Lesung mit Katharina Hagena im Literaturhaus München am 18.06.

Der Geschmack von Apfelkernen –
Lesung mit Katharina Hagena am Mittwoch, 18.6.2008 um 20.00 Uhr im Foyer des Münchner Literaturhauses, Salvatorplatz 1, Eintritt: 8 Euro
Moderation: Marion Bösker

Der Geschmack von ApfelkernenMartin Walser schrieb: „Der Geschmack von Apfelkernen ist ein Genuss.“

Ein Buch über die Liebe, den Tod und das Vergessen!

Schillernd und magisch sind die Erinnerungen an die Sommerferien bei der Großmutter, geheimnisvoll die Geschichten der Tanten. Katharina Hagena erzählt von den Frauen einer Familie, mischt die Schicksale dreier Generationen. Ein Roman über das Erinnern und das Vergessen – bewegend, herrlich komisch und klug. Als Bertha stirbt, erbt Iris das Haus. Nach vielen Jahren steht Iris wieder im alten Haus der Großmutter, wo sie als Kind in den Sommerferien mit ihrer Kusine Verkleiden spielte. Sie streift durch die Zimmer und den Garten, eine aus der Zeit gefallene Welt, in der rote Johannisbeeren über Nacht weiß und als konservierte Tränen eingekocht werden, in der ein Baum gleich zwei Mal blüht, Dörfer verschwinden und Frauen aus ihren Fingern Funken schütteln. Doch der Garten ist inzwischen verwildert. Nachdem Bertha vom Apfelbaum gefallen war, wurde sie erst zerstreut, dann vergesslich, und schließlich erkannte sie nichts mehr wieder, nicht einmal ihre drei Töchter. Iris bleibt eine Woche allein im Haus. Sie weiß nicht, ob sie es überhaupt behalten will. Sie schwimmt in einem schwarzen See, bekommt Besuch, küsst den Bruder einer früheren Freundin und streicht eine Wand an. Während sie von Zimmer zu Zimmer läuft, tastet sie sich durch ihre eigenen Erinnerungen und ihr eigenes Vergessen: Was tat ihr Großvater wirklich, bevor er in den Krieg ging? Welche Männer liebten Berthas Töchter? Wer aß seinen Apfel mitsamt den Kernen? Schließlich gelangt Iris zu jener Nacht, in der ihre Kusine Rosmarie den schrecklichen Unfall hatte: Was machte Rosmarie auf dem Dach des Wintergartens? Und was wollte sie Iris noch sagen? Iris ahnt, dass es verschiedene Spielarten des Vergessens gibt. Und das Erinnern ist nur eine davon.

Katharina Hagena, geboren 1967, ist eine deutsche Autorin, die in Marburg, Freiburg und London Anglistik und Germanistik studierte. Nach einem Forschungsaufenthalt an der James-Joyce-Stiftung in Zürich promovierte sie über das Meer als sprachbildendes Element im Ulysses. Im Anschluss lehrte sie am Trinity College in Dublin und an der Universität Hamburg.

2006 entstand − aufbauend auf ihrer Dissertation − im Auftrag des Marebuchverlags das Werk Was die wilden Wellen sagen. Der Seeweg durch den Ulysses. Anfang 2008 veröffentlichte sie ihren Erstlingsroman Der Geschmack von Apfelkernen. Darin erzählt sie die Geschichte einer jungen Bibliothekarin, die nach dem Tod ihrer Großmutter deren Haus erbt und darin eine Reise in ihre Vergangenheit und die ihrer Familie beginnt.

Veranstalter: Kiepenheuer & Witsch Verlag, Stiftung Literaturhaus

Tatendrang sucht Lesepaten in München

Die Freiwilligen-Agentur „Tatendrang“ lädt zum Informationsabend „Lesepaten gesucht! Ideen machen Schule“ ein.

Dabei spricht Julia Berkic vom Staatsinstitut für Frühpädagogik über „Die Bedeutung persönlicher Bindung für Bildung von Kindern“. Anschließend informiert Tatendrang über das Projekt „Lesezeichen – Lesen und Sprechen mit Schulanfängern“, für das Freiwillige gesucht werden, die eine Lesepatenschaft für ein Schulkind übernehmen wollen.

Heute, Montag, um 18 Uhr in der Thierschstraße 17, Anmeldung: Telefon 2 90 44 65

Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell: Der Titel

„Die Wohlgesinnten“ – Wie ist der Titel von Jonathan Littells Roman zu verstehen?“

Viel diskutiert wird wie der Titel des Romans „Die Wohlgesinnten“ von Jonathan Littell zu verstehen ist. So haben sich unter anderem Experten im Lesesaal der FAZ dazu geäußert.

Frank-Rutger Hausmann, geboren 1943 in Hannover, Studium der Rechte, der Romanistik, Geschichte und Mittellateinischen Philologie in Göttingen und Freiburg im Breisgau, Promotion 1968, Habilitation 1974, seine Forschungsschwerpunkte liegen in der französischen und italienischen Literatur, ist im Lesesaal der FAZ auf die Frage folgendermaßen eingegangen:

Die deutsche Übersetzung des französischen Originaltitels „Les Bienveillantes“ lautet „Die Wohlgesinnten“. Dieses Wort kommt, sieht man von der Titelseite einmal ab, nur einmal im ganzen Roman vor, und zwar am Schluss, nachdem Max Aue seinen Freund Thomas Hauser, sozusagen sein Alter ego, aber auch den Kriminalkommissar Clemens, der ihn verfolgt, getötet hat.

Für das Gesamtverständnis ist die Bedeutung des Titels demnach nicht unwichtig und erklärungsbedürftig. Der Normalleser wird bei „Die Wohlgesinnten“ nicht unmittelbar an die Rachegöttinen der griechischen Mythologie, die „Eumeniden“, denken, die man sowohl im Französischen wie im Deutschen gelegentlich als „Les Bienveillantes“ oder „Die Wohlgesinnten“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen Euphemismus für den ursprünglichen Namen „Erinyen, Erinnyen“, die Töchter der Nacht mit finsterem Gesicht, die aus dem Tartaros aufsteigen, um Bluttäter und Frevler zu verfolgen und zu peinigen. Sie sind sozusagen das verkörperte schlechte Gewissen. Da die Eumeniden, kultisch betrachtet, ursprünglich segensspendende Erdgottenheiten bezeichnen, wird ihr Name von denen, die sie fürchten, zur Unheilsabwehr auf die Erinyen übertragen.

Aischylos hat den letzten Teil seiner „Orestie“ mit „Eumeniden“ überschrieben. Diese Trilogie dramatisiert eine blutige Familiensaga: Der Vater Agamemnon opfert seine Tochter Iphigenie, wird dafür von seiner Frau Klytämnestra ermordet, die wiederum von ihrem Sohn Orest getötet wird. Das Besondere daran ist, dass die Erinyen ihren Racheanspruch nicht durchsetzen können. Athenes Stimme gibt bei einer Art göttlichem Tribunal den Ausschlag für Orests Entsühnung, der seine Mutter im Auftrag Apolls erschlagen hat, was die Schuld des Muttermordes mildert. Aus den „Erinyen“ sind somit wahrhaft „Eumeniden“ geworden.
Ob nun Max Aue ein moderner Orest, das heißt ein „tragischer Held“, genannt werden kann, wie Littell im „Spiegel“-Gespräch vom 11. Februar selber sagt, bleibe dahingestellt.[…]

[…]Immerhin belegt das Ende des Romans so etwas wie ein Gewissen des Ich-Erzählers: „Mit einem Mal spürte ich das ganze Gewicht der Vergangenheit, den Schmerz des Lebens und des unerbittlichen Gedächtnisses, ich blieb allein … mit der Zeit und der Traurigkeit und dem Leid der Erinnerung, mit der Grausamkeit meiner Existenz und meines künftigen Todes. Die Wohlgesinnten hatten meine Spur wieder aufgenommen.“ Der Leser mag über dieses Ende spekulieren. Sind die Erinyen „wohlgesinnt“, weil Aue seiner irdischen Strafe bisher entgangen ist und in Frankreich untertauchen konnte, oder bezeichnet er sie nur ironisch mit diesem Namen, weil sie ihn zwar bis an das Ende seiner Tage verfolgen werden, ihm aber nichts wirklich anhaben können?[…]

Die vollständigen Ausführungen von Frank-Rutger Hausmann sowie weitere Stellungnahmen zu dem Thema im Lesesaal der FAZ.

J. K. Rowling erhält Ehrendoktorwürde der Universität Harvard

J. K. RowlingBegeistert nahmen die Studenten der Universität Harvard die Information auf, dass J. K. Rowling nicht nur die Ehrendoktorwürde erhält, sondern auch die bedeutende „Commencement Address“ (Rede an Universitätsabsolventen) halten würde. Bill Gates, Alan Greenspan, Benazir Bhutto, Richard von Weizsäcker, Alexander Solschenizyn und John F. Kennedy gehören zu denen, die zuvor dieses Amt ausüben durften.

Wie traditionell üblich hielt Rowlings die Rede erst am Nachmittag im Rahmen der Alumni-Versammlung. Die sonst eher spärlich besuchte Versammlung war bis auf den letzten Platz besetzt. Bescheiden, fast peinlich berührt nahm sie die standing ovations entgegen. Dann beschrieb sie den Horror, den sie empfand, als sie über ihre Harvard-Rede nachdachte, und die Erleichterung, als ihr aufging, dass sie sich an die Worte der Rednerin bei ihrem eigenen „Commencement“ überhaupt nicht mehr erinnert.

Sie beschrieb ihren seit frühester Kindheit gehegten Wunsch, Romane zu schreiben und das Drängen ihrer Eltern, dieser Geistesverwirrung, die nur in die Armut führen könne, nicht nachzugeben. So studierte sie moderne Sprachen, floh aber schon bald vor dem Deutschen in die klassische Abteilung. „Die Eltern dafür zu tadeln, dass sie einen in die falsche Richtung gedrängt haben, trägt ein Verfallsdatum.“

Mit 28 Jahren, nach einer gescheiterten Ehe, sah sie auch ihr Leben als gescheitert an. Sie war allein mit Kind und „so arm, wie man in England überhaupt sein kann, ohne obdachlos zu sein. Nur ein Narr romantisiert die Armut. Die Armut ängstigt, erniedrigt, entwürdigt, deprimiert“. Sie reduziere den Menschen aufs Essentielle. „Ich war am Leben, hatte meine Tochter und eine alte Schreibmaschine. Ich entdeckte, dass ich einen starken Willen hatte und enorme Selbstdisziplin. Auf dieser Basis baute ich mein Leben wieder auf“.

Nun würde man sicher erwarten, dass sie beschreibe, wie die Phantasie ihr geholfen hat. Aber unter „imagination“ verstehe sie das Vermögen, sich in Menschen hineinzuversetzen, deren Erfahrungen man nicht teile. Um ihre Miete bezahlen zu können, habe sie bei Amnesty International in der Afrika-Abteilung gearbeitet. Von dieser Erfahrung sei sehr viel in ihr Schreiben eingeflossen. Es sei ihre Aufgabe gewesen, die handgeschriebenen Briefe zu lesen, die täglich eintrafen, mit Mitteilungen von Verschleppungen, Vergewaltigungen, und Exekutionen. Eines Tages habe sie auf dem Korridor einen entsetzlichen Schrei gehört, den Schrei des Grauens eines Afrikaners, der gerade erfahren hatte, dass seine Mutter hingerichtet worden ist.

Jeden Tag, sagte Rowling, sei sie dankbar, in einem demokratischen Land zu leben. Sie warnte die Harvard-Studenten vor der Apathie der Privilegierten und zitierte Plutarchs Einsicht, dass, was wir innerlich erreichen, die äußere Welt verändert.

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Quelle Foto: Flickr

Brigitte Kronauer ehrt Marie-Luise Scherer mit Italo-Svevo-Preis

Die Schriftstellerin und Büchner-Preisträgerin Brigitte Kronauer hat den Italo-Svevo-Preis 2008 als allein verantwortliche Jurorin der Journalistin und Schriftstellerin Marie-Luise Scherer zugesprochen.

Der Italo-Svevo-Preis ist ein Literaturpreis, der seit 2001 an herausragende deutschsprachige Autoren verliehen wird. Der nach Italo Svevo benannte Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Er wird von Nordcapital, einem Tochterunternehmen der HypoVereinsbank, gestiftet und wurde bis 2004 in Zusammenarbeit mit der Freien Akademie der Künste zu Leipzig vergeben. Seit 2005 wird der Preis mit dem Literaturhaus Hamburg verliehen.

Marie-Luise Scherer, geboren 1938 in Saarbrücken, arbeitete von 1974 bis 1998 für den „Spiegel“. „Sie, die wenig publizierte, hat das Genre der literarischen Reportage in Deutschland wie keine zweite geprägt“, heißt es in der Laudatio der Jurorin Brigitte Kronauer. Zuletzt erschien von ihr in der Anderen Bibliothek 2004 der Reportagen-Band „Der Akkordeonspieler“.

Quelle: Literaturhaus Hamburg