Romantic Thrill von Diana Rowland: Vom Dämon gezeichnet [Rezension]

Romantic Thrill von Diana Rowland: Vom Dämon gezeichnet [Rezension]

Die knapp 30-jährige Kara Gillian ist Detective beim Police Department von Beaulac in Louisiana. Erst kürzlich wurde sie ins Dezernat für Gewaltverbrechen versetzt. Sie lebt alleine in ihrem Haus im Wald, das etwas abgelegen in der kleinen Gemeinde St.Long liegt. Und das aus gutem Grund, denn in ihrer Freizeit übt sie sich in der Beschwörung von Dämonen. Ihre Tante Tessa, bei der sie aufgewachsen ist, nachdem sie kurz nacheinander beide Elternteile verloren hatte, ist ebenfalls eine Beschwörerin. Sie erkannte Karas Potenzial im Umgang mit den Arkanischen Kräften und wurde zu ihrer Mentorin.

Als im Klärwerk die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, deutet alles darauf hin, dass der sogenannte Symbolmörder wieder zugeschlagen hat. Kara übernimmt die Leitung dieses Falles, und erhält so die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Drei Jahre zuvor hat dieser Serienkiller bereits 13 Morde begangen. Aufgefundene verstümmelte und grausam gefolterte Leichen trugen alle das gleiche Symbol wie auch der neueste Fund.

Die Mitarbeiter in Karas Ermittlungsteam wissen nichts von ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten. Mit ihrer „Anderssicht†œ kann sie Spuren von übernatürlichen Kräften an den Leichen entdecken. Bei der Beschwörung eines Dämons, den sie gerufen hat, um ihn zu dem Symbol zu befragen, läuft irgendetwas absolut nicht nach Plan. Plötzlich sieht sie sich einem mächtigen Dämon in Menschengestalt gegenüber. Er ist schön wie ein gefallener Engel und furchtbar wütend. Die Schutzmechanismen, die Kara beschwört um ihn wieder loszuwerden, sind alle wirkungslos. Doch wider Erwarten tötet er sie nicht, sondern verführt sie. In ihren Träumen hält er weiterhin den Kontakt zu ihr. Das ist eines der Rätsel, das es für sie zu klären gilt. Es tauchen immer weitere Leichen auf. Zusammen mit den Agents des FBI versucht sie die rätselhaften Morde aufzuklären. Und sie ist nicht die Einzige, die magische Spuren an den Leichen entdeckt, auch Special Agent Ryan Kristoff ist mehr als er zu sein scheint.

Diana Rowland ist es gelungen einen spannenden Urban-Fantasy-Thriller zu schreiben. Auch wenn der Klappentext eher auf eine Liebesgeschichte hindeutet, spielt in diesem Roman die kriminalistische Handlung die größere Rolle.
Zu Beginn hat man das Gefühl schon vorausahnen zu können, was einen im Großen und Ganzen erwartet – aber weit gefehlt. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber unerwartete Wendungen sorgen für eine anhaltend fesselnde Spannung. Man hat absolut keine Ahnung, wer der Täter ist und folgt der Protagonistin gebannt, wie sie die Puzzleteile dieser abscheulichen Verbrechen zusammenfügt. Man begleitet sie bei ihren interessanten Ermittlungen, die nie zu langatmig ausfallen. Die Beschreibungen der Leichen sind teilweise sehr abschreckend detailliert und erzeugen eine Gänsehaut. Aber gerade das verleiht dem Roman die nötige Glaubwürdigkeit.

Diana Rowland hält bis zum Schluss geschickt den Spannungsbogen. Das liegt auch daran, dass man nicht weiß, wem man letztendlich vertrauen kann. Kara ist eine sympathische Frau. Ehrgeizig setzt sie sich in der Männerdomäne der Detectives durch und verschafft sich den nötigen Respekt. Sie ist intelligent und mutig und hat einige sarkastische Gedankengänge zu bieten. Durch den Erzählstil in der Ich-Form baut man direkt einen Bezug zu ihr auf. Am Ende löst sich alles schlüssig auf und das Happy End lässt auf weitere Teile hoffen, auch wenn man (wieder einmal) nicht weiß, wohin das führt. Der Autorin ist es in ihrem Debütroman gelungen eine atemberaubende Mischung aus Mystik, Thriller und – vielleicht die Anfänge einer Romanze zu erschaffen. Die Fortsetzung erscheint im Februar 2011 unter dem Titel „Vom Dämon versucht„.

Kurzbeschreibung
Als die Kommissarin Kara Gillian an einer Leiche die Symbole geheimer magischer Rituale entdeckt, ist ihr sofort klar, dass sie es nicht mit einem gewöhnlichen Mord zu tun hat. Die Tat wurde von einem Serienmörder begangen, der die Stadt Beaulac, Louisiana, schon einmal heimgesucht hat. Kara, die in ihrer Freizeit selbst Dämonen beschwört, sind die Symbole nur allzu vertraut. Und mit ihren magischen Fähigkeiten ist sie die Einzige, die den Mörder aufhalten kann. Doch da beschwört sie versehentlich einen Dämon von unvergleichlicher Macht und überirdischer Schönheit, der sie bis in ihre Träume verfolgt.

Über die Autorin
Diana Rowland lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Louisiana. Nach einem Mathematikstudium hat sie sich in allen möglichen Jobs versucht, unter anderem als Polizistin, Kriminaltechnikerin und Assistentin in einer Leichenhalle. „Vom Dämon gezeichnet†œ ist ihr erster Roman. Weitere Informationen unter: www.dianarowland.com

Die Taschenbuchausgabe umfasst 411 Seiten und ist am 05. Juli 2010 im EGMONT LYX Verlag erschienen. „Vom Dämon gezeichnet“ ist für 9,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

Der Lesekreis bedankt sich bei Doc für ihren ausführlichen Leseeindruck zu Diana Rowlands Debütroman und beim EGMONT LYX Verlag für die freundliche Überlassung eines Rezensionsexemplares.

Literarische Schätze von klugen Frauen in der „edition fünf“

Ab September 2010 erscheinen in der von der Münchner Literaturagentin Silke Weniger neu gegründeten „edition fünf“ Bücher von Frauen zum (Wieder-)Entdecken – Bücher, die allzu schnell vom Buchmarkt verschwunden sind und unbedingt wiederentdeckt gehören.

Im ersten Programm sind die Autorinnen Kate Chopin, Irmtraud Morgner, Malin Schwerdtfeger, Joyce Johnson sowie eine Anthologie mit Erzählungen vertreten.

Die Herausgeberinnen Karen Nölle und Christine Gräbe haben literarische Schätze aufgespürt, teilweise neu bearbeitet und mit Nachworten anderer Expertinnen (und eines Experten) versehen. Künftig werden sie jeden Herbst ein Paket aus fünf lesenswerten Titeln schnüren. Die eigensinnigen und klugen Texte erscheinen im hochwertigen Gewand und sollen die Leserinnen glücklich und die Literaturwelt reicher machen.

„Vielleicht braucht ein konventionell erzogener weiblicher Mensch die Chance, sich gegen die Strömung der Sitten irgendwann freizuschwimmen†œ, schrieb Irmtraud Morgner. Und so ist es eine Schwimmerin, die das Cover der neuen Ausgabe von „Hochzeit in Konstantinopel†œ ziert. Der frech fantastische Roman über eine realsozialistische Hochzeitsreise, die keine ist, ist nun nach vielen Jahren wieder lieferbar. Im zwanzigsten Todesjahr der Autorin erscheint er in der neu gegründeten edition fünf.

Das Freischwimmen in all seinen Facetten bildet den Mittelpunkt des ersten Programms. In drei Romanen, einem Selbstzeugnis und einer Anthologie loten Autorinnen aus, wie Frauen sich die Welt erobern. Der Aufbruch ist die literarische Klammer der Texte, die ein ganzes Jahrhundert weiblicher Lebensentwürfe umspannen.

Das Erwachen von Kate Chopin

Kurzbeschreibung
Kate Chopin (1859 – 1904) hatte zunächst scheinbar alles, was ein Frauenherz begehren kann: einen in jeder Hinsicht großzügigen Ehemann, sechs gesunde Kinder und ein hübsches Haus in einem der vornehmen Viertel von New Orleans. Doch dann starb ihr Mann, und die junge Witwe fing an zu schreiben.
Als ihr Roman ‚Das Erwachen‘ 1899 erschien, erregte er ebenso großes Interesse wie breiteste Ablehnung. Gerühmt wurde ihre makellose stilistische Kunst, verurteilt aber wurde die ‚traurige Geschichte einer Dame aus den Südstaaten, die tun wollte, wonach ihr der Sinn stand. Sie wollte es nicht nur, sie tat es auch, mit verheerenden Folgen.‘ Zeitgenössische Kritiken verurteilten die detaillierte Schilderung der mannigfaltigen und gleichzeitigen Liebesaffären einer Ehefrau und Mutter. Tatsächlich aber geht es Kate Chopin um die Darstellung eines weiblichen Bewußtwerdungsprozesses.Eine Frau wagt den Versuch, ihre Pflichten als Gattin und Mutter gegen individuelle Freiheit und Selbstbestimmung einzutauschen.

Café Saratoga von Malin Schwerdtfeger

Kurzbeschreibung
Malin Schwerdtfegers erster Roman erzählt vom Erwachsenwerden, von Liebe und Freundschaft, in einem neuen, wildpoetischen, unverwechselbaren Ton. Für die beiden Schwestern Sonja und Majka, zwei Mädchen in der Pubertät, ist die polnische Halbinsel Hel in ihren Sommerurlauben ein Ort der Abenteuer und Erweckungen, besonders das Café Saratoga, das ihr Vater von der steinalten Tante Apolonia übernimmt. Das Meer, die eigenen Körper, die Männer, die Landschaft werden entdeckt, mit Sorge, Lust und Schrecken beobachtet, die Komik und das Verhängnis der Liebe frühzeitig registriert. Aber was für die Mädchen Hel ist, ist für den Vater, der mit seiner kindischen, vitalen Verrücktheit alle, auch die von ihm geschiedene Frau, an sich kettet, Westdeutschland. Eines Tages, die Familie hat deutsche Vorfahren, kann Tata ausreisen. Die ganze Familie, auch die schimpfend-kränkelnde Mutter Lilka, folgt. Sonja, die Ich-Erzählerin, wird in diesen Jahren, angefeuert von ihrem Vater, den sie abgöttisch liebt, zögerlich zur Frau, und wieder verändert sich die Welt. Nur der verrückte Tata, den man auch als Leser einfach lieben muss, bleibt sich ewig gleich. Malin Schwerdtfegers erster Roman erzählt mit poetischer Rasanz, mit kluger Komik und feiner Beobachtungsgabe vom Erwachsenwerden, von polnischen und deutschen Mentalitäten, von scheiternden Ehen und bedingungsloser Liebe, von Freundschaft und Aufbruch.

Zaunköniginnen: Erinnerungen von Joyce Johnson

Kurzbeschreibung
New York in den 50er-Jahren. Joyce Johnson kehrt ihrem bürgerlichen Elternhaus den Rücken und bricht auf, um eine abenteuerliche Existenz als Dichterin zu führen. Doch in der Bohème der jungen Beatpoeten werden den Frauen allenfalls kleine Nebenrollen zugedacht. Joyce Johnson erinnert sich an ihre frühe Rebellion gegen den Muff und die Spießigkeit der fünfziger Jahre. Zu Unrecht wurde sie vor allem als Geliebte des Beatpoeten Jack Kerouac wahrgenommen †“ dabei waren die beiden nur zwei Jahre ein Paar. Ihre Erinnerungen, auf Deutsch schon einmal unter dem Titel „Warten auf Kerouac†œ erschienen, erhalten in der edition fünf den Namen „Zaunköniginnen†œ.

Hochzeit in Konstantinopel von Irmtraud Morgener

Kurzbeschreibung
Nichts ist, was es scheint, auf dieser Reise, die nicht nach Konstantinopel geht, sondern an die Adria. In die Flitterwochen, obwohl das Paar aus Ostberlin noch gar nicht verheiratet ist. Am Ende landet Bele, die ihrem Verlobten Abend für Abend Geschichten erzählt, vor allem bei sich selbst.
Irmtraud Morgener (1933 bis 1990), geboren in Chemnitz, Schriftstellerin und Germanistin, lebte in Ostberlin. Anfangs begeisterte Sozialistin, verwarf sie später ihre frühen Bücher. Mit „Hochzeit in Konstantinopel“ fand sie 1968 ihre eigene Stimme: sinnlich, frech, stilistisch brillant.

Heldinnen des Glücks: Sieben Geschichten vom Aufbruch von Alice Munro, Felicitas Hoppe, Margriet de Moor, Charlotte Perkins Gilman, Anna Banti, Sarah Kirsch und Jane Bowles

Kurzbeschreibung

Aufbruch heißt in jeder dieser Erzählungen etwas anderes: Da bietet sich ein Nachbar als Heiratskandidat an, bei einer Sommerreise tun sich Abgründe auf, im Kino werden Lebenswege resümiert und ein ganzes Dorf von Dienstmädchen macht sich auf, das Glück zu finden.

Die Autorinnen erzählen eigenwillige Geschichten vom Weg durchs Leben †“ und davon, wie unterschiedlich das Glück aussehen kann.

Silke Weniger: „Mit der edition fünf möchte ich einen Beitrag zur Wahrnehmung des literarischen Schaffens von Frauen leisten.†œ

Karen Nölle: „Innere Welten teilen heißt ihnen Realität verleihen. Uns interessiert, wie Frauen denken, fühlen und darüber schreiben.†œ

Christine Gräbe: „Wir machen Bücher, die wir selbst uns im Regal oder auf dem Nachttisch wünschen. Bücher zum Selberlesen und Verschenken.†œ

Quelle: editionfuenf.de

Neues von Umberto Eco: Der Friedhof von Prag erscheint im Oktober 2010

Neues von Umberto Eco: Der Friedhof von Prag erscheint im Oktober 2010

Mit seinem 1980 erschienenen ersten Roman „Il nome della rosa“ (dt. Der Name der Rose – erschienen 1982)) erregte Umberto Eco weltweites und seinerzeit völlig überraschendes Aufsehen als Romancier. Auch sein 1988 erschienener Roman „Das Foucaultsche Pendel“ sowie die drei folgenden (1994 – Die Insel des vorigen Tages, 2000 – Baudolino und 2004 – Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana) wurden in alle Weltsprachen übersetzt, waren aber nicht so erfolgreich wie sein Erstlingswerk .

Wie jetzt bekannt wurde, erscheint im Oktober 2010, 30 Jahre nach seinem Erfolgsdebüt, im italienischen Verlag Bompiani ein neuer historischer Roman von Umberto Eco unter dem Titel „Il Cimitero di Praga“, verkündete der Verlag in einer Pressemitteilung am 05.07.2010.

Gerüchten zufolge soll der Roman unter dem Titel „Der Friedhof von Prag“ pünktlich zur Frankfurter Buchmesse auch in der deutschen Übersetzung erscheinen.

„Es handelt sich um einen Roman über die geheimsten Aspekte der Politik des 19. Jahrhunderts, die ein beängstigendes Licht auf unsere Epoche werfen. In dem 450 bis 500 Seiten umfassenden neuen Roman schildert der 78-jährige Eco mit größter historischer Genauigkeit das politische Umfeld im 19. Jahrhundert mit seinen Verschwörungen, Revolten und Revolutionen“, teilte der Verlag mit.

Il Cimitero di Praga erscheint sechs Jahre nach Ecos letztem Roman „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“. Alle bisherigen Romane von Umberto Eco wurden im Münchner Hanser Verlag publiziert.

Nachtrag vom 14.09.2011

Letztendlich hat sich der Termin auf den 08.10.2011 verschoben. Ecos neuer Roman „Der Friedhof von Prag“ erscheint also erst zur Frankfurter Buchmesse 2011. Laut Veranstaltungskalender wird Umberto Eco fast täglich auf der Buchmesse zu sehen sein. Nachfolgend die Kurzbeschreibung zum Inhalt:

Paris, 1897. Der Italiener Simonini erwacht in einer Pariser Wohnung ohne Erinnerung an die vergangenen Tage. Er beginnt Tagebuch zu schreiben, um sich von seiner Kindheit über die Erlebnisse während des Risorgimento und der Pariser Kommune an die Gegenwart heranzutasten. Doch während er schläft, kommentiert jemand seine Einträge und entlarvt Simonini nicht nur als durchtriebenen Fälscher und Agenten, sondern auch als höchst gefährlichen Antisemiten und Mitverfasser der Protokolle der Weisen von Zion. Atemberaubend virtuos spielt Umberto Eco mit historischen Fakten und literarischer Fiktion, mit Wahrheit und Fälschung, mit Identität und Erinnerung.

Quelle: Panorama.it

Reinhard Jirgl erhält Georg-Büchner-Preis 2010

Reinhard Jirgl erhält Georg-Büchner-Preis 2010

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat den 57-jährigen Berliner Schriftsteller Reinhard Jirgl mit dem Georg-Büchner-Preis 2010 ausgezeichnet.

Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt mit. Der mit 40.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland.

Jirgl habe in einem Romanwerk „von epischer Fülle und sinnlicher Anschaulichkeit ein eindringliches, oft verstörend suggestives Panorama der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert entfaltet†œ, heißt es in der Begründung.

Dabei lasse er die historischen Umbrüche aus unterschiedlichsten Perspektiven alltäglichen Erlebens gegenwärtig werden und mache so zuletzt in den großen Romanen „Die Unvollendeten“ und „Die Stille“ die Stimmen der Vergessenen und Verschütteten wieder hörbar.

Kurzbeschreibung „Die Unvollendeten“
Eine sprachlich eindrucksvolle Familiensaga und ein literarisch dichter Roman über Heimat und Exil.
30 Minuten Zeit – mit höchstens 8 Kilo Gepäck pro Person – am Bahnhof sich einzufinden – diejenigen, die gegen diesen Befehl verstoßen, werden nach den Kriegsgesetzen bestraft. Sommerende 1945. Die tschechischen Behörden nehmen ihre Vertreibungen vor, und die deutsche Minderheit flieht aus dem Sudetenland. Vier Frauen – die einzigen Mitglieder einer großen Familie, die den Krieg überlebt haben – stehen im Mittelpunkt: Johanna, deren Töchter Hanna und Maria sowie die siebzehnjährige Enkelin Anna. Ihre Geschichte der Vertreibung, der Verlust der Heimat, die Entwurzelung und das neue Leben in der Fremde – in einem kleinen ostdeutschen Dorf Nahe der Zonengrenze – bis in die Gegenwart des Jahres 2002 in Berlin läßt Jirgl auch den Urenkel erzählen. Er trägt zusammen, was ihm Mutter, Großmutter, Großtante und Urgroß-mutter erzählt haben, um endlich auch sich selbst zu verstehen.

Kurzbeschreibung „Die Stille“
Einhundert Jahre aus der Geschichte zweier Familien und aus der Geschichte eines Landes: Reinhard Jirgls „Die Stille“ ist das monumentale Epos vom langen 20. Jahrhundert in Deutschland. Am Anfang steht ein Fotoalbum, die ältesten Bilder sind über achtzig Jahre alt: einhundert Fotografien zweier Familien, die eine aus Ostpreußen stammend, die andere aus der Niederlausitz. Zwei Weltkriege, Inflation, Flucht und Vertreibung haben diese beiden Familien über fünf politische Systeme hinweg, von der Kaiserzeit bis heute, überlebt. Den einhundert Fotografien folgend, erzählt Jirgl Geschichten von Verletzungen, Liebe und Verrat. „Die Stille“ bestätigt seinen außergewöhnlichen Rang.

Über den Autor
Reinhard Jirgl, geboren 1953 in Berlin, lebt dort als freier Schriftsteller. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Alfred-Döblin-Preis,den Marburger Literaturpreis, den Joseph-Breitbach-Preis und zuletzt den Stadtschreiber-Preis von Bergen. Bei Hanser erschienen zuletzt Abtrünnig (Roman aus der nervösen Zeit, 2006), Land und Beute (Aufsätze, 2008) und Die Stille (Roman, 2009).

Der Preis wird auf der Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung am 23. Oktober in Darmstadt übergeben.

Quelle: Zeit Online

Literaturverfilmung: Die Blechtrommel von Volker Schlöndorff neu auf DVD

Am 15. Juli 2010 erscheint, fast 30 Jahre nach der Kinopremiere, von Volker Schlöndorffs „Die Brechtrommel“ der Director´s Cut in Blu-ray auf DVD – eine um gut 20 Minuten verlängerte Fassung mit zahlreichen Kommentaren, Interviews und Making-of. Extras: Einführung zum Director’s Cut von Volker Schlöndorff, „Die Blechtrommel – Erinnerungen von Volker Schlöndorff“, Interviews, Kommentare zu geschnittenen Szenen, Fotogalerie, Originaldokumente von den Dreharbeiten, Biografie Volker Schlöndorff und Trailer. Dazu gibt es Interviews mit dem Produzenten Eberhard Junkersdorf, dem Production Designer Nikos Perakis und mit Schlöndorff selbst.

Die Geyer Kopierwerke in Berlin wollten von Volker Schlöndorff wissen, ob sie die 60 000 Meter Negativmaterial der Blechtrommel entsorgen könnten. 30 Jahre lagerten die 200 Büchsen dort.

Als Schlöndorff die alten Aufnahmen sah, war da erst mal dieses emotionale Moment. „Die Schauspieler, die ich so gut kenne, so jung wiederzusehen,“ das gab den Ausschlag für die Idee zum „Director†™s Cut“, zusammen mit all den Szenen, auf die sie damals verzichteten. United Artists hatte auf einer Maximallänge von 135 Minuten bestanden, mit der Goldenen Palme 1979 und dem Oscar 1980 wurde Die Blechtrommel ein Riesenerfolg. Also bloß nicht dran rühren. „Nichts ist so gut“, sagt der Regisseur, „dass man es nicht noch besser machen könnte.“

Die Langfassung verankert Oskars Geschichte in der Zeitgeschichte, über Wochenschau-Einschübe vom Kriegsbeginn, der Landung in der Normandie oder der Flucht aus Ostpreußen. Was den „Director†™s Cut“  lohnt, ist die politische Zuspitzung und der größere surrealistische Touch. Mehr Irritation, mehr Momente, die den kaschubischen Ton konterkarieren. Etwa bei der russischen Orgie (mit Drehbuchautor Jean-Claude Carrière als Rasputin!) und vor allem bei der zauberhaften Himmelfahrt der Nonnen von Lisieux, nachdem sie beim Muschelsammeln am Westwall von den Nazis erschossen werden.

Vor allem gegen Ende gewinnt die neue alte Blechtrommel an Dramatik, an Unversöhnlichkeit, auch wenn der Erzählrhythmus dabei etwas aus dem Takt gerät. Oskars Vater legt plötzlich Courage an den Tag, als die Lederjacken-Nazis seinen kleinwüchsigen Sohn ins Euthanasie-Programm stecken wollen. „Ich hab alles mitjemacht,“ tobt Mario Adorf, „aber das kommt nicht infrage.“

Seine neue junge Frau würde den Jungen lieber weggeben. Bislang war Katharina Thalbach als Maria eine Überlebenskünstlerin, die vor lauter Unglück früh verhärmt. Jetzt ist sie, im deutlichen Kontrast zu Alfred Matzerath, opportunistischer, ein fast mieser Charakter, eine Verräterin ihres Brausepulver-Liebhabers Oskar. Und dass der Blechtrommler beim Einmarsch der Roten Armee am Tod seines Vaters nicht unschuldig ist, erscheint nach dessen unerschrockenem Eintreten für den Sohn nun umso tragischer.

Zu den geopferten Bildern gehörte auch eine Sequenz, in der David Bennent einen langen Monolog spricht, über Rasputin und Goethe. Er schaut direkt in die Kamera, ohne mit der Wimper zu zuckern, ohne sich zu verheddern. Der unverwandte Blick des Blechtrommlers habe ihnen damals wohl Angst gemacht, vermutet Schlöndorff heute: „Das war der Schritt zu weit.“ Der Blick hat ihn angerührt, auch wenn das Kasperletheater mit halb nackten Tänzerinnen im Bildhintergrund †“ so stellt sich der kleine Oskar Rasputins russische Orgie vor †“ etwas plump geraten ist.

Die Entscheidung, resümiert der Regisseur, traf das Material.

Kurzbeschreibung
Danzig 1927. Der äußerst frühreife und hellwache Oskar ist gerade erst drei Jahre alt geworden. Und doch ist ihm bereits klar: Das kleinbürgerliche Leben der Erwachsenen kann und will er so nicht akzeptieren. Er hört einfach auf zu wachsen.
Leidenschaftlich protestiert der anarchische Zwerg fortan auf seiner Blechtrommel gegen fanatische Nazis und deren feige Mitläufer. Immer wieder erhebt er seine Stimme gegen die muffigen Spießer der Weimarer Republik und deren derbe Erotik. So schrill, bis Glas zerspringt. Erst als nach dem Krieg eine menschliche Zeit beginnt, beschließt Oskar, wieder am Leben teilzunehmen, und wächst weiter.

Quelle: Zeit Online – „Blechtrommel“ auf DVD – Das Geheimnis der Aale