Seitensprung der Sisterhood

Kapitel 3
Werwölfe

Einige Meter von ihr entfernt materialisierte sich Sam wieder. Erleichtert seufzte sie auf.
„Endlich. Hast du ihn erwischt?“ Als er auf sie zukam und in den schummrigen Lichtkegel trat, konnte sie erkennen, dass seine Kleidung blutverschmiert war. Seine Flügel waren sichtbar und ein grimmiger Ausdruck lag auf seinem Gesicht.
„Wir sollten schnellstens von hier verschwinden, Jane, komm.“ Er streckte ihr die Hand entgegen.
„Was? Wieso? Was ist mit dem hier?“ Verwirrt stemmte sie die Hände in die Hüften und blickte auf den immer noch bewusstlos am Boden liegenden Patrick.
„Los, wir haben keine Zeit, ein ganzes Werwolfrudel ist mir auf den Fersen. Ich erkläre es dir später.“ Da Doc wie angewurzelt stehen blieb, schlang er einfach seine Arme um sie und schwang sich mit ihr in die Luft.
„Sam, wieso bist du voller Blut? Ist es von dir? Was ist mit Kevin passiert?“
„Das ist nicht mein Blut, und Kevin ist tot.“
Eine Minute später landeten sie in einer dunklen Seitenstraße in der Nähe des Hotels. Bevor sie nur den Mund öffnen konnte um weitere Erklärungen einzufordern, legte er einen Finger auf ihre Lippen.
„Später, wir müssen vorsichtig sein.“ Immer noch angespannt, zog er sie hinter sich her. Schnell liefen sie auf das Hotel zu. In der Lobby angekommen, stürmte er am Aufzug vorbei zum Treppenhaus. Ohne einen Stopp einzulegen rauschte er die Treppen hoch. In den hohen Stiefeln taten Doc zwar die Füße weh, aber sie konnte dennoch problemlos mit ihm Schritt halten. Der Engel riss ihre Zimmertür so schwungvoll auf, dass sie laut krachend gegen die Wand schlug. Er war wie von der Tarantel gestochen. Ohne Erklärung zog er die Reisetasche, die sie ebenfalls heute gekauft hatten, aus dem Schrank und begann wahllos alle Sachen hineinzustopfen. Als er das Ladegerät des Laptops mitsamt Steckdose aus der Wand riss, reichte es Jane. Entschieden schritt sie auf ihn zu und packte ihn an beiden Handgelenken.
„Stopp! Sam ich will jetzt auf der Stelle wissen, was passiert ist. Wieso benimmst du dich wie eine Rennmaus auf Speed?“ Um ihrer Frage mehr Nachdruck zu verleihen, drückte sie dabei fest zu. Sie schob sich ganz nah vor ihn, damit er sie ansehen musste. Er atmete einmal tief durch. Dann griff er in die Innentasche seiner Lederjacke und zog etwas hervor. Sie konnte es nicht fassen. Sam hatte die Schachtel der Petra! Für ein paar Augenblicke starrten beide auf das Artefakt.
„Oh. Mein. Gott. Sam, du hast sie gefunden! Sie ist unglaublich.“ Sie streckte die Hand nach dem hölzernen Kästchen aus, doch kurz bevor sie es berühren konnte, erschien eine silbern schimmernde Hülle und legte sich um das Kästchen. Sie stockte und blickte Sam wieder an.
„Du kannst sie berühren, aber du darfst sie unter keinen Umständen öffnen“, flüsterte er ein wenig atemlos,“ das würdest du nicht überleben. Sie ist magisch versiegelt. Ich erkläre dir das alles noch, nur lass uns endlich von hier verschwinden. Kevin ist nach Hause gelaufen, und ich hab ihn mir vorgeknöpft. Dann wurde die Tür aufgebrochen und die Hölle war los. Das Wolfsangel-Werwolfrudel hat ihm einen Hausbesuch abgestattet. Offensichtlich wollten die Wiesel von Dungeon mehr Geld fordern. Tja, das hätten sie mal besser nicht getan. Der Drache hat die hiesigen Werwölfe auf die Brüder angesetzt, sie sollten sie töten und die Schachtel zu ihm bringen. Das Rudel hier ist ziemlich zwielichtig, so eine Art Söldnertrupp. Ich wollte Kevin gerade zum Sprechen bringen, als die Wölfe da reinplatzten und wild um sich schossen. Kevin war sofort tot. Ich habe so getan, als hätte es mich auch erwischt. Die haben die ganze Wohnung zerlegt. Unter ein paar Dielenbrettern wurden sie fündig.

Seite 26

Da habe ich sie mir geschnappt und bin zu dir zurück.“ Er grinste schief.
„Jetzt ist jeder verdammte Werwolf aus Belfast auf der Suche nach mir. Also, lass uns schnellstens von hier verschwinden.“ Doc stand auf und ging ins Badezimmer, um Ef-Ef zu holen. Dabei dachte sie fieberhaft darüber nach, wie und vor allen Dingen wohin sie jetzt sollten. Am besten wäre es, sie würden nach NSI Reisen. Dort könnten sie alles in Ruhe mit Sweetlife besprechen. Auch die Schachtel wäre dort sicher.
Schnell steckte sie Ef-Ef in die Tasche. Der kleine Kerl fluchte wie ein Kesselflicker, aber darauf konnte sie jetzt keine Rücksicht nehmen. Werwölfe waren wirklich gute Fährtenleser. Sam hatte sich zwar unsichtbar gemacht, aber für sie war es kein Problem seinem Geruch zu folgen. Gerade als die beiden die Suite verlassen wollten, hörten sie ein lautes Krachen am Ende des Flurs. Vorsichtig stecken sie beide die Köpfe hinaus, nur um zu sehen wie zwei etwas ramponierte Bikertypen durch die Tür torkelten. Sam flüsterte Doc zu, dass sie zum Aufzug gehen sollte. Bisher war sie den Werwölfen ja noch noch nicht bekannt. Elegant schlenderte sie den Gang in Richtung Aufzug und drückte den Knopf. Als der Gong ertönte und sich die Türen öffneten, spürte sie nur einen Lufthauch und etwas, das sie in den Aufzug hineinzog. Auf der Fahrt nach unten materialisierte Sam sich wieder.
„Also, diese Unsichtbar-Nummer ist wirklich cool, Sam. Wenn ich mir vorstelle, was du alles damit aushecken könntest…hast du zufällig mal irgendwo ein paar Kunstwerke mitgehen lassen oder so?“
Trotz der angespannten Situation grinsten sie sich verschwörerisch an. Gerade als er ihr antworten wollte, stoppte der Aufzug in der 3. Etage. Die Türen öffneten sich. In letzter Sekunde zog Sam Doc hinter sich, als zwei weitere Bikertypen die Tür versperrten. Starker Moschusgeruch schlug ihnen entgegen. Aus ihren Kehlen kam ein leises Knurren. Kein Zweifel, das waren eindeutig zwei Werwölfe. Sam zögerte nicht eine einzige Sekunde. Mit einem gezielten Schlag setzte er einen der beiden sofort außer Gefecht. Während der Werwolf ohnmächtig zu Boden ging, sprang der andere Sam unter wütendem Geheul von hinten an. Er würgte den Engel mit unbändiger Kraft. Die beiden gingen zu Boden und kämpften miteinander. Jane konnte sich nicht genug konzentrieren um ihre Magie einzusetzen, also griff sie kurzerhand nach der Vase, die auf einem Beistelltisch neben dem Lift stand und zog sie dem Werwolf über den Schädel. Mit einem letzten Schlag warf Sam den Kerl von sich.
„Danke, Jane, beim nächsten Mal bring dich lieber aus der Gefahrenzone. Mit dem wäre ich schon fertig geworden.“ Er schüttelte sich ein paar Scherben aus dem Haar, nahm die Tasche und zusammen eilten sie den Gang entlang.
„Ich wette, in der Lobby wimmelt es von denen.“ Sie blieben an einem Fenster stehen und sahen hinaus. Da sie immer noch in einer der oberen Etagen waren, war es vergittert und auch abgeschlossen. Aus dem Treppenhaus ertönten wieder Schritte. Doc drehte sich einmal um die Achse und scannte die Umgebung, um nach einem möglichen Fluchtweg Ausschau zu halten. Da kam ihr eine Idee.
„Ich weiß zwar nicht mehr welcher Film das war, aber DAS wollte ich schon immer mal ausprobieren.“ Verwirrt folgte der Engel ihrem Blick und sah wie sie die Klappe zum Wäscheschacht öffnete. Dann verstand er. Zuerst warfen sie die Tasche hinein, Doc wollte einsteigen, aber er hielt sie davon ab.
„Wer weiß, was unten so los ist“, erklärte er und kletterte vor ihr in den Schacht. Doc folgte ihm unmittelbar. Der Schacht endete in einem riesengroßen Rollwagen mit Schmutzwäsche, in dem Sam nach der Tasche landete. Da plumpste auch Doc schon auf ihn drauf.
„Wow. Das hat echt Spaß gemacht.“ Sie hob den Kopf, um aus dem Wagen zu spähen. Sie hatten Glück, denn die Waschküche war menschenleer.

Seite 27

Sie saß auf dem Engel. Als sie sich auf ihm abstützte um aufzustehen, kam sie nicht umhin zu bemerken wie unglaublich durchtrainiert er war. Sie fühlte, wie eine Hitzewelle ihren Kopf erreichte, als ihr bewusst wurde, dass ihr Kleid hochgerutscht war. Seine Hände lagen auf ihren Oberschenkeln. Die Berührung auf ihrer bloßen Haut hinterließ eine heiße Spur. Der glühende Blick aus seinen grünen Augen verursachte ein leichtes Ziehen in ihrer Magengegend. Irgendetwas hatte sich zwischen ihnen verändert. Eigentlich war es wirklich nicht die Zeit der Sache auf den Grund zu gehen. Dennoch, sie war wirklich verdammt froh, dass sie nicht alleine in dieser Situation steckte. Sam schien es plötzlich nicht mehr eilig zu haben. Vorsichtig umfasste er mit den Händen ihr Gesicht und zog es zu sich heran.
„Jane…“ Die Art wie er unter halb gesenkten Lidern ihren Namen flüsterte, raubte ihr für den Augenblick den Atem. Erwartungsvoll starrte sie auf seine Lippen… Er würde doch nicht? Jetzt und hier? Doch genau das wollte sie. Er begann, sanft mit seinen Lippen über ihre Wangen zu streifen. Sie wollte mehr, wollte wissen wie er schmeckte. Sie drehte den Kopf ein wenig, damit sich ihre Lippen berührten. Gott, seine Lippen waren so weich! Alles trat in den Hintergrund und sie verlor sich in dem sanften Kuss. Es gab nur sie und ihn. Heißkalte Schauer liefen ihr den Rücken hinunter. Noch nie zuvor hatte sich etwas so richtig angefühlt. Doch bevor der Kuss intensiver wurde, ertönte lautes Gebrüll von irgend woher. Widerwillig löste sich Jane von ihm. Sams Stimme klang heiser, als er sie aus dem Wagen hob.
„Das verdient eine Fortsetzung. Aber nicht hier, wir müssen verschwinden.“
Die Waschküche hatte zwei Ausgänge. Hinter der linken Tür waren deutlich Stimmen zu hören, deshalb schlichen sie in die Richtung der anderen Tür. Dahinter war es still. Leise öffnete Doc die Tür einen Spalt breit und spähte vorsichtig hinaus. Sie sah einen schmalen Gang, der nur schummrig beleuchtet war.
„Geradeaus geht es dem Geruch nach direkt zur Küche, dort gibt es bestimmt einen Hinterausgang“, flüsterte Sam ihr ins Ohr und schlich an ihr vorbei. Mittlerweile war es früh am Morgen und die Küche war menschenleer. Sie hatten noch etwas Zeit, bis der Hotelbetrieb wieder aufgenommen wurde. Als sie die Küche durchquerten, war Doc wirklich froh, in diesem Hotel nichts gegessen zu haben, denn eine Hygienekontrolle hätte der Laden wohl nicht überstanden. Naserümpfend schlich sie hinter Sam her, der am Hinterausgang stehen blieb und lauschte. Die Stimmen der Werwölfe kamen immer näher.
„Sam, ich glaube, sie sind schon bis zur Waschküche vorgedrungen, lass uns abhauen.“
Schnell liefen sie hinaus durch die Gasse hinter dem Hotel, bogen einmal ab, bis sie an der großen Hauptstraße angekommen waren. Die Wölfe hatten zum Glück niemanden hinter dem Hotel postiert und sich zunächst mit der Durchsuchung diverser Hotelzimmer abgegeben. Aber sie waren ihnen dicht auf den Fersen, denn irgendwann würden sie merken, dass ihnen die Flucht aus dem Hotel gelungen war.
„Jane, ich weiß, du fliegst nicht gern mit mir, aber so kommen wir am sichersten hier weg.“
Schon hing sie an ihn geklammert, während er sich immer höher in die Lüfte schwang. Als sie über das Hotel flogen, waren einige Werwölfe bereits bis in die Gasse ihrer Fährte gefolgt. Einer sah nach oben, und selbst aus dieser Entfernung konnte Doc seinen verwirrten Gesichtsausdruck erkennen. „Jetzt wissen sie, dass du fliegen kannst.“ Sie klammerte sich an ihm fest und vermied den Blick nach unten.
„Na ja, nicht ganz, wir sind unsichtbar, ich habe uns magisch verschleiert.“ Das war ja interessant. Über Sam gab es wahrlich noch eine ganze Menge zu lernen. Kurz dachte sie an den Kuss zurück. Es hatte sich unglaublich vertraut angefühlt. Allerdings war das im Moment wirklich nicht die richtige Zeit dafür, denn so langsam sollte sie überlegen, wohin sie jetzt sollten.
„Was machen wir jetzt am besten? Ich meine, wir sollten zu Sweetlife. Es wird jetzt nur etwas schwierig, wenn wir von Wölfen verfolgt werden. Die möchte ich nicht so gerne nach NS-Island locken.“

Seite 28

„Ich glaube auch, deine Chefin würde sich bedanken“, sagte er und schaut grinsend auf sie hinab. „Ich habe schon eine Idee. Dazu müssen wir zwar einen Umweg in Kauf nehmen, um erst mal von der Bildfläche zu verschwinden, aber wenn es funktioniert, sind wir die Wölfe los.“
„Ich bin immer für kreative Vorschläge offen. Also, an was hast du so gedacht?“ Sie riskierte einen Blick nach unten auf die Straße und konnte zwei Wölfe in Tiergestalt erkennen, die ihnen folgten. „Sam, die Wölfe sind immer noch dort“, sagte Doc irritiert und wunderte sich darüber, wie sie es schafften, ihrer Spur zu folgen.
„Ich weiß. Wir fliegen jetzt zum Hafen hier in Belfast. Dann nehmen wir dir Fähre rüber auf die Isle auf Man.“ Langsam senkten sie sich wieder Richtung Boden und landeten direkt am Hafen. Zielstrebig hielt Sam auf ein mittelgroßes Schiff zu, das gerade dabei war abzulegen. Schnell gingen sie an Bord. Gerade als ein Angestellter die Gangway einfahren wollte, sprangen die Wölfe knurrend auf das Schiff. Ohne Vorwarnung beförderte Sam die beiden mit einem Tritt ins Wasser. Ein verängstigter Matrose, der alles beobachtet hatte, stand wie angewurzelt an der Reling. Sam hypnotisierte ihn, sodass er den Vorfall auf der Stelle vergaß. Das Schiff legte ab. Sie gingen aufs Achterdeck und ließen sich erleichtert auf eine der Bänke nieder. Langsam begann der Morgen an zu grauen, ein kühler Wind verwuschelte Docs Haare. Nach langem Wühlen in der Tasche, fand sie endlich ihre Mütze und stülpte sie sich auf den Kopf. Mit einem tiefen Seufzer lehnte sie sich an Sam.
„Das war knapp. Meinst du, sie haben aufgegeben?“ Er legte ihr seine Jacke um die Schultern, da sie in ihrem dünnen Kleid sichtlich fror.
„Nein, sie werden uns sicher mit der nächsten Fähre auf die Insel folgen. Zum Glück bestehen sie aus zu viel Muskelmasse, so können sie nicht schwimmen. Aber da wird sich bestimmt ein ganzes Rudel auf den Weg zur Insel machen. Ich hoffe allerdings, das wir bis dahin nicht mehr dort sind.“ Doc sah ihn müde an und lächelte schwach. Mehr wollte sie im Moment gar nicht wissen. Nachdem sie überprüft hatte, dass es Ef-Ef in der Tasche gut ging, lehnte sie sich an Sam und schloss die Augen.
Eine halbe Stunde später weckte er sie sanft, die Fähre hatte angelegt und sie gingen an Land.
„Ich würde mich gern mal irgendwo umziehen“, sagte Doc und ärgerte sich ein wenig, dass sie Zeit auf dem Schiff nicht genutzt hatte. Doch ihr Anliegen musste noch etwas warten. Wenig später fand sie sich in einem Mietwagen wieder.
„Wohin wollen wir eigentlich genau?“, fragte sie mit erstickter Stimme aus ihrem Rollkragenpullover, den sie sich gerade über den Kopf zog. Auf einer Rückbank umziehen, war wirklich was für Schlangenmenschen.
„Mull Hill.“ Er erwähnte es so beiläufig, als ob ihr vollkommen klar sein sollte, warum sie dorthin fuhren.
„Wohin? Ist das ein Flughafen von dem aus wir von hier verschwinden können?“ Als sie dabei nach vorne sah, trafen sich ihre Blicke in dem Rückspiegel. Sam hatte sie ganz ungeniert beim Umkleiden beobachtet, das stand fest. Ein schlechtes Gewissen schien er nicht zu haben.
„Ich vergesse immer wieder, wie jung du bist.“ Damit handelte er sich einen weiteren wütenden Blick von der Rückbank ein. Unbeeindruckt fuhr er grinsend mit seiner Erklärung fort.
„Mull Hill ist ein alter magischer Steinkreis, der auf alten Gräbern errichtet wurde. Stonehenge sagt dir doch sicherlich etwas, oder? Er ist der bekannteste, aber es gibt noch Hunderte solcher Orte auf der Erde, allerdings deutlich kleiner oder besser verborgen. Warte einfach ab, du wirst schon sehen. Übrigens… hübscher BH.“ Damit erntete er einen Klaps auf den Hinterkopf von Doc.
„Die Straße ist da vorne! Von Unfällen habe ich erst mal genug.“ Sam duckte sich etwas und fuhr lachend ein paar Schlangenlinien.
„Manchmal trägt sie auch gar keinen, Pech für uns heute, mon ami.“ Ef-Ef grinste Doc frech aus der Tasche heraus an und kassierte prompt auch einen Klaps von ihr.

Seite 29

„Mon dieu, jetzt wird sie auch noch rot. Ich habe auch deinen Slip gesehen!“ Kopfschüttelnd zog Doc ihre Stiefel an und zwängte sich in ihre Lederjacke.
„Womit habe ich das nur verdient“, flüsterte sie leise vor sich hin. Sie warf einen Blick auf das neue Handy. Aber da niemand die Nummer hatte, waren auch keine Nachrichten eingegangen. Wehmütig dachte sie an die anderen Mitglieder vom Sixpack. Sie hoffte, dass sie es alle besser getroffen hatten und eine entspannte Zeit mit ihren Lieben verbrachten. Ef-Ef hatte es mal wieder darauf angelegt, sie zu reizen, und Sam…. ja, der Engel verwirrte sie komplett. Sie wollte doch einfach nur den Auftrag erledigen und zurück nach Hause. Bisher lief schon wieder alles komplett aus dem Ruder, und sie konnte sich kaum vorstellen, dass jetzt, wo sie im Besitz der Schachtel waren, alles einfacher wurde. Sie fuhren Richtung Port Erin, das war das einzige Straßenschild, das ihr auffiel. Da die Isle of Man wirklich nicht groß war, hatten sie in knapp zwanzig Minuten ihr Ziel erreicht. Sam parkte den Mietwagen an einer Lichtung. Sie stiegen aus und Jane atmete einmal tief durch. Es war wirklich ein idyllisches Örtchen. Weit und breit waren kein Haus und keine Menschenseele zu sehen. Nichts störte dieses Fleckchen Natur.
Von der Lichtung aus gingen sie durch einen schmalen Waldstreifen auf einen großen relativ flachen Hügel zu. Sam stapfte schnurstracks auf den höchsten Punkt zu und bleib stehen. Doc folgte ihm. Da sie die ganze Zeit Stonehenge im Hinterkopf hatte, war sie fast ein bisschen enttäuscht. Hier lagen nur einige größere flache Felsbrocken und sonst war da nichts. Sam hingegen schien sichtlich zufrieden.
„Hier ist es“, sagte er und zwinkerte ihr kurz zu.
Doc konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was sie in dieser gottverlassenen Gegend wollten. Bevor sie ihn das fragen konnte, kam Ef-Ef ihr zuvor.
„Also, ich habö ja nichts gegen Sightseeing aber das ´ier ist wirklisch öde.“ Der Hamster blickte gelangweilt aus einem Seitenfach der Reisetasche zu Sam hinauf.
„Wartet´s ab. Es ist nicht immer alles so wie es scheint.“
Er schritt den Kreis ab, blieb an einem Stein stehen und sah zur Sonne, die ihm scheinbar irgendeinen Hinweis gab. Dann drehte er sich um und ging mit drei Schritten direkt in die Mitte des Kreises.

Seite 30

„Ihr wartet besser dort am Rand, ich habe das schon lange nicht mehr gemacht.“
Doc und Ef-Ef warfen sich einen fragenden Blick zu. Doch sie tat was er verlangte, ging an den Rand und stellte sich Sam gegenüber. Der Engel streckte die Arme aus und blickte zum Himmel. Dann begann er eine Art Beschwörungsformel zu murmeln. Augenblicklich frischte eine leichte Brise frischte auf. Sam sah fast ätherisch aus, er schien von einer goldenen Aura umhüllt. Die Luft knisterte und Doc sah, wie sich fluoreszierende Lichtstrahlen aus den Steinen lösten. Sie wurden breiter, verbanden sich und bildeten regenbogenfarbene Torbogen über den Steinen.
„So, das hätten wir. Komm her.“ Sam kam auf Doc zu und streckte ihr eine Hand entgegen. „Hast du alles?“ Doc nickte fasziniert und ließ den Blick schweifen, jetzt konnte sie die Tore über den Steinen ganz einfach erkennen.
„Menschenskind Sam, was ist das?“
„Das sind die alten Engelsportale. Früher hat meine Art sie oft zur Fortbewegung genutzt, aber sie gerieten in Vergessenheit. Mittlerweile haben sie ein Eigenleben entwickelt. Man weiß nie so genau, wo sie einen hinführen. Aber im Grunde kann man nur in einem anderen Steinkreis irgendwo auf der Welt ankommen. Wenn wir durchgehen, darfst du mich unter keinen Umständen loslassen, okay?“
Kritisch musterte Doc das Portal, vor dem sie inzwischen standen.
„Ja schon okay, aber…“
„Jane, vertrau mir einfach, es ist nicht schlimm. Ich denke, egal wo wir landen, Hauptsache wir haben die Wölfe abgehängt. Von dort können wir zu Sweetlife oder zur Bruderschaft, je nachdem.“
„Sam ich dachtö, das wäron Feenportale. Und sie sind zersplittert“, meldete sich Ef-Ef kleinlaut aus der Tasche.
„Nein das haben die Menschen nur geglaubt, und zersplittert, ja, das sind sie. Aber wir haben keine Wahl.“
In nicht allzu weiter Ferne ertönte das Geheul eines Wolfes, es stimmten nach und nach immer mehr ein.
Sam ging auf das Portal zu, zog Doc hinter sich her und streckte den freien Arm aus. Die Oberfläche warf Kreise, es sah aus als ob man einen Stein in Wasser geworfen hätte. Er murmelte etwas. War es auf Latein? Doc war nervös und hörte ihm nur mit halbem Ohr zu, doch er zog sie unerbittlich hinter sich her. Als er ganz in das Tor eingetaucht war, stieß ihr Arm hindurch. Es fühlte sich kalt und samtig an. Sie schauderte. Das Wolfsgeheul wurde lauter und sie machte einen beherzten Schritt ins Ungewisse. Nachdem sie ganz hindurch getaucht war, spürte sie, wie Sam sie an der Taille fasste und an sich drückte. Ein eiskalter Wind, wehte um sie herum. Sie hatte das Gefühl zu schweben. Alles um sie herum war schwarz und Millionen kleiner farbiger Punkte leuchteten in der Ferne wie Sterne am Himmel. Real war nur Sam, ihr Anker, den sie um keinen Preis jetzt hier loslassen wollte. Den Kopf in seiner Halsbeuge vergraben, schloss sie die Augen und atmete tief seinen mittlerweile vertrauten Geruch ein.

Seite 31

Dann hatte sie das Gefühl hinab gezogen zu werden. Doc schloss die Augen und klammerte sich regelrecht an den Engel. Er presste sie noch enger an sich.
„Keine Angst“, flüsterte er in ihr Ohr. Es fühlte sich an, als ob sie in tausend kleine Teile zerrissen wurde. Sie hatte keine Substanz mehr, keinen Körper. Sie spürte in ihrem Bewusstsein, dass Sam bei ihr war, aber sie existierte nicht mehr. Dann, mit einem Ruck, setzte sich wieder alles zusammen. Sie spürte das Gewicht der Reisetasche plötzlich wieder. Immer noch eng umschlungen, standen sie wieder vor einem Portal, das sich in der Dunkelheit herauskristallisierte. Sam löste die Umarmung, nahm wieder ihre Hand und schritt darauf zu. Er trat hinaus und Jane folgte ihm. Es dauerte einen Moment bis ihre Augen realisierten, dass sie sich nun, statt in Dunkelheit, in völliger Schwärze befand. Sie schwankte leicht und hatte das Gefühl in die Finsternis zu stürzen. Sie stütze sich irgendwo im Nichts ab, spürte etwas Raues, Hartes unter der Handfläche.
„Sind wir da? Ist irgendwas schiefgegangen? Ich kann nicht sehen.“
„Ja, wir sind da. Keine Sorge, alles ist gut. Ich glaube, wir sind in einer Höhle.“
Allmählich bildeten sich Umrisse in ihrem Blickfeld. Sie konnte eine grobe Felswand erkennen. Dann, als ob ihr Gehör noch etwas länger gebraucht hätte, hörte sie ein tosendes Rauschen in der Ferne. Er klang wie ein unterirdischer Wasserfall. Sie wusste es einfach. Sie hatte das Gefühl, schon einmal hier gewesen zu sein. Sie ließ Sams Hand los und ging ein paar Schritte. Sie konnte immer deutlicher die Umrisse erkennen. Sie waren in einem Tunnel. Langsam schritt sie voran. Nach einer Biegung konnte sie Licht in der Ferne erkennen. Von einer Ahnung getrieben, eilte sie darauf zu.
„Jane, warte. Wir wissen doch gar nicht…“ Der Rest ging in einem Echo unter. Nach ein paar hundert Metern, stand sie am Höhlenausgang. Sie hielt den Atem an und konnte es für einen Moment nicht fassen.
Sie trat hinaus und stand auf einem Felsvorsprung, ein kleiner Weg schlängelte sich nach unten. In der Ferne kreischten türkisfarbende möwenähnliche Vögel, die am Horizont kreisten. Der Himmel war magentafarben. Das Grün der weiten Wiesen, die sich vor ihr erstreckten, schimmerte unnatürlich grün. Weiße, verdorrte Bäume säumten einen Pfad, der den Anschein hatte, sich bis ans Ende der Welt zu erstrecken.
„Grundgütiger. Das kann einfach nicht sein, das ist einfach unmöglich!“
Dann stand Sam neben ihr und berührte ihre Schulter.
„Du weißt wo wir sind?“

Seite 32

„Ob ich weiß wo wir sind? Ja…. nein, das kann einfach nicht sein.“
Sie ließ die Tasche von der Schulter gleiten. Sofort steckte Ef-Ef die Nase aus dem Seitenfach und krabbelte heraus. Er schnüffelte.
„Mon dieu, bei allen guten Dämonen. Wieso sind wir denn augerechnöt in Avalon gelandet? Hier gibt es nicht mal Fastfood!“, empörte er sich und sah zwischen Sam und Doc hin und her.
„Ah, Avalon, okay, alles klar“, sagte Sam und hob die Tasche auf.
Fassungslos blickte Doc den Engel an.
„Okay? Alles klar? Sam wir sind in Avalon. AVALON!!! Das geht überhaupt gar nicht. Alle Zugänge wurden Anfang des 20. Jahrhunderts zerstört! Ich weiß es genau, ich wurde hier geboren, bin hier aufgewachsen und ich konnte nicht mehr zurückkehren. Die schwarzen Druiden haben alle Zugänge zerstört. Es gab furchtbare Kämpfe. So viele sind gestorben, und das Volk hier hat trotzdem verloren. Ich war zu der Zeit in Deutschland und danach konnte ich einfach nicht mehr zurück.“
„Ja, das stimmt, aber nur die magischen Zugänge wurden zerstört, nicht die unseren. Ich hatte völlig vergessen, dass es hier eine Zweigstelle gibt, ich bin auch noch nie hier gewesen.“
„Du meinst, ich hätte all die Jahre einfach hierher kommen können?“ Jane konnte es einfach nicht fassen. Sie dachte, sie könnte nie wieder nach Hause und dabei war es die ganze Zeit so einfach gewesen.
Sam schüttelte den Kopf und sah sie traurig an.
„Nein, hättest du nicht. Nur Engel können diese Portale benutzen und wie gesagt, wo man ankommt, ist reiner Zufall. Ich hatte gehofft, wir kämen an einem anderen Steinkreis raus. In der Höhle ist nur ein kleines Portal. Wenn wir dorthin zurückgehen, kann es sein, dass wir wieder auf Mull Hill landen oder woanders. Ich schlage vor, da dies deine Heimat ist, bleiben wir erstmal hier. Wir sollten uns ausruhen, du hast noch gar nicht geschlafen. Oder möchtest du lieber sofort von hier weg?“ Er sah sie eindringlich an. Janes Augen füllten sich mit Tränen.
„Ich.. nein, ich würde gern noch etwas hier bleiben. Sehen wie es den Leuten hier so geht und ob…“ Sie stockte, wandte sich ab und rieb sich die Augen. Es war bestimmt der Schlafmangel, der sie so rührselig machte.
Sam nahm sie wortlos in die Arme und so standen sie dort eine ganze Weile bis Doc sich wieder gefangen hatte. Schniefend blickte sie Sam an.
„Es tut mir leid. Ich bin sonst nicht so. Es ist nur so unerwartet. Ich habe versucht, damit abzuschließen. Dabei hätte ich einfach nur einen Engel suchen müssen, der mich herbringt. Du kannst dir nicht vorstellen, was ich alles versucht habe, um hierher zu kommen. Nicht nur ich, es gab auch noch andere, die verzweifelt versucht haben in ihre Heimat zu gelangen.“
„Jane, ich weiß zwar nicht, ob es das besser macht, aber es ist in keiner Schrift festgehalten dass es diese Portale gibt. Selbst wenn, du hättest keinen von uns finden können. Man kann uns nicht suchen. Wir finden das Schicksal, aber nicht umgekehrt.“

Seite 33

Jane verstand ihn nicht recht, aber es war ihr im Moment auch egal, sie wollte einfach nur herausfinden, wie das Leben sich auf Avalon verändert hatte und ob noch jemand hier lebte, den sie kannte. Sie machten sich auf den Weg den Felsvorsprung hinunter. Nach einer Weile veränderte sich der Pfad. Vor ihnen erhob sich eine Nebelbank, in die sie eintauchten. Momente später lichtete sich der Nebel und sie befanden sich in einem Wald, der so andersartig war, dass Sam staunend stehen blieb.
„Ich habe so viele Geschichten darüber gehört, aber es ist immer etwas ganz anderes so etwas selber zu sehen. Ich dachte, wir würden noch stundenlang dem Pfad folgen.“
„Ja, hier ist nicht alles so wie es scheint.“ Doc lächelte den Engel an. Die kräftigen Bäume hatten eine graue Rinde, die Blätter jedoch leuchteten in kräftigen Rot- und Purpurtönen. Der Boden war kupferfarbend. Hier und da wuchsen Büsche und Sträucher, die unglaublich schöne exotische Blüten trugen. Kleine regenbogenfarbende Kolibris flatterten umher. Doc zog Sam auf einen seichten Hügel.
„Siehst du da unten die Hütte? Wenn die Druiden in der Ausbildung sind, wohnen sie eine Zeitlang dort. Der Wasserfall in der Höhle ist eines unserer Heiligtümer. In seinem Wasser können unsere Seher ihre Visionen kanalisieren. Dort können wir eine Pause einlegen.“
Erinnerungen begleiteten sie auf jedem Schritt. Es hatte sich nichts verändert. Ihr Verstand konnte kaum begreifen, dass sie wirklich dort waren.
Die Tür der kleinen Blockhütte war unverschlossen. Sie bestand nur aus einem großen Raum. Es gab einen Kamin, einen Tisch mit Stühlen, an einer Wand standen mehrere Betten aufgereiht.
„Pah, ein bisschen Ikea-Einrischtung würde euch Insulanern wirklich gut tun.“ Ef-Ef gefiel die spartanische Ausstattung wohl eher nicht. Doc warf ihre Tasche auf den Tisch und ging zu einem der Betten.
„Hör zu Kleiner, wir machen hier nur einen Stopp.“ Sie legte sich auf eines der Betten. Sam setzte sich zu ihr.
„Jane, schlaf etwas. Ich passe auf, falls jemand hier auftaucht“, sagte er und strich sanft mit der Hand über ihre Stirn.
„Ich glaub nicht, dass jemand kommt…“ Jane war so erschöpft, dass sie unverzüglich in einen tiefen Schlaf glitt. Sie träumte von ihrer Kindheit. Von den Nächten in der Hütte und wie sie sich in die Dunkelheit hinaus geschlichen hatte und von ihren wenigen Visionen, als sie zur Seherin ausgebildet werdet sollte.
Ein Geräusch weckte sie. Sam hatte die Türe geöffnet und blickte hinaus. Sie rieb sich die Augen. Unglaublich, dass sie hatte einschlafen können. Endlich war sie zuhause und als erstes hielt sie ein Nickerchen. Der Traum hatte ihr bewusst gemacht, dass Sam ihr schon vor langer, langer Zeit in einer Vision erschienen war. Deshalb kam er ihr so vertraut vor. Sie hatte nie viel auf ihre Visionen gegeben, sie gehörten zu ihren weniger gut ausgeprägten Talenten. Träge setzte sie sich auf und schleppte sich zu Sam. Es war Sommer in Avalon. Ein lauer Wind trug lang vergessene Düfte in ihre Nase.
„Sam, lass uns weitergehen, ich zeige dir etwas und ich kann es kaum erwarten, ins Dorf zu kommen.“ Er sah sie prüfend an. Sie wirkte immer noch nicht fit. Der Schlaf, in den er sie versetzt hatte, war seiner Meinung nach zu kurz, aber er konnte ihr einfach nichts abschlagen.

Seite 34

Was wohl in ihr vorging? Er hätte gerne alles über sie erfahren. Er wusste, es war kein Zufall, dass sie sich getroffen hatten, ebenso wenig, dass sie in Avalon gelandet waren. Alles hatte seine Gründe. Sie stand schon draußen und lächelte ihn an.
„Na, komm schon! Sonst wird es gleich hell.“
Die beiden wanderten weiter durch den Wald. Der Pfad schimmerte silbrig, der Mond stand riesengroß und violettfarbend am Himmel. Die Szenerie war wirklich surreal und wunderschön.
Etwa eine Stunde später passierten sie wieder einen Nebel, verließen den Wald und standen auf einer Wiese. Sam stockte der Atem, als er tausende fluoreszierend leuchtende Blumen sah.
„Ist das nicht traumhaft?“ Doc lief mitten auf die Wiese, drehte sich mit ausgebreiteten Armen und ließ sich in das weiche Gras fallen. Blauleuchtende Kirschblütenblätter regneten auf sie nieder. Ihr Haar leuchte silbrig wie Mondschein. Langsam kam er ihr nach – vorsichtig, damit er keine der außergewöhnlichen Blüten zerstörte.
„Süper, ´ier siehts aus wie bei Avadings, kann man das Essen?“ Sam kniete sich zu Docs Tasche und berührte den kleinen miesgelaunten Hamster.
„Schlaf!“ Der Dämon rollte sich zusammen.
„Wow, ich hätte mir schon so manche Peinlichkeit erspart, wenn ich sowas könnte.“
„Ich hoffe, wir haben jetzt etwas Ruhe“, antwortete er grinsend.
Dann legte er sich neben sie, stütze den Ellbogen auf und sah auf Doc hinab. Seine Anziehungskraft schien in dieser Umgebung noch stärker zu werden.
„Ich könnte mir grade nichts Schöneres vorstellen, als mit dir hier zu sein.“ Fasziniert ließ er eine ihrer Haarsträhnen durch seine Finger gleiten. Sie tauschten einen langen intensiven Blick.
„Jane, die letzten Tage mit dir…“ Er sah weg. Doc legte sich auch auf die Seite und drehte seinen Kopf zu sich.
„Was?“
„Ich habe das Gefühl…, also zwischen uns ist etwas ganz Besonderes. Ich weiß, dass wir uns nicht wegen der Mission begegnet sind. Da ist mehr, viel mehr.“ Sie konnte den Blick nicht von seinen Lippen abwenden. Sie dachte an den Kuss in der Waschküche. Sie bekam eine Gänsehaut. Er kam näher. Sein Daumen strich über ihre Unterlippe.
„Das Schicksal macht keine halben Sachen“, hauchte er in ihr Ohr. Ja, dieser Engel brachte sie gehörig durcheinander. Sie biss sich auf die Lippe. Als er sie wieder küsste, wusste sie, dass sie zueinander gehörten, es schon immer getan hatten. Der Knoten in ihrer Brust, die verworrenen Gefühle zu Bowen, all das löste sich auf und ließ sie los. Sie war hier mit ihm, und nichts anderes zählte. Würde es je wieder tun. Sie griff in sein Haar, während seine Hände ihren Körper erkundeten. Jetzt, wo sie ungestört waren, überkam sie die Leidenschaft und sie überließen sich ihr. Als sich ihre nackte Haut berührte, keuchte sie. Sein Körper war Samt auf Stahl. Alles an ihm war perfekt. Sein Duft hüllte sie ein. Er rückte etwas von ihr ab und blickte sie aus fiebrigen Augen an. Kleine Goldsprenkel funkelten in seiner Iris.
„Daran habe ich von Anfang an denken müssen.“ Er begann ihren Körper mit Küssen zu bedecken.

Seite 35

„Du gehörst zu mir.“ Und jetzt hörte sie auf zu existieren.
Danach blieben sie atemlos eng umschlungen liegen. Die Sonne ging auf und tauchte alles in einen kupferfarbenden Schein. Sie stellte für sich fest, dass man im Leben immer wieder überwältigt wurde. Sam und sie gehörten zusammen. Seine Nähe stellte alles in den Schatten, und sie zweifelte nicht einen Moment. So hätte es immer sein sollen. Gemeinsam würden sie mit den Schwestern vom Sixpack und der Bruderschaft Dungeon besiegen.
„Sam, wir müssen weiter. Die Zeit hier auf Avalon verläuft langsamer. Es ist bestimmt schon eine Woche vergangen in Irland.“ Er murrte etwas und begann, ihre Kleidung aufzusammeln. „Wenn das alles vorbei ist, suchen wir uns wieder so ein Plätzchen und bleiben mindestens 100 Jahre dort“, verkündete er ihr unter Küssen und halt ihr in die Jacke.
Ja, das klang wirklich gut. Doch zuerst mussten sie ihren Auftrag erfüllen.

Sie machten sich auf den Weg in das Dorf.
Als sie am frühen Vormittag immer näher Richtung Küste kamen, konnte Sam schon von weitem die ersten Hütten erspähen. Doc sah einige Bewohner dort und atmete erleichtert auf. Nach wenigen Minuten erreichten sie einen Platz, um den sich die kleinen reetgedeckten Häuser säumten. Die Wesen dort hielten in ihrer Arbeit inne und beäugten die beiden misstrauisch. Dann begannen sie die Köpfe zusammenzustecken und zu tuscheln. Ein kleiner Junge flitzte zu einer etwas abseits gelegen Hütte und klopfte ziemlich aufgeregt gegen die Haustür.
„Merlin, mach auf… sie sind da!“
Als Doc den Namen hörte und sich die Tür öffnete, stand sie wie erstarrt. Das Verhältnis zu ihrem Vater war seit langer Zeit unterkühlt und allein die Tatsache, dass er noch am Leben war, reichte ihr eigentlich. Ein eindrucksvoller, großgewachsener Mann mit schulterlangen dunklen Haaren, Vollbart und geflochtenen Zöpfen an den Schläfen näherte sich ihnen. Er trug wie die anderen auch eine Art Kutte, doch war seine nicht blau, sondern hellgrau. Langsam ging er auf Doc zu. Sie warf einen hilflosen Blick zu Sam, der aufmunternd ihre Hand drückte.
„Jocelyn, wir erwarten euch schon seit gestern. Ailean hat eure Ankunft gesehen.“ In seinen durchdringenden blauen Augen, die ihren so ähnlich waren, las sie etwas, was sie nicht so recht deuten konnte. Klar, dass er sie nicht herzlich willkommen heißen konnte, sie erkannte den Tadel in seinem Blick. Es war so, als wäre sie gerade von einem Spaziergang zurückgegehrt.
„Merlin, ich bin auch froh, dich zu sehen. Wirklich schön, dass ihr noch alle am Leben seid. Ja doch, es ist auch für mich sehr überraschend, dass ich es noch einmal hierhergeschafft habe. Mir geht’s wirklich gut, danke der Nachfrage.“ Den Sarkasmus konnte sie einfach nicht aus ihrer Stimme heraushalten.
„Tut mir leid. Nun, ich denke, wir sollten uns zusammensetzen, kommt, seid meine Gäste.“ Er wies mit einer Handbewegung auf sein Haus.
„Hier haben wir zu viel Publikum“, sagte er so leise, dass nur sie es hören konnten. Kaum hatte sich die Tür hinter ihnen geschlossen, setzte das Getuschel draußen wieder ein.
„Jocelyn…“, setzte der Merlin noch einmal an.
„Jane, Vater, ich heiße, seit ich unter den Menschen lebe, Jane!“ Er presste die schmalen Lippen zusammen und beäugte sie einen Moment, dann unterzog er Sam einer eingehenden Musterung. Sie setzten sich an den Tisch, der mitten im Raum stand. Ein kleiner Elf brachte ihnen etwas zu trinken.
„Nun dann eben Jane, also, ich bin sehr froh, dass ihr hier seid. Das bedeutet, dass sein Ende sehr nah ist.“ Kryptische Aussagen, eine Spezialität von ihm, dachte Doc und sah sich in dem Raum um. Nicht viel hatte sich in ihrer Abwesenheit verändert.
„Wovon sprecht ihr?“ Doc zuckte zusammen als sie Sams Stimme hörte. Sie hatte ganz vergessen, dass er neben ihr saß, so sehr wurde sie von den Erinnerungen an dieses Haus eingenommen.
„Dungeon“, fuhr ihr Vater fort und sah ernst zu Sam, „ihr habt die Schachtel und ihr werdet ihn mit den anderen Kriegern vernichten. Wir beobachten das Geschehen in der Welt genau. Ailean, eine meiner Schülerinnen, ist eine ausgesprochen talentierte Seherin. Sie hat nicht nur Visionen, sie kann auch in dem Wasser der Erkenntnis die Gegenwart in eurer Welt sehen. Daher wussten wir, dass ihr hier auftauchen würdet – nur den genauen Zeitpunkt nicht. Und deshalb müsst ihr zurück, um dem ganzen endlich ein Ende zu bereiten. Dungeon hat nur noch einen schwarzen Magier, der treu zu ihm steht. Wenn auch dieser stirbt, dann löst sich endlich der Bann, der uns hier festhält.“
„Man, du freust dich ja richtig, dass ich hier bin“, platze Doc heraus und verschränkte demonstrativ ihre Arme. So hatte sie sich ihr Wiedersehen nicht vorgestellt!
„Das tue ich wirklich, Jocelyn… Jane. Aber diese Angelegenheit hat nun mal Vorrang. Wenn ihr Dungeon besiegt habt, kannst du hier wieder ein- und ausgehen wie früher, dann ist auch genügend Zeit für ein ausgedehntes Wiedersehen. Aber nicht jetzt. Dungeon versucht unsterblich und unbesiegbar zu werden. Der Magier namens Battle, der noch bei ihm ist, arbeitet an einem besonderen Elixier.“
„Ihr habt gesehen, dass wir ihn erfolgreich schlagen?“, fragte Doc ungläubig, nippte an ihrem Kräutertee und wünschte sich sofort einen starken Kaffee herbei. Sie hatte den eigenwilligen Geschmack ihres Vaters in Bezug auf Tees vollkommen vergessen.

Seite 36

„Nein, alles zeigt sich uns nicht, aber wir haben Teile des Kampfes gesehen, und wenn er in diesem Kampf nicht fällt, dann wird er nicht mehr zu vernichten sein.“ Doc und Sam tauschten einen verständigen Blick.
„Ein Engel als Gefährte ist ein ganz außergewöhnliches Geschenk, mein Kind, wir sehen es als gutes Omen. Nun müsst ihr euch auf den Weg machen.“
„Kann uns Ailean vielleicht diese Bilder zeigen?“ Jane wollte es mit eigenen Augen sehen.
„Wir können es versuchen, aber nur kurz, dann müsst ihr wirklich los, die Zeit drängt!“
Ein kleines 8-jähriges Mädchen mit langen, rotgelockten Haaren saß in einem kleinen Vorgarten vor einer schäbigen Hütte und schaute verträumt zum Himmel auf. Als sie Merlin und seine Begleitung bemerkte, sprang sie sofort auf, nickte ihnen wissend zu und verschwand ohne ein Wort in der Hütte. „Das ist Ailean?“, fragten Doc und Sam verwundert wie aus einem Mund. Merlin nickte nur und führte sie zu einem steinernen, mit Runen überdeckten Altar, der gleich neben der Tür aufgebaut war.
„Sie kehrt gleich zurück, habt Geduld.“ Doc gingen tausend Sachen gleichzeitig durch den Kopf bis Ailean mit einer bronzene Schale, in der sich einfaches klares Wasser befand, erschien. Auf dem Grund der Schale waren die gleichen Runen wie auf dem Altar zu sehen. Ailean stellte sie auf den Altar und blickte lange hinein, ihre Augen nahmen einen silbrigen Ton an. Gleichzeitig begann sie leise eine fremdartige Melodie zu summen. Die Wasseroberfläche begann sich zu kräuseln. Gespannt beugten sich Sam und Doc über die Schale und beobachteten, wie sich das Wasser klärte und ein Bild sich heraus kristallisierte. Doc sah jedoch nicht Dungeon oder irgendeine Art Kampfgeschehen. Ihr stockte der Atem. Sie sah ein schmuckloses weißes Zimmer, ein Bett und ihre Kampfschwester Angie. Bewegungslos und totenbleich lag sie mit geschlossenen Augen da.
„Nein, das darf nicht sein!“, hauchte Doc entsetzt und eine eiserne Faust umklammerte ihr Herz. Sam legte einen Arm um sie, dann verschwand das Bild und ein neues entstand. Sie sah wie Dungeon in einen Abgrund stürzte und eine Gestalt, die sie nicht erkennen konnte, ihn dabei umklammerte und auf seinen Brustkorb einhieb. Auch dieses Bild löste sich auf und das Wasser wurde wieder klar. Doc und Sam richteten sich wieder auf, als Ailean ein fliederfarbenes Tuch über die Schüssel deckte.
„Angie, oh Gott. Was ist mit ihr? War das die Zukunft?“ Doc sah das Mädchen fragend an, doch es lächelte nur geheimnisvoll und nahm die Schüssel wieder in die Hand.
„ Vielleicht die Gegenwart? Oder die Vergangenheit? Wenn man bedenkt, dass die Zeit hier anders verläuft, wer kann das schon sagen?“ Doc war diese kryptische Antwort zu vage.
„Sam, wir müssen sofort zurück! Angie lag in einem Krankenhaus, da bin ich mir sicher. Ich muss wissen, was mit ihr ist und wo sie ist. Vielleicht kann ich… können wir ihr helfen.“ Doc verschwendete keinen Gedanken mehr an Dungeon oder daran, dass sie in Avalon bleiben wollte. So schön es hier auch war, sie wollte immer fortgehen, um das Leben zu erkunden, studieren, den Fortschritt miterleben, den die Technik und die Wissenschaft brachten. Einzig das ihr der Zugang versperrt war, hatte ihr vorgegaukelt, dass sie hierher gehörte. Jetzt wusste sie es besser. Außerdem konnte sie, wenn der Drachen vernichtet war, nach Belieben wieder herkommen, wenn sie das überhaupt noch wollte. Doch jetzt war nur eines wichtig. Sie blickte zu Merlin.
„Ich verstehe schon, “ sagte dieser und griff ihr Hände, „ich bitte dich nur darum, dass du wiederkommst. Es gibt noch so vieles zu sagen und zu klären, was zwischen uns steht.“ Sein trauriger Blick rührte sie und so nickte sie zustimmend. Im Grunde genommen wollte sie ja mit ihm ins Reine kommen, doch das musste jetzt warten. Eine ihrer Schwestern war in Gefahr, und nur das zählte in diesem Augenblick. Merlin begleitete Doc und Sam noch bis zum Portal. Unterwegs kam Doc der Gedanke, dass sie ja gar nicht wusste, wo Angie sich befand. Das konnte überall auf der Welt sein. Doch Sam beruhigte sie.
„Wir fangen auf dem Anwesen an. Duncan wird mehr wissen. Und bevor du fragst, ich weiß wo es liegt. Außerdem haben wir ja noch Ef- Ef. In dem kleinen Dämon steckt mehr als alle vermuten.“ Der kleine Dämon verschlief unterdessen die ganze Aufregung und Doc hatte auch nicht vor, ihn früher als nötig zu wecken. Eilig verabschiedete sie sich von Merlin und eilte mit Sam zur Höhle zurück. Als sie einen halben Tag später das Portal erreichten, sprach Sam wieder diese fremdartigen Worte und die regenbogenfarbende flirrende Membran erschien. Ohne viel Zeit zu verlieren, Schritten sie hindurch. Ihre Gedanken waren bei Angie. Als sie am anderen Ende von dem Portal ausgespuckt wurden, geriet sie ins Stolpern. Doch Sam hielt sie fest. Sie blickte sich um, wenn sie nicht alles täuschte, waren sie in Stonehenge gelandet. Erleichtert atmete sie auf.

Seite 37

„Bitte sage mir, dass wir totales Glück haben und dass hier wirklich Stonehenge ist!“
„Wo sollten wir denn sonst sein, das riescht man doch!“ Ef-Ef, der durch die Portalsreise wieder wach geworden war, bedachte Jane mit einem Blick, als ob sie nicht ganz zurechnungsfähig wäre. Dann widmete er sich, vor sich hin meckernd über seine Auszeit, ausgiebig der Fellpflege in Sams Manteltasche
„Er hat Recht, die Wahrscheinlichkeit hier zu landen ist hoch, schließlich ist Stonehenge eine Art Portal-Hauptbahnhof. Wie dem auch sei, wir sollten jetzt weiter.“ Jane war noch leicht schummrig, aber der Engel hielt sie fest und sah sich in alle Richtungen um.
„Da!“, er zeigte nach rechts, „wir müssen nach Norden, dort liegt das Anwesen.“ Weil Jane immer noch etwas blass aussah, machten sie sich erstmal zu Fuß auf den Weg. Sam brachte Ef-Ef auf den neuesten Stand und Doc hing ihren Gedanken nach. Zu Fuß würden sie ewig brauchen, mit einem Auto einen ganzen Tag. Es war jetzt schon früher Nachmittag und jede Minute zählte.
„Sam, wenn wir fliegen sind wir doch bestimmt schneller, oder?“ Auf sein zustimmendes Nicken hin, fasste sie sich ein Herz.
„Okay, dann haben wir wohl keine Alternative… und bitte lass mich nicht fallen.“ Mit großen Augen sah sie zu Sam hoch. Schmunzelnd umfasste er sie.
„Niemals.“ Da schwang er sich auch schon mit ihr in die Luft. Doc schloss die Augen und versuchte über irgendetwas nachzudenken, nur nicht darüber, dass sie hunderte von Metern über dem Boden war und von Sams starken Armen abhängig. Ob Engel Schwächeanfälle bekamen? Sie verdrängte die aufkeimende Angst und dachte an Angie. Gott, Angie, wenn ihr nun etwas Schreckliches passiert war? Sie hätten sich alle niemals trennen sollen. Auf der Insel hätten sie bleiben sollen, alle zusammen!
„Alles in Ordnung?“ Sams Stimme an ihrem Ohr holte sie zurück in die Gegenwart.
„Hm, ja, nein, ach ich weiß nicht.“
„Schlaf Jane, wir sind bald da. Ich schwöre dir, ich lasse dich nicht fallen, wenn dann stürzen wir zusammen. Schlaf jetzt!“ Sie wollte noch erwidern, dass es nicht wirklich beruhigend war vom Abstürzen zu sprechen, doch seine Stimme nahm wieder diesen mehrstimmigen Ton an, sie konnte nicht mehr als ein Seufzen von sich geben, als sie von Dunkelheit umhüllt wurde.
Ob Sam sie weckte oder ob es an der unsanften Landung lag, konnte sie später nicht sagen. Es war dunkel und sie lag auf feuchtem Waldboden. Sam auf ihr, und es motzte tüchtig aus der Tasche.
„Mon Dieu, wir müssen mon Angel retten und du zerquetscht mich hier. Isch möschte so nicht sterben. Wer zum Henker hat dir das Landen beigebracht?“

Seite 38

„Ach, sei still!“ Das war das erste Mal, dass Sam etwas gereizt reagierte. Aber ein Blick in sein Gesicht verriet Doc den Grund. Er war am Ende seiner Kräfte. Keuchend rollte er sich von ihr runter und blieb, alle Viere von sich gestreckt, japsend liegen. Seine samtschwarzen Flügel waren wieder auf magische Weise verschwunden. Sie strich ihm eine Locke aus der Stirn. Er war total durchgeschwitzt und hatte Ringe unter den Augen.
„Sam?“ Er stieß laut die Luft aus und stand langsam auf. Die Hände auf den Knien abgestützt, sah er sie erschöpft an.
„Ich bin etwas aus der Puste, auch wenn du wirklich eine tolle Figur hast, du bist ganz schön schwer! Zum Glück hab ich es bis hierhin geschafft.“ Da war er wieder. Schief grinste er sie an.
„Pfff. Schwer!“ Doc stand lächelnd auf und klopfte sich den Dreck ab.
„Ist das Anwesen unterirdisch?“
„Nein.“ Sam ging in Richtung der kleinen Schotterstraße die von der Baumgruppe aus zu sehen war und legte auf den vordersten Baumstamm seine Hand. Wenig später erschien ein Tor, das von einer gigantischen Mauer gesäumt wurde. Doc hatte kaum Zeit dieses wunderschöne Kunststück zu betrachten, denn da öffnete es sich. Als sie hindurchtraten, musste sie für einen Augenblick innehalten. Ein Park erstreckte sich vor ihnen, dahinter befand sich das gigantische Anwesen, das sich in mehrere Einheiten unterteilte. Zögernd blickte sie den Engel an. Sam zeigte in Richtung eines weiter entfernt liegenden grauen zweistöckigen Gebäudes.
„Dort sind die Quartiere der Ordensmitglieder.“ Kaum hatte er es ausgesprochen, lief Doc an einem großen schwarzen Stein vorbei quer durch den Park. Für die genauere Erkundung ihrer Umgebung, war jetzt keine Zeit. Sei hatte ihr Ziel fest im Blick. Sam strauchelte ihr hinterher, konnte aber noch erstaunlich gut Schritt halten. Da sich an der Tür, über der eine schwarze Orchidee angebracht war, keine Klingel befand, hämmerte Doc mit der Faust dagegen.
„Aufmachen“, schrie sie und rüttelte am Türknopf, aber nichts bewegte sich. Sie wollte schon Anlauf nehmen und mit der Schulter dagegen rammen, da öffnete eine streng aussehende, verwirrt guckende ältere Dame die Tür. Doc rannte mit Schwung hinein, kam schlitternd zum Stehen.
„Hi, Angie? Wo ist sie? Ist sie hier? Ich muss sofort zu ihr.“ Sam betrat kurz nach ihr die Eingangshalle, wischte sich über die Stirn und wandte sich an die verwirrt blickende Frau. „Mary, richtig?“ Die Frau nickte und musterte Sam. Wiedererkennen glomm in ihren Augen auf, dann lächelte sie herzlich.
„Sam! Wir dachten du wärst…“ sie brach ab. Blickte wieder Doc an, die unruhig hin und her schaute.
„Die beiden sind oben, aber sie können jetzt unmöglich zu ihnen.“ Doc erspähte die große Freitreppe, die ins obere Stockwerk führte, sprang an Mary vorbei und lief darauf zu. Zwei Stufen auf einmal erklimmend, rannte sie nach oben als ob der Leibhaftige hinter ihr her wäre. Sie gelangte auf einen Flur und sah sich um. Beide Seiten waren von gleich aussehenden dunklen Holztüren gesäumt, auf denen Namen standen. Ihr Blick wanderte nach links auf die erste Tür.

Seite 39

Volltreffer! In mittelalterlich anmutenden Lettern stand dort Duncan Thorpe. Sie hörte Sam diskutierend die Treppe heraufkommen, gefolgt von der Frau namens Mary, die versuchte, ihn und auch Doc von ihrem Vorhaben abzubringen. Beherzt griff Doc an den Türgriff, drehte den Knauf und stieß die Tür auf. Schwungvoll knallte sie an die Wand. Was würde sie erwarten? Mit einem Knoten im Magen betrat sie den Raum. Überrascht blickte sie auf das Sofa.
„ANGIE! Du lebst ja noch!“ Duncan erhob sich aus seiner beschützenden Haltung, er dachte eindeutig, eine Gefahr wäre im Anmarsch. Die Hände in die Hüften gestemmt, baute Doc sich vor Angie auf.
„Du kannst dir gar nicht vorstellen was ich mir für Sorgen um dich gemacht habe, ich dachte, du wärst schwer krank oder schlimmer noch. Ich habe dich und Duncan in so einem kahlen Raum liegen sehen, ihr habt beide keinen Mucks gemacht.“ Angie sprang auf und fiel ihr um den Hals.
„Jane, wo kommst du denn her?“ Dann warf sie einen interessierten Blick nach auf Sam und schaute Doc wieder an. Vor lauter Erleichterung und Wiedersehensfreude fingen beide an zu kichern. Sam, der alles vom Flur aus beobachtet hatte, täuschte noch Anstand, klopfte an den Türrahmen und trat vorsichtig ein.
Duncan konnte kaum glauben, wen er da vor sich sah.
„Ich fasse es nicht.“ Freudig ging er auf Sam zu. Die beiden schüttelten die Hände und klopften sich auf die Schultern.
„Lange ist es her. Ihr kommt gerade recht, heute Abend ist hier eine kleine Feier. Morgen ist dann eine Besprechung darüber, wie wir weiter in Sachen Dungeon vorgehen. Ich gehe doch recht in der Annahme, dass du deshalb auch aus der Versenkung aufgetaucht bist?“ Sam warf einen Blick auf Jane, die sich mit Angie auf das Sofa gesetzt hatte und sich aufgeregt mit ihr unterhielt.
„Ja das ist einer der Gründe. Jane und ich haben auch Etwas, das uns dabei helfen wird.“ Duncan zog eine Braue hoch, nickte dann aber einfach nur.
„Ich habe noch einen guten Whisky unten, lassen wir die beiden doch allein und du erzählst mir alles in Ruhe.“

Ende

Fortsetzung folgt …

Kapitel 2: Seitensprung der Sisterhood – Engelsduft

Kapitel 1: „Seitensprung der Sisterhood – Doc Jane in geheimer Mission“ findet sich hier!

Copyright © Seitensprung der Sisterhood

Angie, Doc und Kerstin sind bekennende Fans der Autorin J.R. Ward und der von ihr geschriebenen mittlerweile 16-teiligen Black Dagger-Serie.

Die drei Ladies haben sich hier vor fast zwei Jahren zufällig getroffen und halten seitdem einen regen Austausch über die Liebe und das Leben, Lust und Frust – in erster Linie allerdings über Männer! Unermüdlich sind sie auf der Suche nach der Idealbesetzung der anziehenden Helden der Bruderschaft der Black Dagger. Logisch, dass die im wahren Leben schwer zu finden sind. 😉

Am 08. Februar 2011 ist der 16. Band der Black Dagger-Reihe erschienen. Die Black Dagger-Ladies warten schon jetzt auf den 17. Teil, der im Juni 2011 auf den Markt kommen soll.

Der Zuckerberg! 😉

Black Dagger for crazy Ladies: NS-Island

Angie, Doc, Kerstin, Lilli und Lucy sind bekennende Fans der Autorin J.R. Ward und der von ihr geschriebenen, mittlerweile 14-teiligen, Black-Dagger-Serie.

KreuzfahrtschiffDie fünf Ladies haben sich hier vor ca. einem Jahr zufällig getroffen und halten seitdem einen regen Austausch über die Liebe und das Leben, Lust und Frust – in erster Linie allerdings über Männer! Unermüdlich sind sie auf der Suche nach der Idealbesetzung der  anziehenden Helden der Bruderschaft der Black Dagger. Logisch, dass die im wahren Leben schwer zu finden sind. 😉

Limousine mit Chauffeur Marcus

Und so entwickelt sich das abwechslungsreiche, amüsante Leben auf NS-Island ständig weiter. Die „Schnittensammlung“ wächst stetig. Inzwischen wurden fast 500 in den illusteren Kreis aufgenommen. Einige besonders nette Exemplare haben es sogar in die Moderatoren-Crew des beliebten Radiosenders der Insel geschafft. (Derzeit sind die Ladies auf der Suche nach einem dritten neuen Praktikanten) 😉

Um sich die Zeit zu vertreiben, haben die Ladies in ihrem Insel-Domizil einen Online-Roman mit dem „Arbeits-Titel“ Black Dagger Ladies Online geschrieben. Das Projekt ist seit Juli 2010 abgeschlossen. Seitdem schreiben die Ladies an einer Fortsetzung unter dem Titel „Seitensprung der Sisterhood“. Nachdem am Ende des ersten Romans alle wieder mehr oder weniger wohlbehalten zur Insel zurückgekehrt waren, sind sie nun schon wieder unterwegs zu neuen Abenteuern. Während Doc Jane nach einer geheimnisvollen Schachtel in Irland sucht, haben sich Angie, Kerstin und Lilli auf den Weg nach Schottland, Neuseeland und Argentinien gemacht. Alle wollen die Verwandtschaft ihrer neuen Geliebten kennenlernen. Da warten schon so einige Überraschungen auf sie. Na ja, wie sich zeigt, sind die Familienangehörigen von Vampiren und Drachen auf jeden Fall ungewöhnlich.

Das Ergebnis ist immer noch lustig, schräg und ein wenig chaotisch  – und im Vordergrund steht auch immer noch der Spaß an der Sache! 😆

Seitensprung der Sisterhood

Kapitel 1
Kerstin unter Drachen

Wie lange der Flug schon gedauert hatte, wusste Kerstin nicht. Drago und sie waren schon kurz nachdem sie an Bord gegangen waren eingeschlafen. Nun hatte sie Dragos Stimme geweckt und verschlafen öffnete sie die Augen. Es hörte sich an, als würde er Selbstgespräche führen. Da wurde ihr bewusst, dass er telefonierte. Nachdem er bemerkt hatte, dass Kerstin aufgewacht war, verabschiedete er sich kurz und knapp und drehte sich zu ihr.
„Ah, er hat mit seiner Schwester telefoniert“, dachte sie.
„Ja, das habe ich“, beantwortete er ihre Gedanken und zwinkerte ihr dabei zu. An die Gabe des Gedankenlesens hatte Kerstin sich noch immer nicht richtig gewöhnt. Sie streckte sich und hatte plötzlich das Verlangen nach einem großen Pott Kaffee. Mit kleinen Tassen konnte sie nichts anfangen. Gerade als sie Drago bitten wollte ihr eine zu besorgen, kam jemand mit einem Tablett voller kleiner Köstlichkeiten aus dem vorderen Teil der Kabine. Und es duftete nach Kaffee. Kerstin wurde ganz kribbelig. Als sie tatsächlich eine große Tasse Kaffee in den Händen hielt, zeigte sich ein breites glückliches Grinsen auf ihrem Gesicht. Drago lachte laut.
„Was?“, fragte sie leicht irritiert.
„Du siehst einfach himmlisch aus, wenn du dich über so etwas Banales wie eine große Tasse Kaffee freust. Ich wusste nicht, dass du so leicht zufrieden zu stellen bist“, neckte er sie. Kerstin ließ sich aber nicht ärgern und streckte ihm nur die Zunge raus. Das war nicht sehr damenhaft, aber ungemein befreiend. Drago lachte wieder. Nachdem sie den ersten Schluck genossen hatte, blickte sie Drago ernst an. Jetzt oder nie, dachte sie im Stillen, schließlich blieb ihr nicht mehr viel Zeit bis zur Landung und bislang war er ihren Fragen nach seiner Familie stets ausgewichen.
„Okay, mein Schatz. Dann erzähl mir doch bitte ein bisschen von deiner Familie und von Neuseeland. Was muss ich beachten. Welches Fettnäpfchen sollte ich besser aus lassen?“ Sie wusste aus Erfahrung, wenn es irgendwo ein Fettnäpfchen gab, traf sie es bestimmt. Drago lehnte sich in seinem Sitz zurück und blickte aus dem Fenster. Kerstin versuchte seine Gedanken zu lesen, aber er verbarg sie vor ihr. Und das gefiel ihr nicht. Nervös nahm sie einen weiteren Schluck Kaffee. Aber er antwortete noch immer nicht.
„Oh, mein Gott, ist es so schlimm mit mir, dass du nicht weißt, wo du anfangen sollst?“ Leichte Panik stieg in ihr auf. Drago drehte sich zu ihr und nahm ihre Hand.
„Nein, eigentlich sind da keine Fettnäpfchen, in die du treten könntest. Ich möchte dich nur darum bitten, dass du dich nicht zu sehr erschreckst.“ Kerstin schaute ihn verdutzt an. Er konnte die kleinen Fragezeichen in ihren Augen förmlich sehen.
„Nun, es ist so“, begann er, „dass meine Familie seit Anbeginn in einem Vulkan lebt. Er heißt Taranaki. Nun ja, …und sie leben dort so wie sie geboren wurden – also in Drachengestalt. Es ist der einzige Ort, an dem sie sie sich so geben können wie sie möchten.“ Er machte eine kleine Pause, um Kerstin Gelegenheit für einen Aufschrei oder Ähnliches zu geben, aber sie war völlig sprachlos. „Natürlich wissen einige Bewohner in dem angrenzenden Tal Bescheid“, fuhr er fort, „aber sie akzeptieren meine Familie wie sie ist und profitieren von unserer Stärke und genießen unseren Schutz. Ich hoffe, du kannst das verstehen …?“ Sprachlos starrte Kerstin ihn an. Nachdem sie sich wieder gefangen hatte, sagte sie nur:
„Okay, das verstehe ich.“ In Wirklichkeit verstand sie natürlich gar nichts. Sie wusste zwar, dass Drago einer Drachenfamilie entstammte, aber auf die Idee, dass sie es nun mit leibhaftigen Drachen zu tun bekommen sollte, wäre sie nie gekommen. Ermutigt durch Kerstins cooler Reaktion und sichtlich erleichtert, erzählte Drago also weiter.
„Wir zeigen uns äußerst selten einem Menschen in Drachengestalt. Aber auch bei uns gibt es ein paar Exemplare die, nennen wir es mal …unverbesserlich …sind. Dazu gehören meine Brüder, mein Vater und mein Cousin.

Seite 2

Ich glaube, man könnte sie mit Eigenbrötlern in der Menschenwelt vergleichen.“ Kerstin musste lachen, sie glaubte ihm natürlich kein Wort.
„Ach so, nach dem Motto, entweder du akzeptierst mich wie ich bin, oder du lässt es ?“
„Ja, so ungefähr. Was ich dir damit eigentlich sagen wollte, ist, erschreck dich bitte nicht, wenn dir bei der Begrüßung ein Drache seine Pranke reicht.“ Kerstin strahlte Drago an und gedanklich ließ sie ihn wissen, dass es für sie kein Problem war. Ganz im Gegenteil, sie freute sich inzwischen richtig darauf endlich Dragos ungewöhnliche Familie kennenzulernen. Dargo war offensichtlich ein riesiger Stein vom Herzen geplumpst. Er strahlte sie an, nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie leidenschaftlich. Durch die kleinen Fenster des Flugzeugs trafen die ersten Sonnenstrahlen in die Kabine. Beide schauten hinaus und hießen den sich ankündigenden Morgen willkommen. Es war atemberaubend zu sehen, wie sich die Sonnenstrahlen durch die dicken Wolken brachen. Durch einige Lücken in der Wolkendecke konnten sie plötzlich Wälder und Felder erkennen. Genau in diesem Moment erklang über den Lautsprecher die Aufforderung sich anzuschnallen. Kerstin atmete tief durch, denn so langsam wurde sie doch wieder nervös.
Als sie gelandet waren, wartete am Ende der Rollbahn eine große Limousine; genauer gesagt ein Hummer. Kerstin blieb der Mund offen stehen. Sie hatte ja schon viele schöne Autos gesehen, aber dieses war ein besonderes Exemplar. Vor ihnen stand ein original H2 Brabus. Überall glänzte Chrom. Die 28 Zoll Felgen steckten in 325/35er Schlappen. Der Motor lief als sie darauf zu gingen. Sie konnten förmlich die Kraft des 6,2 Liter V8 Motors mit seinen gestärkten 480 PS knurren hören. Die FOX-Sport-Auspuffanlage tat sein übriges dazu. Ein Geräusch, das bei Kerstin in der Magengegend ein angenehmes Kribbeln freisetzte. Drago schob die immer noch verdutzte Kerstin in Richtung Auto und öffnete eine der Flügeltüren, während einer der Angestellten das Gepäck im Heck verstaute. Drago musste über Kerstins Gesicht lachen.
„Ah, also nicht nur mit Kaffee kann man dich zufrieden stellen, sondern auch mit schicken Autos?“ Aber Kerstin beachtete ihn gar nicht. Auch der Innenraum war ein Traum. Ein cremeweißer Teppich mit Trivlemuster bedeckte den Boden. Farblich dazu passend waren die Pilot-Sitze in Alcantara überzogen. Zwischen den Sitzen waren kleine Tischchen angebracht, die genügend Platz boten, um
Getränke abzustellen. Für angenehmes Licht sorgten eine beleuchtete Bar und ein glitzernder Sternenhimmel.

Seite 3

Diverse Displays und eine Anlage mit Subwoofer-Lautsprechern rundeten das luxuriöse Ambiente ab. Im Hintergrund war Linkin Park zu hören.
„Äh, wie viel Watt hat die Anlage?“ Eigentlich eine überflüssige Frage, aber Kerstin wollte es genau wissen.
„Oh“, sagte Drago, „ich glaube, so um die 1360 Watt“. Wow, mehr als sie erwartet hatte. Langsam setzte sich der Wagen fast schwebend in Bewegung. Das Fahrwerk war so gut gefedert, dass man keine Bodenwelle spürte. Selbst der Champagner, der in Gläsern bereitgestellt war, schwappte nicht über.
„Das nenn ich mal ein ausgewogenes Fahrgefühl“, sagte Kerstin voller Ehrfurcht und strich dabei mit den Fingerspitzen abwesend über den Sitz.
„Hast du dich denn immer noch nicht sattgesehen an dem Ding… ähm … ich meine Auto?“, fragte Drago etwas schnippisch. Als Kerstin Drago ansah, musste sie laut lachen.
„Hey, du bist doch wohl nicht eifersüchtig auf ein Auto? Entschuldige, ja, du hast recht, aber es ist schon sehr lange her, dass ich so einen traumhaften Wagen gesehen habe. Ich habe doch nun mal eine Schwäche für schöne Autos.“ Drago verdrehte die Augen.
„Na klasse, dann werde ich wohl Luft sein, wenn du erst in unsere Garage gesehen hast… Kerstin horchte auf.
„Ihr habt noch mehr Meisterwerke wie dieses hier?“ Ihre Augen glänzten.
„Ja, haben wir. Oh man, hätte ich doch nur nichts gesagt“, antwortete Drago völlig genervt. Kerstin rückte ein Stück näher an Drago heran und legte ihre Arme um seinen Hals. Er nutzte die Gelegenheit und zog sie auf seinen Schoß.
„Sorry, ich wollte dich nicht nerven, wie kann ich das nur wieder gutmachen?“, sagte Kerstin und schaute ihm dabei tief in die Augen. Drago nahm Kerstins Gesicht in seine Hände und küsste sie innig. Sie spürte eine leichte Hitze in sich aufsteigen und küsste ihn leidenschaftlich zurück. Seine Hände wanderten forschend ihren Rücken entlang und verursachten eine leichte Gänsehaut. Kerstin spürte förmlich wie sich jedes einzelne Härchen aufstellte. Plötzlich wurde die Wagentür aufgerissen, die  fast aus den Angeln flog. Völlig überrascht starrten beide hinaus. Ein Schrei war zu hören und jemand kam in das Wageninnere gestürmt.

Seite 4

Kerstin war im Begriff sich eine einigermaßen gute Verteidigungsposition suchen, als Drago plötzlich laut auflachte. Erstaunt sah sie ihn an und folgte dann seinem Blick zur Wagentür. Da stand doch tatsächlich ein kleiner Drache vor ihnen. Ob männlich oder weiblich ließ sich auf Anhieb nicht so genau sagen. Nicht größer als 1,50 Meter schimmerte er giftgrün, eine orangefarbene Federboa zierte seinen dünnen Hals. Er hatte kleine Flügel, die von der Größe her überhaupt nicht zu dem Rest seines massigen Körpers passten. Mitten im Hummer stehend, nahm er die Position eines albernen US-Talkmaster an, streckte die Hände in die Höhe und rief voller Begeisterung:
„Tadaaa… unser Drago ist wieder da.“ Dabei quietschte er voller Begeisterung und lachte laut. Dann kam er auf Drago und Kerstin zugestürmt, sodass der ganze Wagen anfing zu wackeln. Dass er die beiden in einem ganz intimen Moment gestört hatte, schien er gar nicht bemerkt zu haben. Er hatte nur noch Augen für Drago. Etwas unsanft schob er seinen kleinen massigen Körper an Kerstin vorbei und nahm Drago in seine kurzen massigen Arme. Er quietschte wieder so laut, dass Kerstin sich die Ohren zuhalten musste.
„Oh Drago, bist du endlich mal wieder zu Hause. Hast dich die ganze Zeit nicht gemeldet, du böser Junge. Aber jetzt bist du endlich wieder da – wie schööön.“ Er ließ Drago gar nicht zu Wort kommen. Sanft aber bestimmt schob Drago den kleinen Drachen von sich und strahlte ihn an.
„Na, Gunther, meine kleine Tucke. Alles gut im Vulkan?“, fragte Drago. Gunther plusterte seine Bäckchen auf.
„Du sollst mich doch nicht immer so nennen“, antwortete der Drache und boxte Drago in die Rippen. Die vertraute Art der beiden ließ Kerstin schmunzeln. Dann spürte sie Gunthers Blick auf sich und wurde sofort wieder ernst. Er neigte den Kopf zur Seite und forderte Kerstin mit einer Handbewegung auf, sich einmal im Kreis zu drehen. Etwas widerstrebend tat sie es. Als sie ihre Pirouette beendet hatte, strahlten sie zwei riesige bernsteinfarbene Augen an. Kerstin hatte so eine leichte Vorahnung von dem, was jetzt passierte. Sofort legte er seine kleinen Arme um ihre Taille und drückte sie so stark an sich, das Kerstin das Gefühl hatte zu ersticken. Sie erwiderte seine Umarmung, wobei sie sich etwas nach unten beugen musste, da ihr der Drache gerade bis unter die Brust reichte. Die winzigen Stacheln seiner Frisur kitzelten an ihrer Nase. Sie blickte auf das sehr blonde Haar und dann zu Drago. Der zuckte nur mit den Schultern und wartete darauf, dass Gunther sich endlich von Kerstin löste. Aus Erfahrung wusste er, dass es keinen Zweck hatte die unendliche Freude der kleinen Frohnatur zu unterbrechen. So war Gunther nun mal, nichts und niemand vermochte es ihn aus seiner Stimmung reißen. Er hatte immer ein Lächeln und auf den Lippen und plapperte gern wie ein Wasserfall. Endlich ließ Gunther von Kerstin ab und wandte sich wieder an Drago.
„Oh, sie ist so süß. Ein bisschen dünn vielleicht aber, mein Gott, ist die süüüß“, quietschte er wieder. „Hach, wir werden bestimmt gute Freunde, nicht wahr?“ Erwartungsvoll schaute er Kerstin an und diese konnte nur bestätigend nicken.
„So, nun wollen wir aber reingehen. Die anderen warten auch schon, und du weißt, dass deine Mutter es hasst, wenn man sie warten lässt. Husch, husch.“ Erst jetzt hatte Kerstin die Möglichkeit sich um zusehen. Der Wagen hatte direkt vor einer Höhle gehalten. Ein riesiges Holztor, das bestimmt 10 Meter in die Höhe ragte und mit imposanten Schnitzereien verziert war, versperrte den Weg. Auf dem Holz waren verschiedene Kampfszenen zu sehen, bei denen Kerstin nicht erkennen konnte, aus welcher Zeit sie stammten. Drago bemerkte ihr Interesse und sagte:
„Das haben unsere Vorfahren anfertigen lassen. Immer wenn einer von ihnen aus einem Kampf zurückgekehrt war und seine Geschichten erzählt hatte, begannen einige der Zimmermannsleute mit den Schnitzereien. Du siehst also einen Teil unserer Familiengeschichte an dem Tor.

Seite 5

Kerstin hatte seinen Worten gelauscht und war noch immer dabei die kunstvollen Schnitzereien zu betrachten, als Gunther plötzlich zu schnattern begann:
„Wenn die Süße jetzt nicht langsam ihren zarten Hintern in Richtung Eingangshalle schiebt, dann werde ich wirklich böse.“ Dabei versuchte er ein strenges Gesicht aufzusetzen, was ihm aber in Anbetracht seines Aufzugs mit der Federboa nicht ganz gelang.
„Oh Himmel, wir können später noch gucken. Aber wenn wir zu spät zum Dinner kommen, kriegen wir mächtig Ärger mit Tante Margret. Das ist Dragos Mutter. Und glaub mir, Schätzchen, das möchte niemand.“ Kerstin musste grinsen.
„Was macht sie dann? Schickt sie uns ohne Mittagessen ins Bett?“ Gunther drehte sich abrupt zu ihr um.
„Pscht, lass sie das bloß nicht hören. Meine Tante ist noch ein Drache aus der alten Generation. Sie legt sehr viel Wert auf Pünktlichkeit und Etikette. Also, keine Ellenbogen beim Essen auf den Tisch und es wird nicht geschlürft mit der Suppe. Die Unterhaltung wird auf ein Minimum beschränkt und, ach ja, wenn Tante Magret mit dem Essen fertig ist, sind auch alle anderen fertig. Verstanden?“ Kerstin verdrehte die Augen und sah Drago an.
„Das ist jetzt nicht sein Ernst, oder? Sag mir, dass er das nicht ernst meint.“ Drago presste seine Lippen so fest aufeinander, dass nur noch ein kleiner, weißer Strich zu sehen war. Dann brachen Gunther und er in schallendes Gelächter aus. Kerstin war völlig irritiert.
„Was?“, fragte sie.
„Das war nur ein Scherz. Natürlich ist meine Mutter eine Drachendame der alten Dekade, aber so staubige Ansichten hat sie nun doch nicht. Gunther macht sich da immer einen Spaß draus. Er und sein Freund George lieben es so ihre Späßchen zu treiben.“ Kerstin blieb der Mund offen stehen.“ Sein-Freund ? Du meinst Gunther ist wirklich…
„Schwul, vom anderem Ufer, eine Tucke – keine Transe, hast du damit ein Problem?“, fragte Gunther leicht gereizt.
„Nein, nein, ich bin nur überrascht“, sagte Kerstin schnell. Und um Gunther davon zu überzeugen, dass ihr das wirklich nichts ausmachte, beugte sie sich zu ihm runter und gab ihm einen dicken Kuss auf die Stirn. Woraufhin er wieder anfing zu quietschen.
„So, das wäre geklärt“, sagte Kerstin, „und nun möchte ich den Rest der Familie kennenlernen.“ Drago nahm ihre rechte Hand, weil an der linken schon Gunther hing, und zusammen gingen sie durch das riesige Tor in eine Halle, deren Ausmaß man kaum beschreiben konnte. Das Tor war schon eindrucksvoll, aber die Halle war gigantisch. In die Wände des Vulkansteins waren lebensgroße Figuren von Drachen, aber auch von menschlichen Gestalten gehauen. Wieder stand Kerstin sprachlos staunend mit großen Augen da.
„Das ist so etwas wie unsere Ahnentafel. Andere haben Gemälde, wir haben Skulpturen.“
Kerstin studierte Dragos Gesicht, aber er schien es diesmal wirklich ernst zu meinen.
„Wow“, brachte sie gerade noch heraus, als Gunther sie schon an der Hand zupfte.
„Können wir jetzt weiter oder fällst du gleich in Ohnmacht, bei so viel Familiengeschichte?“, dabei zog er sie schon weiter durch die imposante Halle, deren viele verschieden große Türen auf ein weiteres großen Innenleben deuteten. Der Boden war aus schwarzem Marmor, brennende Fackeln an den Wänden sorgten für ein angenehmes Licht.
Dann standen sie vor einer Flügeltür, hinter der ein angeregtes Gemurmel zu hören war. Kerstin atmete noch einmal tief durch, woraufhin Drago und Gunther gleichzeitig ihre Hände drückten, ganz so, als wollten sie ihr Mut machen. Als die Türen sich öffneten verstummte das Gemurmel und Kerstin sah in einen Saal voller Drachen und Menschen.

Seite 6

„Oha“, dachte Kerstin und versuchte nicht ganz so wie ein Fisch an Land zu gucken. Es gelang ihr nur nicht, und Gunther amüsierte sich über ihren Gesichtsausdruck so sehr, dass er laut anfing zu lachen. Er verstummte jäh, als Drago ihn kräftig in den Arm kniff. Alle im Saal drehten sich zu den Ankömmlingen um, und Kerstin sah in viele lächelnde aber auch in skeptisch dreinschauende Gesichter. Das verkleinerte ihr Unbehagen nicht gerade.
Ein Drache in edler, stahlgrauer und mit zarten Stickereien verzierter Robe kam langsam auf sie zu. Sein Hals zierte ein überdimensionales, kostbares Collier und Kerstin wusste sofort, dass das nur Dragos Mutter sein konnte. Sie hätte es nie für möglich gehalten, dass eine so große Gestalt so graziös schreiten konnte. Hinter ihr hielt sich ein Drache mit einem Smoking-Jackett.
„Das wird dann wohl sein Vater sein?“, dachte sie als beide Drachen vor ihnen stehen blieben. In ihren Gesichtern zeigte sich keinerlei Regung. Kerstins Pulsschlag hatte sich auf eine ungesunde Höhe beschleunigt. Sie spürte ein Rauschen in ihren Ohren und wünschte sich, dass ihre Schwestern jetzt bei ihr wären. Angie hätte bestimmt einen passenden Spruch auf den Lippen gehabt, um sie ein wenig aufzuheitern und Doc und Lilli hätten ihr Mut gemacht. Aber so stand sie jetzt alleine mit Drago und einem vor Ehrfurcht erstarrtem Gunther auf der ersten Stufe einer wunderschönen Treppe. Diese hatte Kerstin in ihrer Aufregung zuvor noch gar nicht wahrgenommen.
Im Saal war es mucksmäuschenstill. Kerstin bekam sofort einen trockenen Mund. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und ihre Hände fingen an zu schwitzen.
Das, was Kerstin für Dragos Mutter hielt, guckte ihr für den Bruchteil einer Sekunde tief in die Augen und Kerstin erschrak.
Sie konnte die Stimme des Drachen hören und es war ganz bestimmt nicht die Stimme, die Kerstin erwartet hatte.
Sie klang sehr rauchig und tief, fast so, als wenn zu viel Whisky und Zigaretten im Spiel waren. In dem Moment wurde ihr bewusst, dass, wenn sie die Gedanken ihres Gegenübers hörte auch ihr Gegenüber ihre hören konnte. Kerstin wurde knallrot. Da war wieder eins von diesen kleinen hinterlistigen Fettnäpfchen. Dragos Mutter fing laut an zu lachen und zog Kerstin an sich. Auch Dragos Vater lachte. Es war im Gegensatz zu dem Lachen seiner Frau ein ganz normales Männerlachen und erst da begriff auch Drago, dass alles gut war. Kerstin war so überrascht, dass sie am längsten brauchte um zu verstehen, was hier vor sich ging. Noch immer ärgerte sie sich selbst, ihre Gedanken nicht unter Kontrolle gehabt zu haben.
„Meine Liebe, so ein tolles Kompliment hat mir noch niemand gemacht“, sagte Dragos Mutter und lächelte ihr aufmunternd zu, „ich danke dir und heiße dich in unserer Familie auf das herzlichste willkommen. Entschuldige bitte, dass ich dich auf die Probe gestellt habe, aber das ist meine Art Menschen kennenzulernen. Ich werde es dir in einer ruhigen Minute noch etwas genauer erklären.“ Kerstins Lächeln als Antwort verunglückte ein wenig, und Gunther schmiss sich auf die Treppe und hielt sich den Bauch vor Lachen.

Seite 7

Ein ernst drein schauender junger Mann, vielleicht so Mitte zwanzig, kam auf Gunther zu und schaute ihn böse an. Sofort hörte Gunther auf und stand auf. Seine von Lachtränen feuchten Augen, guckten verlegen drein.
„Gunther, ich weiß ja, dass es dir wahnsinnig viel Spaß macht die Leute aufs Korn zu nehmen, aber das hier geht zu weit. Ich möchte, dass du dich bei Kerstin entschuldigst“, sagte der junge Mann. Gunther guckte ihn missmutig, ja sogar ein wenig trotzig an und zog einen leichten Schmollmund. Trotzdem drehte er sich zu Kerstin, verneigte sich ein wenig und murmelte eine Entschuldigung. Der junge Mann räusperte sich kaum hörbar.
„Ach so, ja, also das hier, mit einer Handbewegung zeigte Gunther auf den jungen Mann, „ist George. Er ist mein Freund, Partner und manchmal mein schlechtes Gewissen. Eigentlich für jeden Spaß zu haben, aber heute etwas unpässlich…“ Weiter kam Gunther nicht, weil George ihn in den Schwitzkasten nahm. Nun begann eine wilde Rangelei. Drago verdrehte die Augen und richtete das Wort an seine Eltern.
„Mum, Dad, ich freu mich wieder zuhause zu sein. Und ich danke euch für diesen tollen Empfang. Auch dafür, dass ihr Kerstin von ganzem Herzen in unsere Familie aufnehmt.“ Dragos Mum nahm Kerstins Gesicht vorsichtig in ihre großen Klauen und gab ihr einen für ihre Verhältnisse zärtlichen Kuss auf die Stirn. Das war das erste Mal, dass Kerstin an diesem Abend aufatmen konnte. Es folgte ein großer Begrüßungsmarathon. Dragos Mutter Margret und seinen Vater Alexander kannte sie nun. Jetzt warteten noch Onkel Edwin und Tante Berta, beide in Menschengestalt. Onkel Edwin war der Bruder von Dragos Mutter und eine stattliche Erscheinung. Er trug einen Frack, der ruhig eine Nummer größer hätte sein dürfen. Um seinen Bauch hatte er eine grüne Schärpe gebunden, die alles in Form zu halten versuchte. Seine Frau hatte eine zierliche Figur, aber der Händedruck hätte von einem Holzfäller stammen können. Kerstin versuchte danach unbemerkt ihre Hand auszuschütteln.
Tante Berta trug ein cremeweißes Kleid. Es zierte viele Stickereien in der gleichen Farbe. Ein kleiner Stehkragen und der taillierte Schnitt betonte ihre schlanke Figur. Sie trug ebenfalls eine grüne Schärpe. An ihnen vorbei drängelte sich Cousine Melinda. Ein zartes Wesen mit einem Porzellangesicht. Sie trug ein smaragdfarbenes weit ausgestelltes Samtkleid mit verspielten Rüschen am Dekolleté. Es passte wunderbar zu ihren Augen, die Kerstin überaus arrogant und kühl musterten. Sie schüttelten sich kurz die Hände.
„Okay“, dachte Kerstin, „wir werden wohl keine Freundinnen.“ Melinda drehte sich ohne ein weiteres Wort um und verschwand in der Menge der Gäste.Hilflos schaute Kerstin zu Tante Berta. Diese zuckte aber nur mit den Schultern.
„Melinda wird sich schon wieder beruhigen. Sie ist oft etwas schüchtern.“
„Natürlich, schüchtern“, dachte Kerstin und blickte dabei zu Drago. In seinen Gedanken konnte sie hören, dass er sich das Lachen verkniff. Das gab ihr ein klein bisschen Sicherheit. Ihr Blick fiel auf einen kleinen Drachen, der sich hinter einem jungen Mann versteckte. Drago ging auf beide zu und umarmte erst den jungen und dann den kleinen Drachen. Lächelnd drehte er sich zu Kerstin um und stellte ihr die beiden als Carl und Sui vor. Seine Geschwister. In Gedanken teile Drago ihr mit, dass Sui wirklich sehr schüchtern war, und dass er ihr den Grund später erklären wollte. Kerstin nickte ganz leicht und lächelte Sui an. Diese guckte sie mit großen unsicheren Augen an und versuchte es ihrerseits mit einem Lächeln. Ein wenig verkrampft, aber wenigstens ein Anfang.
Nachdem Kerstin die wohl wichtigsten Leute von Dragos Sippe kennengelernt hatte, schwirrte ihr der Kopf. Hoffentlich konnte sie sich die ganzen Namen merken. Um sie ein bisschen abzulenken, nahm Drago ihre Hand und führte sie zur Tanzfläche. Eng an aneinander geschmiegt bewegten sich beide zu der Musik. Drago brach als erster das Schweigen.

Seite 8

„Ich bin wirklich stolz auf dich. Du hast die Situation mit Bravor gemeistert.“ Ein wenig verlegen schaute Kerstin in Dragos Augen und lächelte. Sie spürte das starke Verlangen mit ihm allein zu sein. Gerade in dem Moment als sie es ihn sagen wollte, unterbrach Gunther ihren Tanz.
„So, jetzt bin ich dran. Ihr habt noch die ganze Nacht.“ Breit grinsend nahm er Kerstins Hand ohne eine Antwort abzuwarten. Auch das leise Knurren von Drago beeindruckte ihn nicht. Seine ganze Aufmerksamkeit galt jetzt nur noch Kerstin. Da es ein langsamer Tanz war, war es Kerstin leicht unangenehm, dass Gunther sie so dicht an sich drückte. Aber ihm war es egal.
„Weißt du eigentlich, dass ich meinen Cousin schon lange nicht mehr so glücklich gesehen habe. Seit, ach keine Ahnung, wie vielen Jahren“, sprach er in ihren Bauch. Da er ihr ja nur bis knapp unter die Brust ging, waren sie bestimmt ein lustiges Paar. Kerstin räusperte sich.
„Er macht mich auch glücklich und ich liebe ihn wie noch niemanden zuvor. Und so langsam fange ich an, seine Familie zu mögen“, sprach sie und wuschelte Gunther durch seine sorgfältig gestylten Haare.
„Hey, mach mir die Friese nicht kaputt. Hast du eigentlich eine Ahnung wie viel Zeit…..“, aber weiter kam er gar nicht. Drago packte ihn unter den Armen und stellte ihn auf die andere Seite der Tanzfläche. Mit einem finsteren Blick zeigte er Gunnar, dass die Zeit um war. Gunther streckte Drago die Zunge raus und warf Kerstin einen Kussmund zu. Dann verschwand er in der Menge.
Es war ein rauschendes Fest auf dem ausgelassen getanzt wurde. Mal modern, mal nach ganz altem Stil, der Kerstin überhaupt nicht vertraut war. Dann wurde zu Tisch gebeten. Das Abendessen war ein Gedicht. Und auch nicht ganz das, was Kerstin erwartet hatte. In einem Nebensaal, den Kerstin zuvor gar nicht bemerkt hatte, war eine riesige Tafel mit erlesenem Porzellan und Silber gedeckt. Die dazu gestellten Wein und Wassergläser funkelten im Einklag mit einem gigantischen Kronleuchter, der über der ganzen Szene hing. Zur Vorspeise gab es drei verschiedene Suppen – eine Krabbensuppe an Kressenschaum, eine Drachensuppe mit viel Chilli und eine Kartoffelsuppe. Letztere war die Leibspeise von Dragos Vater.
Danach gab es einen kleinen gemischten Salat.
Als Hauptgang wurde Spießbraten, Spanferkel und zu Kerstins großem Erstaunen Wiener Schnitzel mit vielen verschiedenen Soßen serviert.
Als Beilage gab es Reis, Kartoffeln, Nudeln, Kroketten und Gratin.
Dazu wurde verschiedenes Gemüse angeboten.
In noch größeres Erstaunen wurde Kerstin versetzt, als sie sah, wie jeder Gast sein Essen selber auf dem Teller anrichtete. Drago erklärte ihr, dass seine Mutter ganz gerne selbst bestimmte, was und wie viel sie aß und deswegen vor vielen Jahren diese Regel aufgestellt hat.
Anfangs stieß die Regel auf Unverständnis bei den anderen Familienmitgliedern. Aber Margret interessierte es nicht. Sie sagte dazu nur:
„Wem es nicht gefällt, braucht ja nicht kommen, dann gibt es weniger zu Spülen“. Als Drago Kerstin das erzählte, leuchteten seine Augen voller Liebe und Wärme zu seinen Eltern. Kerstins Bewunderung und Sympathie für Dragos Eltern wurde immer größer. Als sie ganz kurz zu ihnen hinüberschaute, warfen ihr beide ein freundliches Lächeln zu. Augenblicklich wurde Kerstin rot. Wieder hatte sie vergessen, dass beide ebenfalls Gedanken lesen konnten. Drago fing an zu Lachen und aus Reflex piekste Kerstin ihn mit ihrer Gabel in den Oberschenkel.

Seite 9

Sie versuchte, finster zu gucken, musste am Ende dann aber doch schmunzeln und beschloss, sich durch ihre eigene Ungeschicktheit nicht den Abend verderben zu lassen.
Als sich das Dinner langsam dem Ende näherte, dachte Kerstin, sie müsste platzen. So viel und so gut hatte sie schon lange nicht mehr gegessen. Aber das Dinner war ja noch nicht vorbei.
Es gab noch Nachtisch und Kerstin wäre am liebsten aus dem Saal geflüchtet.
Als die Dienerschaft mit den kleinen Wägelchen voller süßer Leckereien den Saal betrat, wurde ihr fast übel – aber eben nur fast.
Es gab Schokoladenkuchen mit dicker Schokoglasur, fünfzehn verschiedene Eissorten, wahlweise mit Soße oder mit Sahne, verschiedene Puddingsorten mit oder ohne Obst und den Lieblingskuchen von Kerstin und ihren Schwestern – Käsekuchen. Bei dem Anblick musste sie unweigerlich an Angie, Lilli und Doc denken und fragte sich, ob es ihnen gut ging. Sie nahm sich fest vor, allen so schnell wie möglich eine SMS zu schicken. Sie hatte eigentlich schon viel zu lange nichts mehr von ihnen gehört. Ein leichtes ungutes Gefühl beschlich sie. Drago bemerkte, dass sich Kerstins Stimmung geändert hatte und musterte sie neugierig.
„Nicht jetzt. Später“, teilte sie ihm per Gedankenübertragung mit. Sie wollte die Stimmung am Tisch nicht zerstören.
Nach dem Dessert konnte es Kerstin kaum noch in dem überfüllten Saal aushalten.
Drago schien es genauso zu gehen, denn er machte den Vorschlag, einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Mehr als erleichtert stimmte Kerstin zu. Durch eine kleine Tür gelangten sie in einen schmalen Flur, der zu den Außentüren führte. Draußen war die Luft angenehm klar und warm. Beide atmeten tief durch und genossen die Ruhe, die sie augenblicklich umgab. Der Garten glich einem Park. Umgeben von einigen Statuen, befand sich in der Mitte ein mächtiger Springbrunnen. Die Büsche und Sträucher in der Anlage waren kunstvoll beschnitten und eingerahmt von Blumenrabatten. Als Kerstin zum Nachthimmel sah, erblickte sie unzählige kleine funkelnde Sterne, die ihre Bilder zur Schau stellten. Drago legte zärtlich seinen Arm um ihre Taille, und Kerstin schmiegte sich an ihn. Zärtlich küsste er ihren Hals. Sie genoss die Berührung, da sie allem Anschein nach alleine waren. Sie schaute ihm tief in die Augen.
„Wow, das waren viele neue Eindrücke, die ich da sammeln durfte“, flüsterte sie ihm ins Ohr. Doch Drago war offensichtlich nicht zum Sprechen aufgelegt. Seine Küsse wurden leidenschaftlicher, und Kerstin spürte wieder dieses Prickeln, welches sie immer überkam, wenn sie mit Drago zusammen war. Sie spürte eine Gänsehaut der Erregung auf ihrem Körper. Auch Dragos Erregung war deutlich zu spüren. Leicht neckend biss Kerstin in seine Lippe. Seine Hände glitten an ihrem Rücken entlang. Dann nahm er ihr Gesicht in seine Hände.
„Ich liebe dich“, sagte er mit solcher Inbrunst, dass Kerstin leicht erschauerte.
„Ich liebe dich auch“, hauchte sie zurück.
„Oh, und ich liebe euch beide“, hörten sie plötzlich, und schon kam George hinter einer Hecke hervor. Kerstin und Drago stöhnten gleichzeitig auf.
„Hat man vor dir eigentlich nie seine Ruhe?“, schimpfte Drago. Aber George reagierte darauf nur mit amüsiertem Lächeln.
„Meinst du wirklich, jetzt wo wir Kerstin in unserer Familie haben, könnte ich Ruhe geben? Endlich ist mal jemand da, mit dem ich über Klamotten und Schminke und Gott und Welt ratschen kann. Wir können zusammen Kaffee trinken. Ich weiß ja nicht, wie viel Zeit ich mit ihr verbringen kann, aber ich werde mir jede Minute stehlen, die ich kriegen kann“, gab er trotzig zurück. Kerstin musste bei so vielen ehrlichen Gefühlen schlucken.

Seite 9

„Ach komm her, du kleine Nervensäge“, sagte sie zu ihm und nahm ihn liebevoll in ihre Arme.
George kuschelte sich an sie und strahlte über das ganze Gesicht.
„Weißt du was, George, ich bin sehr froh, deine Freundin sein zu dürfen.“ Georges Augen wurden groß wie Untertassen. Er quiekte laut auf und schmiss sich sofort wieder in ihre Arme. Drago zuckte nur mit den Schultern und verdrehte die Augen.
„Meinetwegen. Aber nicht 24 Stunden am Tag und schon gar nicht jetzt“, raunzte Drago den kleinen Drachen an. Kerstin lächelte besänftigend, und versprach George, dass sie sich sehr gerne mit ihm am nächsten Morgen zum Frühstück treffen wollte. Sie vereinbarten eine Uhrzeit, und dass George sie von ihrem Zimmer abholen sollte, damit sie sich nicht verlief. George platze fast vor Stolz, doch als er Dragos leichtes Knurren hörte, verstand er die Drohung. Noch einmal schlang er seine kleinen dicken Arme um Kerstin und verschwand ohne Drago eines Blickes zu würdigen. Kerstin sah ihm grinsend nach. Augenblicklich zog Drago sie in seine Arme zurück.
„Dir ist schon klar, dass du George jetzt nicht mehr los wirst? Er wird mehr an dir kleben, als dein eigener Schatten.“
„Sag mal, du bist doch nicht etwa eifersüchtig? Das darf doch nicht wahr sein! Hey, lass ja meinen neuen Freund in Ruhe“, antwortete sie mit gespieltem Ernst. Drago sah sie ungläubig an. Und schon musste Kerstin lachen.
„Mal schauen, ob du in drei Tagen auch noch lachst“, gab er schelmisch zurück. Diese Überlegung hatte Kerstin auch schon beschäftigt, aber das wollte sie im Moment nicht zugegeben.
„Wo haben wir eben aufgehört?“, fragte Drago und bevor Kerstin antworten konnte, küsste er sie. Es war ein sehr langer Kuss voller Begehren. Mühsam löste er sich von ihr.
„Lass uns in unser Zimmer gehen. Noch eine Unterbrechung und ich kann für nichts mehr garantieren“, raunte er in ihr Ohr. Wieder bekam Kerstin eine Gänsehaut.
„Ich möchte auch keine Störung mehr. Können wir irgendwie in unser Zimmer kommen ohne gesehen zu werden?“ Vorfreude blitzte in ihren Augen.
„Hey, ich bin hier aufgewachsen. Ich kenne diese Gemäuer wahrscheinlich besser als seine Erbauer“, gab Drago geheimnisvoll zurück. Er nahm sie an die Hand und führte sie zu einem Rosenbusch. Interessiert beobachtete Kerstin wie Drago das Spalier anfasste und dann nach vorne zog. Sein Grinsen dabei war schon fast spitzbübisch.
„Darf ich bitten, my Lady?“ Mit einer tiefen Verbeugung reichte er ihr die Hand. Dann zog er sie in einen Tunnel, den sie zuvor gar nicht gesehen hatte. Als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte sie das gleiche Mauerwerk wie in der Eingangshalle. Winzige Lichtquellen verliefen auf dem Fußboden. Kerstin umfasste Dragos Hand etwas fester.
„Du brauchst keine Angst zu haben“, sagte er und Kerstin erkannt den leichten Spott in seiner Stimme.
„Hab ich auch gar nicht“, gab sie leicht schnippisch zurück. Drago musste lachen.
„Nein, natürlich nicht. Komm jetzt, sonst zeige ich dir noch hier unten, was ich eigentlich oben alles mit dir machen will.“ Seine Worte klangen wie ein Versprechen und sie hatte das Gefühl, dass der Tunnel nie enden würde. Sie wusste zuletzt nicht mehr, um wie viele Ecken sie gebogen waren, aber sie hatte bemerkt, dass es einen leicht bergauf ging. Endlich gelangten sie an eine Tür.
„Erschreck´ dich jetzt bitte nicht“, sagte Drago und sah sie verschwörerisch an. Das war jetzt nicht sehr beruhigend, aber sie atmete noch einmal tief durch und versuchte sich davor zu wappnen, was da kam. Drago drehte an dem Türknopf und die Tür sprang auf.

Copyright © Seitensprung der Sisterhood

Black Dagger Ladies Online

Abschied
Kapitel 19

Unser letzter Tag an Bord begann. Langsam wurde ich wach und fasste automatisch neben mich. Doch der Platz war leer. Duncan musste wohl schon aufgestanden sein. Als ich auf meine Uhr sah, ließ ich mich aufstöhnend zurück in die Kissen fallen und kuschelte mich nochmal unter die warme Decke. 6 Uhr war eindeutig zu früh! Doch an Schlaf war nicht mehr zu denken, denn in dem Moment flog die Tür auf und Duncan kam herein, ein volles Tablett auf einer Hand balancierend. Er stellte es mit einem lauten, fröhlichen „Guten Morgen mein Herz. Ich habe dir, oder vielmehr uns, Frühstück gemacht!“ auf das Bett, direkt neben mich. Uh, laut und fröhlich geht eigentlich gar nicht vor der ersten Tasse Kaffee! Aber ich unterdrückte schnell eine unpassende Bemerkung, schluckte meine Morgenmuffeligkeit runter und setzte mich mit meinem Bambishirt vor das Tablett. Auf dem riesigen Bett war ja genug Platz, und so setzte er sich mit einem breiten Lächeln mir gegenüber. Er hatte schon geduscht und sich rasiert, der Duft seines After-Shaves wehte zu mir herüber. Seine schwarzen Haare hatte er im Nacken mit einem Lederband zusammengebunden und nur ein paar vorwitzige gelockte Strähnen hatten sich aus dem Zopf gelöst, seine dunklen Augen sahen mich strahlend und erwartungsvoll an, und seine sinnlichen Lippen lächelten immer noch und gaben seine ebenmäßigen Zähne frei. „Ich habe dir sogar Kaffee gemacht. Ich weiß ja, dass du erst nach der ersten Tasse ansprechbar bist.“ Unwillkürlich erwiderte ich sein Lächeln. Oh, ich liebte ihn! Und dann blickte ich neugierig auf das Tablett. „Das, Angie, ist ein typisches schottisches Frühstück! Ich habe mir gedacht, ich stimme dich schon mal etwas auf meine Heimat ein“, klärte er mich auf. Als ich den Inhalt der Schüsseln und Platten genauer betrachtete, dachte ich jedoch nur… armes Schottland! In einer kleinen Schüssel lag, an manchen Stellen noch etwas glibberig, Rührei, das die Pfanne zu früh verlassen hatte, während der Speck, der auf einem Teller lag, schwarz wie die Nacht war. Dafür war der Toast noch weiß. Daneben, auf einer kleinen Platte, lag ein Fisch, komplett mit Kopf und Schwanz, und seine toten trüben Augen sahen mich traurig an! Das in einer kleinen Glasschüssel sollte wohl Porridge sein. Dicht daneben standen ein kleiner Krug mit einer undefinierbaren Flüssigkeit und ein Schälchen mit braunem Zucker. Aber das merkwürdigste war die graue Masse, die auf einer silbernen Platte lag – direkt neben dem Fisch. Das Zeug sah aus wie vergessen und nach Wochen wiedergefunden! Stumm zeigte ich darauf und sah ihn fragend an. „Das ist Haggis! Ja, normalerweise wird es warm gegessen, aber ich liebe es auch kalt, und daneben ist ein Kippers, das ist ein geräucherter Hering“, sagte er und fing an einen Teller mit dem Zeug zu füllen und stellte ihn vor mich hin. „Probier doch mal“, forderte er mich auf. Nicht in diesem Leben! Ich wusste, woraus das gemacht wurde und lehnte mit einem Lächeln dankend ab. Er zuckte nur mit den Schultern und meinte: „Dann nicht, aber dir entgeht was!“ Ganz sicher nicht! „Äh, Fisch zum Frühstück?“, fragte ich ihn und schüttelte mich innerlich. „Ja klar, schmeckt lecker!“ Ungläubig sah ich ihn an, griff dann lieber schnell zu der großen Kaffeetasse, die schon einen kleinen Sprung hatte und nahm einen großen Schluck. Oh nein! Was war das denn? „Duncan? Das ist doch kein Kaffee, oder?“, fragte ich ihn entsetzt nachdem ich die Brühe mit Müh und Not runtergeschluckt hatte und ihr befahl, auch ja unten zu bleiben. „Doch, natürlich. Na ja, ich habe nur Löslichen gefunden. Der stand da ziemlich weit hinten im Schrank, und es war nur noch ein Rest“, grinste er mich entschuldigend an. Mh, das war vielleicht noch eine letzte Notration von irgendeinem Krieg oder so. Er schmeckte jedenfalls furchtbar. Also nahm ich schnell eine Gabel und sucht nach einem bisschen Rührei, das nicht ganz so glibberig war und steckte es mir in den Mund. Oh wie nett, er hatte es magenfreundlich ungewürzt und mit Schale zubereitet! Unauffällig schob ich es in meine Backe. Ich konnte das beim besten Willen nicht runterschlucken. Er machte sich währenddessen über die graue Masse her. Okay, mit dem Porridge konnte man nicht viel falsch machen, also nahm ich einen Löffel voll.

Seite 235

Oh doch, man konnte, denn es schmeckte nach gehäckseltem Karton.  Also ab damit in die Backe zu dem Rührei. Vielleicht, wenn ich ordentlich Zucker drüberstreute? Gedacht – getan. Nur half das nicht viel, es schmeckte noch genauso schlimm, halt nur süß. Jetzt brauchte ich etwas, womit ich das runterspülen konnte, aber an den Kaffee traute ich mich nicht mehr ran. Suchend blickte ich über das Tablett. „Keinen Saft?“ Oh, den habe ich vergessen, tut mir leid.“ Dann eben nicht. Die Scones sahen sogar lecker aus, waren aber hart wie Pflastersteine. Und da mir meine Zähne lieb waren, ließ ich sie liegen. „Sind wohl von gestern übrig geblieben“, meinte er und aß seelenruhig weiter. Also griff ich zu dem Toast, brach ein großzügiges Stück ab, bestrich es mit etwas Orangenmarmelade und steckte sie mir in den Mund. Oh, oh… und schob das Stückchen schnell in die andere Backe. Ungetoastet schmeckte es grauenhaft und die Marmelade war mir zu bitter! Nur, wie wurde ich das ganze Zeug wieder los, und zwar möglichst unauffällig? In die Servierte damit ging nicht, weil er mich fast nicht aus den Augen ließ, aber vielleicht im Bad? Unterdessen spießte er ein Stück Speck auf seine Gabel und hielt es mir auffordernd vor den Mund. „Ist ein bisschen dunkel geworden, ich kenne mich mit dem Ofen nicht aus, aber man kann es noch essen“, sagte er entschuldigend und lächelte immer noch. Zögernd öffnete ich meinen Mund und … oh nein, Kohle! Gut das in der einen Backe noch Platz war. Plötzlich sah er mich misstrauisch an und fragte: „Schmeckt es dir nicht?“ „Mmh“, nickte ich strahlend, denn sprechen konnte ich nicht mehr mit dem ganzen Zeug im Mund. Prüfend sah er mich an und seine Augen verengten sich. „Du siehst aus wie Ef-Ef!“ „Bie ein Bämon?“, fragte ich ihn entsetzt, jede Vorsicht vergessend, dass ich ja noch den Mund voll hatte. „Nein, aber wie ein Hamster.“ Oh! Da konnte ich nicht mehr und sah ihn nur traurig und bedauernd an. „Es schmeckt dir nicht!“, stellte er lakonisch fest. Langsam schüttelte ich den Kopf und sagte mit vollen Backen: „But mir leid“. Wortlos und mit unbewegter Miene reichte er mir eine Serviette. Dankbar ergriff ich sie und ließ den gesamten Inhalt meiner Backen darin verschwinden, knüllte sie zusammen und versteckte sie unter meinem Teller. Doch als ich in seine Augen blickte, sah ich auf einmal den Schalk darin aufblitzen. Er hatte seine Lippen fest zusammengekniffen und unterdrückte mühsam ein Lachen. Oh nein! Das konnte nicht wahr sein! Er hatte das alles mit Absicht gemacht! Ungläubig starrte ich ihn an. Dann stürzte ich mich mit einem Schrei auf ihn und boxte ihn spielerisch auf die Brust. „Oh wie gemein! Winsele um Gnade, du elender Schuft.“ Lachend ließ er sich mit mir nach hinten auf das Bett fallen und rief: „Gnade, Gnade, aber dein Gesichtsausdruck war es wert!“ Kichernd zwickte ich ihn in die Nase. Ich konnte ihm einfach nicht böse sein. Dann setzte er mich mit einer schnellen Handbewegung neben sich und sagte immer noch amüsiert: „Warte einen Moment. Ich habe da noch was…“ Mit einem Satz war er aus dem Bett, schnappte sich das Tablett und schnell wie der Blitz öffnete er die Tür, stellte es in den Gang und schon war er mit einem neuen wieder auf dem Bett; wie immer in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Sofort stieg mir das köstliche Aroma frischen Kaffees in die Nase. Wunderbar! Dieses Tablett war ganz anders bestückt – Gott sei Dank! Der Kaffee war in einer silbernen Kanne, und der Toast lag in einem Körbchen unter einem Tuch, war goldbraun getoastet und sogar noch etwas warm. In einem Kristallschälchen befand sich cremig gerührter Joghurt mit frischen Früchten. Auf einer kleinen Porzelanplatte lag köstlicher Serrano Schinken, und direkt daneben eine Ecke Französischer Brie. Das Rührei sah sehr lecker aus und war mit frischen Kräutern zubereitet. Und da war auch der frisch gepresste Orangensaft. Vier verschiedene Sorten Marmelade und eine kleine Schüssel mit frischen, leuchtend roten Erdbeeren vervollständigten das kulinarische Bild. „Mit einem schönen Gruß von Tiago“, sagte er schmunzelnd. „Das ist ein Frühstück nach meinem Geschmack! Nicht wie diese schottische Grausamkeit! Nur eins ist schade, der scharfe Senf fehlt!“, bedauernd blickte ich ihn an. Grinsend zog er eine Tube aus der Tasche seines Morgenmantels. „Ach, und das ist nicht grausam?“ „Nein, das ist lecker! Davon ein bisschen auf den Toast und dann den Brie drauf – mal probieren?“ Lachend lehnte er ab.

Seite 236

Dann machten wir uns langsam und genussvoll über die Köstlichkeiten her und plauderten dabei über die vergangenen letzten Tage an Bord. Nachdem er mir den dritten Kaffee eingeschenkt hatte, beobachtete ich ihn unauffällig über den Rand meiner Tasse. Er verzehrte gerade den Rest des Rühreis und sah einfach zum abbeißen aus. Wohliges Kribbeln breitete sich in meinem Körper aus. Mmh, er würde mein Nachtisch sein! Langsam stellte ich die Tasse ab und griff mir eine Erdbeere. Ich schloss meine Augen und biss aufreizend langsam hinein. Mh, köstlich! Süß und saftig. Ich leckte mir genussvoll über die Lippen und griff mit halb geöffneten Augen wieder in die Schale. Mit der zweiten ließ ich mir noch mehr Zeit und beobachtete ihn dabei. Er saß mir mit geöffnetem Mund gegenüber und starrte mich bewegungslos an. Und als ich mir den roten Saft lasziv von den Fingern leckte, fiel ihm das Besteck klirrend auf den Teller. Seine Augen funkelten verheißungsvoll und mit heiserer Stimme flüsterte er, während er das Tablett auf den Boden stellte: „Ich glaube, Bambi hat mir gerade zugezwinkert …!“
Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als wir in den kleinen Hafen von NS-Island einliefen. Es war ein sehr kleiner Hafen, er hatte aber genug Tiefgang, damit ein Schiff von der Größe der Seraphim problemlos anlegen konnte. Wir standen alle an Deck und beobachteten die Leute, die sich am Kai versammelt hatten, um uns zu begrüßen. Es war so schön, wieder nach Hause zu kommen. Und dann auch noch mit dem Partner, den man liebte. Verstohlen betrachtete ich Doc, die mit Cyrus und Tim etwas weiter weg stand. Sie wirkte sehr gefasst und schien sich auch zu freuen, obwohl die Umstände unserer Rückkehr leider ziemlich tragisch waren. Unten am Kai wurden wir schon von Sweetlife erwartet. Einige Männer, die uns gänzlich unbekannt waren, standen mit ernster Miene hinter ihr und betrachteten interessiert das Schiff. Einer von ihnen, ein kleiner etwas dicklicher Mann mit hochroten Wangen und verwuschelten Haaren, die in alle Richtungen abstanden, wirkten sehr aufgeregt. Er lächelte freundlich und winkte zu uns rauf. „Oh nein! Mythos! Der hat mir gerade noch gefehlt!“, flüsterte Duncan mehr zu sich selbst neben mir. „Mythos?“, sah ich ihn fragend an. „Ja, er ist der Sekretär des Gründers. Er ist sehr tüchtig und eigentlich ganz in Ordnung, er hält sich nur manchmal für sehr wichtig“, sagte er mit einem merkwürdig bissigen Unterton in seiner Stimme. Dann seufzte er und erklärte weiter: „Die anderen sind von unserem Orden und gestern aus Schottland eingetroffen. Sie werden sich um die Beisetzung kümmern, die ja heute Abend stattfindet.“ Als die Gangway heruntergelassen wurde, eilte besagter Mythos als erster an Bord, dicht gefolgt von Sweetlife. Er hatte einen merkwürdig hüpfenden Gang und ging zielstrebig zu Jean, um ihm überschwänglich die Hand zu schütteln. Dabei strahlte er über das ganze Gesicht. Dann drehte er sich zu uns und sah mich mit einem prüfenden Blick an. Er streckte mir seine Hand entgegen mit den Worten: „Sie müssen Angie sein. Es freut mich ganz besonders…das ist ja… erstaunlich!“ Ungeniert musterte er mein Gesicht. Als ich seine Hand schüttelte, fragte ich unsicher: „Kennen wir uns?“ Ich wandte mich dabei an Duncan und sah gerade noch den drohenden Blick, den er ihm zuwarf, bevor er zu mir sagte: „Nein, woher auch. Er wird dich wohl mit jemandem verwechseln.“ „ Ja, so wird es wohl sein“, erwiderte Mythos immer noch freundlich und ließ meine Hand los. „Komisch“, dachte ich noch leicht verwirrt, aber da ging er schon zu Lilli, verbeugte sich und sagte: „Majestät, es freut mich sehr, Sie kennen zu lernen.“ Lilli wollte schon loskichern, riss sich aber im letzten Moment zusammen und erwiderte: „Danke, aber nennen sie mich ruhig Lilli.“ Freundlich nickte er ihr zu und wandte sich dann an Lucy. Alle wurden mit Handschlag von ihm begrüßt, nur die Brüder bekamen noch einen leichten Schlag auf die Schulter. Ich konnte gerade noch beobachten, wie die anderen Männer leise und möglichst unauffällig unter Deck verschwanden. Dann umarmte uns auch schon Sweetlife der Reihe nach mit Tränen in den Augen und drückte uns so kräftig, dass ich Angst um meine Rippen hatte.

Seite 237

Doc umarmte sie besonders lange und Kerstin ließ sie erst gar nicht wieder los. Dann trat sie einen Schritt zurück, drohte spielerisch mit dem Finger und sagte mit ihrer tiefen Stimme: „Mädels! Da schicke ich euch in den Urlaub und was passiert? Ihr legt euch mit den Dragons an und findet auch noch so nebenbei eure Gefährten.“ Entschuldigend sah sie kurz zu Doc, doch schnell sprach sie weiter: „Ich bin so froh, euch alle heil und gesund wieder zu haben. Jetzt geht erst mal von Bord und begrüßt euer Zuhause. In ca. drei Stunden treffen wir uns dann im Foyer des Gästehauses zu einer kurzen Besprechung, alles andere haben die netten Herren vom Orden schon geregelt. Um euer Gepäck braucht ihr euch auch nicht kümmern. Meine Herren? Auch wenn der Anlass nicht so schön ist, möchte ich Sie doch herzlich willkommen auf NS-Island heißen. Ich habe Sie in unserem Gästehaus, das zugleich auch unser Hauptgebäude ist, untergebracht.“ Sofort erhob sich murmelnder Protest von allen Seiten, und Sweetlife setzte mit einem lauten Lachen schnell hinzu: „Natürlich nur die Alleinstehenden unter Ihnen. Ich hoffe, Sie fühlen sich wohl auf unserer Insel.“ Nach den freundlichen und einladenden Worten von ihr, gingen wir zusammen von Bord.
Jede von uns bewohnte einen eigenen kleinen Bungalow. Diese standen geschützt unter Palmen, nicht weit vom Strand entfernt. Sie waren alle gleich aufgeteilt und standen nahe beieinander. Man musste nur die Haustür öffnen und stand sofort in einem großzügigen Wohnzimmer mit integrierter kleiner Küche und einer Tür zur Garten-Terrasse. Das Schlafzimmer war dagegen eher klein, aber dafür bot mein Bett Platz für zwei Personen. Das angrenzende Bad war natürlich nicht mit den Bädern auf der Seraphim zu vergleichen, aber für uns war es ausreichend. Jede hatte ihr Häuschen nach ihrem persönlichen Geschmack eingerichtet. Eigentlich war ich immer sehr stolz auf mein großes Wohnzimmer gewesen, aber als Duncan den Raum betrat, wirkte es nur noch so groß wie eine Abstellkammer. Neugierig sah er sich um. „Na ja, es ist nicht groß und bietet wenig Luxus, aber es gehört mir, und ich liebe es“, sagte ich stolz zu ihm. Er umarmte mich und sagte leise: „Ich finde es schön hier. Eure Insel ist wirklich ein Traum, jedenfalls das, was ich bisher sehen konnte.“ „Ja, ist sie auch. Wir haben auch keine Autos hier, weil wir alles bequem zu Fuß erreichen können. Unsere „Zwerge“ sind ganz normale Angestellte, die uns versorgen, waschen putzen und so weiter. Sie bleiben auch auf der Insel, wenn wir einen Einsatz haben… Was ist?“, fragte ich ihn, als ich seinen entsetzten Gesichtsausdruck sah. „Keine Autos?“, rief er und fasste sich theatralisch an die Brust und verdrehte die Augen, „unmöglich!“ Ich knuffte ihn lachend und bugsierte ihn in meinen Lieblings-Lesesessel. Der stöhnte zwar unter seinem Gewicht protestierend auf, hielt aber stand. Unser Gepäck war auch schon da. „Sieh dich ruhig um. Im Kühlschrank ist immer was zu trinken. Probier mal den Ice-Tea, der schmeckt einfach klasse! Ist ein Rezept von Lilli. Ich zieh mich schon mal um, dann zeige ich dir noch ein bisschen die Insel, bevor wir uns im Haupthaus mit den anderen treffen“, sagte ich zu ihm, bevor ich im Bad verschwand.
Wir standen alle in einer Reihe mit etwas Abstand zum Ufer des Edaloko-Sees, ein wenig erhöht, auf einer natürlichen Plattform aus Felsen und hielten uns an den Händen. Der kleine See lag genau im Innern der Insel und wurde von einigen Bäumen, Büschen und exotischen Blumen malerisch eingerahmt und von einer unterirdischen Quelle gespeist. Uns gegenüber, am Westufer, verschwand gerade die Sonne als glutroter Ball am Horizont hinter den wenigen Bergen, die auf der Insel zu finden waren. 2 Flöße lagen halb auf dem Wasser und warteten mit ihrer traurigen Fracht. Die Leichname von Norbert und Bowen waren in weiße Tücher gewickelt und lagen aufgebahrt auf einem Bett aus Reisig und kleinen Zweigen. Auf ihrer Brust war die Flagge des Ordens befestigt, die schwarze Orchidee. Am Nordufer hatten sich vor wenigen Minuten Moggovitor und Zorro materialisiert. Sie standen dort unbeweglich mit ernsten Gesichtern und trugen einen dunkelgrünen, bodenlangen Umhang mit geheimnisvollen goldenen Schriftzeichen. Moggovitor trug zusätzlich seine Krone, den schmalen Goldreif mit einer Sonne auf der Stirn. Die Brüder waren alle gleich gekleidet.

Seite 238

Sie trugen ein weißes Rüschenhemd, schwarze Lederhosen und schwarze Stiefel. Jeder hatte noch einen schwarzen Seiden-Umhang mit einer Kapuze, die sie jetzt erst von ihren Köpfen geschoben hatten, um die Schultern gelegt. Wir Mädels trugen ebenfalls schwarze Lederhosen, weiße Blusen und eine schwarze Weste aus Leder. Dazu trugen wir unsere Stulpenstiefel. Die 10 fremden Männer des Ordens verzichteten auf den Umhang und standen jeweils zu fünft neben den Flößen. Duncan hatte eben seine kleine bewegende Rede beendet, als auf ein Zeichen von Mythos die Männer die Flöße mit langen Stangen vom Ufer abstießen. Gleichzeitig brannten plötzlich hunderte von Fackeln auf, die ringsum das Ufer säumten, als ob sie den beiden ihren letzten Weg erhellen wollten. Wie auf ein geheimes Zeichen wurde es auf einmal totenstill. Der Wind legte sich, das Vogelgezwitscher und jegliche Tierlaute verstummten – als wenn die Natur für einen Moment den Atem angehalten hätte. Langsam und träge trieben die Flöße eine Weile nebeneinander auf dem Wasser auf die Mitte des Sees zu. Als sie ihr Ziel erreicht hatten, drifteten sie etwas auseinander, und wie von Zauberhand hielten die Flöße abwartend ihre Position. Dann traten Drago, Cyrus, Jean, Gavin, Tim und Duncan aus unseren Reihen ans Ufer, spannten ihre riesigen Bögen mit den brennenden Pfeilen und schossen sie über den See zielgenau auf das trockene Holz, das sofort anfing zu brennen. Als die ersten Flammen gen Himmel schlugen, hoben die Schützen ihre Bögen über die Köpfe, brachen sie mit einem ohrenbetäubenden Knall in zwei Teile und legten diese auf den Sand. Mit versteinerten Mienen reihten sie sich wieder bei uns ein. Wie auf ein Kommando zogen wir alle gleichzeitig unsere Schwerter und hielten sie mit der Schneide an unsere linke Seite, also genau über unsere Herzen. Dann rammten wir sie mit beiden Händen, mit der Spitze voran, bis zur Hälfte vor uns in den Sand. Als wir uns wieder aufrichteten, sah ich auf der anderen Seite des Sees die Männer des Ordens wieder. Jeder von ihnen hielt eine Violine in der Hand und fing an zu spielen. Eine bittersüße und zugleich traurige Melodie klang über den See und übertönte das laute Prasseln und Knacken des Feuers. Diese Melodie war mir vollkommen unbekannt, trieb mir aber sofort die Tränen in die Augen. Auch Duncan neben mir schluckte schwer und tastete nach meiner Hand. Meine andere hielt Jane umklammert. Alle waren tief bewegt und suchten die Nähe des anderen, manche der Brüder wischten sich verstohlen über ihre Augen. Später erklärte mir Duncan, dass diese Melodie immer zu solchen Anlässen gespielt wurde. Als die Oberfläche des Sees wieder ganz glatt und still war und von den Flößen nichts mehr zu sehen war, überkam uns alle eine tiefe innere Ruhe. Nun konnten wir endlich mit dem schrecklichen Geschehen abschließen. Unsere Helden hatten ihren Frieden gefunden.
Als wir uns auf den Rückweg machten, sah ich wie Ef-Ef etwas in Janes Ohr flüsterte. Sie verdrehte nur die Augen und hielt mir den kleinen Kerl auf ihrer ausgestreckten Hand hin: „Hier Angie, das kleine Monster will nur von dir getröstet werden.“ Mit hochgezogenen Brauen beobachtete sie wie Ef-Ef auf meinen Arm sprang und rief: „Aaah, mon dieu, es ist alles so furschtba` traurisch.“ Mit seinen tränennassen schwarzen Knopfaugen sah er mich so herzzerreißend an, dass ich ihm vorsichtig mit einem Finger über seinen kleinen Kopf strich. „Och, der Arme. Ich wusste gar nicht, dass Hamster auch weinen können“, flüsterte ich Duncan zu. „Ah, naturellement! Isch `abe doch auch ein `erz, mon chèrie!“, rief er empört und schniefte laut. Dann schnappte er sich mit seinen kleinen Pfoten ein Stückchen von meinem Ärmel und schnäuzte sich lautstark. Ungläubig starrte ich ihn an: „Iiiih, das glaub ich jetzt nicht! Ef-Ef, du kleines Ferkel!“ Duncan zog sofort sein Taschentuch hervor und wischte sorgfältig die Bescherung von meinem Ärmel. „Weiß eigentlich einer wie lange so ein Hamster unter Wasser schwimmen kann?“, fragte er seelenruhig. „Mit oder ohne Bleisocken?“, wollte Drago wissen. „Mh, tief oder weit?“, überlegte Nando laut. „Käme auf einen Versuch an“, meinte Gavin. „Sofort oder Jetzt?“, fragte Jean ruhig.

Seite 239

Der Übeltäter quickte laut und sah sich hilfesuchend um. Doc nahm den Kleinen schnell wieder an sich mit den Worten: „Selbst schuld!“, und steckte ihn in ihre Tasche. Nach wenigen Schritten standen wir schon vor dem Haupthaus. Im Foyer saßen wir noch eine Weile zusammen, redeten über unsere Pläne und leerten so manche Flasche Rotwein. Schon am nächsten Tag sollte es früh losgehen. Drago und Kerstin wollten nach Neuseeland fahren und seine Familie besuchen, während Lucy und Gavin sich mit Raphaello auf den Weg nach Italien machen wollten, damit Lucy endlich ihre lang vermisste Familie kennenlernen konnte. Lilli und Nando hatten Pläne für Argentinien geschmiedet und Duncan und ich für Schottland. Nur Doc blieb auf der Insel mit Sweetlife. Ich wollte sie überreden mit uns zu kommen, aber Sweetlife hatte andere Pläne mit ihr. Welche das waren, sagten sie beide nicht. Das Schiff sollte noch einige Tage hier vor Anker liegen und dann nach Miami weiter fahren, um in der Werft gründlich überholt zu werden. Tim, Jean, Eric, Tiago und Cyrus gingen danach auch in ihren wohlverdienten Urlaub. Morgen wollten wir noch einmal alle zusammen hier frühstücken, bevor sich unsere Wege für einige Zeit trennen sollten. Es wurde doch noch ziemlich spät, bis wir uns zu unseren Bungalows aufmachten. In meinem Bett kuschelte ich mich an Duncan und schlief auch sofort ein. Ich träumte von Schottland und von Duncan.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen, war es soweit. Wir hatten uns schon tränenreich voneinander verabschiedet, mit dem Versprechen, in Verbindung zu bleiben und uns regelmäßig anzurufen bis wir uns wieder trafen. Auf dem Rollfeld unseres kleinen Flughafens standen die Learjets des Ordens. Staunend betrachteten wir Mädels die fünf Maschinen, die hintereinander auf dem Rollfeld wartend in der Sonne glänzten. Unser Gepäck war schon an Bord. „Wow, gleich fünf!“, entfuhr es Doc, die uns bis hierher begleitet hatte. Duncan lachte nur und sagte: „Ja, die Sechste ist schon mit Mythos und den anderen unterwegs zurück nach Schottland. Diese sechs Learjets45 sind nur ein Teil unserer Flotte. Die erste Maschine fliegt Drago und Kerstin nach Wellington. Die zweite nach Rom, Nummer drei nach Buenos Aires und unsere ist die Nummer vier. Eine bleibt mit dem Piloten hier auf der Insel. So, nun lasst uns an Bord gehen.“ Schnell drückten wir uns nochmal. Plötzlich wurde ich ziemlich nervös und meine Hände fingen an zu zittern. Doch Duncan nahm meine Hand, drückte sie beruhigend und zusammen bestiegen wir unsere Maschine nach Schottland.

***** ENDE***** von Teil Eins!

Copyright © BD Sisterhood

Legende der Ladies

Angie und Zahlmeister: (Norbert Petersen – lernt Angie bei Abendessen kennen, verbringt eine leidenschaftliche Nacht mit ihm – alias Robert Pattinson) – später stellt sich raus – er ist ein Vampir und sie ist eine Hexe! Na ja, eigentlich ist sie nur eine halbe Hexe, ein Erbe ihrer Großmutter mütterlicherseits.
Angie und Jean de Castelle:1. Offizier: ( zwei Auftritte – 1. fängt Angie auf, als sie mit ihren High-Heels fast gefallen wäre, 2. Angie beschreibt kurz den tieferen Eindruck, den sie von ihm hat, Jean entpuppt sich später als Werwolf – alias George Clooney)
Angie und Duncan Thorpe: Magisch voneinander angezogen entwickelt sich die Liebe zwischen Angie und Duncan im Laufe der Story langsam aber unabänderlich weiter. Die beiden starken Charaktere prallen aufeinander wie Feuer und Wasser. Bleiben sie zusammen, oder hat das Schicksal für sie einen anderen Weg vorgesehen?
Meisterin im Kampf mit Messern, zieht damit Scheitel oder spaltet Schädel, ganz nach Bedarf. Angie kann unter günstigen Bedingungen auch fliegen, allerdings nur nüchtern, und sie sieht in der Dunkelheit genauso gut wie im Tageslicht.

Kate ist 175 Jahre alt, eine Vampirin und dementsprechend deutlich jünger – nämlich 26 Jahre
Kate und Kaptitän Crispin Bones: ( Auftritte mit Kate, einmal wimmelt er sie ab und dann sitzt sie auf seinem Schoß – in Bones schlummert ebenfalls ein Werwolf 😉 – alias Jackman)
Sie verbringt die beiden ersten Nächte an Bord der mit Bones. Bones wohnt in einem Glasraum oberhalb der Brücke.
Kate ist in technischen Dingen ein Ass. Sie repariert LKW und Schweizer Präzisionsuhren in kürzester Zeit und öffnet jedes Schloss im Handumdrehen. Sie befasst sich mit den Plänen zum Bau eines Rettungs-U-Bootes für die MS Seraphim. Kate verlässt die Schwesternschaft und begleitet Bones nach Miami, um das neue U-Boot zu testen.

Doc ist 235 Jahre alt und eine in Avalon geborene halbe Elfe oder besser gesagt eine „Merküre“ – also eine merkwürdige Zauberin eben 😉 (das Ergebnis der Beziehung einer Walküre mit dem keltischen Magier Merlin), bleibt allerdings für die Ewigkeit schlappe 28 Jahre.
Doc und Bowen McRieve (2. Offizier): mit Pistole im Hosenbund, ganz kurzer Auftritt zu Beginn, begleitet Doc, Doc hat ein Déjà-vu – und dann ein anregendes Meeting in ihrer Kabine mit Brüderschaftskuss nach Wodka-Absacker – alias WODKAGOTT – Bowen ist ebenfalls ein Vampir
In der zweiten Nacht dann, oh la la…
Doc und Cyrus, Barkeeper der Poolbar mit Badeschlüppi und Steward beim Dinner und zusätzlich Werwolf (alias Theo Theodoridis)
Doc ist die Chemikerin. Sie kann Messer und Sterne mit einer besonderen Substanz versehen, die bei Kontakt mit Blut den Gegner sofort für mindestens sechs Stunden bewegungsunfähig macht. Schleudert Energiebälle aus ihren Händen. Sie ist ebenfalls die Schamanin der Clique.

Kerstin und Tim Wiesel, athletischer Steward: ( 1 Auftritt mit kurzem Körperkontakt auf Kerstins Zimmer, dann nächtliches Treffen im und am Pool, mit anschließender Massage; Tim ist ein Werwolf 😉 , in der zweiten Nacht an Bord hat Vin eine leidenschaftliche Bettszene mit Kerstin – alias Vin Diesel)
Kerstin und Drago: Die Figur „Drago“ kommt in New Orleans neu ins Spiel. Drago ist ein Drache und ein Cousin von Angie. Ihr rettet er in einer brenzligen Situation das Leben und kommt danach mit an Bord der MS Seraphim. Um Drago gibt es ein dunkles Geheimnis, zunächst ein Mitglied der Bruderschaft, wurde er nach dem vermeintlichen Tod von Lindsay, einer Schwester des Clans, für deren Tod verantwortlich gemacht und vom Clan verstoßen. Schnell wird klar, dass er und Kerstin nicht nur durch die Fähigkeit des Gedankenlesens miteinander verbunden sind, auch körperlich ist die Anziehungskraft extrem stark.
Kerstin ist Kampfsportmeisterin und kann mit ihren schnellen, geschmeidigen Bewegungen jeden sofort kampfunfähig machen. Kerstin ist Sweetlifes Tochter und somit eine Viertelgöttin.

Mehr zu Drago: In New Orleans taucht Drago auf. Als Spitzel der Bruderschaft bei den Dragons eingesetzt, konnte er Angies Leben retten, als diese in Gefangenschaft geriet. Drago ist Angies Cousin und ein Gestaltenwandler und Drache. Vom ersten Moment an fühlen Kerstin und er eine starke Verbindung, sie können die Gedanken des jeweils anderen lesen und fühlen auch körperlich eine starke Anziehung. Es kommt zu einem Konflikt zwischen Tim und Drago. Angie versucht zu vermitteln….

Lilli ist eine richtige Waldelfe und im Moment ganze 343 Jahre alt und somit die Oma an Bord. 😉
Lilli und Dr. Fernando Zoom (Auftritt beim Dinner, sitzt neben Lilli und ist Schiffsarzt und Vampir – tauscht dann später heiße Küsse mit Lilli an Deck aus, wird aber von Angie gestört, Lilli verbringt die zweite Nacht mit ihm, möchte eigentlich nur Sex, hat Angst sich zu verlieben, da der Verlust ihrer früheren großen Liebe André sie traumatisiert hat, schafft es dann aber ihr Trauerzeit zu beenden und beschließt ihren „Nando heiß und innig zu lieben – alias Orlando Bloom). Fernando stammt aus Argentinien aus einer reichen Familie, Mutter Rinderzüchterin, Vater Arzt, Erziehung in der Schweiz, Studium in Havard
Lilli ist spezialisiert auf Computer, kann jeden Code knacken und läuft von Zeit zu Zeit, wenn sie sich gewaltig ärgert, oder ihre Gefühle in Wallung geraten, entsprechend der Farbe des Waldes, grün an. 😉 – Lilli stammt aus dem Teutoburger Wald, lebte bei den Hugenotten in Frankreich, saß im Kerker und landete schließlich in München, weil dort die Menschen sooooo nett sind. 😉 Lucy lernte sie auf Wanderschaft kennen, die restlichen Ladies traf sie in München in einer zwielichtigen Gegend – hm, was sie dort wohl gesucht haben.
Lilli erfährt im Laufe der Geschichte, dass sie eine Hüterin und Königin des Waldes und der Erde ist und die uralte Macht der Elfen bsitzt, die Kräfte der Natur zu rufen und zu beherrschen. Ihre Großmutter war eine Hüterin, und da Lilli die letzte weibliche Elfe aus ihrem Geschlecht ist, wurde diese Macht an sie vererbt.

Lucy und Gavin Dandy (Fitness-Trainer, trinkt Likör 42 und gibt Aerobic-Kurse, und ist ein Feuerelfe – alias David Gandy)
Lucy ist ein Findelkind und wächst unter ärmlichen Verhältnissen in einem Kloster in Rom auf. Im Alter von 15 Jahren haut sie dort ab, nachdem ihre Freundin Maria zu Tode gequält wurde. Nach langer Zeit der Wanderung durch Europa, lernt sie schließlich Lilli kennen. Lucy ist spezialisiert auf Computer, kann jeden Code knacken. Lucy gehört zu der Spezies der Katzen und hat dementsprechend 7 Leben, na ja, nicht ganz, das eine oder andere ist ihr schon abhanden gekommen.
Lucy und Gavin verlassen bei Kuba die Seraphim, um in Havanna weitere Erkundigungen über das Vorhaben der Red Dragon herauszufinden. Hier treffen sie unvermutet auf Lindsay.

Lindsay: Lindsay gehört zum Clan der Bruderschaft und war in ihrem Leben besonders Drago zugetan. Nachdem Drago wegen eines Auftrags weggeschickt wurde, nahm sie sich das Leben, indem sie von einer Klippe sprang. Ihre Leiche wurde allerdings nie gefunden. Unvermittelt taucht sei quicklebendig in Havanna während des Empfangs auf. Sie lässt Gavin ein geheimnisvolle Botschaft zukommen und bittet um ein Treffen.

Tiago, brasilianischer Mitarbeiter der Rezeption (alias Tiago Riani)

Duncan Thorpe – Anführer der “Schwarzen Orchidee” – ein Vampir (alias Adrian Paul)

Eric von Castell – (alias Johnny Depp) Cousin von Duncan Thorpe und Verbindungsmann zu Sweetlife <- sitzt zu Hause am PC und wird bald wahnsinnig vor Stolz auf ihre tuffen Ladies an Bord der MS Seraphim. Sweetlife ist die Mutter von Kerstin und war irgendwie mit einem Gott oder Halbgott verheiratet – hm, aber was war sie nochmal selbst???

Mr. Hattori Hayabusa, ein japanischer Ninja, der für seine Schwert-Kampfkunst berühmt ist und den Ladies bei einem Japan-Auftritt als Dolmetscher gedient hat. Die Orchideen haben ihn halbtot gefunden, nachdem er von den den Dragons wegen möglicher Informationen über die Ladies und die Bruderschaft gefoltert wurde. Wird von Schiffsarzt Dr. Fernando Zoom wieder zusammengeflickt. Ist wieder relativ fit, möchte aber nicht nach Peru und gegen die Dragon zu kämpfen, sondern nach Japan zurück um wieder zu Kräften zu kommen.

Ef-Ef – sprechender Dämon in Hamster-Gestalt mit französischen Akzent. Ein Produkt von Docs nicht ganz ausgereiften magischen Kräften. Ist ziemlich frech, hört allerdings auf Doc und erkennt sie als Herrin an.

Don Goose (Gift- und Kampfzwerg) und Hack Vreße – auf jeden Fall feindlich gesinnt.

Moggovitor, genannt Vito – Aztekengott und mächtiger Dämon – Kontakt über Sweetlife – freundlich gesinnt (alias Viggo M.)

Quelle Fotos: Flickr.com