Monat: Juni 2007
Lesen! im ZDF mit Elke Heidenreich am 26.06. um 22.45 Uhr
Am 26. Juni 2007 um 22.45 Uhr wird die „Vielleserin“ Elke Heidenreich wieder zum Lesen animieren und mehrer Bücher vorstellen. Als Gast begrüßt sie diesmal Nike Wagner, die Urenkelin des Komponisten Wagner.
Anbei findet Ihr die Bücherliste mit den zur Zeit feststehenden Buchtiteln.
Alle weiteren Bücher, die in der Sendung zusätzlich genannt werden, stehen aktuell noch nicht fest. Weiterlesen
Der schönste erste Satz von Judith Hermann aus Sommerhaus, später
Mein erster und einziger Besuch bei einem Therapeuten kostete mich das rote Korallenarmband und meinen Geliebten.
„Sommerhaus, später“ von Judith Hermann
Kurzbeschreibung
Zwei Frauen, die auf einer Insel ein Spiel spielen, das »sich so ein Leben vorstellen« heißt. Ein Premierenfest, das ein unerwartetes, frühmorgendliches Ende in der Wohnung des Regisseurs findet. Ein Mann, der in seinem Sommerhaus an der Oder Besuch erhält und an seine Vergangenheit erinnert wird, die er nicht mehr kennen will.
Judith Hermanns Figuren inszenieren sich ihr Leben, sie lassen sich nur passiv oder als Zuschauer, nur spielerisch in »Lebensläufe« ziehen. Es ist ihr Gespür für die Zwischentöne und die subtilen Unaufrichtigkeiten der Gegenwart, das ihre Geschichten so eindrucksvoll macht. Die Gedanken der Helden und Heldinnen kreisen immer wieder um dieselben Themen: um Liebe und Vergänglichkeit und die Angst vor dem ungelebten, dem verhinderten Leben. Die Enkelin, die von ihrer ans Bett gefesselten Großmutter erzählt, der alte Mann, der in einer New Yorker Absteige einer jungen Reisenden begegnet – sie spüren, wie die Zeit an ihnen vorübergezogen ist. Alle aber ahnen, daß sich ihr Leben nicht in der Gegenwart, sondern in der Erinnerung und in der Vorstellung zuträgt, daß Liebe und Vergänglichkeit letztlich zwei Worte für dasselbe sind.
Aus der Amazon.de-Redaktion
Eine Menge Vorurteile werden mit Judith Hermanns Debütwerk beseitigt: Erstens, es gibt doch gute deutsche Nachwuchsautoren, zweitens, die Gattung der Erzählung ist nicht tot, und drittens, deutsches Schreiben ist per se nicht schwerfällig und grüblerisch, sondern kann, so zeigt Sommerhaus, später, sehr leichtfüßig und virtuos daherkommen.
Die Erzählperson schlüpft in neun Geschichten in verschiedene Rollen und Geschlechter: Mal ist sie Enkelin, mal Geliebte, mal Künstler, mal Zuhörer. Und manchmal auch bloß Erzählerin. So schnell sie eine Intimität zum Leser aufbaut, so schnell endet die Geschichte auch wieder und es beginnt eine neue. Personen treten in das Leben der Protagonisten und gehen wieder, reißen kleine Wunden, die lange schmerzen. Da ist der alte, einsame Mann, der seine Klassikkassetten einem jungen Mädchen schenkt, obwohl sie ihn versetzt; oder Sonja, die wie ein naives Kind in einen Maler verliebt ist und dann wie ein Geist wieder aus seinem Leben verschwindet. Gute und Böse gibt es nicht, nur Unvermögen oder Großzügigkeit.
Hermanns Kunst ist unmittelbar: direkte Rede, reale Vergleiche, detaillierte Wahrnehmung. Und doch bleiben die Erzählungen angenehm unvollständig. Als hätte jemand eine Kamera auf ein paar Personen in Berlin oder New York oder sonstwo gehalten und wieder ausgeblendet. „Du musst lernen zu warten“, sagt einer ihrer Protagonisten, „auch auf die kleinen Ereignisse“.
Judith Hermann hat für Sommerhaus, später den Förderpreis des Bremer Literaturpreises 1999 erhalten. In der Begründung der Jury heißt es: „Judith Hermann formuliert in atmosphärisch dichter Prosa und mit großer sprachlicher Sicherheit das Lebensgefühl von Menschen, die in Liebe und Angst befangen, das wirkliche Leben verfehlen und das Scheitern der eigenen Lebenspläne mehr melancholisch beobachten als trauernd erleben.“ –Bettina Albert
Über die Autorin
Judith Hermann wurde am 15. Mai 1970 im St. Joseph-Krankenhaus in Berlin-Tempelhof geboren. Sie begann ein Germanistik- und Philosophie-Studium mit der Absicht, im Anschluss als Journalistin zu arbeiten. Sie brach dieses ab und entschied sich für ein Praktikum in New York. Dort besuchte sie die Journalistenschule. 1997 erhielt sie das Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste in Berlin. In Amerika schrieb sie ihre ersten literarischen Texte und entdeckte bald die Kurzgeschichte als „ihr†œ Genre. 1998 veröffentlichte sie schließlich ihren ersten Prosaband Sommerhaus, später.
Nach ihrem ersten Erfolg verstrichen mehrere Jahre, in denen sie †“ nach eigener Aussage †“ lernen musste, mit dem Druck, der nun durch Verlage, die Medien und die Öffentlichkeit in Form eines erwartungsvollen Publikums auf sie ausgeübt wurde, umzugehen.
Sie ist Mutter eines Sohnes und lebt und schreibt in Berlin/Prenzlauer Berg.
2003 folgte der zweite Erzählungsband Nichts als Gespenster.
Sommerhaus, später
Hermann gelang der literarische Durchbruch mit ihrer Erstpublikation, dem Erzählungsband Sommerhaus, später. Gelobt wurden dabei ihre in kurzen Sätzen gehaltenen, doch trotzdem unschlüssig bleibenden Schilderungen alltäglicher und scheinbar alltäglicher Begebenheiten. Hermann skizziert in ihren melancholisch gefärbten kurzen Erzählungen die Stimmungen der Personen und die feinen Nuancen in wenigen Worten. Durch dieses Verfahren wirken ihre Erzählungen sehr atmosphärisch und aufgeladen, zugleich vermeidet Hermann es, große Gefühle direkt auszusprechen oder klar zu benennen. Diese Technik hat ihre direktesten Vorfahren in den Storys des amerikanischen Schriftstellers Raymond Carver, auf den Hermann sich in Interviews und Preisreden immer wieder bezogen hat.
Für Buchtrinker und Seitenfresser mit dem Faible für „Frida Kahlo“ der Malerin der Schmerzen – und für Dr. Sno*
Der Ruhm, Lateinamerikas berühmteste Malerin zu sein, gebührt der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo (1907†“1954). Ihr Leben und ihre Kunst wurden von Kindheit an durch Krankheiten, Schmerzen und Operationen geprägt. Als das bekannteste unter ihren insgesamt 271 Werken zählt das Selbstbildnis „Die gebrochene Säule†œ. Die „Malerin der Schmerzen†œ gilt als Bahnbrecherin einer weiblichen Ästhetik und gehört zu den Kultfiguren der feministischen Ideologie. Weiterlesen
Ist bald Schluss mit der gedruckten Literatur?
wie die Süddeutsche Zeitung und golem.de berichteten, hat E-Ink eine neue Generation des elektronischen Papiers vorgestellt. Damit ist es möglich Papiergrößen bis 9,7 Zoll (mal 2,54 = cm) zu produzieren. Der große Vorteil ist, dass Papier beim Lesen keinen Strom verbraucht und dass man in weniger als einer Sekunde „umblättern“ kann. Man soll 7.500 mal umblättern können, bis der Akku neu geladen werden muss. Sony und einige andere Unternehmen haben bereits Geräte (elektrische Bücher ohne Inhalt) auf dem Markt. Hintergrundmusik (MP3-Player) gleich inklusive! Über 80 Bücher zu speichern ist kein Problem. Die Qualität ist hervorragend! 160 dpi (Punkte pro Zoll) ist Buchqualität.
„Die schöne Zeit der Papprücken, Ledereinbände und des Geruches nach frischem Papier ist nun vorbei? Man darf keine Nutella-Eselsohren mehr produzieren?†œ