clemens Meyer erzählt von der Hoffnung, einmal im Leben den großen Gewinn einzustreichen, von dem Willen, etwas aus sich zu machen, und der verpassten Liebe. Seine Geschichten spielen in der stillen Wohnung, in der Lagerhalle und am Fluss. Seine Helden sind dem Leben ausgesetzt, es sind die Heimatlosen und Träumer, die die nächtliche Stadt durchstreifen. Meyer trifft die Töne unserer Zeit: In seinen rauen, präzisen und zarten Sätzen spricht er von verlorenen Illusionen, von Sehnsucht und Einsamkeit.
Ulrich Peltzer: Teil der Lösung (Ammann Verlag)
Kurzbeschreibung
Überwachungskameras am Potsdamer Platz, globalisierte Markenwelten und limitierte Bewegungsfreiheit: an Vorzeichen, die jedes politische Handeln notwendig und zugleich illusionär erscheinen lassen, mangelt es nirgends. Christians Themen werden zunehmend politisch. Als freier Journalist schlägt er sich mit journalistischen Gelegenheitsaufträgen durch, ist Teil eines akademischen Proletariats, wie es in Berlin ganze Stadtviertel besiedelt. Selbst Mitte dreißig, hat er die Zeit des bewaffneten Widerstands gegen die Staatsmacht nur noch als Echo miterlebt. Vielleicht sucht er gerade deshalb für eine längst fällige Story Kontakt zu untergetauchten Ehemaligen der Roten Brigaden. In Paris soll ein wichtiger Informant anzutreffen und bereit zum Reden sein. Zunächst aber trifft Christian auf Nele bzw. sie trifft ihn, mit dem Ellenbogen ins Kreuz in der Tür eines Klubs. Von einer geheimnisvollen Wut getrieben, bewegt sich die hochbegabte Studentin durch den Jahrhundertsommer 2003. Was mit ein paar ruppigen Zufallsbegegnungen eher harmlos beginnt, entwickelt sich zu einer heftigen und verqueren Anziehung, deren Ausganzpunkt im neuen Berlin liegt und die ihren Show-down in den Arabervierteln von Paris erlebt. Teil der Lösung ist ein hochaktueller Roman, der in einem rasanten Ineinander von einzelnen Szenen abbildet, wie bruchstückhaft und vielfältig Wirklichkeit ist. Kontrollierter Raum und spielerische Störmanöver, Decknamen und Spitzel, geheime Treffen und präzise Attentate auf den Alltag: Subtil verbindet Ulrich Peltzer eine störrische Liebesgeschichte mit der Beobachtung neuer politischer Bewegungen in einer Grammatik der Überwachung. Eine atemraubende Verschwörungsgeschichte von unmittelbarer erzählerischer Kraft.
Feridun Zaimoglu: Liebesbrand (Verlag Kiepenheuer & Witsch)
Kurzbeschreibung
Die Liebe in den Zeiten der kalten Rationalität Feridun Zaimoglu beschwört die großen Gefühle. Am Anfang ist es fast zu Ende: Das Leben von Richard, sowieso nicht in bester Verfassung, droht bei einem Busunglück zu verlöschen. Doch er wird gerettet und begegnet einer engelsgleichen Erscheinung. Eine junge schöne Frau übernimmt die Erstversorgung und verschwindet in einem Auto mit deutschem Kennzeichen. Fortan ist der Erzähler in Liebe entflammt und macht sich auf die Suche. Nach seinem Bestseller »Leyla« begibt sich Feridun Zaimoglu mit »Liebesbrand« hinein in die bundesrepublikanische Gegenwart. Seine Hauptfigur ist ein junger Aktienhändler, der rechtzeitig vor dem Börsenkrach aus dem Geschäft ausgestiegen ist; jetzt lebt er in Kiel und sehnt sich nach einer neuen Versuchung. Er kann zwar einen Familienzwist bei entfernten Verwandten im Ausland schlichten, es kostet ihn aber eine Menge Geld und fast das Leben. Mit zahlreichen Blessuren am Körper, dem Bild eines Ringes mit blauem Emaillekopf im Gedächtnis und einer Haarspange im Gepäck kehrt er nach Deutschland zurück. Dort begibt er sich auf die unermüdliche Suche nach der Frau seines Lebens, die ihn nach Nienburg an der Weser und weiter nach Prag und Wien führt. Unterwegs wird er geliebt und verstoßen, angegriffen und gehasst, erleuchtet und enttäuscht. Die Hoffnung aber, dass er sich nicht vergeblich sehnt, gibt er nicht auf. Feridun Zaimoglu gelingt es, eine Liebesgeschichte unserer Tage in der Tradition der deutschen Romantik zu erzählen. Der Suchende strebt nicht nach Perfektion, aber nach Erfüllung, sogar nach Erlösung und begegnet dabei immer neuen Anfechtungen und Herausforderungen. Gut, dass es den Freund und Helfer Gabriel gibt, der dem Erzähler beisteht und ihm beizeiten den Kopf zurechtrückt. Mit Mut zum Pathos und feiner Ironie erzählt der Roman von einer großen Liebesbeschwörung rasant, berührend und komisch.