Hans Joachim Schädlich erhält den Joseph-Breitbach-Preis 2011

Der Schriftsteller Hans Joachim Schädlich erhält den mit 50.000 Euro dotierten Joseph-Breitbach-Preis 2011. Dies teilte die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, die den Preis gemeinsam mit der Stiftung Joseph Breitbach vergibt, am 27.04.2011 mit.

Hans Joachim Schädlich wird damit für sein literarisches Gesamtwerk ausgezeichnet. „Die große Kunst dieses Autors besteht darin, dass seine Texte nichts abbilden und nichts nachbilden, aber ihr völliges Erfundensein direkt von den Vitalkräften des Lebens gespeist zu sein scheint„, heißt es in der Begründung der Jury.

Hans Joachim Schädlich, 1935 in Reichenbach (Vogtland) geboren, studierte Germanistik in Berlin und Leipzig und promovierte 1966 mit einer Arbeit über „Die Phonologie des Ostvogtländischen„. Von 1959 bis 1976 war er an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften tätig, anschließend als freier Übersetzer. In der DDR nicht veröffentlicht und als Unterzeichner der Biermann-Resolution attackiert, konnte Schädlich im Dezember 1977 in die Bundesrepublik ausreisen. Seit 1979 lebt er in Berlin. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Zuletzt erschien im vergangenen Jahr sein Roman „Kokoschkins Reise“ bei Rowohlt. Der Titel wurde 2010 mit dem Internationalen Buchpreis Corine ausgezeichnet.

Die Preisverleihung findet am 23. September 2011 im Stadttheater Koblenz statt. Die Laudatio hält Ruth Klüger.

Quelle: Börsenblatt

Amazon: Deutschland liest jetzt auf dem Kindle

Am 21.04.2011 hat Amazon ein umfangreiches Angebot für den E-Book-Reader „Kindle“ freigeschaltet und damit den deutschen Markt für elektronische Bücher entscheidend verändert.  Die schwierigen Verhandlungen mit den deutschen Verlagen haben den Starttermin verzögert, doch nun „sind alle führenden Publikumsverlage dabei„, teilte Ralf Kleber, der Chef von amazon.de mit.

Über 25.000 deutschsprachige Bücher sind mittlerweile erhältlich, darunter 71 der 100 gegenwärtigen Bücher auf der Spiegel-Bestsellerliste. Auf Platz 1 rangiert derzeit Simon Becketts Thriller Verwesung auf der Website des Kindle-Shops für 19,99 Euro. Die Hardcover-Ausgabe kostest 22,95 Euro. Der alte König in seinem Exil von Arno Geiger kostet gedruckt 17,90 Euro und im Download 13,99 Euro. Bei Ken Folletts Sturz der Titanen ist der Preisunterschied noch größer. Die gebundene Ausgabe ist für 28 Euro erhältlich, als E-Book ist der Inhalt für 19,99 Euro zu haben.

In den USA sind Kindle-E-Books bereits seit November 2007 auf dem Markt und haben schon im letzten Quartal in 2010 den Umsatz mit den Taschenbüchern überholt. Es ist wohl nur ein Frage der Zeit, bis sich der Trend zum E-Book auch in Deutschland durchsetzt. Auch wenn das Gesamtgeschäft mit E-Books bei den deutschen Verlagen im vergangenen Jahr  lediglich bei fünf Prozent lag, dürfte der Einstieg von Amazon entscheidend zu einem Wandel beitragen.

Nach wie vor ist nicht bekannt, wann Amazon den Kindle E-Book-Reader mit der deutschen Tastatur und Benutzerführung herausbringt, derzeit bietet der Online-Handelskonzern das amerikanische Kindle-Lesegerät für 139 Euro an. Für das iPad oder diverse Smartphones gibt es bereits deutschsprachige kostenlose Kindle-Apps.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Blutsvermächtnis von Kathy Felsing [Rezension]

Rezension von Angie: Blutsvermächtnis von Kathy Felsing

Die junge Nevaeh Morrison begleitet ihren Vater auf eine geheimnisvolle Expedition in die Chilenische Atacamawüste. Dort sieht sie in der Ferne jeden Morgen einen geheimnisvollen Jogger. Doch dann wird das Camp überfallen und es gibt Tote zu beklagen. Ihr Vater Joshua, der, von einem ihm unbekannten Auftraggeber gesponsert, das Gen der Unsterblichkeit suchen soll, ist seitdem spurlos verschwunden. Joshua wird des illegalen Waffenhandels beschuldigt, Nevaeh ohne weitere Erklärungen des Landes verwiesen. Sie hält ihren geliebten Vater für tot, doch der wurde, mit dem Tode ringend, von dem mysteriösen Elias Spops gekidnappt und auf sehr ungewöhnliche Weise geheilt.
Nevaeh besitzt eine besondere Gabe. Sie kann in ihren Träumen die Menschen manipulieren. Sie ist eine Traumgestalterin, Traumprägerin – ein Dream Shaper. Doch sie unterdrückt diese Gabe rigoros und verbietet sich selbst das Träumen, um nicht dem Wahnsinn zu verfallen. Seit ihrer Kindheit quälen sie Schuldgefühle, da sie sich für den Tod ihrer Mutter und eines Spielkameraden verantwortlich fühlt. Nun versucht jemand brutal ihre Gabe zu aktivieren, um sie für sich zu missbrauchen und bedroht somit nicht nur ihr Leben. Das DPA (Department for Paranormal Activities) hat ebenfalls seine Finger in diesem undurchsichtigen Spiel.
Elia Spops, alias Elasippos, ein 12.413 Jahre alter Halbgott aus dem untergegangenen Atlantis, der seit Jahrtausenden die Entwicklung der Menschheit beobachtet, betrachtet seinen Lebensinhalt mittlerweile einzig und alleine darin, die Gebeine seines Sohnes Mestor zu schützen. Als ihm die Teilnehmer der Expedition bei ihren Ausgrabungen zu nahe kommen, greift er ein.
Als Nevaeh zum ersten Mal mit Elia zusammentrifft, erkennt sie in ihm den Jogger in der Wüste wieder und fühlt sich auf geheimnisvolle Weise zu ihm hingezogen, genau wie er zu ihr. Schicksal oder eine Laune der Götter?

Gnadenlos und temporeich treibt die Autorin Kathy Felsing den Leser durch diese spannende, zum Teil sehr drastisch beschriebene Geschichte. Kaum dass sie uns Zeit lässt ein wenig Atem zu schöpfen, lauert schon auf der nächsten Seite eine weitere Überraschung. Mal führt sie uns schweißtreibend durch die gnadenlose Hitze der Chilenischen Wüste oder in das sonnige Kalifornien, der Heimat der Protagonistin, um uns wenig später in Finnland im tiefen Schnee versinken zu lassen. Das Zusammentreffen von Nevaeh und Elia wird so ansprechend beschrieben, dass man sich, dankbar für eine kurze Verschnaufpause, nur zu gerne auf der romantischen und sinnlichen Welle treiben lässt. Doch unbarmherzig wird diese Stimmung durch ein Erdbeben aufgehoben, das alles wieder in Frage stellt und den Leser schonungslos in die nächste verblüffende Situation drängt.
Es geht in diesem Roman nicht nur um Vampire, Unsterbliche, Gottheiten und korrumpierte Militärs oder um die Beziehung zwischen Nevaeh und Elia, sondern auch um die Liebe innerhalb einer Familie. Wie weit würde ein Vater gehen, um das Leben seiner Tochter zu schützen? Wahnsinn und Hoffnung, Schuld, Vergebung und Vertrauen liegen hier sehr dicht beieinander. Packend ist auch die Geschichte des attraktiven Elias. Er, der letzte Überlebende des sagenumwobenen Atlantis, der mit Platon und Sokrates geplaudert hat, ist geradezu besessen von einer Schuld, die ihn dazu veranlasst sich in der Atacamawüste ein atemberaubendes unterirdisches Domizil um die Mumie seines zu früh verstorben Sohnes aufzubauen. Doch letztendlich muss er sich seiner Vergangenheit stellen, um mit Nevaeh eine Zukunft aufbauen zu können. Interessant sind ebenfalls die Nebenfiguren, die die Bezeichnung Nebenfigur eigentlich nicht verdienen, da sie alle zur Spannung auf die eine oder andere Art beitragen. Insbesondere Crichton, der seit Jahrhunderten treu ergebene Butler und Freund Elias. Die losen Fäden, die die Autorin im Laufe der Geschichte scheinbar zu einem schwerlösbaren Knoten zusammenfügt, werden von ihr auf sehr bemerkenswerte Weise nach und nach gelöst und führen dabei so manches Mal zu einem besonderen „Aha-Erlebnis†œ. Kathy Felsing hat die Vampire nicht neu erfunden, sondern ihnen ihren eigenen, wirklich außergewöhnlichen Stempel aufgedrückt. Selbst für Genrefremde ist dieses Buch durchaus empfehlenswert. Bis zur letzten Seite hat mich dieser Roman so gefesselt, dass ich ihn kaum aus der Hand legen konnte. Ich fühlte mich angesichts der charmant rasanten Erzählweise einfach sehr gut unterhalten und fand mich am Schluss „schachmatt†œ auf der Spielwiese der Götter liegend wieder. 😉

Der Lesekreis bedankt sich bei Angie für diese schöne ausführliche Buchbesprechung und beim Sieben Verlag für die freundliche Überlassung eines Rezensionsexemplares.

„Blutvermächtnis“ umfasst 336 Seiten und ist im April 2011 im Sieben Verlag erschienen.

Kurzbeschreibung
Man nennt Menschen wie sie Dream Shaper, doch Nevaeh Morrision, eine Paläopathologin aus Los Angeles verdrängt ihre paranormale Gabe. Sie begegnet dem ältesten denkenden Wesen der Welt: Elasippos, eine geheimnisumwobene Persönlichkeit von ganz besonderem Blut. Dem seit Jahrhunderten zurückgezogen lebenden Elia drohen seine unbedacht gelegten Spuren der Vergangenheit zum Verhängnis zu werden. Sie lassen Nevaeh in das Fadenkreuz eines blutrünstigen Vampirs auf der Suche nach dem Blutsvermächtnis rücken. Ein persönlicher Feind hat zudem eine Rechnung mit ihr zu begleichen und zusätzlich steht die erste Begegnung von Nevaeh und Elia unter keinem guten Stern: Sie sieht in ihm den Entführer ihres Vaters.

Über die Autorin
Kathy Felsing wurde 1964 in Nordrhein-Westfalen geboren. Nach der Fachoberschulreife jobbte sie zunächst für zwei Jahre als Redaktionsassistentin bei einer Wochenzeitung. Später absolvierte sie eine Ausbildung als Datenverarbeitungskauffrau und arbeitete viele Jahre als Programmiererin, Werbekauffrau und Web-Designerin. Bevor sie mit dem Schreiben anfing, war sie zuletzt in leitender Stellung als Ausbilderin für Fachinformatiker tätig.

Ende 2006 wanderte sie mit ihrer Familie in die Republik Zypern aus. Sie lebt und arbeitet mit ihrem jüngsten Sohn, ihrem Mann, zwei Katzen und einem Hund in einem 50-Seelendorf.

Pulitzer Preis 2011 für Belletristik geht an New Yorker Autorin Jennifer Egan

„A Visit from the Goon Squad“ lautet der Titel des Romans der New Yorker Autorin Jennifer Egan, für den sie mit dem Pulitzer Preis 2011 in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet wurde. Die Handlung ist eine „originelle Untersuchung des Erwachsenwerdens im digitalen Zeitalter„, lautet des Urteil der Jury. Das Buch zeige „eine warmherzige Neugier an einem Kulturwechsel mit Warpgeschwindigkeit„. In „A Visit from the Goon Squad“ geht es um den Punkrocker Bennie Salazar, seine Freunde und die Musikszene im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Der Roman spielt nicht nur in den letzten fünf Jahrzehnten, sondern auch in der nahen Zukunft. Er soll im nächsten Jahr in der deutschsprachigen Übersetzung im Schöffling Verlag erscheinen.

Jennifer Egan wurde 1962 in Chicago geboren. Ihre Kurzgeschichten „Emerald City“ wurden 1993 publiziert. Bekannt wurde die Autorin 2006 durch ihren Roman „The Keep„, der von der Kritik gefeiert wurde und auch verfilmt werden soll.
„A Visit From the Goon Squad“ ist ihr fünftes Werk. Nach der Nominierung für den „PEN/Faulkner Award for Fiction“ und der Verleihung des „National Book Critics Circle Award (Fiction)“ erhält sie nun auch den höchsten Medienpreis der USA. Der Pulitzer Preis gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen für Schriftsteller, Journalisten und Komponisten. Er wird in 21 Kategorien vergeben und ist mit jeweils 10.000 Dollar dotiert.

Quelle: Finacial Times Deutschland

Wer rettet Dina Foxx? ZDF sendet Krimi – die Spur führt ins Internet

Am 20.04.2011 sendet das ZDF um 23.20 Uhr einen fünfzig Minuten dauernden Fernsehkrimi unter dem Titel „Wer rettet Dina Foxx?“ Das Ende bleibt offen. Die Zuschauer sollen den Mörder im Anschluss innerhalb von drei Wochen im Internet aufspüren.

Dina Foxx (Jessica Richter), eine Datensicherungsaktivistin, wird verhaftet, weil sie ihren auf Nüsse allergisch reagierenden neuen Freund Vasco umgebracht haben soll. In Rückblenden erzählt sie ihrem Anwalt, was in den Tagen zuvor geschehen ist, und bald wird klar, dass so ziemlich jeder als Mörder in Frage kommt. Vasco, der wie Dina bei Avadata arbeitete, recherchierte vor seinem Tod über die geheimnisvolle Firma Qoppamax. Als die Beweislast gegen Dina erdrückend wird, weiß sie, dass sie nur mit Unterstützung der Datenschützer von www.freidaten.org eine Chance hat, ihre Unschuld zu beweisen.

Das ZDF spricht von einem Cross-Media-Projekt, das aufwendig in den letzten 5 Jahren unter der Regie von Max Zeitler, der ursprünglich einen Dokumentarfilm über Datenschutz drehen wollte, entwickelt wurde. Die Erzählung beginnt im Fernsehen und führt die Zuschauer ins Internet. Auf der fiktiven Website freidaten.org lassen sich in dem sogenannten „Datenschutzraum“ schon jetzt jede Menge Aufklärungstexte zum Thema Datenschutz nachlesen. In der virtuellen Wohnung von Dina Foxx finden sich Hinweise darüber, wie selbst so alltägliche Dinge wie der Hausmüll oder der Einkauf von Büchern ausspioniert werden kann.

Insgesamt wurden 14 Websites programmiert und mit Verweisen und Beweisen bestückt sowie 20 Social-Media- Profile angelegt, die den Zuschauer zum Mörder führen sollen. Jetzt bleibt abzuwarten, ob es das ZDF mit dieser aufwendigen Produktion schafft, das Interesse drei Wochen lang halten. Ein spannendes Projekt ist es auf jeden Fall.

Quelle: ZDF

Twitter: Freidaten